Ausgabe 
4.11.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Interessant sind die ausgestellten Sandalen, die durch. brochenen Wollstrümpfe, bei denen das Bebenende breit, nicht mehr spit ausläuft, und endlich die mir sehr praktisc erscheinende Schwesterntracht. Emma Reichen

fejervarys zweiter Verfuch.

( Eig. Bericht.)

Budapest, 30. Oktober.

Baron Fejervary läßt sich die Rettung des Staates in Schweiße seines Angesichts angelegen sein. Der alte Hau­degen hat sonst in zehn Jahren seines Lebens nicht soviel gesprochen, wie jegt in einem Monat, und das Reden fällt ihm wirklich sauer. Das hört man ihm an. Mit dem Kom­mandieren ging es weit leichter. Dabei ist es gerade die Kommandosprache, über die er recht unkommandantenhaft sprechen muß. Außerdem hat er zu diplomatisieren, was einem guten General nur selten gelingt, mit halben Worten unzudeuten, Zukunftswinke zu geben, die mit entgegen­tommendem Verständnis aufgenommen, nicht zergliedert und laut erörtert sein wollen. Die Gegner brauchen sich bloß dumm zu stellen, und er ist aus dem Text gebracht. Denn auf Auslegungen fan. er sich nicht einlassen. Er Harf doch nicht mit dürren Worten sagen:" Wartet in Gottes Namen die paar Jahre ab, die Kaiser Franz Josef noch zu leben hat, und dann macht, was ihr wollt; ihr könnt euch sogar schon darauf vorbereiten." Mit leisen Umschreibungen sagt er es. Baron Fejervary versichert nämlich, daß er Magyar sei, Stockmagyar, wie nur einer, daß er Ungarns wirtschaftliche Selbständigkeit und die Magyarisierung aller nichtmagyarischen Bewohner Ungarns, die Magyarisierung der ganzen ungarischen Armee von Herzen wünsche, auch tatsächlich anbahne bloß drängeln solle man nicht und den guten Kaiser Franz Josef nicht ärgern, der einmal ge­toisse Vorurteile habe und sie bei seinen hohen Jahren gut­toillig nicht aufgeben werde. In einer Ansprache an eine Abordnung der Budapester Wähler hat der Ministerpräsi­bent sein Programm entwickelt, das ungefähr das Programm eines Jahrhunderts ist, das aller Welt alles verspricht, ringsherum Blumen ausstreut und mit Lockungen üppigster Art ausgestattet ist, wie der gel mit Stacheln. Die Han­delsverträge freilich, die müsse man annehmen; es ginge nicht anders, denn bis zum 1. März 1906 sei die Zeit zu furz, ein neues wirtschaftliches System zu improvisieren. Die Geltungsdauer der Verträge reiche bis 1917; das sei ausreichende Zeit, den Bau der wirtschaftlichen Selb­Ständigkeit Unoarns zu errichten. Die Forderung der un­

Fräulein Olga Theiss, Kreuzplatz 10

empfiehlt sich zur Anfertigung fürstlicher Gebiffe in Gold und Kautschut, Kronen- und Brückenarbeiten.

Plomben in Gold, Silber, Schmerzloses Zahnziehen.

Kupfer, Zement u. Porzellan

Umarbeitung schlecht fihender Gebisse; Reparaturen äußerst schnell u. billig. Schonendste Behandlung.- Prompte Bedienung. Sprechstunden von 9 bis 6 Uhr.

Billige Preise.

1

-

Casseler Schirm fabrik

2 Th. Budde& Co.

Gießen, Seltersweg 9 iqlo empfehlen ihre bewährten Qualitäten in

Regenschirmen

für Damen, Herren und Kinder

zu bekannt billigen Preisen.

Stets das Neueste!

96 jun& ld mod noglöd der ned( boljud Inmid

Nur 8 Tage gültig! Umsonst

Mit Namen

in Goldschrift

10 Pfg. mehr

erhält jeder, dem unsere Ware bisher noch nicht beannt

ist, ein Probestüc Rasiermesser Nr. 50 mit Etui

2 natürliche Grösse

9111

( 5 Jahre Garantie). Zur Ueberzeugung der Qualität unserer Ware, wer so Pfg. für Porto und Verpackung ein­jendet. Reeller Wert mehr wie doppelt.

