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** 20 Mark Belohnung. Einen Akt gemeiner Roheit verübten zu Gießen in der vergangenen Nacht 3 junge Leute, indem sie den Aushängekasten des Photographen Zimmer, welcher am Messerschmied Reinigs'chen Hause angebracht, erbrochen haben, die Scheibe und mehrere Bilder demolierten und andere mitnahmen. Die Täter wurden bei ihrer Arbeit zwar gesehen und dann verfolgt, entkamen aber durch die Löwengasse. Der Eigentümer hat eine Belohnung von 20 Mart ausgesetzt für denjenigen, welche die oder einen der Täter zur Anzeige bringt, daß das Gericht zur Aburteilung schreiten kann.
* Kraftbrühe vom Faß. Kommen da jüngst in das einzige Gasthaus eines Gehöftes in der Nähe des Murgtales zwei Herren und verlangen Bouillon. Die Frau, die feine Ahnung von der Beschaffenheit dieses Göttertrantes hatte, stürzte in aller Eile in den Keller, wo gerade ihr Mann beschäftigt war und erzählte ihm in der Haft das Verlangen ihrer Gäfte. Das Ehegfponft, ebenso verdugt, gab zur Antwort:" Sagscht dene Herre ebbä einfach, mer hent net ang'steche!"
)( Romrod, 22. Febr. Mit dem Bau einer Wasser leitung soll im Frühjahr begonen werden. Sie ist zu 64 000 Mt. veranschlagt, wovon der Staat 20 000 mi., die Stadt 44 000 t. trägt. Gutem Bernehmen nach beabsichtigt das Großherzogliche Paar im Mai wieder hierher zu kommen.
? Marburg, 22. Febr. Der neue Marburger Bär auf dem Bärenbrunnen ist gestern durch Studenten feierlichst enthüllt worden. Der Bärenult hat dadurch seinen wirkungsvollen, humoristischen Abschluß erlangt.
K Mainz, 22. Febr. Auf ein Ausschreiben der Kulturinspektion zur Lieferung des Rohrnezes mit einer Länge von nahezu 300 Kilometer für die Wasserversorgung bon 34 rheinhessischen Gemeinden gingen 48 Offerten der bebeutendsten Firmen Deutschlands ein. Die teuerste Firma verlangte 2 580 000 Mt., die billigste 1 670 000 Mt. Die Arbeiten wurden an 4 verschiedene Firmen zum Preise von 1 723 643 t. vergeben.( Sehr anerkennenswert, daß man hier nicht dem Mindestfordernden den Zuschlag erteilte. D. R.)
Deffentliche Versammlung des Bürgervereins Gießen. Theater- und Saalbanfrage. Gestern Abend hielt der junge Gießener Bürgerverein im Café Leib seine erste öffentliche Versammlung ab, die etnen guten Besuch gefunden hatte, wie die auf die Tagesordnung gefeßte Theater- und Saalbaufrage auch nicht anders vermuten ließ. In der Theater- und Saalbaufrage ist uns die Lösung eines tief in unser fommunales Leben eingreifenden, alle Kreise lebhaft interessierenden und auch schon lebhaft diskutierten Problems aufgegeben. Um so größeres Verdienst gebührt daher dem Bürgerverein, daß er ausgesprochenen Vertretern der verschiedenen Formen dieses Projekts die Verfechtung ihrer Anschauungen vor einem größeren Bürgerkreise ermöglicht hat.
Um 9 Uhr eröffnete der Vorsigende, Lehrer Müller die Versammlung und gab seiner Freude über den guten Besuch, der die Versammlung gefunden, Ausdruck. Der Bürgerverein wolle teine Beeinflussung zu Gunsten der einen oder anderen Gestaltung des Projekts ausüben, erklärte er, sondern nur die Gelegenheit zur Klärung der Anschauungen bieten. Der Verein gehe von feinen besonderen Gesichtspunkten aus, sondern bleibe auch hier durchaus programmlos, wie es denn überhaupt seine höchste Aufgabe sei, für Belehrung und Aufklärung in fommunalen Dingen zu wirken. So wolle der Verein auch hierin, das Seine beitragen, die Kräfte zu einen. Als ersterem Referenten erteile er Profeffor Fromme das Wort.
