Ausgabe 
30.1.1904 Zweites Blatt
 
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Die Finnländer fei eigentümlichem Ge auf uniere Beit Bamamoinen, den Repräsentanten d andere Mythen un beren Lieblingsgege nifizierung der Nat ine durchgängig bung und führen wie aus dem Nebel der aus den zah Landes aufsteigt". haften Lieder haber Dianicher Glegit; Kraft der skandina ift nichts in ihne

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in die Tiefe rasselt, kein Laut unter der andächtig gewor­denen Menge. Es ist elf Uhr nachts, und die Mitternachts­sonne zaubert den hellsten Tag herauf. Um zwölf Uhr legen die Barkassen an und bringen die ersten Reisenden hinüber auf Spißbergens Boden. Die Norwegerinnen und ihre Freunde sind zusammen diesmal. Bruckner reicht Ambjör die Hand an dem hölzernen Landungssteg, Randolf Symöne und dabei gewahren sie, daß die Füße der Mäd­chen in Schuhen aus Rentierfellen stecken, wie man sie bei den Lappen kaufen konnte. Verkleinern tun die nicht, aber fie passen zu dem kräftigen Ausschreiten.

,, Auf Spitzbergen! Das ist sicher, die bedeutungsvolle Stunde halten wir alle in der Erinnerung fest und damit auch das gegenseitige Gedenken," sagt Ambjör. Es ist keine Salonphrase, und mit einer höflichen Versicherung antwortet auch keiner der Herren. Die Blicke aller richten sich auf die schneebedeckten Bergspizen, gleiten über den sumpfig= moorigen Boden, streifen die Sparren der Erdhütte, in der fünf Menschen hier die Winternacht verbracht.- Ernſte, innere Bewegung, ein Uebermaß seltsamer Eindrücke stürmt auf jeden ein. Ole Olafsen beginnt ein Gespräch mit einem Rentierjäger; der Legationsrat folgt Symöne, die den zwei Kreuzen zustrebt, an der Hütte stehen bereits zu viele Men­schen, die über die Not der Verschlagenen ihre Bemerkungen machen. An dem einen Hügel setzt sich das blonde Mädchen nieder, und ihr Begleiter folgt ihrem Beispiel. Es ist eine lange Zeit des Schweigens. Wie schön erscheint den Augen des Deutschen die kraftvolle Gestalt, das Goldhaar, der Glanz der braunen, sinnenden Augen! Wie stark und zu verlässig die Hand, die ein Moosbüschel hält, winzige blaß­rote Blümchen. Wie korrekt und ungekünſtelt ist alles, was sie tut und sagt, klug, bewußt! Die kann nie in der formvollen Gesellschaftsschicht des Auswärtigen Amtes einen Fehler machen, die wird repräsentieren. Und was sagte Edwin da von guter Kameradschaft? Und plötzlich liegt seine Hand auf den Fingern, die die Pflänzlein halten: Symöne es ist eine bedeutungsvolle Stunde! Ich möchte mein Schicksal in Ihre Hand legen." Ein fester Druck, er kann nicht weiter reden, es wird ihm feucht vor den Augen, wie im Nebel, und ist doch keiner, ist klare, bren­nende Sonne.

Da kommt der Druck zurück. Ja, ich habe Sie auch lieb!"

Hand in Hand bleiben sie sißen und flüstern und sprechen mit den Augen, wenn aus dem Menschenschwarm, der nun die Küste überflutet, einer vorüberkommt. Ambjör hat den Vorhang vor dem einen Belt gelüftet. Ein junger Mann und eine ältliche Frau sind darin, zwischen Decken, Fellen, Kisten, dem Herd haben sie sich eine ganz behagliche Woh nung geschaffen. Nordländer, Mutter und Sohn, der junge Doktor der Botanik, ist zu Forschungszwecken da für drei Monate. So erfährt sie, als sie mit ihrem Begleiter auf­gefordert ist, einzutreten und Platz zu nehmen.

,, Das tut eine Nordlandsmutter!" sagt sie mit strahlenden Augen, und dann übersetzt sie: Die meint, daß wir Mann und Frau sind und auch miteinander der Wissenschaft halber kommen. Was ahnt sie von vergnügter Reisebummelei!" Randolfs Gesicht wird von Röte übergossen. Ambjör Lassen Sie die Prachtfrau gut geahnt haben. Werden Sie meine Frau! Ich liebe Sie ich verspreche" Da schließt sie ihm mit den Fingern die Lippen, lacht und sagt: Es ist genug. Ich will ja! Selbst nach Deutschland will ich für Sie gehen und es lieb haben lernen!"

