Ausgabe 
30.1.1904 Erstes Blatt
 
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nach der Schweiz durchgebrannte 50jährige Hebamme Bogen| spruchsvollere Menschen konnten sich über die zweifelhafte ift ohne den Don Juan wieder hier eingetroffen.

Stadttheater Gießen. Fellner& Cie.

Komödie in 3 Aften von Volkmar Böhme. Wer gestern Abend von den Theaterbesuchern geglaubt hatte, einmal einen lebendigen Autor vor der Rampe zu sehen, mußte eine grausame Enttäuschung erleben: Volkmar Böhme, der Dichter der Komödie, blieb fern! Ein boshafter Nachbar meinte, der Verfasser habe sich das Kind seiner Muse nicht mehr anhören können, ohne sich zu ärgern aber das ist offenbar Verläumdung. Die Sache ist doch ganz nett: Ein alter Buchhalter hat jahrel ng Betrügereien verübt, die Zeichnung.n zu einer Notenseßmaschine gestohlen und von Moses Waldkirch, einem Bucherer, Halsabschneider, Brandstifter, Urkundenfälscher usw., diese Maschine zum Patent anmelden lassen. Aber die Sonne bringt es an den Tag! Der jüngere Sohn des Chefs, Maler und Sozialdemokratischer Seelenaristokrat" tommt auf leider etwas dunkle Art und Weise hinter die Schliche des alten Fuchses und zwingt ihn auf der Jubiläumsfeier der Firma Fellner& Cie. zur Abdankung und Aufklärung des Irr­tums" mit der Sehmaschine, worauf der Entlarvte tief ge= tnickt von dannen wandert! Wer mehr verlangt ist un­bescheiden umsomehr als eine ganze Anzahl Figuren des Stückes, alte Bekannte aus Bossen sind und die sieht man Und wie bitter Unrecht hat man z. B. diesem Moses Waldkirch getan, man denke sich fünf Jahre( oder waren es sechs?) hat der Brave wegen Brand­stiftung gesessen, noch dazu unschuldig und in einer geradezu rührenden Weise macht er das Publikum mit seinem Märtyrertum befannt; bei einem solch grausamen Schicksale ist es natürlich kein Wunder, wenn man Hals­abschneider wird, das ist doch noch das einzige ehrliche Geschäft! Und wie schön endet der erste, leider etwas reichlich lange Aft. Da ist eine Komtesse Irene, die will den Seelenaristokraten" ehelichen und da die Beiden gleiche Ansichten haben, wirft das mutige Fräulein alle Erziehung, jeden Taft und An­stand bet Seite, und preist anläßlich eines Besuches bei Fellnerr's das Ehepaar in einer großangelegten Lobrede, weil er früher Seßer gewesen sei und sie Zeitungen gefalzt habe. Ist das nicht erhaben gehandelt und ideal gedacht? Schade, daß fich im zweiten Afte eine gleiche Szene nicht findet, aber im dritten, da ist wieder etwas Aehnliches, da bringt ein mutiger Faktor eine halbe Herzkammer" voll Beschwerden ohne Scheu mit zur Jubiläumsfeier und will ouspacken. Man hätte den Mann aussprechen lassen sollen

immer gerne.

so eine Tattlosigkeit wirkt immer! Wer sich an einigen etwas ausgedehnten Dialogen lang- weilte, hatie Muse, den ziemlich reichhaltigen Theaterzettel zu studieren und so famen alle auf ihre Rechnung! Uebrigens war letztere Beschäftig­ung mitunter amüsanter als die des Zuhörers, denn an­

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Holzversteigerung

in der fürstlichen Oberförsterei Lich. Es sollen versteigert werden: Montag, den 1. Februar, im Distrikt Weilbach:

Buchen: 600 Rm. Scheiter( darunter 12 Rm. Wertscheiter), 170 Rm. Knüppel, 231 Rm. Stöcke, 5170 Wellen Astreiser und 3000 sog. Forstwellen. Eichen: Rm. Scheiter( 1 Rm. Glaserholz), 14 Rm. Knüppel, 12 Rm. Stöcke, 260 Wellen. Ahorn: 3 Rm. Scheiter; 3 Rm. Fichten- Knüppel, 39 Rm. Fichten Stöcke.

