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Insel ist verbrecherisch geworden, die Beamten behandeln Sträflinge und Eingeborene wie wilde Tiere und geben selbst das denkbar schlechteste Beispiel.

Sachalin ist übrigens der erste Anstoß zu der seit meh­reren Jahrhunderten andauernden Berührung zwischen Russen und Japanern gewesen. Im Jahre 1780 landete eine japanische Dschunke an der Mündung des Amur, wo die Russen seit einiger Zeit Fuß gefaßt batten. Das japanische von Sachalin nach dem Amur verschlagen Fahrzeug war worden. Die Insassen wurden von den Russen gefangen ge= setzt und gezwungen, über ihr Land Auskunft zu geben. Im Jahre darauf landelen die Russen auf Sachalin, das von Japanern und den Ureinwohnern Japans, den Ainos, be­wohnt war. Die Insel hieß damals Karafuto. Seit jener Zeit ließen die Russen nicht nach, das Land in ihre Gewalt zu bekommen. 1806 fam wieder eine russische Expedition nach Sachalin, griffen die wichtigste japanische Ansiedlung an und zerstörten sie nebst einigen kleineren Orten, mit der Drohung, es später mit allen anderen Dörfern ebenso zu machen. Die Japaner sollten dadurch gezwungen werden, einen Handelsvertrag mit den Moskoviten abzuschließen. Im Jahre 1811 wurde die Mannschaft der russischen Fre­gatte Diana", die in der Gegend kreuzte, von den Japanern gefangen, zwei Jahre darauf aber wieder freigelassen. Von Rußland wurden in der Folge zahlreiche Einwanderer nach Sachalin geschickt, so daß allmählich der Norden der Insel unter russischen Einfluß geriet. Fortwährende Reibungen entstanden, 1855 kam ein Handelsvertrag zustande und 1859 offupierte Rußland förmlich den nördlichen Teil Sachalins. Mehrere japanische Gesandtschaften in Petersburg zur Ab­grenzung der Machtverhältnisse hatten keinen Erfolg. bis im Sahre 1875 Sapan gezwungen wurde, die ganze Insel an Rußland zu überlassen.

Die politische und strategische Bedeutung der jetzigen Be­fibergreifung Sachalins durch die japanischen Truppen ist viel größer, ale wie vielfach angenommen wird. Abgesehen von dem Gefühlsmoment. das in der Annektierung eine ge­rechte Wiedereroberung geraubten japanischen Landes sieht, ist auch der materielle und friegerische Wert nicht zu unter­schätzen. Durch die Iniel Sachalin erhält das japanische Inselreich eine mächtige Borlängerung und überflügelt gleichsam die Kiste Ostsibiriens. Japan wird vollständig Herr des japanischen Meeres und ist in der Lage, jeden frem­den unliebſamen Einfluß fern zu halten. Sachalin beherrscht die Mündung des Amurs, der die natürliche Straße in die nördliche und mittlere Mandschurei sowie in die Amurpro­vinz bildet. Die Gefahr einer russischen Seeherrschaft in Ostasien wird beseitigt. Wladiwostok hat keinen Wert, wenn alle Zugänge zu diesem Hafen in den Händen der Japaner find. Rußland ist vollkommen von dem Stillen Ozean abge­schlossen, denn an der Küste von Kamschatka läßt sich faum ein zweites Wiadiwostok gründen, auf keinen Fall aber ein zweites Port Arthur. Dadurch aber, daß Japan die Ent­wickelung und Erstarkuna Rußlands an den Küsten des Stillen Ozeans nach Möglichkeit hemmt, aewinnt es selbst die Aussicht zum weiteren Aufschwung. Wenn es dem Mi­fado gelingt, auch noch den letzten Stützpunkt in Wladi­mostok zu zerstören und beim Friedensschluß seine Eroberun­gen festzuhalten, ist das Rarenreich für lange Zeit, wenn nicht für immer, in jenen Breiten lahmgelegt. Und das hat man mohl erkannt, der Einmarsch in Sachalin bedeutet deshalb eine wichtige Phase in dem ungeheueren Ringen der beide:: Völker.

Politifche Rundschau.

Deutsches Reich.

