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Nr. 4.

Jesertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober­Seffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 fg. Reklamen bie Petitzeile 30 resp. 40 fg.

Redaktion u. Haupterpedition: teßen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Donnerstag, den 5. Januar 1905.

Gießener

14. Jahrgang.

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., burch bie Bost bezogen vierteljährl. Mt. 1.50. Grattabellagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblafen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

( Steßencz Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Das Borgfyftem.

Von einem Handwerksmeister wird uns geschrieben: Dant der besseren kaufmännischen Erziehung des Meisternach­wuchses ist es auch im Handwerk zur schönen Sitte geworden, mit Beginn eines jeden neuen Jahres einen Blick rückwärts anf die Geschäftsentwickelung zu werfen und sich darüber Rechenschaft abzulegen, ob das Vermögen gewachsen oder zurückgegangen ist. Nur durch eine plichthaite Gewissens­erforschung über den Vermögensstand ist es möglich, die Zügel hee Befchäfted feit in der Hand 21 hehalten und etwaige

Tu bn redlich nur bad beine,

Tn's in Schweigen und Vertran'n; Rüste Balken, hane Steine! Gott der Herr wird bau'n.

Die Erlösung.

Stizze von Otto Riesel. ( Nachdruck verboten.)

begründete Solidarität aller Betriebsunternehmer. Der ungesunde Wettlauf um die Kundenziffern muß entschieden aufhören und es müssen Organisationen geschaffen werden, die einen jeden Unternehmer nicht bloß über die Zah­lungsfähigkeit, sondern auch über die Zahlungswilligkeit des Schuldners unterrichten. Die Hauptarbeit bei der Er­ziehung des Publikums bleibt allerdings dem Unternehmer selbst überlassen, der jedem neuen Kunden, auch wenn er über dessen Zahlungsfähigkeit unterrichtet ist, feinen län­geren Kredit als höchstens ein Vierteljahr bewilligen sollte. Rerliert er ihn dadurch in hat er feinem Geschäft nur

Es ist ganz still im Zimmer, nur das Ticken der Wand­uhr ist vernehmbar, oder auch ein tiefer, die Brust lüftender Atemzug der Frau, die in dem Bett an der Hinterwand ruht. Dann dreht sich jedesmal ihr Sohn, der mit dem Zeichenbrett an dem Fenster sitzt, nach ihr um: Wünschest du etwas, Mutter?"

Seine Stimme flingt müde; man hört es ihr an, es ist die Gewohnheit, die ihn fragen läßt. Die Frau schüttelt mit dem Kopfe: Nein, nein, laß dich nicht stören!"

So bergeht gleichmäßigen Schrittes Stunde um Stunde, reiht sich Tag an Tag, wird aus Wochen ein Monat; ohne Ende! Jezt mußte es Frühling draußen sein! Leuchtender, lachender Frühling.

Frühling!

Berronnen die letzte Scholle Eises; blizendes Sonnengold auf den blauen Gewässern; Sonnenlicht wie funkelnde Fäden durch die Luft zitternd und wogend; bunte Blumen, Primeln, Krokus, Tulpen; hin und wieder ein falbes, vorjähriges Blatt auf dem Wege; sonst Freude, Daseinslust allüberall. Am Boden alles Schwache, Lebensunfähige, die Kraft regiert die Fülle.

Wie unbarmherzig der Frühling, den alle umjauchzen, das Schwache, Abgelebte vernichtet. Ein grausames Gesetz dünkt es die Frau, daß das Alte dem Neuen Platz machen muß.

Machen muß!

