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finden." Teichtem Wollenstoff; es wird sich wohl etwas Entsprechendes fend; ich wünsche ein bis an den Hals schließendes Kleid aus heute im Familienkreise, eine Gesellschaftsrobe wäre unpaf­Eleanor fühl, aber für den Bwed nicht geeignet. Wir speisen Recht hübsch, recht gefchmadboll an und für fich," fagte

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Str. 37.

nsertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Ober­teffen, die Kretfe Weglar and Marburg 10 Bfg. sonst 15 Big. Reklamen ble Petitzeile 30 refp. 40 fs.

Redaktion u. Hanpterpebttion: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechenschluk Nr. 362.

Montag, den 13. Februar 1905.

Gießener

14. Jahrgang

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Nenelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Hrbeitsstätten für mittellofe Wanderer.

Der als Freund und helfender Berater der armen Reute" bekannte Abgeordnete Pastor v. Bodelschwingh hat seit seinem Eintritt in das preußische Abgeordnetenhaus sich eifrig bemüht, auch die Landesgesetzgebung seinen humani­fären Bestrebungen dienlich zu machen. Erst jetzt wieder beschäftigte sich eine Kommission mit einem Bodelschwingh­schen Antrag, Arbeitsstätten für mittellose Wanderer ein­zurichten. Nicht dem Wandern, aber dem Wanderbettel

will er entgegentreten und den Versuchungen zum Ver­brechen, die in der wandernden Arbeitslosigkeit liegen. Der bon Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf sich durchfechtende" Wanderbursche verlernt nicht selten die Arbeitslust, ge­wöhnt sich an Müßiggang, sinft herab zur Arbeitsscheu, wird erst Gelegenheitsdieb und schließlich Gewohnheitsverbrecher. Ursprünglich war er fryhen Mutes ausgezogen, frischen Sinnes fich der erneuten Annäherung an die Natur freuend; allmählich aber führt ihn die Not zu schlimmen Schlafgesellen, wird er eine Last und eine Bedrohung der Gesellschaft, in der er ein nüßliches Mitglied gewesen. Un­freinillige Unterbrechungen der Arbeitsgelegenheit bringen

ihn dahin, daß er endlich die sich bietenden Arbeitsgelegen­heiten meidet; anfänglich von der Not zu Entbehrungen an Nahrung und Obdach gezwungen, gelangt er dahin, in der Obdachlosigkeit einen natürlichen und nur noch im Winter beklagten Zustand zu erblicken, jede Pflege der Sauberkeit zu verschmähen, sich als außerhalb der menschlichen Gefit­hung stehend zu fühlen. Widerwillig wird ihm das Almosen gereicht, weil man hinter seiner Bitte die Drohung zu er= fennen glaubt, und in der Hand der Obrigkeit sieht er nicht mehr die stützende, nur noch die strafende Hand.

Es liegt zu Tage, daß die Abhilfe nicht da einzusetzen hat, mo Versuchung und schlimme Gewöhnung ihr schlimmes Wert schon getan haben, sondern da, wo noch die sittlichen Kräfte zur Ueberwindung der Versuchung vorhanden sind. Es ist richtiger, nicht den bereits arbeitsscheu Gewordenen zu bessern, sondern dem Arbeitswilligen Arbeitsgelegenheit zu bieten, damit er nicht durch Entwöhnung von der Arbeit erst arbeitsschen werde.

Pastor v. Bodelschwingh hat dem Abgeordnetenhaus in diesem Sinne einen Antrag unterbreitet. Die Gemeinde­tommission d. i. die ständige Kommission des Abge­ordnetenhauses, die sich mit Angelegenheiten der Selbstver­waltungsorgane, Gemeinden, Kreise, Provinzen, vorbe­ratend zu beschäftigen hat ist zu dem Entschluß gekom­men, dem Plenum die Annahme einer Resolution zu em­pfehlen, die die Regierung um gesetzliche Regelung der Fürsorge für mittellose, arbeitswillige Wanderung ersucht. Durch den Gesetzentwurf, dessen Einbringung gewünscht wird, soll den Provinziallandtagen die Befugnis beigelegt werden, auf den Beschluß einer 3meidrittelmehrheit an Or.

