Einzelbild herunterladen

willst Du Dich selber erkennen, so fleb, wie die andern es treiben, wiast Du die andern verstehen, blick in dein eigenes Herz. ( Tabulae votivae.)

Unser Schiller.

Von Professer Dr. Eduard Hermani.

An der Wende des 17. und 18. Jahrhunderts stehen jene beiden Riesengestalten deutscher Dichtkunst, deren Werke die Kleinodien in der Krone der deutschen Literatur bilden: Goethe und Schiller. Aber während Goethe wie in seinem Leben so auch in seinen Werken nur selten herab­steigt in jene Niederungen, wo das Volk sich müht und plagt, griff der stürmende Idealismus seines Freundes tief ein in das Volksleben, erfrischte und erhob nach des Lebens täg­licher Mühsal und gewährte einen Ausblick auf jene Höhen der Glückseligkeit und der reinen Freude, die für ach so wenige von uns Sterblichen erreichbar sind. So wurde Friedrich Schiller der Liebling des deutschen Volkes, und er ist es geblieben.

Hundert Jahre sind seit des Großen Tod verflossen, aber noch lebt sein Andenken frisch im Herzen der deutschen Nation, noch gehen tiefe, nachhaltige Wirkungen von seinen Werken aus. Ja, gerade unsere Zeit des materialistischen Hastens und Jagens, der realistischen Anschaungs- und Be­trachtungsweise, sie verspürt wieder ein leises Sehnen nach jenem glühenden Idealismus, der die Schöpfungen des Meisters durchzieht. Das deutsche Volk, das der Mahnung seines größten Dichters: Seid einig, einig, einig!" Folge geleistet hat, blickt nun zurück auf die glorreichen Ruhmes­tage und, stolz auf sein Werk, wendet es sich wieder zu ihm, der in feinem Wilhelm Tell" das ragende Denkmal der Freiheit errichtet hat, um von ihm weitere Anregung und Belehrung zu empfangen. Und vom unerschöpflichen Quell Schillerscher Poesie ergießt sich von neuem ein befruchtender Strom in die deutschen Lande. Ist doch neben dem Freiheits­gedanken das Pflichtbewußtsein der Kernpunkt der Schiller­schen Gedankenwelt. Und was ist den Bürgern eines großen und mächtigen Staates notwendiger als der Gedanke ihrer Pflichten gegen ihre Nation! Jeder einzelne muß sich voll bewußt sein seiner Pflichten gegen Staat und Gesellschaft und handeln im Rahmen der Gesetzmäßigkeit. Das ist die Frei­heit, die Schiller meint, nicht die Zügellosigkeit, nicht die völlige Loslösung von allen staatlichen und gesellschaftlichen Gesetzen und Formen, mit einem Worte nicht die Anarchie, sondern die Freiheit, deren innerster Kern ein tiefes und heiliges Pflichtbewußtsein bildet. Es ist das Freiheitsideal des großen Weisen von Königsberg, Immanuel Kant, dem auch Friedrich Schiller seine Huldigung darbringt. Und es ist kein Zufall, daß der deutscheste aller Philosophen, Kant, und der deutscheste aller Dichter, Schiller, dasselbe Ideal der Freiheit sich formen. Das deutsche Volk hatte während der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit genugsam die Schrecken einer zügellosen Anarchie verspürt, und im Zeitalter Schillers war der Dreißigjährige Krieg mit all seinen Wirrnissen noch nicht verschmerzt und vergessen. Konnte der Genius des deutschen Volkes, wie er sich in Schiller offenbarte, also cinen anderen Freiheitsbegriff bilden als den der Gesetz­mäßigkeit und vollendeten Harmonie?

Diese ebenmäßige Harmonie durchzieht alle Schöpfungen des Meisters, insbesondere seine dramatischen. Von Thü­ringen, von wo aus Luther dem deutschen Volke die Bibel schenkte, reichte Schiller seinem Volke das deutsche Drama dar. Durch das Wirken von Schiller und Goethe im lieb­lichen Weimar gelangte die deutsche Literatur zur eben­bürtigen Selbständigkeit, und Frankreich, das soeben durch das Schwert Friedrichs des Großen des deutschen Landes ver­wiesen worden war, wurde nun auch auf dem Gebiete der Literatur endgültig auf seine Landesgrenzen beschränkt. Man kann wohl sagen, daß Goethe und Schiller die litera­rische Einigung des deuschen Volkes vollzogen haben, welche die notwendige Vorbedingung für die politische war. Schil­Iers spezielle Bedeutung aber liegt darin, daß er der be­geisterte Herold des Einigungsgedankens war, des ent­sagungsfreudigen Idealismus, der sein Alles dareinsetzt, die Ehre und Größe seines Volkes zu verteidigen.

