Ausgabe 
22.7.1905 Erstes Blatt
 
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helm der Große und Aviso Blizz, auf der Reede versammelt. Die im Hafen liegenden dänischen Schiffe feuerten Salut. Eine große Menschenmenge erwartete die Ankunft der Schiffe. Die Stadt ist flaggengeschmückt, die Zeitungen bringen begrüßende Artikel.n Gotenburg liegt eben­falls ein deutsches Geschwader vor Anker, bestehend aus den Linienschiffen: Kaiser Friedrich III., Brandenburg, Weißen­burg, Wörth, Elsaß, Braunschweig, Aviso und Pfeil. Das Geschwader tauschte mit der Festung und dem schwedischen Geschwader Salutſchüsse aus.

Hus den Parlamenten.

Einberufung des preußischen Landtages. Nach offi­ziöser Mitteilung wird der preußische Landtag im Spät­herbst dieses Jahres zur Beratung des Entwurfs eines Volksschulgesetzes einberufen werden.

Nah und fern.

Eisenbahnunfall am Bodensee. In einer der letzten Nächte lief von einem Stückgüterzug in Oberreitnau während des Rangierens der hintere Zugteil mit 14 Wagen nach Lin­dau in die Trajektanstalt. Versuche, die Wagen aufzuhalten, gelangen wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht. Neun Wagen liegen zertrümmert im Seehafen.

Tod durch Fliegenstich. In Hülscheid wurde vor kurzem ein neunjähriges Mädchen von einer Fliege am Handgelenk gestochen. Der Arm schwoll alsbald derartig an, daß ein Arzt zu Rate gezogen wurde. Dieser konstatierte Blutver­giftung, und trotz aller Gegenmittel verschied das Kind un­ter heftigen Schmerzen.

Schiffsuntergang. Im Großen Belt ist, wie jetzt be­kannt wird, das deutsche Segelschiff Emanuel" infolge eines Westorkans gesunken. Der Kapitän hatte Frau und Kinder an Bord. Diese wurden mit der gesamten Besatzung im legten Augenblick gerettet.

Ein Familien- Drama. In Brennersgrün im reußischen Oberlande sollte kürzlich das Anwesen der von ihrem Manne getrennt lebenden Hebanene Stüber in Zwangsversteige­rung verkauft werden. Als Käufer trat der Schwiegersohn der Besitzerin auf. Aus Aerger darüber ertränkte die Frau das fünfjährige Kind ihrer Tochter und nahm sich dann selbst das Leben.

Einsturz eines Neubaues. In Marrloh in Westfalen stürzte ein Neubau dieser Tage zusammen, als die Arbeiter in dem Gebäude beschäftigt waren. Acht Personen trugen mehr oder minder schwere Verlegungen davon.

§ Automatenprozeß. In dem Prozeß gegen die Kauf­leute August Hormann, Friedrich Andres, Hans Wahnschaffe und Paul Thornas, sämtlich aus Rostock, sowie den Reisenden Karl Strichow- Berlin, die zahlreiche Wirte beim Verkauf von Musikautomaten übervorteilt haben sollen, wurden nach drei­tägiger Verhandlung vor der Stendaler Ferienſtrafkammer alle Angeklagten freigesprochen.

Attentat auf die Schwiegermutter. In Danzig brachte bor einigen Tagen ein Kaufmann seiner Schwiegermutter mit einem Revolverschusse eine schwere Verwundung bei und sprach hinterher sein Bedauern darüber aus, daß er die alte Frau nicht totgeschossen habe. Da der Mann seine Fa­milie nicht ernähren konnte, half die Frau ihrer Mutter tagsüber in der Wirtschaft. Der Mann wollte aber diese Hilfsleistung nicht haben, sondern verlangte, daß seine Schwiegermutter ihn mit barem Gelde unterstüte. Als sie sich weigerte, griff er zur Mordwaffe.

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Vermischtes.

Ein gesundheitsschädlicher Fabrikationsbetrieb. In Kiel kom fürzlich ein Schadensersatz- Prozeß zur Verhand­lung, den ein Gastwirt gegen eine in der Nähe belegene Poudrette- Fabrik angestrengt hatte. Vor dem Oberlandes­gericht wurde festgestellt, daß bei 15 ärztlich behandelten Personen, die in und bei der Fabrik wohnen, Erkrankungen infolge Vergiftung vorgekommen sind. Ein vereidigter Chemiker hat den Mageninhalt r Erkrankten untersucht und darin Bakterien als Krankheitserreger gefunden, die aus den in der Poudrettefabrik behandelten Stoffen stammen.

