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Donnerstag. den 17. August
1905
Oberhessische Familienzeitung.
Telephoa Nr. 362.
Unterhaltungs- Beilage
für den
Bofen aus dem Ohm- und Felda- Thal.
Doud und Berlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. With.Keller'sche Buhdru ferei( gegr. 1783);
( 5. Fortsetzung.)
Allein in der Welt.
Novelle von Friede H. Kraze.
Durch den Tuileriengarten bin ich geschlendert. Es war ein goldener Nachmittag. Wie Rubinen glühten die Begonien auf den Beeten zu Füßen der üppig graziösen, steinernen Bacchantin, an ihr vorüber, über den Pont Royal strebten meine Schritte schier unbewußt dem linken Seineufer, dem Studenten- und Künstlerviertel, zu.
Ein wenig Bohéme" bin ich ja auch, vogelfrei;- ein Mensch ohne Heimat, der heut hier, morgen da sein Zelt aufschlägt, ohne daß ein anderer viel danach fragt.
Und ich liebe die engen Straßen mit den kleinen, dunkeln Läden, voll wertlosen Trödels und kostbarster Antiquitäten.
Es zuckt mir in allen Fingern,- es reißt mich hinein in das geheimnisvolle Dämmerlicht, zu den rätselhaften, bunten Schäßen. Diese elfenbeingeschnitten Fächer mit den Boucheroder Watteauszenen, diese eigentümlichen, verschnörkelten Möbel, diese vermorschten Türen, diese eisernen Vorlegeschlösser und Leuchter, diese perlengestickten Trachten! Nichts, nichts weiter als die fleine, bronzene, antike Lampe muß ich kaufen. Seit Wochen verlangt meine Seele nad) ihr; 10 Fr. ein Spottpreis! eine Kleinigkeit!-
Du Böser, warum mußtest du mir später sagen, daß es eine ausgezeichnete Imitation wäre! Daß Madame Borault, der dunkle Laden und das dunkle Ensemble meine Sinne verwirrt hätten!
Und ich liebe das lose Künstlervolk in den verblichenen, bertragenen Sammetjackets mit den sangesfrohen Lippen und den leeren Taschen! Nicht, daß ich sie persönlich kennte, - aber wenn ich sie so über die Straße gehen sehe, manche Gestalt wie aus einem Buche herausgeschnitten,- da ist mir's, als könnte ich ihnen ihre Geschichte ablesen aus den Augen voll Begeisterung oder Schwermut, aus dem verschossenen Künstlerhabit, aus den hohlen Wangen,- aus dem im Winde flatternden Haar!
Nie habe ich besser schreiben können, als in Paris. Nie hat mir die Feder so langsam für die schwellende Flut der Gedanken geschienen wie hier.
Und ich liebe das Luxembourg und Notre Dame!- Nie hat mir ein Kirschkuchen besser geschmeckt, als der kleine, saure, den wir damals in der engen, räucherigen Konditorei geradeüber vom Pantheon vertilgten.
Und ich liebe die Rue Visconti! Es ist die Straße, wo der Uhrmacher Kupfender seinen Laden hat, und wo du und ich so unaussprechlich glücklich waren.
„ Ein Zimmer zu vermieten" steht auf einem Zettel im Schaufenster Mr. Kupfenders, und daraufhin, und auf das gute Gesicht seiner Frau, der Deutsch- Elsässerin hin, und wegen meiner jeweiligen Kassenebbe kündigte ich die Pension mitten im Herzen des eleganten Paris und siedelte in die Rue Visconti über.
War's eire Laune des Schicksals, die dich geheißen hat, gleichfalls ein bescheidenes Zimmer bei Mdme. Kupfender dem vornehmen Hotel garni auf dem Boulevard Haußmann vorzuziehen?- Auch du hattest diese Vorliebe für den Quai und für das Quartier latin; du, der du nichts vom Zigeuner
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wwen.
