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4.2.1905 Erstes Blatt
 
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deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang. Aber nicht umsonst schließt der Psalm:" Von nun an bis in Ewigkeit", denn zuletzt soll doch alles führen zu dem Ein­gang dorthin, wo wir ewig wünschen zu sein."

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** Zu der Fest tafel in Darmstadt waren außer den bereits gestern von uns nahmhaft gemachten Gästen u. a. auch geladen: Der Provinzialrat Geheimrat Dr. Breidert Gießen, Reftor Dr. Vossius Gießen und Forstmeister Dieffenbach Lich, die auch Teil nahmen.

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Die Feßvorstellung im Gießener Stadttheater. GH. Tannendust und Lichtfülle, grüne Girlander, die oben an den Brüstungen der Logen in hübscher Linien­führung entlang sich schlingen, herabfallen und von Pfeiler zu Pfeiler springend, alle Räume durchwinden, eine festlich gestimmte Menge und flotte Musilweisen, die in diese Stimmung hineinrauschten, das war die Signatur des geftrigen Abends, mit dem die Stadt Gießen ihrer Freude über die Ber­mählung des Großherzoglichen Paares Ausdruck gab. Schon lange vor Eröffaung der Feierlichkeit hielt das Bublifum das Haus dicht beszt und immer strömten noch Teilnehmer herzu. Da braufte es plöglich vom Dechester auf, das die Kapelle unserer 116er unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten Krauße auf das vorzüglichste besetzt hatte, und in freien mächtigen Passagen rauschte die Webersche Jubel­Duverture durch den Saal. Gleich darauf hob sich der Borhang, auf der Bühne stand Frl. Rottmann und trug den schwungvoll von Alfred Bock gedichteten Feftprolog vor. Hinter ihr zerriß die Wand und wie mit Zauberschlage er schien ein Obelisk, in dem das Bildnis der hohen Neu­vermählten in Medaillenform eingelassen war. Huldigend vor dem Bilde aber standen die troßigen Geschlechter, die Anna von Hessen einst den Gehorsam auffagten. Die ganze Gruppe machte einen tiefen Eindruck. Das Hoch auf das hohe Paar, das donnernden Widerhall fand, brachte Ober­bürgermeister Mecum aus. Dann hob sich der Vorhang abermals und das Birthsse tragische Spiel Anna von Hessen", das als Festaufführung ausersehen war, ging zum zweiten Male über die Gießener Bühne. Die Darstellung, Einzel­wie Zusammenspiel, war von geradezu hinreißender Wirkung und das Publikum zollte deshalb seine rückhaltsloseste An­erkennung. Naturgemäß standen Frl. Rottmann und Herr Lüttichann durch ihr objektives, fein durchdachtes Spiel wieder im Vordergrunde, sodaß das Haus ihnen seinen Dank durch Kranzspenden noch besonders bekundete. Die Zwischenpausen wurden durch Musitpiecen auf das Angenehmste ausgefüllt. Gegen 11 Uhr fand die in allen Punften so würdig ver­loufene Feier ihr Ende.

Lokales.

4. Februar 1905.

s Ziehung.( Privattelegramm.) Bei der heutigen Biehung der 3. Klasse der 5. Hess.- Thür. Staatslotterie wurde die Prämie von 75 000 Mt. zusammen mit dem Gewinn von 10 000 Mt. auf Los Nr. 59 569( Dessau) ge­30gen; ferner find 2 Gewinne à 1000 Mt. auf die Nr. 13 991 und 27 097 gefallen.

r Grünberg, 2. Febr. Herr Linker von der Firma Stammler hier, feierte heute sein 25jähriges Jubiläum bei der Firma. Der Chef überreichte dem Jubilar als Andenken eine goldne Uhr. Der Schüßen­brrein 2 prachtvolle Gemälde. Das eine das Abend­

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urteilt. Auch hierbei blieb es.

mahl in einer Dorfkirche der Schwalmgegend, das durch das Schöffengericht zu 12 Tagen Gefängnis ver­andere einen Hochzeitsschmaus darstellend Beide ge­malt von einem alten Bekannten vom Wirberg. Am Abend fand im Englischen Hof" ein musikalischer Bier­abend statt. Viele Gratulationen aus dem großen Be­kanntenkreise des Jubilars gingen ein.

)( Klein- Linden, 3. Februar. Der Kriegerverein hatte dem Großherzog zur Vermählung ein Glückwunsch­Telegramm gesandt, auf welches gestern Abend folgende telegraphische Antwort eintraf:

Allen Mitgliedern herzlichen Dank für Glückwünsche. Ernst Ludwig und Eleonore. Heuchelheim. Der junge Mensch, welcher sich vor wenigen Tagen bei Klein- Linden vom Eisenbahnzug über­fahren ließ, ist von hier. Er war bei dem Schuhmacher G. in Gießen noch in der Lehre. Am letzten Montag früh entfernte er sich aus der Wohnung seines Lehrmeisters und trieb sich, ehe er den verhängnisvollen Schritt tat, in der Gemarkung umber.

