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pedition nicht teilnehmen. Als der General darauf einen Korporal und einen Hauptmann durch Revolverschüsse tötete, warfen sich die Soldaten auf ihn und zerrissen ihn in Fetzen. Anrückende Kosaken wurden von der Infanterie mit Salven empfangen, so daß 130 Kosaken auf dem Plaze blieben. Der Kommandant des 71. Infanterie- Regiments erhielt einen Schuß durch die Brust. Auf allen Bahnstrecken nehmen die Ausstände überhand. Zur Sicherung des Betriebs auf den transkaukasischen Bahnen ordnet ein kaiserlicher Erlaß die Einberufung der Reservisten der für den Dienst auf die­sen Bahnen bestimmten Truppenteile zum aktiven Dienst an. Der Mörder des Moskauer Stadthauptmanns Grafen Schuwalow, Kulikowsky, wurde vom Kriegsgericht zum Tode Der Ministerrat hat den ab­durch Erhängen verurteilt. geänderten Bulyginschen Entwurf zu einer Volksvertretung angenommen. Aus dem Projekt ausgeschlossen sind die wich­tigsten Stücke, so die Preß- und Versammlungsfreiheit, die Unantastbarkeit der Persönlichkeit u. a. Die Einberufung der Volksvertretung soll im Herbst stattfinden. Wie es heißt, soll der Entwurf am 12. August, dem Geburtstag des Thron­folgers, veröffentlicht werden.

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Balkan- Staaten.

** In Belgrad hat dieser Tage eine Konferenz der aus­wärtigen Vertreter Serbiens stattgefunden. In dieser Konferenz ist das etwas seltsame Verhältnis zur Sprache gekommen, in dem König Peter persönlich zu den übrigen Herrschern steht. König Peter regiert im dritten Jahr, hat aber noch keinem auswärtigen Hof einen Besuch abgestattet. Diese Enthaltsamkeit ist keine ganz freiwillige gewesen. König Peter hat nun seine Vertreter befragt, wie das ge­ändert werden könnte. Die Antworten sollen nicht überall sehr befriedigend gelautet haben.

Afrika.

** Der der marokkanischen Regierung gehörige Trans­pertdampfer Türki" ist am Sonntag abend in Borisaida mit Truppen und Munition für Saida angekommen. Da­mit haben die Marokkaner zum erstenmal von der seit dem 20. Juni ihnen erteilten erneuten Erlaubnis zur Einfuhr von Munition und zur Landung von Truppen in diesem französischen Hafen Gebrauch gemacht. Die Truppen mar­schieren in einigen Tagen nach Udjida. Borijaida ist jetzt dem Transitverkehr nach Marokko endgültig geöffnet. Die oben erwähnte Möglichkeit der Truppenlandung in Bori­saida ist für den Sultan von Marokko jetzt von besonderem Wert, da der Prätendent sich mit Buamara ausgesöhnt haben soll. Die Streitkräfte dieser beiden haben sich ver­einigt und am 3. August bei Ayoun- Si Ulook die kaiser­lichen Truppen geschlagen.

Hof und Gesellschaft.

*** Der Kaiser weilte seit Sonntag in Swinemünde, mo große Flottenschießübungen stattfanden. Die Stadt und die Schiffe im Hafen waren festlich beflaggt. Heute begibt sich der Kaiser nach Posen und Gnesen, Mittwoch fährt er von dort über Berlin- Kassel nach Wilhelmshöhe. Die Kaiserin ist bereits gestern nach Wilhelmshöhe von Potsdam aus abgereist

** König Alfons von Spanien hat einen kleinen Unfall gehabt, der ihm aber keinen Schaden brachte. Vei einem Spazierrit, den er am Sonntagnachmittag unter­nahm, stürzte er mit seinem Pferde.

Soziales Leben.

Der Minimalarbeitstag der Textilarbeiter. Der internationale Tertilarbeiterkongreß in Lüttich beschloß für alle Textilarbeiter den Zehnstundentag, für verheiratete Frauen den Sechsstundentag zu fordern, ebenso Tarifver­einbarungen auf gesetzlicher Grundlage und Einführung des Weblohnes pro Meter anstatt des Stücklohnes. Ferner er­klärte sich der Kongreß für eine internationale Garnnumme­rierung.

