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bei fünf oder mehr Kindern von Gesetzes loegen einzutreten hat. Zur Deckung des entstehenden Ausfalls sollen die Gesellschaften mit beschränkter Haftung fäster yerangezogen

werden.

* Nach ziemlich zuverlässigen Angaben sollen über das preußische Volksschulgesetz zwischen den Vertretern der Stompromißparteien Beratungen stattgefunden haben, welche zu einer Einigung über die fonfessionellen Bestimmungen geführt hätten. Es heißt, daß die Vertreter der konservativen Partei vorher mit maßgebenden Persönlichkeiten der Zentrums­frattion Rücksprache genommen und daß letztere die vorge­schlagene Form für annehmbar erklärt haben.

Spanien.

** Die Verhängung des Ausnahmezustandes über Barcelona ist wegen der katalonischen Bewegung von beiden Häusern des Parla nents beschlossen worden.

Balkan- Staaten.

** Die Mächte haben die an Bulgarien gerichtete Mahnungsnote wegen der Erhaltung der Ruhe auf dent Balfan auch an die griechische Regierung gesandt. In Sofia behauptet man, Bulgarien habe seit zwei Jahren in der mazedonischen Frage eine an Selbstverleugnung grenzende Zurückhaltung geübt; die Mächte hätten darum feinen Anlaß, es zur Ordnung zu rufen.

Alien.

** Das wegen der Unruhen beim Friedensschluß mit Rußland über Tokio verfügte Kriegsrecht und beschrän fende Bestimmungen für die Presse sind aufgehoben woorden. Die in Pefing stattfindenden Verhandlungen de: japanischen und chinesischen Bevollmächtigten über die Mandschurei haben in den Hauptpunkten zu einer freundschaftlicher: Ver. ständigung geführt. Die japanische Regierung beschloß, die Gesandschaften in London, Washington, Paris, Berlin und Petersburg zu Botschaften zu erheben.

Afrika.

einer beftimmten Sfelle der Chaussee niederzulegen, anderen­falls er erschossen werder würde. Der Bedrohte übergab den Brief der Polizei, die nun eifrigst bemüht ist, den frechen Erpresser zu ermitteln.

Ein Geisteskranker unter den Rädern. Auf dem Bahnhof Cleve versuchte ein Geistes franker, der in die Frren­anstalt gebracht werden sollte, seinem Wärter zu entlaufen und auf einen fahrenden Zug zu klettern. Er geriet aber unter die Räder dee Zuges nnd wurde so schwer verletzt, daß er furze Zeit darauf starb.

** Von einem politischen Zwischenfall in Marokko wird über London berichtet. Aus Tanger melden englische Zeitungen, daß der Vertrag des Tabaksmonopols abgelaufen sei, der auf die Dauer von zwei Jahren mit einem Ameri­faner abgeschlossen war. Bei dieser Gelegenheit ließ der Gouverneur von Tetuan das Lokal des Auterikaners mit Truppen besezen. Diese sollen sämtliche Waren beschlag­nahmt und den Eigentümer und seine Angestellten mißhandelt haben, obgleich sie die amerikanische Flagge über ihre Waren ausgebreitet hatten. Die Londoner Duele gebietet äußerste Borsicht gegenüber dieser anscheinend aufgesauschten Ge schichte.

Hof und Gesellschaft.

Bermißter Dampfer. Der Dampfer Salerus, von Hamburg nach dem Mittelmeer bestimmt, hat am 10. No­vember Barry verlassen, ist aber bisher an seiner nächsten Station Algier nicht eingetroffen. Das Schicksal des Dampfers erregt Besorgnis.

** Rei der Fahrt des Kaisers vom Bahnhofe in Pleß zum Schlosse bildeten auf dem mit Fackeln erleuchteten Wege der Kriegerverein von Kobier, die Schüzengilde, die Feuerwehr und die Schulen Spalier.

Aus den Parlamenten.

Von einem fallenden Baum erschlagen. Ein bes trübender Unglücksfall ereignete sich beim Holzfällen im Walde bei Zeulenroda. Der Arbeiter Franz Starke vermochte nicht schnell genug bei Seite zu springen und wurde von einem stürzenden Stamm niedergeschlagen, sodaß er einen Schädel­bruch erlitt. Kurze Zeit darauf starb der Getroffene, der eine zahlreiche Familie hinterläßt.