Ist nicht das Alte dasjenige, das dem Kommenden den Voden bereitet? Was wäre es ohne das Gegenwärtige? Warum muß jeder Lebensdrang zugleich eine Brutalität, ein Egoismus sein? Die Frau grübelt weiter; vielleicht hat sie unbewußt einst ebenso brutal und egoistisch sich ihren Plaz erobert, ohne zu fragen, wen sie verdränge. Durch das halb­geöffnete Fenster wogt der Duft des Frühlingstages mit dem Geräusche frohgestimmter Menschen ins Zimmer; ob der Sommer erfüllt, was der Frühling prahlerisch verspricht? Die Frau lächelt resigniert. Sie beobachtet ihren Sohn; funstfertig huscht sein Zeichenstift über das Blatt; zum ersten­mal bemerkte sie, daß auf seiner Stirne tiefe Furchen liegen und seine Mundwinkel verbissen heruntergezogen sind. Jetzt legt er sein Arbeitszeug zur Seite:

Du mußt wohl das Pulver nehmen, nicht Mutter?" Sie nicht. Als sie das Pulver genommen, fragte sie: Was zeichnest du?"

Er holt ihr das Zeichenbrett und zeigt seine Arbeit. In einem zweiräderigen, antifen Wagen steht eine ideale Frauen­geftalt, fiegberheißend leuchten ihre Augen, die eine Hand bändigt straffer Bügel die feurigen, reichverzierten Pferde, während die andere einen Lorbeerkranz emporhält, es sollte eine allegorische Darstellung Fortunas sein. Die Frau sinnt; wie verschieden doch die Idee vom Glücke ist. Sie erinnert fich eines französischen Gemäldes; ein steiler Berg war er­stürmt und dicht bestanden von Menschen, ärmliche und solche, denen man es ansah, daß gütige Genien sie an der Pforte des Lebens empfangen. Aber über all diesen Zügen lag ein Ausdruck, der die Gesichter einander ähneln machte, ein Ausdruck wie Gier, keine Menschlichkeit gilt, nur das eherne Recht des Stärkeren: Weiche, oder

-!" Unter den

Füßen der Männer zuckende Leiber niedergerungener Weiber, und über dem Chaos gierender Menschen ungerührt, schemen­haft, schwebend, das Glück in den Gestalten dreier Göttin­

nen.

Dann fällt ihr etwas ein: Muß dieser Tage nicht die Prüfung sein?"

Sie war gestern!" antwortete der Sohn.

Die Frau wendet den Kopf: War? Gestern? Und?" Einen Augenblick schwieg er, dann ein beklommenes:

,, Nichts!"

Die Frau erschrickt; das zerstörte die Hoffnungen und Träume langer Jahre ihres Sohnes; wie hatte er gearbeitet

und gelernt, um etwas fertigsustellen, auf Grund deffer ma ihm ein Stipendium gewähre.

,, Und wer, wer befommt es?" fragt sie stodend. Ihr Sohn beugt sich über seine Beidhnung: Niemand Bor den verschärften Bestimmungen fonnte feine Arbeit be stehen!"

Die Muter schweigt eine Zeit lang. Und nun?" " Ich habe mit Baumeister Röder gesprochen, er will mich auf seinem Bureau plazieren."

Wieder waren Wochen vergangen, ohne daß sich im Hause etwas geändert hätte. Die Frau lebte siech dahin und ihr Sohn stumm neben ihr. Nur manchmal, wenn sein Blid sie streifte, lebte es in seinen Augen auf; anklagend, fast wü­tend fragend, ob das Elend denn ewig währen wolle? " Jahre!" meinte der Arzt, den er befragt. " Jahre!"

Er lacht grimmig. Jahrelang diese Sklavenkette am Fuße; Jahre, während der seine beste Kraft lahm werden würde, und sein Geist siech wie der Körper jener Frau dort. Ja, ja, es war seine Mutter, aber seine Mutter war es auch gerade, die ihn der Natur h verpflichtete, neten ihr aus­zuharren. Aber war er de... nicht in erster Linie Mensch und dann erst ihr Kind? Standen demnach nicht die Rechte des Ersten über den des Zweiten? Jahre! der ganze Hohn eines vermaledeiten Schicksals gellte ihm entgegen, wenn er sich dieses Wort vorsagte. In seiner Seele regte sich ein Gefühl, ähnlich dem, das Kain kain werden ließ; er be­gann die Frau in dem Bette zu hassen; sie schien ihm von Egoismus durchtränkt; was hatte sie vom Leben, daß sie sich so krampshaft daran flammerte? Einmal mußte es ja doch sein.