Bereinigung der Drahtstiftwerke. Die Verhandlungen der Drahtstiftwerke, die am Montag in Köln stattgefunden haben, sind allerseits in entgegenkommender und versöhn licher Weise geführt worden. Die Vertreter der Gebrüder Stumm, die an den Verhandlungen teilnahmen, erklärten, daß sie noch mit anderen jüddeutschen Werken Fühlung nehmen müssen. Demgemäß fonnte ein abschließendes Er gebnis nicht erzielt werden, doch ist Aussicht auf Verständi gung vorhanden.

Nah und fern.

Gordon Benuet- Rennen. Der Englische Automobil. Elub beschloß, für das Gordon Bennet- Rennen 1906 nicht

zu nennen.

Vereitelter Selbstmord. Ein Gärtnergehilfe aus Berlin, der in Fürstenwalde in Arbeit steht, warf sich im Rausch aus die Schienen, um so den Tod zu erwarten. Der, von Berlin kommende Personenzug hielt indessen dicht vor dem Selbst. mörder an, und zwar aus dem Grunde, weil in einem Wa­gen unter den Passagieren eine wüste Schlägerei entstanden und daher die Notbremse gezogen war. So entdeckte man den Betrunkenen auf den Schienen und entfernte ihn aus sei­ner Lage.

Liebesdrama in Berlin. In einem Hotel vergifteten sich am Sonntag eine Dame und ein Herr mit Zyankali. Sie hatten sich als Louis und Margarete Karries aus Han­nover ins Fremdenbuch eingetragen. Die Namen scheinen jedoch fingiert zu sein, da die Selbstmörder sorgfältig alle Zeichen aus ihrer Wäsche entfernt hatten. Der Herr war etwa 28 Jahre alt, die Dame etwas jünger.

Graf Pückler mit der Pistole. Der in Haft befindliche Graf Bückler- Tschirne übersandte dem Amtsrichter in Glo­Jau, der seine Sistierung veranlaßte, eine Herausforderung zum Zweifampf. Der Richter lehnte die Annahme des Fehdebriefes selbstverständlich ab.\

Ausweisung russischer Deserteure. In Burzow in Hinterpommern hielten sich zehn russische Dragoner auf, die aus ihrem Seimatlande entwichen waren. Sie wurden jezt von der stegierung ausgewiesen.

Lesteter Prinz. Sonntag abend überraschte ein vor Gewehr stehender Posten in Swinemünde einen Herrn in Zivil, der vom Leuchtturm aus das Festungsgelände mit einem photographischen Apparat aufnahm. Der Posten er­flärte den Herrn für arretiert und begab sich mit ihm zur Feitunaskommandantur. Hier erkannte man in dem Ver­

hafteten den Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen, den Chef der Schwedter Dragoner. Die Pflichttreue des Postens fand bei dem Prinzen selbst volle Anerkennung.

Opfer der Eifersucht. Auf dem der Gräfin Soltan ge­hörigen Gute Biltsche in der polnischen Provinz Wolhynien hatte sich der achtzehnjährige Zögling Krasuski in die Cou­sine der Gräfin verliebt. Auf einem Spaziergang kam es zu einer Eifersuchtsszene. In höchster Erregung erschoß der junge Mann seinen Erzieher, den Warschauer Studenten Konopatki, richtete dann die Schußwaffe gegen die Geliebte und beging hierauf Selbstmord. Die junge Gräfin ist schwer berlegt.

Aus der Seeschlacht von Tinschima gerettet. Mit dem Lloyddampfer Ziethen" sind in Hamburg acht Deutsche eingetroffen, die die Seeschlacht in der Tsushimastraße durch­gemacht haben. Die Leute, die als Maschinisten und Stewarts beschäftigt waren, befanden sich auf dem Ber­gungsdampfer Ruß", der am ersten Tage der Seeschlacht von mehreren Granaten getroffen, von dem russischen Hilfs­freuzer Anadier" angerannt und dann durch eine Gra­nate vollständig zum Sinfen gebracht wurde. Die 32 Mann der Besatzung wurden bis auf einen, größtenteils von dem russischen Bergungsdampfer Scodat", gerettet, der die Deutschen nach Schanghai gebracht hat, von wo sie nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Automobilunfall. Bei Nideggen in der Eifel fuhr ein Aachener Automobil an einen Prellstein und wurde in den Straßengraben geschleudert. Zwei Insassen wurden schwer, zwei leicht verleßt.