Die Hunderttausende, die während der Freiheitskämpfe herbeiströmten, um ihr Herzblut für die Befreiung des Vaterlandes zu opfern, sie alle waren echt Schillerschen Geistes voll, durchdrungen von der Hehren Bedeutung ihrer Aufgabe. Auch die Freiheitsdichter selbst, was predigten sie anderes als ihr großes Vorbild! Wandelten sie nicht in seinen Fußtapfen, wenn sie die Aufopferung für das Vaterland als bedeutungsvollste Pflicht der Bürger priesen! Und im letzten Kampfe, der Deutschland die Einigung brachte, schwebte nicht Schillers Mahnung allen vor, als die deutschen Stämme bon Nord und Süd, von Ost und West ihren, den deutschen Kaiser wählten? Was auch in deutschen Gauen im letzten Jahrhundert geschaffen wurde, der Geist von Deutschlands größtem Dichter war in allen Schöpfungen zu spüren und nicht zum wenigsten in den Werken derer, die ihn verkannten und verlästerten. Eine Zeitlang war es Mode, über Schiller heimlich zu lächeln, als ob wir weit hinaus wären über solch weltfremden Idealismus. Es war jene Epoche, wo natur­wahr sein die Hauptsache war, wo die wahre Kunst im Ko­pieren der Natur gesucht wurde. Aber der Naturalismus berging, und neue Zeiten hörten mit freudiger Rührung wie­der auf das Fittigrauschen des Genius des Idealismus, der heute weit über die deutschen Lande seine Palmen breitet und ermahnt und ermuntert zum ernsten Streben und Schaffen im Geiste Friedrich Schillers.

-

Aus des Dichters Lebensbuch.

Um das Roß des Reiters schweben, Um das Schiff die Sorgen her...

Ein passenderes Motto für das Buch seines eigenen Lebens hätte sich Schiller nicht wählen können, als dieses sich an Horaz anlehnende Zitat aus seinem Siegesfest". Von frühester Jugend an umschatteten ihn Frau Sorges graue Flügel. Als er am 10. November 1759 zu Marbach am Neckar das Licht der Welt er­blickte, weilte sein Vater, der damalige Leutnant, früher Feldscher Johann Kaspar Schiller, im Kriegslager fern der Heimat. Sein Großvater mütterlicherseits, der Bäcker und Löwenwirt Kodweis, bei dem seine Mutter Elisabeth Dorothea während der jahrelangen, nur durch kurze Urlaubswochen unterbrochenen Abwesenheit ihres Mannes wohnte, befand sich in den mißlichsten petuniären Verhält nissen und entging nur mit Mühe dem drohenden Bankerott. Die sanfte, treusorgende Mutter, die bei beschränkter Schulbildung regen Sinn für Natur und Poesie besaß, wußte trotz der bedrückenden Enge diese Häuslichkeit zu einer harmonischen zu gestalten, in der das Talent des heranwachsenden Knaben nicht erstickt, son­dern gefördert wurde. Allerdings hatte sie in ihrem frommier Sinn für ihren Sohn den Beruf eines Pfarrers in Aussicht ge= nommen. Seinen ersten Unterricht erhielt der junge Johann Christoph Friedrich denn auch in Lorch, wohin sein inzwischen zum Hauptmann beförderter Vater versetzt worden war, bei dem dor­tigen Ortspfarrer Moser, dem er in seinen Räubern" später ein Denkmal seßte.

