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Ich bin nicht erschrocken, obgleich ich niemand kommen, gehört; und ohne meine Augen von dem Bilde abzuwenden, ſage ich:
Guten Morgen, Herr Doktor," denn ich kenne bereits den Klang deiner Stimme.
,, Was denken Sie?" fragst du mich; und ich fühle, wie dein Blick nicht auf dem Bilde, sondern auf mir haftet.
„ Was ich denke?"- Rein waren meine Gedanken und gut, was macht es, daß ich heiß werde, brennend heiß, daß ich die Augen niederschlage, ohne zu vermögen, das Süße, das Wehe, das Schaurige, was eben durch meine Seele gegangen,- vor dir auszusprechen.-
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Da zum erstenmal fam es mir wie eine beseligende Offenbarung: du hattest mich verstanden, ohne daß ich gesprochen. Ein jeder hätte meine sichtliche Verwirrung mißdeuten können; du aber sagst nur sanft: Auch mich macht das Bild jedesmal wehmütig, Fräulein Esther, wenn ich Sie so nennen darf, und auch mir würde es schwer fallen, es meine Gedanken darüber vor Ihnen auszusprechen, war unbesonnen von mir, daß ich Sie danach fragte!" Und wie um Verzeihung bittend, legst du deine Hand einen Moment auf die meine. Da ich dich dankbar aber immer noch stumm anblicke, fährst du fort: Lassen Sie uns nicht wehmütig sein heut, Fräulein Esther. Draußen, unser Paris strahlt in der sieghaften Glorie seines Herbstgewandes, kommen Sie mit hinaus, es ist ja Ihr Ferientag, wollen wir ihn zusammen feiern?"—
Und nun geschieht das zweite Wunder. Ich, die ich noch eben die feste Absicht gehabt, den ganzen Tag in stiller Andacht vor meinen geliebten Bildern zu verleben, ich nehme ohne jedes Zögern meinen Sonnenschirm in die Hand, als hätte ich nie andere Pläne gehabt und fragte nur:„ Wo gehen wir hin?"
Ach, wohin gehen wir! Wie verbringen wir jenen gesegneten Tag? Erst kommt der Weg, der sonnenbeglänzte, blumenumhegte durch den Tuileriengarten nach den Champs Elysées.
Dort links, vergraben in Platanen- und Ahornfronen, liegt ein Restaurant mit einem warmen, stillen Garten davor.
Wir suchen uns die stillste, die sonnigste Ecke und dann kommt unser Frühstück.
Haben die kostbaren Gerichte bei Barons mir je so wundervoll geschmeckt, wie dieses Kalbsschnitzel und diese ApfelFüchlein? Nur im Wein sind wir üppig, fabelhaft üppig, Veuve Cliquot!
Ich habe vergessen, daß ich vogelfrei bin, daß keiner nach mir fragt. Dein Glas klingt an das meine:„ Auf Ihr Wohl, Fräulein Esther!"- Und auf das Ihre, Herr Doktor!"
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„ Auf Ihr Glück, Fräulein Esther!" Und auf das Ihre, Herr Doktor!"
" Ja, auf das Glück, auf die Sonne, auf alles, was schön und gut und hold ist!"-
Bist du's! Bin ich's? Hat eine gütige Fee uns berzaubert? Du bist aufgesprungen, über mich geneigt stehst du, Strahlen, wärmer und leuchtender als die der Sonne suchen ihren Weg aus deinen Augen in mein Herz; wie ein Jauchzen kommen deine Worte und ich trinke sie in mich hinein wie eine dürstende Pflanze den Himmelssegen. Es ist, als ob Seele und Seele sich jubelnd verbinden, und über uns, in den Platanen, singt eine Drossel.
Nachher sind wir wieder auf die Erde herabgestiegen. Und es war zart und rücksichtsvoll von dir, daß du mich, wie ich es wollte, die Hälfte der Rechnung redlich bezahlen ließest, nur den Wein nicht, darin mußte ich dein Gast sein. Wir schlendern langsam durch die Champs Elysées, zuerst still, nur ab und an ein Wort; es ist Sonntag in uns geworden, friedstiller Sonntag.-Nachher plaudern wir. Das heißt, du fragst, und ich antworte.-
Wonach fragst du nicht! Und was erzähle ich dir nicht? Von der Zeit im weißen Hause an bis zum heutigen Morgen; alles, alles.- Und doch wieder nicht alles; denn wenn das Trauriae fommen will, dann sehen wir uns beide an wie verabredet, ganz leise berührt deine Hand die meine, und wir sagen beide:„ Heut nicht, nicht heute!"
Und um uns jauchzen die Kinder, und es knistert von Seide und Schleppen; und wir wandern durch all dieses
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bunte, glitzernde Leben wie ein paar Kinder, die da meinen, alles gehört ihnen, nirgends ist Schatten, und alles ist ewig. Dann war's, daß uns das Mädchen mit Veilchen entgegenkam. Wir sehen uns an. Ein eigentümliches Gefühl bemächtigt sich meiner. Wie seltsam, fenne ich das Geficht nicht?- Ein paar dunkle, sprechende Augen unter einer niedrigen Stirn, in welche schwere Wellen schwarzen, glänzenden Haares tief hineinfallen. Eine dunkle, etwa verschleierte Stimme. Auch die Stimme scheint mir beMir ist wie in einem seltsamen Traum zu Sinn. kannt. Eine leise Erregung vibriert in deiner Frage:„ Wie heißen Sie?" Yvonne," ist die zögernd gegebene Antwort.
