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Haupttruppe den Auob entlang in der Richtung nach Gochas zog. Die Abteilung Meister hat offenbar die Aufgabe, die Südgrenze abzusperren und die Hottentotten in nord­westlicher Richtung auf Gochas zu treiben, so daß also von Westen her die Haupttruppe, im Norden Deimling und im Süden Meister in Etappenlinien den Feind umschließen. Die Taktik des Kriegsplanes, wie sie hier geschildert wird, findet übrigens auch eine Bestätigung durch eine Meldung des Generals v. Trotha, die folgendes besagt: Oberst Deim­ling beabsichtigte am 4. Januar Gochas konzentrisch anzu­greifen, mit Abteilung Meister( 4., 5., 7. Komp., Batt. Stahl) Auob abwärts, mit Kompagnie Ritter und Halbbatterie Stuhlmann von Gibeon über Goamus, mit Abteilung Lengerke( 8. Komp. 8 Batt.) von Koes über Persip.

Auch vom Kriegsschauplatz am Waterberg liegt eine Mel dung und zwar erfreulicher Natur vor. Danach hat der Hererokapitän Friedrich von Omburo am 4. Januar in Omaruru seine Gewehre abgegeben. Seine Werft will seinem Beispiel folgen. Bis jetzt sind 50 Männer und 150 Frauen in Omaruru zugelaufen.

Die Dolitik.

Gerade in solchen Zeiten zeigt sich immer wieder, wie eng in unserem neuzeitlichen Wirtschaftsleben die verschie= denen Interessen mit einander verknüpft sind. Es entspricht daher vollständig der Logik der Verhältnisse, wenn die deut­schen Regierungen darauf bedacht sind, auch die Bedingungen des Verkehrs dieser Tendenz der Zeit anzupassen, und man kann daher die lebhaften Bestrebungen nach Schaffung einer Betriebsmittelgemeinschaft im Eisenbahnwesen nur freudig begrüßen. Durch diese Betriebsmittelgemeinschaft werden große Ersparnisse erzielt werden, namentlich im Güterver­fehr. Nach dem heutigen System laufen etwa 50 Prozent der sämtlichen Wagen, um zur Verfügung der einzelnen Verwaltungen zu stehen, nach Ablieferung der Fracht voll­ständig leer auf der freien Strecke. Wenn aber die gesamten Betriebsmittel in einer Hand vereinigt sind, dann ist die Rückbeförderung der leeren Wagen nicht mehr notwendig und dadurch bedingt sich eine ganz wesentliche Ersparnis. Außerdem soll, wie verlautet, für alle deutschen Staaten eine gemeinsame Kontrolle mit dem Sit in Leipzig einge­richtet werden. Seither hatte jede einzelne Verwaltung ihre eigene Kontrolle, so daß also die Zentralisierung der Dienst­überwachung ebenfalls eine bedeutende Ersparnis darstellt.

Ein Dankschreiben des Reichskanzlers an den Schrift­steller Dr. Ernst für die Zusendung einer deutschen Ueber­fegung des Balfourschen Vortrags über das Thema Unsere heutige Weltanschauung" fennzeichnet sich als ein feines Kompliment des Reichskanzlers an die Adresse des eng­lischen Ministerpräsidenten Balfour. Das Schreiben lautet: Sehr geehrter Herr Doktor! Nehmen Sie meinen besten Dank für Ihre mir freundlichst übersandte Verdeutschung des Balfourschen Vortrages über Unsere heutige Welt­anschauung" entgegen. Ihre Arbeit bereichert uns um eine wertvolle wissenschaftliche Gabe, sie gewinnt aber noch ein persönliches Interesse für den deutschen Leserkreis, indem sie einen Einblick in die Eigenschaften des Staatsmannes ge­stattet, der gegenwärtig in England an der Spizze der Staatsgeschäfte steht. Ihre Uebersetzung gibt dem deutschen Reser erwünschte Gelegenheit, zu beobachten, wie ein leiten. der Minister in seinen Mußestunden sich mit den tiefsten Er­fenntnisproblemen beschäftio

Oefterreich- Ungarn.

In Dschibuti ist der österreichische Kreuzer Panther" gelandet, dessen Kommandant Kapitän Hähnel bevollmäch­tigt ist, Handelsbeziehungen zwischen Desterreich und Abes­synien anzuknüpfen. Es soll außerdem ein österreichisches Konsulat in Adis Abeba errichtet werden. Dieses Engage ment ist den Bemühungen des schweizerischen Ingenieurs lg zu verdanken, der seine Stellung als bevollmächtigter Minister des Negus dazu benußt, um in Europa gute Be­ziehungen anzufnüpfen. Das zeitliche Zusammentreffen dieser Mission mit der außerordentlichen Gesandtschaft des deutschen Kaisers muß das Selbstbewußtsein des Königs Menelik, das seit dem Siege seiner Truppen über die Jta­liener bei Adis Abeba bis ins Ungemessene steigern.

