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4.2.1905 Erstes Blatt
 
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Hof und Gesellschaft.

*** Prinz Eitel Friedrich befindet sich nach ärzt­licher Feststellung außer Gefahr. Die Krankheitsberichte er­scheinen von jetzt ab nur alle zwei Tage. Der Kaiser hat bereits wieder das Opernhaus besucht. Es ist bereits von einer Nachkur des Prinzen im Süden die Rede. Auch der Kaiser und die Kaiserin werden möglicherweise sich eine Zeit­lang dorthin begeben; namentlich die Kaiserin bedarf nach den Anstrengungen der letzten Wochen der Erholung.

Deutfcher Reichstag.

( 132. Sitzung.)

CB Berlin, 3. Februar. Die heute fortgesetzte Beratung der zum Etat des Reichs­amts des Innern eingebrachten Resolutionen, betreffend die Lage der Bergarbeiter, ließ die überwiegend arbeiterfreund­liche Stimmung des Reichstags wieder mit aller Klarheit zutage treten. Nur die beiden konservativen Parteien nahmen einen völlig ablehnenden Standpunkt ein. Freiherr v. Richthofen erklärte namens der Deutschkonservativen, wenn die Gewerbeordnung überhaupt geändert werde, müßte vor allem der Schutz der Arbeitswilligen verstärkt werden, und die Reichspartei ließ durch Herrn v. Tiedemann die Er­klärung abgeben, daß sie sich an der Diskussion nicht beteiligen werde, nachdem die preußische Regierung bereits die Initia­tive zur Aenderung des Berggefeßes ergriffen habe. Alle anderen Redner stellten die Reformbedürftigkeit der be­stehenden Verhältnisse in den Vordergrund ihrer Erwägun­gen. Besonders bemerkenswert war dabei die Rede des Zentrumsführers Dr. Spahn, der einerseits an die Sozial­demokratie einen Appell richtete, endlich ihr Mißtrauen gegen seine Partei fallen zu lassen, andererseits die Regierung scharf angriff. Sie sei schuld an dem Ausstand, weil sie die seit Jahren im Reichstage gegebenen Anregungen, für die Bergarbeiter etwas zu tun, feine Beachtung geschenkt habe. Sie entfalte aber auch jetzt noch nicht die nötige Energie. Der Hebel könne in Preußen oder im Reiche angesetzt wer­den; habe sich die Regierung für das erstere entschieden, so müsse aber auch schnelle Arbeit gemacht werden. Man brauche nicht viele Wochen zur Vorbereitung, die Regierung habe in anderen Fällen gezeigt, daß Gesetzentwürfe, wenn es ihr notwendig erscheine, in wenigen Tagen fertig gestellt werden könnten. Eine Ausführung des nationalliberalen Abg. Freiherr Heyl zu Hernsheim gab dem Staatssekretär Grafen Posadowsky Veranlassung, energisch seine Ansicht zu ver fechten, daß die Haltung der Streikenden Anerkennung verdiene. Die Nachrichten über Ausschreitungen hätten durch die polizeilichen Untersuchungen fast durchweg Bestätigung nicht gefunden. Er müsse bei seiner Ansicht bleiben, daß, so lange die Masse der Streifenden sich ruhig und besonnen ver­halte, es besser sei, wenn die Arbeiter selber die Ordnung aufrecht erhielten, als daß die Erekution zum Einschreiten veranlaßt werde. Geschehe das, so müsse mit aller Energie vorgegangen werden, und dann könne es leicht vorkommen, daß nicht die Schuldigen, sondern Unschuldige zu leiden hätten.

Preufsifcher Landtag.

Haus der Abgeordneten.