Aus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

Gießen, den 3. Februar 1905. Das Urteil in der am letzten Samstag verhandelten Sache gegen die Fruchthändler Nathan und Moses Rot­schild von Friedberg wegen Steuerhinterziehung lautete auf eine Geldstrafe von insgesamt 3392 Mt. gegen den ersteren und gegen den letteren auf eine solche von 3968 Mt.

Die Handelsleute Gustav und Julius Meyer von Gambach haben im verflossenen Sommer ein frantes Kalb geschlachtet und das Fleisch an den Megger Samuel Schiff nach Offenbach geschickt. Im Schlachthaus zu Offen­bach, wo das Fleisch untersucht wurde, stellte es sich heraus, daß das Tier mit mehreren Krankheiten behaftet gewesen sein muß, da die Körpermuskulatur allgemein entzündet und das Fleisch gesundheitsschädlich war, sodaß es der Wasenmeisterei überwiesen werden mußte. Mit Rücksicht auf die Gefähr­lichkeit eines derartigen Treibens erkannte das Gericht gegen jeden der Angeklagten auf 8 Monate Gefängnis nebst 5 Jahren Ehrverluft; sowie Veröffentlichung des Urteils im Friedberger Kreisblatt und Frankfurter Generalanzeiger. Wegen der Höhe der Strafe wurde Haftbefehl erlassen und die Verurteilten in Haft abgeführt. Gegen den Lumpen­sammler Wilhelm Roth von Leusel hat das Schöffenge­richt Alsfeld wegen Diebstahls auf 3 Monate Gefängnis erkannt. Er hatte dem Lumpenhändler Josef Rotschild zu Alsfeld eine Partie sortierter Lumpen im Werte von 3 Mt. 50 Pfg. entwendet. Seine Berufung wurde zurückgewiesen.

Ebenfalls wurde die Berufung des Müllers Friedrich Diehl von Villingen zurückgewiesen. Er war durch das Schöffengericht Laubach wegen einer Sachbeschädigung, die er durch Zerschlagen eines dem Landwirt Johannes Böcher gehörigen Schlosses verübt hatte, mit einer Geld­strafe von 40 Mf. belegt worden.

Nachmittags wurden

drei Urteile des Alsfelder Schöffengerichs bestätigt. In der einen Sache hatte der Schneider Heinrich Korell von Als­feld den Hospitalverwalter Belter wegen Beleidigung und Körperverlegung verklagt. In beiden Instanzen erfolgte bon der Helene Zweitens war Korell Freisprechung. Knieriem verklagt und zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt worden, wobei es blieb. Und zum Schlusse hatte Korell die Helene Knieriem wegen Beleidigung verklagt. Sie wurde

Biebener landwirtschaftlicher Wetterbicnft. Voraussichtliche Bitterung in Hessen für Sonntag, den 5. Februar. Aufheiternd, milder, teine nennenswerte Niederschläge.

ps

( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.)

Marttberichte.

Slefes 4. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarit lofteten Butter fb. 0.80-0.90 M., Sühnereier per Stück 8-9 fg., Enteneter St. 7 Bfg Räse per St. 6-8 fg., Käsematte 2 St. 5-6 Bfg. Erbjen per Liter 21 Bfg., Zinsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar Dt. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.00-1.60, Hahnen, per Stüd 0.80-1.80, Enten per Stüd 1.80-2.20, Gänse per Pfb. 55-65 fg., Ochsenfleisch per fb. 70-80 fg., Rindfletsch per Pfd. 62-68 Pfg. per Pfb. Schweinefleisch 60-72 fg. Steine fletsch gesalzen per Bfund 0.76 fg., Kalbfleisch per fb. 70-74 Bfg. Hammelfleiso per Pfb. 50-74 fg., Kartoffeln pro 100 kilo 6.00 b. 650 Mt., Zwiebeln per 3t. W. 8.00-10.00, Weisfraut 10-15 Bf. per Stüd, Zentner 3-4 Mr. Aepfel per Zentner 6-10 Mt 3wetschen per Zentner 0,00-0.00 Nüsse 100 St. 25-30 Pfg. Milch per Liter 18. Pfg. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Gegenflände bes Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhaupt nicht, und während der ersten brei Stunden der Marktgett im Umr herziehen fetigeboten werben. Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide zu Gießen

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