Afrika.

Ladentür und hatte am Kopf eine klaffende Wunde, die bon einem Beil oder einer Att herrührt. Das ganze Waren­lager ist durchwühlt, und die Ladenkasse ist geleert

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* Furchtbarer Aberglaube. Auf dem alten griechisch katholischen Friedhof in Odessa wurde dieser Tage ein halb in der Erde vergrabener Topf mit einem gebratenen und mit unzähligen Nadeln gespickten Menschenherzen aufgefun­den. Wie es scheint, ist unmenschliche Nachsucht eines ver­schmähten Liebhabers oder ein Fall finsteren Aberglaubens das Motiv zu dieser grausigen Tat gewesen. Es soll jezt eine Untersuchung der frischen Gräber stattfinden, um der Leichenschändung auf die Spur zu kommen, da man auf Grund eines Briefes von einem gewissen Pavel annimmt. der verschmähte Liebhaber habe sich an seiner serstorbenen Braut durch diese unmenschliche Tat für ihre vermeintliche Untreue rächen wollen.

An dem Hintergrunde einer wachsenden Interessenge­meinschaft unter den deutschen Bundesstaaten nimmt sich die Zersplitterung der Nationalitäten in Oesterreich- Ungarn um so schroffer aus. Der letzte Ministerwechsel war geradezu bedingt durch die Unmöglichkeit, die auseinanderstrebenden Kräfte für eine gemeinsame Tätigkeit zu gewinnen. Der seitherige Ministerpräsident Dr. von Körber hatte sich ein System der völligen Unparteilichkeit ausgedacht, das als Programm einen sehr guten Eindruck machte, aber in der Praris nicht durchführbar war, weil die einzelnen Nationa­litätenverbände geschlossene Interessenkreise darstellen, die nicht durch eine vollständige Passivität der Regierung, son­dern durch die materielle Erfüllung der besonderen Forde­rungen für eine praktische parlamentarische Arbeit gewonner werden. Der neue Ministerpräsident Freiherr von Gautsch will im wesentlichen nach demselben Rezepte regieren, wie sein Vorgänger, und er wird dementsprechend auch nach einiger Zeit vor dieselbe Frage gestellt werden, wie Dr. von Körber, ob er einem Nachfolger die schwere Aufgabe überlassen soll, Ordnung in dieses Wirrsal zu bringen, oder ob er mit kräftiger Hand eine deutsche Politik nach dem Verlegenheitsparagraphen der österreichischen Verfassung", der vollständig das Parlament ausschaltet, einleiten will.

Nach den näheren Meldungen über den Verlauf des Gefechts zwischen den Sultanstruppen und dem Prätenden­ten Buhamara ist das Heer des Sultans von Marokko durch Verrat geschlagen worden. Der Befehlshaber der Kaiser­lichen Truppen Abdul Sadok hatte nämlich auf die Mit­hilfe des Stammeshäuptlings Buhamama geredynet, weil dieser vom Sulton 40 000 Duros erhalten hat unter der Bedingung, daß er vom Prätendenten Buhamara abfalle. Buhamama war aber dem Prätendenten Buhamara treu geblieben und griff Abdul Sadok plötzlich auf der linken Flanke an. Durch diesen Angriff wurde die Niederlage der Truppen des Sultans herbeigeführt. Marokkaner aus Saidia haben sich aus Furcht vor den Truppen des Präten­denten auf algerisches Gebiet nach Port Say geflüchtet.

Nach dein Paragraphen.

[ Politische Wochenschau.]

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Ein schwieriger Gefangenentransport. Ein berüch tigter Einbrecher namens Bertram, der Schrecken der Rhein­Jegend, war in Aachen verurteilt und sollte zur Abbüßung siner langjährigen Zuchthausstrafe nach Werden transpor­tiert werden. Diese Aufgabe war eine besonders schwierige, benn Bertram ist ein wahrer Herkules. Neunzehnmal hat er während der Untersuchungshaft versucht auszubrechen. Er war in die stärksten Fesseln geschmiedet, allein er zerrik sie, wie wenn es Bindfaden wären. Man jetzte ihn in einen eisernen Käfig, allein er zertrümmerte auch diesen. Schließ lich bändigte man den schrecklichen Menschen dadurch, daß nan ihn in eine Zelle sette, die bis zur Mundhöhe mit Wasser jefüllt war. Der überstarke Verbrecher wird den Beamten im Zuchthause zu Werden noch viel zu schaffen machen.