Professor Fromme begrüßt dankbar die von dem Bürgervereine gebotene Gelegenheit zur Aussprache und führt dann eingehend aus, daß die in Gießen vorhandenen Gebäude für Kunstzwede nicht ausreichten. Das sei schon seit Dezennien erfannt worden und allmählich habe eine Bewegung zur Abstellung dieser Unzulänglichkeiten eingefeßt, die 1891 zur Bildung eines Komitees mit der Weisung, dem Theaterbau den Schüler'schen Garten zu erhalten, geführt habe. Im Winter 1902/03 fügte sich die Vereinigung des hiesigen Theaters mit dem Marburger Stadt- und dem BadNauheimer Kurtheater als weiteres Glied zur Hebung unserer Theater Berhältnisse an. Die Wirkung dieser Union sei eine so günstige gewesen, daß die Generalversammlung des TheaterVereins im Juli 1902/03 beschlossen habe, ein ausschließlich Theaterzwecken gewidmetes Haus 2c. entstehen zu lassen. Nach langen eiagehenden Beratunger wurde Professor DülserMünchen mit der Ausarbeitung eines Planes beauftragt,
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dech waren die Kosten für dieses so hoch, daß wenig Aus-| sicht vorhanden schien, das Projekt in der ursprünglich gewollten Form in näaster Zeit verwirklichen zu können. Man beschloß daher, sich mit einem Teil zu begnügen und möge lichst viele Gelder für den Zwed zu sammeln. Ungefäumt sei man ans Werk gegangen und über alle Erwartungen reichlich seien die Summen eingegangen, rund 350 000 mt. ständen jßt mit der Bestimmung das ganze Projekt( Theaterund Saalbau) durchzuführen zur Verfügung. Ziehe man die auf das bestimmteste in Aussicht gestellten Summen hinzu, so erhöhe sich der Fonds sogar auf rund 400000 mt. Die gesammelten Gelder sollen am 1. März der Stadt Gießen angeboten und alsdann nach seiner Meinung der Stadt verordneten- Versammlung die weitere Entschließung vorbehalten werden. In eingehender Weise verbreitete der Redner sich alsdann noch über die Nachteile der momentanen Theaterverhältnisse. Er wies darauf hin, daß der Direktor dadurch manche Ausfälle in der Einnahme kätte, daß die Bühne in ihrer Beengung der Regie feine wirtungsvolle Arbeit gestatte und dadurch zu den langen Zwischenatten mit beitrage, für technische und maschinelle Einrichtungen sei sozusagen gartein Raum vorhanden. Und dann wandte Redner sich der
Heizung zu, unter deren Unzulänglichkeit Publikum und Darſteller in gleichem Maße, die Daisteller sogar noch mehr, zu leiden hätten Auch die Nebenräume der Bühne für Barderobe 2c genügten nicht berechtigten Anforderungen. Manche bedeutende Künstler, die für ein Engagement am Kurtheater in Bad Nauheim sofort sich entschlossen hätten, hätten von einem solchen in Gießen, sobald sie die Bühnenverhältnisse in Augenschein genommen, sofort Abstand genommen. Und das sei einer der wesentlichsten Vorteile mit, daß durch die verbesserten Bühnenverhältnisse eines Theaterneubaues mit Erfolg eine größere Sorgfalt in der Zusammensetzung des Personals geübt werden fönne. Für die weitere Entwicklung der Stadt sei der Neubau ein gewichtiger Faktor, da er zweifellos viele Rentner und Pensionäre heranziehen und auch auf die Zahl der Studenten günstig einwirken dürfte. Geschäftlich liege das Theater ebenfalls sehr gut, da in weitem Umkreis Gießens fein bedeutenderes Theater anzutreffen sei, namentlich Weglar dürfte zahlreiche Besucher stellen. Empfehlenswert sei nach Errichtung des Theaterneubaues alsdann, allwöchentlich eine Fremdenvorstellung einzulegen, wie es anderswo auch geschähe. Der Theatersaison fönne später dann auch noch eine Opernsaison, vielleicht eine vierwöchige, angeschlossen werden. Der Redner teilte ferner noch mit, daß insgesamt 317 Beichnungsscheine eingegangen und die ersten 200000 Mt. von 8 Herren allein gezeichnet worden seien und schloß mit der Aufforderung, mit den richnungen für den Theaterbau fortzuführen.
Als zweiter Redner erhielt Professor Krüger das Wort, der zunächst den Lehrförper der Universität gegen den Vorwurf, er habe kein Herz für die Stadt Gießen, wie er aus einem unglücklich gewählten Passus eines Artikels im ,, Gießener Anzeiger" herausklingt. in Schuß. Sodann ging der Redner ebenfalls auf die hiesigen Saal-, Theater- und Er hält die vorhandenen Säle für Mufifverhältnisse ein. musikalische Aufführungen nicht für ausreichend, besonders nicht für Orchester- Konzerte, von solchen mit eingelegten Chören garnicht zu reden. Es gäbe wohl Theater, in denen solche Veranstaltungen vor sich gingen, daraus zu schließen aber, daß das Theater prinzipiell sich dazu eigne, wäre falsch. Für einen Konzertsaal fämen eben ganz andere Bedingungen in Betracht. Referent will der Kommission noch Material darüber unterbreiten. Professor Krüger tritt auf das Entschiedenste für den Theater- und Saalbau ein und bittet die Versammlung, das gleiche zu tun, da ein Theaterbau so wie so gesichert sei. Die Verwirklichung des Gesamt- Projekts sei seiner Meinung nach mit den bereits vorhandenen Mitteln und dem guten Willen der Stadtverordnetenversammlung sehr wohl möglich. Ergreife Gießen jeßt nicht die Gelegenheit, das Projekt in die Wirklichkeit überzuführen, so verpasse es sie auf Jahre hinaus. Sei der Weusit erst ein würdiger Raum erstanden, dann werde das Verständnis auch in allen Kreisen wachsen, den nicht nur wenigen Auserlesenen solle der Saal gehörer, sondern der Gesamtheit.
