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Hof und Gefellfchaft.

*** Der Kaiser hat die Fahrt zum Mittelmeer am Donnerstag Morgen angetreten. Früh um 8 Uhr erschien der Kaiser auf dem Promenadendeck des Dampfers Ham­burg" und begrüßte dort die zur Mittelmeerreise von ihm eingeladenen Gäste auf das herzlichste. Dort erschien auch Prinz Heinrich von Preußen zur Verabschiedung von seinem kaiserlichen Bruder. Um Uhr ging die Hamburg" bei prachtvollem Wetter und unter einer steifen Brise in See, während die Geschütze des Forts Grimmerhörn und des Kreuzers Friedrich Karl" den Kaiser- Salut abgaben. Der Kreuzer folgte sodann der Hamburg" als Begleitschiff.

*** Für den Aufenthalt der kaiserlichen Familie in Taormina auf Sizilien werden dort bereits die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Der italienische Minister des Innern hat zur Sicherung der hehen Herrschaften 100 arabinieri, vide Geheimpolizisten, und 200 Soldaten hingeschickt. Der internationale Frem­denzustrom ist ungeheuer. Alle Hotels sind überfüllt. Das italienische Reservegeschwader unter dem Kommando Admi­ral Battolos ist bei Taormina angelangt und wird während des Aufenthalts der kaiserlichen Familie dort verweilen. Man erwartet die Ankunft der Kaiserin Auguste Viktoria und des Prinzen Ettel- Friedrich im Hafen von Messina am 26., von wo sie am 27. Nachmittag nach Taormina weiter­zureisen gedenken. Die Kaiserin und Prinz Eitel- Friedrich sind gestern von Berlin nach Italien abgereist.

*** Die Ueberführung der sterblichen Hülle des verstor­benen Ministers von Hammerstein fand am Donners­tag vom Ministerium des Innern zum Lehrter Bahnhof in Berlin statt. Die Beisetzung erfolgte in dem Gute Stein­horst in Hannover. Der Ueberführung zum Bahnhofe ging eine Trauerfeier im Festsaale des Ministeriums voraus, an der als Vertreter des Kaisers der Kronprinz teilnahm. Oberhofprediger D. Dryander hielt die Trauerrede. Nach der Feierlichkeit trugen Wachtmeister der Berliner Schutz­mannschaft den Sag zum Trauerwagen.

Feer und flotte.

25 Jahre unter der Kriegsflagge. Ein seltenes Jubiläum feierte das Kanonenboot Habicht" von der westafrikanischen Station. Mit dem 19. März waren 25 Jahre verflossen, seit der Habicht" zum erstenmale die Kriegsflagge setzte. Besonders bekannt geworden ist sein Nass durch die tat­fräftige Hilfeleistung der Besatzung bei Ausbruch des Herero­Aufstandes.

Deutfcher Reichstag.

( 171. Sigung.)

CB Berlin, 23. März. Vor Eintritt in die Tagesordnung richtete heute der Prä­sident Graf Ballestrem eine bewegliche Bitte an das Haus. Er teilte mit, daß allein zu dem ersten Titel des Militäretats, der schon den dritten Tag auf der Tagesordnung stehe, noch 17 Redner zum Wort gemeldet seien, und knüpfte daran die Mahnung, daß sich diese kurz fassen müßten, wenn die im Seniorenkonvent getroffenen Vereinbarungen inne gehalten werden sollten. Die Herren könnten das leicht tun, wenn sie sich auf wirklich sachliche Erörterungen beschränken und ausgedehnte Auseinander­segungen über persönliche Angelegenheiten vermeiden woll­ten. Die Worte des Präsidenten blieben nicht ohne Ein­druck, die Redner faßten sich wirklich kurz, auch der anti­semitische Abg. Bruhn, den es sicher reizte, die gestern be­gonnene Judendebatte in größerer Breite fortzusetzen, be­schränkte sich auf wenige Bemerkungen, um darzutun, daß Kaiser Friedrich niemals die antisemitische Bewegung die Schmach des Jahrhunderts genannt, vielmehr einen berech­tigten Kern des Antisemitismus anerkannt habe. Der frei­sinnige Abgeordnete Eickhoff nahm sich an ihm ein Bei­spiel und erwiderte gleichfalls in knapper Form; er verlas einige Stellen aus Briefen, um nachzuweisen, daß der ver­ewigte Kaiser jene Aeußerung doch getan habe. Im wei­teren Verlauf der Sigung wurden dann die verschiedensten Dinge ziemlich funterbunt durcheinander besprochen, doch beschäftigte sich eine größere Anzahl Redner und zwar in zustimmendem Sinne mit der Resolution des Grafen Stol­berg- Wernigerode betreffend die Erhöhung der Entschädi­gungen für Naturalleistungen im Kriege und mit einem An­trage des Abg. Dr. Müller- Sagan, den Mannschaften des Heeres und der Marine während ihrer Dienstzeit freie Fahrt und Rückfahrt für eine Reise in die Heimat zu gewähren. Auch wurde von mehreren Seiten eine Einschränkung der Konkurrenz gefordert, die die Militärkapellen den Zivil­musikern machen. Auch die Polen brachten sich noch einmal in Erinnerung, Graf von Mielczinsky gab dem Kriegsminister von Einem Gelegenheit, bekannte Vor­mürffe mit großer Entschiedenheit erneut zurückzuweisen.