7 Eichen- Abschnitte

=

Durchmesser: 43 46 46 55 55 49 57 Länge 5,4 6 3,4 7 5 54 5 teilweise bestes Glaserholz( zart und leicht spaltend), 1 Buchen- Abschnitt 47, 1 Linden- Abschnitt 30

Die Zusammenfunft ist auf dem Schnittpunkt der Chauffee Lich- Hattenrod und des Vicinalwegs Burkhards­felden- Niederbeffingen, Vormittags 9/2 Uhr.

Dienstag, den 2. Februar im Distrikt Höler: Buchen: 204 Rm. Scheiter( dabet 2 Nm. Werk­scheiter), 114 Rm. Knüppel, 106 Rm. Stöde, 3870 Wellen.

Eichen: 3 Rm. Scheiter, 38 Rm. Knüppel, 49 Km. Stöcke, 1850 Wellen. Nadelholz: 6 Rm. Knüppel, 29 Rm. Stöcke, 150 Wellen; 2 Am. Birken- Knüppel, 474 Fichtenstangen 7,10 Fftm., teils Derb- teils Netsstangen.

5.50-6.00 mr., Zwiebeln ver 3t. Mr. 4.50-5.00, Aepfel per Gentner 16-20 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktzeit bon 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverfebre dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Um­herziehen feilgeboten werden.

Aufgebotene.

Komödie, die mehr technische Schnitzer wie Wize enthält, allen Ernstes ärgern. Inszenirt war die Sache ganz nett, unsere Künstler haben daraus gemacht was zu machen war und wenn verschiedene Fehler und Stockungen namentlich im letzten Afte vermieden worden wären, würde dies auch Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. nicht viel geholfen haben. Herr Sandorff gab eine ruhigen sicheren Maier Otto Fellner, Herr Telety als Buchhalter Meyer war wieder nahezu vollendet und Herr Achterberg spielte den Metteur Taubenschlag im Ganzen ansprechend. Frl. Hohl, Herr Linzen, Herr Pichler genügten vollkommen, während Herr Haag in Haltung etwas zu wenig Abwechselung bot und sich im Dialekte nicht treu blieb, auch übertrieb er zuweilen; immerhin war er ganz wirkungsvoll. Auch die übrigen Darsteller trugen dazu bei, um die Sache so leidlich über Wasser zu halten und der Beifall war verbältnismäßig starf.

Eingesandt.

H. H.

Die Theaterdirektion wird ersucht, bei ihrer nächsten Volksvorstellung, wieder einmal einen unserer Klassiker zu Worte kommen zu lassen; und vielleicht Schiller's Wilhelm Tell" zur Aufführung zu bringen.

Brieftasten.

F. in Heuchelheim. Die Ortsgerichtsvorsteher und Gerichtsmänner haben weder Besoldung noch Ruhegehalt, sondern nur die Gebühren zu beziehen, die das Ministerium des Justiz im Wege des Dienstanweisung festgesezt hat.- Was den anderen Punkt anbetr fft, so bitten wir Sie, einmal selbst zu uns auf die Redaktion zu kommen.

Wetterbericht.

( Wetterdienst zu Gießen: Beppler.)

Verlauf der Witterung von Freitag bis Samstag. Das östliche Hoch ist von dem anrückenden Tief ganz zurückgedrängt worden. Infolgedessen drehte der Wind nach Süden, es trat Tauwetter und geringer Regen ein. Ein neues Tief naht im Westen Irlands. Daher voraussichtliche Witterung für Samstag und Sonntag

trüb, mild, gerinaer Regen.

Marktberichte.