Die Lage der Familie besserte sich, als der Herzog Karl von Württemberg 1770 dem Hauptmann Schiller die Aufsicht über die Gärten des Luftschlosses Solitude übertrug. Eine Folge dieser Beziehungen zum Herzog war es auch, daß der junge Friedrich zu Anfang des Jahres 1773 in die militärische Karlsschule aufgenom men wurde, die damals auf der Solitude selbst ihren Siß hatte, zwei Jahre später aber nach Stuttgart verlegt wurde. Schiller widmete sich zunächst dem Studium der Jurisprudenz, in Stuttgart dem der Medizin. Hier schuf der jugendliche Dichter seine Räuber", an deren Vollendung ein Kreis jugendlicher Bewunderer regen Anteil nahm. Große Verstimmung erregte es bei dem sid nach freiem Schaffen sehnenden Jüngling, daß seine Entlassung von der Akademie auf persönliche Anordnung des Herzogs um ein Jahr hinausgeschoben wurde, weil seine wissenschaftlichen Arbeiten exzentrische Ausdrücke und zu viel Feuer" enthielten, das erst gedämpft werden müsse. Seitdem mag schon der Gedanke an Be­freiung vom lästigen Joch des militärischen Berufes in des Tichters Seele erwacht sein. Mit Glücksgütern war der Regimentsmedikus ohne Portepée beim Grenadierregiment des Generals Augé, zu welchem Range Schiller nach Absolvierung der Karlsschule er­hoben wurde, auch nicht gerade gesegnet. Bei 18 Gulden Monats= gage war der bittersten Not die Tür geöffnet, umſomehr, als Schiller auch für seine literarischen Bestrebungen Geld aufwenden mußte Als ihm im Mai 1872, nachdem er ohne Urlaub heimlich einer Aufführung seiner Räuber" in Mannheim beigewohnt hatte, in einem herzoglichen Utas das Komödienschreiben" ein für allemal untersagt wurde, gedich in ihm der Fluchtplan zur Reife. Am 17. September 1782 verließ der Dichter in Begleitung seines treuen Freundes, des Musifus Streicher, nach rührendem Abschied von seiner Mutter, die württembergische Residenz Stuttgart und entfam glücklich nach Mannheim, um von nun an gänzlich seiner Kunst zu leben.

Aber so hoch die Schwingen seines Genies ihn auch trugen, neben dem Flügelroß schwebte nun erst recht ständig die Sorge her. Jahre der bittersten Enttäuschungen, der schwersten Kämpfe folgten. Zwar fand Schiller in Mannheim treue Freunde, besonders war es die geistreiche Charlotte von Kalb, die fördernd in sein Leben eingriff und ihn in Beziehungen zum funstliebenden Herzog Karl August von Weimar brachte, die für seine spätere Zukunft so be= deutungsvoll werden sollte. Doch Not und Sorge verließen ihn nicht. Als er 1785 Mannheim verließ, um einer Einladung des Oberkonsistorialrats Körner nach Leipzig und Dresden zu folgen, war er so entmutigt, daß er sich ernstlich mit dem Gedanken trug, das juristische Studium als Broterwerb wieder aufzunehmen. Die Hochherzigkeit des neuen Freundeskreises ermöglichte es ihm aber, bis 1787 in behaglichem Asyl ohne Sorge ums tägliche Brot seinem dichterischen Schaffen und seinen Studien obzuliegen. Schiller bezeichnet diese Dresdener Zeit selbst als die glücklichste seines Lebens.

Aus dieser Idylle aber mußte er sich wieder losreißen, und der Kampf begann von neuem. Zivar wurden ihm jetzt Ruhm und Ehren reichlich zuteil. Die Beziehungen zum Weimarer Hofe tourden enger, und der Vermittelung Goethes, damals Minister des jungen Herzogs, gelang es, unserem Dichter 1788 eine Lehr­stelle für Geschichte an der Universität Jena zu erwirken. Das Einkommen war aber färglich, und zu den petuniären Schwierig­feiten gefellte sich noch schweres körperliches Leiden. 1791 er frankte Schiller, der sich inzwischen mit Charlotte v. Lengefeld ver­Heiratet hatte, so schwer, daß er seine Lehrtätigkeit aufs geringste einschränken mußte. Nur durch freiwillige Spenden von wohl­habenden Gönnern war es dem Dichter möglich, die äußerste Not von seinem Haushalt abzukehren. Kümmerlich blieb Schillers Ein­kommen sein ganzes Leben lang. Erst 1804 bezifferte sich sein festes Gehalt auf 800 Taler. Damals pries er sich glücklich, endlich ruhig in die Zukunft schauen zu können. Doch der Tod, der schon vor 13 Jahren mit knöchernem Finger an seine Tür geklopft, hatte die ganze Zeit auf der Lauer gelegen. Während der langen Jahre tränkelte der Dichter fortwährend. Man muß die Energie des Willens bewundern, der sich den hinfälligen, schmerzdurchwühlten Leib zu Diensten zwang, um die Geisteswerke zu vollenden, die wir dankbaren Herzens heute bewundern. Noch in den letzten Tagen seines Lebens schleppte sich der kranke Dichter in schlafloser Nacht zum Schreibtisch, um mit zitternder Hand Ewigkeitsgedanken aufs Papier zu bannen. Am 9. Mai erlosch nach unsäglich schweren Leiden die Fackel seines Genius. Der Lorbeer, den wir ihm widmen, deckt die Dornen einer Marterfrone.