X Streit der Straßenbahner in Kiel. Die Ange stellten der Straßenbahngesellschaft in Kiel sind in den Aus­stand getreten, nachdem die mit der Direktion gepflogenen Verhandlungen ohne Ergebnis verlaufen sind. Der Bahn­verkehr stockt. Man nimmt an, daß der Streit nicht von langer Dauer sein und die Fortsetzung der Verhandlungen schließlich zu einer Einigung führen wird.

Preußischer Landtag. Das Eröffnungsprogramm beider Häuser des Preußischen Landtags wird jezt amtlich bekannt gegeben. Danach wird die Eröffnung des auf den 5. Dezember d. J. einberufenen Landtags an diesem Tage, mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des Königlichen Schlosses zu Berlin er­folgen. Zuvor wird Gottesdienst im Dom und in der Hed­wigskirche stattfinden.

Fünf Personen durch giftige Gase getötet. Die Sucht, nach Altertümern zu graben, hat in dem ägyptischen Orte Karnat fünf Menschenleben vernichtet. Ein Eingeborener stieß bei Ausgrabungen auf eine Tür, die in einen Schacht führte, und stieg in diesen hinein. Als er nicht wieder zum Vorschein fam, folgte ihm die Frau, dann die zwei Kinder und ein Nachbar, der die vorausgegangenen suchen wollte, aber alle blieben verschwunden. Sie waren sämtlich in dem Schacht durch dort angesammelte giftige Gase erstickt.

Bayrischer Landtag. Die Kammer der Abgeordneten hat das Wahlgesetz in dritter Lesung einstimmig angenommen. Vorher war der Antrag der Liberalen auf Einführung der absoluten Mehrheit vom Zentrum gegen die Stimmen der übrigen Parteien abgelehnt worden.

Soziales Leben.

Rußlands Kriegskosten. Im Jahre 1904 hat Rußland nach einer jetzt veröffentlichten Zusammenstellung des russischen Schazamts über 676 Millionen Rubel für den Krieg mit Japan ausgegeben.

× Die Londoner Arbeitslosen. Bei der Eröffnung der vom König gestifteten Arbeiterzelte kam es zu heftigen Kundgebungen. Eine Menge Arbeitsloser sammelten sich an und empfing die zur Einweihung geladenen Gäste bei ihrer Ankunft mit Pfeifen und mit dem Rufe: Wir brauchen teine Barmherzigkeit! Wir wollen arbeiten!" Da es für die Polizei schwierig wurde, die Ordnung unter der Menge aufrecht zu erhalten, so wurde berittene Polizei requiriert, die die Straßen vor Ankunft des Herzogs und der Herzogin von Fife, die die Zelte eröffneten, säuberte.

Nab und fern.

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atten der Nongeit der des Briefs mineral hin noch der lehrreichste und wie man sieht nicht nur eine Jugendspielerei.

Ungetreuer Kaffenverwalter. In Ludwigshafen ist der Stadtrendant Sieb verhaftet worden. Es werden ihm Unterschlagungen städtischer Gelder im Betrage von 51 000 M. zur Last gelegt.

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Ein Schülerstreich. In St. Paull bei Hamburg er­schien ein Volksschüler, nachdem er mehrere Tage aus dem Unterricht gefehlt hatte, wieder in der Schule, aber nur mit einem Arm. Auf Befragen des Lehrers erzählte er, daß ihm der Arm abgenommen worden sei, er aber die Schule nicht versäumen wollte. Der Lehrer schichte ihn nach Hause; er fam aber am andern Tage wieder und bestand darauf, dazu­bleiben. Einem Lehrer fiel indessen die Sache auf, man untersuchte den Jungen näher and faub, daß er den angeblich fehlenden Arm unter den Anzug an ben Körper gebunden trug! Es wird gut sein, mit einer reichlichen Menge un gebrannter Asche" dem schlauen Birschchen die Bust zu solchen und ähnlichen Streichen auszutreiben.

Erdbeben in Süddeutschland. In Hohenzollern wurde gestern ein furzer, von donnerähnlichem Getöse begleiteter Erdstoß wahrgenommen. Wahrscheinlich hat man es hier mit Ausläufern der Erderschütterungen zu tun, die in den letzten Tagen wiederum Süditalien heimgesucht haben.