Tages- Chronik. Das Landgericht Bückeburg wird dem Kellner Meyer eine Entschädigung für die unschuldig er­Titiene Untersuchungshaft gewähren.

Der Bankkassierer Wilhelm Otto ist mit 60 000 Mr., die er im Bankhaus Mende in Frankfurt a. D. unterschla­gen hat, flüchtig geworden.

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In München- Gladbach stieß ein Motorfahrer und ein Radfahrer zusammen; ersterer erlitt einen Schädelbruch, letterer verlor ein Auge.

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Husarenpferde als Durchgänger. Daß auch bei wohl dressierten Militärpferden böse Beispiele gute Sitten ver­derben, zeigte sich dieser Tage bei einer Felddienstübung des Casseler Husarenregiments bei Sandershausen. Eine Abteilung war abgesessen, als plötzlich das ledige Pferd einer Patrouille hindurchsauste. Sämtliche Pferde, 60 an der Zahl, gingen durch und rasten nach der Stadt Mün­den, wo sie in den engen Straßen Schrecken genug verbrei­teten, bis es einigen beherzten Männern gelang, die Tiere zum Stehen zu bringen und so größeres Unheil zu ver­hüten. Eine Anzahl Husaren, die den Pferden beim Ab­Laufen in die Zügel gefallen waren, wurden fortgeschleift und erlitten zum Teil nicht unerhebliche Verlegungen.

Schenßlicher Mordversuch. In der Nacht auf Mittwoch versuchte der stellungslose Schuhmacher Josef Godulla die Prostituierte Ottilie Badt in ihrer Wohnung zu Berlin­Moabit zu ermorden. Er brachte dem Mädchen mit einem Küchenmesser einen furchtbaren Stich in den Hals bei. Das Messer drang bis zum Heft ein. Anscheinend handelt es sich um einen Raubversuch.

= 25 000 kronen Diebesbente. In Wien ist dieser Tage eine gefährliche Diebesbande verhaftet, die, aus drei Mitgliedern bestehend, im Laufe einer verhältnismäßig furzen Zeit für 25 000 Kronen Beute, meistens Schmuck­sachen, zusammengestohlen hatte. Der Führer war ein erst 26 Jahre alter Comptoirist Czap, der sich mit dem 25jäh­rigen Hilfsbeamten Stießny und einem Schlossergesellen zusammengetan hatte, um sein verbrecherisches Gewerbe auszuüben. Mit welcher Frechheit namentlich Czap vor­ging, beweist der Diebstahl eines Brillantschmuckes, der der Tragödin Prochoska in Prag gehörte. Czap pflegte in höchst eleganter Kleidung die Wohnungen von Herrschaften zu be­suchen, die gerade ausgegangen waren, dort die Dienstboten durch irgend einen Vorwand aus dem Zimmer zu entfernen und dann zu stehlen, was ihm in die Finger fam. So hatte er sich auch Eingang in die Wohnräume der Prochoska ver­schafft, und er sah deren Brillanten auf dem Schreibtische liegen. Indessen gelang es ihm nicht, an den Schmuck zu gelangen, da die Kammerfra der Künstlerin ihn nicht aus den Augen ließ. Viermal wiederholte der auf den Schmuck lüsterne Dieb seinen Versuch, bis es ihm endlich ge­lang, seine Absicht zu erreichen. Nach der Verbindung mit dem Schlosser wurden auch Einbrüche im großen verübt. und eine ganze Reihe von Diebstählen, die in verschiedenen Gegenden Desterreichs in der letzten Zeit vorkamen, sind dem verbrecherischen Kleeblatt auf das Konto zu setzen.