Schiller- Erinnerungen.

Charakter- Studien.

E. B.

Bei der Gestaltung seiner dramatischen Pläne hatte Schiller mehr als einmal das Bedürfnis, den Verkehr mit Menschen zu pflegen, um Stoff und Anregung zu finden. So schreibt er ein­mal an seine Gattin:" Manchmal versinkt meine Seele ganz in der Einförmigkeit ihrer Beschäftigungen. Frisch und kräftig wird das innere Leben des Geistes nur durch die Reibung mit anderen. Es ist mir aber nicht immer gegeben, erst die Hebamme eines anderen zu machen, wenn ich nach einem erfrischenden Umgang schmachte." Eine Kritit.

Ein junger Reimschmied brachte Schiller eines Tages eins seiner Erzeugnisse mit der Bitte, ihm darüber seine Meinung zu sagen. Schiller entsprach dem Wunsche und unterstrich zugleich die ziemlich zahlreichen Mängel. Einige Tage später fand sich der Dichterling abermals ein und legte sein verändertes Machtverk vor. ,, Viel besser allerdings", nickte Schiller, aber, lieber Freund, aus einem Holzapfel wird auch durch noch so sorgfältiges Feilen keine Ananas."

Dichter und Schauspieler.

Genest, ein von Schiller besonders geschäßter Schauspieler, dem er viel Vertrauen entgegenbrachte und den er mit Vorliebe als Regisseur bei den dramatischen Proben verwandte, meint in einer hinterlassenen Niederschrift: Er war eben einer, dessen Milde und Liebenswürdigkeit ganz unwiderstehlich jeden anzog, der das Glück hatte, in seiner Nähe weilen zu dürfen. Er war für mich der Stern einer milden Sommernacht, zu dem ich mit unbegrenzter Verehrung aufblickte, während mich Goethe öfters die Mittagshize einer Julisonne empfinden ließ."

Das Spiel des Lebens steht sich heiter an, Wenn man den sichern Schutz im Herzen trägt.

( Die Piccolomini, 3. Uft, 4. Auftritt.)

Schiller am Skattisch.

Erlauschtes und Erlebtes von A. M. v. Ker sten.

Nicht daß Schiller dem urdeutschen Wenzelspiel gehuldigt habe, soll vorstehende Ueberschrift besagen. Sondern daß kein Dichter so im Munde unseres Voltes lebe, wie Friedrich Schiller, sollen nachs stehende Zeilen beweisen. Sie sind das Ergebnis einer Beobachtung, die ich jüngst in meinem Stammlokal gemacht, in der Nähe eines Stattisches, den vier schlichte, wackere Bürger besetzt hatten. Sie alle haben nur die hohe Schule des Lebens besucht; die Werke Schillers gehörten nicht zu ihrem ständigen geistigen Verkehr. Dennoch ist ihre Gedankenwelt von Bruchstücken aus Schillers Schriften gleichsam gespickt, daß sie ihn mit Vorliebe zitieren, auch wenn der Ursprung der Zitate ihnen nicht bekannt ist. Und was ich jüngst erlauscht und erlebt, will ich hier niederlegen und damit ein cigenartiges Gedenkblatt" zum Schiller- Jubiläum stiften. Und nun:

Hans und Paul ſizen am Stammtisch. Sie fühlen sich zu Zweien vereinsamt. Zum Stat gehören doch mindestens drei, schon Der seit des Cherusters Armin Zeiten. Eigentlich sogar vier. dritte Mann ist eine unentbehrliche Notwendigkeit, der vierte erst schafft den angenehmen Lurus, denn er ermöglicht eine Unterbrechung ohne Pause, eine Ruhe ohne Aufhören des Interesses. Hans und Paul verschmähen es nicht, sich zu dreien mit den vier Wenzeln zu beschäftigen, aber zu vieren ist es ihnen behaglicher. Heute zögert der Dritte, und Hans, der Cholerische, möchte teine Zeit bers lieren. Was tun? spricht Beus" redet er den Gefährten an, der auch keinen Rat weiß.

An den verwaisten Tisch, der in aller Stummheit zum Himmel flagt und um fallende Blätter bittet, als ob diese ihn an die Zeiten erinnerten, da er noch eigene Blätter trug, tritt Friedrich. Sein narbengezeichnetes Gesicht macht ihn als Kommilitonen fenntlich und ist genügende Einführung.

" Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der Dritte." Daß es sich um den Statbund handelt, der für den internatio nalen Dreibund vorbildlich gewesen, ist selbstverständlich.

Des freut sich das entmenschte Paar."

Hans und Paul sagen das nicht mit Worten, aber ihre Mienen sprechen es aus, verständlich genug für den, dem es gilt. Dieser begegnet der Zuversicht mit Zuversicht. Ich fühle eine Armee in nteiner Faust", ruft er jenen zu, und ich werde fürchterlich Mustes rung halten". Dein Register hat ein Loch", erwidert Hans, und Paul, das ältere Semester, meint steptisch: Schmell fertig ist die Jugend mit dem Wort".

Tie Vorstellung ist beendet, die Karten sind zur Stelle. Gerade da eine Hand sich zum Mischen ausstreckt, erscheint Heinrich, der Säumige. Heinrich, mir graut vor dir", würde der Gruß an ihn gelautet haben, wenn das Wort nicht von Goethe wäre. Um Schillers willen wird ihm mit höflichem Verzeihen begegnet: Spät femmt ihr, doch ihr kommt".

Das Spiel beginnt, sein Eifer erwacht, und der Kiebitz findet sich ein. Er wird schlecht behandelt, mit Deutlichkeiten bedacht, aber im Grunde hat er das beste Teil erwählt. Denn es dauert nicht lange, so spielt der Spieler für die Korona, d. i. für den Niebib, und kein Tragöde buhlt so um die Gunst des Publikums, wie der Statspieler um den Beifall des Niebitz. Was beide nicht hindert, das Publikum, das mit Beifall targt, zu verachten. Der Spieler ist eben überall derselbe.

Friedrich ist Mittelhand. Ein schwaches Spiel, das nur durch verschlagene Kunst zu gewinnen ist. Treff- Zehn und Treff- Dame machen ihm Sorge. Wenn ihn der Gegner hier schneidet", so ist's aus. Und Paul, der Verschmitzte, kommt mit dem Treff- König heraus. Was wolltest Du mit dem Dolche?" fragt Heinrich. Doch gerade weil Paul der Verschmißte ist, der schon manchesmal ges altenburgert", d. H. unter dem eigenen As den König ausgespielt hat, winkt Rettung. Friedrich legt seine Zehn auf den König, und die Gefahr ist vorüber. Spiegelberg, ich kenne dich"- ruft er, und Paul ist tief gekränkt, daß seine Methode durchschaut worden. Ihm bleibt nur die Drohung, von der er selbst weiß, daß sie keine Schrecken hat: Das sollst du am Kreuze bereuen!"