deutlich hervor, die in anderen Briefen noch mehr heraus­gearbeitet ist. Man ist in Lemgo nicht besonders zart und wählerisch in seinen Ausdrücken. Trulle" ist aber immer­hin noch salonfähig gegen die landesüblichen Spiznamen, die einzelnen Persönlichkeiten nicht nur von der Anonyma, sondern, wie gerichtsmäßig konstatiert wurde, von der ganzen Einwohnerschaft angehängt zu werden pflegen. Hier tut sich ein tiefer Blick in das liebliche Reich der Zoologie auf: Der Fabrikbesitzer Paul Kracht, ein Herr mit etwas über­mäßigem Embonpoint, wird als Dettschwein und Tram­peltier" bezeichnet, mit dem sich seine jetzige Ehefrau, das damalige Fräulein Wippermann, doch nicht verloben könne, da sein ewiges Grinsen, Schnaufen und Stinken" ihr doch widerlich werden müßte. Fette Gans", alte Gans",, alte Krähe", Apenschwanz" vervollständigen das zoologische Lerikon.

Orthographie und Zoologie. Glossen zum Detmolder Schmähbrief- Prozeß. Die Verhandlungen gegen das Ehepaar Kracht aus Lemgo haben für Fernerstehende bisher die erwarteten Sen­sationen feineswegs erbracht. Das ortsangesessene und in die Verhältnisse, die den anonymen Briefen zu Grunde liegen, aufs genauefte eingeweihte Bublifum fand aller­dings genügenden Kitzel, nicht für seine Nerven, sondern für seine Lachmuskeln. Vikante Familiengeheimnisse sind es nicht, die die anonyme Briefschreiberin aus der Lemgoer Gesellschaft zu verraten hat. Was sie anderen Damen vor­wirft, ist harmlose Bußsucht, die auch in stark vorgerückten Jahren noch jugendlich sein möchte, Kokettieren, Jagd nach dem Mann, furz, lauter Nichtigkeiten, die in den besten Familien vorkommen können. Manche dieser anzüglichen Schreiben sind in ungeschickten Knittelversen verfaßt, die meist jedes Wipes entbehren. Verhältnismäßig am besten gelungen ist noch ein Spottgedicht auf zwei alternde junge" Tamen H.:

Marie, Anna H.

Beide friegten feinen Mann.

Ja, für die Trullen, den zu kapern

Daran tat es hapern.

Trok 40, die 30 vorstellen wollen, Jugendliche Manieren das Alter verdecken sollen, Falsche Zähne und Haare, sogar ausgestonft Lät man's nicht merfen, man wär' ein Tropf. In der dritten Zeile dieses Gereimsels tritt eine bemer­fenswerte Giaentümlichkeit des Lemgoer Milieus schon