+ Die Erhaltung des Kleingewerbes. Der Handwerker­stand hat mehr als manche andere Berufsschicht unter der Not der Zeiten zu leiden. Die Frage nach Unterstützung und neuem Lebensantrieb ist nicht leicht zu beantworten. Unter den zahlreich vorgeschlagenen Hilfsmitteln verdient die Frage des Wanderunterrichts für Hand­werfer aufmerksame Beachtung. In Deutschland kennt man diesen Wanderunterricht fast nur dem Namen nach, da­gegen hat man in Desterreich mit der von der Regierung ge­troffenen Einrichtung gute Erfglge erzielt, namentlich in fleineren Orten. Es werden alljährilich bewährte Fach­lehrer staatlicher gewerblicher Lehranstalten ausgesendet, um in den Gemeinden die ausübenden Handwerker in ihren Werkstätten aufzusuchen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, und ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Die Be­triebe und Herstellungsmethoden haben in den besuchten Orten wesentliche Verbesserungen erfahren und die Leute haben sich schon jetzt daran gewöhnt, bei allen wichtigen An­lässen die Hilfe der Schule in Anspruch zu nehmen. Eine sehr große Anzahl der ländlichen oder kleinstädtischen Mei­ster konnte weder zeichnen noch nach Zeichmungen arbeiten. Tischler fertigen neue Gegenstände nicht nach mustergültigen Vorlagen, sondern nach den Zeichnungen aus Katalogen. In der Hauptsache aber wird die althergebrachte Schablone bei­behalten. Der Mangel an Kapital trägt die Schuld an der meist schlechten Ausrüstung mit Werkzeugen, Geräten und anderen Hilfsmitteln. Nach den gemachten Erfahrungen ist es sehr wertvoll, daß den Handwerkern Zeichnungen, Bücher und Muster überlassen werden, daß man ihnen Beleh­rungen über die Führung der Bücher, die Anfertigung von Kalkulationen gibt und ihnen Ratschläge über die Beschaf­fung besserer Werkzeuge und die Beseitigung von Mängeln im Betriebe erteilt. Daß diese Bestrebungen auch dem all­gemeinen Interesse dienen, folgt aus der Tatsache, daß sich die Wanderlehrer sehr für die Erhaltung der heimischen Bau­stile interessieren. Es ist zweifelsohne richtig, an Stelle der sich breit machenden überreichen Scheinarchitektur und unsagbar nüchternen Bauten die schönen Motive älterer Bau­ten zu pflegen. Warum sollte bei uns nicht Aehnliches mög­lich sein. Die kommunalen Handwerksvereinigungen sollten jedenfalls ihr Augenmerk auf den Wanderunterricht lenken und gegebenenfalls den Behörden mit Anregungen näher fommen.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Anonyme Briefe in Detmold. Die Straffammer zu Detmold verurteilte den Arbeiter Römer wegen Beleidigung, begangen durch anonyme Briefe, zu 2 Jahren und 2 Monaten Gefängnis. Der Verurteilte hatte den verstorbenen Graf­Regenten Ernst, den Hofmarschall Graf Rittberg, Staats­minister Gevefot und eine Anzahl Bewohner Detmolds durch anonyme Briefe unflätigsten Inhalts beleidigt.

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Katastrophen in den Alpen. Vom Flethschhorn ist beim Dorfe Simpeln( Kanton Wallis) ein ungeheurer Bergsturz niedergegangen. Die Simplonstraße und der Alpensee, dessen Wasser zu Tal stürzten, wurden verschüttet. Die schweizerische Post muß umgeladen werden. Bei der enor­men Size schmelzen die Gletscher der Alpen bedeutend. Der Inn ist in den letzten Tagen sehr gestiegen. in Rattenberg steht bereits die Bergstraße unter Wasser.

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Ein Desertenr. In Posen erregte dieser Tage ein Ge­fangenen- Transport großes Aufsehen. Zwischen zwei Sol­daten mit geladenem Gewehr unter Führung eines Feld­webels wurde ein elegant gekleideter Herr vom Bahnhof ins Militärgefängnis gebracht. Der Transport fam aus Straßburg i. E. Der Gefangene war ein Deutsch- Ameri­faner, der im Jahre 1877 von dem damals in Straßburg liegenden 47. Regiment entflohen und über Frankreich nach Amerifa gegangen war, wo er es zu einem ziemlichen Reich­tum gebracht hatte. Zur Regulierung einer Erbschaft war er jetzt nach Deutschland gekommen, bekam mit einem seiner Brüder Streit und wurde von diesem wegen Fahnenflucht denunziert und daraufhin verhaftet. Man konnte ihm aber nichts anhaben, da er 52 Jahre alt ist, die Fahnenflucht aber mit dem 45. Lebensjahre verjährt. Doch mußte er dir Summe von 200 Mark bezahlen, zu der er im Jahre 1877 berurteilt war.