* Troß der Zersprengung der größeren Banden führen die Unruhen in Südwestafrika immer noch zu unliebsamen Vor­tommnissen. Namentlich mehren sich in letzter Zeit die Vieh­diebstähle selbst in der Nähe größerer Ansiedlungen. Am 2. Juni wurden von etwa 40 Herero von der Farm Haris sämt­liche Pferde, alles Rindvieh mit Ausnahme der Kälber und etwa 50 Stück Kleinvieh fortgetrieben. Bei der Verfolgung gelang es, den Räubern das Kleinvieh, 20 Pferde und 70 Rinder wieder abzunehmen, während sie mit dem Rest ent­kamen. Nachdem vor furzem der Katholischen Mission nach Pokiesdraai hin, etwa 1 Kilometer von Windhuk, 16 Ochsen bon Hereros fortgetrieben sind, wurden ihr am 11. v. Mts. auf Farm Tebra 30 Stälber gestohlen. Dem einen die Kälber hütenden Hereroweib war von den Räubern der Hals ab­geschritten, während ein anderes verschwunden ist. Auf Farm Lichtenstein wurden die erst kürzlich von Deutschland eingeführten Toggenburger Ziegen geraubt. Das gleiche Schicksal erlitten 102 dem Frachtfahrer Bolle gehörende Ochsen bei Aukeikas am 21. v. Mts. In Brafwater hießen Herero neun Kühe mit sich gehen.

* lleber die Verhältnisse in Samoa wird gemeldet, daß die neuesten über Auckland kommenden Nachrichten zu Be­sorgnissen nicht Anlaß geben. Auch in amtlichen Kreisen hat man keinerlei Grund, für die politische Entwickelung der Dinge in Samoa Befürchtungen zu hegen. Vor kurzem gingen beängstigende Gerüchte über bevorstehende Unruhen auf Samoa durch die Presse.

* Die Staaten Belgien und Holland haben jetzt ebenfalls die Einladung zur Marokkokonferenz angenommen. Sie knüpfen an die Annahme die Bedingung, daß alle beteiligten Großmächte sich beteiligen.

* Die internationale Vereinbarung gegen den Mädchen­handel ist von den Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Rußlands, Spaniens, Däne­marts, Skandinaviens und der Schweiz unterzeichnet worden.

* Der Gouverneur von Kamerun hat die Einfuhr von Handelspulver und Vorderladern nach Kamerun verboten. Zugleich wind bestimmt, daß diese Gegenstände auch aus den amtlichen und privaten Lagerhäusern vorläufig nicht her­ausgegeben werden dürfen. Nach diesen Anordnungen scheint man doch nicht ohne Besorgnis wegen etwaiger Auf­standsgelüfte gewesen zu sein.

* Entgegen anderweitigen Gerüchten verlautet aus Olden­burg, Minister Ruhstrat denke nicht daran, zurückzutreten. Voraussichtlich wird auch die Staatsanwaltschaft keine Re­bision gegen das freisprechende Urteil im Bückeburger Pro­zeß gegen den Kellner Meyer einlegen.

England.

** Die britischen Gesetzgebungsfaktoren befassen sich seit längerer Zeit mit der Fremdenbill, deren Zweck es sein soll, unerwünschte Einwanderer fern zu halten. Bei der augen­blicklichen Beratung brachte nun die Regierung im Unter­bause cinen Antrag ein, nach welchem der Mangel an Mit­

fein zum Lebensunterhalt fein Grund sein soll, einen Frem­den auszuschließen, der nach England nur einwandern will, um zu vermeiden, daß er aus religiösen oder poli. tischen Gründen oder wegen politischer Vergehen ver­folgt oder bestraft wird, oder um einer Verfolgung wegen religiöser Ueberzeugungen zu entgehen. Der Antrag wurde angenommen, nachdem alle Redner dafür eingetreten waren, daß für Flüchtlinge, die aus politischen oder religiösen Grün­den in England eine Zufluch suchen, das Asylrecht erhalten werden müsse.

Russland.

** Die Gegensätze im Kaukasus zeitigen immer bedenk lichere Blüten. In Tiflis sind 20 Arbeiter der Eisenbahn­merkstätten an vergiftetem Tee erfranft. Sie wollten von der revolutionären Propaganda nichts wissen. Im Teekessel wurde Arsenik gefunden. Zehn der Vergifteten sind tot. Auch in den Ostseeprovinzen zeigen sich Spuren der revolutionären Bewegung. In Sessau in Kurland wurde der Kirchenvorsteher Baron Bistram erschossen. Baron Hahn­Platon wurde durch den Müller Wifone gerettet, der selbst einen Schuß in den Unterleib erhielt. Dem demnächst in Mostan zusammentretenden Semstwo- Kongreß wird mit greta Erwartungen entgegengesehen. Die Polizei macht Miene, die Versammlung zu verbieten, der Gouverneur hat indessen verheißen, sich in Petersburg dafür zu verwenden, daß die Abhaltung des Kongresses gestattet werde. In Finland wird die Einberufung eines Kongresses von Ver­tretern der Berufsstände vorbereitet, um gegen Bulygins Wan einer Volksvertretung, als nicht weit genug gehend, Stellung zu nehmen.

