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Todessturz eines Radfahrers. Bei dem Prämienfahren des Radfahrervereins Habicht" in Leipzig löste sich an der Maschine des Fahrers Alwin Donner ein Pneumatik aus der Felge. Der Fahrer stürzte und zog sich eine Gehirn­Erschütterung sowie einen Schädelbruch zu, an deren Folgen er gestorben ist.

Diebstahl im Kloster. Im Franziskanerkloster zu Bilfen wurde ein großer Gelddiebstahl entdeckt. Als Täter stellte man einen achtzehnjährigen Klosterdiener fest. Man fand bei ihm noch den Betrag von 3270 Kronen.

Ein Vater- und Brudermörder. In Lischna in Mähren froch während der Nacht der ältere Sohn eines Ausgedingers in die Wohnung seines Vaters und schlug diesen, sowie seinen siebzehnjährigen Bruder mit einer Hacke tot. Die Mutter, die auf das Hilfegeschrei herbeieilte, konnte durch die verschlossene Tür keinen Einlaß finden, so daß der Mör­der durch das Fenster zu flüchten vermochte.

Gine bestohlene Bibliothek. In der Bibliothek des föniglichen Schlosses zu Madrid sind, wie erst jetzt entdeckt wurde, seit mehreren Jahren sehr viel wertvolle Bücher und Manuskripte entwendet worden. Zwei Palastbeamte wurden berhaftet, ebenso ein Mitschuldiger, der außerhalb des Schlosses wohnte.

Magyarifche Verwilderung.

( Cig. Bericht.)

Budapest, 22. Oktober.

Zeit, in unserem fühleren Deutschland seinen Nimbus ein­gebüßt. Man meint, die moderne Frau ist zu ernst, zu sehr Geistesmensch, um ihre Gefühle durch Winken und Wedeln, durch Auf- und Zuklappen des Fächers auszudrücken. Ja, man ist sogar so unliebenswürdig, zu behaupten, daß sie nicht einmal sehr kokett sein könnten, gar nicht fähig, um in der galantesten Sprache der Welt zu reden: diese Sprache, die einst mit Grazie geübt wurde, die man sogar in einer Fächerakademie erlernen konnte, zu der junge Damen und Herren eifrig pilgerten! Denn es gehörte zum gesellschaft­lichen Schliff, daß man trotz aller Glut der Gefühle maßvoll mit Anstand sie zum Ausdruck brachte. Wer mit geschlosse­nem Fächer nach dem Herzen deutete, gestand seine Liebe; mer ihn schnell durch die linke Hand zog, beklagte sich über Untreue; wer ihn in der rechten Hand hielt, beschwerte sich über Verschlossenheit; wer ihn zur Spiße der Nase führte, warnte vor Lauschern; wer mit ihm die linke oder rechte Wange berührte, verneinte oder bejahte eine Frage. Ueber den geöffneten Fächer hinwegschauen, hieß, daß der Ersehnte am Abend erwartet werde. Aus der Zahl der Falten, über die der Finger fuhr, war die Stunde des Stelldicheins zu entnehmen. Durch schnelles und hörbares Zusammenklappen wurde das Stelldichein für unmöglich erklärt, aber durch ein langsames Erschließen pünktliches Erscheinen zugesagt. Be­denkzeit wurde erbeten, indem man den halb geöffneten Fächer sinnend betrachtete und auf den Schoß legte, und die angenehme Mitteilung, daß eine Werbung auf Erhörung rechnen dürfe, fand ihren Ausdruck in dem langsamen Ent­falten und freundlichen Beschauen des Fächers. So erzählen die Chroniken, denen alle modernen Historiker, die über den Fächer geschrieben haben und deren Zahl nicht klein ist, ihre Weisheit verdanken.

