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Nr. 264.
Freitag, den 10. November.
1905.
Oberhessische Familienzeitung.
ren. Offene und heim en Widerstand erhebt ermehrung der Rechte
teht für das direk Wahlrecht und dem nd der Bevölkerungs te vergeben werde reisumlagen, gere
der Steuerpflichtige Gemeindeaufgaben
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
( 14. Fortfehung.))
Höhen und Tiefen.
VI. Verratene Liebe.
Roman von Reinhold Ortmann,
alen Selbstverwaltung hatten Maria geleuchet, als sie an das Fenster ihres Stüb
Die letzten targen Strahlen der müden Wintersonne
chens getreten war, um Herberts Brief zu lesen. Nun hatte fich die Dämmerung längst in Dunkelheit verwandelt, und
Induſtrie, des Hand llen Arbeiten im Dien bewegungslos wie eine Statue, und die Augen unverwandt sich von dieser abhängerz in erwartungsvoller Seligkeit geklopft, als sie das Sufriedenheit bemüht, daß man es ungehindert hatte zu ihr gelangen lassen; denn
auf das weiße Blatt in ihren Händen geheftet. Wie hatte ihr
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Billet in Empfang genommen; wie glücklich war sie gewesen,
fie war ja nicht einen Augenblick im Ungewissen darüber, bon wem es fam. Mit leuchtenden Blicken hatte sie die ersten Zeilen überflogen; dann war etwas wie ein Ausdruck grenzenlosen Erstaunens auf ihr liebliches Antlik getreten, und das Erstaunen hatte sich allgemach in starres, lähmenbes Entsezen verwandelt. Wie oft sie den Brief vom ersten bis zum letzten Wort gelesen, sie selber hatte keine Ahnung davon, aber er hatte sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingegraben, und selbst in der tiefen Dunkelheit, die sie umhüllte, glaubte sie die grausamen, vernichtenden, tödlichen Worte deutlich zu erkennen.
Und dann fuhr sie erschrocken zusammen, als der wohlbekannte schrille Klang der Hausglocke zu ihr herauf tönte. Sie legte die kleine eiskalte Hand an die glühende, fiebernde Stirn und machte ein paar ansichere Schritte in das Zimmer nachung, hinein. Das alles war ja unmöglich! Ein häßlicher Traum, eine entsegliche Einbildung mußte sie geängstigt haben! Sie Waldungen der St batte etwas gelesen, was gar nicht dastand, was gar nicht reffend, dastehen konnte, wenn dieser Brief wirklich von Herbert kam! Ein Frostschauer ging über ihren Körper, und die Finger, die sich bemühten, das Licht anzuzünden, zitterten so, daß ihr zweimal das Schwefelhölzchen erlosch. Gewiß, sie war frank, und sie hatte ja schon oft gehört, daß Personen, die von einer schweren Krankheit befallen werden, allerlei törichte Einbildungen und unsinnige Vorstellungen haben können.
zur allgemeinen Kenn Stadtverordneten- Berjan der Waldungen der ngen ftattfinden, bis holznuzung ausgefch
elche entgegen dieser in den erwähnten ben Bestrafung auf rten.
mber 1905.
meisterei Gießen.
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eken eblt: Blumen-, Serie ünstlerkarten. auf der Postkar 90 Pig.
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Aber jetzt, da das Licht endlich brannte, da sie ihre pochenden Schläfen mit faltem Wasser genetzt hatte, jetzt mußte der quälende Spuk doch endlich verschwinden! Sie erfannte ja mit voller Deutlichkeit jeden der Gegenstände, die fie umgaben, sie hörte das Rollen der Wagen unten auf der Straße und die dünne Stimme des Fräulein Hingstler, die draußen auf der Treppe dem Dienstmädchen einen Vermeis erteilte. Dies alles war greifbare, unzweifelhafte Wirklichkeit, da sie es wahrnahm, mußte sie bei vollem Verstande bein,- und Herberts Brief, er war kein Erzeugnis einer fieberwirren Phantasie, er war eine Tatsache, an die sie glauben mußte, obschon ihrem armen Kopfe das Verständnis und die Erklärung dafür fehlte.
