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Politische Rundschau

Deutsches Reich.

* Ueber eine Annäherung zwischen Deutschland und Ruß­land äußerte sich der augenblicklich in Paris weilande rus­sische Minister Witte. Er sagte, es sei nur natürlich, daß die Annäherung bestehe und fuhr fort: Kaiser Wilhelm war Rußland gegenüber während des ganzen Krieges mehr als forrekt. Bei jeder Gelegenheit hat er sein Bestreben bewiesen und bekräftigt, uns keine Verlegenheiten zu be­reiten und von uns, soweit es von ihm abhing, alle Verwicke­lungen fern zu halten. Wenn man in einer schwierigen Lage ist, so ist man für ein gutes Vorgehen sehr dankbar! Gleichwohl ist im Wesen der französisch- russischen Beziehun­gen feine Aenderung eingetreten. Ich sage nicht einmal, daß die Sympathien sich vermindert haben, vermute nur, daß die russisch- deutschen Sympathien gewachsen sind. Wenn bon zwei Größen eine zunimmt, die andere aber unverändert bleibt, so hat man eben den Eindruck, daß lettere kleiner wird. Doch liegt die Sache nicht so. Die französisch- russische Allianz entspricht den Interessen beider Völker, an dieser ist nichts geändert und darf nichts geändert werden.

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* Als Ort der Marokkokonferenz wird aus unterrichteten Kreisen jetzt ziemlich bestimmt Algeciras in Spanien ge­nannt. In Paris dauern die Verhandlungen zwischen den deutschen und französischen Diplomaten noch an,

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Sonderbare Erscheinungen zeitigt die Fleischteuerung. Der Stadtrat von Solingen beschloß zur Abwehr der Fleischnot den Ankauf von Nordseefischen in großen Massen durch die Stadt. Die Stadt wird alsdann der Bürgerschaft die Fische zum Selbstkostenpreise abgeben. Alle Bezirks­bcreine des deutschen Fleischerverbandes wollen Versamm­lungen abhalten, um bei den Einzelregierungen die Deff­nung der Grenze zu fordern.- Die Bürgerschaft in Bremen beschloß, der Senat möge seinen Einfluß im Bundesrat da­hin geltend machen, daß so rasch als möglich die Vicheinfuhr bom Auslande nach allen den deutschen Pläzen freigegeben werde.

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Der in Jena tagende sozialdemokratische Parteitag be­schäftigte sich mit der Maifeier. Es kam zu scharfen zu­sammenstößen zwischen Robert Schmidt und den Genossin­nen Frau Zietz- Hamburg und Rosa Luxemburg, die über die Art, wie Schmidt sich über die wissenschaftliche Zeit­schrift der Genossinnen verächtlich ausgesprochen hatte, sich verletzt fühlten.

* Nach einer über Kapstadt kommenden Meldung des englischen Bureau Reuter sollten die deutschen Truppen eine Niederlage im Kampfe gegen Hendrik Witboi erlitten hcben. Bei Ketmannshoop sollte Hendrik Witboi einen langen deutschen Transport überrascht, die Begleitmann­schaft niedergemacht, 1000 Stück Vieh, 122 Wagen, Muni­tion und Gewehre erbeutet haben. Eine amtliche Bestäti­gung dieser Tatarennachricht lag in Berlin bis gestern abend nicht vor. Die Nachricht ist auch schon deshalb unglaub­haft, weil solche langen Transporte in Südwestafrika gar nicht vorkommen. Hendrik könnte im schlimmsten Falle einen Convoi in kleinerem Umfange angegriffen haben. Man nimmt an, daß an der Reutermeldung nichts ist oder daß sie sicher an Uebertreibung leidet.

Oefterreich- Ungarn

Sie

* Kaiser Franz Josef sprach sich bei der Eröffnungsfahrt auf der Bahn nach Gastein über die Wirren in Ungarn aus. Zu einem Abgeordneten, Mitglied der deutschen Volkspartei, sagte der Kaiser: Sie müssen mir jezt alle helfen, müssen mich unterstützen!" Dann fügte der Kaiser hinzu: In die Trennung der Armee werde ich nie und nimmer ein­willigen." Der Abgeordnete versichert, er habe den Kaiser noch nie so unmutig gesehen. Großes Aufsehen ruft in Budapest die Berufung sämtlicher Koalitionsführer zum Kaiser hervor. Das wird als ein ganz außergewöhnliches Vergehen der Krone aufgefaßt. In politischen Kreisen wird bielfach die Ansicht geäußert, daß, wenn der letzte Appell der Krone an die Koalition erfolglos bliebe, ein Geschäfts­ministerium fommen werde

Balkan- Staaten.