Die Verrohung der Sitten hat im schönen Ungarlande derartig zugenommen, daß bereite die Magyaren selbst darüber öffentlich Klage zu führen beginnen. Es ist gar so lange nicht her, daß Ritterlichkeit ein Grundzug des hiesigen Bolfscharakters bildete, daß man hätte glauben dürfen, die Magyaren wären irastande gewesen, nach dem Betipiel der Franzosen aus dem Zeitalter Ricyclicus emem deinde zu­zurufen: Schießen Sie zuerst, incine Herren Eine er­schreckende Veränderung ist vor sich gegangen. Es scheint, als hätte hier wirklich die Politik den Charakter verdorben. Der Parteienstreit ist so beftig geworden, daß er, um cin Wort des Fürsten Bismarck zu gebrauchen, zur politischen Brunnenvergiftung" geführt hat. Er hat die wüstesten, ab­stoßendsten Formen bei Jung und Alt angenommen. Jeder einzelne hält sich berechtigt, eine abweichende Meinung als Beichen untilgbaren sittlichen Makels zu behanvein, und glaubt, durch den Gebrauch der widerwärtigsten, gröbsten Schimpfworte, die eigene Tugend wie die Verderbtheit des Gegners in helles Licht seßen zu können. In den publizisti­schen Rundgebungen selbst gereifter, den Jahren nach ge­reifter Männer ist jedes Wort ein Nachttopf- und kein leerer. Wer die Straße der Politik betritt, ist Stinkbomben und Kotgeschossen ausgesetzt, und die Waffen der Abwetr entsprechen denen des Angriffs. Man muß Kanalräume sein, um sich in dieser Atmosphäre nicht Erstickungsanfällen ausgesezt zu fühlen. Die parlamentarischen Männer setzen einen förmlichen Stolz darein, jeden parlamentaris en Ausdruck zu vermeiden. Der Unbeteiligte wird sich gan; be­sonders seltsam dadurch angennutet fühlen, daß die Ungarn deswegen doch nicht aufgehört haben, mit überheblichem Stolz und verachtungsvoll auf die österreichischen Parlamen­tarier als auf schlecht erzogene Menschen hinunterzusehen, die sich wie wild gewordener Böbel gebärden, aus Nieder­tracht und Gemeinheit Unfug verüben, während ihr eigenes Gebaren wenigstens an die tapfere Wildheit der Hunnen. attacke erinnert.

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boden" günstige Entfaltungsbedingungen. Und so sehen wir, wie in den verschiedenen Zeiten auch die Formen des Selbstmordes ansteckend wirken. Sie sind meist für Frauen und Männer verschieden. Die Männer ziehen das Gift und die Schießwaffen vor. Die Frauen das Wasser, den Sturz aus hochgelegenen Fenstern und Erhängen. Man kann in den Polizeiberichten der Großstädte verfolgen, wie in einer Woche die eine Selbstmordform stark überwiegt, in der an­deren wieder ein anderes Mittel angewendet wird. Aber alle die Methoden, der Qual des Lebens ein jähes Ende zu machen, scheinen in unseren Tagen verdrängt durch das Lysol. Hier wirken so mancherlei Umstände mit. Einmal die seelische Ansteckung: ein Degenerierter sucht seine Hilfe, versucht's ein anderer auch. Wichtiger aber ist die leichte Beschaffung dieses Mittels. Für 50 Pfg. kann man sich in jeder Droguerie den besten Tod anschaffen. Bester" ist freilich falsch- denn der Tod durch Lysolvergiftung ist fast der qualvollste, den wir uns vorstellen können. Während die übrigen schweren Gifte nur gegen Giftschein", Rezepte von approbierten Personen und unter den kompliziertesten Sicherheitsmaßregeln abgegeben werden, kann sich jeder dieses furchtbare Gift Lysol ohne weiteres beschaffen.

Mörder feinem Schwager Schwerte den Kopf abhiel Waffer in der Batte hat madhgewiesen, daß des Nahrungsmittelgeje Mart, nicht geeignet fin der bei einem Bezug b einen unredlichen Gem nämlich den 50 Litern er täglich bei einem B den Liter 2 Mart un 2 Liter Rahm(= 29 Fettgehalt herausnimm läffigen Fettgehalt bon 1,60 Mark täglich und winn. Groß ist auch d indem er wässerige B gehalt von 20 v. H. ftat im Deutschen Reich run Wasser bezahlt!