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Aus dem Leben des Grafen von Flandern. Der eben verstorbene Graf von Flandern war in seinem Privat leben von außerordentlicher Einfachheit und haßte nichts mehr als höfisches Wesen und offizielle Festlichkeiten. Er besaß Humor und Geist und machte sich nicht selten über seinen Bruder, den König von Belgien, lustig. Vor einigen Jahren wohnte er ntit dem Bruder der Eröffnung einer Ges mäldeausstellung in Gent bei und warf bei dem üblichen Rundgang einen gelangweilten Blick auf die außerordentlich zahlreichen Bilder. In einer stillen Ecke sagte er dann zu Herrn Desamblanc, dem Generalinspektor der belgischen Eisenbahnen, der den Rundgang mitmachte: Finden Sie nicht auch, lieber Freund, daß ich viel besser dran bin als mein Bruder, der König?" Und als Herr Desamblanc über rascht ausblickte, da er nicht wußte, was er antworten sollte, fügte der Graf hinzu: Ja, ja, ich brauche doch das alles hier nicht wunderbar zu finden, wie er!"

Maßregeln gegen die Raubanfälle im Harz. Der Harzer Verkehrsverband hat an die Ministerien von Preußen, Anhalt, Braunschweig und die Fürstlich Stolbergische Ver­waltung Eingaben wegen erhöhten Schutzes auf den Wegen und Straßen des Harzes durch vermehrte Patrouillengänge der Gendarmerie- und Forstschutzbeamten gerichtet. Von der braunschweigischen Regierung und der Fürstlich Stolbergischen Verwaltung sind bereits zustimmende Antworten eingegangen, von Preußen steht die Antwort noch aus, dagegen hat das anhaltische Ministerium eine ablehnende Antwort erteilt.

Rückkehr deutscher Dampfer aus russischen Diensten. Mehrere Dampfer der Hamburg- Amerikanischen Paketfahrt­linie in Hamburg waren während des japanischen Krieges nach Rußland verkauft worden. Jetzt ist der Dampfer Virgo beauftragt worden, diese Schiffe aus Kronstadt zurückzuholen. Auf der Virgo befinden sich 99 Mann und 25 Offiziere, die nachher teilweise auf die andern Dampfer übergehen sollen. Die Virgo ist bereits abgedampft.

Hebung des gesunkenen Torpedobootes. Das Wrack des bei Kiel gesunkenen Torpedobootes S 126 ist von Tauchern genau untersucht worden, die eine Dichtung der Beschädigungen, trotz ihrer Schwere, für ausführbar er­* lärten. Es besteht dann also die Möglichkeit das verun­glückte Boot zu heben.

Stadtverordneten Wahlen. Für die Berliner Stadtverordnetenwahlen waren in der dritten Abteilung vier Stichwahlen und zwei Nachwahlen zu vollziehen, bei denen es zum Teil zu sehr scharfen Kämpfen zwischen Liberalen und Sozialdemokraten tam. Die ersteren siegten in allen Wahlbezirken, bei den Stichwohlen mit Hülfe der bei den Hauptwahlen ausgeschiedenen Bürgerpartei.- In Dresden wurden bei der Stadtverordnetenwahl in der dritten Wähler­klasse vier sozialdemokratische Kandidaten gewählt. Bremen verloren die Sozialdemokraten einen Siz.

Wirkungen des Sturmes. Durch den furchtbaren Gewittersturm, der Norddeutschland heimsuchte, wurde in Rethem an der Aller ein zwanzig Meter hoher, fest einge­spannter Bohrturm samt den Maschinenhäusern umgestürzt und vollständig zertrümmert. Dabei wurde das Dach einer nahen Bude 75 Meter weit fortgeschleudert.

Tötlicher Unfall bei der Treibjagd. Bei einer in Primfenau in Gegenwart des Großherzogs von Sachsen- Wei­mar abgehaltenen Treibjagd entlud sich das Gewehr eines Leibjägers und der Schuß verletzte den Hilfsförster Müller des Herzogs Ernst Günther so schwer, daß der Getroffene tags darauf im Krankenhause verstarb. Die Jagd wurde infolge des Unfalls sofort abgeblasen.

