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März 1906

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Mts. beim

Nr. 6.

Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzelle für ganz Ober­Beffen, die Kretse Weglar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg. Reklamen ble Petitzeile 30 refp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpebition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanfchluß Nr. 362.

Samstag, den 7. Januar 1905.

Gießener

14. Jahrgang.

Mbonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfa., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und sie Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Nenelle Nachrichten

( Gickener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Sichener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Rokalanzeiger für Giefen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der Krieg in Oftalien.

In Port Arthur sind die Japaner energisch bemüht, nach allen Richtungen hin Ordnung zu schaffen. Die Aufräu­mungsarbeiten sind in vollem Gange, nachdem

die kriegsgefangenen Russen

Bie Stadt verlassen haben. Das vorläufige Ergebnis der bon General Nogi angestellten Ermittelungen über deren Anzahl und Chargen bildet die folgende von ihm telegra­phisch nach Tokio übermittelte Aufstellung:

8 Generale, 4 Admirale, 57 Obersten und Majore, 100 Schiffskapitäne bezw. Kommandanten, 531 Haupt­leute und Leutnants des Landheeres, 200 Schiffsleut­nants und Marinebeamte, 99 Heeresbeamte, 109 Stabs­ärzte, 20 Kapläne, 22 434 Unteroffiziere und Gemeine des Bandheeres, 4500 Marinemannschaften, 3645 Nicht­fombattanten des Landheeres und 500 solche von der Marine, insgesamt 32 207 Personen. Die Freiwilligen find der Mehrzahl nach bei den Nichtkombattanten mit eingeschlossen. Außerdem befinden sich 15 000 oder 16 000 Kranfe und Verwundete in den Hospitälern. An Pferden find 100 Sattelpferde und 1870 Zugpferde über­geben worden.

Die Sorge um die Gefangenen ist eine mühevolle und foftspielige Aufgabe. Es ist möglich, daß Japan deshalb später Borkehrungen zu deren Rücksendung nach Rußland treffen wird. Die Frage wird gegenwärtig in Tokio in Erwägung gezogen. Man glaubt, daß General Nogi auf Geheiß des Raisers nach Tokio kommt, wo ihn ein begeisterter Empfang vartet. Die fremdländischen Attachees sind in Port Arthur ungekommen.

General Stöffel

hat sein Ehrenwort gegeben, an dem Kriege nicht mehr teil­annehmen, und kehrt über Nagasaki in die Heimat zurück. Wie freundschaftlich der Verkehr zwischen dem besiegten und dem siegreichen Feldherrn ist, geht aus folgender Meldung hervor: Um 11 Uhr vormittags am Mittwoch trafen Gene­ral Stössel und General Nogi in einer Hütte des Dorfes Schuischi zusammen und hatten, nachdem sie sich begrüßt hatten, eine lange Unterredung. Sie schüttelten sich dann die Hände, worauf General Stössel zu Pferde stieg und nach Port Arthur zurückkehrte.

Die Sorge für die Verwundeten.

Ebensowenig, wie es möglich war, die Ziffer der russi­schen Gefangenen festzustellen, ist die genaue Zahl der russi­hen und japanischen Verluste während der Belagerung von Port Arthur noch nicht bekannt. Es ist unmöglich, die Mehr­zahl der Kranken und Verwundeten fortzuschaffen. Die Japaner sind bemüht, eilig Medizin und Nahrungsmittel

Ignaz von Tzargos, der Schäfer.

24)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalen.

Nachdruckverboten.

Mit vielem Dank und stammelnder Einladung, die Mutter doch einmal zu besuchen, schted Mine von eichen, wo zargos. Beim Beerenpflücken hatten sie soviel Zeit gefunden notdürftig von ihrem Lebenslaufe zu erzählen. Sie fühlten, daß beiden zusammengehörten ähnlich Leid, auch wohl noch gemeinschaftliche Freude erwarten dürften. Von dieser Zeit an, sahen sich die beiden jungen Leute öfter.

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Sießen.