Demgegenüber hält Stadtrat Haubach ein Theater für völlig ausreichend; er findet daran nichts auszusetzen, daß in einem Theater auch musikalische Aufführungen arrangiert werden, seiner Beobachtung nach hat er sich von einer Beeinträchtigung der Klangwirtung nicht überzeugen fönnen. Er bezweifelt, daß die für das Gesamt- Projekt erforderlichen Summen von 700 000 Mt. der Stadt jemals durch Schenkungen zur Verfügung gestellt werden, aus tommunalen Mitteln fönne sie die Gelder aber nicht bestreiten, da sie durch andere Projekte stark engagiert sei. Die Rentabilität eines solchen Saalbaues hält er für aussichtslos, er stützt sich dabei auf die Verhältnisse Darmstadte, das einen solch unrentablen Saalbau besißt und hält Gießen da
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gegen. Auch will er nicht, daß die hiesigtn Saal- Inhaber durch den geplanten Saaibau geschädigt werden; darum wünscht er, man möge von einem solchen abgehen und sich mit einem 800 Si pläße bietenden Theater bescheiden, das ( Schluß folgt.) vollständig genüge.
Airchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde.
Am Sonntag Septuagefimae, den 26. Februar. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Bormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Euler. Nachmittags 21/2 Uhr: Kinderfirche für die Matthäusgemeinde. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Abends 8 Uhr: Vereinigung der fonfirmierten männl. Jugend der Matthäusgemeinde.
Dienstag, den 28. Februar, abends 6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weibl. Jugend der Markusgemeinde.
Donnerstag, den 2. März abends 8 Uhr im Matthäussaal, Bibelstunde.( Psalm 145) Pfarrer D. Schlosser. In der Johannesfirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrassistent Schulz. Vormittags 11 Uhr: Rindergottesdienst für die Johannesgemeinde. Pfarrassistent Schulz. Abends 5 Uhr: Siehe Stadtkirche.
Montag, den 27. Februar, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konfirmandensaal der Johannestirche. Pfarrassistent Schulz.
Katholische Gemeinde. Samstag, den 25. Februar. Nachmittags um 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag, den 26 Februar. Septuagesima e.
Borm. von 6.30 Uhr an: Belegenheit zur hl. Beichte. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und to derselben Austeilung der heilig. Kommunion.
SP
8 Uhr: Die zweite Heil. Messe. Vorm. von 9.30 Uhr an: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5.30 Uhr: Chriftenlehre; darauf Andacht. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbathfeier am 25. Februar 1905. Samstag vormittags: 8.30 Uhr. Samstag Nachmittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 6.50 Uhr.
Wochengottesdienst: morgens 7.00 Uhr.
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abends 5.30 Uhr.
Kirchliche Nachrichten für Grünberg. Am Sonntag, Septuagefimae( 26. Febr.) predigt vormittags: Pfarrer Schmidt.
Text: 2 Kor. 12, 1-10. Lied Nr. 238. nachmittags: Defan Wagner.
Text: Luxas 8, 4-15. Lied Nr. 178. Gottesdienst im Hospital nachm. 4 Uhr. Gottesdienst zu Stangenrod nachm. 1 Uhr.
Batholischer Gottesdienst in Grünberg findet statt: Sonntag, den 26. Febuar, vormittags 9½ Uhr
Gießener landwirts& aftlicher Wetterbienf. Voraussichtliche Bitterung in Heffen für Samstag, Meist trüb und vorwiegend trocken, den 26. Februar. Temperatur keine Aenderung.
( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.)
Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belde in Blefon
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Dienstag, den 28. Jebruar d. Js. werden aus dem Martwald der Gemeinde Lüteiltudeu( Gemarkung Großen Linden), Abteilung Rodland, versteigert:
Eichen: 5 Stämme von 28-36 Rm. Durchm. und 5-7 m Länge: 2,10 Fm., 12 Rm. Scheit, 117 Rm. Knüppel( hiervon 22 Rm. 2,5 m lang), 2670 Wellen u. 85 Rm. Stöcke.
Buchen: 25 Rm. Knüppel und 200 Wellen. Nadelholz: 4 Stämme von 17-19 cm Durchm. u. 10-15 m Länge= 1,33 Fm., 3 Rm Knüppel und 50 Wellen.
Zusammenkunft vormittags 10 Uhr auf der Frankfurter Straße an der Hangschneiße.
Groß- Rechtenbach, 20. Febr. 1905.
Das Bürgermeister- Amt.


