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gericht zu verantworten. Die Firma klagte gegen die Streifenden wegen Vertragsbruchs auf Schadenersatz, der von Sachverständigen für die 16 Lage seit Ausbruch des Streits auf 7044 Mt. festgestellt wurde. Das Gericht ver­urteilte die 62 streifenden Arbeiter, den Schadenersatz in dieser Höhe zu leisten und außerdem die Kosten des Ver. fahrens zu tragen.

Nab und Fern.

Von der Automobilwoche. Die deutsche Automobil­woche in München hat ihren Anfang genommen. Bei dem Kesselbergrennen, mit dem die Veranstaltung begann, star­teten 44 Motorräder. Es wurden sieben Minuten erzielt, die Durchschnittsleistung betrug acht Minuten.

Durch Brunnengase getötet. In einer chemischen Fabrik in Breslau waren zwei Arbeiter bei der Ausführung von Schlammarbeiten beschäftigt. Dabei wurden sie durch aus­strömende Brunnengase erstickt.

Korsett und Geisteskrankheit. Eine junge Frau aus Develgönne, die zum Besuch bei Verwandten in Altona weilte, erfrankte dort plötzlich auf einer Vergnügungstour. Ein herzugerufener Arzt stellte fest, daß infolge starken Schnürens Blut ins Gehirn gedrungen war und eine Geistesstörung hervorgerufen hatte. Die Frau war mehr­fach gewarnt, der Eitelkeit nicht nachzugeben und von.cm starken Schnüren abzulassen.

Das Unwetter in der Pfalz. Immer bösere Nachrich­ten kommen von den Folgen des Unwetters, das besonders in der Pfalz furchtbar gehaust hat. Namentlich das Hagel­wetter war schrecklich. Es fielen Hagelförner von sieben Zentimeter Durchmesser. Die Dächer sahen aus wie von Kugeln durchlöchert. Der Sturm hob Güterwagen aus dem Gleis. Die Tabaksfelder, die Hopfenfelder und der Zucker­rübenbau haben erheblich gelitten. Die Weinernte ist teil­meise vernichtet. Der Landtagsabgeordnete Hammer­schmidt richtete ein Schreiben an das bayerische Ministerium wegen der bedrängten Lage der Winzer, sowie der Obst- und Tabalbauer.

Gebäude- Einsturz. In Chemnitz stürzte bei dem Neu­bau der Kaserne für das neu zu errichtende Ulanen- Regi­ment eine Barade ein. Zwölf Maurer wurden unter den Trümmern begraben. Einer ist tödlich verletzt, die übrigen erlitten meist schwere Verwündungen.

Der Mann als Aukläger seiner Frau. In Berlin wurde eine Frau auf Anzeige ihres Mannes unter der An­klage, den Tod ihres dreijährigen Söhnchens veranlaßt zu haben, verhaftet. Sie wollte mit dem Kinde einen Spazier­gang machen und ging noch einmal zurück, um ein Butter­brot für den Kleinen mitzunehmen. In der Zeit fiel das Kind die Treppe hinunter, erlitt eine Gehirnerschütterung und starb am Tage darauf. Der Ehemann bezichtigte nun die Frau, durch Schläge auf den Kopf den Tod des Kleinen herbeigeführt zu haben. Die Untersuchung soll ergeben, ob Fahrlässigkeit oder Gewalt als Todesursache zu betrach­ten ist.

Brand- Unglück. In einem einsam im Walde belegenen Hause bei Haßlinghausen in Westfalen brach Feuer aus, das die Treppe zu dem Schlafzimmer in Flammen ſetzte. Die Frau, die allein zu Hause war, warf Betten durchs Fenster und hinterher ihre drei kleinen Kinder. Als sie dann selbst nachsprang, brach sie das Rückgrat und war so­fort tot.

In den Bergen verunglückt. Zwei geübte Alpinisten aus Basel, Apotheker Hermann und Kaufmann Geldner, gerieten bei der Besteigung der Jungfrau in ein Unwetter. Eine Hilfsexpedition fand am Guggigletscher die Leiche Hermanns. Von Geldner wurde an der Silberlücke der Gletscherpickel entdeckt; man vermutet, daß auch er unigekom­men iſt.

Gattenmörderin in Notwehr. In der ungarischen Ge­meinde Gilad quälte der der Truntsucht ergebene Landwirt Dragalina seine Frau durch fortgesetzte Mißhandlungen. Als die Unglückliche vor dem Wüterich aus dem Zimmer flüchten wollte und dieser ihr den Weg vertrat, griff die Frau in der Verzweiflung zu einer Art und spaltete dem Gatten den Kopf. Die Gattenmörderin stellte sich selber den Behörden.

