greift ohne dringende Not schmutzige Dinge an?
Eine andere Seminiszenz an die Mordnach Som 11. Juni 1903 bringt ein Zivilprozeß, der demnächst zu Verhandlung kommen wird. Unter anderen Offizieren wurde damals auch der erste Adjutant des Königs Alerander General Luzar Petrovic, getötet und zwar nur zufällig, da er, seiner Pflicht bewußt, das Königspaar mutig verteidigte. In seinem Zimmer fand man eine Summe Geldes, die man einem Rechtsanwalt als persönliches Eigen: tum des Getöteten überwies. Die Königin Natali als Universalerbin ihres Sohnes beauftragte ihren Rechts beistand aber, das Geld zurückzuverlangen, und behauptete. es hätte König Alerander gehört. Einmal hat der Gerichts: hof schon zugunsten der Kinder Petrovics entschieden, der Vertreter der Er- Königin hat aber neue Beweisgründe bei: gebracht. Die schöne Natalie scheint wenig Respekt vor de Tatsache zu haben, daß Petrovic in der Verteidigung ihr Sohnes starb. Non olet, denkt sie und strengt einen neuen Prozeß an.
Wie schattenhaft übrigens die Machtvollkommenheit König Peters ist, erkennt man daraus, daß er gezwungen worden ist, seinen Privatsekretär und Chef des Preßbureaus, Balugditsch, und ferner seinen eigenen Neffen, den Kabinettschef Dr. Nenadowitsch, zu entlassen. Beide Männer galten noch vor wenigen Tagen als mächtig im Lande Serbien. Aber nun haben beide sich durch schleunige Flucht ins Ausland vor weiteren Fährlichkeiten retten müssen. Balugditsch setzte sich auf dem Gebiete der inneren Politik in Gegensatz mit dem ränkevollen Minister Paschitsch, Nenadowitsch wurde in den Sturz des anderen verwickelt, und da man nichts anderes finden konnte, warf man ihm Spionage und Bestechlichkeit vor. Er ist nach Cettinje geflüchtet und soll dort Rache brüten. Die Hauptsache bei der Affäre ist, daß die beiden Landflüchtigen ergebene Freunde des Königs waren, die stets für seine Thronbesteigung gekämpft haben. Doch der Monarch konnte tr allen guten Willens weder den einen noch den andern schützen, er ist nur ein ohnmächtiges Werfzeug in der Hand der Parteien.
Neuerdings verlautet, König Peter wolle einen Besuch in Konstantinopel beim Großherrn machen, auch spricht man von einer Reise des Königs von Italien nach Belgrad. Ob solche hösischen Zusammenfünfte dem ersten Könige aus dem Hause Karageorgiewitsch mehr Halt auf dem schwankenden Fürstensiz geben werden? Schwerlich Gewalttat und Ungerechtigkeit sind schlechte Fundamente. Und auf diesen beiden zweifelhaften Säulen ruht der serbische Thron
Hof und Gesellschaft.
Der Kaiser begiebt sich diesen Montag von Karlsruhe nach Straßburg i. E., um nach dem Besuch mehrerer Städte der Einweihung der Gedenkhallen auf dem Kriegerfriedhofe von Gravelotte beizuwohnen. Der Aufenthalt des Kaiserpaares in Karlsruhe war in erster Linie dem intimen Verkehr mit der großherzoglichen Familie gewidmet. Daneben hielt der Kaiser mehrfach Konferenzen mit dem Reichskanzler Grafen Bülow ab und hörte auch sonstige Vorträge. Prinz Eitel Friedrich hatte sich in Basel Don seinen Eltern verabschiedet, um von dort nach England zu reisen
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Nah nd fern.
Die Genicstarre. J. Oberschlesien haben die Erkran fungen an der gefürchteten Epidemie einen Höhepunkt er. reicht, der bis dahin noch nicht beobachtet war. Allein im Landkreise Beuthen sind 343 Erkrankungen gemeldet, von denen 145 tödlich verliefen.
Abschluß der Montignoso- Affäre. Endlich ist es den Bemühungen der beiderseitigen Bevollmächtigten gelungen, den neuen Zwist zwischen dem sächsischen Hof und der Gräfin Montignoso beizulegen. Die Gräfin Montignoso behält die fleine Prinzessin noch einige Zeit und erhält eine erhöhte Apanage anstatt der bisher gezahlten 30 000 Mark. Ta gegen verzichtet sie auf die sächsische Staatsangehörigkeit. Auch über den Zeitpunkt des Wiedersehens mit ihren iori gen Kindern sind Abmachungen getroffen worden.
