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Würdenfchacher in Oefterreich?

Wien, 11. Januar.

Eine Aufsehen erregende Nachricht hält fast ganz Wien und vielleicht ganz Desterreich in Atem. Denn unmittelbar nach dem Rücktritt des seitherigen Ministerpräsidenten Dr. von Körber tritt ein hiesiges Blatt mit der Meldung auf, daß der seitherige Ministerpräsident in einer ganz un­erhörten Weise einen Würden- und Ordensschacher getrieben habe. Die Hofratstitel und die Orden seien geradezu in der Luft emporgeflogen, sodaß in Wien das Schlagwort ver­breitet war, einem österreichischen Orden entgehe man nur durch frühzeitigen Tod oder durch Selbstmord.

Diese Mitteilung ist der Gegenstand sehr lebhafter Mei­nungsfämpfe. Die Gegner Körbers zeigen mit dem Finger auf ihn und behaupten, daß sie dem Mann mit der, un­beugsamen Beharrlichkeit" niemals über den Weg getraut haben, während seine immerhin noch zahlreichen Freunde diese Enthüllung" als eine Erfindung bezeichnen. Che nicht der angegriffene Expremier geantwortet hat, läßt sich schwer ein Urteil über die Wahrheit oder Unwahrheit dieser Angaben fällen. Bestehend ist jedenfalls die Mitteilung, daß Herr von Körber bei dem letzten angekündigten Pairs­schub zum Herrenhause zwei Finanzgrößen, den Ritter von Gutmann und den Ritter Mautner von Marksdorf, ebenfalls zu Herrenhausmitgliedern ernennen wollte, nach­dem sie vorher die ausbedungene Summe von 12 Million Kronen bar ausbezahlt hatten.

Typhuserkrankungen sind bei dem in Landau liegen­den 18. Infanterie- Regiment in ziemlicher Anzahl vorge­kommen. Bei fünf Leuten ist die Krankheit mit Sicherheit festgestellt, weitere sechzehn sind typhusverdächtig. Die Ursache der Infektion konnte noch nicht ermittelt werden, alle nötigen Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden.

Die Nachricht wird um so auffallender sein, als Körber persönlich bedürfnislos ist und auch Reichtümer nicht er­worben hat. Allein auch dafür wissen die Enthüller eine Erklärung. Es verbrauchte die großen Summen, um die Presse zu gewinnen, die ihm Weihrauch gestreut und ihn als großen Staatsmann gefeiert habe. Um die öffentliche Meinung auszukaufen, reichte sein Dispositionsfonds nicht aus, denn dieser bezifferte sich nur auf 200 000 Stronen im Jahre. Ein Wiener Scherzwort besagt, daß die Orden, Titel und Würden wohl feil, aber nicht wohlfeil seien. Sollte dies nicht vielleicht nach dieser Darstellung, wenn denn das Auskaufen der Publizistik notwendig ist, eher auf die öffentliche Meinung zutreffen?

Deutfcher Reichstag.

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A Selbstmorde und kein Ende. In Königsberg i. Pr. mehren sich die Selbstmorde in einer Weise, daß man schon von einer förmlichen Manie reden kann. So hat sich der Regimentsschreiber des Feldartillerie- Regiments Nr. 52 durch Erhängen das Leben genommen. Ein Vizewacht­meister des Trainbataillons Nr. 1 griff zum Revolver, um seinem Leben ein Ende zu machen. Auch in das Zivil griff die Manie über. So fand man den Klempnermeister Rogge erhängt vor; Nahrungssorgen hatten ihn zum Aeußersten getrieben.

Auf offener Straße erschossen wurde in Altona ein siebzigjähriger Mann. Der Ermordete war Inhaber einer Schreibstube. Der Täter ist ein junger Mann, der früher bei dem Erschossenen als Schreiber in Stellung war, jedoch von diesem entlassen wurde und sich dafür rächen wollte.

Ein Felssturz. Westlich von der Margaretenbucht an der englischen Küste stürzte eine ungeheure Felsmasse ins Meer, deren Gewicht auf etwa 4 Million Tonnen geschätzt wird. Es ist dies der größte Felssturz seit fünfzig Jahren.