Hof und Gesellschaft.

*** Anläßlich des Regierungsjubiläums erhielt Fürst Karl Günther von Schwarzburg- Sondershausen vom Kaiser und einer Reihe anderer deutscher Fürsten herzliche Glückwunschschreiben. Der Kaiser verlieh dem Staats­minister Vetersen den Kronenorden erster Klasse. Der Fürst Stiftete eine Jubiläumsmedaille und machte noch eine Stif­tung zum Besten von Vereinen, Beamten und Veteranen. Ferner erließ er eine Amnestie, durch die alle wegen Ueber­tretungen verhängten Haft- und Geldstrafen bis zu einem Monat beziehungsweise 100 Mark erlassen werden.

*** 2u Ehren des scheidenden Regenten von Sachsen- Ko­burg und Gotha, des Erb prinzen zu Hohenlohe­Langenburg fand in Gotha ein Festkommers statt. Der Regent hielt eine Ansprache, dankte allen seinen Mitarbei­tern und reichte unter brausendem Beifall der Anwesenden dem Staatsminister Hentig die Hand.

Deer und flotte.

Nene Abzeichen für Minensoldaten. Nach einer Bestim= mung des Kaisers werden die Vinenvorleute und Minen­schlosser der am 1. Avril d. J. neugebildeten Minenkompag­nie in Kurhaven Abzeichen in Form einer aufrechtſteherden Mine tragen. Die Abzeichen werden in roter oder gelber Stickerei ausgeführt und auf dem linken Arm unter dem Dienstgradabzeichen auf ovaler Stoffunterlage angebradjt.

Soziales Leben.

Ausstand von Färbereiarbeitern. Die Arbeiter der Färberei Bornemann u. Batky in Meerane, zusammen 700, haben die Arbeit niedergelegt, weil ihre Forderungen auf Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit nicht bewil­ligt wurden. Auch in Glauchau haben die Färbereiarbeiter beschlossen, in den Ausstand zu treten.

Nab und Fern.

+ Unwetter und ihre Folgen. Schwere Wetter sind auch in den letzten Tagen wieder an verschiedenen Stellen Deutsch­lands niedergegangen und haben vielen Schaden angerichtet. Sehr schlimm hat das Wetter am Rhein gehaust. Seit Men­schengedenken hat man so etwas an Sturm und Wolken­brüchen nicht erlebt. Große Scheunen wurden umgeweht, und hunderte starke Bäume sind entwurzelt. Die Weinberge zeigen metertiefe Furchen; manche Berge sind des Bodens, sowie der Weinstöcke völlig beraubt. Vielfach konnten sich die Menschen nur durch schleunige Flucht vor den Wasserfluten und vor den einstürzenden Gebäuden retten. Nicht minder bös ging es im oberschlesischen Industriebezirk zu. In Glei­wiz, Zabrze und Umgegend sind viele Häuser abgedeckt. Der Hagelschlag hat verwüstend gewirkt, stellenweise lag der Hagel handhoch in den Gärten. In Lipine riß der Sturm eine Halle der Zinkhütte Silesia ein, in der etwa 60 Arbeiter tätig waren. Eine große Anzahl von ihnen wurde unter den Trümmern begraben, zwei wurden getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. Durch die Feuer der Defen entstand ein Brand, der am Abend noch andauerte.

Ein neuer Brief- Prozeß in Sicht. In Herne in West­falen steht eine Gerichtsverhandlung bevor, die als Gegen­stück zu dem bekannten Lemgoer Brief- Prozeß zu betrachten ist. Im Mittelpunkt der Affäre steht die Gattin eines höhe­ren Beamten. Sie wird beschuldigt, die Verfasserin zahl­reicher anonymer Briefe zu sein, durch die eine größere An­zahl Persönlichkeiten, die der besten Gesellschaft angehören, in letzter Zeit fortgesezt beleidigt wurden.