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Was tun Sie? Leben Sie nur vom Blumenverkaufen?" Deine Worte kommen hastig.
Ein brennendes Rot schießt über die eingefallenen Wan- Mit einem scheuen Seitenblick auf mich flüstert sie kaum hörbar: Ich bin Modell!"
,, Können Sie es nicht aufgeben, können Sie nicht umfehren?" Deine Stimme klingt eindringlich, gebieterisch. Sie sieht wie gepeinigt ins Weite:„ Es ist zu spät!" ,, Es ist niemals zu spät!"--
Aber sie schüttelt traurig mit dem Kopf.
Ich sehe das 20 Frcs- Stück, welches aus deiner Hand in die ihre schlüpft, ich höre dein leises:„ Arme Kleine!"- ich nestle den Veilchenstrauß, den du mir kauftest, in mein Knopfloch; ich weiß, in den dunkeln, gehezten Augen quellen die Tränen auf, und ich muß mich abwenden, weil ich fühle, wie auch meine Wimpern sich feuchten. Ich reiche ihr die Hand wie im Traume, und wie im Traume flüstere ich:„ Arme Yvonne!"
Aus einer der Singspielhallen links hinter den Bäumen trällert eine leichtfertige Frauenstimme. Das Lied tut mir weh; wie eine Mikhandlung empfinde ich es. Wir gehen eilig weiter, und ich sinne und sinne. Woher kenne ich dieses Gesicht? Warum flößt es mir halb Furcht, halb liebevolles Mitgefühl ein?-
Auch du schweigst. Wir sind ganz unvermerkt in das Bois eingebogen, ein stiller Seitenpfad nimmt uns auf.
,, Wem, wem sieht sie nur ähnlich?" frage ich plötzlich, indem ich dich ansehe. Dein Blick hat etwas Gespanntes,
etwas angstvoll Zärtliches, etwas, was ich noch nie darin gelesen, spricht daraus, und du sagst weich und leise:„ Sie muß Ihnen geglichen haben, Fräulein Esther, ehe Schuld und Elend sie herabrissen!"
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Mir! Ich bleibe stehen. Mir ist, als ob etwas in meinem Innersten einen schmerzlichen Klang von sich gäbe. Ach, diese hungrigen Augen! Auch vogelfrei!- Aber schlimmer als ich, elender als ich!
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Du legst sanft deine gute, starke Hand auf meinen Arm. ,, Verzeihen Sie mir, ich dachte, es wäre besser, Sie erführen es jetzt, hier draußen in Licht und Sonnenschein, während ich noch bei Ihnen bin; es tat mir weh, zu denken, daß es Ihnen heut abend vielleicht vor Ihrem Spiegel zum Bewußtsein kommen würde, wenn Sie allein sind und müde!"
O, du Einziger! Start wie ein Held und zart und fürsorgend wie eine Frau, anders habe ich dich nie gekannt!
Ich danke dir mit einem Blick, und ich nehme den Arm, welchen du mir jetzt bietest; dann gehen wir langsam heimwärts. Die schmerzliche Ueberraschung sänftigt sich, das Glück von vorher gleitet wieder heran auf lautlosen Schwingen. Das Glück von vorher, und doch ein ander Glück, ein besseres, ein Gefühl des Geborgenseins, des Ausruhens, des Heimkommens. Und dann, weißt du noch jenen Tag in Versailles und das Hochamt in Notre Dame? du noch an die Galerie in Cluny und das Herbstlaub in Auteuil? Meine Feder taucht in das Tintenfaß, welches du mir in Sèvres fauftest, und in meinen Flechten steckt die Nadel, die wir im Bon Marché erstanden. Ueber meinem Bett hängt das Bild vom Parke von St. Cloud, und in meiner Bibel liegt der Veilchenstrauß der toten Yvonne.
Denkst
War's ein trübes Omen, daß ihr Tod dir unsere Liebe zum Bewußtsein brachte?
Du hattest gearbeitet auf der Universität den ganzen Tag lang. Du eilst nach der Rue Visconti; denn wir haben einen langen, traurigen Abend vor uns. Da fällt dir ein, nicht weit von Notre Dame hat heut nachmittag eine Händlerin mit roten Nelken gestanden; du weißt, wie sehr ich
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Da, da, fo Che ich noch Je du die Tür j
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prehen meinen Da muß ich a Bu meinen Füßen
Ich schließe di faßlicher Traum, Sehnsucht meines mit dem Recht de hinaufheben soll Deine Lippe mich noch imme
deine Recht da Augen; deinen Hals, men, bis in be
Ja, bis in
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Wie ein St Denn läßt mich auf deine Du bist wie leije, wenn du i Weichheit zittert
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