** Infolge der fortwährenden Beunruhigung der rumâ­nischen Bevölkerung durch mazedonische Banden hat sich eine ernste Verstimmung zwischen Rumänien und Griechenland entwickelt, die jetzt Ausdruck gefunden hat. Der griechische Gesandte in Bukarest, Tombazis, trat einen Urlaub an, ohne einen Geschäftsträger zurückzulassen. Der rumänische Gesandte in Athen, Papiuini, erhielt gleichfalls den Auf­trag, einen Urlaub anzutreten, und hat nur einen Beamten zur Bewachung des Archivs der Gesandtschaft zurückgelassen. In Bukarest beschuldigt man die griechische Regierung, den Bandenführern Unterstützung zu leihen. Alien.

** Der Austausch der Natifikation des japanisch- russischen Friedensvertrages soll in Washington stattfinden und zwar sehr bald nachdem die beiden Herrscher die Natifikationen bollzogen haben werden. Wahrscheinlich wird der Austausch im Weißen Hause erfolgen, um Roosevelt eine Ehrung zu erweisen.

Hof und Gesellschaft.

** Der Kaiser empfing den Gouverneur von Südwest­afrika von Lindequist, der dann auch an der Frühstückstafel beim Raiserpaar teilnahm.

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Der Präsident der preußischen Staatsschuldenver maltung, Otto von Hoffmann, ist gestern, an seinem 72. Geburtstage, gestorben.

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Soziales Leben.

Große Arbeiter- Aussperrung in Berlin. Die Firmen Siemens und Halske, Siemens- Schuckert und die Auge­meine Elektrizitäts- Gesellschaft haben ihren Arbeitern mitge teilt, sie würden, wenn die bisher Streifenden nicht bis gestern mittag erklärten, daß sie die Arbeit sämtlich wieder aufneh. men, die Werke gestern abend schließen. Die streifenden Arbeiter des Wernerwerkes und des Werkes an der Ober­spree haben die verlangte Erklärung verweigert, so daß aeſtern abend die Schließung der Werke zu erwarten war

Bei der Aussperrung kommen ungefähr 8000 Arbeiter in Frage. Den Anlaß zum Streik bildete die Forderung, den Achtstundentag streng durchzuführen und sämtliche Ueber­stunden abzuschaffen.

Hrbeiterverficherungs- Kongress.

( Eig. Bericht.)

Wien, 21. September.

Zu einem erregten Zwischenfall kam es gestern auf dem Kongreß. Nachdem die Berichte über die Vereinheitlichung und Vereinfachung der Arbeiterversicherung erstattet waren, wurde die Erörterung eröffnet. Da 21 Redner sich ge­meldet hatten, ersuchte der Tagespräsident Geh. Ober­Reg.- Rat Werner- Berlin die einzelnen Redner, die geschäfts­ordnungsmäßige Sprechzeit von zehn Minuten streng ein­zuhalten. Als der Vorsitzende der österreichischen Kranken­fassengenossenschaften, Dr. Verkauf, das Wort ergriff, er­klärte er, in der kurzen Zeit nicht, wie er beabsichtigte, eine Kritik der gesamten Vorschläge liefern zu können und sich deshalb auf wenige Hauptpunkte beschränken zu müssen. Er griff sehr scharf die Vorschläge an, die eine Veränderung in der Zusammensetzung der Krankenkassenvorstände zum Zweck haben, und erklärte, die Selbstverwaltung bestände nur, wenn die Arbeiter die Zweidrittelmehrheit behielten. Nach zwölf Minuten erklärte der Vorsitzende, daß er ihm das Wort entziehen müsse, da die Sprechzeit zu Ende sei. Verkauf wollte an die Versammlung appellieren, aber der Vorsitzende blieb bei der Ablehnung. Darauf erhoben die Krankenkassenvertreter Einspruch und verlangten stürmisch die Abstimmung. Verkauf verließ die Rednerbühne niit den Worten: Wenn Sie Gewalt gebrauchen, weichen wir der Gewalt." Der Präsident konnte die Ruhe nicht her­stellen und erklärte die Sigung für geschlossen.

