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Kirchen in Stadt und Umgegend, der alten Kastelle und andern Bauwerke wurden Besuche abgestattet. Am Sonntag hielt der Kaiser selber wieder Gottesdienst an Bord der " Hohenzollern" ab. Wo immer das Kaiserpaar sich öffentlich zeigte, wurden ihm stürmische Huldigungen seitens der Be bölferung bereitet.

Deer und flotte.

Wieder einmal der kagelsichere Panzer. Eine Firma in St. Gallen will eine Masse erfunden und hergestellt haben, die sich als widerstandsfähig gegen Gewehrfugeln erweist. Es wird versichert, daß die Masse sogar gegen Schüsse aus einem Marimgeschütz sichern solle, wenn sie in stärkerem Maße aufgetragen werde. Man wird jedenfalls gut tun, abzu­warten, ob diese fugelsichere Masse größere Erfolge aufzu­weisen haben wird, als frühere ähnliche Erfindungen.

Ein Stück Grofsftadtfumpf.

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Glossen zum Mordprozeß Klein.

Wien, 1. Mai. Das Schwurgericht hat ein Weib zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Scheusal hatte kaltherzig einen Mord begangen, nachdem sie das Opfer durch billige und gewerbsmäßige Künste an sich gelockt. Raub war der Be­weggrund zu dem Mord.

Der Ehemann der Mörderin war nur der entfernten Anstistung" von den Geschworenen schuldig befunden worden und fam deswegen mit der Strafe achtjähriger Zwangs­arbeit fort. Nach dem Verdikt der Geschworenen war ein höheres Strafmaß nicht möglich. Sonst wäre wohl auf ein höheres Strafmaß erkannt worden.

Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, daß die Ge­schworenen das Verbrechen des Ehemannes vergleichsweise milde qualifiziert haben, um erkennbar zu machen, daß hier zwischen Mann und Weib, die beide Verbrecher sind, noch ein weiter Unterschied zuungunsten der Frau vorhanden sei. Sonst wäre die relative Geringfügigkeit der Strafe für einen Verbrecher unverständlich, dem man eine unverdiente Schmeichelei jagt, wenn man ihn einen Galgenvogel nennt. Schwerlich hätte irgendwer Bedauern empfunden oder eine leiseste Mitleidsregung, wenn das Urteil des Gerichts dem Ehepaar die Gemeinsamkeit des Todes am Galgen gönnte. Selbstverständlich kann es uns nicht einfallen, das Urteil der Geschworenen hier einer Kritik zu unterziehen und es wegen seiner Milde gegenüber dem Ehemann Klein zu tadeln. Acht Jahre Zuchthaus sind auch keine Kleinigkeit.

Was allgemeines schauderndes Interesse erweckt, ist das Milieu des Verbrecherpaares. Ein Fabrikant, der nach seinen äußeren Verhältnissen zum guten Mittelstand des heutigen Wien gehört, will eine Geldhcirat machen. Denn er braucht Geld für sein Geschäft, mit dem es abwärts geht. Er lernt ,, auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" eines Zeitungsinserats eine Frau kennen, die sich für sehr ver­mögend ausgibt, in Wirklichkeit aber nur wenige Tausend Gulden besitzt. Daß die Frau ein uneheliches Kind hat, stört den Bewerber nicht, besonders da das Kind nicht zur Hand ist. Auch die Taubheit der Frau ist kein Hindernis. Ums Geld allein handelt es sich. Zu spät erfährt der Mann, daß er geprellt ist, und nun macht er gute Miene zum bösen Spiel. Dergleichen kommt anderwärts auch vor. Und nicht zu fnapp", wie der Berliner sagt. Doch die weitere Entwicke­Tung ist eigenartig, hat Lokalfärbung, ist anderwärts kaum denkbar. Daß der brave Wiener Bürgersmann seiner Frau gegenüber eine grenzenlose Duldsamkeit beweist, ist das Schlimmste noch nicht. Er ist eben der Zuhälter seiner Frau iras sich anderwärts gleichfalls trifft. Er entwirft aber mit seiner Frau einen Plan, einem bestimmten, wohlhabenden Geschäftsfreund gegenüber Erpressung zu üben und die Unterlage zur Ermöglichung einer Erpressung selbst herbeizu­führen. Die Frau schreibt und telephoniert an den Geschäfts­freund, den sie in ihre Wohnung einladet. Hier will sie ihn in eine unzweideutige Situation bringen, in der ihr Mann und dessen Sozius ihn überraschen sollen. Das Weitere er­gibt sich von selbst. Der Plan kam nicht zur Ausführung. Der Geschäftsfreund war zu klug, in die Falle zu gehen, die er ahnen mochte. Auch muß erwähnt werden, daß der Sozius des Ehemannes sich weigerte, die ihm zugedachte Rolle in dem Erpresser drama zu übernehmen. Er lehnte das An­sinnen entschieden ab. Doch den geschäftlichen und persön­lichen Verkehr mit dem Sozius und dessen Frau gab er darum nicht auf. Und darin liegt das Charakteristische, das Typische, hierin ist die Quelle des allgemeinen schaudernden Interesses!