Noch mehr aber als diese kräftige Ausdrucksweise, die im Munde einer Dame der Gesellschaft"- und das ist die Schreiberin ohne Zweifel recht sonderbar anmutet, er­regt der Mangel an Bildung Staunen, der sich im Verhör der Angeklagten Kracht, eines waschechten Kommerzienrats­töchterleins, verrät. Die Anonyma steht mit der Ortho­graphie auf äußerst gespanntem Fuß und schreibt z. B. berpöhnt". Auch die Angeklagte buchstabiert das Wort so. In einem anderen anonymen Brief findet sich das Monstrum ,, beohbachten". Denselben horrenden Lapsus, der jedem Sertaner eine Tracht Prügel einbringen würde, weist auch ein Brief auf, den die Angeklagte an ihren Mann gerichtet hat. Eine Reihe anderer orthographischer Klippen, die sich in den anonymen Briefen bemerkbar machten, umschifft die Angeklagte allerdings glücklich im Examen Die Anonyma schreibt u. a. ,, Difer"( statt Dicker"), anspufen"( statt ,, an­spucken"), Plesier"( statt Pläfier"), grunsen" oder grundzen"( statt grunzen") usw. Im ganzen aber be­steht Frau Kracht doch die Prüfung in Orthographie mit der Note Ungenügend".

Und nun kommt das Beste. Der Verteidiger macht darauf aufmerksam, daß das Verfahren des Präsidenten, aus den orthographischen Sünden der Angeklagten auf ihre Täterschaft zu schließen, mehr als gewagt sei. Er könne mit Leichtigkeit wohl zwanzig Personen aus der Lemgoer Gesell­schaft nennen, mit denen es in puncto orthographiae auch nicht besser stände, und die sehr wohl die gerügten Fehler verbrochen haben könnten. Es muß, danach zu ur­teilen, mit der Bildung in Lemgo noch nicht allzu weit her sein. Allerdings ist die Orthographie ja schließlich auch feine leichte Kunst. Das mußte zu seinem Leidwesen sogar der Präsident des Gerichtshofs am eigenen Leibe erfahren, als er der Angeklagten mit dem Buchstabieren eines Eigen­namens eine Falle legte. Die Angeklagte buchstabierte, wie im anonymen Brief stand, Genofeva". Der Präsident ver­fündete als richtige Schreibweise Genovefa", mußte sich diese aber vom Verteidiger beschämt in Genoveva" korri­gieren lassen. Was half es ihm, wenn er sich auf Vorgän= ger, wie Hebbel und Tieck, berief. Die neueſte offizielle Orthographie hat die klassische Zeit der deutschen Dichtung längst zum alten Gerümpel geworfen.

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Hltes Eilen."

( Von unserem Gerichtsberichterstatter.) S. Görlitz, 23. März. Vor der hiesigen Straffammer hat ein Riesenprozeй wegen großer Diebstähle aus königlich preußischen Eisen­bahnwerkstätten begonnen. Auf der Anklagebank ſizen: 1. der Großkaufmann Nathan Viktor Friedeberg aus Bres­lau, 2. der Eisenbahnmaterialienverwalter Adolf Büttner aus Soest in Westfalen, 3. der Eisenbahningenieur Passarge aus Lauban in Schlesien, 4. der Eisenbahnbeamte Heinrich Rücker aus Ober- Bertelsdorf, 5. der königliche Materialien­verwalter Schiewenz aus Lauban, 6. der Eisenbahnarbeiter August Wolf aus Görlig, 7. der königliche Eisenbahnmate­rialienverwalter August Franke aus Lauban und 8. der Eisenbahnbeamte Gust. Schwarz aus Lauban.

Der Hauptschuldige an der ganzen Affäre ist ohne Zwei­fel der erste Angeklagte. Seit mehreren Jahren wurde in verschiedenen Eisenbahndirektionsbezirken, so Breslau, Dort­mund, Bromberg, Halle und Berlin, die Beobachtung ge­macht, daß in nach Breslau bestimmten Güterzügen, meist in den Schlußwagen, ganze Waggonladungen Eisenbahnmate­rial mitliefen, das aus königl. Preußischen Eisenbahnwerk­stätten herstammte und zum Teil noch so gut erhalten war, daß die beteiligten Beamten sich die Bezeichnung Unbrauch­bares Altmaterial" an den Wagen nicht zu erklären_ver­mochten. Der Empfänger war in allen Fällen der Ange­flagte Friedeberg, der in Breslau eine große Altmaterial­handlung besitzt und mit den Jahren zum reichen Manne wurde. Es handelte sich um aus den Eisenbahnbetriebs­werkstätten gestohlenes Material. Natürlich steckten mit Friedeberg eine Anzahl Beamten unter einer Decke. Allein aus den Werkstätten in Lauban sollen im Laufe der Zeit 50 Waggons gestohlenes Material an Friedeberg gelangt sein, aus dem dieser ca. 60 000 Mark gelöst hat.