Ueber dieses hervorragende Bauwerk teilt Großh. Bauinspektor A. Beder im Zentralblatt der Bauderwaltung unter Beifügung von Grundrissen und prächtig anschaulichen Außen- und Innenansichten des Neubaues mit:
Der heute rund 280000 Bände enthaltende Bücherbestand der Großh. Universitätsbibliothek war bisher in einem alten, zu diesem Zwecke notdürftig hergerichteten Bau untergebracht. Nachdem dieser für den Bestand zu eng geworden war, und ein benachbarter sehr feuergefährlicher alter Bau zu Hilfe genommen werden mußte, fonnte man sich dem Gebote nicht länger verschließen, wenigstens für eine feuersichere Unterbringung des Bücherschatzes zu sorgen. So wurde zunächst eine Erweiterung des alten Gebäudes durch einen nach modernem Magazin- System geplanten Anbau vorgesehen, dessen Esenkonstruktion man bei einem späteren Neubau verwenden zu fönnen glaubte. Indessen fam man von diesem Plane aus allerlei Gründen wieder ab und entschloß sich zu einem allen
Telephon Nr. 362.
verantwortlich: Albin Klein.
( Nachdruck verboten.)
in dir hast und doch ein so tiefes, rührendes Verständnis, ein so warmes Mitgefühl für jene Existenzen?
Mein Orm, Gott segne dir's in Ewigkeit, daß du die Heimatlose, die Vogelfreie, an deine starke, treue Brust genommen, daß du ihr geben wolltest, wonach ihre ganze Seele schrie, ein Heim und Liebe!
Es schien der guten Madame Kupfender selbstverständlich, daß wir das Diner zusammen einnahmen, vier gute Deutsche, die das Schicksal mitten drin im Quartier latin zusammengewürfelt hatte.
„ Das ist der Herr Dr. Sörensen, und das ist das Fräulein Murief; närr'sche Namen beide. Und Fräulein, haben Sie schon von einem lebenden Menschen gehört, der Orm getauft ist? Ich all' mein Lebtag nicht!- Und, Herr Doktor, Esther und Ahasveros, das weiß ich noch von der Schule her, aber eine christliche Esther, noch dazu eine Pfarrerstochter, ist mir doch noch nicht vorgekommen. Na, Herr Doktor und Fräulein Murief, und du Alter, jezt wollen wir aber einmal anstoßen auf gemütliches Zusammenleben,' s ist reiner Medoc zur Feier des Tages."
Gute Seele, Mdme. Kupfender! Als hätte ich sie auswendig gelernt, steht mir ihre erste Rede im Gedächtnis! Und noch viele Reden hat sie uns später gehalten,- hat sich auch noch lange nicht über Orm und Esther beruhigen können, soviel wir ihr auch versicherten, daß da, wo wir beide zu Haus, in Nord- Schleswig, und an der russischen Grenze die beiden Namen ab und an von lebendigen Christenmenschen geführt würden.
Unser erstes Mittagessen zusammen! Wie gestern ist es mir. Ich meine, ich atme ihn noch ein, den leckeren Duft des Lapinbratens, der sich mit dem der Reseden und Levkojen in den Fensterkästen verwebt. Ich reiche sie dir, die Schüssel mit Salat, für welchen ich nur wenig, du dagegen desto mehr Verständnis entwickelst. Dein Glas mit dem granatroten Wein berührt einen Augenblick das meine, wie unsere Augen ineinander tauchen, und unsere Lippen sprechen:„ Auf gute Nachbarschaft!"
Und dann, weißt du noch jenen Morgen im Louvre? Ich habe den ersten Monat bei Mdme. Kupfender hinter mir, einen emsigen Schreibmonat. Ich bin ziemlich zufrieden mit meiner Novelle, zum erstenmal ziemlich zufrieden!
Ich brauche Ausspannung; und wie immer verlebe ich den ersten Tag der Ferien, die ich mir jetzt selbst bewillige, im Louvre.
Es ist ganz still da hinten.
Ich size dem„ Sklavenkäufer" gegenüber und träume mich in das Bild hinein. Dieser blühende, junge Leib so schuklos unwürdigem Schicksale preisgegeben, er flößt mir immer wieder ein fast schmerzhaftes Mitkeiden ein; das Ergreifende der Szene packt mich jedesmal wieder mit der gleichen Gewalt. Ich ersinne Vergangenheit und Zukunft des verlorenen Geschöpfes.
,, Guten Morgen, Fräulein Murief!" Ein Schatten fällt vor mir über das Parkett.