ten des Bedarfs Wanderarbeitsstätten einzurichten, in denen mittellosen arbeitsfähigen Männern Arbeit vermittelt oder vorübergehend Beköstigung und Nachtlager gegen Ar­beitsleistung gewährt wird. Zu den Kosten soll der Staat angemessenen Beitrag leisten, im übrigen sollen die Kreise zur Einrichtung, Erhaltung und Verwaltung verpflichtet sein. Die Entscheidung über den Ort, wo die Wander­stationen zu errichten sind, soll bei dem Provinzialausschuß liegen, der die beteiligten Kreisausschüsse zu hören hat. Zwei Drittel der entstehenden Kosten sollen von der Provinz den Kreisen erstattet werden. Innerhalb der Provinz soll tunlichst vom Provinzialverband eine Zentral- Arbeitsver­mittelungsstelle errichtet werden, die mit den Wander­arbeiterstätten in Verbindung steht.

Das sind die Grundzüge des erbetenen Gefebentwurfs. Hohe Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Regierung der Anregung Folge geben wird, die einen bisher von der privaten Wohlfahrtspflege allein wahrgenommenen Teil fozialer Hilfsaktion dem Staat zuweisen will.

Die Zustände in Rufsland. Petersburg, 11. Februar.

Wo die Presse nicht frei ist, sondern der Präventivzenfur unterliegt, wo es zwischen dem Verbotenen und Befoh­lenen" feinen Raum für das Erlaubte" gibt, da ist das Paradies der politischen Märchenerzähler. Da keine Erfin­dung die Wirklichkeit erreichen, da keine glaubwürdige öffentliche Berichterstattung Kontrole üben kann, so gedeihi der ,, Klatsch" zu üppigster Blüte. In feiner Stadt der Welt, nicht einmal in Konstantinopel, ist der politische Klatsch so groß wie in Petersburg. Die erstaunlichsten Dinge werden folportiert und finden Glauben und weitere Verbreitung. Das Neueste vom Tagesklatsch ist die Erzählung, daß Dikta­tor General Trepom andere sagen: Minister des Innern Bulygyn Haussuchung bei dem Präsidenten des Minister­fomitees Herrn v. Witte verfügt und aus seinem Schreib­tisch Papiere beschlagnahmt habe. Herr v. Witte hätte lebhaft, aber vergeblich Einspruch erhoben und sich dann beim Zaren beschwert. Schon Herr v. Plehre habe die Haussuchung be­absichtigt, an deren Ausführung er nur durch seine Ermor­dung gehindert worden. Den Haussuchungsbefehl habe man unter den Papieren des Ermordeten gefunden. Die Ge­schichte ist unglaublich, aber hier gilt nichts für unmöglich. Minister Witte ist ein hinreichend mächtiger Mann, um die Feindschaft nicht bloß, sondern auch die gewalthamſten und extremsten Maßregeln der Mächtigsten des Landes auf sich zu ziehen.

Ein zweites, nicht minder unglaubliches, vielleicht noch etwas unwahrscheinlicheres Gerücht spricht von einer Au­dienz, die der Zar in Zarskoje Selo dem Sohn des berühm­ten Grafen Leo Tolstoi gewährt, und in der der Zar ver­

Der Eselsmüller und die Falschmünzer. zum Pfarrer. Derselbe hatte bald seine Gewissens biffe

6)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H.

Alle Rechte vorbehalten.

( Nachdruck verboten.) Komm'rein Kind, rief der Eselsmüller dem ängstlichen Mädchen zu. Dem Pfarrer aber sah er fest an und sprach: Ein's Deiner verlorenen Schäflein." Dann sprach er mit weicher Stimme zu dem Kinde: Bist Du nicht dte Debos- Gertrud?"

Dann ging er wieder in die Mühle hinein und abgeschüttelt und weiter gegessen und getrunken. Als der Müller dieses sah, fing er aufs neue an. Hättest Du Dein Amt versehen, wie es Dir zukommt, dann könnte und dürfte auf so einem kleinen Dorfe feins Hunger leiden. Ja, wahrlich, ein schöner Seelensorger." " Halt ein," rief der Pfarrer, Du behandelst mich wie einen Hund."