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Was er ihr geschrieben hatte, kam nur wenig über jene allgemeinen Redensarten hinaus, die wohl von altersher der Treulosigkeit und dem Verrat haben zur Entschuldigung
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Das Peterhofer Dragoner- Regiment, eine Elite- Truppe
der Garde, hat sich ohne Kampf den Aufrührern ergeben. baren Kampfe fast gänzlich aufgerieben.
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(( Nachdruck verboten.)]
dienen müssen. Es hatte fast den Anschein, als wäre dem Absender des Briefes nicht eben viel daran gelegen gewesen, sich zu rechtfertigen und seine Handlungsweise begreiflich und entschuldbar erscheinen zu lassen. Es war einigemale von einer schmerzlichen Selbsttäuschung und von der späten Erkenntnis einer unabweisbaren Notwendigkeit die Rede; aber Maria wußte kaum, ob sie diese Worte auf ihn oder auf sich selbst zu beziehen habe. Nur das eine war ihr volltommen verständlich; denn es ging mit unzweideutigster Bestimmtheit aus den Schlußsäßen des Briefes hervor, das eine, daß es ihm voller und unwiderruflicher Ernst sei mit seinem Verzicht auf ihre Liebe, das eine, daß er ihr nie mehr zu begegnen, sie niemals wiederzusehen wünsche. Den Kopf in die Hand gestützt, saß Maria an ihrem fleinen Tische und schaute mit unbeweglichen, weit geöffneten Augen unverwandt in die zitternde, knisternde Flamme der schlechten Stearinkerze, mit der Fräulein Hingstlers Sparsamkeit ihre Pensionärin versorgt hatte. Sie ließ alles an ihrem Geiste vorüberziehen, was ihr auch nur entfernt als eine Deutung für Herberts Entschluß erscheinen konnte. Sie war ängstlich bemüht, sich jede ihrer Handlungen, jedes ihrer Worte bei ihrem letzten Beisammensein ins Gedächtnis zurückzurufen, und sie ging wegen jedes einzelnen streng mit sich ins Gericht; denn noch immer galt es ihr als gewiß, daß nur in ihrem eigenen Verschulden die Ursache liegen könne für das Entseßliche, das dieser Brief enthielt.
Aber wie sie auch grübelte und ihr Gehirn zermarterte, sie konnte doch der großen Sünde nicht inne werden, die seine Liebe für sie in einen so tiefen, unversöhnlichen Groll verwandelt haben sollte, und je mehr sich ihr Bewußtsein festigte, feines strafwürdigen Unrechts schuldig zu sein, desto zuversichtlicher wurde ihr Glaube, daß hier nur von einem traurigen Mißverständnis, von einem verhängnisvollen Jrrtum die Rede sein könne. Und auf ihr blasses Gesichtchen kehrte zugleich mit einem Ausdruck von Entschlossenheit auch ein Schimmer der Hoffnung zurück.
Sie ging zur Tür und lauschte hinaus. Die feifende Stimme des Fräulein Hingstler war verstummt, und im ganzen Hause war es totenstill. Wahrscheinlich war die Pensions- Vorsteherin eben im Begriff, die schriftlichen Arbeiten ihrer Zöglinge zu überwachen. Daß man sie vermissen würde, wenn sie sich für eine Weile entfernte, hatte Maria nicht zu befürchten; denn sie hatte wegen eines Kopfschmerzes, von dem sie am Vormittage wirklich befallen gewesen war, die Erlaubnis erhalten, auf ihrem Zimmer zu bleiben, und es fam faum jemals vor, daß sie dort den Besuch des Fräulein Hingstler erhielt. Aber selbst, wenn sie die Gewißheit gehabt hätte, daß man ihr Fortgehen entdecken würde, hätte sich Maria dadurch nicht mehr zurückhalten lassen. Sie war entschlossen, diesen Zustand einer marternden Ungewißheit nicht länger zu ertragen. Das Mißverständnis, dem ihr junges Giück zum Opfer zu fallen drohte, mußte auf der Stelle aufgeilärt werden; denn es war ihr ja nur zu gewiß, daß Herbert unter den Folgen
Dag Garde- Infanterie- Regiment wurde in einem furcht großer Freund Göthe. Es hat das vor allem deswegen
Ob diese Meldung als eine Bestätigung der dunkein,
nd Landwirtschaft ud in Peterhof und auch in den Straßen von Petersburg zu ftlichen Arbeiten dur elden wissen, bleibt abzuwarten. Eine neue Unterbrechung
mit Lohnansprüchen d. Blattes erbeten.