Bootsunfall auf dem Meere. Bei einer Vergnügungs­fahrt, die vier Matrosen bei Cette in einem Boote auf dem Meere machten, brachte ein Windstoß das Fahrzeug zum Kentern. Drei der Insassen ertranken, der vierte wurde, nachdem er sich über drei Stunden an dem umgeschlagenen Boote festgehalten hatte, von einem Dampfer gerettet.

Ein verheerender Blitzschlag. In La Tieule in Frank­reich fuhr ein Blitz in die Weide eines Grundbesitzers und tötete 20 Widder, 84 Hammel, 246 Schafe und 218 Lämmer, insgesamt also 568 Stück Vieh. Der Schaden beträgt über 15 000 Francs.

Vater und Sohn. In Wallerthein geriet ein Tage­löhner mit seinem Vater in Streit. Es kam zu Tätlichkeiten, der Vater erlitt eine Verlegung am Kopfe, es trat Blut­vergiftung hinzu, und der Mann starb. Aus Gram über die­sen Ausgang machte der Sohn seinem Leben durch Erhän­gen ein Ende.

Automobil- Unfall. Der Fürst und die Fürstin Rad. ziwill sind bei ihrer Fahrt zu der deutschen Automobilwoche nach München auf der Chaussee verunglückt. Das Fahr­zeug stürzte in den Graben und wurde zertrümmert. Die Insassen tamen unter den Wagen zu liegen. Die Fürstin er­litt eine leichte Verletzung am Kopfe, der Kammerdiener, der aus dem Automobil herausgeschleudert wurde, trug eine Verletzung am Arm davon.

Der Künstler als Gattenmörder. Der berühmte Bild­hauer Filippo Cifoviello hat in Neapel seine Frau aus Eifersucht erschossen. Der Künstler hatte seine Frau, eine bildschöne blonde Französin von eleganter Erscheinung, in einem Café fennen gelernt, wo sie als Chanteuse auftrat. Das Bild seiner Frau, das er als Sphyny modelliert hatte, wurde auf der internationalen Kunstausstellung in Venedig sehr beachtet.

Ein bayerischer Gedenktag. In den Tagen vom 13. bis 15. August wird in Aidenbach die 200jährige Gedächt nisfeier an die Erhebung des niederbayerischen Volkes zu­gunsten des Kurfürsten Mar Emanuel und an die Schlacht bei Aidenbach in feierlicher Weise begangen. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts war nach der Schlacht von Höchstädt der Kurfürst Mar Emanuel von Bayern vom Kaiser geächtet und der Regierung entsetzt worden. Zu seinen Gunsten erhob sich das Landvolk, und es folgte ein erbitterter Kampf mit den Kaiserlichen, bis am 8. Januar 1706 das letzte niederbayerische Aufgebot nach heldenmütiger Gegenwehr bei Aidenbach fast gänzlich aufgerieben wurde. Der Erinne­yung jener Zeit gilt die Feier, an der auch Prinz Ludwig von Bayern teilnimmt.

Acht goldene Hochzeiten. In einer kleinen Gemeinde in Belgien begingen zu gleicher Zeit acht Familien das Fest der goldenen Hochzeit. Begleitet von Kindern, Enkeln und Urenkeln, zogen die greisen Jubelpaare in feierlichem Buge gemeinsam zur Kirche. Die Behörden wohnten der rührenden Feier bei und verliehen jedem Paare eine Er­innerungsmedaille. Aus der ganzen Umgegend hatte sich eine große Menschenmenge in dem Dertchen eingefunden.

Eine amerikanische Millionen- Erbschaft. Aus dem Rheinlande mer vor langen Jahren ein Mann nach Kali­fornien ausgewandert. Er galt als verschollen, da kommt jetzt die Kunde, daß er seinen armen Verwandten in Deutsch­land sein Vermögen in Höhe von sechzig Millionen Mark vermacht hat. Die Erbschaft verteilt sich auf 35 Familien, die im Taunus und am Rhein wohnen. Also einmal eine wirkliche amerikanische Millionen- Erbschaft!

Mordversuch auf den Vorgesezten. In Dresden feuerte der Kassierer Döring von der Wohltätigkeitsanstalt n balidendant" auf den Direktor Zimmer mehrere Revolver­schüsse ab. Döring war nach dreißigjähriger Tätigkeit in den Ruhestand versetzt. Zwei andere Herren wurden ver legt. Bei dem Täter wurden mehrere Revolver gefunden.