** Urlaub für Postbeamie. Nach nemen Bestimmungen wird der Urlaub von der Postverwaltung nach dem Lebensalter des Beamten bemessen und nicht mehr nach seiner persönlichen Stellung oder Beschäftigung. Es erhalten künftig etatsmäßige Beamten unter 45 Jahre bis zu 14 Tage, über 45 Jahre bis zu 3 Wochen, über 60 Jahre bis auf 4 Wochen alljährlich einen Urlaub zu ihrer Erholung. Soweit hiernach der Urlaub drei Wochen nicht überschreitet, kann er in begründeten Fällen noch um 7 Tage verlängert werden. Für die Unterbeamten ist der Urlaub ähnlich geregelt. Neu eingeführt ist der sogenannte Winterurlaub. Er kann an die Stelle des Sommerurlaubs treten und für jeden etatsmäßigen Beamten bis auf vier Wochen ausgedehnt werden.
O Der Kinderhilfstag, der kürzlich in Berlin veranstaltet war, hat nur ungefähr 52 000 Mark erbracht. Dieses Resultat bleibt hinter den Erwartungen der Veranstalter weit zurück. Man hatte mit einem Ergebnis von mindestens 100 000 Mart gerechnet.
** Gab es früher mehr alte Leute als jekt? Der Glaube, daß es der Fall war, ist weit verbreitet, hält aber vor der Statistik nicht stand. Die jetzt veröffentlichten Altersnachweise der 1903 im Deutschen Reiche verstorbenen Personen zeigen, daß noch eine große Zahl alter Leute im Deutschen Reiche vorhanden ist. Im genannten Jahre verstarben 36 060 Personen, die im Alter vom vollendeten 81. bis zum bollendeten 85. Lebensjahre standen, ihnen reihten sich 12 606 Fünfundachtzig- bis Neunzigjährige an, denen 298 Leute von 96 bis 100 Jahren und 28 Personen im Alter bon mehr als 101 Jahren folgten. In Preußen starben 18 Personen, die mehr als 100 Jahre alt waren, davon 14 Männer und 34 Frauen; 17 von diesen Hundertjährigen waren im Jahre 1803 geboren; außerdem starben noch 18 ebenfalls im Jahre 1803 Geborene kurz vor Erreichung des 100. Lebensjahres. Die Ueberlegenheit des weiblichen Ge schlechts zeigt sich auch hier wieder. Wenn man nur die Hundertjährigen im Deutschen Reiche in Betracht zieht, so ergibt sich, daß im Alter von 100 Jahren 16 Frauen und 9 Männer starben. Im Alter von 101 Jahren wurden 6 Frauen und 4 Männer, mit 102 Jahren 6 Frauen und 1 Mann, mit 103 Jahren 4 Frauen und 1 Mann zur letzten Ruhe gebettet. Außerdem starben noch eine Frau mit 104 Jahren und fünf Frauen im Alter von 105 oder mehr Jah: ren. Diese Zahlen sind wohl geeignet, die Annahme zu zerstören, daß es heute weniger alte Leute gebe als früher Seit 1880 werden amtliche Verzeichnisse aller Neunzigjäh rigen geführt; dadurch werden natürlich die früher gar nicht prüfbaren und meist übertriebenen Angaben über die höch sten Lebensalter immer genauer, und zu hohen Angaben des Lebensalters wird der Boden entzogen.
Die Gastwirte schlagen auf! In Nürnberg, der Stadt der Bratwürste, beschloß eine von 1000 Mitgliedern besuchte Gastwirtsversammlung, in Anbetracht der steigenden Fleisch preise eine Erhöhung der Preise für die von ihnen zu ver abreichenden Speisen um 15 bis 20 Prozent vorzunehmen. Der Beschluß soll mit aller Entschiedenheit durchgeführt werden. Den Mitgliedern der Gastwirtsvereine, die von der Preiserhöhung etwa absehen wollten, wird der Verlust aller Vergünstigungen angedroht, die von den Vereinen den einzelnen geboten werden. Zur Ueberwachung der Ausführung des Beschlusses wurde eine Schußkommission gewählt.
Ein Gattenmord. In Meilendorf im Anhaltischen erdrosselte ein Arbeiter seine Frau und hängte die Leiche in einer Weise am Bettpfosten auf, daß dadurch der Anschein eines Selbstmordes erweckt werden konnte. Die Tat wurde indessen ruchbar, und der Mörder legte ein Geständnis ab. A Beim Scheibenschießen getötet wurde ein Weichensteller in Elsterwerda. Er hatte aus Gefälligkeit den Posten des Scheibenweisers übernommen. Dabei hat er jedenfalls die nötige Vorsicht außer Acht gelassen. Denn von einem Lehrer, der am Schießen teilnahm, erhielt er einen tödlichen Schuß in den Kopf.
