einen neuen Titularminister, denn wirklicher Minister des Innern ist einstweilen der Diktator General Trepow. Doch ist die Ernennung von symptomatischer Bedeutung. Der neu in das leere Amt Berufene ist das seitherige Reichsratsmitglied Alexander Grigorjewitsch Bulygin, der bisher Gehilfe des Großfürsten Sergei während dessen Moskauer Generalgouverneurschaft gewesen. Der Empfehlung des Großfürsten Sergei soll auch die Ernennung Bulygins zuzuschreiben sein, der sich noch in Moskau aufhält, um dort die Geschäfte abschließend zu ordnen. Diese Ernennung bestätigt die Auffassung unseres Petersburger Korrespondenten von den angeblichen russischen Reformplänen.
Die Politik.
In einer Sigung des preußischen Landes- DekonomieKollegiums äußerte fich Landwirtschaftsminister v. Podbielski über die nenen Handelsverträge. Er wies darauf hin, daß die Landwirtschaft mit den Säßen des neuen Tarifs durchaus zufrieden sein könne. Die Zollsäte für Ochsen, Kühe und Schweine feien um 100 bis 150 Prozent in die Höhe gegangen. In der Viehseuchenangelegenheit sei die jetzt vorgesehene Präventivsperre weit wirksamer als die bisherige Repressivsperre. Zum Schluß riet der Landwirtschaftsminister zu vermehrter Tätigkeit auf dem Gebiet der Viehzucht, namentlich der Schweinezucht. amentlich
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Ueber den Stand des Bergarbeiterstreiks schreibt man uns: Der Streit hat den Bergarbeitern jetzt schon einen Gewinn gebracht: die Einigung zwischen ihren verschiedenen Verbänden, dem christlichen und dem alten Bergarbeiterverband. In allen Fachangelegenheiten wollen die beiden Verbände jetzt gemeinsam vorgehen. Zunächst nehmen sie die Unterstützungen gemeinsam entgegen, die bis Ende Januar mehr als dreiviertel Millionen betrugen. Das ist eine stattliche Summe, aber noch nicht die Hälfte des Bedarfs einer Woche. Die Besizer der Zechen Mont Cenis bei Herne haben ein jedenfalls lobenswertes Mittel gefunden, die Arbeitswilligen zu ermutigen: sie haben jedem verheirateten Bergarbeiter 15, jedem unverheirateten 10 Mark geschenkt.
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Eine der meistgefürchteten üblen Folgen der Arbeitseinstellung ist auf der Zeche Bruchstraße bei Langendreer einIn getreten: starfer Wasserzufluß und Grubenbrüche. Oberschlesien hat der Ausstand um sich gegriffen. In Zabrze Hat der Vorsitzende der Direktion der fiskalischen Bergwerke die Bewilligung des größten Teils der Arbeiterforderungen in unmittelbare Aussicht gestellt. Zu den Forderungen gehören: achtstündige Arbeitszeit, Lohnerhöhung, mehr Freifohlen und Anstellung von Kontrolleuren zur Grubenrevision. Diesen Forderungen haben sich auch die Bergleute in anderen Gruben angeschlossen, ohne die Arbeit einzustellen. Im westfälischen Bezirk, namentlich in Essen, wird darüber geklagt, daß die belgische Ersazkohle zwar sehr teuer, aber für die vorhandenen Feuerungsanlagen sehr wenig geeignet jei.
Amerika.