Es ist nun nur noch eine Frage der Zeit, wann das Lysol dem freien Verkehr entzogen wird. Aber bei der no­torischen Giftigkeit dieses Präparates muß doch jedem der Gedanke aufsteigen, warum die Behörden nicht schon längst die Freigabe des Lysols widerrufen haben. Diese Frage scheint berechtigt. Und ihre Beantwortung schließt ein Ka­pitel moderner Kulturgeschichte in sich. Seitdem die An­sammlung großer Menschenmassen in den Städten sich voll­zog, ist die persönliche und darauf aufbauend die soziale Hygiene geradezu eine gebieterische Forderung des Selbst­schutzes geworden. Nun haben wir in den kleinen Lebewesen

Bei uns geht man daran, alles, was einst schön war, was mit der Kunst zusammenhängt, was eine Frau reizvoll machen kann, wieder zu neuem Leben zu erwecken. Man will es auch nicht glauben, trotz aller Zweifler, daß unsere Frauen den Fächer nicht zu handhaben wüßten. So hat man alle Künst ler, die sich mit dem Kunstgewerbe abgeben, angeregt, sich an einer Berliner Fächer- Ausstellung zu beteiligen. In den Salons von Friedmann u. Weber ist sie eröffnet worden, und die Vorbesichtigung der Ausstellung durch ein geladenes Publikum gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Schöne Frauen in höchster Eleganz, geistreiche Männer tausch­ten vor den Vetrinen, hinter deren Glasscheiben herrliche Fächer funkelten und blizten, ihre Ansichten über den Wert der Künstlerarbeiten aus. Das lebhafte Geplauder wurde angenehm unterbrochen durch die kurze Rede van de Veldes, der anmutig, spielend, dabei tiefgründig zum Entzücken aller Zuhörer das Wesen des Fächers und seine Geschichte flatternd, wie ein Fächer selbst, aufrollte. Auch er meinte, daß das Lorgnon der modernen Frau besser stünde als der Fächer. Van de Velde und seine Weimarer Schüler sind mit ganz ausgezeichneten Arbeiten vertreten; seine Malereien und Stickereien mit Flittern sind auf Fächer- Crêpe aus­geführt. Sie entfalten unbedingt in der künstlichen Beleuch­tung eines Ballsaales oder eines Theaterraumes ihre sieg­haften Lichteffekte. Ludwig von Hofmanns tanzende und im Reigen schreitende Nymphen, auf Gaze gemalt, auf Perl­muttergestelle montiert, müssen als diejenigen anerkannt werden, die so ganz das Wesen des Fächers charakterisieren. Hier ist die Leichtigkeit gewahrt, die wir in den Rokoko­Fächern, in den Fächermalereien eines Watteau so sehr be­wundern. Kurt Hermanns schillernde Fächer fesseln, nicht minder aber die Arbeiten Margarete Erlers, die wie viele andere Frauen dartut, daß ihre Finger durchaus geschaffen sind, eigenartige Malereien, Stickereien und Spipenfächer hervorzuzaubern. Warum sollte sie es auch nicht können! Ist doch die Frau der Ueberlieferung nach die Erfinderin des Fächers.

