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Kommission wird erst zusammen... en, wenn das österreichisch­cussische Finanzprogramm erledigt sein wird, das von den Boulzuschlägen in Mazedonien handelt. Einstweilen treiben bulgarische, griechische, mazedonische Banden ziemlich unge­stört ihr politisches Räuberspiel, das ganz einträglich zu sein scheint. Ist die Geduld der Pforte erschöpft, so kann zugleich die Intervention der Mächte beginnen.

Die deutsche Gefandt fchaft bei Menelik.

Die deutsche Mission, die vom Kaiser Wilhelm nach Abes: synien gesandt ist, um dem Kaiser Menelik Geschenke zu überbringen, ist in Adis- Abeba am Hofe Meneliks am 19. d. R. feierlich empfangen worden. Der Kaiser und die Kaiserin Taitu sprachen ihre Freude über die vom Führer der Mis fion, Legationsrat v. Rosen, überreichten Geschenke aus und baten, ihre Gegengrüße dem Kaiser Wilhelm zu übermitteln. Menelik gab darauf ein Prunkmahl, an dem alle in Adis­Abeba lebenden Deutschen teilnahmen. Alle Großen des Reiches waren zugegen, alles in allem an 5000 Personen. die aus erlesenen Großes Aufsehen erregte die Eskorte,

Mannschaften der Garde- ou- Corps octildet ist.

Für den Empfang der Fremden am Hofe des Negus hat sich eine Art feststehenden Ceremoniells ausgebildet. Jeder, der in Menelits Reich jagen oder reisen will, muß sich zu­bor persönlich bei ihm die Erlaubnis einholen. Er hat dabei im schwarzen Gesellschaftsanzuge zu erscheinen und wird dann regelmäßig zum Mahle geladen. Wir folgen einer Ge­sellschaft englischer Herren, die zur Ausübung der Jagd auf Antilopen in Meneliks Reich gekommen war.

Der Empfang fand eines Nachmittags nach 2 Uhr statt. Die Herren begaben sich zu Pferde in Begleitung des eng­lischen Vizekonsuls nach dem Palast. Zehn Minuten mußten sie warten, dann wurden sie ins Zimmer des Kaisers ge­führt. Dieser, ist ein Mann von mittlerer Größe mit einem intelligenten, freundlichen und ehrlichen Antlig, das durc tiefe Bockennarben etwas entstellt ist, Haar und Bart sind zum Teil ergraut. Er saß mit untergeschlagenen Beinen auf einem Haufen von Kissen, angetan mit einer schwarzseidenen, reich mit. Gold gestickten Weste und weiten Oberkleidern au weißer Seide, sowie mit einem weichen, breitkrämpigen Hut. Die Vorstellung besorgte der Vizekonsul mit Hilfe eines Tol­metschers. Die Besucher nahmen auf Stühlen Plazz. Den Kaiser umgaben mehrere seiner Würdenträger in zum Teil reichen Hofgewändern. Zum Schluß wurden dem Kaiser Beschenke überreicht. An den Empfang schloß sich eine große Festlichkeit im Speisesaale des Palastes. Dieser war durch schwere Vorhänge von einem größeren Raum getrennt, in diesen gewissermaßen hineingebaut und improvisiert. Aus einer Plattform und unter einem gegen 6 Meter im Qua­drat messenden Baldachin aus rotem Sammet, der mit einem in Gold gestickten M. geziert und von der kaiserlichen Krone überragt war, saß der Kaiser auf seinem Thron, zu seiner Nechten eine Schar Abessinier, während für die europäischen Gäste ebenfalls auf der Plattform Tische reserviert waren. Rings herum gruppierten sich andere Hofleute. Für die europäischen Gäste gab es klare Fleischbrühe, Frikadellen, Kohl mit Hammelfleisch, Maccaroni, hartgekochte Eier und Omeletten. Dazu konnte man Champagner, Tee, Reis­jchnaps, französischen Rotwein und Burgunder trinken. Der Kaiser, der seinen besonderen Tisch hatte, sprach den Speisen mur mäßig zu, und wenn er trant, so stellten sich die Diener davor, so daß es niemand sehen konnte. Die Abessinier aßen nicht nach europäischer Art. Es standen vielmehr Diener mit rohem Rindfleisch bereit, von dem sich jeder Streifen ab­schnitt. Diese wurden mit einem Ende in den Mund ge­schoben, die eine Hand faßte das andere Ende, und die zweite schnitt den Bissen vor dem Munde ab. Am Schlusse des Mahles tranken die Gäste auf des Kaisers Wohl. Dann wurden die Vorhänge zurückgezogen, und man sah in eine wohl 150 Fuß lange und 100 Fuß breite Halle, in die zahl. reiche Offiziere und Soldaten hereinströmten. Sie setzten sich an niedrigen eisernen Tischen nieder und machten sich über die Honigbierkrüge und das rohe Fleisch her, das herum­gereicht wurde. Es ging dabei anscheinend etwas wild zu; denn in dem Bericht wird dieses Mahl eine Orgie genannt. Eine Trompeten fanfare machte ihr ein Gnde.