Grundstück 8 angelegt.
Gegen die architektonisch näherliegende Lösung, den Bücherbau im Dreieck, mit zwei Flügeln längs der Straße und einem Querflügel auszubilden, sprachen sehr wensentliche, praft sche Gesichtspunkte. Eine solche Anordnung ist gegen über einem einzigen Flügel für den Betrieb entschieden weniger geeignet, insofern die Uebersicht leidet und die Wege verlängert werden; auch entstehen an jedem Kreuzungspunkte mehrerer Flügel stets schlecht beleuchtete Stellen. Ferner erschien tas Heranrücken der Flügel an die Straße auch hinsichtlich der Feuer sicherheit weniger empfehlenswert. Andererseits konnte der Bücherbau bei der Art des Bauplages eine große Breite erhalten und dennoch wegen des weiten Abstandes der gegenüberliegenden Straßen pfluchten einer reichlichen Beleuchtung sicher sein, somit auch eine möglichst zusammengedrängte Form erhalten. Eine spätere Erweiterung ist zunächst als Verlängerung des jeßigen flügel am Ende angefügt werden können.
14. Jahrgang
spreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus 3., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. ex: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) Gießenor Seifenblasen( wöchentlich). erscheint an allen Werktagen nachmittags.
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ießen und Umgebung.
n Oberhessen.
t ihres Amtes entsetzt. Seit es einen bt, ist an ihre Stelle die Ente getreten, erfündet, was ihr irgendwer eingegeben 1, ohne Liebe zur Wahrheit und selbst ohne jeinlichkeit. Die Japaner haben während ihrigen Krieges bewiesen, daß sie Meister des Schweigens. Herr v. Witte hat wähals elfjährigen Ministerschaft den Ruf der worben. Trotzdem wollen Berichterstatter, unter Seufzern und Aengsten ihre mehr en Diäten verzehren und sie um fünftiger nit Gewalt durch sensationelle Meldungen die Welt glauben machen, erstens daß a einander zu strengster Verschwiegenheit zweitens daß Komura und Witte den : noch als ihren eigenen Monarchen Nede en, drittens daß die diplomatischen Sendind Japans das unwiderstehliche Bedürfgeheimsten Gedanken dem Busen berufsderer anzuvertrauen. Das Schönste aber ihnen wirklich, und das Lesepublikum wird nen ihr Blatt den Newcasteler Entensalat Imtlich ist bekannt gegeben worden, daß Mächte eine lange Reihe japanischer Gegenstand von Konferenzberatungen geese Forderungen sind numeriert worden. nhalt der einzelnen Forderungen ist genau t verlautbart worden, mit welcher Ziffer Insprüche eingereiht sind. Es ist also nuc enn von Zeit zu Zeit offiziös gesagt wird, ummer" sei zur Erledigung gelangt oder estellt worden. Kein Mensch außer den 1 selbst weiß, welchen Inhalt die Chiffre isentenzüchter aber scheuen vor dem Unrück. Mit wahren Röntgenaugen durchssene Aftenmappen und raten frisch Die einzelne Summer bedeuten möge. eine Erledigung, so wird eine Forderung er Bedeutung eingestellt; ist von einer de, so wird eine Forderung von großem nstand der Meldung gemacht. Das eine › das andere, aus der Tiefe des Gemüts Fingern gesogen, ohne jede störende Tatbiniert.
in Newcastel arbeitet die frei schaffende tärkster Anhaltepunkt etwa das Blinzeln Der blendenden Sonne oder die Spur der Baron Rosens müdem Antlik ist. Auch europäischen Politik wird die Ente zärtre Brut flügge gemacht. Nicht immer türlich sorgfältig verste. e Tendenz. So erausgebracht, daß Herr v. Witte seine en Zaren schicke, nid, vom Zaren seine le, sondern seine Depeschen alle an Herrn dem russischen Minister des Auswärtigen, fein ferneres alten mit Weisunger
nthält die Sammlungsräume für Handbein, für Karten und Kupferwerke, die
jut den werjano deftimmten Universi ätsschriften, ein Dozentenlesezimmer, Räume für paläographische Uebungen, für die Zeitschriftenvorräte der Gießener gelehrten Gesellschaften, einen Ausstellungsraum für allgemein interessierende Handschriften und literarische Seltenheiten, einen zu ebener Erde liegenden Packaum mit unmittelbarem Zugang von außen für Annahme und Beförderung von Büchersendungen, endlich inen zur Aufnahme der älteren Bestände des Universitätsüber dem Packraum ist die Dienerwohnung untergebracht. Archives bestimmten Raum. In einem Zwischengeschoß Der Binnenhof ist einerseits vom dem Treppenhaus der Dienerwohnung anderseits durch eine unter dem Archiv liegende Einfahrt zugänglich.