Joh, Seibel
des Verkehrs, die von dem Beschlusse der Beamten der Barschau- Wiener- und der Weichselbahn, den Streik fortzusetzen, herrührt, droht für den Nachrichtendienst weitere Stockungen. Witte's Ministerium.
Glessen Ludwigsplatz ignisse Graf Witte's Werk eine Unterbrechung erleidet, da Weinstube
Ausschank v nur gaten
reinen Tischweinen
5- Zimmer- Ha
Bertaufe mein gut rent mit einer Ansablung. He Lage, finer Garten. Nur
Es bleibt auch abzuwarten, ob durch die neuen ErBar, falls er der Gefahr entrinnt, stark dadurch beeinflußt Tein wird. Die Bildung des Ministeriums ist Witte in Folgender Form gelungen:
Zu Ministern find ernannt worden für die Finanzen Schipow, bisher Abteilungschef des Schazamtes, für AckerAbau Kutler, bisher Gehilfe des Finanzministers, für Handel Timirjafew, bisher ebenfalls Gehilfe des Finanzministers, und für Verkehrswege Nemeschäff, zur Zeit Direktor der Südwestbahnen. Zum Reichskontrolleur wurde Filissofow, der Gehilfe des bisherigen Reichskontrolleurs, ernannt. Vielfach veröffentlichen die Gouverneure Erklärungen, in
Räufer wollen fich melden. Denen sie allen Polizeibeamten, die sich an Unruhen und Off. u. Nr. 8004 a. b. ebergriffen oder Verbrechen beteiligt haben oder beteiligen,
6. Blattes erbeten.
trenge Strafen androhen. Auch werden schon Verhaftungen angetreuer Beamter gemeldet.
Auch gegen die Radikalen wird vorgegangen. So ist die exfte Nummer des sozialdemokratischen Organs Nowoja Schisn" tonfisziert worden. Gegen der Redakteur wurde vegen Veröffentlichung des Programms seiner Partei Straf
Wirtsch in guter Lage, fann Meßg antrag gestellt.
betrieben werden, fofort faufen. Kleine Anzahlung felbft. Refl. wollen fich m Off. u. 8003 an b. Erp.
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am meisten Eingang und Beliebtheit gefunden hat, in der großen Masse sogar entschieden mehr, als sein etwas auffallendes, weil Schiller durchaus kein einfacher Kopf war und in seinem Denken sich von den Anschauungen des alltäglichen Lebens oft recht weit entfernte. Er ist durch und durch Philosoph und gerade die Philosophie pflegt doch als eine der unpraktischsten und fernliegendsten Wissenschaften betrachtet zu werden. Man versteht aber die Aufgabe der Philosophie gewöhnlich ganz falsch; man denkt sich, daß sie ihre Lehrsäge, etwa ähnlich wie die Kirche ihre Glaubens fäße, aufstellen wolle. In diesem Sinne ist natürlich Schiller so wenig wie irgend ein anderer großer Denker Philosoph" gewesen. Er hat weder an irgend ein anderes System sich gläubig angeschlossen( auch gegenüber gewahrt), noch hat er von sich aus ein neues System zu begründen gesucht. Er war vielmehr Philosoph in der echten, ursprünglichen Bedeutung des Wortes, das einen Freund der Weisheit", einen Freund des Nachdenkens" bezeichnet. Daher ist auch ein vielseitiges gründliches Nachdenken der Grundton, der aus all seinen Werken, Gedichten und Dramen, Erzählungen und wissenschaftlichen Aufsätzen herausflingt. Auf welchem Standpunkte nun auch der Leser selbst stehen mag, er set katholisch oder protestantisch, fonservativ oder liberal, wenn er selbst nur ehrlich nachdenken will, wird er bei Schiller stets Gedanken finden, die ihm entgegenkommen, die das berechtigte seines Standpunktes hervorheben, seine Mängel aufdecken, mit einem Wort, er wird von Schiller lernen können. Schiller selbst ist ein redlich und eifrig suchender Mensch geblieben, bis zulegt, und das ist es, was ihn zum Freunde aller anderer Menschen machen muß, die es mit dem Suchen auch noch ehrlich
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14. Jahrgang
18: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus irch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Oberheffische Familienzeitung( täglich) ßener Seifenblasen( wöchentlich). eint an allen Werktagen nachmittage.