Ihr Leben war ja doch nur ein Vegetieren, ohne Freude, ohne Hoffnung. Ein Ereignis fiel ihm ein: Ein Pferd war gestürzt und hatte ein Bein gebrochen, man hatte es furzweg getötet, obwohl es mit geheiltem Bein lange Jahre noch hätte leben können. Aber nüßen hätte es nicht mehr können. Das war es; weil man sich keines Nußens mehr von ihm versehen durfte, tötete man es. Aber so ein Mensch, der nicht mehr nüßt, der da ist, ohne eigentlich zu leben, den hält man hin mit Mittelchen und Schlauheiten, hält den natürlichen Gang der Natur auf. Er hatte sich seine eigene Philosophie ge­macht, er sagte sich: was wider die Natur ist, ist wider Gott; wenn man nun die Natur um den ihr gebührenden Tribut zu betrügen, oder ihn hinauszuzögern sucht, so ist das ein Vergehen gegen sie und damit auch gegen Gott.

Er lauerte auf den Tod seiner Mutter.

Kehrte er abends heim, so galt sein erster Blick der Lager­statt; wandte sie dann, ihn grüßend, die Augen nach ihm, so schwoll es zornig in ihm auf. Da eines Abends fand er sie sonderbar erregt, ohne die Ursache herauszufinden. Am Nachmittage war eine Nachbarin bei ihr gewesen. Als sic ging, ließ sie ein Zeitungsblatt liegen, in dem sie ihr Strick­zeug gewickelt hatte. Ohne Interesse überflog ihr Auge die Zeitungsspalten; da blieb ihr Auge haften auf einem Artikel übe Die Verleihung des diesjährigen Stipendiums der Maler­akademie. Sie erinnerte sich, daß sie derzeit nichts darüber gelesen hatte, weil ihr Sohn vorgab, das Blatt verlegt zu haben. Neugierig las sie die kurze Notiz:

Die Verleihung des alle drei Jahre zu vergebenden Stipendiums unserer Malerakademie findet nicht statt. Der einzige Bewerber, der überhaupt in betracht fam, fann nicht bedacht werden, weil er die verschärften Bedingungen nicht zu erfüllen vermag."

Die Frau lehnte sich zurück, als sie das gelesen hatte; ohne, daß es ihr jemand gesagt hatte, wußte sie, daß dieser Bewerber ihr Sohn war. Von diesem Augenblicke an ver­folgten ihre Augen unablässig ihren Sohn; ihre geschärften Blicke bemerkten deutlich seinen Mißmut, der sich täglich stei­gerte. Sie hatte das instinktive Gefühl, daß in seiner Seele etwas Umwälzendes vorgehe, auch bemerkte sie, wie der Arzt ihm mit einem gewissen Bedauern die Hand gab, und einmal hörte sie ganz deutlich sein leise gemurmeltes Schade! schade!" als er eine neue Zeichnung betrachtete. Ihre durch das lange Liegen auf sich konzentrierte Psyche hatte eine un­gemeine Feinfühligkeit erlangt, mit der sie scheinbar fern< gelegene Momente mit einander in richtige Folge brachte. So hatte sie die Empfindung, daß der Doktor wissen müſſe, warum ihr Sohn das Stipendium nicht erhalten. Sie be­schloß, ihn zu fragen. Erst versuchte er, auszuweichen, dann aber sagte er, was er wußte, Bedingung zur Erlangung

zu nehmen. Die zuvor aufgeführten ffiziere, 2e..mten und biet willige, die sich schriftlich auf ihr Ehrenwort verpflichten, bis zur Beendigung des Krieges nicht die Waffen zu ergreifen und keine gegen die japanischen Interessen verstoßende Handlung zu begehen werden die Erlaubnis erhalten, in ihre Heimat zurückzukehren.