( 131. Sigung.) RK Berlin, 3. Februar. Ein volles Haus ein wirklich glänzend besettes Haus und ausverkaufte" Tribünen, welch ungewohnter Anblick in diesem Hause! Und alle, die gekommen waren, um der Eröffnung der großen Kanaldebatte beizuwohnen, sahen sich in ihrer Hoffnung auf einen großen Eindruck nicht δα getäuscht. Ein flarer, temperamentvoller, hier und launiger Vortrag des Zentrumsabgeordneten Dr. am 3ehnhoff leitete die Debatte würdig ein. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte das Haus dem Bericht, der im Namen der Kommission die Vorlage zur Annahme empfahl. Dem humorvollen Kölner Justizrat folgte der Minister der öffent­lichen Arbeiten v. Budde, um nun auch seinerseits ernsthafter, aber nicht weniger warm für die Vorlage ein­zutreten. Diese sei ein wirtschaftliches Ganzes, aus dem inan nicht einzelne Stücke herausreißen dürfe. Das staat­liche Schleppmonopol müsse man unter allen Unt­ständen einem Privatmonopol vorziehen, das sonst drohe. Auch die Schiffahrtsabgaben auf den Strömen seien durchaus gerechtfertigt und lägen im Interesse der Schiffahrt selbst, weil man mit ihnen mehr für die Regulie­rung der Ströme werde tun können. Der laute Beifall und die Bewegung, die der Nede des Ministers folgten, wichen bald lautloser Stille, als der greise Graf Limburg­Stirum das Wort ergriff, um im Namen der Mehrheit der konservativen Partei gegen die Vorlage zu sprechen. Ein beträchtlicher Teil der Partei aber, das gab er selbst zu, wird für den Kanal stimmen. Nun folgte immer ein Redner für und einer gegen die Vorlage, während die Auf­merksamkeit des Hauses mertlich nachließ. Während das Zentrum, für das Abgeordneter Herold sprach, mit wenigen Ausnahmen die Vorlage annehmen will, fonnte Dr. Arendt für einen beträchtlichen Teil der Freikonservativen gegen den Kanal sprachen. Aufmerk­jamere Hörer fand Dr. Friedberg, der die Bereitwil­ligkeit der Nationalliberalen verkündete, die Vorlage anzu­nehmen, so, wie sie aus der Kommission herausgekommen ist. Vor allen Dingen dürfe man aber die Vorschriften über das Schleppmonopol und die Schiffahrtsabgabe nicht noch verschärfen. Dem Abg. Dr. Wiemer, der zum Schluß für die freisinnige Volkspartei sprach, Ledeutete die Hin einziehung des Monopols und vor allem der Stromabga­ben in die Vorlage bereits eine solche Verschlechterung, daß er trotz sonstiger Kanalfreundschaft nur bei Aenderung der Kommissionsfassung nach dieser Richtung für die Vorlage stimmen zu können erklärte. Morgen geht die Debatte weiter.

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Nah und Fern.

Außergewöhnliche Kälte in Amerika. Wie aus New­hort gemeldet wird, herrscht in den westlichen Staaten der Union ganz ungewöhnliche Kälte, in einigen Fällen die größte bisher bekannte. Sie hemmt den Eisenbahnverkehr und ver­zögert die telegraphische Verbindung. Die Temperaturen find gesunken in Montana bis auf 46 Grad unter Null, in Norddakota bis auf 42, in Süddakota bis auf 45, in Ne­braska bis auf 35, in Wisconsin auf 30, Jowa und Minne­fota auf 24, in Illinois und Missouri auf 19.

* Gefahrvolle Eifersucht eines Hundes. Eine aufregende Szene ereignete sich in Ludwigsluft. Das vierjährige

Töchterchen eines dortigen Herrn, der einen schönen Neu­fundländer besaß, wurde von dem Hunde aus Eifersucht ge­fährlich gebissen. Das Kind sollte ins Bett gebracht werden und wollte den Vater gute Nacht sagen, wobei der Vater sein Töchterlein füßte; plötzlich stürzte sich der Hund wütend auf das Kind und biß es ins Gesicht. Der sofort hinzu­Jezogene Arzt mußte die Wunde nähen. Der Hund wurde sofort erschossen.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Doppelmord vnd doppeltes Todesurteil. Der mysteriöst Doppelmord in Kotsch bei Prag hatte nach dreitägiger Ver handlung vor dem Prager Schwurgericht die Verhängung eines zweifachen Todesurteils zur Folge. Die Angeklagten hatten im April 1902 die 19 Jahre alte Mathilde Handles aus Kapsdorf im Zipser Komitat und ihren Geliebten nach, einander ermordet und des von ihnen zur Auswanderung nach Amerika ersparten Geldes beraubt. Die Geschworenen bejahten die auf Raubmord lautenden Hauptfragen bezüg lich des Alois und der Ludmilla Valesch und die Hauptfrage auf entfernte Mitschuld beim Raubmorde bezüglich der Stieftochter des Alois Valesch, der Franziska Jellinek. Der Gerichtshof verurteilte den Alois und die Ludmilla Valesch zum Tode und die Franziska Jellinek zu sieben Jahren schweren Kerker. In der Urteilsfällung heißt es, daß, falls das Todesurteil bestätigt werden sollte, dieses erst an Lud­milla Valesch und dann erst an Alois Valesch vollzogen wer­den soll. Wie es heißt, werden die beiden Verurteilten der kaiserlichen Gnade nicht empfohlen werden.