Hof und Gesellschaft.

Die Kaiserjacht, Hohenzollern" hat mit dem Depeschen. boot Sleipner" die Ausfahrt zur Mittelmeerreise des Kaisers angetreten. Die Schiffe gingen von Kiel durch den Nordostsee- Kanal in See. Die Hohenzollern" hat Silbergeschirr und andere Ausrüstungsgegenstände aus den Berliner Schlössern an Bord, sowie Lebensmittel, Wein, Bier und Mineralwasser. Frischen Proviant besorgt ein Hoffourier in den Häfen, die von der Hohenzollern" alle zwei oder drei Tage angelaufen werden.

Zur Einweihung des Berliner Domes, die am 27. d. Mts. stattfindet, sind die deutschen Bundesfürsten vom Kaiser Wilhelm eingeladen. Der Graf Regent Leopold pon Lippe hat die Einladung abgelehnt mit der Begründung, daß er wegen des schwebenden schiedsgerichtlichen Verfahrens es sich versagen müsse, der Feierlichkeit beizuwohnen.

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Die diamaetene Hochzeit feierte das Mitglied de Elsaß- Lothringischen Staatsrats Excellenz Schlum­berger. Unter den Gratulanten befand sich auch der Kaiser, der dem Jubilar mit einem herzlichen Schreiben eine Porzellanbase mit seinem Borträt sandte. Die Stad: Beb. meiler ernannte Schlumberger zu ihrem Ehrenbürger. Schlumberger stiftete der Stadt ein Kinderspital und bedachtc die Kranken- und Waisenhäuser sowie die Arbeiter feiner Fabriken mir Geldgeschenfen.

Deutler Reichstag.

( 146. und 147. Sigung.)

CB Berlin, 23. Jebruar.

Gestern eine Frequenz von mehr als 300 Mitgler heute Beschlußunfähigkeit. Auf der Tagesordnung stande. zunächst zwei zu der Beratung der Handelsverträg eingebrachte Refolutionen. Die Freisinnigen bean­tragen eine Revision des Zollvereinsgeseßes in mehreren Punkten, die sich auf die Handhabung des Tarifs beziehen. Nachdem verschiedene Redner kurz teils dafür, teils dagegen gesprochen und der Reichsschatzsekretär Freiherr v. Sten­gel erklärt hatte, daß eine Novelle zum Vereinszollgeset bereits in Vorbereitung sei, wurde beschlossen, die Resolution der Regierung als Material zu überweisen. Die Konser­

bativen beantragen, den§ 12 des neuen zoutarifgesetzes, der die Zollkredite für Getreide und Müllereierzeugnisse aufhebt, schon am 1. Juni dieses Jahres in Kraft zu setzen. Im Laufe der Diskussion, in der Graf Kaniß als Zwed der Resolution bezeichnete, die Spekulation einzudämmen. beantragte Abg. Dr. Spahn, ihre Ueberweisung an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Bei der namentlichen Abstimmung hierüber wurden 95 Zettel mit" Ja", 46 mit Nein" abgegeben, es waren also mur 141 Abgeordnete an­wesend, das Haus somit beschlußunfähig. Um 3% Uhr muß­ten die Verhandlungen abgebrochen werden. Vizepräsident Dr. Paasche, der gerade den Vorsitz führte, beraumte die nächste Sigung eine halbe Stunde später an. Das Haus trat demgemäß um Uhr wieder zusammen und trat in die zweite Beratung der restierenden Teile des Poſtetats ein, die die Budgetkommission vor äft hat

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordncten.