Nachmittags unternahmen die Teilnehmer an dem Kon­greß einige Ausflüge und Besichtigungen. Bei dem gemein­samen Abendessen auf dem Kahlenberg begrüßte General­direktor Klang von der Versicherungsgesellschaft Phönix" den Kongreß namens der privaten Versicherungsgesellschaf­ten und verwies auf den innigen Zusammenhang zwischen der privaten und der öffentlichen Versicherung, die ein­ander ergänzen müßten.

Der Vorsitzende des Kongresses, Geh. Rat Dr. Boedicker, gab bei Eröffnung der heutigen Sigung beschwichtigen.de Erklärungen zu dem gestrigen Zwischenfall. Dann wurde die Debatte über die Vereinfachung der Arbeiterversicherung fcrtgesetzt, an der sich zahlreiche Mitglieder aus dem Deutschen Reiche und aus Desterreich beteiligten. Die Mei­nungsverschiedenheiten führten auch heute wieder zu leb­

hasten Auseinandersetzungen.

Die Tauernbahn.

Eine neue Eisenbahnlinie ist in Desterreich dem Verkehr übergeben. Sie leistet an Kühnheit der Konstruktion Ge­waltiges; galt es doch, mit dieser Bahn die starrsten Ge­birgszüge der Alpen zu übersteigen und Triest, die einzige bedeutende Seehafenstadt Desterreichs, mit dem nördlichen Zentral- Europa näher zu verbinden.

In Ansehung der Bedeutung, die der Bahn für den Weltverkehr beiwohnt, hat Kaiser Franz Josef selber

die Weihe der Bahn

borgenommen. Auf eine Ansprache des Ministerpräsidenten Freiherrn von Gautsch gedachte der Kaiser der großen Schwierigkeiten bei der Durchführung des Werkes, deren Ueberwindung der österreichischen Technik zur Ehre gereiche, und sprach die Hoffnung aus, daß die Verbindung der Be­völkerung die ersehnten Vorteile bringen und die gedeihliche Entwickelung der Königreiche und Länder wirksam fördern werde. Es folgte nun der eigentliche Weiheakt, den der Erzbischof von Salzburg vollzog, dann bestieg der Kaiser den ersten Zug und fuhr nach der vorläufigen Endstation, nach Bad Gastein.

In Bad Gastein.

Auf dem Bahnhofe von Gastein war großer Empfang. In seiner Erwiderung auf die Ansprache des Bürgermeisters Straubinger gab der Kaiser seiner Freude über die Ent­wickelung des Weltkurorts Ausdruck und begrüßte huldvoll eine Anzahl höherer preußischer Offiziere, die zur Kur in Gastein weilen. Es fand dann beim Kaiser Hoftafel statt, worauf die Rückreise nach Wien erfolgte.

Großartige Bauwerke.

Die neue Alpenbahn bietet in technischer wie in tou­ristischer Beziehung das höchste Interesse dar. Sie zählt zu den interessantesten Bauwerfen ihrer Art und bietet wahre Wunderwerke der Höhenbahn- Kunst. So ist sie gleich hinter der Station Schwarzach über die fast senkrecht ab­fallende sogenannte blaue Wand" geführt; hier waren enorme Mauern von 16 Meter Höhe erforderlich, um die notwendige Breite für den Bahnkörper zu schaffen. Rechts eröffnet sich ein prächtiger Blick auf das Kalkmassiv des Hochkönig, dessen schroffe Wände in einer Einsattelung des gegenüberliegenden Salzachgehänges sichtbar werden. Durch den 180 Meter langen Untersbergtunnel und in großem Bogen über den aus mehreren sechs-, acht- und zwölf­metrigen Deffnungen bestehenden Thomersbach- Viadukt wird die Bahn zum Bürgl geführt, einer Talenge, die mit cinem 27 Meter hohen Damm überschritten wird. 500 Meter weiter rechts sind die wildzerrissenen Mandel­wände sichtbar übersetzt die Bahn mit einem Steinbogen von 20 Meter den engen und tiefen Murſengergraben, worauf der 100 Meter lange Kanlachtunnel folgt. Un­mittelbar nach Verlassen dieses Tunnels überschreitet die Linie mit einer 75 Meter langen Eisenbahnbrücke den Kan­lachgraben, der ursprünglich mit einem großen Stein­Viadukt übersetzt werden sollte, doch zwangen die ungünstigen erst während des Baues gefundenen Fundierungsverhält­nisse zu einer Projektänderung.