In unlerer gröfsten Koblengrube.

Beuthen, 3. Februar.

Nach dem letzten amtlichen Ausweise ist an der Tatsache nicht zu zweifeln, daß die Bewegung im Ruhrkohlengebiet nach Oberschlesien eingedrungen ist. Vorläufig beschränkt sich der Ausstand auf die fiskalischen Gruben, vor allem die große Luise Grube. Dort waren von der heutigen Früh­schicht nur 332 Mann angefahren, während 2574 ausge­blieben sind. Die Königin Luise- Grube beschäftigte im ver­gangenen Jahr durchschnittlich 8380 Arbeiter, von denen über 6000 Mann die unterirdische Belegschaft ausmachen, während der Rest über Tage, in der Separation, der Koh­lenverladung, in den Maschinenhäusern und Heizanlagen Verwendung findet.

Die Königin Luise- Grube ist die größte Grube des Kon­tinents. Das kommt daher, daß ihre Grenzen vor Erlaß des Bergwerksgefeßes festgelegt sind, so daß sie in ihrer Ausdehnung nicht beschränkt war, wie die neueren Gruben. Nach dem Berggeset wird das Bergregal nur auf eine Größe bon 1 189 000 Quadratmeter erteilt, die Königin Luise­Grube hat aber eine Ausdehnung von 19 598 664 Quadrat­meter. Ihre Baue, die sich unter den Ortschaften Zabrze, Klein- Zabzre, Rodenhütte, Dorotheendorf, Zaborze mit Za­borze Kolonie, Poremba, Dorf Zaborze und Kolonie Glück­auf hinziehen, reichen im Osten bis an die gräflich Balle­stremschen Gruben in Ruda und Ruda- Poremba, grenzen im Norden an Biskupi und die Gruben des Borsigwerkes. Im Westen stoßen die Felder an die Konkordiagrube und Ludwigglückgrube und im Süden endlich ebenfalls an den fisskalischen Besitz des Steinkohlenbergwerks Bielschowitz, dem das Südfeld, die Guidogrube, zugeteilt ist. Hier waren heute früh 544 Mann eingefahren und 595 ausständig. Unter Tage steht die Königin Luise- Grube aber auch mit diesem durch eine sumpfige Strecke nach dem Ostfelde in Verbin­dung. Freilich ist nicht das ganze Gebiet mehr durch den Fiskus in Bau. Das sogenannte Königin Luise- Grube­pachtfeld im Osten unter Poremba war seit langem ber= pachtet und es wurden hier die hängenden Flöze, die die Königin Luise- Grube nicht abbaut, durch eine Gesellschaft ausgebeutet.

Groß genug bleibt die unterirdische Stadt mit ihren zahlreichen Bauten und Kanälen zum Abzug des Wassers immer noch. Stundenlang tann man wandern, und dürste wohl kaum in zwei Tagen alle die Vunfte besucht haben, an denen die bei jeder Schicht rund 3000 Mann starke Beleg­schaft ihrer Arbeit obliegt. Um 5 Uhr morgens fahren die Leute an, während gleichzeitig die Belegschaft der Nachtschicht ausfährt. Von 3 Uhr können die Leute wieder ausfahren, es ruht dann der Betrieb bis 7 Uhr abends, wo wieder die Seil­fahrt für die zweite Schicht beginut. Zwei Berginspektoren leiten unter einem Direktor mit je zwei Obersteigern und mehreren Fahrsteigern den etrieb. Einige Kilometer est­nordöstlich von den rauchenden Schloten des Weſtfeldes liegt das Außenwerk Georgschacht. In der oberen Sole dieses Schachtes gelangt man nach kurzer bequemer Wanderung durch eine eiserne Pforte in das Gebiet des Ostfeldes und nach etwa einer weiteren halben Stunde unter den Herr­mannschacht, das Außenwerk des Ostfeldes, das früher ledig­lich wie der Georgschacht dem Holzhängen diente, jetzt aber ebenfalls zur Förderung eingerichtet ist. Hier war es, wo der Ausstand begann. Am Montagvormittag 11 Uhr ver­weigerten gegen 100 Arbeiter unter Stellung ähnlicher For­derungen wie in Westfalen ihrem herbeigeeilten Berginspek­for den Gehorsam und verlangten die Ausfahrt. Nach einer weiteren längeren Wanderung auf der 360 Meter- Sole, wo man die Förderung aus den höheren Flözen auf dem steilen Bremsberg herunterrollen sieht, erreicht man bald den Schacht Poremba III und kann nach stundenlanger Fahrt durch die südlich von ihm liegenden Baue auf die 340 Meter­Sole gelangen und durch einen der anderen Porembaschächte auf die jüngere Ostfeldanlage gelangen, auf der vor nun­mehr 15 Jahren der letzte Streif ausbrach, ebenfalls nicht lange nach dem des westlichen Industriebezirks.