,, Tyskland, meinetwegen," sagte Ole Olafsen eine halbe Stunde später, die alten Normannen sind überall herum­gezogen. Aber das müßt ihr nicht verlangen, Söhne, daß ich jemals Deutsch lerne." Unsere Männer sollen nor­wegisch reden!" bestimmt Ambjör.

So gewiß, wie's fam mit der Förlofning!" Symöne lacht. Wissen müßt ihrs. Gleich haben wir Zwillinge zu einander gesagt: Die gefallen uns! Wars euch auch so?" Edwin und Heinz geben wortlos Händedücke. Merken lassen habt ihrs euch nicht, Ambjör habe ich oft mit unsern Stille Wasser sind tief, trösten müssen."

Als das Frühstück von Bord herüber geschafft, in der Morgenfrüh auf Spißbergen eingenommen wird, die ganze Gesellschaft ist auf dem Boden gelagert, da bringt der Kapi­tän mit lautschallender Stimme das Hoch aus auf, die Ver­lobten von Spitzbergen". Sein Gesicht strahlt, er hat selber seine Freude an dem Ereignis.

EINST

UND JETZT

Spielbank- Schmerzen.

Seit die Spielbank von Monte Carlo eine Aktiengesellschaft geworden ist, mangelt es nicht an zuverlässigen Nachrichten über ihre Geschäftsgebarung. Die ungünstige internationale Geschäfts­age der lezz Jahre hatte auch die industrielle Ausbeutung der Roulette und des Trente- et- quarante recht ungünstig beeinflußt. Der Reingewinn der Spielbank, der früher 25-29 Mill. Franken betragen hatte, war auf 22, dann 20 und sogar auf 19 Millionen Franken gesunken! Für eine Gesellschaft mit einer Million wirk­lich eingezahlten Kapitals ein, wie man sieht, jammervolles Re­ſultat. Aber die Götter verlassen die braven Monegasken nicht! In Belgien sind ja die Spielbanken, die dem Fürstentum Monaco eine so bösartige Konkurrenz machten, sämtlich geschlossen worden, und seit dieser Zeit kann das Kasino von Monte Carlo die Leute nicht mehr fassen, die ein Tänzchen mit der Roulette wagen wollen. Angesichts dieses großen Geschäftsaufschwunges sieht sich die Spielbank veranlaßt, ihre Geschäftslokalitäten erheblich zu er­weitern. An das Kasino wird noch ein Stück angebaut, ein großer, 35 Meter langer Roulettesaal und zwei Rauchzimmer. Freilich hat die Kasinoverwaltung noch immer Anlaß zu vielen berechtigten Klazen und Stoßseufzern. Die Zahl der Spieler nimmt ja wohl zu, aber ihre Qualität wird immer schlechter. Es ist unglaublich, wie ungern heutzutage der Mensch ein paar Tausend Franken verliert. Nach der zuverlässigen Spielstatistit des Kasinos beträgt der mittlere Spielverlust jedes Kasinobesuchers bei jedem Besuche 50 bis 60 Franken. Das ist offenbar zu wenig und die Spielverwaltung bemüht sich denn auch eifrig, Abhilfe zu schaffen. Unter anderen Maßregeln plant man die Einrich­tung eines Speisesaals im Kasino selber. Wenn gegenwärtig ein Spieler Hunger verspürt, so muß er, um sich zu stärken, das Kasino verlassen. Ju günstigsten Falle bringt das einen ärger­lichen Zeitverlust mit sich. Nicht selten kommt es sogar vor, daß der Spieler während und nach der Mahlzeit sein Geld zählt und die Lust zum Weiterspielen verliert. Wenn er im Kasino speisen kann, so ist diese Gefahr viel geringer. Der Spieler bleibt be­1 ändig im Banne der Spielsäle, hört das Surren der Roulette­fugel, die Rufe der Kroupiers und den Klang der Goldstücke. Ein großer Nachteil für die Finanzen der Spielbank ist endlich das völlige Aufhören der Spielerselbstmorde. Wenn so ein Spieler des 20. Jahrhunderts sein Geld verloren hat, schießt er sich nicht etwa, wie das früher der Fall war, eine Kugel vor den Kopf, sondern läßt sich ausnahmslos von der Spielbank die Heimreise bezahlen und droht im Weigerungsfalle mit Beschwerden bei seiner Regierung. Vor den ausländisc, en Regierungen hat aber die Spielbank heillose Furcht und sie läßt deshalb regelmäßig einen Teil ihrer so sauer erworbenen Beute wieder fahren. Ist das nicht schmerzlich?