An der Grenze des Hochwaldes.

Bei Station Dorf Gastein nehmen die Bergriesen ihren Anfang. Rechts tritt aus tiefem Waldesgrün der weiße Gipfel des Bärnkogels, im Vordergrund werden die Glet­scher des Hochnarr, Angel sichtbar. Schon von der Station Hof Gastein übersieht man in vollem Umfang die gegen Bad Gastein die Lehne erklimmende Bahn; immer höher führt uns der Zug, fast bis an die Grenze des Hochwaldes. Zu unserer Füßen breiten sich die grünen Matten des Tal­bodens, in dem das Auge nur das weiße Band der Reichs­straße und die gligernden Fluten der Ache zu unterscheiden

bermag, während unmittelbar vor uns die blauen Gismassen des Tischlerkarfees sichtbar werden. Zwei gefährliche Wild bäche, der Wiedner- und der Laydalpsbach, muß die Bahn überschreiten, dann ist die Haltestelle Kaltenbrunn erreicht. von wo ab die Schwierigkeiten und die Großartigkeit der Bauwerke eine stete Steigerung erfahren. Fünf gewölbte Viadukte mit Deffnungen von 12 und 20 Meter folgen kurz aufeinander, bis endlich die 82 Meter tiefe Angerschlucht mit einem Eisenbogen von 110 Meter Spannweite über brückt werden muß. Malerisch hebt sich die lichtgestrichene Brücke von dem tiefdunklen Hintergrund des Hochwaldes ab, einem Netwerk vergleichbar, mit dem der Mensch die von der Natur gebildeten Schluchten zu überbrücken sich er­fühnt. Mit diesem gewaltigen, imposanten Bauwerk und diesem großartigen landschaftlichen Hintergrund kann sich an Schönheit nur der Trisang- Viadukt der Arlbergbahn messen

Die Weiterführung der Bahn.

Der nunmehr fertiggestellte und dem Verkehr übergeben nördliche Teil der Tauernbahn bildet erst den Anfang der gesamten Strecke. Diese, die Tauernbahn im engeren Sinne, findet in Schwarzach Anschluß an die Staatsbahn von Salz­burg nach Wörgl. Südlich von Gastein sind folgende Bah­nen im Bau: die Karawankenbahn, die Worheiner Bahn und schließlich die Karstbahn, einzeln nach den Gebirgszügen be­hannt, die neu zu erschließen sie bestimmt sind. Man rechnet bamit, daß die ganze Linie bis Triest bis zum Jahre 1908 fertig gestellt sein wird.

Nab und fern.

Schreckliche Rache eines Abgewiesenen. In Beine ver­folgte ein Arbeiter die Tochter einer Witwe mit Heirats­anträgen, von denen indessen beide Frauen nichts wissen vollten. In der Erregung darüber überfiel der abgewiesene Freier die Mutter in der Küche ihrer Wohnung und schlug sie mit einem Hammer tot. Als die Tochter bald darauf nach Homie kam, wurde auch sie von dem Rasenden so furcht­bar zugerahtet, daß sie auf den Tod verletzt darniederliegt. Nach der Untat erhängte sich der Mordgeselle. Sieben un­mündig Kirder waren auf die beiden ermordeten Frauen angewiesen.

Das Unglücksfahrzeug. Unweit Nauen verunglückte auf der Chaussee ein von Berlin kommendes, mit 6 Personen Gesetztes Automobil. Zwei Insassen wurden schwer verleẞt. Das Automobil wurde zertrümmert.