Die Schächte des Ostfeldes haben eine Tiefe von 350 bis 385 Meter, die Schächte des Westfeldes eine solche von un­gefähr 250 Meter, die Temperaturverhältnisse sind außer. ordentlich günstig; die Luftwärme an den Arbeitsstätten be­trägt im allgemeinen+16 bis+18 Grad C. Nur aus­nahmsweise kommen etwas wärmere Stellen vor. Ebenso wird in ausreichender Weise für gute Luftverhältnisse durch Zuführung frischer Luft, die sogenannte Bewetterung, ge scrgt, die durch genaue polizeiliche Vorschriften geregelt wird. Für die Kontrolle sorgen ständige Untersuchungen. Jeden­falls ist die Luft in der Luise- Grube meist besser, jedenfalls nicht schlechter, als in vielen Fabriken. Es werden immer zwei Kubikmeter Luft in der Minute auf den Kopf der größten unterirdischen Belegschaft gerechnet. Die unter Tage befindlichen Pferde werden dabei mit eingerechnet und zwar für jedes Pferd das Luftquantum für vier Mann. Die Ar. beit der Häuer selbst erfordert nicht eine so große physische Kraftanstrengung wie in anderen Kohlenzentren, da die oberschlesische Kohle härter ist und daher hauptsächlich ge. sprengt und weniger gehackt wird.

Zur Vermählung des Grossberzogs.

Auf der Fahrt nach Romrod hatte das Groß. herzogliche Baar am Donnerstag- Abend auf dem Bahn­hof Gießen, der festlich geschmückt war, einen kurzen Aufenthalt. is der Sonderzug einlief, brach das zahlreich versammelte Publikum in donnernde Hochrufe aus, für die das hohe Paar huldvollst dankte. Als Vertreter der Stadt Gießen war Obergürgermeister Mecum nebst Gemahlin sowie die Beigeordneten Georgi und Kommerzienrat Heyligenstaedt erschienen, um den hohen Neuvermählten die Glückwünsche darzubringen. Ohne weitere Förmlichkeiten nahmen Groß­herzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore die Bes grüßung entgegen. Während der Großherzog den Berron betrat und den Herren die Hand bot, überreichte Frau Ober­bürgermeister Mecum der Großherzogin ein prächtiges Blumen- Arrangement. Später bestieg auch Oberbürgermeister den Salonwagen, um der Großherzogin die Glückwünsche darzubringen. Das hohe Paar beauftragte den Oberbürger­meister, der Stadt Gießen den Dank für den freundlichen Empfang zu übermitteln. Bald darrauf rollte der Zug zur Halle hinaus, um das hohe Paar nach Schloß Romrod zu führen, wo es einen 14tägigen Aufenthalt zu nehmen es gedenkt. Die Begrüßung auf dem Gießener Bahnhof hatte nur wenige Minuten in Anspruch genommen.

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nommen.