Hofloge nahmen mehrere Offiziere Platz, die Staatssekretäre und die preußischen Minister waren fast vollzählig erschienen, ja, sogar die Abgeordneten hatten sich in größerer Zahl als sonst eingefunden, so daß Optimisten das Haus wohl hätten für beschlußfähig halten können. Es war also für einen Redner, der etwa auf äußeren Erfolg Wert legte, ein günstiger Resonanzboden gegeben. Allein Graf Bü- Io w wollte heute offenbar keine oratorischen Lorbeeren ernten, sondern er ging darauf aus, zu überreden und zu überzeugen. Nach dem Verhalten der Rechten während seiner Ausführungen scheint ihm das gelungen zu sein. An diese, will sagen an die Agrarier, wandte sich der Kanzler während seiner fünfviertelstündigen Rede fast ausschließlich. Denn von ihrer Stellungnahme konnte möglicherweise das Schicksal der Verträge abhängen, die die nichtagrarischen bürgerlichen Abgeordneten sicherlich annehmen, die Sozialdemofraten aber ebenso sicher ablehnen werden. Graf Bülow argumentierte etwa folgendermaßen: Industrie, Handel und Landwirtschaft sind gleichwertige und gleichwichtige Faktoren in unserem Wirtschaftsleben. Für die Landwirtschaft ist aber nicht in gleichem Maße gesorgt worden, wie für Handel und Industrie. Diese sind unter den bestehenden Verträgen aufgeblüht, jene befindet sich in einer kritischen Lage; sie ist Anfang der neunziger Jahre zu kurz gekommen. Deshalb muß man ihr jeßt geben, was ihr damals genommen wurde: erhöhten Schutz der landwirtschaftlichen Produkte, Erhöhung dieses Schutzes, soweit es die Rücksicht auf die Industrie und auf die Konsumenten gestatten. Der Kanzler bemühte sich durch Anführung zahlreicher Details zu erweisen, daß unsere Regierung für alle unsere Erwerbsstände erreicht hat, was irgend zu erreichen war, daß die Industrie nicht geschädigt werde, die Landwirtschaft aber Vorteile erhalte. Wiederkait kam er darauf zurück, daß die neuen Handelsverträge landwirtschaftsfreundlich seien, daß zwar auch das Deutsche Reich habe Zugeständnisse machen müssen, daß aber die Konzessionen, die es für sich bei den anderen Staaten durchgesetzt habe, schwerer wiegen. Graf Bülow, der bekanntlich mehrere Tage unpäßlich war, sprach nicht mit der gewohnten Leichtigkeit, seine Stimme tönte nicht so klar, wie sonst, und seltener ließ er humoristische Wendungen einfließen. Daher war seine Rede äußerlich nicht besonders wirksam, aber sie war offenbar zweckmäßig. Ihr Inhalt gefiel den Agrariern, und so spendeten am Schluß Rechte, Zentrum und Nationalliberale, also die Zolltarifmehrheit, lebhaften Beifall. Der Versuch des Abg. Singer, sich zur Geschäftsordnung über die Erklärung des Kanzlers zu äußern, schlug fehl; Graf Bülow hatte vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort erhalten, dies Vorrecht genießen aber die Mitglieder des Hauses nicht. So trat das Haus denn in die Tagesordnung ein. Der Nachtragsetat für Südwestafrika wurde in zweiter Lesung zu Ende beraten und ohne wesentliche Diskussion nach den Beschlüssen der Budgetkommission angenommen. Dann folgte der Etat für das Reichsamt des Innern, zu dem mehrere Resolutionen mit Bezug auf die Lage der Bergarbeiter und den Bergarbeiterstreik im Ruhrrevier eingebracht sind. Hicrüber wurde zunächst eine gesonderte Debatte mit einer längeren Rede des sozialdemokratischen Abg. Sachse eröffnet.
Ernste Dinge bereiten sich am Nordrande des süd. amerikanischen Kontinents vor. Eine Revolution in Vene zuela wird für Ende März als spätesten Termin angekündigt. Derartige Zwischenfälle sind in dem unglücklichen Lande nichts Neues. Allein diesmal zieht die unsichere Lage die übrige Welt stärker in Mitleidenschaft, da etwa dort angelegtes Kapital aufs Aeußerste gefährdet erscheint. Die Notwendig. feit eines Eingreifens der Mächte erscheint wieder einmal näher gerückt. Präsident Castro hat es verstanden, alle Stände gegen sich aufzubringen. Infolge seiner Gewalt politik sind die Kaufleute und die Ackerbauer in gleicher Weise ruiniert und die Ausländer müssen sehen, wie ihrem Erwerb Abbruch getan wird. Er hat das ganze Land mit Ausnahme seiner Kreaturen und des Raubgesindels, das seine Truppen bilden, gegen sich und seine jüngst vollzogene Wieder. wahl konnte nur durch die Bajonnette erfolgen. Die allgemeine Unzufriedenheit hat General Paredes benutzt, um sich an die Spitze der aufrührerischen Bewegung zu schwingen. Er ist zunächst nach Newyork gegangen, um dort die Revolution vorzubereiten und Waffen und Munition zu kaufen. Inzwischen hat er dem Volk von Venezuela die Umwälzung Venezuelisch angesagt und auch den Ort des Losbruchs Guyana genau bezeichnet. Bewegungen, die vorher so bombastisch angekündigt, haben selten Erfolg, am wenigsten gegenüber Castro, der bislang noch jede gegen ihn gerichtete Regung mit seiner brutalen Energie niedergeschmettert hat
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Hof und Gesellschaft.
