Ausgabe 
30.1.1904 Erstes Blatt
 
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Ich sagen: Das ist eine bodenlose Gemeinheit.( Stürmische Unruhe links. Zuruf aus den sozialdemokratischen Reihen: Lümmel!)

Abg. Graefe( Antis.) legt gleichfalls dar, es habe niemals einen frivoleren Streit gegeben, als den in Crim­mitschau. Die Fabrikanten würden geradezu Selbstmord berübt haben, wenn sie den Forderungen der Arbeiter nach­gegeben hätten. Es genüge nicht, hier im Reichstage schöne Worte und Witze zu machen, wie dies der Reichskanzler tue, sondern es gelte, der Welt klar zu machen, daß der Staat sich nicht nur um die Interessen der Arbeiter zu füm­mern hat. Und deshalb hätten sich die Behörden in Sadhien, Speziell in Crimmitschau, geradezu ein Verdienst erworben. ( Lachen links.) Redner kommt dann auf die Aeußerung des Abg. Fischer- Berlin zurück und fragt: Was würden Sie sagen, wenn von uns so über Ihre Rabbiner gesprochen würde! Ich sage Ihnen: es gibt kein politisches Ver­brechen, es gibt keinen politischen Mord, der nicht von Ihnen gerechtfertigt würde!

Präs. Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter, das dürfen Sie Mitgliedern dieses Hauses nicht sagen!

Redner schließt mit einem Appell an die Regierungen zu gunsten des Mittelstandes.

Abg. v. Gerlach( freis. Ver.) verlangt Ausdehnung der Krankenversicherung auf Dienstboten auch auf dem Lande und Gewährung des Koalitionsrechts auch an Land­arbeiter.

Abg. Dröscher( kons.) tritt der Darstellung des Vor­redners über die Lage der Landarbeiter entgegen.n Mecklenburg sei glücklicherweise die Landarbeitgeberschaft ihres patriarchalischen Sinnes noch nicht verlustig gegangen, sie sorge für ihre Landarbeiter besser, als dies nur irgendwo anders auf Grund der Versicherungsgesetze geschehen könne. ( Suf links: Schweineställe! Heiterkeit.) Mit einer zu gro­Ben Nachgiebigkeit gegen sozialdemokratische Forderungen schüre man nur die Begehrlich.cit und den Byzantinismus nach unten.

Abg. Fräßdorf( Soz.) wandte sich gegen die Aus­führungen der Abgg. Lehmann, Graefe und Dröscher be­züglich des Crimmitschauer Streifs und warf dem Zentrum in längerer Rede vor, die Sozialpolitik nicht ernstlich zu betreiben. Seine Ausführungen wurden wiederholt durc Zurufe aus den Reihen des Zentrums unterbrochen, was den Grafen Ballestrem zu der Bemerkung veranlaßte: Ich bitte, den Redner nicht immer zu unterbrechen. Ich glaube, er hat die beste Absicht, nicht kurz zu sprechen!", was natürlich lebhafte Heiterkeit hervorrief. Abg. Fräßdors rollte in weiten Zügen die Crimmitschauer Frage auf. Allein mit Ausnahme seiner Parteigenossen brachten die Mitglieder des hohen Hauses den Ausführungen wenig Interesse ent gegen. Man ist ja allerseits froh, daß dieser Alb von den beteiligten Kreisen genommen wurde.

Ein Blick in die Zukunft.