Feuersbrünste. Auf dem Terminibahnhof in Rom wiitete ein verheerender Brand. Fast sämtliche Magazine und eine große Anzahl Waggons wurden vernichtet.- Die Ortschaft Parajd in Siebenbürgen ist niedergebrannt. Mch­rere Frauen und Kinder kamen in den Flammen um.- In Weißwasser ist das große Hotel Hohenzollern- Hof nieder­gebrannt. Es konnte nichts gereitet werden. Ein Kind ist berunglückt. Die Dierigschen Fabriken in Ober- Langen­bielau brannten nieder. 300 Arbeiter wurden arbeitslos.

Vermißte Fischerboote. Aus Lissabon ist vor einigen Tagen eine Fischerflottille mit 26 Booten und 300 Mann Besagung ausgefahren. Man befürchtet, daß die ganze Flottille verloren ist. Sie ist von einem furchtbaren Sturm überrascht worden; eines der Boote ist bereits als Wrack ans Land getrieben worden. Auch fünf Leichen wurden ge­landet.

Grubenkatastrophe. In Herzogenrat bei Aachen stürzte bei Schluß der Schicht auf Grube Boccard" die Förderschale, auf welcher zur Belastung elf Arbeiter auf Anweisung Play genommen hatten, in die Tiefe. Von den auf der Schale befindlichen Leuten kamen zwei mit leichten Verlegungen davon. Von den übrigen sind vier tot, die anderen durch­weg schwer verletzt.

Sechs Rennpferde verbrannt. In den Westender Tra­ber- Stallungen zu Berlin brach in der Nacht auf Montag Feuer aus, dem nicht weniger als sechs wertvolle Pferde zum Opfer fielen. Die Wehren von Westend, Charlotten­burg und Berlin famen zu spät, um die Tiere noch zu retten. Verbrannt sind die Traber Myosotis, Gertrud, Trose, Sym­pathie, Adda, Bobby und Volldampf. Myosotis, Sympa­thie, und vor allem Gertrud Trose gehörten zu den erfolg­reichsten Trabern der Saison.

Einbrecher und Mörder. In Prag wurde der Nacht­wächter des Gewerbemuseums der Handels- und Gewerbe­fammer von einem Manne, der sich eingeschlichen hatte, um in der Nacht wertvolle Gegenstände aus dem Museum zu entwenden, nach furchtbarem Kampfe ermordet. Hierauf schnitt der Dieb mit einem Diamanten die Glasscheibe einer Vitrine mit sehr wertvollen Bronzen aus, mußte aber, da er im Handgeme ge stark verwundet war, den Raub liegen lassen. Er versuchte sich nun mittels zusammengebundener Rouleauschnüre aus dem Saalfenster in den Garten herab­zulassen, dabei rissen die Schnüre, der Mörder stürzte zwölf Meter tief, brach mehrere Rippen und den rechten Fuß und schleppte sich in ein Gartenhäuschen, dort erhängte er sich. Hoch klingt das Lied vom braven Mann. Der Fähn= rich zur See Karl Meusel aus Berlin war Führer eines den Hafen von Kiel durchquerenden Dampfbootes, als ein Segelboot vor der Schwentinemündung fenterte. Der Bootsführer Marrien aus Kiel schien des Schwimmens un­kundig und sank. Meusel sprang ihm sofort nach und erfaßte ihn. Der Gerettete umflammerte Meusel und zog ihn unter Wasser. Glücklicherweise wurde Marrien bald be­wußtlos. Das rettete beide. Der Fähnrich brachte den Verunglückten ins Dampfboot. Der Kaiser hat jetzt Meusel die Rettungsmedaille verliehen.

Gekentert. Bei starkem Sturm fenterte in Swine­münde ein Boot, in dem sich zwei Matrosen von der kaiser­lichen Jacht Hohenzollern" und zwei Zivilisten befanden. Ein Zivilist, der aus Stettin stammte, ertrank.

Die Genickstarre. Im Kattowißer Kreise erkrankten in letter Woche wieder 14 Personen an Genickstarre. Von den früher erkrankten starben 19, und 6 genasen.

Jugendlicher Leichtsinn. Der 12jährige Sohn einer Witwe im Dorfe Niederfüllbach bei Koburg wollte mit einem offenen Taschenmesser in der Hand einem über den Weg fliegenden Schmetterling nacheilen, kam dabei zu Fall und stieß sich das Messer ins Herz. Der Junge war nach wenigen Minuten eine Leiche.