Ein verhängnisvoller Waldbrand. In den staatlichen Waldungen bei Herkulesbad wütet seit Wochen ein großer Brand. Zur Hilfe bei den Löscharbeiten trafen 800 Sol­daten an der Brandstelle ein. Bei diesen Arbeiten, die mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft waren, wurden durch herabstürzende Felsen zwei Soldaten getötet, drei wurden schwer und elf leicht verletzt.

Großfeuer im Dorf. In der Ortschaft Gasseldorf in Oberfranken vernichtete am hellen Tage ein verheerender Brand 24 Häuser samt den Nebengebäuden.

Neue Elementar- Ereignisse in Süditalien. Kaum haben die Erdstöße in Calabrien aufgehört, so ist durch anderweitige Elementar- Ereignisse die Panik unter den Bewohnern aufs neue entfacht worden. Zunächst brachen schreckliche Stürme los. Dann brach während der Nacht in Olivadi eine Feuers. brunst aus, durch die zwei Häuser, die als Magazine für Möbel und anderes Eigentum von Personen dienten, die nach dem Erdbeben noch am Leben geblieben waren, zerstört wurden; auch Personen kamen dabei zu Schaden. Ueber andere Orte, wie Neggio, ging ein heftiges Unwetter nieder. Mehrere Häuser wurden vom Blitz getroffen, und was noch auf den Feldern war, ist vernichtet. Man befürchtet, daß eine Hungersnot ausbrechen werde, zumal die Verteilung von Nahrungsmitteln bislang ganz unzulänglich ist. In der Umgegend von Vercelli und Novara hat schwerer Hagel­schlag die Reisfelder verwüstet und einen Schaden von meh­reren Millionen angerichtet.

Pariser Vandalen. Die berühmte Minerva des Palais Mazarin in Paris, eine der schönsten der auf unsere Zeit gelangten antifen Marmorstatuen, ist bei nächtlicher Weile in einer Weise verstümmelt worden, daß an die Wiederher­stellung des Kunstwerkes nicht zu denken ist.

Erdbeben in Tirol. Im Arlberg- Bezirk erfolgten ria der zwei starke Erdstöße, der erste von fünf, der zweiten vier Sefunden Dauer. Die Bewegung war mit einem starken Dröhnen verbunden.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Reichstagsabgeordneter Kulerski verurteilt. Die Brau denzer Straffammer berurteilte den Reichstagsabgeord neten Viktor Rulerski wegen Breßbergebens zu zwei Mo naten Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten des Ver. fahrens.

§ Minister Ruhstrat als Zeuge. Gegen einen Münchenet Restaurateur schwebt eine Anflage wegen Duldung des Kartenspiels Bofern". Der Beschuldigte hat den olden­burgischen Minister Rubstrat als Zeugen resp. Sachverstän digen in Vorschlag bringen lassen, um durch seine Aussag zu beweisen, daß Pokern kein Glücksspiel sei. Diesem An­trage ist seitens des Gerichts insofern stattgegeben worden, als der Minister kommissarisch vernommen werden soll.

Die Jagd nach der Million. Was ein großer Lotterie- Gewinn bewirken kann..- Die Kantinenwirtin Hofer in Sedan gewann vor kurzer Zeit in der Wohltätigkeitslotterie des französischen Presse­berbandes eine Million. Dieser für die schon bejahrte Frau so glückliche Umstand zeitigte eine Menge beachtensiverter Begleiterscheinungen, von denen die an die Gewinnerin ge­richteten Bittgesuche nicht das uninteressanteste Beurtei­lungsmaterial für die Psychologie des Menschen abgeben. Mit nicht weniger als 10 000 Briefen wurde der Sturm auf die Million unternommen, und die Geldforderungen, die an Frau Hofer gerichtet wurden, beliefen sich auf rund 3 725 000 Francs. Unter den Briefen finden sich vor allem zahlreiche Pumpschreiben von Kaufleuten, die einen Wechsel nicht einlösen können, die vor dem Bankerott stehen und die sich totschießen müssen, wenn man ihnen nicht hilft. Folgen obsture Banken und stark anrüchige Makler, die die Million mündelsicher anlegen wollen. Nicht gering ist die Zahl der

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