- Freiherr v. d. Goltz über den nächsten Krieg. Der kommandierende General des 1. Armeekorps, Frei­herr v. d. Golz. setzt seine schriftstellerische Tätigkeit, fort. Vor kurzem hat sein Artikel über( lies: gegen) den Lurus im Heere großes Aufsehen erregt so großes Aufsehen, daß einzelne Sterndeuter in der publizistischen Welt glaub­ten prophezeien zu können, Freiher v. d. Goltz werde dem­nächst" seinen Abschied nehmen. Nicht als ob diese Wahr­sager glaubten, man sei an höchster Stelle für den Lurus im Heere, sondern weil sie annahmen, beim General treffe zu, was man als Merkmal einer guten Hausfrau bezeich­net: die beste Fraut sei die, von der nicht gesprochen wird... An dieser Wahrsagerei ist nichts wahr; sie ist eben nur Sage. Gleiches Interesse wird sicherlich in den nächsten Tagen ein weiterer Artikel des Generals finden, der in Februarheft der Deutschen Revue" zum Abdruck gelangt. Der Artikel beschäftigt sich mit dem ewigen Frieden und dem nächsten Krieg. Von dem Moltkeschen Ausspruch aus­gehend: Der ewige Friede ist ein Traum und nicht ein­mal ein schöner", kommt Freiherr v. d. Goltz zu einem ähnlichen Resultat, und beleuchtet die Stellung der Groß­mächte, namentlich die künftige Entwickelung Englands. In diesem Lande, so führt der Verfasser treffend aus, ist jeder Tenkende davon überzeugt, daß Indien dem Reiche einmal verloren gehen wird, wenn auch vielleicht nicht durch die Russen, so doch durch die Inder selbst; ein Voli von 300 Millionen lasse sich auf die Dauer nicht von wenigen Hunderttausenden beherrschen und bevormunden. Für den drohenden Verlust müsse Ersatz geschaffen werden, damit das Mutterland leben und seine große Stellung in der Welt behaupten könne. Diesen Ersatz solle ein englisches Afrifa bom Kap bis zur Nilmündung bieten, und diese Erwä gung führte zum südafrikanischen Kriege.

Bei der Beleuchtung der Friedensbestrebun gen kommt Freiherr v. d. Goltz zu dem Schluß: Soweit diese Bestrebungen auf völlige Beseitigung der Kriege hin­auslaufen, verlangen sie etwas der Natur der Dinge Zu­widerlaufendes, und es fehlt ihnen die innere Berechtigung. Es ist möglich so fährt der Verfasser wörtlich fort daß namentlich wir Deutsche ehedem zu bescheiden ge­wesen sind und uns den Plaz an der Sonne gar zu leicht bon Leuten mit dreisteren Ellbogen tauber ließen. Heutzutage wird man uns diesen Fehler, zunächst wenigstens soweit es theoretische Geltendmachung anbetrifft, nicht mehr nachsagen dürfen. Mit der freieren Entwicke­lung des Individuums aber wächst natürlich die Gefahr des Zusammenstoßes; denn ein jedes beginnt, je weiter es in der Ungebundenheit fortschreitet, desto eher, in jeglichem Widerstand, jeglichem Hindernisse, ein Unrecht anderer zu erblicken. Somit preisen wir zurzeit den ewigen Frieden als eine große Errungenschaft, tun aber zugleich alles, um das Geschlecht der Zukunft allmählich für einen Kampf aller gegen alle zu erziehen. Ein ernstes Mahn­wort eines ernsten Mannes, der seinen Geist frei hält und das Wort frei spricht!

Nab und Fern.

sofort von Berittenen und Radfahrern verfolgt und in dem benachbarten Orte Chrosczüzz festgenommen, wo er sich in einer Scheune unter das Stroh versteckt hatte. Hier wurde auch die gestohlene Fahne aufgefunden. Der Täter ist der Bauer Kania und hat den Diebstahl lediglich aus Haß gegen das Deutschtum ausgeführt. Bei seiner Vernehmung gab Kania an, daß eine Fahne mit dem Bildnis der Ger­mania" nicht in die Kirche gehöre. Der Verhaftete ist al großpolnischer Agitator bekannt und hat auch am Orte einen polnischen Verein gegründet.

Ungetreuer Prokurist. Nach Unterschlagung von 70 000 Mark zum Nachteil der Firma Gerbstoffabrik Arelsen ist der 42jährige Prokurist Georg Frahm aus Hamburg flüchtig geworden. Er hat die Summe in Beträgen von 700 bis 15 000 mt. veruntreut und die Defraudationen durch falsche Eintragungen in die Bücher zu verdecken gewußt. Frahm hatte noble Passionen, die viel Geld kosteten. Auch seine Frau ist seit einigen Tagen verschwunden.

Bunte Chronik. In Kiel wurde die von ihrem Ehe­mann getrennt lebende Näherin Schönemann in ihrer Woh­nung in der Schauenburger Straße ermordet aufgefunden. Vom Täter fehlt jede Spur.

In Bamberg erstickten in einer Brauerei zwei Brauergehilfen, die ihr Schlafzimmer mittels eines Koks­forbes geheizt hatten.

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Lokales.