Ein rätselhaftes Raubtier hält fortgesezt die Bevölke­rung in der Umgegend von Turin in Schrecken. Es stattet nächtlicherweile den Höfen der Bauern Besuche ab und hat bereits elf Hunde zerrissen. Die Bestie soll ein aus einer Menagerie in Turin entsprungener Löwe sein; andere sagen, es sei ein Wolf oder ein Panther. Gendarmerie- und Jäger­patrouillen durchstreifen die Gegend, um des gefährlichen Tieres habhaft zu werden.

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Flüsse nötigen Arbeiten auch noch so geringfügig wären, ote notwendige Korrektion und Vertiefung der Flußbecken auf eine so große Entfernung eine ungeheure, wenn nicht ganz unüberwindliche Aufgabe sein, da beide Flüsse in einem großen Teil ihres Laufs jetzt geradezu den Charakter vok Wildwassern haben. Nur fanatische Parteigänger der Schleu­senkanäle könnten eine Freude an der Ausführung dieses Planes haben. Daß dies nebenbuhlerische Projekt in den Vereinigten Staaten mit Rücksicht auf die Zukunft des Pa­namafanals große Besorgnis erwecken wird, läßt sich aus all diesen Gründen kaum annehmen, selbst wenn es mit der Unterstüßung durch die Republik Chile ernst sein und den Unternehmern infolgedessen vielleicht das Geld nicht fehlen würde. Dr. E. Th.

Eine seemännische Heldentat vollbrachte der Schlepper ..Curhaven". Bei Altenbruch war die norwegische Bark Frey" gestrandet. Von der Cuxhavener Rettungsstation konnte der in höchster Bedrängnis befindlichen Mannschaft wegen des furchtbaren Seeganges feine Hilfe geleistet wer­den. Die Leute schwebten bereits in größter Gefahr, da wagte sich der Schlepper Curhaven" hinaus, legte an die bereits im Sinken begriffene Bark an und nahm die schon böllig erschöpfte Mannschaft der Frey" auf. Kaum war der letzte der Leute übergestiegen, als die gefennterte Bank auch schon in die Tiefe verjank. Dem Schlepper gelang es dann nach vielen Mühen, den Hafen zu erreichen.

Hus dem Gerichtsfaal.

Kunft und Wissenschaft.

CB. Eine alpine Bibliothek. Die Königin Margherita von Italien hat auf dem Gipfel des 2909 Meter hohen, zur Monte Rosagruppe gehörigen Pic d'Ollen eine Bibliothet errichten lassen, die ausschließlich Werke über Alpenliteratur enthält. die bekanntesten Gelehrten und Alpinisten Europas und Amerikas haben Werke über alpine Literatur, Photo graphien und Bergreliefs geschenkt, so daß die Bibliothek die bollkommenste ihrer Art sein dürfte. Bemerft sei noch, daß die Bibliothek zur Erinnerung an König Humbert errichtet worden ist.

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LP. Ein modernes Nessusgewand. Einen eigenartigen Vorschlag macht ein Dr. London in Petersburg. Er rät, Na dium in Kleiderstoffe für Hautleidende einzunähen. Dieses Emamlionstuch, wie er es nennt, würde sichere, heilkräftige Dienste leisten. Es würde seine Wirksamkeit entsprechend der unbegrenzten Dauer der Radiumstrahlen unendlich lange bewahren und deshalb immer wieder zu solchen Kuren be nutzt werden können. Die Frage ist, ob die Patienten nicht mit der Hautkrankheit auch ihre Haut verlieren würden, da Radium schwere Brandwunden hervorrufen kann. Dies mo­derne Nessusgewand wird es jedenfalls nicht leicht haben, sich ein allgemeines Vertrauen zu erwerben. Außerdem ist leider der Glaube an die Neuerungen des Dr. London noch durch die verunglückte Affäre erschüttert, in der sich der Peters­burger Forscher vor einigen Jahren durch Heilung der Blindheit mit Röntgenstrahlen zu einem Weltheiland hatte aufwerfen wollen.