Ein dreister Erpressungsversuch. Durch einen Droh­brief mit der Unterschrift Die Verschworenen" wurde ein Gutsbesizer in Deez in Anhalt aufgefordert 9000 Mark an

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Dienstmädchennot in Amerifa. Unsere deutschen Frauen pflegen in immer beweglichere Klagen über die Dienst botennot auszubrechen, je näher die bekannten Umzugstermine rücken. Wir mögen uns immerhin mit dem Bewußtsein! trösten, daß es bei uns noch lange nicht so schlimm ist, wie in Amerika. Hier bekommt man ja zur Not noch Tienst­boten, wenn auch durch teilweise Schuld der verehrten Haus­frauen die Löhne und sonstigen Ansprüche auf eine schwindelnde Höhe getrieben sind. In Amerika halten sich die weiblichen Personen aber überhaupt für zu schade zum Dienen und nehmen lieber Stellungen an der Schreibmaschine oder hinter dem Ladentisch an. In vielen Orten ist man ganz auf Chinesen und Neger als Dienstboten angewiesen, die noch viel unzuverlässiger sind, als die schlechtesten ihrer Kollegen in Deutschland, wenn sie nicht von Sklavenfamilien ab­stammen, die ans Dienen gewöhnt sind. Dabei schwanken die Löhne zwischen 60 und 100 Mart monatlich! Es gibt sogar Köche, die 200 bis 300 Mart im Monat erhalten. Wir brauchen also Amerika nicht zu beneiden und können mit unseren Dienstbotenverhältnissen noch ganz zufrieden sein.

+ Blutige Schlacht unter Soldaten. In der fran­zösischen Garnison Biserta in Tunis fam es zwischen 200 Soldaten des 4. tunesischen und des 3. algerischen Schützen­( Turko) Regiments am Vorabend des Bairamfestes zu einer wahren Schlacht. Zwei Soldaten des algerischen Schüßen­regiments wurden getötet. Außerdem gab es an 30 Ver­wundete. Unter den Soldaten herrscht große Erregung.

Hus dem Gerichtsfaal.

Austerlitz.

( 100. Gedenktag der Dreitaiserschlacht am 2. Dezember.)

Die napoleonischen Eroberungszüge, unter denen unser beutsches Vaterland schwer genug zu leiden hatte, haben in ber Dreifaiserschlacht bei Austerlig am 2. Dezember 1805 einen Erfolg zu verzeichnen gehabt, der nicht nur augenblick liche Gebietsvergrößerungen für Napoleon mit sich führte, sondern die mittelbare Veranlassung zum Zusammenbruch des beutschen Kaiserreichs wurde, dessen österreichischer Träger 1806 die Krone niederlegte. Sicher hat man die tatsächliche Bedeutung der Schlacht lange Zeit hindurch überschäßt. Die Berichte Napoleons, die von 30 000 Toten auf der Seite ber berbündeten österreichisch- russischen Armee sprechen, sind über­trieben, wie alle seine Siegesnachrichten. Es kann heute als sicher gelten, daß von den 83 000 Mann, die gegen die Fran zosen im Feuer standen, höchstens 3-4000 gefallen sind, denn für die französischen Behauptungen, daß 30 000 Russen auf der Flucht durch das dünne Eis der Seen bei Austerlitz ge­brochen und ertrunken seien, hat sich kein Beweis erbringen lassen. Es fanden sich wohl ein paar Kanonen und Pferde­leichen in den Seen an, aber keine Menschenleichen. Trotzdem war die moralische Wirkung des Sieges Napoleons so be­deutend, daß Desterreich noch am Abend der Schlacht mit den Franzosen einen Waffenstillstand schloß, dem bereits brei Wochen später der Preßburger Friede folgte.

§ Der Fremdenlegionär als Totschläger. Vor dem Schwurgericht Halle hatte sich der Arbeiter Schumann aus Greppin wege: gefährlicher Körperverlegung mit tötlichem Ausgang zu verantworten. Schumann, ein gewalttätiger Mensch, war nach sehr bewegter Vergangenheit in die Fremden­legion eingetreten, aber wegen Krankheit entiafer worden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland geriet er eines Abends im Gasthaus in Greppin mit den Brüdern Poprawa in Streit, weil diese seine Erzählungen aus der Fremdenlegion an­zweifelten. Schumann lauerte den beiden auf dem Heim­wege auf und bearbeitete sie mit einem Genickfänger, sodaß der eine Poprawa tot hinfiel, der andere schwer verlegt wurde. Sch. der in einer Fabrik sehr unter schädlichen Dämpfen und Gasen zu leiden hatte, ist jedenfalls nicht ganz normal, indessen doch nicht so sehr, daß er straflos bleiben fonnte. Das ir teil fiel milde aus und lautete nur auf fünf Jahre Gefängnis. § Merkwürdiger Freispruch. Vor dem Schwurgericht in Wien war der Schneidergehilfe Kraus wegen Totschlags angeklagt. Kr. hatte ein Dienstmädchen, mit dem er ein Liebesverhältnis unterhielt, erschossen und sich dann selbst zu töten versucht, woran er aber verhindert wurde. Das Ge­richt nahm an, daß Kr. unter unwiderstehlichem Zwange" gehandelt habe, als er das Mädchen erschoß, und sprach den Angeklagten frei.