Inzwischen ist der Kampf der Parteien in Ungarn eben­falls auf den Höhepunkt gediehen, weil das Parlament neu konstituiert werden muß. Die verschiedenen Oppositions­gruppen, die nach dem Paragraphen" der neuen Geschäfts­ordnung auch zur Ohnmacht der Minderheit verurteilt wor­den sind, haben sich zu einem großen Parteienblock zusammen­geschlossen, der auf die Regierung und den Monarchen da­durch einen besonderen Eindruck zu machen sucht, daß er ein vollständig antidynastisches Programm annimmt.

Der schwerwiegenden Bedeutung gegenüber, die in Desterreich- Ungarn ein Ministerwechsel und eine parlamen­tarische Neuwahl hat, nimmt sich der Kabinettswechsel in Rumänien mit seiner nachfolgenden Wahlkampagne wie ein harmloses Kinderspiel aus. Dort handelt es sich im wesent­lichen darum, welche der maßgebenden Parteien in den Ge­nuß der politischen Macht und der damit verbundenen Pfründe treten soll. Eine ähnliche Bedeutung hat auch der inzwischen stattgehabte Ministerwechsel in Griechenland, der im übrigen auf die kleinorientalische Politik ebensowenig einen Einfluß ausgeübt hat, wie der Sturz von Port Arthur.

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Streikausschreitungen im russischen Petroleumgebiet. Der Ausstand in Balachanu hat bereits zu blutigen Aus­schreitungen geführt. Bei einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Kosaken wurden sechs Arbeiter und ein Kosat getötet, viele verwundet. Der Ausstand der Naphtaarbeiter in Baku dauert fort.

=[ Ein Künstlerstreich.] Die serbische Regierung weiter eifrig bemüht, die anläßlich der Krönung König Peters ausgegebenen Krönungsmarken wieder in ihre Bände zu bekommen, bekanntlich, weil diese Marken, die da Bild des ermordete König Peters, halb verdeckt durch das Profil Ramgeorgs, aufweisen, ungekehrt die Zeichen­ausir des ermordeten König Aleranders zeigen. Die Re­gierung soll in London, Baus und Berlin Agenten angewie­en haben, alle im Handel ode: Privatbesit befndirchen Marken dieser Art, ohne Rücksicht auf den geforderten Preis anzukaufen. Die Gravierung der Marken ist von dem be rühmten französischen Künstler Mouchon hergestellt worden, wie es heißt, soll er von der Erkönigin Nataly zu dem Streich veranlaßt worden sein.

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Um Nahrungssorgen in den Tod. Aus Hamburg war in Hannover die Witwe eines Prokuristen, namens Hade, mit ihrem siebenjährigen Töchterchen zugezogen und ver suchte, sich durch Schneidern zu ernähren. Sie tat alles für ihr Kindchen und ließ es eine höhere Töchterschule be­suchen. Da sie ganz unbekannt war und völlig zurückgezogen lebte, wollte der Verdienst nicht kommen. Seit dem Sy bester- Abend hatte man von Mutter und Kind nichts mehr gemerkt und glaubte, daß beide verreist seien. Da machte sich im ganzen Hause ein starker Gasgeruch bemerklich, der aus der verschlossenen Wohnung der Witwe Hacke fam. Als man die Tür sprengte, konnte man zunächst nicht in die Wohnung dringen, die erst von den angesammelten Gafen befreit werden mußte. Die drei Gashähne waren geöffnet. Mutter und Kind waren erstickt. Es fehlte die fällige Miete, es fehlte das Schulgeld, es fehlte das nötigste zum Leben.