Da das Befinden des Prinzen Eitel Friedrich eine entschiedene Wendung zum Besseren genommen hat, wird der Kronprinz eine längere Reise nach Italien antreten. Der Kronprinz reist incognito. Die Rückkehr nach Potsdam erfolgt Ende dieses Monats.
*** Auf kaiserliche Anordnung wird Prinz Adal. bert auf seiner Heimreise aus Ostasien auch den Gewässern von Deutsch- Ostafrika einen Besuch abstatten und die Haupt. häfen unserer dortigen Kolonie aufsuchen. Eine Verlänge häfen unserer dortigen Kolonie anlaufen. Eine Verlängerung der Reisedauer findet durch diese Aenderung der Route nicht statt.
Prinz Adalbert ist an Bord des Kreuzers " Hertha" bei den Saychellen- Inseln nordöstlich von Madagastar angekommen.
Fzer und flotte.
General der Kavallerie v. Alvensleben †. Auf Schloß Stöckmühl in Württemberg verstarb der General der KavalIerie z. D. Gustav v. Alvensleben im 78. Lebensjahre. Der Verstorbene zeichnete sich bei den Düppeler Schanzen, bei Münchengrät, Gitschin und Königsgräß und später im Kriege gegen Frankreich als Führer der 15. Ulanen bei Epenay, wo er verwundet wurde, Gravelotte und Laon aus. Er erhielt das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse und den Orden pour le mérite.
Deutfcher Reichstag.
( 131. Situng.) CB. Berlin, 1. Februar, Die Anfündigung, daß der Reichskanzler in Person die gestern vom Bundesrat genehmigten Handelsver= träge einbringen würde, hatte dem Reichstag heute ungewöhnlich starken Besuch zugeführt. Alle Tribünen, die Bundesrats- und die Diplomatenloge waren dicht befebt. in for
Preussischer Landtag.
Haus der Abgeordneten.
Brückenbau über die Gleise beschäftigt waren, brachen mit einer hölzernen Stuhlung durch und fielen auf die 5 Meter tief darunter gelegenen Schienen. Sie wurden alle vier schwer verletzt.
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Ein zweiter Anschlag auf die Hofschauspielerin Reubke ist in München gemacht worden. Während ihr das erstemal kurz vor der Vorstellung ein Paket mit einer Giftschlange übersandt worden war, kam diesmal, und zwar durch denselben Dienstmann, eine größere Kiste, die nun aber von Theaterangestellten geöffnet wurde. Der Deckel schnellte mit ungeheurer Gewalt empor, das war der ganze Effekt der eigenartigen Höllenmaschine", deren Mechanismus aus 8 großen Sprung federn bestand. Nach Aussage des Dienstmannes sind ihm beide Aufträge von einer Dame erteilt worden. Wenn das Ganze nur nicht schließlich auf einen neuen Reflametrick hinausläuft, der aber seiner Erfinderin wenig Freude bringen dürfte.
Die Lichtenberger Mordaffäre ist noch vollkommen in Dunkel gehüllt. Der als Mörder der erschlagenen Dienstmagd Conradt verhaftete Arbeiter August Budach wurde bereits wieder entlassen, da sich die Verdachtsmomente gegen ihn als unhaltbar bewiesen. Das angeblich geraubte Sparkassenbuch fand sich im Zimmer der Ermordeten versteckt vor.