( 146, Sigung.) RK Berlin, 23. Februar. Die mit großer Spannung erwartete Debatte über den Hochschulstreit fand mun heute endlich statt und füllte fast die ganze Situng aus. Sie hatte auf das Publikum

studentisches wie nichtstudentisches eine ungeheure Anziehungskraft ausgeübt, so daß schon lange vor Beginn der Sizung alle Tribünenkarten vergeben und die Tribünen gedrängt voll waren. Minister Dr. Studt begann mit einer Erklärung, worin er betonte, daß er stets ein Freund der akademischen Freiheit; die konfessionellen Studenten­verbindungen halte er für eine unerfreuliche Erscheinung, aber gerade im Sinne der akademischen Freiheit könne er nicht gegen sie einschreiten. Da der Minister den vorgestri­gen Zwischenfall" Dr. Althoff- Friedberg nicht erwähnte, glaubte Dr. Friedberg daraus den Schluß ziehen zu müssen, daß der Minister das Verhalten des Ministerial­direktors vollkommen billige, und wandte sich infolgedessen sehr scharf gegen Dr. Althoff, dessen Auftreten persönlich ver­lebend gewesen sei. In der Sache der akademischen Freiheit gab Dr. Friedberg selbst zu, daß sie ein Einschreiten gegen die konfessionellen Verbindungen unmöglich mache; der ganze Fehler, den die Regierung gemacht habe, sei überhaupt nur die Vielregiererei" der Zentralinstanz. Das Haus folgte der Rede mit gespannter Aufmerksamkeit und die Linke be­gleitete sie oft mit den lebhaftesten Kundgebungen der Zu­stimmung. In seiner Antwort erklärte Minister Dr. Studt, daß Dr. Althoff vorgestern den Dr. Friedberg mißverstanden habe, mit seiner Entgegnung ihn aber nichi habe verletzen wollen. Den Nationalliberalen aber genügte, wie sie durch laute Zwischenrufe zu erkennen gaben, diese Erklärung noch nicht. Nun begannen die Redner der übri­gen Parteien zu der so plötzlich in den Vordergrund gerückten Frage sich zu äußern. Dr. Ir mer( fons.) erkannte das Vorgehen der Unterrichtsverwaltung als durch die Disziplin geboten an; auch Dr. Porsch vom Zentrum stellte sich auf die Seite des Ministers, wenn er sich auch als Freund der fonfessionellen Verbindungen bekannte. Nicht einverstanden dagegen war Frhr. v. 3edlig mit dem Einschreiten der Zentralinstanz bei dem hannöverschen Hochschulstreit, er meinte, man dürfe solche Fragen nicht durch die Polizei" regeln. Nach diesen vier Hauptreden ließ die Spannung im Hause etwas nach, wurde aber wieder angefacht durch den Abg. Jaenecke( natl.) aus Hannover, der auf den Streit­fall näher einging und dabei das Zentrum scharf angriff. Möglichst ruhig und humoristisch versuchte dagegen der Mi­nisterialdirektor Dr. Althoff den ganzen Streit zu be­handeln. Er teilte mit, daß in Hannover bereits die ersten Schritte zum Frieden getan seien und erklärte noch einmal feierlich, daß ihm selbst die akademische Freiheit am Herzen läge. Da er auch die persönlich verlegende Aer erung gegen Dr. Friedberg nunmehr zurücknahm, so war dem Streit die Spitze abgebrochen, und man beschloß, die Debatte zu schlie­ßen. Während Saal und Tribünen sich schnell leerten, wurde der Antrag Arendt auf Einführung einer allgemeinen Schillerfeier in den Schulen einer Kommission überwiesen und die Fortsetzung der Kultusdebatte auf mor­gen bertagt.

Deer und flotte.

Die Niederlegung der Umwallung von Königsberg is vom Kaiser im Prinzip genehmigt worden. Damit gehi Königsberg einer neuen, großen Entwickelung entgegen. Selbstverständlich handelt es sich bei dieser Entfestigung nicht etwa um eine Breisgabe Königsberg als Festung. Es wird lediglich die innere Umwallung niedergelegt, die bei dem heu tigen Stande der artilleristischen Technik unwesentlich und überflüssig ist, und die Rayonbeschränkungen fallen fort Königsberg bleibt, ebenso wie Danzig und Posen, nach wie bor trotz der Schleifung der Stadtumwallung Jestung, und eine Festung ersten Ranges. Mit der Niederlegung der Wälle, die der Stadt die Ausdehnungsmöglichkeit gibt, wird natürlich der Festungsgürtel um die Stadt ausgedehnt und verstärkt werden.