Unter dem Verdacht des Gattenmordes. Der praktische Arzt Dr. Karl Roth in Talmässing in Bayern wurde vor furzem verhaftet unter der Beschuldigung, daß er versucht habe, seine Frau, mit der er seit einem Jahre verheiratet war, ums Leben zu bringen. Nach einer Version sell er der Frau Gift beigebracht, nach einer anderen, sie aus der Equi­page gestürzt haben.

Eine Familientragödie. In Fraulautern in der Rhein­provinz machte dieser Tage ein Bauer, der dem Trunke stark ergeben und dadurch mit seiner Familie völlig zerfallen ist, den Versuch, seine Frau während der Messe zu ermorden. Er wurde dabei von dem einundzwanzigjährigen Sohn, der seiner Mutter zu Hilfe kam, erschossen.

Ehescheidung der Prinzessin Luise von Koburg. Nachdem die Prinzessin Luise von Koburg von den Pariser Aerzten für geistig gesund erklärt und daraufhin vom Wiener Ober­Hofmarschallamt die über die Prinzessin verhängte Kuratel aufgehoben ist, hat nunmehr ihr Gemahl, Prinz Philipp, die Ehescheidungsklage bei dem Landgericht zu Gotha eingelei­tet. Die Verhandlung wird im Herbst stattfinden.

Schreckliche Folgen einer Explosion. In Gablonz in Böhmen explodierte vorgestern im Keller cines Hauses cin

Quantum Benzin. Die Frau des Hausbesitzers und ihr Dienstmädchen, die sich im Keller befanden, wurden lebens­gefährlich verletzt. Während die Feuerwehr mit den Ab­löschungsarbeiten beschäftigt war, erfolgte eine zweite Ex­plosion, infolge deren achtundzwanzig Feuerwehrleute furcht­bare, teils tödliche Brandwunden erlitten.

Ohne Hilfe gestorben. In Neuhausen bei Asch in Böh­men ist vor einigen Tagen eine Köchin auf schyreckliche Art ums Leben gekommen. Sie war des Lebens überdrüssig und hatte eine Dosis Gift genommen. Als es zu wirfen begann, und die Unglückliche furchtbare Schmerzen litt, bat sie nacheinander acht Personen, man möge doch aus Asch einen Arzt herbeiholen. Allein niemand erfüllte ihre Bitte. Da legte sie sich um 9 Uhr vormittags unter einen Baum auf die Wiese und bis gegen Mittag lag sie dort jammerud und klagend, bis der Tod das bedauernswerte Mädchen erlöste.

Wolkenkratzer in Paris. Mit den amerikanischen Sitten wird auch die amerikanische Baumeise nach der fran­zösischen Hauptstadt verpflanzt. In der Rue Franklin ist soeben ein Haus vollendet, das nicht weniger als zehn Stock­merke enthält. Das Dach des Hauses befindet sich genau in der gleichen Höhe mit der ersten Etage des Eiffelturmes, etwa 140 Meter hoch.

Von der russischen Grenze. Ein Hofbesitzer in Margen, Kreis Memel, hatte vor kurzem in Rußland zwei Ferkel und Fleisch gekauft und war damit über die Grenze nach Deutsch­land zurückgekommen. Trotzdem sah er sich von zwei russi­schen Grenzsoldaten verfolgt, die ihm die Ferkel und das Fleisch entreißen wollten. Als sich der deutsche Bauer zur Wehr setzte, gab der eine Grenzsoldat Feuer und brachte dem Deutschen eine schwere Verwundung am Untc. leib bei, der er am anderen Tage erlag. Er hinterläßt eine Witwe und drei unmündige Kinder.

Die Rache des verstoßenen Sohnes. Im Vororte Stein­bruch bei Budapest wurde vorgestern der Fuhrwerksbesitzer Rac von dem sechzehnjährigen Schlosserlehrling Stefan Dra­hos erschossen. Rac war bei der Mutter des Drahos als Kutscher beschäftigt gewesen und hatte es verstanden, die Gunst der Witwe zu erlangen und sich zum Herrn des großen Geschäftes aufzuschwingen. Der Sohn Stefan wurde zu einem Schlosser in die Lehre gegeben, obwohl er Lust hatte zu studieren und die Mittel dazu seiner Mutter reichlich zur Verfügung standen. Vorgestern stellte er nun den Nac darob zur Rede, daß er die Kinder aus dem elterlichen Hause jage. Als Rac den Knaben darob züchtigen wollte, schoß dieser sei­nem Widersacher mit einem Revolver ins Herz. Im polizei­lichen Verbör sagte Drahos: Ich habe den Geliebten meiner Mutter getötet, weil er mich zugrunde gerichtet hat." Er gestand, die Tat nach reiflicher Ueberlegung verübt zu haben, weil er es nicht mitansehen konnte, daß ein fremder Mensch sein und seiner Schwester Vermögen an sich riß. Wenn er, Drahos, schon zugrunde gehen müsse, so solle doch die Zu­kunft seiner Schwester sichergestellt werden.