= Der vergnügte Streik der Briefträger. In Athen teaten vor kurzem die Briefträger in den Streif, weil man ihnen das Gehalt verkürzen wollte. Sie benutzten die Mußezeit, um ein höchst vergnügliches Leben zu beginnen. Sie ließen sich in dem eine Wegstunde von der Hauptstadt belegenen Dörfchen Galazi nieder und verbrachten mit ihren Jamilien die Zeit mit Schmausen und Trinken. Die Bür­ger von Athen, die kamen, um sich nach ihren Poſtleuten um­zusehen, wurden freundlichst eingeladen, an den Gastereien teilzunehmen. Derweilen aber ruhte der ganze Brief- und Telegrammbetrieb. und so begann das gesamte geschäft liche Leben allgemach zu stocken. Zuerst beschwerten sich die Kaufleute, dann auch die Gesandten der fremden Mächte; -- die Postbehörde versuchte, durch Polizisten die aufgehäuf­ten Sendungen zu bestellen. Indessen, das ging viel zu langsam. So wurden denn die Briefträger mit großem Jubel empfangen, als sie eines guten Tages ihre Ferien beendeten und, schwer bepackt mit Postsachen aller Art, ihres Amtes wieder zu walten begannen. Sie hatten ihren Streif glänzend gewonnen und dazu acht Tage lang sich köstlich amüsiert.

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Ungewollter Humor. Daß man beim Abfassen von Zeitungsinseraten die richtige Sorgfalt anwenden muß, will man nicht eine komische Wirkung erzielen, zeigt eine Samm­lung ernst gemeinter und doch so unendlich humoristisch wirkender Annoncen, die in englischen Blättern erschienen sind und die vor kurzem ein Sammler solcher Scherze zum Besten gab. Wir geben ein paar ergößliche Proben daraus wieder: Großes Zimmer zu vermieten, passend für zwei Herren von ungefähr 4 Meter Länge und 6 Meter Breite."

,, Verloren ein Hund von einem Herrn, der auf den Namen Jim hört mit fupfernem Halsband und einem Maulforb." ,, Verlangt ein Laufbursche, der auch Austern öffnen fann mit Referenzen."" Bullenbeißer zu verkau­fen, friẞt alles, hat besonders Kinder gern." Zu_ver= kaufen ein kleiner Wagen, gehört einer Dame, mit Genio guten wie neuen Gummirädern und Sitzvolſtern."

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Das größte Dorf in Deutschland. Nach Ermitte­Iungen, die in legter Zeit angestellt sind, ist die größte Laudgemeinde Deutschlands in der Rheinprovinz zu suchen. Es ist das die Gemeinde Hamborn im Kreise Ruhrort, die 63 000 Einwohner zählt.

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= Das Bein des Mörders. Im Gefängnis zu Kiel Harri zurzeit der wegen Brudermordes zum Tode verurteilte Stefan Karstens aus Nesselburg seiner Strafe entgegen. Vor einigen Tagen traf bei den Kieler Gerichtsbehörden das Schreiben eines Landmannes aus der Umgegend ein, in dem der Absender allen Ernstes anfragt, ob er nicht mit dem Berurteilten wegen Ueberlassung seines linken Beines in Verbindung treten könne; ihm selbst fehle dieses, und dem Karstens könne es doch ganz gleichgültig sein, was nach seiner Hinrichtung mit seinem Beine geschehe. Ihm sei von ärztlichen Autoritäten versichert, daß die Anheilung des Beines eines anderen möglich sei. Offenbar hat sich jemand mit dem einbeinigen Manne einen schlechten Spaß gemacht.

Der letzte Prügelfnabe. Bekannt ist, daß in früheren Zeiten für die jungen Fürstenfinder sogenannte Prügel­fucben gehalten wurden, die für die Prinzen die von diesen verwirkten Strafen auf sich nehmen mußten. Wie aus den vor kurzem veröffentlichter Memoiren des französischen Mar­schalls Canrobert hervorgeht, hat das Institut der Prügel­fnaben bis in neuere Seiten hinein bestanden. Marschall Canrobert lernte in Algier den französischen Oberst de la Torre kennen. Er war mit den spanischen Infanten zusam­men erzogen und hatte den Beruf gehabt, die Prügel in Empfang zu nehmen, die die Infanten verdient hatten, und das war gar nicht so selten vorgekommen.

Die Verzweiflungstat eines Ehepaares. In Wien er­hoß sich wegen mißlicher Vermögensverhältnisse das Ehe­paar Franke gemeinsam im Schlafzimmer. Neben jeder Leiche lag ein Revolver, aus denen das Ehepaar die todbrin­genden Schüsse abgegeben hatte. In mehreren an Verwandte zurückgelassenen Briefen teilt das Ehepaar mit, daß sein finanzieller Zusammenbruch es in den Tod getrieben hat.