Gießen, 30. Januar Aus dem beutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Pfd 090-1.00 wt., Hühnereter 2 Stüd 16-20 Bfg., Enteneter St. 8 Pfg., RKäse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Bfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Linien per Liter 32 Bfg, Tauben per Paar 1. 0.80 1.00, hühner per Etüd Mr 1.30-1.40, Hahnen, per Etüd C.80-1.70, Enten per Etüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd 65-70 fg., chsenfleisch per fd. 68-78 Big., Rindfleisch

per Pid. 62-66 Pig. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Bfg. Sd weine­fleisch gesclzen per Blund 0.80 fp., Kalbfleisch per Pfd. 70-70 Pfa., Hammelfleisch der Pfd. 56-74 Bfg. Kartoffeln pro 100 Kilo

Ackerverpachtung.

Die 2 neulich verpachteten Pfarräcker, für die rechtzeitig Nachgebote eingelegt worden sind, sollen noch­mals verpachtet werden.

Es sind die Aecker:

1. Acker am Altenfeld, Flur 15, Nr. 127, 5254 qm 2. Acker, die Leimenfaut( unweit des Feldschlößchens, an der Rodheimerstraße) Flur 38, Nr. 236, 3829 qm.

Die Verpachtung soll stattfinden am nächsten Mitt­woch, den 3. Februar, vormittags 11 Uhr, im Kon­firmandensaale der Johanneskirche.

Gießen, den 30. Januar 1904.

Der evangelische Gesamt- Kirchenvorstand. Dr. Naumann.

Holzversteigerung. Dienstag, den 2. Februar d. J. werden aus den Waldungen der Gemeinde Großen- Linden, Distrikt Neuheg und Tränke versteigert:

=

Stämme: 4 Kiefern von 31-36 cm Durchmesser und 3 bis 4 Meter lang 1,35 Fftm., 18 Fichten von 14 bis 27 cm Durchm. und 9 bis 18 m lang= 7,78 stm. Derbstangen 5 Fichten mit 0,61 Fstm. Retsstangen: 13 0,34

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Snüppel: 276 Rm Nadel, hiervon 3 Km 3,5 m lang

Am 24. Jan. Heinrich Wogner, Taglöhner in Großen­linden mit Katharina Muhl daselbst. Am 25. Ludwig Has­bach, cand med dah. m. Antoinette Schäll in Aachen. Am 27. Friedrich Philipp Schilling, Kellner dah. m. Philippine Wallon in Winnen. Eheschließungen.

Am 23. Jan. Karl Christian Pfund, Küfer dah. mit Katharine Jakobine Egelmüller hierselbst. Geborene.

Am 20. Jan. Dem Eisendreher Wilh. Hartmann eine Tocht. 21. Dem Viehhändler Joseph Stern ein Sohn, Erich. 22. Dem Rangierer Adolf Emmel eine Tocht., Else Hedwig. - Dem Lackierer Karl Käs eine Tocht., Helene. Dem Arbeiter Christoph Balßer ein Sohn, Willy. Dem Serge anten Bruno Bartel ein Sohn, Kurt Albert Heinrich. 25. Dem Gerber Ludwig Mühlhause eine Tocht., Hedwig Marie Minna. Dem Taglöhner Heinrich Banz eine Tochter, Karoline.

Gestorbene.

-

Am 22. Jan. Phil. Dürr, 24 J. alt, Schreiner dah. 23. Friedrich Meißner, 28 J. alt, Reporter dah. 24. Jo­hannes Horst, 67 J. alt, Taglöhner dah. Joh. Margar. Elisab. Wolff, geb. Schäfer, 60 J. alt, Ehefr. des Schrift­stellers Rud. Wolff dah. Aug. Haas, 58 J. alt, ohne Beruf dah. 27. Hrch. Alb. Wilh. Noll, 2 Mte. alt, Sohn des Gärtn. Friedr. Noll dah. 28. Friedr. Ludw. Rausch, 16 Tage alt, Sohn des Fuhrmanns Joh. Rausch dah. 29. Wilh. Lenz, 27 J. alt, Bankbeamter dah.- Sidonie Dingeldein, geb. Wiener, 80 J. alt, Wtw. des Defans Jo­hann Georg Dingeldein dah.

Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann

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