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Beleidigung onrad Reßla ausgesproche evoll zurüd Reanstopf 7- Linden.

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Offtraße 63.

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Nr. 10.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober­Beffen, die Kretse Wetzlar and Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Donnerstag, den 12. Januar 1905.

Gießener

14 Jahrgang.

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfc., in's Haus gebracht 60 Pfg., burch die Bost bezogen vierteljährl. Mat. 1.50. Grattebeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Onkel Sam und Michel.

Mirgends zeigt sich der psychologische Instinkt, der die Massen bewegt, deutlicher, als in der kurzen Charakteristik der Volkspersönlichkeiten durch einen Namen. Unter John Bull fann man sich schon dem Klange nach nur eine Er­scheinung von brutaler Kraft und Energie vorstellen, und wenn das französische Volk mit dem Sammelnamen Marianne genannt wird, so bestätigt sich hierdurch das Wort eines großen Schriftstellers, der die Franzosen die Weiber von Europa nannte. Michel ist der Inbegriff täppischer Gut­mütigkeit, während man sich unter Onfel Sam eine ſmarte Persönlichkeit unwillkürlich denkt, die ihre Autorität als Onkel benützt, um ihren Einfluß auf die Umgebung geltend zu machen. Ist also die typische Eigenschaft der Bevölke­rung von Nordamerika und des deutschen Reiches durch die Namen schon gekennzeichnet, so entspricht die Gegenüber­Stellung der Namen in unserer Ueberschrift auch vollständig unserem augenblicklichen Verhältnissen zu den Vereinigten Staaten.

Das gutmütige deutsche Volk schwärmt für die verwandt­schaftlichen Bande, die uns bei der starken Durchsetzung der amerikanischen Einwohnerschaft durch germanisches Element mit der neuen Welt verbinden, aber von dort her klingt uns die abwehrende Bemerkung entgegen, daß Onkel Sam nicht bloß mit uns, sondern als richtiger Familienonkel mit sämit­lichen Völkern Europas verwandt ist. Ganz in gleichem Lichte zeigt sich auch das Verhalten des offiziellen und nicht amtlichen Amerika zu der liebenswürdigkn Spende des Kaisers. Als äußeres Zeichen unserer freundschaftlichen Gesinnung für Amerika wurde vom deutschen Kaiser das Denkmal Friedrichs des Großen gestiftet und die Amerikaner haben es nur zögernd an einem versteckten Plaze in dem Hofe eines Militärgebäudes aufgestellt, weil selbst ein König aus Stein ihrem republikanischen Sinn unsympathisch ist. Diese Abneigung gegen ein Königsbild hat nun noch einen drastischeren Ausdruck gefunden durch den Versuch eines Attentats. Ein Posten bemerkte an dem Denkmalsgitter eine Tasche, aus der Rauch aufstieg, und er veranlaßte einen Reger, das gefährliche Exemplar fortzutragen. Der mutige Mann ergriff in der Tat die Tasche und lief blitzschnell eine Strede weit fort, um sie dann von sich zu werfen. Es er­folgte alsbald ein furchtbarer Knall und eine erschütternde Explosion, bei der allerdings zum Glück weder an Personen ein Unheil angerichtet wurde, noch sonst ein Sachschaden ein­getreten ist. Wäre die Tasche, die außer den Explosivstoffen eine brennende Lunte enthielt, an dem Denkmal explodiert, so würde Friedrich der Große wahrscheinlich heute nicht mehr auf seinem Plate stehen. Wie sehr er gefährdet ist, geht da­raus hervor, daß die sofortige Errichtung eines Wachthäus­chens und die ständige Bewachung der Statue angeordnet worden ist.