Vermischtes.

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Die Schlacht hätte vielleicht eine andere Wendung ges nommen, wenn Preußen sich den Verbündeten angeschlossen hätte. In diesem Falle wäre Napoleon, der mit seiner Armee in Mähren stand, zwischen zwei Feuer geraten. Aber Preußen zögerte, trotzdem es von Napoleon vor der be­fannten Ulmer Einschließung schwer gereizt worden war. Es zögerte noch, selbst als der Kaiser von Rußland persönlich in Berlin um Anschluß warb, und Napoleon verstand es sehr gut, dieses Zögern zu benußen, indem er den Minister Hangwizz unschädlich machte und sich die Neutralität Preußens erhielt. So konnte er in aller Rube sein Heer von Wien und Brünn zusammenziehen, um den Russen unter Kutusow und den Desterreichern unter Fürst Liechtenstein entgegenzu­treten. Der Schlachtplan der verbündeten Heere, Napoleon durch eine Flantenumgehung zum Rückzug zu nötigen, war sehr schön erdacht, aber nicht genügend ausgearbeitet. Die Leitung der Verbündeten war nicht einheitlich genug, und der überlegenen Tafiif Napoleons gegenüber löste sich der ganze Plan in heillose Verwirrung auf, die zur Niederlage des österreichischen Heeres führen mußte, nachdem die Russen sich in eiliger Flucht in Sicherheit gebracht hatten. Der Sieg Napoleons war ein leichter gewesen, nur an einer Stelle bei dem Dorfe Prazßen leisteten die Verbündeten harten Widerstand, mußten aber auch hier zurückweichen, als ihnen Napoleons Reserve in den Rüden fam. Der Friebe von Preßburg besiegelte das Schichial des österreichisch­deutschen Kaiserthrons. Desterreich mußte Venedig an Italien abtreten, die Staaten Bayern, Württemberg, Baden als selbständig, davon die beiden ersteren als Königreiche ans erkennen und verschiedene Städte und Gebiete Bayern und Württemberg überlassen. Napoleons Kamm schwoll nach diesem Siege noch bedeutender, und es bedurfte barter Kämpfe, diesen forsischen Eroberer für die Deutschland und Europa zugefügten Demütigungen zu züchtigen. Das deutsche Kaiser­reich aber verblich unter den Schlägen von Austerliß, um erst 65 Jahre später zu neuem Glanze zu erblühen. Es ist nur die Gerechtigkeit des Schicksals, das gerade in dem Staate die deutsche Kaiserwürde erneut auferstehen ließ, unter dessen Streichen sie vor hundert Jahren zertrümmert wurde. So ist für uns die Sonne von Austerlitz" zu einem Flammen­zeichen geworden, dessen Mahnung und unvergessen sein sollte.

= Etwas für Markensammler. Welche Werte in den unscheinbaren Papierstückchen stecken, mit denen die Brief­martensammler ihre Bücher füllen, zeigt ein dieser Tage ab geschlossener Verkauf. Die Leipziger Firma Gebrüder Senf erwarb die gesamte Briefmarkensammlung von Lajos Richter, einem sehr bekannten Freunde des Sammelsportes, für 200 000 Mark. Das Geschäft ist ein sehr lohnendes, denn der wirkliche Wert der Sammlung soll 600 000 Mart be. tragen. Jedenfalls hat eine Unmenge Zeit, Geduld und Geld dazu gehört, diese Riesensammlung, die aus mehreren Tausend Marken besteht, zusammenzutragen. Unter den Sammelsport­

J. Langenbeck.

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