Bunte Blätter.

Ein kleines Königreich. Das wahrscheinlich kleinste aller unabhängigen Königreiche ist ein Inselchen in der Comoro- Insel­gruppe( Ostafrika). Der Sultan desselben begiebt sich auf jedes hier anlegende Echiff und bemüht sich, die Wäsche der Mann­schaft für seine Frauen zum Waschen zu erlangen, und der Pre­mierminister verkauft Kokosnüsse und Bananen an die Seeleute.

Verbrecheraberglaube. Verbrecher klammern sich oft an einen tiefeingewurzelten Glauben an Talismane und die schützende Macht von Zaubermitteln und Amuleten. Nach den Erfahrungen verschiedener Gerichte führt der professionelle Einbrecher oft ein Stück Glückskohle" bei sich. Mit dieser glaubt er auch den scharfsinnigsten Nachstellungen entgehen zu können. Zuweilen findet man auch bei der Visitation von Dieben ein Stück Kreide, Glückssteine und Ringe nebst verrosteten Hufnägeln. So wie die Raubgesellen an den Schutz durch solche Dinge in der Stunde der Gefahr glauben, trennen sie sich davon auch nur sehr ungern und oft bemühen sie sich, auszubedingen, daß ihnen diese Wert­gegenstände" bei der Entlassung aus der Haft wieder zugestellt ==

werden.

Nr. 23.

Samstag, den 30. Januar

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Bad and Berlag bee Stepene Berlagsbenderet, vorm. Bulb. Keller'sde Sudrudersi( gegr. 170); rate:

( 20. Fortsetzung.),

Der Beuge.

Roman von Marie Bernhard.

Die Geishas, welche sich der Gesellschaft Norden" pro­duzierten, waren, wie die meisten Mädchen dieses Schlages, sehr hübsch, reich gekleidet und angenehm von Sitten, wes­halb es denn auch nicht selten geschieht, daß ein Fremder" eine Geisha zum Weibe nimmt, ein Ziel, nach welchem die Mädchen samt und sonders mit Eifer streben, da sie recht gut wissen, daß die Europäer ihre Frauen weit besser behandeln, als die Söhne ihres Landes dies tun. Eine gewisse Vor­nehmheit zeichnet die Geisha vor ihren Kolleginnen, den Tänzerinnen und Teemädchen, aus, sie lassen sich von Be dienten die Instrumente nachtragen.. die dreisaitige Gui­tarre, welche mit einem meißelförmigen Stabe aus Gold oder Elfenbein geschlagen wird, die große Trommel, die wie bei den Europäern gehandhabt wird, und die kleinen Trommeln, welche mit der flachen Hand geschlagen werden.

Was den Gesang an sich anging, so war Hilda enttäuscht, sie hatte nach dem ansprechenden Aeußern und Auftreten die­fer Mädchen mehr von ihnen erwartet, als diese Aufeinander­folge gellender, schriller Töne, die nicht einmal etwas beson ders Charakteristisches hatten; zudem ermüdeten die endlosen Wiederholungen sehr, und die Europäer konnten es nicht be­greifen, wie die Japaner diesen Gesängen sichtlich gefesselt, viele sogar mit offenbarem Entzücken, lauschen konnten. Lächelnd bemerkte Hilda zu Hellmut Norden, wie grundver­schieden doch der Begriff Kunst" unter den getrennten Him­melsstrichen sei! Diesem sonst entschieden hoch intelligenten, strebsamen Volk würde zum Beispiel ein Lied von ihr, wie das neulich gesungene: Aus der Heimat hinter den Blizen rot", wahrscheinlich ebenso unverständlich und wenig anziehend sein, wie ihnen jetzt dieser Gesang der Geishas. Hellmut nickte. Sie haben recht, solche Lieder sparen Sie lieber für mich auf, gnädiges Fräulein, ich weiß sie vollauf zu würdigen!"

