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Hof und Gesellschaft.

** Der Besuch des Kaisers am portugiesischen Hose wird von Lissabon aus für Ende März angekündigt. Es sind folgende Festlichkeiten in Aussicht genommen: Eine Prunk­vorstellung im Carlos- Theater, ein Ball im Schloß, ein Em­pfang in der deutschen Botschaft, ein Ausflug nach Cintra und Cascaes und eine Treibjagd in Villa Vicosa.

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Die Hochzeit des Kronprinzen ist, neueren Bestimmungen gemäß, wiederum verlegt worden. Sie findet nicht im Mai, sondern im ersten Drittel des Juni statt.

*** Auf seiner Reise nach dem ostasiatischen Kriegsschau­plaze ist Prinz Friedrich Leopold von Preußen von Neapel aus in See gegangen. Die Fahrt findet auf dem Lloyddampfer Prinz Eitel Friedrich" statt.

Deutfcher Reichstag.

CB Berlin, 4. März. ( 155. Sizung.) Heute wurde einmal schnell gearbeitet, in weniger als brei Stunden war die Tagesordnung erledigt. Dies erfreu­fiche Ergebnis wurde dadurch erzielt, daß das Haus bei der weiten Beratung des von den Sozialdemokraten eingebrach­ten Gesezentwurfs, betreffend Errichtung eines Reichsarbeitsamts, in eine sachliche Diskussion nicht eintrat, sondern nach einer allerdings recht ausgedehn­ten Geschäftsordnungsdebatte beschloß, den Antrag dem. Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Es folgte die Beratung des konservativen Antrages, durch den die Er­jazzpflicht für Tierschaden beseitigt werden soll, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird und der Tier­halter die erforderliche Sorgfalt beobachtet, oder der Scha­ben auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde. Hier entschied sich das Haus, nachdem die Parteien ihre Stellung furz hatten kennzeichnen lassen, für Kam­missionsberatung.

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

RK Berlin, 4. März. ( 154. Sigung.) Das Seuchengeset wurde nun doch wieder von der Tagesordnung abgesetzt, da die beabsichtigte schleunige Erledigung sich als unmöglich herausgestellt hatte. Bei der Beratung des Bauetats, die nun die ganze heutige Sitz­img ausfüllte, war die Teilnahme des recht traurig besetzten Hauses nur eine sehr mäßige. Fragen von weittragender, allgemeiner Bedeutung wurden auch kaum berührt. Das ganze, überhaupt aufgewendete Interesse der Anwesenden fonzentrierte sich auf die Besprechung des Berliner Straßen­berkehrs, den ein Antrag Fritsch( natl.) der Regierung ans Herz legen wollte. Da die Berliner freisinnigen Abgeord neten Rosenow und Kassel dem widersprachen und auch den Streit der Stadt Berlin mit der Straßenbahngesell­schaft in die Debatte zogen, so gingen auch die Freikonser­bativen Gamp und Frhr. v. 3edlig auf diesen Gegen­stand ein, ohne natürlich eine Uebereinstimmung der Ansich ten erzielen zu können. Schließlich wurde der Antrag zu­rückgezogen und dem Minister v. Bud de blieb nur übrig, Jein lebhaftes Interesse an der Regelung des Berliner Verkehrs zu versichern, dessen Schäden seiner Meinung nach nur durch Untergrundbahnen und Untertunnelungen besei tigt werden können. In der Erörterung einiger Spezial­fragen wurde der Rest der zur Verfügung stehenden Zeit erschöpft, und still und eintönig, wie sie begonnen hatte, schloß die Debatte über den Bauetat. Uebermorgen steht neben einem Antrag auf Unterstützung der Kleinschiffer der Eisenbahnetat auf der Tagesordnung.

Nah und Ferm.

Verschollen und aufgefunden. Die französische Erpe: dition, die unter Führung des Dr. Charcot in die uner forschten Gegenden des südlichsten Teiles der westlichen Hemi sphäre eine Forschungsreise unternommen hat, galt lange Zeit als verschollen. Jetzt ist sie plöglich wieder aufge taucht. Die Mitglieder der Expedition sind alle wohlauf, sie befinden sich zurzeit in Porto Madrine an der Ostküste von Batagorien. Ihr Schiff, der Français", soll indessen nicht mehr aftionsfähig sein, weswegen Hilfsschiffe dorthin ab­gesandt sind. Viel Freude wird der Leiter der Expedition bei seiner Rückkehr in das heimatliche Leben nicht finden. Hat doch seine Frau bereits einen gerichtlichen Scheidungs­Antrag gestellt, weil ihr Gatte verschollen sei.