GEBRUDER BE

GRAFRA

O

Als Probe versenden wir nur ein Stück. Hauptkatalog, enthält große Auswahl in Herren- und Damen- Uhr- und Halstetten, Broschen, Ringen, Taschenuhren, Regulateure, Wecker, Portemonnais, Pfeifen, Spazierstöcke, Fernrohre, Felbstecher, Schuß- und Stichwaffen, Wagen, Sensen, Reben- und Gartenscheeren, Gärtnermesser, Brod, Schlacht, Gemüse-, Hack- und Wiegemesser, Taschenmesser, Rastrmesser, Tafelmesser und Gabeln, Damen-, Haar- und Schneiderscheeren, Haarmaschinen, Rafirutensilien, Mufit­inftrumente, Schmuck- und Haushaltungs- Gegenstände, Kinderspielwaren und Christbaumschmuck, versenden wir gratis und franto, ohne Kaufzwang.

garijmen sommano0jprade muje man fallen lassen, nicht weil sie zu weit gehe, sondern weil sie in ihrer Bescheidenheit des magyarischen Volkes unwürdig sei. Er, der Minister: präsident Baron Fejervary, trage weit höheres Verlangen. Habe er doch die magyarische Ausbildung der gesamten Mannschaften, auch der nichtmagyarischen, angeordnet. Außerdem habe er die Rückversezung der ungarischen Offi­ziere bereits beginnen lassen. In den Offizier- Unterrichts­anstalten werde der Unterricht meist in ungarischer Sprache erteilt, werden die Prüfungen in ungarischer Sprache ab­gehalten. Ueber die Frage der besonderen Abzeichen werde man in einer Kommission unschwer zur Verständigung kom­men. Ucberdies sei er auf die materielle Wohlfahrt aller derer bedacht, die zum Staat als Beamte in irgendwelcher Beziehung stünden. Er wolle eine Kreditanstalt errichten, die die Schulden aller staatlichen, städtischen und Eisenbahn­beamten zu ,, konvertieren" die Aufgabe haben würde. Man beachte das Wort konvertieren". Es ist reizend in all seiner Unverständlichkeit und unverbindlichkeit. Mag sich jeder darunter denken, was ihm am schönsten scheint. Den Gemeinde- und Kreisnotaren verspricht Fejervarys Pro­gramm eine besondere Verbesserung ihrer materiellen Lage, den Städten eine so fräftige Unterstüßung, daß sie an eine Herabsetzung der Kommunalsteuern gehen können. Der Bauer geht natürlich auch nicht leer aus. Ihm verheißt das Programm großangelegte Parzellierungen und langfristige Domänenverpachtung. Der Sozialdemokratie endlich wird das allgemeine und gleiche Wahlrecht in den Schoß geworfen. So hat Herr Baron Fejervary gleich dem Mädchen aus der Fremde jedem eine Gabe ausgeteilt, dem Früchte, jenem Blumen, und jeder ist beschenkt nach Haus gegangen. Und doch ist, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, jedermann unzufrieden. Man traut ihm nicht, man glaubt ihm fein Wort, gerade weil er allzuviel versprochen hat. Seine Ver­sprechungen schweben in der Luft, ihre Erfüllung hängt nicht von ihm ab, sondern von Umständen, deren er nicht Herr ist, deren Herr zu werden er auch nicht das Geschick hat. Zunächst hat er kaum Aussicht, mit der oppositionellen Koalition überhaupt nur zu einer Verhandlung zu kommen. Die Opposition wird mit ihm nicht paftieren wollen, und dann bleibt ihm einzig der Versuch eines Appells an die Wählerschaft. Die Neuwahlen aber finden auf Grund des alten Wahlgesezes, nicht auf Grund des im Fejervaryschen Programm verheißenen Wahlrechts statt, und das alte Wahlgesetz wird eine Sprengung der Koalition kaum zu lassen. Dann bleibt eben alles, wie es vorher war. Fejer­pary kann ein viertes Mal demissionieren und ein fünftes Mal an die iße der ratlosen Regierung berufen werden, worauf fich boriae Spiel miederholen fann:

stmolit

-

Vermischtes.