" Der ist mir mehr wert als Du," sprach gereizt der Eselsmüller. Dann fuhr er fort: Laß jetzt gut Ja, Müllers Vetter," entgegnete das Kind. sein, wir haben wichtige Dinge zu besprechen. Du " Somm her," sprach weiter der Müller, und esse gehst sofort hinauf in den Hessenwald zu dem Meiler mit, hier ist genug."

"

und sagt dem Kohlenbrenner Weishaupt, er solle sich eilen, daß der Kohlenhaufen auf den Meiler in Brand gesetzt würde. Die Berleburger Schmiede müssen innerhalb vier Wochen Kohlen haben. Der Ammels­häuser Bürgermeister fährt sie hin. Der Brand dauert drei Wochen, eine Woche die Erkaltung und dann erst fann geladen werden."

,, Ach, Vetter, bat das Mägdelein, gebt mir doch etwas Brod, ich eile dann heim. Meine krante Mutter und die beiden kleinen Geschwisterchen haben Hunger." " Was Kind, Hunger hat Deine Mutter, die stolze Debos- Gertrud? Warte einen Augenblick. So sagte er, dieses sollst Du hier effen. Dann gehst Du mit meinem" Nun hör endlich auf," rief empört der Pfarrer. Beter, der soll Deiner Mutter bringen." Das Kind Bin ich denn Dein Sklave, daß Du einfach beftehlst, setzte sich hinter den Ofen, aus Furcht vor dem Pfarrer. für Dich Botengänge zu tun und sogar bei Nacht in Derselbe aber war wie einegetünchte Wand. Der Müller den finsteren Wald zum Köhler?" eilte in die Mühle, nahm schnell einen Sack Mehl, einen anderen füllte er mit Kartoffeln, Wurst, Spec und Hülsenfrüchte, legte oben auch noch ein Beutelchen mit Geld. Dann winkte er Peter und bedeutete ihm diese Sachen auf einem Esel( vor der Türe wartend) fortzubringen. Dann ging er in die Stube, nahm das Kind an der Hand, führte es bei den Esel und setzte es selbst auf die Säde. Sage Deiner Mutter, sobald es berzehrt set solle sie Dich senden. Hörst Du Kind? Betteln soll von der Debos Gertrud fein Kind, so lange der Eselsmüller lebt. Wir haben bei der Konfirmation neben einander an den Altarstufen gefntet. Es ist doch alles vorbei. Die selige Kindheit. Er minkte dem Peter und fort ging es zum Walde hinein.

Bursche," schrte jegt im Zorne der Müller ,,, treibe mich nicht in Wut, Du bist ganz in meiner Gewalt. Das ich schon von Anfang an keine Achtung vor Dir hatte, das weißt Du ganz genau. W nn Deiner Mutter Bruder nicht war, dann hättest Du nimmermehr den Namen Pfarrer erhalten, ich habe es Dir schon heute gesagt. Deine ganze Gemeinde sind Bettler nur zwei nicht, Du hättest dort Arbeit genug gehabt. Doch deinetwegen dürfen alle verhungern. Deine armen Pflegebefohlenen essen das ganze Jahr Brod aus Hafer­mehl und Feldbohnen mit etwas Roggen vermischt, d. H. die zwei Bauern. Die anderen würden es gerne effen, wenn sie es nur hätten. Steh, der Eselsmüller darf ein Falschmünzer sein, aber, wo er weiß, daß eins

sichert habe, seit zwei Monaten bereits hätte er den Blan für eine Volksvertretung ausgearbeitet und binnen Wochen­frist werde die Berufung einer Volksvertretung angekündigt werden.

Ueberflüssig, zu sagen, daß an beiden Geschichten kein wahres Wort ist. Herr v. Witte hot gestern erst eine Dent­schrift der Eiſenindustriellen Rußlands entgegengenommen, die von der Arbeiterfrage handelt, aber zugleich allgemeine politische Fragen erörtert und durchgreifende Rechts- und Verwaltungsreformen verlangt.

Die Adelsversammlung in Moskau, die von Reformfor­derungen sich ausgeschlossen und in einer Adresse an den Zaren für Aufrechterhaltung des Selbstherrschertums aus­gesprochen hat, ist in eigenartige Verlegenheit geraten: Fürft Trobezkoi hat die ihm angetragene Wiederwahl zum Gou­bernements- Adelsmarschall abgelehnt, alle früheren Mar­schälle haben die Wahl gleichfalls abgelehnt. Eine schroffere Desavouierung der Mehrheit durch ihre Führer ist nicht denkbar.