Wahrscheinlich ist dieser vandalische Akt durch eine über­triebene republikanische Gesinnung des Attentäters veran­laßt worden und daher wohl weniger eine Aeußerung deutsch­feindlicher Empfindung. Aber gerade dieser scharfe Gegen­satz in dem Staatsbewußtsein der Deutschen, wie der Ameri­faner offenbart doch auch eine tiefe und schwer überbrück­bare Kluft des Volksempfindens. Dieses Staatsbewußtsein ist von jeher monarchisch, und dank dieser in Fleisch und Blut übergegangenen Tradition genießt ein Träger der Arone nicht bloß die Autorität, die ihm seine Macht ver­leiht, sondern auch die Liebe und die Anhänglichkeit des Wolfes, das in ihm seinen geborenen Führer erblickt. Der Amerikaner fennt nur eine Autorität der Persönlichkeit, die bon jedem erst erworben werden muß, aber auch von jedem erworben werden kann; er lehnt sich in seinem ganzen Em­pfinden gegen die erbliche Autorität der Herrscherfamilien auf. Dieser tiefe Gegensatz der Weltanschauung läßt es auch ganz aussichtslos erscheinen, daß die Beziehungen zwischen Onkel Sam und Michel den Stempel des deutschen Gemüts­lebens tragen werden, für das Onkel Sam fein Verständ­nis hat. Er wird mit Michel gut stehen, wenn die Interessen bies erheischen. Die Konsequenzen für unsere Politik er­

anentgeltlid geben sich daraus von selbst. Gefühlsmomente müssen, weil

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sie nicht erwidert werden können, vollständig in den Hinter­grund treten. Deutschland wird nur dann für Amerika ein chäßenswerter Freund sein, wenn man in Washington unsere Gegnerschaft zu fürchten hat.

Der Krieg in Oftalien.

Vom Kriegsschauplatz selbst liegen so gut wie gar feine pofitiven Nachrichten vor. Daß Kuropatkin die Offensive zu ergreifen gedenkt, ehe die japanischen Verstärkungen von Bort Arthur aus in die Front eingerückt sind, wird bestätigt. Es heißt, er wolle die japanische Linke umgehen. Von an­derer Seite wird dagegen behauptet, daß er sein Haupt­augenmerk auf Korea richten werde. Vor allem erwartet man in nächster Zeit, daß

Wladiwostok ernstlich bedroht

2c. ftets leb. juwird. Admiral Strydlow, der sich von seinem Offizierkorps M. Simo berabschiedet hat und nach Petersburg abgereist ist, wies in

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jeiner legten Ansprache darauf hin, daß Wladivostok bald die Sabaner vor seinen Mauern sehen würde. Er hoffe, daß

die Berteidiger der Festung sich als ebensolche Helden er­weisen würden, wie die Braven von Port Arthur.

Ein kleines russisches Ergänzungsgeschwader unter dem Befehl des Admirals Petrowsky hat von Port Said aus den Suezkanal passiert, um sich Roschdjestwensky anzu­schließen.

Eine Friedensstimme.

Allen diesen friegerischen Zurüstungen gegenüber klingt die Nachricht sonderbar, daß Admiral Dubassow, der Bevoll­mächtigte Rußlands für die Hullkommission, geäußert haben soll, daß Friede in Sicht sei. Die russische Seemacht sei in Trümmern, Roschdjestwensky könne auch nach Zuzug des dritten Geschwaders nichts Ernstliches unternehmen. Erst müsse die Flotte wieder ausgebaut werden, dann könne an Revanche gedacht werden. Wie es heißt, soll die Hullkom= misfion der Ort sein, an dem eine Verständigung vorbereitet werden soll.

fiziell

Der Wert offizieller Kriegsberichte.

Berlin, 11. Januar.

Der neu ernannte Kommandant der dritten russischen Armee, General Kaulbars, berichtete fürzlich über den Zu­stand der ihm zugeteilten Truppen, daß er sie ,, in blühen. der Gesundheit, vorzüglich verpflegt, gut unterge­bracht und in ausgezeichneter Stimmung" gefunden habe. Dies sei vor allem der borzüglichen Verpfle­gung und der guten Unterkunft" zu danken, für die vor­forglich gesorgt sei. Dem aufmerksamen Leser, der die Nachrichten vom Kriegsschauplatz mit kritischem Blick zu be­trachten gewohnt ist, wird diese begeisterte Lobrede des rus­sischen Heerführers ein mitleidiges Lächeln entlocken. Er weiß, daß es mit der Leistungsfähigkeit des russischen Pro­biantamts von Beginn des Krieges an gehapert hat und daß die mandschurische Bahnlinie Charbin- Mukden sich stets als unzulänglich erwiesen hat, den Bedürfnissen der kämp­fenden großen Truppenmassen zu genügen. Von der Aus­ladestation der Bahn bis zum entferntesten Punkt der Trup­penaufstellung ist außerdem noch ein 100 Kilometer weiter Weg, auf dem der Transport in der jetzigen Jahreszeit mit ungeheueren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Da wird die Verpflegung feine vorzügliche" genannt werden können. Ebenso dürfte auf die Unterkunft in den Erd- und Schnee­hütten bei Kohlenmangel und 15 Grad Kälte die Bezeich­nung ,, gut" schlecht anzuwenden sein. General Kaulbars weiß das auch recht gut, er kann aber nicht anders als schön­färben in einem offiziellen Kriegsbericht.