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Gut abgeführt. In einem Hotel am Kleberplatz in Straßburg i. E. saß vor einigen Tagen ein russischer Oberst beim Frühstück. Als eine Abteilung des 105er Regiments borbeimarschierte, verstieg sich der Russe zu der Frage: Sind das die unbesieglichen, martialischen deutschen Soldaten, diese Pikkolos?" In verbindlichstem Tone erwiderte der Wirt: Macht nichts, Herr Oberst, die Japaner sind auch nur klein!" utentbrannt warf der Russe das Geld auf den Tisch und verschwand.

Wilderer und Förster. Bei Wetter an der Ruhr wurde der Förster Borgmann von wildernden Italienern über­fallen und einen steilen Abhang herabgestürzt. Der För­ster ist schwer verletzt und man zweifelt, ob man ihn am Le­ben erhalten wird.

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Millionär und Ochsenknecht. Der amerikanische Eisen­bahnmagnat Gould, der sich zurzeit in der Schweiz aufhält, mußte vor kurzem erfahren, wozu ein Schweizer Ochsen­knecht imstande ist, der wider die modernsten Verkehrsmittel eine Aversion hat. Der Millionär machte mit seiner Familie eine Automobilfahrt. In der Nähe von Küßnacht trafen die Amerikaner auf einen Dassenwagen, der mit bedächtiger Langsamkeit des Weges fuhr und dessen Führer nicht zum Ausweichen zu bewegen war. Als sich dann endlich eine Gelegenheit zum Vorbeifahren bot, hieb der Ochsenknecht mit der Peitsche auf die Automobilfahrer ein und traf Frau Gould, die blutige Striemen über Hals und Schultern er­hielt, sowie den jungen Gould im Gesicht. Gerichtliche Klage ist eingeleitet.

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Turbinen- Dampfer im Aermel- Kanal. Anfangs dieser Woche hat der neue Turbinendampfer Onward" die Fahrt von Folkestone nach Boulogne in Stunde gemacht, und es soll dort jetzt eine neue Route eingerichtet werden. Die gewöhnliche Fahrt von Dover nach Calais nimmt aller­dings nur eine Stunde in Anspruch, allein die Reisenden, die von England über Boulogne nach Paris fahren, werden für die Viertelstunde längerer Seefahrt, durch eine beträcht­liche Verkürzung der Bahnfahrt entschädigt.

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Aethertrinker in Irland. Wie eine soeben veröffent­lichte Statistik dartut, ist das Laster des Aethertrinkens unter der Bevölkerung Frlands in ersthreckendem Maße ver­breitet. Es gibt dort in einzelnen Gegenden Kneipen, in denen nur Aether getrunken wird. Das Glas wird für einen Penny verkauft, so daß auch die ärmeren Volksschichten dem Laster fröhnen, das die inneren Körperorgane völlig zer­rüttet.

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Eine Erklärung für Erdbeben. Ein Neger- Prediger in Amerika hat fürzlich eine ganz neue Erklärung für die Entstehung der Erdbeben gefunden. In einer Ansprache an seine Gemeinde gab er der Standard Oil- Company schuld, indem er die Sache folgendermaßen darstellte: Die Erde dreht sich um Achsen, wie wir alle wissen. Da etwas nötig ist, die Achsen zu schmieren, wurde, als die Erde gemedit wurde, Petroleum in ihr Inneres gebracht. Da kommt aber jetzt die Standard Dil- Company und holt sich das e troleum, indem sie Löcher in die Erde bohrt. Die Erde steckt jetzt auf ihren Achsen und will nicht mehr so gut herumgehen, denn die Achsenlöcher sind heiß, gerade so ivia es manchmal bei den Rädern der Eisenbahnwagen ist und wenn das der Fall ist, dann passiert immer etwas."

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Halt den Automobilisten! In Amerika geht man jeg! den zu rasch fahrenden Automobil- Fahrern mit einem sehr drastischen Mittel zu Leibe. Die Schußleute in Rye, einer Vorstadt von Newyork, haben neuerdings Befehl erhalten den Automobil- Rasern, die auf Anruf nicht halten, einfach eine Kugel aus ihren Revolvern in die Pneumatic zu jage Als kürzlich einige Polizisten diesem Befehle nachkamen, fehlten sie den Pneumatic, trafen aber den Chauffeur ins Bein.

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Blitzschlag ins Proviantamt. Das königliche Proviant amt I in Spandau wurde vorgestern vom Blitz getroffen. Das Feuer hatte längere Zeit unentdeckt im Dachstuhl ge glimmt, bis die Flammen hindurchschlugen. Es sind viele Getreide- Vorräte verbrannt. Ein glücklicher Zufall hatte es gefügt, daß vor kurzem 15 000 Zentner Hafer aus dem Pro biantamt nach Südwest- Afrika gesandt waren.

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