600

Wochen find vergangen, da tritt eines Abends zargos in das kleine Stübchen des Hirtenhäuschens, zur franken Mutter ſeiner Mine, wie er glaubte schon fagen zu dürfen.

Bet seiner Herde schlief diese Nacht sein alter Beschützer Clemens. Diesem treuen Freunde hatte er fein Herz, seine Liebe und Pläne für die Zukunft offenbart. Er hatte also Beit. Nachdem man sich begrüßt und mancherlei gesprochen hatte, frug Tzargos, ob die Mutter ihm die Mine zur Schäferfrau geben

wolle.

Die Mutter war durch ihre Tochter auf des zargos Frage schon vorbereitet, deshalb sagte sie freudig: Tzargos, ich gebe Ihnen mit Freuden mein Kind zum Ehegemahl, es geht dann nicht, wie mir törichten Mädchen. Brot, auch Schäferbrot macht satt. Armut schändet nicht. Sünde schändet und ist der Leute Verderben. Die Mutter, welche sich auf ihrem Bager etwas aufgerichtet hatte, erzählte dann: Ich war ein junges luftiges Mädchen. Meine Heimat ist an der Havel. Häßlich war ich gerade auch nicht, aber doch auch keine Schönheit. Nur leben wollte ich in Freuden. Gedankenlos gab ich mich allem hin was nur Freude bereitete.

nach der Festung zu schicken. Man hofft, durch die verbesserten Sanitätsverhältnisse und Pflege Tausende zu retten.

In Tschifu sind 1000 Nichtkombattanten aus Port Ar­thur eingetroffen. Die europäischen Kolonien in den Häfen an der Küste hatten die Absicht, die Kranken und Verwun­deten aus Port Arthur in den Hospitälern von Tschifu, Tientsin, Schanghai, Weihaiwei und Tsingtau zu verpfle­gen. Eine Besprechung zwischen dem Tschifuer englischen und dem japanischen Konsul ergab, daß dort nur für 60 Verwundete Platz ist. Auch Tientsin und Schanghai ge­nügen nicht annähernd, und alle genannte Orte zusammen­genommen können nur einen Teil der Kranken und Ver­wundeten aufnehmen; infolgedessen wird die Mehrzahl der Kranken in Port Arthur bleiben müssen.

Die versenkten russischen Schiffe.

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Die japanischen Marineoffiziere haben die gesunkenen Schiffe noch nicht untersucht, und über den Zustand derselben ist nichts bekannt. Eine sorgfältige Untersuchung wird so­bald als möglich vorgenommen werden. Die Russen haben flugerweise das Trockendock vor der Kapitulation blockiert, dadurch, daß sie das Transportsaiff Amur" quer vor dem Dock versenkt haben. Die Werften und zehn kleine Dampfer liegen zu sofortiger Verwendung bereit. Die Minenbeseiti­gung wird begonnen werden, sobald die russischen Pläne über die Lage der Minen ausgehändigt sind. Man hofft, einige der gesunfenen Schiffe heben zu können. Laut Mit­teilung der Marineverwaltung sind durch die Japaner vor der Kapitulation Port Arthurs die russischen Torpedoboote Gaidamak" und" Vsadnik", sowie die Torpedobootszer­störer Jetirny"," Sesy" und Boiroi" zum Sinfen gebracht worden. Der Kreuzer Bajan" liegt schwer beschädigt an der Südseite des Osthafens. Das Kanonenboot Bobr" ist durch das japanische Granatfeuer völlig zerstört. Mehrere hundert japanische Fachleute unter Befehl eines Kontreadmi­rals sind von Sasebo nach Port Arthur in See gegangen, um den Hafen und die benachbarten Gewässer von Minen zu säubern.

Die russische Hauptarmee ist bisher von dem Fall Bort Arthurs noch nicht in Kenntnis gesezt worden, doch zirku­lieren trotzdem unter den Truppen Gerüchte darüber. In Mukden behauptet man, die Japaner bauen bei Finhuan­tscheng eine Brücke über den Jalu, um eine Verbindung der Bahnen in Korea mit den chinesischen herzustellen; offen­bar verstärken die Japaner ihren rechten Flügel.

