Ausgabe 
30.1.1904 Zweites Blatt
 
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Ar. 3.

Finnland.

( Fortsetzung.)

Afr

13. Jahrgang.

einspaltige Petitzelle für ganz Ober ind Marburg 10 Pfg. fonft 15 Big Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

ingslifte No. 3269.

on: Gießen, Seltersweg 88 chanschluß Nr. 362.

Deutschland iten

Ein illustriertes deutsches Familienblatt.

Bon jeher von warmer Liebe für dichterische Aeußerung, für Musik und Gesang erfüllt, hatten die Finnländer seit dem heidnischen Altertum bis auf unsere Zeit herab eine Volkspoesie von ganz eigentümlichem Gepräge. Ihre Lieder vom alten Wäinämöinen, dem Gotte des Gesanges und dem Repräsentanten der finnischen Götterwelt, und andere Winthen- und Baubergefänge, beren Lieblingsgegenstand die Perso nifizierung der Naturfräfte ist, haben eine durchgängig schwermütige Fär­bung und führen Bilder vor, die wie aus dem Nebel geballt erscheinen, Der aus den zahllojen Seen des Landes aufsteigt". Auch die balladen­haften Lieder haben meist den Ton Danscher Elegit; von der rauhen Kraft der skandinavischen Volkspoesie ist nichts in ihnen zu finden. In Den abgelegeneren Gegenden des Lan­bes, wo die altheidnischen Ueberliefe­Eungen sich erhalten haben, gelang es patriotischen Männern sogar, die Epuren altfinnischer Epif aufzufinden, so namentlich in der Landschaft Ka relien, wo der Gelehrte Lönnrot ans dem Volksmunde die bisher nur durch maindliche Tradition von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzten mythisch­epischen Gesänge zu sammeln und zu einer Art von Nationalepos zusam= menzustellen begann, dem er den Namen Kalewala gab, und das sich ara Schönheit und Originalität mit den Volksdichtungen anderer Länder

messen fann. Noch jezt ist Finnland, besonders das nöroliche, an Volks­dichtern( Runolainen, Runoja, Ru­nottaja, Runoseppä, Runonieffa) reiger als irgend ein anderes Land, wozu die Sprache viel beiträgt, da fie alles personifiziert. Die Volks­eder oder Runen( runot) werden nach der Kantele oder dem mit fünf Metalljaiten bespannten, der Sage nach von Wäinämönen erfundenen Dia fionalinstrument gesungen. Dem In halt nach ist in der Poesie der Franen die Lyrik überwiegend, die als Grundflang ein außerordentlich inniges Heimatsgefühi durchzieht, und Dieses Element herrscht auch in der Salewala" vor.

Kalewala( ,, Land des Kalewa")

Immmen kuppen the cursus­

ist hergeleitet von Kalewa( ,, Vater der Helden"), dem Beinamen Wämämönens, der Hauptgestalt der finnischen Sage. Die drei göttlichen und halb­göttlichen Helden: Wäinömönen, ein zaubermäch­tiger Sänger und Erfinder der Leier( Kantele), dessen Töne selbst die Tiere mit Entzücken laus schen, sein Bruder, der Schmiedekünstler Ilmarinen, der die wunderbarsten Dinge durch Zauber aus dem Feuer hervorgehen läßt, und der Gegner beider, Lemminkäinen, der allen Mädchen die

Finne auf der Reile,( Photographische Aufnahme.)

Uhr hier eingetroffen und am Bahnhofe auf Kosten des Senats bewirtet worden. Von dort wurden die Truppen nach dem Peterskai gebracht, wo die Einschiffung an Bord des Dampfers erfolgte. Gegen 10% Uhr erschien der Komman­dierende General des 9. Armeekorps Generalleutnant b. Bock und Polach an Bord des Dampfers zum Abschied von den Truppen. Gegen 12 Uhr verließ der Dampfer Adolph Börmann" unter lebhaften Kundgebungen der ausreisenden Mannschaften und der am Kai versammelten Menge den Hafen.

Die Chancen der militärischen Operationen lassen sich an nachstehendem Situationsbilde ermessen: Wind­huf ist gegen Norden abgeschnitten, Okahandja von allen Seiten und ebenso Otjimbingme. Bis Karibib sind die Deutschen Herren der Bahn, aber Regengüsse und die da­durch hervorgerufenen Ueberschwemmungen haben im Tal des Khanflusses die Stred zerstört. Der Kommandant des Habicht" hofft bis Anfang Februar die Linie wiederher­stellen zu können, eventuell will er aber auch zu Fuß vor­rücken. Vielleicht wäre es angebracht, da nach des Ober­leutnants v. Bülow letten Meldungen Okahandja noch einige Zeit gehalten werden kann, zu warten, bis der am 3. Februar in Swakopmund eintreffende Verstärkungs­transport angelangt ist. Windhuk ist nach sachverständigem Urteil für die Aufständischen als uneinnehmbar zu betrach­ten und mit 230 Gewehren genügend verteidigt, trotzdem das Fehlen der Geschütze vor dem groot roer" haben die Eingeborenen beillose Anast natürlich schmerzlich em=