Segelsport. Bei der Regatta um den Preis der Stadt Cowes, an der auch der Meteor" teilnahm, hat die deutsche Jacht Brunhilde" den Sieg davongetragen.

Siebenfacher Mord. Im Delirium erschlug ein Müller in Tomaschow in Russisch- Polen seine Frau, Tochter und Schwiegermutter mit einem Beil. Zwei Arbeiter, die den Rasenden entwaffnen wollten, wurden ebenfalls getötet, und nicht anders erging es zwei Dienstmädchen, die ihm auf dem Hofe begegneten. Als er zur Besinnung fam und sah, was er angerichtet, nahm er sich selbst das Leben.

Gruben- Unglück. Auf einem Schacht der Grube Bau­mier" bei St. Etienne wurden drei Arbeiter durch einen Erdrutsch verschüttet und getötet. Der Betrieb wurde sofort eingestellt.

Schreckliches Familiendrama. In der Gemeinde Tala­bor in Ungarn lebte ein Bauer in Unfrieden mit der Fa­milie seiner Schwester, weil diese nach seiner Meinung eine zu hohe Mitgift erhalten hatte. Er begab sich in das Haus feines Schwagers, schoß ihn nach kurzem Wortwechsel nieder, verletzte durch einen weiteren Schuß seine Schwester am Auge, so daß dieses auslief und jagte dem Vater des Er­schossenen eine Kugel in die Brust. Der Mörder trug bei seiner Verhaftung ein zynisches Benehmen zur Schau.

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Sonnenfinsternis und Luftballon. Zur Beobachtung der Sonnenfinsternis am 30. August sollen auf der ganzen Erde von der internationalen Kommission für wissenschaft­liche Luftschiffahrt Ballonfahrten veranstaltet werden. Da mit werden sorgfältige Wolfenbeobachtungen verbunden.

- Das Archiv des Mahdi. In Khartum ist in einem ver­schütteten Brunnen das Archiv der mahdistischen Regierung entdeckt worden. Die Derwische hatten es vor der letzten entscheidenden Schlacht dort in Sicherheit gebracht.

** Postverkehr mit Mexiko. Vom 1. Juli ab sind im Ver fehr mit Mexiko Postanweisungen in der Richtung aus Deutschland bis zu 200 Mart und in umgekehrter Richtung bis zu 100 Pesas zulässig. Bei der Einzahlung in Deutsch­land sind die Beträge auf den Bostanweisungen in der Mark­währung anzugeben. Die Auszahlung in Meriko erfolgt in der Landeswährung unter Zugrundelegung des beim Ein­gange der deutschen Ueberweisungsliste in der Stadt Meriko geltenden Wechselkurses. Zu schriftlichen Mitteilungen an die Empfänger dürfen die Postanweisungs- Abschnitte nicht benutzt werden. Die Tare beträgt 20 Pfg. für je 20 Mart des eingezahlten Betrages. Telegraphische Postanweisungen sind im Verkehr mit Mexiko nicht zulässig.

§ Zum Pücklerprozeß. Gegen seine Verurteilung zu 350 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung eines ländlichen Orts­vorstehers hat Graf Pückler Berufung eingelegt. Er will die in der Urteilsbegründung enthaltene Behauptung des Gerichtshofes, daß Zweifel an der geistigen zurechnungs­fähigkeit des Grafen vorhanden sei, in der Berufungsinstanz durch Gutachten von Psychiatern widerlegen.

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Das längste Telegraphenkabel der Welt. Das Kabel bon San Franzisko nach Manila hat eine Länge von 14 140 Kilometern. Es liegt in der Tiefe von 4000 bis 9638 Me­tern und führt von San Franzisko über Honolulu, die Mid­way- Inseln und Mariannen nach Manila.

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Natürliches Gas. Bei einer Bohrung bei Frederiks­havn in Dänemark stieß man in 15 Fuß Tiefe auf eine Schicht blauen Lehmes, von welcher eine beträchtliche Gas­ausströmung stattfindet. Eine Entzündung des Gases gab eine zwei Meter hohe Flamme. Man will die, Untersuch­ung fortsetzen.

Der Landwirt.