Nah und ferm.

Die Gräfin Montignoso beabsichtigt, wie verlauter, die Kleine Prinzessin Anna Monika Pia sich dadurch zu sichern, daß sie sich auf Schweizer Gebiet begiebt, und zwar zu ihrem Bruder, dem früheren Erzherzog Leopold, der unter deni Namen Leopold Wölfling das Schweizer Bürgerrecht erwor­ben hat. Er bewohnt eine Villa in reizender Lage am Zuger See.

Der Durchstich des Simplontunnels ist in dieser Nacht rfolgt. Die Deffnung des Riesentunnels, der eine neue Ver­bindung zwischen Nord und Süd herstellt, liegt bei dem ita­lienischen Dorfe Iselle.

A Ein Dompropst wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet. Der Dompropst Molzy in Worms wurde unter dem wer dacht, sich einer Reihe Sittlichkeitsvergehen an Kindern schul­dig gemacht zu haben, verhaftet und in das Untersuchungs­gefängnis in Mainz übergeführt. Die Verhaftung wurde megen Nollusionsgefahr( Verdacht Reeinflussung von Zeugen) angeordnet.

Vermischtes.

=[ Geld geht zu Geld.] Ein gewerbsmäßiger, aus Nuß­land nach Frankreich gekommener Bettler namens Abraham Fidler, welcher im August des Vorjahres in Nizza verstarb, ezte damals den Chef des Pariser Hauses Rothschild zum

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Universalerben seines Vermögens ein. Baron Nothschild war anfangs geneigt, die Sache als Scherz aufzufassen; seine Ueberraschung war aber groß, als sich herausstellte, dah Fidler nicht weniger als zwei Millionen Francs in Wert­papieren hinterlassen hatte. Rothschild erklärte, die Erb. schaft nicht anzutreten und gab den Auftrag, die Verwandten Fidlers zu eruieren, damit ihnen das Vermögen übergeben werde. Dies war bisher trotz aller Bemühungen nur teil­weise gelungen; drei Nichten Fidlers wurden in Odessa auf­gefunden und mit je zweimalhunderttausend Francs beteilt. Nun hat Baron Rothschild noch weitere fünf Blutsverwandte Fidlers, und zwar in Brooklyn eruiert; sie lebten dort bis her in größter Armut. Sobald ihre Identität festgestellt ist, dürften sie zusammen wahrscheinlich eine Million Francs empfangen. Fidler hatte sein seltsames Testament mit den Worten begründet: Geld geht zu Geld!"

=[ Der Stadthaushalt Berlins] schließt in Einnahme und Ausgabe mit 135 Millionen Mark ab. Dazu kommen die städtischen Werke mit 102% Millionen Mark. Das macht zusammen rund 238 Millionen Mark. Mit den Etatsbera­tungen soll im Ausschuß schon in nächster Woche begonnen werden.

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[ Die Naturaleinkünfte der Wismarer Ratsherren] be schäftigten kürzlich die dortigen städtischen Kollegien. Bei der Stadtkämmerei erhält nach altem Brauch jedes Ratsniit­glied von dem zu Wismar gehörigen Erbpachthofe Damm­husen jährlich zwei lebende fette Gänse und von den drei bäurischen Erbpächtern zu Vor- Wendorf, einem anderen wismarschen Gute, einen Hasen. Das Bäckeramt", die Bäckerzunft, muß am Karfreitage den Kämmereiherren so­wohl wie den Provisoren, Deputierten und dem Sekretär der Kämmerei sog. Reihensemmeln und außerdem zu Weih­nachten den Räten der Kämmerei Kringel und Kuchen lie­fern. Weiterhin empfangen die sog. Hebungen" auf Grund noch bestehender Stiftungen Reihensemmeln, Stollen, Holz und Wein für ihre Beamten. Der Bürgerausschuß wollte nun diese Bräuche, die sich längst überlebt hätten, abschaf­sen und wünschte die Umwandlung dieser Naturaleinkünfte in Geldzahlungen, die in die Stadtkasse fließen sollten. De Rat der Stadt hat dies aber abgelehnt, da die Beteiligten ihre Zustimmung nicht gegeben haben.