Die Wirkung dieses Ereignisses, die noch durch das Stranden des Flaggschiffes der baltischen Flotte und die dadurch offenbar gewordenen Mängel in der Leitung dieser Flotte dem Admiral Roschdjestwenski haben genaue See­farten gefehlt. macht sich aber um jo nachhaltiger in der meren Politik Rußlands gelten. Den vie Segic­rung seither nur einen geringen Ernst in der Schaffung von Reformen gezeigt hat, scheint sie neuerdings doch einlenken zu wollen. Wie es scheint, hat Herr von Witte wieder voll­ständig das Dhr des Monarchen, und das dürfte für die Gestaltung der inneren Verhältnisse in Rußland sehr wichtig sein, weil er mit seiner Entschiedenheit und seiner zähen Willensenergie eigentlich doch der einzige Mann ist, der in diesem Labyrinth widersprechender Erörterungen den Ariadnefaden nicht verliert. Der Großfürst Wladimir, der bisher sein heftigster Gegner war, hat neuerdings mit Rücksicht darauf, daß oben ein anderer Wind weht die Beziehungen zu ihm wieder aufgenommen, und es ist von ganz besonderer Wichtigkeit, daß Witte auch mit dem Minister des Innern, dem liberalen Fürsten Swiatopolf­Mirski, freundschaftlichen Verfehr unterhält. Wenn dessen Einfluß wieder wächst, so vermehrt sich für das russische Volf immerhin die Hoffnung auf die Verwirklichung des Reformplanes. Wenn auch vorerst in Rußland auf ein eigentliches Verfassungsleben nicht zu rechnen ist, so ist doch biel gewonnen, wenn die Bevölkerung nicht mehr von der Willkür einer forrumpierten Beamtenschaft abhängig ist, sondern streng nach dem Paragraphen" des Gesetzes re. giert wird.

Alem Anschein nach wird auch das Jahr 1905 genau, wie es im Vorjahre der Fall war, die Stürme einer heftigen Arbeiterbewegung durchmachen müssen, deren Schauplab dieses Mal das Kohlenbecken im Ruhrgebiet ist. Gegenstand des Kampfes ist die Verordnung der Zechenverwaltung, wo­nach die sogenannte Seilfahrt, d. h. die Ein- und Ausfahrt am Schacht, um 4 Stunden verlängert wird. Aber dieser Streitgegenstand ist nur der äußere Anlaß zu einer allge­meinen Bergarbeiterbewegung, die im übrigen aus einer latent vorhandenen Unzufriedenheit hervorgeht. Welche Stellung man auch zu der Streitfrage nehmen mag, so ist doch zuzugeben, daß in letzter Zeit durch den Zustrom frem­der Arbeiter mit geringeren Lohnansprüchen an die Lebens­haltung die allgemeine Lohnhöhe ganz erheblich gesunken ist, obschon die Untergrenzen des Lohntarifs gestiegen sind. Dafür ist aber die Beteiligung der Arbeiterschaft an den drei höchsten Lohnklassen von 52 Prozent auf etwa 30 Prozent gesunken, d. h. etwa 50 000 Arbeiter sind aus der höchsten in eine niedrigere Lohnklasse zurückgefallen. Diese Tatsache ist der psychologische Erklärungsgrund für die Leidenschaft­lichkeit des jezigen Kampfes. Außerdem kommt noch in Betracht, daß schon fast seit einem Menschenalter die Frage, ob die Seilfahrt in die Arbeitsschicht mit einzurechnen ist oder nicht, einen Streitpunkt in den Bergwerksbetrieben darstellt. Daher erklärt es sich auch, daß bereits in anderen Kohlen­revieren, in denen ähnliche Zwistigkeiten, wie auf der Zeche Bruchstraße, zwischen den Arbeitern und den Unternehmern überhaupt nicht bestehen, dennoch bereits die Neigung zur Teilnahme an einem geplanten Ausstand und zur Einlei­tung eines allgemeinen Kohlenarbeiterstreifs besteht. Die Bechenverwaltung hat nicht verfehlt, in ihrer Antwort auf die Forderung der Arbeiterschaft darauf hinzuweisen, daß ,, nach dem Paragraphen" des bürgerlichen Gesetzbuches, der besonders genannt wird, der Zechenverwaltung ein zibil­rechtlicher Anspruch auf Schadenersatz für eine fündigungs­lose Niederlegung der Arbeit zusteht, und sie hat auch die Wahrnehmung dieses Schadenersabrechtes angedroht. Allein was spielen die Paragraphen des Gesetzbuches für eine kleine Rolle, wenn es sich um eine so alte Streitfrage handelt, bei der auch eine gewisse Leidenschaft noch in Frage kommt. Die Lage ist außerordentlich ernst, und die wirtschaftliche Gefahr ist um so größer, als ein Stampf der Kohlenarbeiter die ganze Industrie in Mitleidenschaft zieht. Es wäre deshalb im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt zu wünschen, wenn es der Oberbergbehörde gelingen würde, noch im höchsten Stadium der Konfliktsgefahr einen Grubenarbeiterausstand zu verhüten.