Roschdjestwenskys Flotte

befindet sich augenscheinlich in einer recht kniffligen Situa tion. Zwar wird energisch von Petersburg aus dementiert, daß sein Flaggschiff Fürst Suwarow" in der Antongilbai ( Madagaskar) auf einen Felsen gestoßen und gesunken sei. Doch mißt man diesen Dementis allgemein recht wenig Glauben bei. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Flotte, als sie den Hafen von Libau verließ, durchaus nicht mit allen

Eine adelige Familie, welche in Wien Verwandte und dorthin zum Besuch reisen wollte, suchte ein Mädchen für ihre Kinder. Ein immer munter und fröhliches Mädchen wurde gewünscht. Ich wurde vorgeschlagen, und als ich mich vorstellte, angenommen. Meine Mutter lebte noch. Vater und die beiden lich zu. Die Gefahren, welche mir leichtlebigen Mädchen Brüder waren schon tot. Die Mutter redete mir ernst­in der Ferne drohten, zu bedenken und zu überwinden. Ich versprach alles, um nur vor ihren ernsten Mahn­ungen Ruhe zu haben.

Nach vierzehn Tagen ging es fort. Zwei große herrschaftliche Wagen waren bepadt mit Kleidern, Wäsche und anderen Sachen. Kaum war Platz für die Familie. Im ersten Wagen faß der Herr und die gnädige Frau. Kutscher und Diener tronten auf dem Kinder, liebe Mädchen von 8 und 10 Jahren. Auf Bocke. Im zweiten war die Kammerfrau, ich und zwei dem Hinterteile des Wagens hatte der Diener seinen Platz genommen. Der Kasten, auf dem er saß, enthielt reichlich Waffen verschiedener Art. Der Kutscher saß auf seinem Bocke.

Wir famen ungefährtet bis in die Nähe von Wien. Dort begegnete uns ein Reiter mit einem Diener. Kaum war unser Herr seiner gewahr, als er auch schon halten ließ und ausrief: Aber zum Teufel Graf von V... Mensch, wie kommst du hierher. Du sollst in.. na, nenne mir mal die Herrschaft, wohnen und bist hier. Geh' her alter Junge, gib mir die Hand, dann erzähle. Doch erst vorstellen: Hier meine getreue Cecalie geborene von V..., dort meiner beiden prächtigen Mädels. Der Graf ritt mit uns bis Wien, ja er besuchte uns später gar oft. Auch sagte er unter anderem, er habe unten in Ungarn eine Bufta gefauft, eine große ausgedehnte Fläche. Dieselbe sei zu einsam für thn, deshalb überlasse er dem Verwalter die Führung der Geschäfte und reise lieber je nachdem er Luft habe.

Hilfsmitteln moderner Navigation zur Genüge ausgerüstet war. Genaue Seefarten seien nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Wie es heißt, soll sich jetzt die ganze baltische Flotte, also außer der Roschdjestwenskyschen Abteilung auch die des Admirals Fölkersam, die durch den Suezkanal ging, in den madagassischen Gewässern befinden. Wie man in Baris behauptet, wäre Roschdjestwenskys Flaggschiff des­halb in so pefräre Lage geraten, weil es sich Beobachtungen durch englische Kriegsschiffe entziehen wollte. Roschdjest­wensky habe, um sich zu verbergen, einen gefährlichen Weg durch Klippen gewählt, der auf den russischen Schiffsfarten nicht verzeichnet war. Roschdjestwenstys Geschwader wird in den madagassischen Gewässern höchstwahrscheinlich bis Ende März verweilen, um die Monsumstürme vorüber zu lassen.

Unfer Kolonialkrieg.