Daß eine lasterhafte Frau, deren Aeußeres keineswegs abstoßend wirkt, die im Kampf des Lebens schon in frühen Jahren zu hohen Graden" gekommen, die sich beinahe rühmt, daß sie von einem ungarischen Offizier dessen Eristenz übrigens nur durch ihre eigene Aussage beglaubigt und darum recht fraglich erscheint ein Kind habe, die trot des notwendigen stetigen Gebrauchs eines Hörrohrs auf al­ternde Galane eine gewisse Anziehungskraft ausüben zu fönnen sich bewußt ist, das alles ist dagewesen. Es ist auch nicht weiter verwunderlich, daß sie den 70- oder 74jährigen wohlhabenden Armenvorsteher Sikora in den Bannkreis ihrer Gunst zu bringen weiß. Daß sie aber von dem betagten An­beter sich unterrichten ließ, wie man seinen Geldschrank öff­net, während sie ihn um größere Darlehen" bestürmt, daß er mit den Schlüsseln in ihre Wohnung geht und sich dort zum Nachtschlaf niederlegt das scheint ebenfalls ein Spe­zififum des Ortes, ist anderwärts faum denkbar.

Die Mörderin nimmt vom Leichnam die Geldschrankschliis­sel, geht in die Wohnung des Erschlagenen und nimmt, was sie irgend erlangen kann. Dann macht sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Versuch zur Beseitigung der Leiche. Das Ehepaar gibt den Versuch auf und reist nach Paris, wo sie festgenommen werden.

Die Frau beginnt sofort ein kokettes Spiel von abstoßen­der Widerwärtigkeit. Sie fofettiert mit den Untersuchungs­richtern, mit den Gefangenenwärtern, im Gerichtssaal noch mit den Geschworenen und den Richtern und mit ihren e- mitleidenswerten Verteidigern. Sie legt ein Geständnis ab, widerruft, gesteht aufs neue und leugnet schließlich alles. Sie entlastet ihren Mann, belastet ihn, und kommt endlich zu der Versicherung, daß sie nur aus heißer Liebe zu ihrem Mann zu dem von diesem begangenen Mord geschwiegen habe. Gerade durch diese Bezichtigung hat sie ihren Mann vielleicht vom Galgen freigemacht: Die Geschworenen mochten ihr den Schimpf nicht vorenthalten, ihre Angaben auch da für falsch zu erklären, wo sie nicht unbedingt unwahrscheinlich klingen.

Und die Moral des Prozesses?- Gar feine. Aus grauenhaft versumpftem Boden sind grauenhafte Giftpflan­zen emporgeschossen. Da gibt es keine andere Hilfe, als daß man sie ausrodet, mit Stumpf und Stiel ausrodet. Das Milieu aber, in dem diese Giftpflanzen gediehen, in dem man sie noch dildete, als man sie schon ganz erkannt hatte siehe den Herrn Sozius!- das sei der Sittenhygiene empfohlen! Auch Duldsamfeit fann verbrecherisch sein.

Nab und f...

Wechselakzepte in der Fortbildungsschule. Ein Gauner­streich, der eines gewissen Humors nicht entbehrt, erregt in Zerbst berechtigtes Aufsehen. Die anhaltische Handwerks­kammer hatte dort letzten Winter einen Meisterkursus abge­halten, an dem zahlreiche Gewerbetreibende teilnahmen. Dr. Ludw. Huberti aus Leipzig unterrichtete in Handelswissen­schaften. In der vorletzten Stunde wurden zur Uebung Wechsel geschrieben, mit Akzept und Adresse versehen usw. Dr. Huberti nahm die Wechsel zur Korrektur mit, kam aber nicht wieder. Dieser Tage nun wurden verschiedene der Teilnehmer zur Polizei beschieden, um ihre Unterschriften auf Wechseln anzuerkennen. Diese Wechsel hatten kursiert, waren aber eingelöst worden. Dr. Huberti hatte als Aus­steller gezeichnet. Dr. H. betrieb in Leipzig eine Verlags­buchhandlung für Handelswissenschaften, die inzwischen in Konkurs geraten ist. Offenbar hatte er die Akzepte" seiner Zerbster Schüler als Zahlungsmittel für seine geschäftlichen Zwecke verwendet.