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den Bakterien die Erreger gefährlicher Krankheiten und Seuchen kennen gelernt und zugleich festgestellt, daß sie ihre Schädlichkeiten um so schneller und leichter entfalten können, je mehr Menschen enggedrängt aneinanderwohnen. So erwuchsen für die öffentliche Gesundheitspflege neue Auf­gaben. Der Begriff der Reinlichkeit wurde erweitert. Waschen und Fegen genügen nicht immer. Wir müssen oft auch desinfizieren- d. h. die Bakterien in ihrer Fort­pflanzung hemmen und töten. Die Aufgabe der Desinfek­tion, die sich auf Menschen und Räume erstreckt, kann in weitestem Sinne erst erfüllt werden, wenn wir ein zweck­dienliches Desinfektionsmittel im allgemeinen Verkehr hat­ten. So fand das Lysol seinen Weg. Von den bisher be­fannten war es immer noch das harmloseste. Das Lysol ist eine Lösung von Teerölen in Seife, wie uns ja die Stein­fohle eine gar große Reihe von Heil- und Desinfektions­mitteln gegeben hat. Gewiß war, daß das Lysol die furcht. Fare Giftigkeit der Quecksilberpräparate Sublimat nicht aufweist. Aber die Folgezeit hat doch gelehrt, daß es den Anforderungen eines dem freien Verkehr auszuliefern. den Desinfiziets nicht entspricht. Die Lösung der Frage könnte nur eine chemische Verbindung geben, die zwar die Bakterien aber nicht die Menschen tötet. Hier ist die moderne Wissenschaft nun einen fräftigen Schritt weiter gegangen, indem sie für die Desinfektion ein neues Ausgangsprodukt gefunden hat das Formalin. Frei. lich ist es nur zur Desinfektion von Räumen durch Vergasen anwendbar. Sein stechender Geruch, der Hustenreiz, den schon ein einmaliges Aufatmen der Formalindämpfe er. zeugt, machen seine allgemeine Anwendung unmöglich. Erst ein kompliziertes chemisches Verfahren hat das Formalin für die Gesamtheit zu einem brauchbaren Mittel gemacht in der Gestalt des Lysoform. Der stechende Geruch ver. schwand; durch Einfügung in Seifenlösung wurde es ge schmeidig und für die Händedesinfektion, bei kleinen Wun den, zu Waschungen und Ausspülungen geeignet. Das Lyso­form hat den ernstesten bakteriologischen Untersuchungen standgehalten. Es ist ein vorzüglicher Feind der Bakterien. Teilt es diese Eigenschaften mit dem Sublimat und dem Lysol, so ist Lysoform ihnen durch seine fast völlige Gift­losigkeit überlegen. Hierin liegt seine große Bedeutung für die Volkshygiene. Es ist zwanzigmal so ungiftig als die Darbolsäure. Man würde also zum Vergiften Quantitäten von Lysoform gebrauchen wie sie kein Mensch schnell

Wandert man durch die Ausstellung, betrachtet und He­wundert die herrlichen antiken, die modernen, die Spitzen­Fächer, die schabslonisierten, die gedruckten, so will es uns doch scheinen, als wäre momentan der Glanz des Fächers nicht mehr aufzufrischen. Denn nicht die Frau selbst ist seine Feindin, sondern die Beleuchtungstechnik. Unsere Räume sind nicht mehr übermäßig heiß, so daß das Zufächeln von Kühlung nicht mehr Notwendigkeit ist.