§ Das Dessauer Militärgerichts- Urteil vor dem Ober­friegsgericht. In Magdeburg verhandelte das Oberkriegs­gericht des 4. Armeekorps als Berufungsinstanz in Sachen des Vorgangs auf dem Tanzboden in Dessau, infolge dessen der Gefreite Günther und der Musketier Voigt wegen ihres Verhaltens gegen Unteroffizier Heine zu 5 Jahren und 1 Tag Zuchthaus und Ausstoßung aus der Armee verurteilt waren, und zwar wegen Aufruhrs. Der Unteroffizier hatte in angetrunkenem Zustande die in der Begleitung der beiden Soldaten befindlichen Mädchen Regel und Albrecht tätlich angegriffen, auch mit dem Seitengewehr um sich geschlagen und ist nach Angabe der Soldaten von diesen in der Not­wehr entwaffnet worden. Das Gericht hatte dieses Argument nicht anerkannt. Unteroffizier Heine war zu 3 Monaten Ge­fängnis ohne Degradation verurteilt. Allen Angeklagten wird auch in der erneuten Verhandlung ein gutes Führungs zeugnis ausgestellt. Die beiden Musketiere beharren bei ihrer Aussage und leugnen, daß sie sich an dem Vorgesetzten tätlich vergriffen haben.

( 115. Sigung.) CB Berlin, 11. Januar. Der Reichstag ist mit sich und seiner Verwaltung zu­frieden, er hat heute seinen eigenen Etat ohne irgend welche Ausstellungen debattelos in zweiter Beratung angenommen. Reden wurden erst bei dem folgenden Etat der Reichs. justizverwaltung gehalten, bei dem auch gleich das alte Spiel mit den Resolutionen wieder begann. Die Frei­sinnige Volkspartet hatte in Verbindung mit den süd­deutschen Demokraten einen das Fremdenrecht betreffenden Antrag eingebracht, der vor der allgemeinen Diskussion ge­sondert zur Debatte gestellt wurde. Es wird darin gefor­dert, 1. daß die Gegenseitigkeit gemäß§§ 102 und 103 des Reichsstrafgesetzbuches nur auf grund ordnungs­mäßig veröffentlichter und genehmigter( Art. 11 der Reichsverf.) Staatsverträge und nur solchen Staaten gewährt wird, welche nach ihrer eigenen inneren Verfassung und ihren Rechtseinrichtungen eine Verkürzung" der Gegenseitigkeit im Sinne der erwähnten Bestimmungen gewährleisten können; 2. daß über die Auslieferung fremder Staats­angehöriger nur Staatsverträge gemäß Art. 11 der Reichsverfassung zwischen dem Deutschen Reiche und den auswärtigen Regierungen abgeschlossen; 3. daß die zwischen einzelnen Bundesstaaten und auswärtigen Regierungen über die Auslieferung bestehenden Verträge alsbald gekündigt werden. Der Abg. Dr. Müller- Meiningen begründete unter lebhafter Zustimmung seiner frei­sinnigen Parteifreunde die Resolution mit längeren Ausführungen über den Königsberger Geheimbundprozeß und die damit im Zusammenhang stehenden Vorkommnisse, die schon öfter in Presse und Parlament behandelt wurden. Er sprach klar und entschieden, schädigte aber die Wirkung durch Anführung allzuvieler längst bekannter Details. Der Staatssekretär des Reichsjustizamtes erklärte, auf den Kö­nigsberger Prozeß nicht eingehen zu wollen, da er noch nicht entschieden sei. Erst wenn das Reichsgericht gesprochen und das Urteil Rechtskraft erlangt habe, könne man übersehen, ob aus dem Prozeß Lehren zu ziehen seien. Dieser Auf­fassung widersprach sehr entschieden der nationalliberale Dr. Lucas, der mit großer Frische und Knappheit sehr ein­drucksvoll den Standpunkt vertrat, daß die Stellung des Reichsgerichts für die hier in Rede stehenden Fragen ohne Bedeutung sei. Es seien bei dem Königsberger Prozeß zweifellos große Uebelstände zutage getreten, die dringend der Abhilfe bedürften. Auslieferungsverträge müsse das Reich abschließen, um die Rechts- und Hilflosigkeit der Deutschen im Auslande und die Hilflosigkeit des Auswär­tigen Amtes zu beseitigen. Nachdem dann der Abg. Haase noch einmal den Königsberger Prozeß beleuchtet hatte, in dem er bekanntlich als Verteidiger fungierte, erklärte der Abg. Burlage, daß das Zentrum mit der ganzen Resolution einverstanden sei, während der Abg. Himburg namens der Konservativen nur für Annahme des zweiten Bunttes eintrnt.

Nah und fern.

Ein Nebenbubler des Panama- Kanals.

Lokales.

12. Januar 1905.

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[ Der Nachbruck unserer mit besonderen Zeichen versehenen Original- Artikel is anr mit der genauen Quellen- Angabe gestattet.)