Gine persische Prinzessin aus Berlin. Frau Eleonore bon Siemens, die Witwe eines Neffen Werner von Siemens, hat sich in Berlin mit dem persischen Prinzen Freydun Mal­com vermählt. Er ist der Sohn des Prinzen Malcom Chan, des persischen Gesandten in Italien und selbst Militärattachee in Rom.

Eine schwere Grubenexplosion ereignete sich, wie aus Wilburton in Oklahama gemeldet wird, auf einer dortigen Kohlengrube. Dreizehn Personen wurden dabei getötet.

Brand eines Moskauer Museums. Eine schwere Feuers­brunst suchte das Polytechnische Museum in Moskau heim und zerstörte einen großen Teil der wertvollen Samm­lungen. Diese waren, troßdem ihr Wert mehrere Millionen beträgt, nur mit 160 000 Rubel versichert.

+ Sechs Kinder verbrannt. Von einem herben Schlag wurde der Besizer eines Bauernhofes in Lierstrand( Nor­wegen) getroffen. Seine Scheunen und sein Wohnhaus brannten nieder. Trotz aller verzweifelten Anstrengungen gelang es nicht, seine Kinder aus dem Flammenmeer zu retten. Alle sechs famen jämmerlich um.

* Unfall oder Familiendrama? In Hamburg wurde der Mechaniker Kruse und seine vier im Alter von 8 bis 14 Jahren stehenden Kinder tot aufgefunden. Es liegt zweifel­los eine Leuchtgasvergiftung vor, doch weiß man noch nicht, ob es sich um einen bloßen Urfall oder ein Familiendrama handelt.

Ans verschmähter Liebe erschoß ein vierundzwanzig­jähriger Volontär sich selbst mit einem Revolver, nachdem er eine zwanzigjährige Violinistin, Mitglied einer böhmischen Damenkapelle, durch einen Schuß schwer verletzt hatte.

A Die Folgen des Alkohols. In Saltlake- City wurde der Hauptmann Raibourn vom 29. amerikanischen Regiment in schwerer Trunkenheit von seinem Leutnant Point nach Hause geleitet. Dort verlegte der Hauptmann seinen Be­gleiter lebensgefährlich durch zwei Schüsse und erschoß sich dann selbst.

Tages- Chronik. Die vom Detnolder Schwurgericht wegen der Lemgoer anonymen Briefe zu Jahren Zucht­haus verurteilte Frau Kracht hat die von ihr gegen das Urteil eingelegte Revision wieder zuückgezogen.

- Das dem Oberstmarschall Grafen Bißthum von Eichstädt gehörige Schloß Lichtenwalde bei Chemnitz wurde mit vielen unerseßlichen Kunstschäßen durch Feuer zerstört.

Auf einer Drahtseilbahn bei Lyon riß das Seil, der Wagen fuhr zu Tal, und bei dem Anprall wurden 17 Per­sonen verletzt.

Die Opfer des Tornado.

Einer der gewaltigen Wirbelstürme, die in Teras urd Mexiko unter dem Namen Tornado" ebenso häufig wie gefürchtet sind, hat über die Stadt Laredo unfägliches Unheil gebracht. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten scheint es, als ob der größte Teil der Stadt Laredo vom Orkan zerstört worden ist. Die Zahl der Toten in Laredo allein wird auf weit über 100 geschätzt. Doch hat der Sturm auch in der Umgegend arg gehaust und viele Opfer gefordert.