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1904.

| Köpfe verdreht, bilden mit ihrem Tun und Trei. ben den Hauptstoff des Gedichtes. Die Geschichten drehen sich hauptsächlich um zwei Bunkie, einmal jola( Lappland?) zur Frau zu erhalten, und so darum, die Tochter Lonhis, der Wintin in Poh­mühle, welche Mehl, Salz und Geld auswirft dann, den Sampo zu verfertigen, eine Zauber­und überall Fruchtbarkeit und Gedeihen verbreitet. Nach großen Anstrengungen gelingt dies dem Ilmarinen, wogegen er sowohl als Wäinämänen

dn

in seinen Brautfahrten anfangs un glücklich ist, da Lonhi eine starke Zauberin ist und ihre Tochter die wunderlichsten Bedingungen ſtellt. Da Ilmarinen dieselben endlich löst, namentlich den Sampo schmiedet, so heiratet ihn die Tochter, bei welcher Gelegenheit die Hochzeitsfeierlichkeiten der Finnen ausführlich beschrieben werden. Den Sampo holen sie unter vielen Gefahren nach Wainölä( Ka­lervala); doch zerbricht er unterwegs auf dem Meere, so daß sein Segen nich verteilt. Die Darstellung ist in echt epischem Etil ganz objektiv ge, halten, nicht bloß mit geisterhaften Ilmrissen zeichnend, sondern mit in. dividualisierender Kraft die Wirklich. feit bis ins einzelne hin malend. Von der Landschuft, den Tieren und Vienschen des baltischen Nordens wird ein farbenhelles Bild entworfen, und auch die Gemütsart der nordischen Menschen, mit der Zärtlichkeit für Das Kleine den Sinn für das Große und Maßlose zu vereinen", tritt über­all hervor. Das Innerste aber aller Vorgänge bildet die Magie und zwar in dem Grade, daß Rosenkranz das finnische Epos andern Nationalepen gegenüber geradezu als das Zauber. epos bezeichnet. Alle heidnischen Götter der Finnen treten auf: Ju­mala, der Gott des Himmels; Uffo der alte, der Donnergott; Ahti, der Wasserfürst; Tapio, der Waldkönig; Tuoni, der Todesgott; Hüfi, das böse Prinzip, c. Am Schlusse des ganzen aber gebiert eine Jungfrau, Marjatta( gleich Merpàtta), einen Knaben( offenbar Anspielung auf Jesus), den Wäinämönen töten will, Uffo aber zum König von Karjala erhebt, worauf Wäinämönen mißmutig bis zum Rande des Horinzonts fort, Segelt, seine Kantele und Gesänge den Finnen hinterlassend.( Sch!. f.)

neue

Millionen hat es nicht schon der Kriegsmöglichkeit geopfert! Seit Monaten sind die Urlauber zu den Fahnen eingezogen, die Arsenale sind in fieberhafter Tätigkeit. Zwei Kreuzer wurden gegen Barzahlung im Auslande gekauft; von dort bezog man auch große Getreide und Kohlenvor= räte. Der Handel stockt. Der Wohlstand und das Gedeihen des Landes leiden unter dem lähmenden Kriegsdruck. So sieht sich Japan ganz abgesehen von seinen ſtarken foreanischen Interessen in die Lage eines Kaufmannes versetzt, der sich in einer Unternehmung derart festgelegt hat, daß ihr Aufgeben seinen finanziellen Ruin bedeutet. Er muß sie durchbiegen, wenn sein Tun auch einem Va- banque­Spiel gleicht. In bezug auf Japan kann obendrein von einem solchen Spiele gar nicht die Rede sein. Das Land hat gute Erfolgschancen für sich: ein gerüstetes, in seinem militärischen Werte nicht zu unterschäßendes Land­heer und eine schlagfertige, einheitlich zusammengesette, mo­derne Flotte. Gerade jetzt hasardiert Japan am wenigsten, wenn es in den früher oder später anscheinend unvermeid­lichen Krieg mit Rußland tritt. Seine Machtmittel werden nach menschlicher Voraussicht im Laufe der kommenden Jahre nicht in dem Maße wachsen wie die Rußlands im fernen Osten. So ist es dem vielfach überschäßten aber in letter Zeit auch viel verlästerten Inselvolke nicht zu verdenken, wenn es losschlägt.

Die Politik.