Die Schlacht der Gemeinderäte. In Malaga gerieten vier Munizipalräte derart in Meinungsverschiedenheiten, daß sie mit Revolvern aufeinander losgingen. Einer der Gemeindeväter wurde dabei getötet, zwei schwer verwundet. Das gelbe Fieber in Amerika. Die Epidemie greift in New- Orleans immer weiter um sich. Zahlreiche neue Krankheits- und Todesfälle kamen zur Anmeldung. Der Erzbischof von New- Orleans, Chapelle, ist ebenfalls schwer am Fieber erkrankt.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht zu Poitiers hat den Jagdhüter Roy, der vor mehreren Monaten, mit Verhaftung bedroht, sich in seinem Hause verbarrikadierte und mehrere Gendarmen durch Flintenschüsse verwundete, zum Tode verurteilt. Die Geschworenen unterzeichneten so­fort ein Gnadengesuch für den Verurteilten.

Vermischtes.

Trunksucht unter der Frauenwelt Englands. Nach den Veröffentlichungen eines Arztes in einer englischen Wochen­schrift beantragten die Temperenzvereine das Verbot des Einzelverkaufs spirituoser Getränke in den Kanditoreien mur deshalb, weil sich die Damen dort in Portweinen wie in Likören aller Art arg zu betrinken pflegen. Nach der Ver­sicherung des Arztes, der nur seine eigenen Erfahrungen zu Papier gebracht haben will, begnügt sich die Lady" keineswegs damit, zu ihrem Stückchen Kuchen ein Gläschen nach dem anderen zu schlürfen, so daß sie nur wankenden Schrittes ihren Wagen erreichen kann, sondern sie findet auch bei ihrem Lieferanten die bequemste Gelegenheit hier­zu. Es sollen, in London Tamenschneider existieren, in deren Salons der Champagner in Strömen fließt und bei denen den Damen während des Maßnehmens ein Glas nach dem anderen offeriert wird. Der Arzt berichtet von Mo­distinnen, die durch ihren schottischen Whisky" zur Be­rühmtheit gelangten, und von Handschuhhändlerinnen, bei denen man ein oft zehnjähriges Bale- Ale finden kann. Er erzählt ferner, häufig des Nachts zu Ladys gerufen worden zu sein, die in einem unbeschreiblichen Zustand aus dem Theater nach Hause gebracht wurden, und versichert, daß unter seinen eleganten Patientinnen viele sich mit einem Fläschchen Brandy versehen, um im Theater hinter ihrem Fächer häufig einen zu fippen"; öfters wird die Schnaps­flasche im Taschentuch verborgen, mit dem sich die Damen anscheinend die Augen trocknen. Der Arzt bekennt zum Schluß, daß dreißig seiner weiblichen Patienten der Trunk­sucht ergeben waren.

= Von der See verschlungen. Ein englisches Postschiff fand während der Fahrt auf dem Stillen Ozean bei 16 Gr. 5 Min. nördlicher Breite und 100 Gr. 29 Min. westlicher Länge das Meer auf eine unübersehbare Strecke hin von Tierleichen, Pflanzen und Baumstämmen erfüllt. Es wird angenommen, daß es sich um eine Inselkatastrophe handelt, vielleicht um den Untergang der Inselgruppe Revilla- Gigedo. Diese Inseln sind vulkanischen Ursprungs und blieben unbe wohnt. Wohl aber sind sie ungemein reich an Vegetation, an Vögeln und Fischen, an Schildkröten und Robben. Von Säugetieren gibt es nur wilde Esel und Schafe dort. Die ganze Gruppe ist 800 Quadratkilometer groß, und die gößte Insel Socorro steigt bis zu 1131 Meter Höhe auf.