Vierundzwanzig Stunden im brennenden Bergwerk. Auf der Hultschiner Steinkohlengrube war ein Brand aus­gebrochen. Durch Zubruchgehen eines Pfeilers wurden da­bei 14 Arbeiter abgeschnitten. Nach zwanzigstündiger an gestrengter Arbeit gelang es, sechs von ihnen lebend, achi Mann tot zutage zu fördern. Zehn Mann fanden sich in einer Nische zusammengedrängt. Die Rettungsarbeiten wur­den durch die furchtbare Hite und Brandgase sehr erschwert. Ein Kronprinz als Hotelgast im vierten Stock. Der serbische Kronprinz ist in Begleitung seines Adjutanten aus Reisen gegangen und meilt jetzt in Venedig. Auf der Fahri dahin hielt er sich zwei Tage lang in Budapest anf unter dem Namen eines Grafen Arala. Da er im Hotel Sungarie alle Zimmer im ersten Stockwerk besetzt fand, begnügte sich der Kronprinz geduldig mit einem Zimmer im vierten Stock.

Ein folgenschwerer Schiffszusammenstoß erfolgte bei den Bermudas- Inseln. Zwei große Segelschiffe, der Vier­master Charles Wilburn" und die Bark" Quinebang", rannten aufeinander. Beide sanken. Von den Besatzungen sind 41 Mann ertrumfen.

Ein Unfall, der aber voraussichtlich ohne ernste Folgen bleiben wird, stieß dem deutschen Linienschiff Mecklen­burg" zu. Es fam im Samsö- Belt in der Nähe der dänischen Insel Läson fest und erhielt mehrere Lecke. Taucher und Leichter gingen von Kiel ab, um das Schiff wieder flottzu­machen.

Einem mysteriösen Giftmord ist der bekannte Pariser Kostüm- und Dekorationsmaler Bianchini zum Opfer ge­fallen. Hinter den Kulissen des Ambigu- Theaters wurden ihm von einer unbekannten Dame Bonbons angeboten. Nach dem Genuß fühlte er sich unwohl und starb nach kurzer Zeit, Bianchini war bereits vor 7 Jahren das Opfer eines Ver­aiftumasverfuchs. Damals wurde seine Frau als die Täterin

erimittelt und mit 5 Jahren Gefängnis bestraft, die sie in­zwischen abgebüßt hat.

Eine Riesenfeuersbrunst brach in South- Shields in den neuen zum Beladen der Kohlenschiffe dienenden Quais am Tyneflusse aus. Die Quais, deren Wert auf nahezn 4 000 000 Mark geschäßt wird, sind vollkommen zerstört, ebenso eine große Menge von Maschinen neuesten Typs, die zum Befrachten und Löschen der Schiffe dienten. Eine Un­menge Holz ist verbrannt, 50 Eisenbahnwagen sind zerstört. Der Dampfer, Johannesburg" ist durch das Feuer stark mit­

genommen.

Die Ermordung der Milliardärin. Der Verdacht, die reiche Amerikanerin Mrs. Standford vergiftet zu haben, richtet sich gegen die chinesische Dienerschaft der Dame. In dem Natron, in dem ihr der Todestrant fredenzt wurde, ist eine solche Menge Strychnin gefunden, daß damit mehrere hundert Menschen hätten ums Leben gebracht werden können.