Das ist bei den Russen zum System erhoben. Sie pflegen dem vorzeitigen Bekanntwerden ungünstiger Zustände oder fataler Momente durch Berichte und Veröffentlichungen ent­gegenzutreten, die den Glauben an das Gegenteil erwecken sollen. So hat General Stössel bis zum letzten Moment die Situation Port Arthurs stets so dargestellt, daß ein längerer Widerstand als sicher anzunehmen war. Zu allgemeiner Ueberraschung der dem Kampfplatz Fernstehenden wurden denn erst am 28. und 29. Dezember die Ursachen bekannt­gegeben, die die Kapitulation erzwangen. Die Japaner handeln in solchen Fällen viel einfacher. Auch sie haben das System der Verschleierung bis zur höchsten Vollendung durchgeführt. Auch bei ihnen verlautbart nichts, was der Gegner nicht wissen soll. Aber sie entstellen die Tatsachen nicht, wie es die Russen tun, sondern sie verschweigen sie einfach. So kommt es, daß man in Tokio oft den Verlust von Schiffen und die Niedermeßelung ganzer Regimenter erst erfuhr, nachdem das ganze Ausland die Vorgänge schon

fannte.

Schweigsamkeit ist für die japanische Berichterstattung über­haupt bezeichnend. Marschall Oyama berichtet nur über ganz besondere Ereignisse, Kuropatkin dagegen depeschiert täglich nach Petersburg spaltenlange Depeschen über die unwesentlichsten Dinge. Die Japaner nennen nie die Kom­mandanten und geben auch nicht nähere Bezeichnungen der verwendeten Truppenkörper. Bei den Russen findet man ganz detaillierte Schilderungen über die Stärke der Truppen und stets die Namen ihrer Führer, selbst bei Patrouillen. So detailliert diese Berichte sind, so tut man aber doch gut, sich nicht fest auf sie zu verlassen. Auch sie werden gefärbt, wie alles, was dem Feinde vor Augen kommen kann.

Die Politik.

Dem Kaiser sind für die Auszeichnung, die er dem General von Stössel und dem General Nogi verliehen hat, herzliche Danktelegramme des Zaren und des Mikado zuge­gangen.

Wie bereits aus den Mitteilungen des Reichstagspräsi­denten Grafen von Ballestrem an den Seniorenkonvent zu ersehen, ist die Paraphierung des deutsch- österreichischen Handelsvertrages in den nächsten Tagen zu erwarten. Unser Berliner CB- Mitarbeiter erfährt dazu, daß Deutschland bei der Veterinärkonvention Zugeständnisse gemacht hat, die eine Sicherung gegen eine willkürliche oder mißbräuchliche Aus­legung der Viehseuchenbestimmungen schaffen.

*

A Die Nachrichten von dem kolonialen Kriegsschauplat Tassen erkennen, daß die Flammen des Aufruhrs noch weiter um sich greifen. Insbesondere scheinen sich unter der Füth= rung verwegener Gesellen förmliche Banden ans heimat­losem Gesindel als Kriegsverbände zu organisieren. So sind zwei Gebrüder Morris aus Warmbad, ähnlich wie Morenga, an die Spitze einer Schaar von Meuterern getreten, die nach dem Friedensschluß von Kalkfontein die den Bondelzwarts auferlegte Pflicht der Waffenstreckung zu vermeiden wußten und sich seitdem wohl als wilde Räuberhorden im Lande herumgetrieben haben und wahrscheinlich auch durch das aus dem englischen Gebiet übergetretene Gesindel verstärkt sind. Die Personalien der Gebrüder Morris, die bisher kaum noch genannt worden sind, wurden inzwischen durch die Kolonialbehörden ermittelt. Ein amtliches Telegramm mel­det darüber: ,, Nachforschungen über die in letzter Zeit mehr­fach genannte Persönlichkeit des Bandenführers Morris haben ergeben, daß es zwei Brüder dieses Namens gibt, die in Warmbad von englischem Vater und Sttentottenmutter ge­boren sind. Beide haben sich dem Bondelzwarts- Stamm zu­gefellt, bereits im letzten Aufstand( 1903) eine führende Rolle gespielt und sich der Entwaffnung des Stammes durch Oberst Leutwein zu entziehen gewußt. Seit einigen Monaten sind sie in den Bergen nördlich des Drange aufgetaucht und machen als Räuber die weitere Umgebung von Warmbad unsicher. Ihr Anhang besteht ebenso wie ein Teil der Moren­gaschen- Bande aus unbotmäßigen Bondelzwarts, die ihre Waffen bei dem Friedensschluß von Kalkfontein nicht abge­geben haben.