Die mitschuldigen Beamten standen sich bei diesem Han­del ebenfalls recht gut. Alle haben mehr oder weniger reiche Depots auf der Sparkasse. Schiewenz z. B. hat sich für 12 000 Wertpapiere zugelegt, seine Töchter elegant aus­gestattet und stets einen guten Tag gelebt. Friedeberg wußte die moralischen Bedenken der Leute stets mit dem lockenden Hinweis zu zerstreuen, daß es auf ein paar blaue Lappen nicht ankomme. Das bikchen Geld zur Bestechung spielte für ihn natürlich keine Rolle. Er machte ja ſtets das beste Geschäft, da er die Ware umsonst hatte. Jetzt wird sie ihm aber doch wohl mehrere Jährchen Gefängnis kosten.

Nab und Fern.

* Ein jugendlicher Unhold wurde in Metzendorf bei denburg verhaftet. Der 16jährige Arbeitsbursche Heitm überfiel ein noch nicht schulpflichtiges fleines Mädchen, b

Die Grund

Popfer haber

gewaltigte es und versuchte es dann zu erdrosseln gesehenen Stra wurde hierbei von den Eltern der Kleinen überrascht uadratmeter festgenommen. Das mißhandelte Kind starb infolge eländeaustau Strangulation, während Heitmann zunächst zur Beobeubau am

Die Gräfin Montignoso ist von Fiesole bei Florenz nach Poggio Imperiale übergesiedelt, wo sie eine kleine Villa gemietet hat. Wie italienische Blätter behaupten, em­pfängt die Prinzessin täglich ganze Stöße von Sympathie­fundgebungen aus Sachsen. Viele Briefe sind mit Geld be­schwert einer mit der hübschen Summe von 1500 Mark, die ein Anonymus schickte. Die Prinzessin sei entschlossen, in dem Kampf um ihre Rechte nicht nachzugeben.

Eine Wolfsjagd in Ostpreußen. Im Stadtwäldchen von Strasburg in Ostpreußen, gar nicht weit von den Häu­sern, hatte sich eine Wölfin häuslich niedergelassen. Die Bestie wurde in einem Treiben umsteilt und glücklich erlegt.

tung seines Geisteszustandes nach der Irrenanstalt Wehnen überführt wurde.

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Eine Verletzung der schweizerischen Grenze durch lienische Zollwächter wird aus Chiasso berichtet. Die 3 wächter drangen in ein 250 Meter von der Grenze belege Gehöft ein, in dem acht Zentner Tabak und Zigarren diese auf italienischen Boden zum Zollposten. Sie ga

Wert von mehreren Tausend Franken lagerten und brad Nowad gezo an, sie hätten die Waren im Walde gefunden. Eine Un im Teufelsl

suchung ist eingeleitet.

Bei diesem

Der Lehrbube als Mörder. In Wien wurde der stehende alte Jahre alte Lehrling Franz Heiny als Mörder der Ehef ift. Ihre seines Meisters Reitel verhaftet. Der Mord war bere Direttor St am 8. d. Mts. erfolgt. So lange hat der jugendliche Mörd halle für de

es verstanden, seine Schuld zu verheimlichen.

abgelehnt.

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Die Londoner Skandal- Chronik wird voraussicht den gesamt um einen neuen Fall bereichert werden. Vor kurzem sta Firma Sch in der englischen Hauptstadt der durch seine Erzentrizitäte bekannte Marquis of Anglesey. Er hatte es fertig gebrad sein väterliches Vermögen, das ihm jährlich 2 100 000 m Zinsen abwarf, durchzubringen und dazu noch sein Majorat mit einer Schuldenmasse von 10 Millionen zu belasten. Der Marquis hatte in seinen jungen Jahren sich mit einer Cou

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Ansprüchen der Gläubiger entzogen blieb. Bald nach den anal nach d

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sine verheiratet und dieser bei der Hochzeit eine Jahresrente jegt entbunde bon 100 000 Mt. ausgesetzt, die nach englischem Recht den Am Kühn's Flitterwochen ging jeder der Ghegatten seine eigenen Wege jetzt aber in seinem Elend erinnerte sich der Marquis feiner Frau und deren Rente. Er fand Zuflucht bei ihr, sie nahm ihren Mann freundlich auf und pflegte ihn zu Tode. Nun geht der Titel und das Majorat des Marquis an einen ent fernten Verwandten über, und damit erlischt auch die Rente der Witwe, die sich nach englischen Begriffen der Dürftigte ausgesetzt ſieht. Die Marquise will nun den Antritt der Erbschaft durch den neuen Marquis anfechten mit der Be gründung, daß sie innerhalb der nächsten Monate einer Kinde das Leben geben werde. Die Erben wollen in diesen Falle ihrerseits die Legitimität des Kindes anfechten. D mit hätte die Londoner Skandal- Chronik wieder einen e baulichen Stoff gewonnen.