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Rechtsberatungsstellen für Unbemittelte sind in letter Zeit in mehreren deutschen Städten eingeführt worden, die ser Tage erst wieder in Saarbrücken. Außer Anfragen aus dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung und Arbeiterfürsorge sowie in Militär- und Steuersachen wird unentgeltlick unbemittelten Einwohnern Auskunft erteilt in Miet- und Strafsachen-, Ehe- und Vormundschaftssachen, Alimenta: tions-, Testaments- und Erbschaftssachen, sowie in Sachen der gesamten freiwilligen Gerichtsbarkeit.
Das Unglücks- Fahrzeug. In Wien hat sich wieder ein schwerer Automobilunfall ereignet. Der Leiter der dortigen Filiale eines italienischen Kraftwagenwerkes, der Ingenieur Jurski, wollte auf der Fahrt zum Prater mit seinem Motor einem Wagen der elektrischen Bahn ausweichen. Das Automobil kam auf dem schlüpfrigen Pflaster ins Gleiten und wurde an einem Mast der elektrischen Beleuchtung zertrümmert. Jurski und der Chauffeur wurden aus dem Wagen geschleudert und kamen durch den Sturz ums Leben.
A Bei einem Einbruch in die Bureaus des Touloner Ar. senals fiel den Dieben eine große Beute an Wertsachen in die Hände. Der Geldschrank dagegen, in dem sich ungefähr 10 000 Francs befanden, hatte den Einbrechern, die nach den Spuren zu urteilen mit starken Hämmern gegen ihn borgegangen waren, widerstanden. Die Verbrecher scheinen einen guten Humor gehabt zu haben, denn sie schrieben mit der Kreide auf den Geldschrank:„ Wir gratulieren Ihnen zu der Widerstandskraft Ihres Geldschranks!"
Ein Mitschuldiger des italienischen Königsmörders Bresci soll in Kairo verhaftet worden sein. Er soll den ganzen Tag, an dem das Attentat auf König Humbert verübt wurde, mit dem Mörder zusammengewesen sein und diesen auch bei den Vorbereitungen zu seinem ruchlosen Plane unterstützt haben. Der Verhaftete, der unter dem Spiznamen Biondino in Anarchistenkreisen bekannt ist, war bon Zanzibar nach Kairo gekommen.
* Die Don Quixote- Feier in Madrid, die an diesem Sonntag beginnt, wird neben ihrer literarischen Seite zu einem wahren Volksfest ausaestaltet werden
Ein Riesenfeuer äscherte einen großen Teil der Ortschaft Giesebit am Lebasee ein. 70 Gebäude, darunter das Postamt, sind abgebrannt. 26 Familien sind obdachlos, zwei Kinder werden vermißt; auch viel Vieh ist umgekommen.
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mo Metallsäcke für Obst. All die süßen Früchte, die an den Obstbäumen der Ernte entgegenwachsen, haben viele Gefahren zu überstehen, bis sie in den Besitz des Menschen tommen. Die Insekten versuchen, sie zur Ablagerung ihrer Eier zu benutzen, und später stellen sich die Vögel und andere Feinde ein. Um die Früchte am Baum zu schüßen, verwendet man wohl kleine Säckchen aus Baumwolle, Zwirn oder auch Papier. Sie haben aber den Nachteil, die Luft, das Licht und andere belebende Strahlen von den Früchten fernzuhalten, deshalb schlägt ein findiger Obstzüchter vor, Metallnege zu verwenden, von denen die Frucht kugelartig umgeben wird, ohne berührt oder gedrückt zu werden. Licht, Luft und Wärme finden freien Zutritt, ebenso der Regen, während Hagelförner abgehalten werden. Sogar viele Insekten dürften den Weg durch die Maschen nicht finden. Das Gewebe dieser Metallsäckchen wird galvanisiert, damit es nicht rostet und länger vorhält. Der gewöhnliche Besitzer eines Obstgartens wird kein rechtes Verständnis für ein solches Raffinement haben, aber es gibt Früchte, die sehr teuer bezahlt werden, und es ist daher nicht unmöglich, daß der eigenartige Vorschlag hier und da verwertet wird.