Hier in Petersburg ist die Zahl der ausständigen Ar­beiter noch immer sehr groß. Man sagt, daß ein Teil Waffen zu erlangen gewußt habe. Jedenfalls ist die Be­jagung von Petersburg verstärkt worden.

Der Krieg in Oftafien.

Nachrichten von irgendwelchem faktischen Belang liegen auch jetzt nicht vom Kriegsschauplat vor. Dagegen werden Kombinationen kolportiert, die, wenn sie ins Schwarze tref­fen, von großer Bedeutung sind. Wie es heißt, wird, wenn das Wetter milder wird, die

Belagerung von Wladivostok

das Hauptziel der Japaner sein. Man glaubt, Admiral Ka mimura werde sich bemühen, sobald wieder eine Schlacht am Schaho im Gange ist, die Landverbindungen Wladivostoks abzuschneiden. Gegenwärtig fann man Wladimostok von der Seeseite nur durch die Tschatschima- und die Tsugarustraße erreichen; denn die übrigen Meeresstraßen sind fast ganz von Eis bedeckt.

Am Hunho

haben weiter Kleine Plänkeleien stattgefunden. Interessant ist eine Gegenüberstellung von Nachrichten über denselben Borgang aus russischer und japanischer Quelle. Nach der ersteren schlugen russische Jäger am 9. d. M. die Japaner, vor einer Anhöhe drei Werst südöstlich von Tunku zurück. Aus Tokio dagegen wird behauptet, daß die Japaner diese Anhöhe bei Tunkai, das von den Japanern Changchechia ge­nannt wird ,, genommen und zwei Kompagnien russischer In­fanterie von dort vertrieben haben. Die Russen führen fort, den linken Flügel und des Zentrums Oyamas zu beschießen.

Hunger hat, da knausere ich nicht, sondern gebe mit vollen Händen. Dagegen macht es mir ungeheuer Vergnügen einen hochmütigen Burschen, sei er nun Grenzjäger oder was er ist, zu hänseln."

Laß gut sein," sprach der Pfarrer ,,, ich gehe heim und besorge es bei Weishaupt." Dann ging er ohne ein gute Nacht zu wünschen.

Dem Eselsmüller war wenig an der Freundschaft des Pfarres gelegen. Der Pfarrer war als Student nicht nur faul, sondern auch unbegabt, er war aber der Neffe des hochgestellten Brandkopf, so ließ ihn die Prüfungskommission durch, wenn auch mit ganz geringer Note. Nur eine Gabe hatte er mit dem Ernst des Grenzjägers Heiner gemein: das Zeichnen. Ausge­zeichnete Landschaftsbilder und andere fonnte er zeichnen. Weil er aber zu faul war, so nahm er lieber eine Pfarrstelle an.

Er bewarb sich um R... hausen, die ärmste des ganzen Landes und erhielt fie. Er war verlobt, mußte aber dieselbe aufheben, weil er keine Frau, ja nicht einmal sich selbst auf der Stelle ernähren konnte. Pastor und Schulmeister in einer Person, hatte er etwa 100 Taler Gehalt, dieselbe bestehend aber auch noch zum Teil aus Ländereien. Es war zwar auch Schulmeister- Brot, Eier, Butter, Käse, Fastnachtswurst ( Bratentagswurst genannt) und ähnliche Naturalien und Stollgebühren in der Vokation verzeichnet. Aber wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren, sagt ein altes nordisches Sprichwort. So war es hier in R.... hausen.

Er war einige Male im Walde gewesen, um sich der Natur zu erfceuen, wie er einst sagte. Dabei gertet er einmal bis an die Eselsmühle. Er grüßte den alten Eselsmüller, den Vater des jetzigen. Derselbe lud ihn ein in die Mühle zu kommen. Dieser Einladung folgte er, der Eselsmüller war ja auch sein Beichtkind, wie dort der Ausdruck für Gemeindeglied lautet. ( Fortsetzung folgt.)

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