30. Januar 1904. Der Darmstädter Vergiftungsfall. Unsere geftrige Mitteilung, daß bis jetzt 7 Personen dem Vergiftungsfall zum Opfer gefallen sind, bestätigt sich und heute wird uns gemeldet, daß gestern Abend halb neun Uhr als achtes Opfer das 13jährige Töchterchen der vorgestern verstorbenen Ww. Hüfner beschieden ist. Gestorben sind also: die Kochlehrerin B. Göhring, 35 Jahre alt, Frl. Luise Bernau, 38 Jahre alt, die Gemeinde­schwester Agnes Wagner, 42 Jahre alt, die Dienstmagd Anna Hohenstein, 18 Jahre alt, die Dienstmagd Elise Klinaler, 22 Jahre alt, und Adam Bernius, 6 Jahre alt, Frau Witwe Hüfner und ihre 13jährige Tochter. Im städtischen Krankenhaus und in Elisabethen­stift liegen noch acht Schwerkranke, deren Zustand als hoffungslos bezeichnet wird. Es handelt sich nicht um Pflanzengift, sondern, worauf auch die Krankheits­berichte sofort mit Deutlichkeit hinwiesen, um das recht fihäug vorkommende sog. Wurstgift, ein außerordentlich gefährliches Gift, das sich bei der fauligen Zersetzung bon Fleisch aller Art bildet und einem Fäulnis- Bafterium seine Entstehung verdankt. Im vorliegenden Falle ist also, wenn die Annahme sich als zutreffend erweisen sollte, daß bei dem Einmacherprozeß fleine oder kleinste Teile verdorbenen Fleisches in eine oder mehrere Büchsen gelangt sind, nicht etwa Pflanzengift entstanden, sondern die eingebrachten Fleischfäulnisbakterien haben sich auf dem für sie besonders günstigen Nährboden der zucker­haltigen Bohnen weiter entwickelt und hierdurch das sog. Wurstgift erzeugt. Ein Abschluß der wissenschaft­lichen Untersuchung ist vor Ablauf der nächsten Wochen kaum zu erwarten. Es sei hiermit noch bemerkt, daß ein Rest des betreffenden Salats, der für die Untersuchung dienlich erscheint, in einer Privatwohnung im Kohlenkasten aufgefunden wurde.

Eine schwere Typhusepidemie ist in Dorstfeld bei Dort mund ausgebrochen. Die Sanitätspolizei hat sofort die um. fangreichsten Maßnahmen getroffen, um eine Weiterverbret tung zu verhindern. Große Schilder kennzeichnen die Häuser, in denen Erkrankungen konstatiert sind.

O Diebstahl einer Kriegervereinsfahne. Die Kaisers. geburtstagsfeier in Alt- Schalkowitz( Kreis Oppeln) wurde in sonderbarer Art gestört. Während des Festgottes: dienstes drang ein mit einer Gesichtsmaske versehener Mann in die Dorfkirche ein und entwendete die in der Vorhalle aufgestellte Fahne des Kriegervereins. Der Täter wurde

^ Das zum Samstag, den 6. Februar, geplante Mastenfest des Turnvereins Gießen scheint allen Vorbereitungen zu Folge einen großartigen Charakter anzunehmen. Die sonst üblichen Gruppen- und Gesellschafts­tänze sollen vollständig vermieden werden und hat man nach uns gewordener Mitteilung darauf Bedacht genommen, der Festlichkeit so recht das Gepräge eines ungezwungenen Karnevals zu geben. Der Saal der Turnhalle und die Nebenräume, die Kasse und die Wirtschaftsräume sind bis in die kleinsten Details großartig ausgestattet, so daß sich Herz und Auge daran laben und man sich an die Gestade der Riviera mit ihrem munteren Treiben und lustigen Maskentrubel verseßt fühlen wird. Drum auf, nächsten Samstag zur Turnhalle, es findet jeder etwas zum Lachen und Amüsieren. Das Programm bietet in setner Aus­führung wirklich Originelles und Schönes.