Die Neueinführung Roosevelts in die Präsidenten­würde der nordamerikanischen Union fand mit großem Pomp am 4. März in Washington statt. Nach dem eigentlichen Einführungsakt fand ein großer Festzug statt, an dem bür­gerliche und militärische Vertreter fast aller Staaten der Union teilnahmen. Ein glänzender Ball beschloß den Fest­tag. Frau Roosevelt trug dabei eine echt amerikanische Toilette. Alle Stoffe und Besäte sind in Amerika hergestellt. Die Seide dazu ist in Paterson, New Jersey, gewebt und fostet 4000 Mark. Die Zeichnung zu dem Gewebe ist nach der Ausführung vernichtet worden. Die Seide ist blau, mit Goldfäden durchwirkt und zeigt goldene Federn in Medail­Ions mit kleinen fliegenden Vögeln. Ueber 100 Meter Chiffon, fast 40 Meter Taffet und große Mengen alter Spizen sind zu dem Kostüme verarbeitet. Eine ganz beson­dere Neuerung hat Roosevelt dabei eingeführt, und sie wird ihm in den Kreisen seiner Landsleute manche Gegnerschaft erwecken. Von den Festlichkeiten darf diesmal auf Roose­belts eigenste Anordnung niemand megen seiner Hautfarbe ausgeschlossen werden. Natürlich rücken nun die reichen Negerfamilien mit Kind und Kegel zum Präsidentschafts­balle an, und die schwarzen Schönen haben schon längst ihre Vorbereitungen getroffen, um ihre weißen Schwestern in der Pracht der Toiletten zu überstrahlen. Die weiße Gesell­schaft schäumt vor Wut über diese Toleranz des Staatsober­hauptes, aber sie geht zum Fest, weil dabeigewesen zu sein, zum guten Ton gehört.

Allerdings ist die Festfreude durch einen Unglücksfall be­einträchtigt, über den aus Pittsburg vom 3. März berichtet wird: Auf der Bahnlinie Cleveland- Pittsburg fuhr heute von zwei Sonderzügen, die das Publikum zur Feier des Amtsantritts des Präsidenten Roosevelt nach Washington bringen sollten, einer auf den anderen auf, als dieser, dem er in zu kurzer Entfernung folgte, hielt. Neun Versonen kamen ums Leben, 18 erlitten Verlegungen.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Die Euthüllungen über Plößensee. Der Prozeß, der Jegen eine Reihe Berliner Redakteure wegen Beleidigung der Beamten der Strafanstalt Plößensee zur Verhandlung steht, ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Einer der hauptsächlichsten Sachverständigen, Medizinalrat Dr. Lepp­mann, ist während des Monats März durch Amtsgeschäfte verhindert. Ferner sind eine ganze Menge Zeugen geladen, von denen nicht feststeht, ob und wann sie zur Stelle ge­schafft werden können.

§ Der neue Kwilecki- Proze gelangt zunächst noch nicht zur Verhandlung. Vor dem Landgericht zu Posen sollte am 8. März die Klage der Bahnwärtersfrau Meyer gegen den Grafen und die Gräfin Kwilecki wegen Herausgabe des fleinen Grafen Josef zur Verhandlung gelangen. In­zwischen sind jedoch von beiden Parteien neue Beweisanträge gestellt, und infolgedessen ist die Verhandlung vertagt worden.

§ Im Turiner Mordprozeß hat der des Mordes an seinem Schwager, dem Grafen Bonmartini, angeklagte Tullio Murri im Laufe des Verhörs ein halbes Geständnis abge­legt. Er schildert die Tat in folgender Weise: Nach einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Bonmartini seine Frau und deren Vater schwer beschimpfte, schlug Murri den Gegner ins Gesicht. Darauf zog dieser ein Messer. Tullio wollte es ihm entreißen, sie rangen miteinander. Was dann erfolgt ist, dessen will sich der Mörder nicht mehr entsinnen. Er hat dann dem Toten das Geld, die goldene Uhrkette und die Rostbarkeiten, die seiner Schwester gehörten, abgenommen und ist vom Orte der Tat abgereist.

Kunft und Cliffenfchaft.

FP Ein verbesserter Marconiapparat. Der Erfinder der drahtlosen Telegraphie, Marconi, macht bekannt, daß er einen verbesserten Apparat erfunden hat. Bisher war es nur möglich, 24 Worte in der Minute drahtlos zu übermit­teln, der neue Apparat aber ermöglicht die sichere Uebermitte­ling von 100 Worten in der Minute.

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Vermischtes.

[ Eine grüne Nelke] hat nach sechsjährigen Versuchen der Gärtner A. C. Stilson in Los Angeles( Kalifornien) ge­züchtet. Das Blatt der sonderbaren Blume ist weiß mit grünen Streifen, die von der Blattmitte zum Blattrand gehen.