Eine rachsüchtige Ehefrau. Ein Maschinist aus Paris erhielt, während er in Rennes arbeitete, von seiner Ehefrau die Aufforderung, sich sofort das Leben zu nehmen, widrigen falls sie ihn ins Zuchthaus bringen werde, da ihr ein Ver gehen des Mannes bekannt war. Die Frau hatte schon Trauerkleider angelegt und Anzeigen vom Tode des Man nes verschickt, als dieser wieder in Paris eintraf. Die rach süchtige Frau bewirkte tatsächlich die Verhaftung ihres Man nes. Es stellte sich indessen heraus, daß das Vergehen des Mannes nur ein leichtes gewesen war und er mit einigen Monaten Haft davonkommen wird.

Eigenhändige Bestellung bei Postsendungen. Im Postverkehr kommt es sehr häufig vor, daß auf Briefen und Postkarten vom Absender der Vermerk., Eigenhändig" angebracht wird, weil man glaubt, daß nun die Sendung gar keinem anderen als nur dem Adressaten ausgehändigt werden dürfe. Das ist aber ein Irrtum. Gewiß werden die Briefbesteller einem solchermaßen ausgesprochenen Wunsche, wenn es sich machen läßt, gern entsprechen, aber berpflichtet dazu sind sie nicht. Ander ist es dagegen bei Einschreibsendungen, Sendungen mit Mertangabe und Bostanweisungen. Hier erfolgt die liche Abgabe auch dann, wenn der Vermerk Eigenhändig fehlt.

-

Vivisektion an Menschen. In Amerika ist aus Uni versitätskreisen der Vorschlag gemacht worden, zum Tode verurteilten Verbrechern solle die Wahl gelassen werden, ob sie hingerichtet oder als Versuchsobjekte für vivisektio. ni e Operationen verwendet werden wollen. Falls sie die ersuche überstehen, sollen sie die Freiheit erhalten. Der in Chicago zum Tode verurteilte Briggs erklärte sich un­bedingt für den Tod am Galgen, da die Aussichten, wenn er den Vivisektoren ausgeliefert werde, hoffnungslos seien. John Müller war bereit, sich der Vivisektion zu unterwerfen, weil das, wie er meinte, den Scharfrichter ärgern würde. Ein dritter jedoch will sich aus Gründen der Humanität vivisezieren lassen. Das ist Johann Hoch, der bekannte amerikanische Blaubart, der eine noch nicht genau fest­gestellte Anzahl Frauen nacheinander geheiratet und um gebracht hat. Hoch erklärte gefühlvoll, das Leben habe doch feinen Wert für ihn, wenn von allen Seiten mit Fingern auf ihn gewiesen werde. Trotzdem bemüht er sich durch seinen Rechtsanwalt in geradezu verzweifelter Weise, einen Aufschub oder gar die Aufhebung seines Todesurteils zu erlangen, cui on

De Thompson's Seifenpulver

ist

Marke Schwan

das beste. beste. pe

Zu haben in allen besseren Geschäften.ong

Alle Sorten

Unerreicht Gemüse

in

Eleganz, Dauerhaftigkeit, Güte und Billigkeit

sind die

Nähmaschinen

von

Joh. Fr. Schaaf,

Giessen, Wetzsteinstrasse 44.

-Magerkeit

Schöne, volle Körperformen durch unser orientalisches Kraftpulver,

preisgekrönt gold. Medaillen, Paris 1900, Hamburg 1901, Berlin 1903, in 6-8 Wochen bis 30 Pid. Zu­nahme, garant. unschädl. Aerztl. empf. Streng reell, kein Schwindel. Viele Dankschreib. Preis Kart. m. Gebrauchsanw. 2 Mk. Postanw. oder Nachn. exkl. Porto.

Hygienisches Institut D. Franz Steiner& Co.

Versandhaus Gebrüder Bell, Gräfrath bei Solingen, Berlin 365, Königgrätzerstr. 78.

Stahlwarenfabrik. Gegründet 1876.

ΣΟΣΟΣ ΚΟΣΤΟΣ

Meiner werten Kundschaft, einem verehrlichen hiesigen und auswärtigem Publikum die ergebene Mitteilung, dass mein Geschäft unter Nr. 575 an das Telephonnetz an­geschlossen worden ist. Gleichzeitig empfehle ich mich in allen in mein Fach einschlagenden Arbeiten und Reparaturen.