** Der Großherzog empfing u. a. am 11. Januar den Oberleutnant Volley vom Inf. Regt. Kaiser Wilhelm ( 2. Großb. Hess) Nr. 116, tommandiert zum Bezirkekom­mando I Darmstadt, den Pfarrer Freudlieb von Vilbel und den Professor Dr. Haller von Gießen.

Es liegt das sonderbare Gerücht in der Luft, daß die Re­publik Columbien mit Unterügung der Republik Chile einen zweiten Kanal zur Verbindung des Atlantischen mit dem Stillen Ozean durch die mittelamerikanische Landenge bauen will. Daß bei Columbien der Wunsch dazu verhanden ist, dem von den Vereinigten Staaten beschlossenen Panama­fenal Konkurrenz zu machen, läßt sich allerdings vollauf be­greifen, da die südamerikanische Republik durch die von Nordamerika aus zweifellos begünstigte Loslösung von Pa­nama der wirtschaftlichen und pekuniären Vorteile verlustig gegangen ist, die ihm andernfalls durch den Kanal hätten zu­fallen müssen. Nun gehört aber noch immer ein Teil der mittelamerikanischen Landenge zu Columbien, nämlich die Landschaft Darien, und von hier aus soll denn auch nach jenen Gerüchten der Konkurrenzfanal ausgehen.

O zur neuesten Hüssener- Affäre wird von der Koblenz­Ehrenbreitensteiner Kommandantur befannt gegeben, daß das Bild ,, Ein fideles Gefängnis". das in verschiedenen so­zialdemokratischen Blättern veröffentlicht wurde, gerade in seinem wesentlichsten Teil auf Fälschung beruht. Das Dri­ginal, auf dem übrigens statt drei Personen sich deren vier befinden, wurde aufgenommen, als einer der Abgebildeten am Tage seines Abschiedes seinen bisherigen Mitgefangenen ( unter ihnen Hüssener) einige Flaschen Vier zum besten gab. Die am Boden stehenden Weinflaschen mit auffälligem Etikett sind später hineingezeichnet worden, ebenso ein Blu­mentopf, ein Bild an der Wand und auch die Tapete. Samt­liche Stuben des Gefängnisses sind einfach geweißt. Die Kommandantur läßt gegen alle Seitungen, welche das Bild beröffentlichten, Strafantrag stellen, da sie in dem Bilde eine Verhöhnung der bestehenden Hausordnung erblickt. Be­stätigt wird, daß der ehemalige Fähnrich Hüssener, der zur Militärbehörde in keinem Verhältnis mehr steht, einen michr wöchigen Urlaub zur Ordnung von Familienangelegenheiten erhalten hatte, den ihm die Staatsanwaltschaft Neuwied auf sein Ansuchen bewilligt hatte. Nach dieser Unterbrech­ung seiner Strafzeit hat er am Freitag voriger Woche seine Festungshaft wieder angetreten.

** Der Großherzog hat in Uebereinstimmung mit den Wünschen der Kriegerkameradschaft Hassia" den General­leutnant z. D. Hof zum ersten Präsidenten und den Medi­ginalrat Dr. Bogt zum zweiten, stellvertretenden Präsidenten dieses Verbandes ernannt.

** Uebertragen wurde am 7. Januar dem Schullehrer Georg Philipp Dörmer zu Reichloe, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wernges, dem Schulamtsaspiranten Julius Silß aus Laubach, die Lehrerftelle an der Gemeinde­schule zu Eichelbain.

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** Japanische Schauspieler in Gießen. Das am Montag den 16. Januar im Stadttheater Gießen statt­findende Gastspiel des Orginal- Japanischen Theaters wird zweifellos eines der interessantesten Ereignisse der diesjährigen Sa son bilden. Nicht nur die Ergenart und Realistik in der Darstellung, sondern die großen Fähigkeiten, zu charakterisien, verglich& sieren, zeichnen den japanischen Schauspieler in erster Linie aus, auch sp ciell das tiefe Empfinden, welches der Künstler seiner Rolle entgegenbringt, ermöglicht es dem europäischen Zuschauer, trobem er der Sprache nicht mähtig ist, denn Sinn des gesprochenen Wortes bis in die fleinsten Details aus der mimischen Unterstüßung der Rede zu erraten. Vereinfachte Buchführung für Hand­werksbetriebe. Wir wollen nicht unterlassen an dieser Stelle auf eine Neuerung insbesondere Vereinfachung der Buchführung für Handwerksbetriebe aufmerksam zu machen, welche von dem Leiter der Gewerbeschule zu Gießen, Herrn Traber, aufgestellt worden ist, und welche wie wir