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gh Verbesserte Praxis beim Säen. Es ist die Wahrneh mung gemacht worden, daß in Frostjahren auf Drillsaaten die Drillreihen zu beiden Seiten der Radspuren, welche die Drillmaschine hinterlassen hatte, stets weniger vom Froste mitgenommen wurden als die übrigen Reihen; auch sonst entwickelten sich diese Reihen besser, als die anderen. Man sucht den Grund für diese Erscheinung darin, daß durch den Druck der Räder eine dichtere Lagerung des Bodens herbei­geführt wird und daß die so geschaffene Vertiefung die Pflanzen schützt. Weitere Versuche haben ergeben, daß die Anbringung von Druckrollen für das Drillen des Winter­getreides ihr Gutes hat, und zwar wegen des natürlichen Schußes, welcher durch die Vertiefung der Rillen den jungen Pflänzchen gegen die Gefahren der Winterkälte gewährt wird, und wegen der günstigen Wirkungen dieses Verfahrens auf die physikalische Beschaffenheit und den Wasserhaushalt des Bodens, endlich wegen der beobachteten Wirkung auf eine gesunde und kräftige Entwickelung der einzelnen Pflanzen. Alle diese Wirkungen treten durch Steigerung des Ertrages in die Erscheinuna.

Die Beerdigung des Professor Onden gestern Sonntag Nachmittag 1/25 Uhr auf dem alten Fried hof hatte neben den vielen trauernden Kollegen, Schülern, Verehrern und Freunden des Verstorbenen auch noch eine selten große Zahl Leidtragende aus der Bürgerschaft Gießens zusammenftrömen lassen, welche alle dem so hoch­verdienten unvergeßlichen Historiker und Lehrer, der ein ganzer Mann am rechten Platze war, das Geleit zu seiner letten Ruhestätte geben. Uns schien es, als wenn sie alle nochmals von ihm, dem Unermüdlichen, den sie so gern zu früher Morgenstunde durch Gießens Straßen wandeln sahen, einen lezten Gruß empfangen wollten. Der Tod, der schon so einige Male bei ihm angepocht und dem seine eiserne Willenskraft mehrere Male troßen konnte, hat nun doch unerwartet seinen Mund, seine feuerige Sprache verstummen lassen. Möge er nun ausruhen, er, auf dem das goldene Bort Kaiser W lhelm des Großen, dem er selbst einer seiner beften Diener war, so recht paßte:

Vom Fahrstuhl zermalmt. In Schöneberg verun­glückte ein Molkereibesizer dadurch, daß er einen auf seinem Grundstück befindlichen Lastenfahrstuhl in Ordnung brin­gen wollte und dabei von dem plößlich in Bewegung kom­menden Gewicht erfaßt und gegen die Mauer gedrückt wurde. Als man den Unglücklichen befreite, war der Tod schon eingetreten.

des

Bebels Erbschaft. In dem Streit um die Erbschaft verstorbenen Leutnants a. D. Kollmann, der den Reichstagsabgeordneten Bebel zum Haupterben eingesetz! hat, schweben jetzt Vergleichs- Verhandlungen. Bebel hat sich zu einem gütlichen Abkommen bereit erklärt. Das letzte Schiff Noschdjestwenskys. Das einzige Schiff, das sich von der russischen Ostseeflotte in die Hei­mat retten konnte, ist der Hilfskreuzer Anadys". Er hat auf der Fahrt nach Libau den Großen Belt passiert.

Tages- Chronik. In Teschen in Desterreichisch- Schlesien findet in den Tagen vom 17. September bis 1. Oktober eine Bienenzucht- Ausstellung statt.

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In Ilmenau wurde ein Kurgast aus Leipzig von einem Motorrade überfahren und tödlich verletzt.

Ich habe keine Zeit Müde zu sein.

Noch vor wenigen Tagen hatte unser Schriftleiter Ge legenheit mit ihm auf seinem Arbeitszimmer einige Minuten zu plaudern, wobei Oncken die und jene lokalen, politischen wie auch privaten Fragen berührte, trotzdem er gerade Mitten in der Bearbeitung einer größeren Sache sich befand. Sich für Alles interessierend, so fanden wir ihn schon vor 10 Jahren außerhalb des Großherzogtum Hessen gelegentlich eines Vortrages; allezeit liebenswürdig und zuvorkommend zu jedermann. Seine Schüler, alle die ihn kannten und die Nachwelt werden sich seiner stets ehrenvoll und dankbar zu erinnern wissen.

Im Theater des französischen Bades Vichy brach ein szenischer Aufbau zusammen, wodurch sechs Schauspieler schwer verwundet wurden.