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Beifung)
zen und Umgebung.
r Behörden von Oberheffen.
in einem kleinen Kreis von AnschauMale festgefroren sind. Das Selbstnach Schiller( Philos. Briefe) die es muß uns wichtiger sein, auf dem it borwärts zu kommen, als die eigene erändert behalten zu wollen. Da nun ide an der Betätigung des Verstandes tenschen angeboren ist, so wird auch unfte Schiller seine Anerkennung nicht mag er auch in noch so vielen Einzeleinung sein.
ein weiteres. Gerade, wenn wir uns halten, so gewinnen wir dadurch zwar a, andererseits aber behalten wir dabet mit unserer Erkenntnis der Welt nie Wir müssen uns in den Gedanken finden, en und Glauben Stückwerf bleibt. Das igendes, und um uns darüber zu trösten, hischen Briefe zum Schluß auf den einzigen ir die Unvollkommenheit menschlicher Weltas ist das Handeln.„ Träges Anschauen göttlichen Größe, fann nie ein höheres in edleren Menschen fehlt es nicht an in seiner Sphäre Schöpfer zu sein." So it, auf das wirken mit der Menschheit chheit als Hauptinhalt unseres Lebens danke, der dann bei Schiller immer und ( Schluß folgt.)
Lokales.
11. November 1905. dtagswahl. Der heute mit seiner eses Jahr erschienene Stadtanzeiger" pize:
Heuchelheim, 10. Nov. 1905. ie Landtagswahlen hlmänner dazu, stehen kurz vor der ausschüsse der großen Parteien haben fentlicht, in welchen gewiß zur ler dem direkten tautelencht das Wort geredet wird.
o für die kommende Wahlperiode andtag, der ohne Zweifel eine neue zu beraten hat, zu entsenden, die die ste des Volkes mit Ueberzeugung bererhältnissen ihrer Streise aufs engfte inlichkeiten sich nicht festhalten, sondern geben wissen zur rechten Stunde. Im Wahlkreise Gießen Land stehen sich der
ospitant der Freien Vereinigung, der mehr national
liberale Bürgermeister Leun von Großen Linden und Wir wollen hier kein Für und Wider über die Politik der Sozialdemokrat Vetters von Gießen gegenüber. dieser beiden Herren sprechen, aber das steht fest, Bürgermeister& eun hat regen Anteil genommen an den Kammerverhandlungen, hat oft mit einer anerfennenswerten Sachlichkeit in die Debatten eingegriffen und hat initiativ die Interessen seines Wahlkreises zu wahren gesucht. Er ist aufgezogen und alt geworden im Kreis, er ist hier seßhaft, es wird also nicht der Fall eintreten fönnen, daß er den Wahlkreis verläßt. Bürgermeister Leun ist ein Anhänger der direkten Wahl, er ist Landwirt, Verwaltungsbeamter, mit den Interessen von Handel und Gewerbe hat er sehr enge Fühlung, was man wohl bedenken muß. Er fennt feinen Stolz, freundlich zu Jedermann, hilfsbereit dem Nächsten, das sind seine Empfehlungen, die die Wähler ihm hochanrechnen und ihm burch eine Wiederwahl das danken sollten.
wo. Edle Stiftung. Rentner Ludwig Bücking zu Gießen beging am 8. d. M. in förperlicher und geistiger Frische seinen 90. Geburtstag. Oberbürgermeister Mecum hat dem alten Herrn, der vor Einführung der Städte- Ordnung Mitglied des Gemeinderats und Beigeordneter war, namens der Stadt aus diesem Anlaß gratuliert. Von der Entsendung einer Deputation an das Geburtstagskind mußte auf Wunsch der Familie abgesehen werden. Gestern empfing der Oberbürgermeister folgenden den Stadtverordneten sofort in Abschrift mitgeteilten Brief unseres greisen Mitbürgers:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Erfüllt von dem Gefühl der Dankbarkeit dafür, daß es mir vergönnt war, meinen 90jährigen Geburtstag gesund zu feiern,