Die natürlichen Verhältnisse scheinen diesen Plänen nicht ganz ungünstig zu sein. Auf der atlantischen Seite bietet sich der Fluß Atrato, auf der pazifischen, ziemlich weit süd­lich, der Fluß San Juan, beides schiffbare Wasserwege, zur Benutzung dar, und die Wasserscheide wird durch einen beträchtlichen Einschnitt der Cordilleren bezeichnet. Da­mals, als die erste Entscheidung über den Panamakanal fallen sollte, veranstaltete man unter der Leitung des Ma­rineleutnants Wyse eine Untersuchung, um festzustellen, ob nicht eine andere Stelle noch günstigere Bedingungen auf­weisen dürfte. Es handelte sich insbesondere um das Stu­dium des Gebiets zwischen dem Golf von Uraba, in den der Atrato mündet, und dem Gold von San Miguel auf der anderen Seite, von letterem aus wollte man den Fluß Tuira benutzen. Man hatte versichert, daß der Paß, der die beiden Flüsse von einander trennt, nur 58 Meter Höhe hätte. Die eingehende Erforschung, die in den Jahren 1876-78 ſtatt­fand, führte jedoch dazu, das Projekt fallen zu lassen. Der Kanal hätte hier eine Länge von 190 Kilometern haben müssen, es wäre eine erhebliche Korrektion und Vertiefung der beiden Flußläufe nötig gewesen; das Gefälle beider Täler ist sehr stark, und die Summe der Schwierigkeiten mußte als allzu groß veranschlagt werden.

Der Plan, der jetzt aufgetaucht ist, beruht wahrscheinlich noch nicht einmal auf gründlichen Untersuchungen. Es trifft freilich zu, daß die Täler des Atrato und des San Juan tief in die beiden Ketten der Cordilleren einschneiden und eine natürliche Fortsetzung zu einander bilden. Auch scheint die Wasserscheide keine zu große Höhe zu besitzen. Dagegen würde die Trace, die noch mehr südlich fällt als die zuletzt angegebene und eigentlich schon ganz auf südamerikanischem Gebiet liegt, volle 500 Kilometer lang sein, und eine Ka­nalfahrt von dieser Länge würden Seeschiffe wohl nur dann wählen, wenn eine vorteilhaftere Verbindung durchaus nicht zu haben ist. Außerdem aber würde, wenn die zum Durch­stich der Bodenschwelle zwischen den Quellen der beiden

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neuen Art der Buchführung haben überzeugen fönnen, als ein großer Fortschritt und ein tatsächlicher Vorteil zu be­zeichnen ist. An der Gewerbeschule wird diese neue Buch. führung bereits gelehrt und ist wie uns auf Befragen erklärt wurde die Schulleitung der hiesigen Gewerbeschule gerne bereit Interessenten Aufschluß und Erklärung zu geben über die Benutzung dieser neuen Buchführung, die gegenüber Rechtsfragen und Steuerangelegenheiten für den Handwerks­meister eine sichere Unterlage bietet, wie nicht minder stets Aufschluß giebt, ob bei Veranschlagung von Arbeiten in der richtigen Weise vorgegangen worden ist. Die von uns er­folgte Drucklegung dieser neuen Buchführung ist von der Firma Ernst Balfer in Verlag genommen worden.

r Grünberg, 11. Jan. Bei der heutigen Treibjagd des Herrn Geheimen Justizrates Meckel wurden 30 Hasen erlegt. Ein respektables Resultat.

-r Nieder- Ohmen. 11. Jan. Bei der heute zum wiederholten mal abgehaltenen Gemeinderatswahl be­teiligten sich etwa 98% der Gesamtwähler. Es ging recht lebhaft her. Von den 10 Kandidaten wurden die früheren Gemeinderats- Mitglieder Karl Berger und Johannes Reiz wiedergewählt und Ernst Braz und Heinrich Ranz neu gewählt. -ch. Rodheim a. d. Bieber, 10. Jan. Mit Beginn dieser Woche ist auch für die hiesige große Gemeinde Rod­heim eine Krankenschwester berufen worden. En sehr großes Verdienst hat sich dadurch in erster Linie unser Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Bömel erworben; denn unterstützt von vielen privaten Wohltätern konnte deren Einstellung noch im Laufe des Winters erfolgen.

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