Unteroffiziere und Gemeine des Heeres und der Flotte, ebenso Freiwillige dürfen ihre Uniformen tragen und sollen sich mit ihren tragbaren Zelten und persönlichem Eigentum an einem bom japa­nischen Heere anzuweisenden Blaze versammeln. Japanische Kom missare werden die weiter erforderlichen Einzelheiten angeben. Das Sanitätstorps und die Zahlmeister, die zur russischen Armee und Flotte gehören, werden von den Japanern zurückbehalten Dienste als notwendig angesehen werden zum on Kranken, Verwundeten und Gefangenen. sollen die Korps unter Leitung von japa 3 und Zahlmeistern Dienst tun.

mankan inkun ihus

fauren Apfel beißen müssen. Er hatte General Nogi, den er ihm durch den am Sonntagnachmittag um 4 Uhr zu­ingungen vorgeschlagen:

iffels letzte Drohung.

in sollen die Festung mit ihren Waffen er der Verpflichtung, an dem gegen­: mehr teilzunehmen; die Verwundeten nach ihrer Heilung nach Rußland beför= rden ihnen belassen; Privatpersonen, Ausländer werden der Fürsorge der Ich habe 8000 Mann in den Forts" - ,,, bon denen 6000 fämpfen können. orschlag nicht annehmen, werden diese sterben; es wird Ihnen aber dreimal ? zu töten."

Drohung nicht wahrgemacht, und nie­16 tadeln. Es war wohl nur ein legter einer nachgiebigeren Haltung bei den stimmen. Im Grunde wußte Stössel, härtesten Bedingungen fügen mußte. ffnung vorbei. Die Munition war so md es konnte höchstens noch zu einem jonettkampf in den Straßen der Stadt er durch Geschüßfeuer vom Sturm auf ängen, war unmöglich geworden.

Reste der Garnison

ren nur noch kläglich im Verhältnis Bestande. Aus Tschifu wird darüber

der Mannschaften der aus Port Ar­enen Torpedoboote zählte die Garnison eginn der Belagerung 35 000 Mann. 000 getötet, 16 000 wurden verwundet 00 waren ständig in den Forts, davon funfähig. Während der Belagerung ent der Garnison Port Arthurs ver­ihl erklärt sich daraus, daß die Ver­

eiden Frauen sich nahen? Nun jehen, als er geahnt hatte. lange nach der ersten Begegnung rgfegel. Die Schafe labten fich se. Er hatte sich niedergesetzt und jäftigten sich wieder mit dem ein Instrument bei sich, er holte zuerst ganz leise an zu blasen. Jer schwollen die Töne an, das hallte in den angrenzenden Tal­wußte nicht, daß während seines Mägdlein dagestanden, gelauscht änen vergossen hatte.

sprang er auf, als wolle er die Doch was sah er? Vor ihm äule dieselbe, um deretwillen er inmal fam Leben in die Gestalt. da ich Euch belauscht habe. Ich irte Guer Spiel und konnte nicht Stend die Mina. Habe nichts zu erwiderte Ignaz," bielmehr zu Sure Aufmerksamkeit geschenkt und n hat." Mina, noch mehr errötend zargos sah, daß sie wieder das der Hand trug, bat er, ihr einige nen Beeren zeigen zu dürfen. chter" wurde als Hüter der Herde Schaf in die Fruchtfelder gehe. hundert Schritte mit ihr in den virklich da waren reife saftige Sehr bald war ihr Körbchen 3 wußte Rat. Schnell suchte er amm, löste von demselben kunst­und im Nu war daraus ein dieses wurde noch schnell voll

ctsetzung folgt.)