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In Geismar bei Göttingen wurde ein Guts- Admini­strator von einem polnischen Arbeiter erstochen

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Die Trauerfeierlichkeit am Grabe wurde eingeleitet durch den Choral: Jesus, meine Zuversicht", worauf Pfarrassistent Sattler folgende Grabrede hielt:

" Das offene Grab läßt wie ein scharfes Schwert die Gewißheit durch unsere Seele gehen: Wilhelm Oncken ist nicht mehr unter den Lebenden. So ist ein Mann gefallen, den man wirklich eine deutsche Eiche nennen durfte, die grünte von Anfang bis zu Ende, in der quoll und collte Saft und Kraft einer tief monarchischen Gesinnung, einer frohen patriotischen Begeisterung, die ihn furchtlos und treu sein Innerstes geben ließ, wobin wir ihn stellten war's in der Kammer für unser engeres Hessenland, war's im Reichstag für's große deutsche Reich

Eine Hand erfaltet, die mit geübter Feder das Bild des Altreichskanzlers und unsern Heldenkaiser aus deutschem Herzen in deutsche Herzen hinein tiefer gezeichnet hat, als es manches Stand­bild von Erz und Stein. Ein Mund verstummt, der mit fließender und doch wuchtiger Beredsamkeit tausenden von Studenten in den Hörsälen unserer Universität, unzähligen im weiten deutschen Vater­land und allen Gebildeten in der ganzen weiten Welt einen Ein­druck gemacht hat, von dem, was deutsches Wissen errungen und vermehrt mit täglich neuer, unermüdlicher Schaffenskraft und Riesen­fleiß vermag.

Ein Mann, der die Geister der Wissenschaft beherrscht, wie kaum einer und dabei doch treu war bis ins kleinste, glücklich im kleinen Kreise der Seinen, über denen er in treuer Fürsorge bis zuletzt, anspruchslos für sich selbst, wachte, der zärtliche Gatte seiner Gattin, die vierzig Jahre Freud' und Leid mit ihm teilen durfte.

Nun liegt sie wie vom Blizz zerschmettert am Boden, diese Eiche, deren Splitter wir klagend umstehen; sie, die den letzten An­stürmen auf ihre gesunde Kraft, die sie ereilten, mitten in der Aus­führung der Pflicht, noch so getroßt. Und ist uns nicht immer

furchtbarer der Gedanke, daß der Mann, der am Abend noch friedlich und froh, frisch und gesund sich zur Ruhe legt, schon am nächsten Morgen eine Leiche sein sollte, tot daltegen, weinend von den Seinen umftanden; daß der Geist, der Jahrhunderte der Geschichte als unzerstörbaren Besitz durchdrungen hatte bis in die tiefsten Tiefen hinein, in wenigen Minuten sich lösen sollte, von seiner Hülle? Kommt da nicht die Klage über unsere Lippen, wie wir Menschen doch so gar nichts sind, wie auch die Größten unter uns sind wie ein Dampf, den du jetzt noch siehst und dann ist er verschwunden im Weltenraum?

Sollte darum die Klage über die Vergänglichkeit des Menschen­findes im Vordergrund stehen? Nein, die Freude darüber, daß er unser war, der Familie, deren Heim nun so viel einsamer geworden, der Universität, der er treu geblieben und fast sein ganzes Leben geweiht, obwohl andere ihn rufen wollten, der Stadt, die ihn zu ihren besten und edelsten Bürgern zählen durfte, dem großen Baferland ein großer- Sohn, die soll laut werden und sich ausleben im Danfe gegen ihn, der nicht verwelft, so wie der Lorbeer der Kränze, die wir auf sein Grab legen, sondern der sich forterbt von Generation zu Generotion; dabei aber vergeßt nicht, Ihr Studenten der Ludoviciana, feinen Fleiß zu ehren, indem ihr seine Schaffens­freude bis ans Ende Euch zum Vorbild nehmt.

Doch als Christen sagen wir mehr; er gehörte zu uns und bekannte sich dankbar zu den Wohltaten des Christentums und der christlichen Kirche; danken wir's ihm, daß er durch all seine Forsch ungen in uns aufs neue den Glauben hat anfachen können: Es ist ein Gott, der über der Geschichte steht, sie lenkt und leitet, der den Völkern thre Männer gibt, der auch unserem Vaterland seinen Heldenkaiser und seinen Bismarc gegeben zur rechten Zeit und auch zur rechten Zeit ihnen zugerufen: Du bist über wenigem getreu gewesen, gebe ein zu deines Herrn Freude" Mit den sehr eindringlichen Worten: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher nicht seines Reichtums, sondern wer sich rühmen will, der rühme sich des, daß er mich wisse nnd kenne," schloß Redner. Es sprach nach dem Gebet und Segen als Erster der Rektor der Landesuniversität Professor Vossius. Wilhelm Dncken ist nicht mehr, er der allezeit ein rechter pflicht­bewußter Lehrer der Ludoviciana gewesen und ihr Stolz

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