Spezialität: Einrahmen von Bildern, gerahmte und ungerahmte Bilder

in jeder Ausführung und Preislage.

Hochachtungsvoll

9000 Schmitt Inh.: Willy Schmitt.

Glasermeister.

Glessen, Kanzleiberg 7, am Brand, vis à vis vom alten Schloss.

Ankauf

-

bon

Verkauf

stets frisch, sowie gute Speisekartoffel

billigst zu haben bei

Frau Hammel

Gießen, Gr. Mühlgaffe 6-8.

Dankbarkeit

awingt mich, gern und unent. geltlich Hals-, Bruit- und Lungenleidenden teglicher Art mitzuteilen, wie ich durch ein einfaches, billiges u. erfolg. retches Naturprodukt DOR meinem qualpollen Belben be freit worden btn. Behrer Baumgartl in Rrammel bet Ausftg( Elbe).

Alteisen, Lumpen, Knochen, Kupfer, Messing, Blel, Zink, Zinn etc., Möbeln, Betten, Weißzeug, Gold: Strickmaschinen und Silbersachen, Münzen und Antiquitäten.

Louis Rothenberger Gießen, Neuenweg 22.

sind das beste Erwerbsmittel. Auch auf Teilzahlung. Illustrierter Brachtfatalog geg. 30 Bfg. Briefm. V. Kirsch, Döbeln.

Lahnkalk- u. Marmor- Industrie

August Gabriel Jr. Giessen,

Kalkwerke: Abendstern.

Telefon 84.

Feinste Bau- und Düngekalke in Stücken und gemahlen.

Prima Hartbrand- Ziegelsteine D. N. F.

Wilhelm Dürbeck, Giessen

Laden u. Bureau Neuenweg.

Lager: Krofdorferstrasse 15 Spezial- Geschäft der Oefen- und Herd- Industrie

empfiehlt sloh zur Uebernahme der

Heiz- und Koch Einrichtung ganzer Gebäude sowohl * wie zur Lieferung einzelner Oefen und Herde. Ich unterhalte grosses Lager moderner Oefen für Wohnräume, Säle pp. sowie Landöfen und Landherde für Oekonomiebetrieb.

Wasche mit

LUHNS

Luhns

Giebt schönsteWäsche

Nurecht MIT ROTBAND

Rübenschneider,

Brockelmühlen

Jauchenpumpen empfiehlt billigst

Futterschneidmaschinen,

Jakob Häuser,

Eisenhandlung.

Neustadt 56 Gießen Neustadt 56.

S

terbekasse

Mitglieder

für

des

Landesgewerbe­

vereins zu Darm­

stadt.

Bis jetzt sind an die Hinter­bliebenen verstorbener Mit­glieder 54740 M. bezahlt. Vermögen 50000 Mt. Billigste Prämien.

Alle Ueberschüsse den Mitgliedern.

Aufnahmen jederzeit.

Lokomobilen

1 ftat. Lanz'sche, 1899 geb., 70 A. 14 qm fl., 18-35 PS.,

1 fahrbare, 2-3 PS. unter Garantie billig abzugeben. Karl Haardt, Dillenburg.

Joh. Seibel. Giessen, Ludwigsplatz

empfiehlt seine nur prima Colonialwaren

zu den

billigsten Preisen.

UNTER UNS

Warum lügen viele Kinder?

Junge fo rajd mit einer unwahrheiter Freund

Sie können nicht verstehen,

feben dieser häßlichen Eige

Aus den

erhielt sich noch lange die Sitte der fich einen Hofpoeten und einen Erzähler Gin Ginidräferungsmittel im alten Irland.

reichen 3rländer

Beiten der

Neben dem lag ihm die Verpflichtung ob, durch 81 halten. Das Amt des Poeten bestand darin, daß er die glorreichen Eaten der Vorfahren in Verse bringen, sie an Festtagen abjingen und damit die Gesellschaft erheitern allerlei Geschichten und Märchen die Langeweile und Melan­

milie 31 her.

Nr. 259.

Samstag, den 4. November.

sische

Familienz

1905.