Die Revanche bleibt gleichwohl nicht aus. Der Erfolg ver­führt Heinrich, seinem Stern über Verdienst zu trauen. Er tourniert und muß bekennen, daß er sich überreizt", d. h. das angenommene Spiel zu hoch bewertet hat, und darum als doppelt verloren gelten lassen muß. Er quittiert Paul, der ihn verlodt hat, mit anerkens nendem Du hast's erreicht, Ottavio". Paul aber gedenkt über­mütig früherer ähnlicher Erfolge und kann sich nicht bersagen, den Freund daran mit der Bemerkung zu erinnern:" Legt's zu dem übrigen".

für den

Es kommt zum Ramschen". Das soll eine eine Strafe für Maurer" sein, der auch eine gute Karte verpaßt, um im Hinters halt auf den kühneren Spieler zu lauern. Doch der Schiebes ramsch", der die Statkarten der Vorhand zuweist und in wechseln der Gestalt bis zur Hinterhand gelangen läßt, ruft manchmal ers staunlichen Wandel hervor, belohnt Maurer" noch und weist

die meisten Verlustaugen dem zu, der zuvor die schlechteste Karte hatte. Vergeblich beschtvört er die Freunde laßt genug sein des grausamen Spiels!" Hat er sich glücklich vom Stich freigemacht, so wird er ihm schnell und tückisch wieder zugeschoben; mit fälschen­der Bedeutsamkeit wird ihm dabei zugerufen: Zurück, du rettest den Freund nicht mehr", und der billige Trost flingt an sein Ohr: Da rast der See und will sein Opfer haben". Ihm freilich hat sich im lieben Gemüt die beruhigende Ueberzeugung aufgetan, daß er nicht durch seine Schuld zu Schaden gekommen, sondern durch der andern Unverstand. Hätten diese nur richtig und nach den Regeln der Kunst gespielt, er wäre nicht bloß unbesiegt, nein, als " Jungfer" vom Kampfplatz gegangen, was eine beneidete Ehre ist. Doch die Banausen verstehen eben vom feinen Spiel nichts, und ,, mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens". Das sagt er natürlich nicht laut, er murmelt es nur vor sich hin, gerade so, daß die andern es nicht durchaus verstehen müssen.

Das Unerhörte ereignet sich: der Niebiß wird um seinen Rat angegangen. Das Unglaubliche geschieht: der Kiebitz lehnt die Rats erteilung ab. Ich habe hier nur ein Amt und keine Meinung", sagt er. Er weiß in seinem Herzen, daß den schlechten Rat der Be­ratene, den guten Rat die andern ihm übel nehmen, er kennt auch die schönen Sprüche und Regeln, die zornige Spieler für den Kiebitz ersonnen haben. Er hat's aber wieder nicht getroffen, auch seine korrekte Ablehnung wird ihm berargt, und der eben noch so freundliche Ratsbittsteller läßt dem Gehege seiner Zähne eine Auf­forderung entfliehen, die trotz aller Klassizität noch nicht salonfähig geworden ist, und die wir auch schon darum nicht wiedergeben mögen, weil sie nicht von Schiller ist. Siebib fühlt sich beleidigt, ernstlich beleidigt. Er erhebt sich" Johanna geht und nimmer kehrt sie wieder". Dem Scheidenden folgt kein Bedauern. Kiebitz flicht auch die Mitwelt feine Kränze.

Dem Der Anstifter des Unheils hat taum bemerkt, was er anges richtet. Er hat den Grand ohne Vier angenommen, in Aengsten und Kummer ihn fnapp gewonnen, um beim letzten Stich zu merken, daß der liegende" Alte ihn um drei Fünftel des Preises gebracht hat. Und darum Räuber und Mörder!"

Das Spiel ist zu Ende. Nur die Verlierer möchten es noch fortsetzen, wobei sie merkwürdigerweise eine Begründung anführen, die ihnen fern liegen sollte: Dem Glücklichen schlägt feine Stunde". Der eine zahlt und charakterisiert den Zustand seines Geldbeutels mit den Worten: Leergebrannt ist die Stätte". Dem andern ist's noch schlimmer ergangen, so daß er zu philosophischen Betrachtungen reif wird: Der Uebel größtes aber ist die Schuld".

Wer besitzt, der lerne verlieren, Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz.

( Braut von Messina.

Kaffee wird immer zu einsbierzig das Pfund genommen.

Blechbüchse neben der

Gemahlen.

Busaz steht in der

fonst gehts dir Bei Bladen an der Edeaschine. Nicht zu viel, denn wenn Salt' feine Sachen propper, Knoppe, Säbel, Helm, alles was br ers fchmedt, fchimpft er.

bredig.

iein

AUS FERNEN ZONEN

Mr.

106

Samstag, den 6. Mat

ische

Familien:

1905