( 130. Sigung.) RK. Berlin, 1. Februar. Die erhebliche Bedeutung des Seuchengesetes für das Land dokumentierte sich bei der heutigen dritten Lesung in der außergewöhnlich starken Beteiligung und Unruhe des Hauses. Während man zunächst, trotz der Bemühungen des Präsidenten, kaum ein Wort verstehen konnte, trat sofort Stille ein, als der Abg. Winckler für die konservative Partei die Erklärung abgab, daß sie die Vorlage ablehne. Das Gesetz greife zu tief in die Kreise der Familie ein und be. laste die Gemeinden zu stark. Vergebens bemühten sich die Minister Studt, Frhr. v. Hammerstein und Frhr. v. Rheinbaben, die Konservativen umzustimmen. Schließlich einigten sich die Minister mit der Mehrheit des Hauses dahin, die Entscheidung über die Vorlage noch einmal aufzu schieben. Der Gang der Debatte schien die Aussicht zu bieten, daß vielleicht das Gesetz nunmehr gegen die Stimmen der Konservativen zur Annahme kommen wird. Das Haus erledigte noch eine Reihe von Petitionen, von denen die bedeutenste, die Bitte um Aufhebung des GemeindesteuerVorrechts der Beamten, der Regierung zur Erwägung überwiesen wurde. Morgen findet keine Sigung statt, übermorgen aber beginnt die zweite Lesung der Kanalvorlage mit einer großen allgemeinen Debatte, die wohl allein schon mehrere Tage in Anspruch nehmen türfte.-
Nah und Fern.
Gefälschte Bomben. In Paris ist in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch vor dem„ Hotel des deur Mondes" cine Bombe gefunden und mit allen Vorsichtsmaßregeln zur Untersuchung in ein Laboratorium gebracht worden. Die Bombe erwies sich als eine Konservenbüchse, mit zerstoßener Kohle gefüllt. Gine ähnliche Bombe war die in der Avenue Breteuil entdeckte: sie enthielt Asche und Nägel. - Das sind üble Scherze, gerade in jetziger Zeit nicht angebracht. Auf derselben Stufe wie die„ gefälschten Bomben" stehen die erfundenen Attentate", als deren Ziel mit Vorliebe König Alfons von Spanien ausersehen wird. Die jüngste derartige Erfindung sagt, daß der König, die Königin- Mutter und zahlreiche andere Persönlichkeiten im Palast zu Madrid der Erstickung durch giftige Gase nur eben entronnen seien. Ein raffiniertes Komplott habe vorgelegen, ein Ingenieur sei verhaftet. Das Ganze ist eine alberne und frivole Erfindung.
Eine Bitte an die Braut des deutschen Kronprinzen richtete ein armes, unglückliches Mädchen in Ahlsdorf bei Hettstedt. Sie bat um Gewährung der Geldmittel zur Beschaffung eines künstlichen Beines. Daraufhin sind dem Mädchen aus der kronprinzlichen Schatulle 100 Mark ausgezahlt worden.
* Opfer des Sturmes. Der Kapitän des auf der Reise nach Kopenhagen in Leith angekommenen dänischen Dampfers Kong Inge" berichtet, daß im Isafjord an der Küste- lands im Orfan ein Stutter und drei Boote untergegangen sind, wobei 15 Personen ertranken.
Fünf Personen vom Eisenbahnzug überfahren. Ein von Paris nach Bordeaux gehender Schnellzug überfuhr in der Nähe von Etampes 5 Arbeiter, die auf der Strecke beschäftigt waren. Zwei wurden getötet, drei schwer verletzt.
Die Hinrichtung der Engelmacherin Wiese. In Hamburg wurde gestern früh das Todesurteil an der fünffachen Kindesmörderin Hebamme Elisabeth Wiese vollstreckt. Die Delinquentin bewahrte bis zum legten Augenblick ihre völlige Ruhe. Sie schlief einige Stunden und wies jeden geistlichen Beistand von sich. Ein Geständnis abzulegen, war sie nicht zu bewegen. Nachdem sie dem Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg überantwortet worden war, wurde sie sofort auf das Brett der Guillotine festgeschnallt, und in wenigen Sekunden war der traurige Akt vollzogen. Der Hinrichtung wohnten der Richter, sowie die verfassungsgemäß notwendigen zwölf Hamburger Bürger bei.
Das Haar als Lebensretter. Als dieser Tage eine Hochzeitsgesellschaft in Uselas in der Nähe von Montagnac ( Frankreich) nach Beendigung der Feier wie üblich das Gemach der Brautleute betrat, stürzte der Boden ein, und alle wurden hinabgerissen. Die Braut blieb mit den Haaren an einem Balken hängen, sonst wäre sie zerschmettert worden. Niemand wurde gefährlich verletzt.
Einbruch in ein Steueramt. Im Zilaher Steueramt wurde die Kasse erbrochen. Es wurden Wertpapiere im Werte von einer halben Million Kronen sowie 72 000 kronen Bargeld geraubt.