O Da, wie es scheint, den Führern der Arbeiterbewegung der Einfluß auf die Massen immer mehr entschwindet, so ist der Ausstand im Ruhrgebiet langsam im Wachsen begriffen. Er dehnt sich trotz des dringlichen Abratens der Führer auf der ganzen Linie des Dortmunder Reviers aus. Bereits jezt sind 43 Zechen mit einer Belegschaft von 30 000 Arbei­tern stillgelegt und bei einer gleich großen Anzahl steht der Uebertritt zu den Ausständigen unmittelbar bevor. Wenn vereinzelt behauptet wird, der Ausstand werde vielleicht von den Unternehmern gewünscht, um mit den Lagerbeständen zu räumen, so spricht gegen die Wahrscheinlichkeit dieser An­nahme die Tatsache, daß jeder Betriebsstillstand in einer Grube deren Wert vermindert, weil das andringende Wasser deren innere Beschaffenheit verändert. Bevor ein stillge­standener Betrieb wieder aufgenommen werden kann, müssen kostspielige Aufräumungsarbeiten vorgenommen werden. Der Regierungspräsident von Düsseldorf hat sich nach Bochum begeben, um in der Ausstandsfrage zu vermitteln. Der Herner Verein macht bekannt, daß wahrscheinlich das Stahl- und auch wahrscheinlich das Feinstahlwerk stillegen müsse.

Dänemark.

Nach mehrfachem Zaudern, das durch die Einflüsse der dem Kabinett nahestehenden Parteien hervorgerufen, ist nunmehr doch die Demission des Ministerinms perfekt ge­worden. Der König ersuchte jedoch die einzelnen Ressort­inhaber, einstweilen die Amtsgeschäfte weiter zu führen. Die Krisis ist aus einem Zwist zwischen dem Kriegs- und dem Marineminister entstanden.

frankreich.

* Nach den vielen vergeblichen Sturmläufen gegen das Ministerium Combes scheint nun doch eine ernstliche Mi­nisterkrisis anläßlich der Präsidentenwahl in den Kammern vor der Tür zu stehen. Zu dieser Würde war einer der schärfsten Kabinettsgegner, Doumer, der unter dem jetzigen Kabinett von seinem Posten als Gouverneur von In­dochina entfernt war, auf den Schild erhoben worden und wurde auch mit 265 gegen 241 Stimmen gewählt. Damit ist dem Kabinett deutlich vor Augen geführt, daß die Parla­mentsmehrheit ihm feindlich gegenübersteht. Wenn es dar­aus noch nicht seine Konsequenzen zieht, so dürfte wohl die demnächstige Interpellation über die Gesamtpolitik die Ent­scheidung bringen.

Belgien.

Verschiedenen Diplomaten soll mitgeteilt worden sein, daß ein Besuch König Leopolds im Kongostaat ge­plant sei; damit die Oeffentlichkeit jedoch darüber irregeführt wird, soll offiziös eine Reise nach Wiesbaden angekündigt werden.

Türkei.

Die Gründe, weshalb der Sultan kürzlich die Ver­handlungen wegen Aufnahme von Geld auf dem franzö­sischen Markt einstellen ließ, sind nunmehr bekannt. Er hat jett günstigere Chancen, denn es ist ein deutsch- französisch­englisches Bankenkonsortium für eine neue türkische Anleihe zusammengetreten. Allerdings muß auch der türkische Groß­herr sich entgegenkommend zeigen und die konvertierte An­leihe von 1901 wieder auf einen höheren Zinsfuß stellen, gleichzeitig aber dem Konsortium auch die Fortführung der Bahn von Hama bis Aleppo gestatten. Die Anleihe bezif­fert sich auf 100 Millionen Mark und soll zur Anschaffung bon Waffen verwendet werden.