Nachdem man noch ein paar Gaukler und Akrobaten_an­gestaunt hatte, die ihre Sache ausgezeichnet geschickt, mit ver­blüffender Behendigkeit betrieben, flagte Sennora O'Vegas über Müdigkeit und trieb zur Rückkehr, die Dame kam sich vernachlässigt vor in Hildas Nähe, um die die Männer schwirrten, wie die Motten um das brennende Licht; der Ge­danke, diese gefährliche Schönheit noch die Nacht und den kommenden Tag über bei sich im Hause beherbergen zu sollen, - es war verabredet worden, daß Hilda noch bleiben sollte, um sich Tokio anzusehen war ihr durchaus nicht gemütlich, aber ehe ihr Gatte nach Yokohama herüberfuhr, wo sie ihn ganz aus den Augen verlor, wollte sie schon die gastfreie Wirtin spielen!

Unterdessen war es spät geworden, weiche Abendschatten senkten sich herab, der Himmel blieb eigentümlich hell, während unten die Dunkelheit rasch zunahm. Ein frischer Wind blies leicht die Kronen der Bäume an, da taumelten zu tausenden die Kirschblüten herab, den Männern auf die Hüte, den Frauen auf Haar und Gewand ein vielhundert stimmiges Lachen gab's, ein Girren, wie von zahllosen auf geschreckten Tauben, und Hilda, die ganz weiß überschneit

( Nachdruck verboten.)

dastand und die hellen Flocken von sich abschütteln wollte, fühlte auf einmal ihre Hand sanft festgehalten und eine Stimme dicht an ihrem Ohr, leise und leidenschaftlich bittend: " Nicht! Lassen Sie! Das gehört zu Ihnen!" Und obschon es fast dunkel war und sie sich nicht umwandte, wußte sie doch, wer zu ihr gesprochen hatte, und sie lächelte und ging weiter, ganz mit Frühlingsblüten überschüttet.

,, Du bist doch noch auf, lieber Vater?"

Es war Hellmut, der nach leichtem Klopfen, mit diesen Worten zu dem Senior ins Zimmer trat, gerade schlug die Uhr auf dem Kamin die zehnte Abendstunde. Norden junior hate sich nach der Heimkehr von Tokio, gleich seinem Vater, ein Bad bereiten lassen, ein leichtes Souper zu sich genommen und trat nun in einem dünnen, hellseidenen Hausrock, die Bigarrette im Munde, die reichen blonden Haare in feuchten Locken um die Stirn gewellt, in seines Vaters Wohnzimmer.

Verzeih', daß ich mich nicht melden ließ, mein rasches Eintreten scheint dich erschreckt zu haben, aber mein Hot- sumi hat mich im Stich gelassen, er ist einfach gar nicht nach Hause gekommen und schläft vermutlich seinen Sake- Rausch in Tokio unter Gottes freiem Himmel oder in einer Teebude aus. Du hast doch etwas Zeit für mich?"

Die habe ich immer, du weißt es ja! Setz dich doch, Hell­mut!"

Danke!" Der Sohn ließ sich in einen niedrigen, tiefen Schaufelstuhl gleiten und tat ein paar heftige Züge aus seiner Zigarrette. Der Vater lehnte mit dem Rücken an der Kaminwand und sah zu Boden. Es war so still im Zimmer, daß man das leise Sausen der Flammen in den Glaskelchen des vielarmigen Kronleuchters, der von der Zimmerdecke herabhing, hören konnte. Ein animierter Tag heute!" fing Hellmut endlich an.

Hm! Das hängt von der Auffassung ab! Bei deiner Jugend macht die häufige Wiederholung desselben Schau­ſpiels immer noch Vergnügen, in meinen Jahren ist das anders! Dies Frühlingsfest in Uyeno unterschied sich in meinen Augen durch nichts von den zwölf Vorgängern, die wir hier bereits erlebt!"

So dachte ich auch vor einem Jahr, trotz meiner Jugend!" ſagte Hellmut mit etwas unsicherer Stimme. Wenn das Fest diesmal einen eigenen Zauber auf mich ausgeübt hat, so hat das seinen ganz besonderen Grund!"- Wieder tiefe Stille der ältere Mann atmete laut und schwer. Und du fragſt mich nicht?" kam endlich Hellmuts Stimme dazwischen. Er ließ die Hand mit der Zigarrette sinken und richtete sich mit erstauntem Gesicht in seinem Schaukelstuhl empor.

Ich glaube zu wissen, Hellmut, und daher frage ich dich nicht! Du vergißt, welch beredte Augen du hast und wie genau ich sie kenne, sie und dein ganzes Wesen! Nicht wahr, du liebst du liebst" die Worte kamen offenbar mit An­strengung heraus dies fremde Mädchen, das vor einigen Wochen hierher nach Yokohama gekommen ist?"

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