Man sieht, daß das Selbstbewußtsein und die Neigung zur Selbstbeschönigung recht wunderliche Schlupfwinkel aus­findig zu machen weiß. Der Krieg auch hat seine Ehre, der Bezwinger des Menschengeschlechts", heißt es in Schil Iers Braut von Messina"; Homer nennt die Schlacht ,, män. nermordend". Die Schlachten, die hier der Parteihader schlägt, sind moralmordend". In diesen Schlachten ist keine Gelegenheit, irgend eine Tugend zu zeigen, die der wirk. liche Krieg hervortreten läßt und zuweilen fast mit ihm ver. söhnt. An Stelle der Tapferkeit tritt die Abgebrühtheit, und kein anderer Mut wird entwickelt, als der Mut der Gosse". Das politische Duell, eine schon alte, zu den Landes. bräuchen gehörige Unfitte, war ehedem der Ausdruck eines unbändigen Naturells, das sich immerhin gewissen Gesezen und Forinen fügte; jetzt ist es zur Rauferei geworden, auf die man als auf einen Selbstzwed ausgeht. Irgend ein politischer Raufbold, der sich einen Namen machen will, rem. pelt einen Mann von Verdienst und Namen an, bloß damit er selbst in aller Leute Mund komme. So hat dieser Tage Joseph Madaraß der Jüngere, ein Mann von typischer Be deutungslosigkeit Franz Herczeh herausgefordert, dessen Leistungen den Ruhmesschatz der ungarischen Nation haben mehren helfen. Die Verwilderung der Sitten ist natürlich nicht auf die Hauptstadt beschränkt. In der Provinz sieht es nicht besser aus. In Szabadka wurde am Samstag der Advokat und Reichstagsabgeordnete Milosavljevics von einem seiner Klienten, dem Landmann Johann Ulrich, auf der Straße überfallen und mit einem eisernen Stock erschlagen. Redakteur Braun, der dem Angefallenen zu Hilfe kam, murde schwer verwundet. Der fliehende Mörder wurde er. griffen. Der Ermordete, sechzig Jahre alt, der serbischen Kirchenverwaltung angehörig, hatte eine reiche serbische Bäuerin geehelicht, der er, wie man sagt, gestattete, muche­rische Geschäfte zu betreiben. Ulrich soll ein Opfer dieser Geschäfte gewesen und binnen drei Jahren dadurch um sein Vermögen gekommen sein. Nach einer anderen Angabe ist Ulrich schon einmal wegen Mordes angeklagt gewesen, aber mangels genügender Beweise freigesprochen worden. Das ist ein Sittenbild aus der ungarischen Provinz, kein alltägliches, aber doch eins, das Landesanschauungen und Landesbräuche illustriert. Es ist, als hätte ein Taumel die Nation ergriffen, eine Sinnberwirrung, aus der Sittenver­wilberuna als notwendige Folge hervorgeht. Es ist ein dürftiger Troft daß ähnliches auch schon anderwärts wahr. genommen worden, daß man nicht zum erstennal die Er­fabrung macht, wie dünn der Kulturfirnis ist. Immerhin bleibt es ein Trost, der zu der Hoffnung ermutigt, die Be finnung werde auch hier bald zurücfebrer, der Taumel auf hören und das errante Volt in Beschämung sich von den Taten abiventen, durch die es jetzt sein Anleben schändet.

Die fächerausstellung.

Emma Reichen.

Das Modegift.

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trinken kann, selbst wenn es Champagner wäre. Füt Selbstmordkandidaten ist es also völlig ungeeignet. Lyso­form wird das Desinfektionsmittel des freien Verkehrs, der großen Deffentlichkeit werden.

Es muß die Aufgabe des Staates sein, durch die Be­schränkung des freien Verkaufs so giftiger Substanzen wie des Lysols dahin zu wirken, daß den Lebensfeiglingen durch die erleichterte Möglichkeit der Beschaffung eines schwereren Giftes eine flüchtige Minute der Verzagtheit nicht zum Ver­derben werde. Freilich wollen wir nicht vergessen, daß die Erschwerung in der Beschaffung von Giftstoffen noch keine Bekämpfung der Selbstmordepidemie bedeutet. Erst eine ge­sunde Erziehung, der Kampf gegen die Nervenzerrüttung durch unsinnige Lebensführung, demoralisierende Lektüre, sie helfen erst die Gefahren der Zeitenwende überwinden, und sind so eine starke Methode, die Quellen des Selbst­mordes zu verstopfen. Dr. med. E. M. Thomas.