A Den Dank des Kaisers an sein Volk für die Kund­gebungen au Kaisersaeburtstag bringt folgender Erlak an

fung)

I und Umgebung on Oberhessen.

leichsanzeiger veröffentlicht wird. alle Stände, Alt und Jung, ge­Freude über seine glückliche Ge­ei durch diese Aeußerungen treuer Anhänglichkeit hoch beglückt ratulanten seinen wärmsten Dant Herr mir Leben und Gesundheit werde ich nicht aufhören, meine aterlandes zu stellen und auf das Volkes in allen seinen Schichten edacht zu sein."

Aussöhnung des Hauses Cum­Kaiserhause weiß ein Münchener öhnungsbestrebungen seien soweit hende Hochzeit des Großherzogs mit der Prinzessin Alexandra für Wilhelms mit dem Herzog Ernst geben werde. Der erfolgreiche den so lange sich entfremdet ge­iusern war fein anderer als der on Dänemark. Der alte König , daß er einer der aufrichtigsten

soll überfroh sein, daß es ihm Jen Frage mit Erfolg zu ver=

haben die Gewerbe- Inspektions­verbereferendare", die Gewerbe­

Titel Gewerbeassessoren" er­onwechsels in Anhalt steht eine 1 Vernehmen nach einen Straf­drei Jahren enthält.

er deutschen Acrzteschaft und den rauszusehen war, durch die Be­fenfassentages nur noch heftiger egt sieht man die Wirkung der Resolution in dem zielbewußten en bisher getrennt marschieren­igruppen, wie er allerorten zu= in, wo der Boden für die Ab­bisher noch am günstigsten war, ihre Kollegialität hin sämtliche f 5 Jahre eingegangenen Ver­enüber rückgängig gemacht. Eine Lösung der Frage ist im Inter­d herbeizusehnen, um so mehr, des Grafen Posadowsky die weiter ausgedehnt zu werden etär erkannte die Berechtigung idlichen Arbeiter, an den Wohl nehmen, im Prinzip vollkommen jetzt bei den städtischen Kassen stellen, wie soll es erst auf dem verten Verkehrsverhältnissen, die weislich nötig machen?! tand in Deutschland ab oder zu? ie Forderung nach ſozialen Ge­nde Berechnungen berufener ß der Wohlstand des deutschen en sei. Folgende Zahlen mögen illustrieren: 1902 waren in den , weil das Einkommen den Be­erschreitet, 50,80%, 1903 nur ve 1902 67,04%, 1903 nur mt 1902 59,66%, 1903 nur Gegenwartig haben also bereits über zwei Fünftel der Bevölkerung ein Einkommen von 900 Mt. Da­bei ist zu berücksichtigen, daß zu dem Reste von 58,92%, dessen Einkommen über 900 Mk. nicht hinausgeht, ohne Zweifel noch eine große Anzahl von Personen gehört, die durchaus nicht den unbemittelten Schichten zuzurechnen sind, so z. B. Söhne und Töchter wohlhabender Bauern, die in fremder Haus- und Landwirtschaft ein eigenes, aber 900 Mt. nicht überschreitendes Arbeitseinkommen erwerben, oder Kinder reicher Leute, die ein eigenes, der Verfügung des Familienoberhauptes nicht unterliegendes Zinseinkommen bon nicht mehr als 900 mr. besitzen. Es sei noch hervorge­hoben, daß der Teil der Bevölkerung mit über 3000 Mt. Ein­fommen ebenfalls im Wachsen ist; so waren in der Gesamt­bevölkerung 1903 4,36% gegen 4,34%, in den Städten 7,37% gegen 7,39%, auf dem Lande 2,01% gegen 1,99% im Vorjahre.

10.

Italien.

Der Führer der jüdisch- zionistischen Bewegung, Dr. Theodor Herzl aus Wien, weilt gegenwärtig in Rom, wo er nicht bloß vom König, sondern auch vom Papst em­pfangen wurde. Papst Pius zeigte lebhaftes Interesse für die Bestrebungen des Zionistenführers.

Rufsland.

Die Russifizierung Finlands wird mit allen erdenk­lichen Gewaltmaßregeln konsequent durchgeführt. Der rus­sische Gouverneur General Bobrikoff läßt sich keine Gelegen­heit entgehen, den Finländern nachdrücklich und in beleidi­gendster Form zu zeigen, daß es mit jedem Restchen der alten Selbstverwaltung ein für allemal vorbei ift. Seti

jonne

legen die Barkassen an und bringen die ersten Reisenden zaubert den hellsten Tag herauf. denen Menge. Es ist elf Uhr nachts, und die Mitternachts­in die Tiefe raffelt, fein Laut unter der andächtig gewor­Um zwölf Uhr

EINST

UND

Nr. 23.

Samstag, den 30

Januar

che Familien

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