+ Untergang statt Ausrangierung. Ein eigenartiges Schicksal erfuhr das britische Kanonenboot Thistle". Das fleine Kriegsfahrzeug war von seiner Station am Kap der guten Hoffnung nach der Heimat zurückbeordert, um dort aus der Liste der Kriegsschiffe als nicht mehr verwendbar gestrichen und an den Meistbietenden verkauft zu werden. Vor diesem prosaischen Ende ist der„ Thistle" bewahrt geblieben. Das Kriegsschiff wollte auf dem Felde der Ehre bleiben, und so ist es auf der Heimfahrt bei Kap Finisterre an der spanischen Küste gescheitert
Tages- Chronik. In einem Stahlwerk in Remscheid wur den zehn Arbeiter durch den Absturz einer mit 12 000 Kilo. gramm Metall gefüllten Pfanne getötet.
In Giesebitz am Leba- See in Pommern sind 70 Ge bäude niedergebrannt.
In der Nordsee gingen während eines Sturmes zwe Fischerfahrzeuge aus Finkenwärder resp. Blankenese unter die Besatzung ist ertrunken.
Nordwestlich von Kap Henry ist an der Küste der Ver einigten Staaten von Nordamerika ein großer Dampfer, bermutlich der Lloyddampfer„ Main", auf Grund aufge laufen.
Kunft und Wiffenfchaft.
Schillers Zeit und unfere Mode. ( Von unserer ständigen Korrespondentin.) Im Augenblick, da Deutschland sich zurückversenkt in die Geschehnisse von vor 100 Jahren, da man die Welt, in der Schiller lebte, in jeglicher Weise vor uns neu entstehen läßt, kann man auch fragen: wie sahen die Leute in jenen Tagen aus? Das Aeußere der Menschen wird, handelt es sich um eine allgemeine Betrachtung, wesentlich von dem Anzuge bestimmt. Wir haben uns daher mit der Mode in den Jahren 1750 bis 1805 zu beschäftigen. Gerade um diese Zeit nahm der Wechsel der Mode ein beschleunigtes Tempo an, und so müßten wir vielerlei Bilder malen, um klar zu machen, wie man sich in dem halben Jahrhundert, in dem Schiller lebte, kleidete. Interessanter erscheint es uns, der Frage nachzugehen: Welche Kleidungsstücke gab es schon zu Schillers Zeiten, die die heutige Kleidertracht noch aufweist?
BM Dir Marbacher Schillerausstellung im dortigen Schillermuseum wurde vom König von Württemberg feierlich eröffnet. Voran ging ein Huldigungsakt des schwävischen Schillervereins am Schillerdenkmal. Dabei hielt ein Urenkel des Dichters, Freiherr Alerander von GleichenRußwurm, die Festrede. Den Feierlichkeiten wohnten außer dem Königspaar auch die übrigen Mitglieder der königlichen Familie bei.
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In der Männerkleidung vollzog sich von dem Jahre 1750 an ein Wandel. Beginnen wir mit der Bekleidung des wichtigsten Teiles des Körpers, mit dem Haupte: Die hohe Perücke, die man bisher getragen hatte, verlangte, daß man den Hut unter dem Arme hielt. Die neue Haartracht dagegen litt den Hut auf dem Kopfe. Und so kam neben dem Dreispitz der hohe Zylinderhut um das Jahr 1750 auf, der mit der politischen Richtung der Männer in enger Beziehung stand. Es war der Hut der Quäfer aus Nordamerika, der bis heute sehr viele Wandlungen durchgemacht hat, aber nicht wieder aus dem Reich der Mode verschwunder ist. Gleichzeitig erschien zum ersten Male der Filzhut mit rundum aufgeſteifter Krempe aus England, den man den Puritanern abgeguckt hatte. Bisher war ein Hauptbestandteil der männlichen Kleidung das Wams. In der Zeit, die uns hier beschäftigt, verkürzte es sich wesentlich und wurde allmählich zur Weste, die ja heute von der Herrenkleidung unzertrennlich ist. Schon damals fertigte man sie für die Galatracht, wie heute, aus feinen Stoffen, aus Damast, und an einer Vedeckung mit Seidenstickerei fehlte es ihr auch nicht. Wie heute schwankte schon damals der Schnitt zwischen einer und zwei Reihen Knöpfe. Auf der Brust blieb sie ausge schnitten, ganz wie heute. Nur kannte man damals glücklicherweise das gesteifte Oberhemd noch nicht. Zwischen dem Ausschnitt wurde ein weißes Spizenjabot sichtbar. Selbst soweit war man schon vorgeschritten, daß man die Rückenteile der Weste aus Futterstoff herstellte. Wenngleich Schiller