Die lichte Höhe des Erdgeschosses beträgt 4,80 Meter. Durch Tieferlegung des Packraumes war es möglich, in der Höhe zwischen diesem und dem Obergeschoß drei Magazingeschosse derart unterzubringen, daß der unterste von dem Packraum, der dritte von dem Katalogzimmer und der Aus
t. Wohnungsnag uforderungen gerecht werdenden Neubau. Die Kosten für Bücherspeichers gedacht, während danach noch seitliche Quer- leihe zugänglich ist. Das Archiv fonnte, weil sein Fußboden
eine solchen wurden im Staatsbudget 1901/02 angefordert und bewilligt. Am 12. November 1904 wurde der Bau
enftrage 2, Bimmer Nr. 14. in Gegenwart Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs eröffnet war in erster Linie der Hauptlesesaal, der, um zugleich das
häfteftunden bon 8-1 und bon 3-6 Uhr find zu vermieten:
Bohnung von 7 Zimmern Baublocks gewählt, auf dem sich jetzt dos Kollegiengebäude, mußte. In selben Geschoß sollten das 8 itschriftenlesezimmer
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und dem Betriebe übergeben. Als Bauplatz wurde ein Grundstück von etwa 5700 Quadratmetern zwischen Keplerfrase und verlängerter Bismarckstraße in nächster Nähe des das chemische Laboratorium, das physikalisch chemische Institut befinden, zu dem sich später wohl noch weitere naturwiss- n- schaftliche Institute gesellen werden. Der dreuckige Bauplatz bot für Grundriß und Fassadengestaltung nicht unwesentliche Schwierigkeiten. Die Spitze des Creiecks nach der Stephans sich nach rückwärts mit zwei Flügeln, einen Binnenhof
gleichfalls tiefer liegt, durch Galerien, zum Teil über der
Einfahrt liegend, der Höhe nach geteilt werden. Das Obergeschoß ist 4,65 Meter i. 1. hoch, während der Hauptlesesaal ine Höhe von 8 Meten erhalten hat. Um für die Handbücherei des Lesesaales weiteren Platz zu schaffen, ist der Hofe dem Bücherspeicher vorgebauter Treppentuim dient zur Innenwand ces Raumes eine Galerie vorgelegt. Ein im Verbindung der Geschosse und des Cachraumes des Berwaltungsbaues und des Bücherbaues, ein zweiter als Zugang zum Tachraum der anderen Gebäudeseite. Im Keller sind sind außer den Räumen für die Zentralheizung eine Werkstatt, gebracht.
Bestimmend für die Raumanordnung im Verwaltungsbau Hauptarchitektur- Motiv abzugeben den Giebel zwischen den beiden sich gabelnden Straßen einnehmen und, um eine größere Höhenentwicklung zuzulassen, im Obergeschoß liegen und die eigentlichen Beamtenarbeitsräume, rämlich: Direktor, Kanzlei-, Beamtenzimmer, Ausleihe- und Katalograum liegen. Die beiden letzteren vermitteln den Verkehr nach dem BücherSpeicher und sind unter sich über den Binnenhof hinweg durch eine Galerie verbunden, die zugleich als Kleiderablage für Buchbinderei und photographische Dunkelkammer uuteraus beleuchtet, das Haupttreppenhaus. Das Eri geschoß des
mobl. u. 4 möblierte Bimmer ftraße nimmt der zweigeschossige Verwaltungsbau ein, der die Beamten dient. Inmitten der Anlage liegt, vom Hofe
einer Laben.
mieten gefucht: Bohnungen von 1-7 Bimmer
( Fortseßung folgt.)