Ueber die Katastrophe wirh des.dyeren aus Newyork gemeldet: Die Stadt Laredo im Staat Texas, an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Meriko, wurde durch einen mächtigen Wirbelwind, dortzulande Tornado genannt, zerstört. Die Größe dieser Katastrophe läßt sich ermessen, wenn man berücksichtigt, daß Laredo eine Stadt von 12000 Einwohnern war. Die Stadt war eine Eisenbahnstation und Industriezentrum von einiger Bedeutung. Zweihundert Häuser wurden von dem Sturm vollständig demoliert und fielen in Trümmer. Viele andere Häuser wurden teilweise zerstört. Einige Hotels, fämtliche Kirchen, sämtliche Schulen und andere öffentliche Gebäude liegen in Trümmern. Andere öffentliche Gebäude sind schwer geschädigt.

Bisher hat man feststellen können, daß über hundert Personen getötet wurden. Viele hunderte Personen wurden verlegt. In einem Hotel allein wurden 25 Personen unter den Trümmern zerdrückt. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab. Unter Trümmerhaufen hörte man das Stöhnen von Opfern, die noch am Leben waren, obwohl schwer ver­legt. In vielen Fällen war es unmöglich, eine Rettung zu versuchen. Es wird einige Wochen dauern, bis man die Trümmerhaufen wird entfernen und die wirkliche Größe der Katastrophe ermessen können. Man befürchtet, daß die Verlustliste viel größer sein wird, als man bisher ange­nommen hat.

Derselbe Wirbelsturm vernichtete einige Dörfer in der Nähe von Laredo. Die Stadt Sauchez Green, sechs englische Meilen entfernt, wurde vollständig vernichtet. In der Um­gebung hat der Sturm auch viele Opfer an Toten und Ver­legten gefordert. Die aenauen Verluste sind noch nicht be­

kannt. Fünftausend Personen sind obdachlos; große Not herrscht unter denjenigen, welche alles verloren haben.

Soziales Leben.

[] Streik im Fuhrwerksgewerbe zu Ping. Der größte Teil der Lastfuhrwerkskutscher ist am 1. Mai in den Aus­stand getreten. Die Ausständigen behinderten die arbeits­willigen Kutscher, indem sie die Zugstränge der Gespanne zerschnitten. Die Behörden haben Schußmaßregeln ge­troffen. Eine Anzahl von Verhaftungen sind vorgenommen worden.

Kunft und Wissenschaft.

RP Ein Röntgenkongreß wurde unter reger Beteiligung in Berlin eröffnet. Er ist verbunden mit einer Röntgen­ausstellung. Beide Veranstaltungen sollen eine Uebersicht über die seit ihrer epochemachenden Entdeckung vor zehn Johren mit den Röntgenstrahlen gemachten Errungen­schaften auf dem wissenschaftlichen und industriellen Gesamt­gebiet geben. Das Hauptinstrument der Röntgenforschung, die sogenannte Röntgenröhre, hat seit ihren Anfängen eine solche Entwickelung erfahren, daß heute die ältesten Röhren fast wie ein Spielzeug erscheinen. Bald wurden die Röntgen­strahlen zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel bei medizi­nischen Forschungen, und durch die Bestrahlung franker Ge­websteile wurden wesentliche Ergebnisse in der Besserung und Heilung von Hautkrankheiten erzielt. Die Industrie wußte auch für sich manchen Nutzen aus der Anwendung der unsichtbaren Strahlen zu ziehen, die ihr ein ganz neues Mittel an die Hand gaben, in die Zusammensetzung von Roh­stoffen hineinzuleuchten, ihre etwaigen Mängel aufzudecken und Echtes von Unechtem zu unterscheiden. Professor Rönt­gen selbst ist aus Bescheidenheit dem Kongreß ferngeblieben.

ME Franz v. Defreggers 70. Geburtstag brachte dem be= rühmten Maler des Tiroler Volkslebens reiche Ehrungen. Aus allen Weltgegenden liefen Glückwunschtelegramme ein. In der Münchener Villa des Künstlers erschienen zahlreiche Deputationen mit Ehrengaben. Kaiser Wilhelm verlieh dem Jubilar das Ehrenzeichen für Künste und Wissenschaften.