Auf sonderbare Weise entkam ein Pfarrassistent Marguth, der gleichfalls sein Essen aus dem Institut holen ließ, dem Unglück. Er fehrte mittags verspätet zum Essen in seine Wohnung heim und inzwischen hatten die Speisen, die auf dem Dfen warmgestellt waren, noch einmal zu tochen be­gonnen. So war dem giftigen Bohnensalat seine schädliche Wirkung genommen. Ueber den Vorfall wird noch folgendes be­tannt: Die Lehrerin und Leiterin der Anstalt, Fräulein Goering, war in der Küche mit der Zubereitung des Mittagessens be­schäftigt, als sie von einer anderen Dame darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der gerade geöffneten Büchse mit Bohnen ein starter übler Geruch entst: öme. Fräulein Goering, die seinerzeit selbst die Bohnen eingemacht hatte, meinte aber, den Inhalt dieser Konservenbüchse mit dem von anderen ruhig zu einem Salat verwenden zu fönnen. Als mittags mehrere Tischgäste den Geruch und die dunkle Farbe des Salates tritisierten und das Gericht stehen ließen, nahm sich Fräulein Goering eine besonders große Portion und ver zehrte sie, um zu zeigen, daß der Bohnensalat recht gut ge­nießbar set. Die bedauernswerte Dame hat ihre für so viele Menschen folgenschwere Unvorsichtigteit selbst mit dem Tode büßen müssen.- Fräulein Göring ist die Tochter des zu Warburg i. W. verstorbenen Bezirksveterinärarztes Dr. Söring, bildete sich in der Kochschule zu Kassel aus und vervollkommnete sich darauf in einer Kochlehranstalt zu Berlin. Von hier aus fam sie 1895 an die Aliceschule. Die Verstorbene gehörte zu denjenigen Persönlichkeiten, die, wenn sie eine flicht einmal übernommen, all ihr Denten und Tun dieser widmen. Es war daher auch kein Wunder, daß sie die ihr anvertraute Anstalt, die unter ihren Vorgängerinnen nicht zum völligen Aufblühen gelangen fonnte, zu der bedeutenden Höhe brachte, auf der sie heute fteht. Es war eine Freude, die tatkräftige, freundliche, nimmermüde Leiterin ihres Amtes walten zu sehen.&& muß fast als eine Ironie des Schicksals erscheinen, wenn man sieht, wie die pflichttreue und gewissenhafte Lehrerin durch den Genuß von Konserven so jäh aus them segeng­reichen Wirten herausgerissen wurde. Die Leiche wurde von Darmstadt nach Warburg gebracht. Hoffentlich wird der über die Anstalt so plöglich hereingebrochene Unglücksfall das Vertrauen nicht erschüttern, das sie durch ihre seitherigen Leistungen in Stadt und Land erworben hat, und das ihr von allen Seiten entgegengebrachte Wohlwollen erhalten bleiben.

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** Vortrag. Der Geschäftsführer des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, Herr J. Gonser aus Berlin wird über die bisherigen Er­folge der Mäßigkeitsbewegung in Deutschland in Gießen am 5. Februar einen Vortrag halten.

** Zum zweitenmale gastierte am Mittwoch in Friedberg unter Leitung des Direktors Steingötter das Ensemble des Gießener Stadttheaters, welches auch für fünf Jahre für das Großh. Kurtheater in Bad Nauheim verpflichtet ist. Am Nachmittag wurde das Lustspiel ,, Minna von Barnhelm" von Lessing und am Abend das Trauerspiel Maria von Magda­lena" gegeben. Beide Aufführungen gestalteten sich zu vollendeten Darbietungen, die ihre Wirkung auf das Publifum nicht verfehlten und dasselbe nach jedem Att­schlusse zu erneuten Beifallsbezeugungen hinriffen.

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* Enteignungsverfahren. fommission wegen Enteignung von Gelände zur Weiter­führung des Sieles und zur Erbauung der Klärbäcken ist zum vorläufigen Abschluß gekommen. In Frage tommt eine Fläche von 91 266 Quadratmeter, an Troms Fabrik entlang des Wassers und zwischen Margaretenhütte und der Lahn am Heßler gelegen. Die Stadt bot pro Quadratmeter 30 Pfg.- 3 Mt. je nach Lage, während die Eigentümer 2 Mt. 15 Pfg. bei den mündlichen Ver­Handlungen forderten.

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Das bor furzem in Darmstadt stattgehabte Polizeikommissär- Gya men haben sämtliche 8 Bewerber bestanden.