Die Brautschaften Marconis existieren nicht. Der nunmehr so vielfach und so vornehm verlobte Erfinder der Telegraphie ohne Draht dementiert alle der Reihe nach. Gegenwärtig erklärt er, seine angebliche Braut Miß O'Brien sei ihm sogar dem Namen nach unbekannt.
Der Naturmensch Gustaf Nagel hat jetzt die Ehescheidungsklage gegen seine Frau Meta eingeleitet. Diesmal soll die Trennung endgültig sein, nachdem die Naturehe vor etwa Jahresfrist schon einmal in die Brüche gegangen war. Damals hatte Frau Meta das Eheparadies verlassen, war aber nach kurzer Zeit reuig zurückgekehrt und auch wieder in Gnaden angenommen worden. Spötter behaupten, daß sie bei ihrer mangelhaften Kleidung und dem kalten Essen am ungeheizten häuslichen Herde naturgemäß nicht warm werden kann.
Ein schwerer Unfall ereignete sich bei dem Lehrter Sauptbahnhofe in Berlin. Vier Arbeiter, die an einem
Paris ohne Licht. Die„ Lichtstadt" Paris ist in Gefahr, zeitweilig die Beleuchtung entbehren zu müssen. Die Arbeiten der Edisonschen Elektrizitätsgesellschaft, die einen großen Teil von Paris mit Licht versorgt, haben den Ausstand beschlossen. Theaterdirektoren und Restaurateure sind hiervon in Kenntnis gesezt und von den Behörden ersucht worden, für geeigneten Erscz zu sorgen.
Eine jugendliche Lebensretterin. In der Nähe von Spandau schleuderte der Sturm eine bejahrte Frau, die auf dem Heimwege aus der Stadt in ihr Dorf sich befand, in einen mit Wasser gefüllten Graben. Ein des Weges kommendes Schulmädchen sprang beherzt der hilflosen alten Frau ins Wasser nach, und es gelang der Kleinen, den Kopf der am Ertrinken Befindlichen so lange über Wasser zu halten, bis erwachsene Personen auf die Hilferufe herbeieilten und beide aus ihrer gefährlichen Lage befreiten.
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Brücken- Einsturz in Petersburg. Die über die Fontanke führende ägyptische Hängebrücke stürzte zusammen. Unglück geschah in dem Augenblick, als eine Abteilung Dragoner über die Brücke ritt. Gegen dreißig Reiter stürzten ins Wasser, konnten sich indessen mit ihren Pferden retten. Tages- Chronik. Schwere Stürme haben auf der Ostsee und an der Küste großen Schaden angerichtet.
- Die Arbeiter der Edisonschen Elektrizitätswerke in Paris sind in den Ausstand getreten, durch den die Stadt des Lichtes beraubt wird.
- Bei einem ländlichen Tanzvergnügen in der Nähe von Erfurt wurde ein junger Kaufmann von einem Musikanten durch Fußtritte in den Unterleib getötet.
Aus dem Gerichtsfaal.
§ Die Posener Giftmörderin zum Tode verurteilt. Das Posener Schwurgericht verurteilte nach achttägiger Verhandlung die Besizersfrau Pelagia Pawlak wegen Gattenmordes zum Tode, deren Geliebten Kostenski wegen unterlassener Anzeige zu drei Jahren Gefängnis, und die Dienstmagd Juda wegen Beihilfe zum Morde zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Frau Pawlak bestritt bis zum Schluß jede Schuld an dem Tode ihres Mannes und gab nur zu, daß sie ein giftiges Pulver zur Vertilgung von Schwaben besessen habe. Doch ließ die Beweisaufnahme weder an ihrer, noch an der Schuld der Juda einen Zweifel.
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Vermischtes.
[ Eine sechsundsiebzigjährige Braut] hat sich dieser Tage in Lemberg mit einem vierundzwanzigjährigen Manne trauen lassen. Die Braut hat dem jungen Bräutigam ihr Vermögen von zwanzigtausend Kronen testamentarisch vermacht. Das war wohl keine Liebesbeirat!
[ Ein Riefenunternehmen] plant zurzeit die italienische Regierung: eine Wasserleitung durch Apulien, deren Kosten auf 135 Millionen Franken veranschlagt sind. Die Versteigerung der Konzession wird am 3. Mai d. I. stattfinden: die zu hinterlegende Kaution beträgt 6 Millionen. handelt sich hier vielleicht um die größte Ausschreibung, die seit Bestand der Menschheit stattgefunden hat.
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