=[ Die Dame ohne Unterleib.] Die Wiener sind um eine Illusion ärmer! Die Dame ohne Unterleib", die allsom­merlich im Prater...( ,, auftritt" kann man nicht wohl fagen)... gezeigt wird, dieses Wunder für viele, viele Tausende oft schon sehr erwachsener Kinder, wird in den nächsten Tagen vor dem Richter stehen, weil sie des Dieb­stahls angeklagt ist. Man sollte nun denken, daß ein fehlen­der Unterleib die Aneignung fremden Eigentums erschwert; aber wenn man erfährt, daß Anna Christ dies der Name der Dame- allwinterlich wohlbestalltes Dienstmädchen war und erst im Sommer den lukrativen Mangel an sich ent­deckte, so wird der Leser hoffentlich über den Gesundheits­zustand der Dame beruhigt sein. Im Winter eine unschein­bare diebische Magd, verwandelte sie sich im Sommer zu einem Naturspiel, das ein umgekehrtes Mädchen aus der Fremde, von jedem beschenkt wurde. Es ist nicht schwer, ein Phänomen zu sein, wenn das Publikum so phänomenal einfältig ist!... Was werden aber die neugierigen Gaffer im ,, Wurstelprater" ohne sie anfangen? Denn die Dame", die für ein Nickelstückchen allen glücklichen Unterleibsbesitzern zugleich behagliches Gruseln und Besitzerfreude verschafft, ist ein unentbehrliches Prater- Requisit. Aber nur Geduld! Die Anna Christ wird ihren Unterleib schon finden, wenn sie ..siten" muß die Dame" selbst ist unsterblich. Eine an­dere wird als Wunder bestaunt werden.

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[ Ein Frauendenkmal im Kapitol zu Washington.] In der Denkmalhalle des Kapitols zu Washington wurde kürz­lich unter entsprechenden Feierlichkeiten das erste Frauen­denkmal enthüllt, welches je dort aufgestellt wurde, näm lich das Standbild der Temperenz- Agitatorin Frances C. Villard. Senator Cullom, der im Senat die Annahme des von dem Staate Illinois gestifteten Denkmals beantragt hatte, führte in einer längeren Rede aus, Frl. Villard habe durch ihre gesunde Agitation bei unzähligen Familien das verlorene Glück wieder einziehen lassen, und Repräsentant Fosh, in dessen Distrikt Frl. Villard wohnte, legte dar, wie die Dame die Sache der Mäßigkeit gefördert habe. Die Feier sei. aber nicht nur als eine Ehrenbezeugung für Frl. Billard aufzufassen, sondern als eine Huldigung für die ganze Weiblichkeit, die unter den freien Institutionen Ame­rikas wunderbare Fortschritte gemacht habe.

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[ Vom Stiefelputer zum Millionär.] In der Stadt Syrakus in den Vereinigten Staaten starb kürzlich John Dunsen unter Hinterlassung eines Vermögens von fast acht Millionen Marf. Er war in seiner Jugend Stiefelputer ohne jegliche Bildung, wandte sich dann dem Pferdehandel zu und erwarb dadurch seine Millionen.

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[ Eine imponierende Leistung amerikanischer Journa­listik] findet sich in der New York Tribune" vom 4. Fe­bruar, wo unter einem ellenlangen Titel und zahlreichen herzzereißenden Untertiteln folgende grausige Geschichte er­zählt wird: Ein Arbeiter in Lesoeur, der bei einem gewissen Argonvale beschäftigt war, hielt sich Mittwoch in Wheatly auf, wo er sich fürchterlich betrank. In seinem Rausch wet­tete er, daß er eine halbe Pinte Nitroglycerin austrinken werde. Er hat die Wette glänzend gewonnen, fiel aber auf dem Nachhausewege in einen Graben und war bald infolge der furchtbaren Kälte ganz steif gefroren. So fand ihn am nächsten Morgen sein Arbeitgeber, Herr Argonvale. Mit­leidsvoll trug er den Arbeiter in seine nahegelegene Woh­nung, zündete rasch im Herd ein Feuer an und eilte dann fort, um einen Arzt zu holen. Als Argonvale aber zurück­fehrte, fand er zu seinem Entsetzen weder von dem Arbeiter noch von seinem Hause die geringste Spur. Das Sprengöl im Körper des Arbeiters war, wahrscheinlich unter der Ein­wirkung des Herdfeuers, explodiert und hatte alles rings­um vernichtet." Moral: Man lasse sich niemals verleiten, Nitroglycerin zu trinken, schon um seinem Arbeitgeber feina Ungelegenheiten zu bereiten.