* Besizwechsel. Herr Justizrat Reaz hat sein Haus am Neuenweg in Gießen für 75,000 Mart an die Stadt verkauft. Ferner faufte die Firma W. G. Schuchard am Seltersweg das in der Löwengasse in Gießen gelegene früher Schreiner Werner'sche Haus für 12,000 Mart.

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** Die diesjährigen Refrutenbesichtigungen beim 116. Inf.- Regt. finden dem Vernehmen nach am 3., 4. und 5. Februar statt und zwar sollen besichtigt werden am 3. Februar das 1. Bataillon, am 4. Februar das 3. Bataillon und am 5. Februar das 2. Bataillon. Außer dem Regiments fommandeur wird der Brigade­kommandeur Generalmajor Graf von Kanig an der Besichtigung teilnehmen. Wie ferner verlautet wird das Regiment am 5. April If. Js. zu mehrwöchentlichem Ererzieren nach Griesheim abrücken.

** Die definitive Anstellung von Schulverwaltern darf in Zukunft nur dann noch erfolgen, wenn die definitiv zu beseßende Schulstelle in Konkurrenz ausgeschrieben war. Bei Nichtausschreibung der Stelle wird den so angestellter Lehrern vom Ministerium die Einreihung in die etatsmäßig besetzten Stellen verweigert.

** Lollar, 30. Jan. Sonntag Nachmittag 5% Uhr hält Herr Gymnasiallehrer Kahl aus Darmstadt einen Vortrag über die Notwendigkeit der Haftpflichtversicherung im Ortsgewerbeverein bei Mitglied Fr. Weinrich ab. Große Beteiligung erwünscht, Gäste willkommen.

A Homberg a. d. Ohm. Herr Veterinärarzt Dr. Gerhard wurde als Kreistierarzt in Oppenheim ange­stellt. An seine Stelle hier tritt sicherem Vernehmen nach Herr Veterinärarzt Hofmann.

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Nieder- Ohmen, 30. Jan. Der von Rüddingshausen­Weiters hain tommende Poftwagen machte heute morgen auf der glatten Straße in unserem Ort plöglich einen Sprung und schüttete seine Insassen auf das Pflaster, die glücklicher Weise ohne Schaden zu nehmen, vielmehr unter Heiterkeit, der Bahn zustrebten; der Boftwagen mußte unter Hülfe eines Wagners wieder auf dt: Räder gebracht werden.

XJlbeshausen, 29. Jan. Der Luftkurort Hochwald­hausen beginnt im nächsten Sommer seine erste Saison. Der Hotelbau wird im Juni vollendet. Erbaut wird noch ein Kurhaus und ein Erholungsheim für Aerzte und ein gleiches für Kaufleute. Hochwaldshausen liegt 1 Stunde von Station Jlbeshausen.

+ Marburg, 29. Jan. Ein ungeheurer Leichenzug folgte heute Nachmittag dem Sarge, der die sterbliche Hülle des Geh. Rats Professor Lehmann zu Grabe brachte. Im Zuge waren vertreten, der gesamte Lehrkörper der Universität, Magistrat und Stadtverordneten, zahlreiche Beamte und Bürger. Dann trat das pompöse Trauergefolge

der akademischen Jugend auf, die einzelnen Korps, Ver­bindungen, Burschenschaften, Landsmannschaften und sonstigen Korporationen der Universität mit drei Musikhören. Am Grabe sprachen außer dem Geistlichen namens der juristischen Fakultät deren Dekan, Professor Leonhard, namens der Universität Gießen der Rektor Professor Brauns und als Vertreter der juristischen Fakultät Professor Leist von Gießen.

Butzbach, 29. Jan. Die Kaiserin von Rußland spendete für die Wiederherstellung der hiesigen Stadtkirche die Summe von 500 Mt.

Frankfurt a. M., 29. Jan. Im Laden des Anti­quitätenhändlers Heymann, Bockenheimer Landstraße 7 wurde in vergangener Nacht eingebrochen. Für 9000 Mt. Juwelen und Goldwaren fielen den Dieben in die Hände.

Frankfurt a. M., 29. Jan. Am Eisernen Steg stürzte gestern der 11 jährige Schulfnabe Becker in den Main Die vor einigen

und ertrant.

+ Griesheim a. M., 29. Jan. Wochen unter Zurücklassung ihrer Kinder mit einem Liebsten"

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