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Berlin Zweimillionen- Stadt. Wie jetzt durch die stati­stischen Erhebungen feststeht, hatte Berlin bereits in der letten Hälfte des Dezember die zweite Million Einwohner überschritten. Am 18. Dezember waren schon 374 Ein­wohner über die ersehnte Zahl vorhanden. Nach den von der Polizei verzeichneten Meldungen haben im abgelaufenen Jahre 1904 fast eine Million Fremde Berlin besucht.

Töchterchen den Tod gewählt.

Tages- Chronik. Bek einer Schlägerei in der Jäger straße zu Berlin wurde ein Musiker, der sich fälschlich für einen Kriminalfommissar ausgegeben hatte, von dem Kau­tinenwirt einer Garde- Artilleriefaserne durch Stockhiebe so schwer verletzt, daß er verstarb.

-

Der Kassierer einer Bank in Longwy wurde von drei Italienern überfallen, durch Messerstiche verlegt und den 19 000 Francs, die er bei sich hatte, beraubt.

Der angebliche Empfang der Gräfin Montignoso beim Papst wird vom Vatikan aus energisch dementiert. Es soll, wie berichtet wird, eine Verwechselung mit einer Dame vor­liegen, die unter dem Namen einer Prinzessin Murat in einem römischen Hotel abgestiegen war. Wegen ihrer häu­figen Fahrten nach dem Vatikan erregte sie die Aufmerksam­teit der Reporter, von denen einer endlich auch ,, erriet", daß die geheimnisvolle Aristokratin die Gräfin Montignoso sei, und die Sensationsnachricht in die Presse gelangen ließ.

In der ungarischen Station Lakosd wurden bei einem Eisenbahnzusammenstoß zwei Beamte getötet und über 20 Passagiere schwer verletzt.

Die sibirische Pest in Wjatka und die Beulenpest im Uralgebiet sind in der Abnahme begriffen.

A Raubmord an einer Witwe. Wieder ist Berlin der Schauplatz einer Mordtat, die diesmal durch die näheren Umstände einen besonders gräßlichen Anstrich gewinnt. Die Witwe Sinnig betrieb in ihrem Hause im Hansa­viertel ein Bigarrengeschäft. Als am Morgen der Laden nicht zur gewohnten Beit geöffnet wurde und die Nachbarn sich nach der Witwe umfahen, fanden sie diese im Blute schwimmend tot auf. Die Leiche lag dicht an der

Aus dem Gerichtsfaal.

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§ Eine neue Religion hat ein Zeuge in Holleschowitz ent­deckt. Einem dortigen Schlächtermeister gingen in der letzten Zeit Selchwaren berloren"; er wußte nicht wie, nur biel ahnte er, daß jemand von den Hausleuten dahinter stecken müsse. Und richtig fand er bei einem seiner Gehilfen zwei fette Schinken, die entwendet zu haben der Gehilfe ein­gestand. Daß sich dieser mehr angeeignet hätte, konnte nicht erwiesen werden, weshalb die Sache vom Strafgerichte an das Bezirksgericht für Uebertretungen gewiesen wurde. Der Richter fragte den Angeklagten: Warum haben Sie eigent lich die zwei Schinken entiendet?" ,, Vom Hunger ge trieben," antiportete der Angeklagte. ,, Was, aus Nota Das kann doch nicht möglich sein?" fiel der Richter ein. ,, Dis Gehilfen eines Schlächters können doch unmöglich Mangel a Eßwaren haben?" Bei meinem Meister ja," erwiderts der angeklagte Gehilfe, der gehört nämlich einer neuen Religion an, und da bekommt man nichts zu essen." soll ich das verstehen?" forschte der Richter weiter. berstehe die Sache auch nicht," meinte der Angeklagte, aba so viel weiß ich, daß nach dieser neuen Religion fein Fleis gegessen werden darf, lauter Gemüse, und da ich kein Ge müse esse, litt ich Hunger. Wenn ich nicht irre, heißt die neue Religion Arianer", aber noch ein zweites Wort steht бази." Der Richter fing an zu lachen und sagte: Jetzt tenne ich die Religion schon; ihre Bekenner heißen Vegeta rianer"." Jawohl," rief der Angeklagte freudig aus, ,, dieser Religion gehört mein Meister an, und weil ich Erbsen, Linsen, Kohl, Reis, Rüben und all das andere Grün­zeug, das die Religion meines Meisters vorschreibt, nicht bertrage, mußte ich mir heimlich Fleisch verschaffen." Der Richter verurteilte den Gehilfen wegen Uebertretung bes Diebstahls zu zwei Tagen Arrest.

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