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Propheten der einfachen Lebensweise. Eine Anzahl von Fanatikern des einfachen" Lebens hält sich in Nord­italien in der Nähe von Como auf. Die Leute sind sehr gut mit Geld versehen und gewinnen täglich Anhang. suchen jetzt ein abgeschlossenes, günstig gelegenes Besiktum, um einen Garten zu gründen. Sie tragen nur Sandalen und ein lang herabwallendes, togaähnliches leichtes Gewand aus weißer Wolle und leben fast im Freien. Der merkwür­digen kleinen Republik gehören Engländer, Deutsche, Fran­zosen und Russen an, und zwar Leute aus den gebildeten Klassen. Die Männer tragen langes Haar und Bärte, und die blühend und kräftig aussehenden Frauen machen fast den Eindruck von Amazonen. Sind sie gezwungen, bei ſtrenger. Kälte im Haus zu schlafen, so entfernen sie Türen und Fen­ster und schlafen auf harter Matraße mit möglichst leichter Bedeckung. Sie baden wenigstens zweimal täglich und sind strenge Vegetarianer.

Zerstörung eines historischen Gebändes. Den Gewit tern der legten Lage ist auch das dem Lübeckischem Staat ge­hörige Wirtschaftsetablissement Herrenfähre" an der Chaussee nach Travemünde zum Opfer gefallen. Die Be wohner konnten nur mit knapper Not das nackte Leben ret ten. Tas durch zwei altlübeckische Giebel bemerkenswerte, über 700 Jahre alte Fährhaus gleich jetzt einer Ruine. Es ist fast gänzlich ausgebrannt; nur die Giebel sind stehen ge blieben. Die Lübecker Bürgerschaft hatte erst fürzlich die Mittel zum Umbau des Hauses unter Wahrung seines alten Charakters bewilligt.

Der geftürzte Zuckerkönig. ( Eig. Bericht.)

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Paris, 6. August. Einer der Führer der Nationalisten, ein Geschäfts­Nationalist dem ganzen Typus nach, Deutschenfresser und Patriot, Jules Jaluzot, ist zusammengebrochen. Vor ganz kurzer Zeit noch überschätte man sein Vermögen auf 80 Millionen, wovon der vierte Teil in Grundbesitz an gelegt sein sollte. Das war Bluff" gewesen, ganz nach amerikanischer Art. Mit solchem Vermögen wäre Herr Jaluzot nicht unter die Spekulanten gegangen. Er wollte es bloß haben, wollte es recht schnell gewinnen, noch schneller als durch sparsamen Umgang mit dem festen Jahreseinkom­men von anderthalb Millionen möglich war, das er als Ge­schäftsführer der Kommanditgesellschaft Printemps" bezog. Dieses Warenhaus war seine Gründung gewesen, die ihm seine Frau ermöglicht hatte. Seine Frau hatte sich nämlich in ihn verliebt. Das wollte etwas heißen, da sie zu dieser Leidenschaft nach vielen berufsmäßig gesammelten Erfah­rungen gekommen war. Sie gab ihm ein stattliches Ver­mögen und starb. Er baute den Printemps" und war sehr kirchlich gesinnt. Daß der Printemps" nieder­brannte, war fein Glück. Er weinte zwar bor seinen Angestellten, daß er nur seinen Regenschirm habe retten können, aber er war qut versichert gewesen. Der Printemps" erstand aufs neue und größer denn zuvor. Gr pflegte namentlich das Geschäft mit Deutschland. Agenten kamen jenseits des Rheins fast in jedes Haus. Gr lud zum Kauf und zum Zeichnen von Geschäftsanteilen ein. Je mehr man faufe, desto mehr gewinne man am Geschäft. Es wurde in Deutschland auch nicht wenig gezeichnet. Herr Jaluzot bekam es aber mit dem politischen Ehrgeiz. Er wurde Nationalist und hielt sich Zeitungen. Dann begab er sich in die Zuckerspekulation. Wiederholt gewann er an einer skrupellos durchgeführten Schwänze"- alle Baissiers mußten bluten Millionen. Er wurde angeklagt, aber man fonnte ihm nichts beweisen. Bei dem neuen Versuch einer Schwänze" fam er zu Fall. Er verlor, was er vorher gewonnen, und mehr, weit mehr. Jetzt ist er vollständig am Boden. Die Patrie" und die Presse", seine Zeitun­gen, können ihm nicht helfen, die Nationalisten wollen es nicht, und die Klosterorden, die er gröblich betrogen, haben dazu keine Veranlassung. Herr Jaluzot aber gibt sein Spiel noch nicht verloren. Er schimpft kräftiger denn zuvor auf die Teutschen und auf die Juden. Dann, meint er, fönne es ihm doch nicht fehlen. Vielleicht hat er recht. Im heu tigen Frankreich ist vieles möglich.

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