( Von unserem medizinischen Mitarbeiter.) Die Zeitungen werden sich bald entschließen müssen, zur besseren Uebersicht eine Rubrik für Lysolvergiftun gen einzurichten. Es vergeht indertat heute kaum noch ein Tag, an dem uns nicht die Schreckenskunde eines tragischen Selbstmordes und einer Familienfatastrophe übermittelt wird, in denen das Lysol sich als ein gar zu hilfsbereiter Tröster" erwiesen hat. Die medizinische Literatur der neunziger Jahre hat die Fälle von Lysolvergiftung zusam mengestellt. Aber in den meisten handelte es sich um zu fällige Verwechselungen mit verhängnisvollem Ausgang. In den letzten Jahren aber ist an die Stelle der Zufällig. feit die Absicht getreten. Lysol ist das Modegift aller Selbst. mordkandidaten geworden. Der Selbstmord ist die er schreckende Begleiterscheinung all der Zeiten, in denen sich in Kultur, Lebensanschauung und in den Wirtschaftsforrien ein tiefgreifender Wandel vollzieht: Uebergangszeiten. Man hat den alten Boden unter den Füßen verloren und noch keinen neuen Stützpunkt gefunden. Da können nur harte und gefestete Naturen bestehen. Die Schwankenden und Halben, die sich in die neue Zeit nicht fügen können und haltlos umhergeschleudert werden, sie werden zerbrochen und scheiden aus den Sturmkolonnen der Kämpfer ums Dasein aus. Der Schritt zum Grabe ist dann der letzte Ausweg. Nicht Feigheit immer. Aber immer Schwäche und Mut­losigkeit, den Kampf noch einmal zu beginnen. Zumeist, vielleicht immer wird diese Verzweiflung am Leben schon kaum noch das Charakteristikum eines in den weitesten Grenzen normalen Menschen sein. Untersucht man die ein­zelnen Fälle von Selbstmord genauer, analysiert man die betreffenden Menschen nach Abstammung, Lebensführung, ererbten und erworbenen Krankheiten, so stellt sich fast immer heraus, daß man es mit seelisch oder auch körperlich defekten Menschen zu tun hat. Diese seelenkranken Individuen, deren psychische Erkrankung dem Laien kaum sichtbarlich ist, diese ganze Gruppe der an der Grenze normalen und patho­logischen Geisteslebens stehenden Menschen, sie sind zugleich dadurch charakterisiert, daß sie für psychische Infektionen be­sonders empfänglich sind. Nicht nur Cholera, Tuberkulose usw. sind übertragbar. Auch krankhafte Ideen finden, gleich­wie frankmachende Bakterien, auf dem geeigneten Nähr­

( Eig. Bericht.) Berlin, 23. Oktober. Der Fächer, dieses Spielzeug der Frauen aller Jahr­hunderte, der Feldherrnstab des Mannes, in den asiatischen Reichen vergangener Epochen, hat in unserer nüchternen

Kunft und Wissenschaft.

RB Die Oper Salome" in Wien verboten. Die neue Oper von Richard Strauß, die sich Salome" betitelt und nach Oscar Wildes Drama gearbeitet ist, war zur Erstauf­führung im Wiener Operntheater bestimmt. Die Hoftheater­zensur im Ministerium des kaiserlichen Hauses hat die Auf­führung der Salome" mit der Begründung verboten, daß biblische Persönlichkeiten nicht auf die Bühne gestellt wer­den dürften.

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Vermischtes.

7. Sigung der Gießen für die S

2 ( Brot

Anwesend die Herre Durbed, Friedberger,

Mohr, Rommerzientat

fowie der Synditus A 1. Aus dem Gefe

Vom frühen Winter. Von allen Seiten kommen Mel­dungen über Schnee und starken Frost. Im Thüringer Wald liegt der Schnee bis 30 Zentimeter hoch. Die Höhen­orte unterhalten bereits Schlittenverkehr. Die Zahnrad­bahn Ilmenau- Schleusingen ist bereits eingeschneit. Bei Salzungen ist ein von der Arbeit heimkehrender Arbeiter er­froren. Starke Nachtsröste bedrohen überall die Kar­toffelernte. Respekt am Telephon. In einem thüringischen Dorfe turde der Schultheiß vom Felde, wo er mit seinen Ochsen beschäftigt war, ans Telephon gerufen, wo ihn der Herr Landrat in eiliger Angelegenheit zu sprechen wünschte. Das Drtsoberhaupt aber meinte, es sei doch gegen den Respelt, mit dem Herrn Landrat in Stallkleidern zu sprechen. E3

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a) Bei der Eisenbahn Handelstammer da Gießen( Sießen Borislag gebracht interfahrplan n

b) Ferner hat die

515 Sungen- Gi und 516 Siege

je einen Wagen,

einzustellen.

c) an das Großh

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2. Erteilung dem Intrafttrete trage. Die Erhöhu Sandelsvertragen wird