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=[ Den Pariser Telephonistinnen] ist jetzt die Beamten eigenschaft gerichtlich abgesprochen worden. Die jungen Da men haben sich durch Nervosität und schnippisches Wesen dem Publikum herhaßt gemacht. Eine Schauspielerin wurde am Telephon durch das Verhalter einer Beamtin" so rabiat, daß sie ihr Grobheiten an den Kopf warf. Sie wurde nicht, wie es die Telephonverwaltung verlangte, we­gen Beamtenbeleidigung, sondern nur wegen einfacher Be leidigung verurteilt. Jezt magte ein Herr Belloche mit einer anderen Telephonistin ein Tänzchen und nannte das schnippische Fräulein im Verlauf eines erregten telepho nischen Zwiegesprächs eine dumme Pute". Neuer Prozeß und ungeheure Sensation! glänzende Freisprechung des Herrn Belloche. Die Telephonistinnen waren schrecklich empört, und ihr Chef beschloß, den Prozeß durch sämtliche Instanzen durchzusetzen. Nüßte ihm aber gar nichts, denn die letzte Instanz hat jetzt, wie gesagt, entschieden, daß den Telephonistinnen eine Beamteneigenschaft nicht zukomme. Die Pariser Telephonistinnen werden sich also von jetzt an nur auf die Höflichkeit des Publikums verlassen müssen und leruen deshalb viellett, selbst höflich zu seir

Hessischer Landtag.

Darmstadt, den 23. Februar. Präsident Dr. Schmitt eröffnet die Sigung 9 Uhr 30 Minuten.

Die Spezialberatung des Staatsvoranschlags wird fort gefeßt. Bei Kapitel 2, Kameral- und Forstdomänen, gibt Geheimrat Wilbrand Auskunft über einige in der General­debatte berührten Angelegenheiten. An der Debatte darüber beteiligen fi die Abgg. Korell, Orb, Berthold, Geh. Oberfinanzrat Fuchs, Geheimrat Wilbrand, die Abgg. Haud und Erd, worauf das Kapitel genehmigt wird.

Weiter werden ohne größere Debatte genehmigt Kapitel 7a, Braunkohlenbergwerk Ludwigshoffnung; 8, Saline, Bade anstalt und Tiefbauamt Bad Nauheim( Abg. Windecker bringt hierbei Wünsche bezugl. der Kurkapelle vor); 9a, Eis­fabrik Bad Nauheim, und 11, Lotterie.

Bei Kapitel 18, direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen, entsteht eine größere Debatte, an der sich Abg. Korell, Ministerial­rat Dr. Becker, die Abgg. Noad, Köhler, Berts hold, Molthan und Bähr beteiligen. Das Kapitel wird bewilligt und ein von Abg. Korell und Gen. be antragtes Ersuchen angenommen, daß man Schritte zur Be­seitigung der Stempelmarten- Provision von 35000 Mt. unternehmen solle.

Bei der X. Hauptabteilung, Ministerium der Finanzen, bringt Abg. Müller Beschwerden von Darmstädter und Mainzer Gewerbetreibenden zur Sprache, daß die Stuck- und Malerarbeiten beim Umbau des Großh. Hoftheaters von einer Biener Firma ausgeführt worden seien. Ministerial rat Freiherr v. Biegeleben und Finanzminister Gnauth legen die Gründe dar, die die Regierung zu diesem Ver­fahren genötigt haben.

Das Kapitel wird bewilligt, ebenso, die weiteren Rapitel der Hauptabteilung, Minifterium der Finanzen.

Hierauf tritt Vertagung auf Freitag Vormittag 9 Uhr ein.

Lokales.

24. Februar 1905. *** Raummangels halber mußten wir den Schluß des Artikels Schulprüfungen in Hessen" zurückstellen. ** Hessische Bolizeifonferenz. Die nächste Konferenz der Polizeiverwaltungsvorstände im Großherzogtum Hessen findet am 4. März in Worms im Hotel Alter Kaiser" statt. Auf der reichhaltigen Tagesordnung steht u. a. auch ein Referat des Polizeifominiffärs Bischoff Worms über die Daktyloskopie", das neue Berfahren zur Ermittelung von Verbrechern durch die Fingerabdrücke.

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