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Tages- Chronik. Zwischen Weinheim und Lützelsachse in Baden wollte ein junger Raufmann von einem Wagen eines in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnzuges in einer anderen gehen, fiel ab und wurde überfahren und sofort getötet.

Im Gerichtsgebäude zu Dortmund vergiftete sich ein Arbeiter nach seiner Verurteilung mit Lysol.

Der Fluß Monongohela in Nordamerika hat einen großen Teil des Distrikts Pittsburgh überschwemmt und be trächtlichen Schaden angerichtet.

Sikung der Stadtverordneten Gießens.

n Gießen, 23. März 1905.

In dieser voraussichtlich letzten Sigung des laufen: den Rechnungsjahres waren außer den beiden Bet geordneten Georgi und Curschmann nur 17 Stadt verordnete anwesend, es gab also 13 leere Stühle. Oberbürgermeister Mecum eröffnet 45 Uhr die Sigung und kam vor Eintritt in die Tagesordnung auf die in letter Sigung der Versammlung erfolgte Vergebung des Druckes der Schuldverschreibungen zu sprechen, da die Brühl'sche und v. Münchow'sa e Druckerei durch eine Annonce in Nr. 61 des G. Anz." diesen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung als höchft unforreft bezeichnet haben. Er weise die darin ents haltenen Angriffe energisch zurück, weil die Stadtver ordneten über alles das was sie beschließen Niemandem eine Verantwortung schuldig sind. Auch Stadtv. Kirh legte Protest dagegen ein, obgleich man verschiedener Meinung sein kann über die Vergebung dieses Au­trages. Die Sache ging auch etwas raich. Die einige Tage später erfolgte Submission auf Rabiz- und Beton­arbeiten ist ohne Wissen des Oberbürgermeisters in den beiden hiesigen Tages- Zeitungen nicht bekannt gegeben und O.-B. Mecum bedauerte dies. Er habe angeordne daß für die Zukunft sämtliche Ausschreibungen ta den beiden Blättern befannt gemacht werden. Ferner fam ein Schreiben des Polizeiamtes zur Verlesung wonach schon jahrzehntelang für Abänderung resp. Ver besserung der Diensträume Antrag gestellt set. Stadtb Helm hatte nämlich in vorlegter Sigung in diesem Sinne interpelliert, aber vom D.-B. eine ablehnend Antwort erhalten.

Punkt 1 der Tagesordnung. Papierwarenhändle Lüdeking am Seltersweg hat in seinem Hause für Anbringung der Klosettanlage tatsächlich keinen Plat und ist um Dispens eingekommen, daß er die Anlag an anderem passenden Blaze anbringt. Wird genehmig mit der Bedingung, daß bei einem evtl. späteren Neu­bau nachträglich die Anlage nach Vorschrift gemacht wird.

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J. H. Ihring hat für seinen am Landgraf: wurde die Philippplag gelegenen Neubau eine andere Faffade mit Hartmann Holzwerk vorgesehen. Der hierzu erforderliche Dispens Wagner für Das Schirmgeschäft Levi am Seltersweg ist auch Stallung

um Anbringung eines 15 Ctm. tiefen Schaufaftens an seinem Hause eingekommen. Da aber die Passage an dieser Stelle sowieso schon zu eng ist, erfolgt die Ab­lehnung.

Dem Mühlenbesiger Möser ist in einer früheren Sigung genehmigt worden, einen Gang über das an seiner Mühle gelegene Wehr herzustellen gegen eine jährliche Anerkennungsgebühr von 10 Mark. Letztere ist ihm zu hoch und beantragte Herabsetzung auf die üblichen Taren von 1 oder 2 Mark. Es wird aber beschlossen, es bei 10 Mark zu belassen.

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