LP Das Gotthard- Observatorium. In der Nacht vom 10. zum 11. März brannte, wie man sich erinnern dürfte, das Gotthardhospiz, das allen Gotthardwanderern wohlbekannt war, vollständig nieder. Herr Lombardi in Airolo, dem das Hospiz gehörte, hat nun die Absicht, neben der alten Kapelle einen Hospiz- Neubau aufzuführen, und die Tessiner Regie­rung hat ihm ihre Unterstützung zugesagt. Bei Gelegenheit des Neubaus will Herr Lombardi auch für die Unterbringung des kleinen Gotthard- Observatoriums, das jezt neben der alten Kapelle ziemlich dürftig untergebracht ist, geeignete Räumlichkeiten schaffen. In alpinen und wissenschaftlichen Kreisen findet dieser Plan lebhafte Zustimmung; denn das auf der rauhen Baßhöhe gelegene Observatorium, in welchem auch im Winter gearbeitet wird, ist für die Witterungsbeob­achtung von großer Wichtigkeit. Es hat vor allen anderen Bergstationen die günstige Lage- hart an der großen Föhn­straße und der alpinen Wetterscheide voraus. Auf dem Gotthard befand sich schon von 1782 bis 1792 ein meteoro­logisches Observatorium, das unter der Leitung des sehr ge­lehrten Kapuzinerpaters Laurentius stand. Laurentius hat wertvolle Aufzeichnungen mit zahlreichen meteorologischen Beobachtungsdaten hinterlassen; sie werden noch heute in den alten Archiven des Observatoriums aufbewahrt.

Plus dem Gerichtsfaal.

§ Die Mörderin Franziska Klein der kaiserlichen Gnade empfohlen. Eine überraschende Meldung kommt aus Wien. Der Gerichtshof, der auf Grund des Geschworenenedikts die des Mordes an dem Armenvorsteher Sikora angeklagte Fran­ziska Klein zum Tode verurteilte, hat beschlossen, sie der Gnade des Kaisers zu empfehlen. Der Beschluß dürfte durch die Tatsache veranlaßt sein, daß nur neun Geschwo­rene die auf Mord lautende Frage bejahten, der Angeklag­ten demnach nur zwei Stimmen zum Freispruch vom Morde fehlten.

§ Der Veteran als Bettler. Ein trauriges Bild bot sich in einer Erfurter Schöffengerichtssitzung. Vom Rheumatismus gebeugt, ging am Stocke langsamen Schrittes der Sattler Hermann Dünfel, ein Veteran von 1870/71, auf die An­flagebant, um sich wegen Bettelns zu verantworten. In großer Not hatte er sich im Januar d. J. schriftlich an einen Oberstleutnant a. D., seinen früheren Chef im 3. Thüringi­schen Infanterie- Regiment Nr. 71, gewandt und darauf hin­gewiesen, daß er mit gegen Frankreich gekämpft und infolge der Strapazen sein Leiden davongetragen habe. Schließlich bat er um Gewährung einer Unterstützung in Form von Kleidungsstücken. Beim Abholen derselben war er von einem Polizeibeamten auf der Straße angehalten worden. Nach längerer Beratung gelangte das Gericht zu einem freispre­chenden Erkenntnis. Mit den Worten: Ich danke herzlich!" verließ der Veteran den Saal.

§ Eine aufregende Szene im Gerichtssaal spielte sich vor dem Thorner Schöffengericht ab. Als gegen den Anstreicher Dorin eine sechsmonatige Gefängnisstrafe wegen Beleidi gung des Polizeisergeanten Dehnlow und Widerstands gegen die Staatsgewalt beschlossen wurde, ergriff Dorin das drei Pfund schwere Sandfaß vom Tisch des Gerichtsschrei­bers, warf es auf Dehnlow, packte diesen und würgte ihn. Gendarmen machten den Wüterich dingfest.

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Vermifchtes.

=[ Die Grundmauern des alten Straßburger Rathause@] wurden bei Legung einer Kabelleitung auf dem Gutenberg. platz bloẞgelegt. Dies 1321 erbaute Stadthaus war ein schönes gotisches Gebäude. Den Gutenbergplay, der vor 600 Jahren noch Martinsplay hieß, hatte man deshalb für das Stadthaus erforen, damit die Anhänger der beiden mächtigsten Geschlechter Zorn und Müllenheim von ihren Trinkstuben aus gleich weit dorthin hätten".

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=[" Unverschämte" Kelluerforderungen.] Schwere Sor­gen bedrücken die Moskauer Gastwirte und Hotelbesitzer. Die Kellner mucken nämlich in respektwidrigster Weise auf und stellen die wunderbarsten Forderungen: Sie wollen nicht mehr wie Hunde, sondern wie Menschen behandelt werden; die Hotelgäste sollen sie nicht mehr duzen und ihre Gesichter nicht mehr mit Senf oder Kaviar beschmieren dürfen; sie wollen sich nicht mehr von schlecht aeltuinten Gästen Teller

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