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Ueber die Ankunft des Großherzoglichen Paares in Romrod schreibt die Alsf. Oberh. 8tg.": Zell, 3. Februar. Großherzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore sind gestern Abend 1/27 Uhr unter dem Jubel der Bevölkerung hier eingetroffen und wurden am Bahnhof offiziell empfangen von Kreisrat Dr. Melior. Jm Fürstenzimmer überreichte das Töchterchen des Herrn Lehrer Fint ein prächtiges Blumen- Bouquet, vor dem Bahnhofsgebäude hatten der Kriegerverein sowie die Schuljugend mit Fackeln und Lampions Aufstellung ge­Unter den Hochrufen der Menge bestiegen die Allerhöchsten Herrschaften das bereitstehende prächtig ge schmückte Automobil und fuhren nach Romrod. Romrod, 3. Februar. Das Großherzogliche Baar hielt heute seinen Einzug in unser in reizendem Festschmuck prangendes Städtchen. Bereits an dem ein gutes Stück auf dem Wege nach Bell hinausliegenden Posta gebäude wurden die Allerhöchsten Herrschaften durch die Tochter des Postverwalters Schiermann zu Romrod unter Ueberreichung eines Blumen- Bouquets begrüßt. An der Ehrenpforte am Nordausgange des Städtchens hielt das Großherzogliche Automobil. Hier hatten die Vertreter der Stadt sowie der größte Teil der Bevölkerung, die auch von auswärts starten Zuzug erfahren hatte, Aufstellung genommen. Bürgermeister Schmidt richtete namens der Stadt Romrod herzliche Worte des Willkommens an das Großherzogliche Baar. Groß sei die Freude in der Bevölkerung, daß Ihre Königl. Hoheiten an diesem Freudentage Schloß Romrod aufgesucht, und er hoffe, daß sie recht oft hier verweilen und daß es ihnen stets gefallen möge. Der Landesfürst dankte in seinem und seiner hohen Gemahlin Namen in leutseligfter Weise für die Huidigung, dabei erwähnend, daß es weder das erste noch hoffentlich das letzte Mal sei, daß sein Weg ihn in das freundliche Romrod führe. Die Menge brach in begeisterte Hochrufe aus und das Automobil fuhr langsam durch das glänzende Spalier, das der Kriegerverein und die Zöglinge der hiesigen Schule bildeten. Die Ankunft des Fürstenpaares wurde durch Feuerwerkssignale und Glockengeläute angekündigt, das Großh. Schloß erstrahlte in farbigem bengalischem Licht, über dem Eingang war das Monogramm der Namen des hohen Paares in großen Lettern sichtbar. Fast alle Häuser hatten illuminiert, vor den Fenstern erglänzten bunte Lichterreihen. Die Haupt­ausgänge des Städtchens schmücken Ehrenpforten, Tannen­grün ziert die Straßen.

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Ein

Prälat D. Walz sagte u. A. in seiner Tranrede, der er den Psalm 121 zu Grunde gelegt hatte: Bilgerpsalm am Hochzeitstage!- ursprünglich das Lied eines in die Ferne Zehenden, aber längst in seiner Be­deutung erkannt für alle die, denen das Leben die Reise ist nach dem gottgegebenen ewigen Biel. Darum auch der Psalm eines Brautpaares, welches empfindet, daß nun auf dem gemeinsamen Wege erst die volle Lebensreise beginnt. Dies entspricht ganz Eurer Gesinnung! Gott hat Euch auf die Höhe gestellt. Soviele Augen schauen auf Euch, so­viele Herzen schlagen warm für das geliebte Hohe Fürsten­paar. Hat das treue Hessenvolt mitgetrauert in schwerem Leid, so teilt es nun von ganzem Herzen Eure Freude. Es ist das tiefe Bedürfnis des Volfes, in den Hochstgestellten seine Führer und Leiter zu sehen. Es ist das hohe Vorrecht und die edle Aufgabe des Fürstenhauses, für viele Tausende das weithin leuchtende Vorbild zu sein. Wie aber könnte dies geschehen, ohne den Beistand von oben? Wo christliche Ehegatten ihre Augen aufwärts richten, da steht unsichtbar, aber wesenhaft der Herr Jesus in der Mitte. Sein Gebot: ,, Liebet Euch, gleich wie Ich Euch geliebt habe!" wird ihnen Regel, Richtpunkt und Rompaß zugleich. Unmöglich fönnen sie strauchein und fallen, wenn sie Ihn bei sich haben. In solcher Zuversicht wandelt es sich gut zu zweien. Beide durch ernste Lebensführungen gereift, habt ihr bereits felbft die Erfahrung gemacht, die der Psalmist rühmt: Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tags die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts." Aber in dem Eheleben wird man sich dessen täglich neu zu versichern haben. Darum hebt die Augen auf zu den Bergen, von denen uns Hilfe tommt. Von dorther wintt leuchtend das Ziel: fromme Gatten, in Gott vereint, sollen sich so ganz finden und haben, daß sie einander für immer befizen und seibst der Tod sie nicht völlig scheidet! In dies neue Leben innigster Gemeinschaft tretet Ihr nun ein und scheidet damit von der Zeit des Alleinseins. Darum tommt aus tiefbewegtem Herzen dieser aller, die Euch lieben, die Für bitte: Der Herr behüte dich vor allem Uebel; Er behüte

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