Nach wochenlangen anscheinend unorganisierten Streif­zügen und Ueberfällen auf wehrlose Personen oder schwach und gar nicht geschützte Bläge haben sich die Witbois endlich zu einem festen Feldverband zusammengeschlossen und sich den deutschen Truppen gestellt. Sie haben mit unverkennbarer Tapferkeit selbst mehrfachen Bajonettangriffen standgehalten. Wie General Trotha aus Windhuk unterm 5. Januar meldet, kam es zu einem blutigen

Gefecht bei Stamprietfontein,

bei dem von morgens bis abends heftig gekämpft wurde und das schließlich mit dem Rückzuge der Hottentotten endete. Nachstehend die bis jetzt bekannten Einzelheiten:

Major Meister stieß am 1. Januar 6 Uhr abends bei Stamprietfontein anf 500 bis 600 Hottentotten. Diese hielten trotz wiederholter Bajonettangriffe bis 9 Uhr 30 Min. abends nach Eintritt völliger Dunkelheit stand und zogen sich erst unter dem Schutz der Nacht auf beiden Ufern des Auob in Richtung auf Gochas zurück. Major Meister folgte am nächsten Morgen. Verluste des Feindes, welche bedeutend gewesen sein müssen, sind noch nicht fest­zustellen gewesen.

Dieses Gefecht hat sich offenbar aus der taktischen Aus­führung des neuesten Kriegsplanes ergeben, der den Zwed berfolgt, die Hottentotten in dem Gebiet zwischen Keetmans­hoop, Gochas und Rietfontein zusammenzudrängen und dort den Feldzug zur Entscheidung zu bringen. Oberst Deimling rückte daher vor Wochen schon gegen Rietfontein bor, das als das Zentrum der feindlichen Stellung galt, und er lieferte ihm dort ein blutiges Gefecht. Der Feind hielt damals nicht stand, sondern verzog sich nordöstlich nach dem gebirgigen Terrain, während Oberst Deimling mit der

Ignaz Tzargos horchte auf, Ungarn sein Geburts­land. Nitra", wär ich noch einmal dort, so ent­rang es sich seiner Brust. Er mußte furz erzählen, daß er dort geboren und erzogen sei.

Dann erzählte die Kranke weiter, der Graf habe sich viel mit den Kindern zu schaffen gemacht sie habe er dabei oft so tief in die Augen geblickt, daß fie geneckt und sonst allerlei Scherz getrieben. Ihr aber dieselben niedergeschlagen habe. Später, so fuhr fie fort war ich über sein Benehmen erschrocken. Er brachte mir aber so viele und schöne Geschenke mit, daß ich schließlich Vertrauen zu ihm gewann. Ich will es

nau.

Noch war kein Jahr vergangen, da wurde ich schon mit Schande aus dem Hause gejagt.- O Mutter, Mutter schrie ich. Hätte ich deine Worte beachtet? wurde aber zurückgehalten und mit eraften Ermahn­Erst suchte ich den Tot in den Wellen der D ungen aus der Stadt gelassen. Ich wollte heim. Die kostbaren Geschenke des Verführers verkaufte ich. Sie waren mir doch nichts nuge, gaben mir aber Zehrgeld So bin ich gewandert, immer zu Fuß. Nur selten traf ich einen Fuhrmann, der aus Mitleid, mich einige Stunden mitnahm. Leider hatte ich die Orte vergessen, über welche wir gezogen waren. Die Sprache der Landbewohner verstand ich nicht immer, deshalb reiſte ich in einer falschen Richtung. Hier kam ich endlich frank, ja bis zu Tode erschöpft an, fand Aufnahme und meine Mine wurde hier geboren. Jezt aber war die Kraft der Kranken zu Ende. Noch einmal in furzen Zügen hätte sie ihren Lebensgang vor diesen beiden jungen Leuten vorübergeführt. Tzargos konnte aus dieser Erzählung nicht erfahren, was für ein Graf eigentlich der Vater seiner Mine set. Nachdem die Frau fich ein wenig erholt hatte, wurde die Verlobung ihrer Kinder, wie sie jest sagte, vollzogen. Ihr Hände erfassend segnete sie dieselben.

( Fortsetzung folgt)