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[ König Alfonses Automobil.] Ein ungewöhnlicher Vorgang, der sich in einer der letzten Sizungen des Madrider Stadtrates abspielte, erregt in Spanien großes Aufsehen: Der Bürgermeisteradjunkt erhob bei den Stadtverordneten Beschwerde darüber, daß der König die Geseze mißachte, in­dem er mit dem Kraftwagen weit schneller durch die Straßen jage, als nach dem für den Kraftwagenverkehr erlassenen Reglement gestattet sei. Der König halte es auch nicht für nötig, seinen Wagen mit dem vorgeschriebenen Täfelchen zu bersehen, so daß man nicht einmal wissen könne, ob er die Automobilsteuer bezahlt habe. Die Väter der Stadt nahmen mit tiefernster Miene von diesen Zuwiderhandlungen" ihres Königs Kenntnis und behielten sich weitere Entschlüsse bor. Wenn sie den königlichen Schnellfahrer nur nicht ein­Sperren!

=[ Eine junge Dame, die Laternen ausdreht.] Was sonst als Attribut studentischen Uebermuts gilt, hat in Biele­feld eine fesche, junge Dame fertig gebracht. Dort wurde mehrere Nächte hindurch an einem bestimmten Blaze die Gaslaterne ausgelöscht. Man legte sich auf die Lauer, um den Täter abzufassen. Zum größten Erstaunen der Wächter trippelte mit zierlich tänzelndem Schritt eine holde Maid auf den Platz, erkletterte mit großer Sicherheit den Laternen­pfahl und drohte die Flamme aus. Rauhe Fäuste packten das Jungfräulein, als es von oben herabgerutscht kam, und schleppten es zur Polizeiwache. Kaltlächelnd erklärte dort das Dämchen, ihr mache nun einmal das Laternenausdrehen Spaß!- Jedenfalls ein ganz neuer Beitrag zur Frauen­frage.

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[ Die Schweigsamkeit der japanischen Frauen] muß ungemein groß und zuverläßlich sein. Vizeadmiral Kami­mura stattete vor seiner Abreise von Tokio zum Geschwader einer höheren Töchterschule einen Besuch ab und hielt dort eine Rede, welche die Zeitungen nicht bringen dürfen, bis der Krieg vorbei ist. Die jungen Töchter Japans können stolz darauf sein, welche Verschwiegenheit man ihnen zu­mutet. Bei uns zu Hause sind gerade die Schülerinnen als Plappermäulchen bekannt. Wenn es etwas vor Fremden geheim zu halten gilt, sind allerdings die Japaner ieden Ge­schlechts und Standes zuverlässig.

Moderne Gardinen.

( Von unserer ständigen Korrespondentin.) " In den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen". Mit diesem Empfinden betritt im Monat März so mancher Ghe­gemahl mittags und abends bei der Rückkehr vom Beruf sein Heim. Denn viele Familien ziehen zu Ostern um, und in der alten Wohnung ist infolgedessen schon Wochen vorher alles auf den Kopf gestellt. Es gibt aber auch für die Herrin des Hauses unzählige Dinge zu besorgen und vorzubereiten, die der Mann für Kleinigkeiten, für Nebensächliches hält, und die mehr als kostbare Möbel dem Hause einen behag­lichen Eindruck verleihen.

Lebhaft kreisen in diesen Tagen die Gedanken der Haus­fram um die Gardinen und Vorhänge für Fenster und Türen. Für die Fensterbekleidung hat sich seit wenigen Jahren eine ganz neue Anschauung Bahn gebrochen. Die Umrahmungen sollen so eingerichtet sein, daß sie das Licht so voll als möglich hineinfluten lassen. Dieser Grundsat hat eine gesunde Mode heraufbeschworen, der sich alles nun bewußt oder gedankenlos unterwirft. Darum wird versucht. den alten Vorhängen die moderne Form zu geben. Das berlangt Zeit und bedingt, daß der ungeduldige Gatte länger als bisher kahle Fenster sehen muß.

Im Grunde sind die Ansprüche, welche an die Gardinen gestellt werden, bescheidener als in früheren Zeiten. Ge­schickte Hände können sie selbst fertigen. Wer lange Stores liebt, fauft sich Gardinentüll, stellt daraus ein glattes Store her, das als einziger Schmuck unten ein breites Bolant aus dem Tüll, vielleicht von einer Spize begrenzt, zeigt. Wem es gefät, kann dieses Store auch der Länge nach, also von

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