Kunft und Wissenschaft.

KL Das Krebsscrum. Dr. Doyen in Paris wollte be­kanntlich ein heilkräftiges Serum gegen die fürchterliche Kresbkrankheit gefunden haben. In der Pariser Chirur­gischen Gesellschaft wurde nun in einem Vortrage Professors Delbet das Doyensche Krebsserum als absolut wertlos charaf­terisiert. In dem Berichte wird nachgewiesen, daß von 26 beobachteten Fällen bei 20 eine Verschlimmerung durch das Serum Doyens, bei zweien keine Veränderung und nur bei einem eine gewisse Wirkung ohne Rückfall nach Jahren festgestellt wurden, während die drei anderen Fälle wegen unvollständiger Prüfung nicht für wissenschaftliche Beweis­führungen her angezogen werden könnten. Bei drei anderen Fällen der Benutzung des Serums in Hospitälern seien nur borübergehende Besserungen, nicht aber Heilungen erzielt worden. Man müsse also schließen, daß das Serum des Dr. Doyen keine Wirkung auf den Krebs ausübe. Andererseits wird allerdings geltend gemacht, daß die Fälle schon vor der Anwendung des Serums in ähnlicher Weise diagnostiziert waren und daß ferner die mikrobiologische Prüfung noch nicht erledigt sei.

Der Landwirt.

dg Die Rinderzucht in Deutschland. Der bayrische Landes­inspektor für Tierzucht, Herr Dr. Attinger, gibt in einer längeren Abhandlung ein Urteil über das auf der Deutschen Landwirtschaftsausstellung in München ausgestellte Rind­vieh, um daraus folgende Nuzanwendung zu ziehen: Die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hat den Beweis geliefert, daß auf dem Gebiete der Rinderzucht zwar bedeutende Fortschritte zu verzeichnen sind, daß aber die der deutschen Viehzucht zukommende Aufgabe, den inländischen Markt mit Vieh bester Qualität möglichst allein zu versorgen­noch ihrer Erledigung harrt." Für unsere tierzüchtenden Landwirte ist die Auslassung des Landesinspektors ein neuer Ansporn in dem Bestreben, bei den Arbeiten für die Hebung der deutschen Tierzucht nicht zu erlahmen.

Die Unleferlichkeit der Rezepte, Die lage über die wenig deutliche Handschrift der Aerzte auf ihren für die Apotheke bestimmten Verordnungen ist ur­alt. Cs mag sein, daß in manchen Fällen das unentziffer­bare Rezept als notwendig gehalten wird, um dem Laien nicht Anlaß zu Experimenten und Eingriffen in die Tätigkeit des Arztes zu geben. Aber dieser Grund ist unwesentlich gegenüber der großen Gefahr, die darin liegt, auch bei dem berufenen Apotheker Verwirrung und Unsicherheit hervor­zurufen und eine irrige Anfertigung der Präparate zu er­möglichen. Auch ein nur geringes Versehen kann schwere Folgen mit sich bringen. Das großherzoglich Hessische Mini­sterium, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, ist die erste Behörde, die hier Wandel schaffen will. Sie hat an die Kreisgesundheitsämter, die Kreisveterinärämter und die Apothekenbesitzer des Großherzogtums die folgende Ver­fügung erlassen: Da wir noch immer die Erfahrung machen müssen, daß Rezepte mit faum leserlicher Schrift zur Anfertigung in die Apotheken gebracht wer­den, weisen wir die Apotheker an, sich für die Folge solchen Rezepten gegenüber in keinem Falle auf mehr oder minder mühevolle zuverlässige Enträtselung einzulassen, vielmehr stets von dem ordinierenden Arzt eine deutliche Inhalts­angabe zu verlangen." Für alle beteiligten reise, nicht am wenigstens für den Arzt selber, ist deutliche, leserliche Schrift auf den Rezepten von Vorteil. Das Beispiel des hessischen Ministeriums verdient deshalb Nachahmung.

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