sich wenig oder garnicht um die Mode kümmerte wir finden in seinen Dramen nur ganz selten Angaben über die Kleidung der auftretenden Personen, so ist es doch nicht uninteressant, gerade die Mode um diese Zeit ins Auge zu fassen, weil tatsächlich in ihr die Anfänge unserer gegenwärtigen Herrenmode liegen. Denn zu gleicher Zeit mit der Weste entwickelte sich auch der Frack. Selbstverständlich sah er anders aus als heutzutage. Vor allem war er weiter im Schnitt und aus kostbarerem Stoff als gegenwärtig. In der Herrenmode war schwarzer Sammet so alltäglich, daß man für elegantere Zwecke farbigen Sammet mit Goldstickereien wählte. Zur Verbreitung des Fraces hat am meisten das Erscheinen von Goethes Roman:„ Die Leiden des jungen Werther" beigetragen. Werther trug einen blauen Frack mit Messingknöpfen, ledergelbe Weste und gleiche Lederhosen. Ledergelbe Weste oder Westen aus gelben Leder gelten jetzt als höchste Neuheit; selbstverständlich versteht man es heute, das Leder weicher zu verarbeiten. Auch die Schuhe und Stiefel nähern sich unserem Geschmacke. Anstelle der roten Absätze werden schwarze gewählt, und man bemüht sich, den Stiefel zierlicher zu arbeiten, indem man die Sohlen weniger dick machte.
PR Gin genähtes Herz besitzt ein junger Mann, der in einer Sitzung des Dortmunder ärztlichen Vereins vorgestellt wurde. Er hatte bei einer Schlägerei einen Stich ins Herz erhalten. Im Krankenhaus wurde ihm die linke Seite geöffnet, eine Rippe entfernt, um das Herz freizulegen, und der Stich im Herzmuskel vernäht. Die Heilung hat guten Verlauf genommen, und der Patient empfindet keinerlei Schmerzen.
Der Landwirt.
18 Die Verbreitung der Maul- und Klauensenche in Deutschland. Die gefährliche Seuche ist in den letzten Monaten in erfreulicher Weise zurückgegangen. Ende 1904 zählte man noch 168 Gemeinden mit 361 infizierten Gehöften, am 15. April wurden nur noch 20 Gemeinden mit 31 Gehöften als Krankheitsherde festgestellt.
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Auch die Frauentracht der Gegenwart klingt an die Toilette der Damen zu Schillers Zeiten an. Damals lebte man noch befangen in der Idee vom Reifrock, von der Krinoline, die aber mit der Revolutionszeit zu Grabe getragen wurde. Und heute ist man auf dem besten Wege, die KriVon England noline in die Frauentracht einzuführen. ausgehend, beschäftigten sich die Frauen eigentlich zum ersten Male mit dem Korsett, das in seiner Form Aehnlichkeit mit dem unsrigen hatte, sich aber dadurch unterschied, daß es über der Bluse getragen wurde. Es bestand aus schwarzer Seide und war mit Fischbein versehen. Mit der Mode jener Tage hat die heutige die Schnebbentaille gemein, außerdem das vorn hochaufgebauschte Haar, wie es Goethes Schwester trug, das man mit Blumen und Bändern und Ketten gerade so wie heute schmückte. Der Mode von 1790 haben wir das Marie Antoinette- Fichu entlehnt, und wenige Jahre vorher führte sich die Schürze für den Haus- und Straßenanzug ein. Wie heute war sie aufs schönste mit Falbeln und Volants garniert. Sie war so groß, daß sie zumeist die ganze vordere Hälfte des Untergewandes bedeckte. Wir haben nicht den Raum, auf alle Einzelheiten einzugehen. Wir möchten aber noch betonen, daß damals der Muff für Herren und Damen sich in die Mode einführte, daß man zum ersten Male auf matte gebrochene Farben Wert legte, die heute unter den verschiedensten Bezeichnungen die Mode beherrschen, und daß die griechischen und römischen Gewänder Einzug hielten in den Toilettenbestand der Frau. Bekanntlich stehen unsere modernen Reformkleider der griechischen und römischen Mode sehr nahe. Auch sei darauf hingewiesen, daß die Frauen zu Schillers Zeiten gerade so wie heute lebhaftes Gefallen daran fanden, sich wie die Männer zu fleiden. Die Damen von Welt nahmen die Krawatte an und das Sabot. Wie die Männer trugen sie zwei Uhren, und schließlich nahmen sie den Rohrstock in
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