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Geheim polizisten. ( Nachdruck verboten.)

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stehen, großer Cile 31 sein und etwas Wichtiges vorzuhaben. Ich wandte mich um und erhaschte mit dem Blid einen an­fand, gieber den Damm und verschwand in einer Allee. er ungefähr dreißig Meter von mir entfernt war, blieb er etwas unter seiner Bluse, und da er es nicht Blufe, der in das Haus fchlüpfte.

Nr. 50.

bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Satisbetingen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Coifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Montag, den 29. Februar 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einfpaltige Betttzelle für ganz O hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15% Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Boftzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluk Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Gießen, den 24. Februar 1904. Betr. Den Wiesengang im Frühjahr 1904. Das Großherzogl. Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Nach Artikel 4 der Wiesenpolizeiordnung für den Kreis Gießen ist im Laufe des Monats März der Frühjahrswiesengang durch den Wiesenvorstand unter zuziehung der Feldschüßen und Wiesenwärter vorzunehmen. Wir beauftragen Sie demgemäß, alsbald die erforderliche Anordnung zu treffen und eine Abschrift des über den Wiesengang aufzunehmenden Protofolls innerhalb 14 Tagen nach Beendigung des Wiesenganges an uns einzusenden.

In diesem Protokoll hat sich der Wiesenvorstand insbesondere darüber zu äußern:

a) ob die Anordnungen, welche im Anschluß an frühere Wiesengänge getroffen wurden, befolgt worden sind und welche nicht;

b) welche Anordnungen von dem Wiesenvorstand zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang borgefundenen Mängeln getroffen worden sind, oder welche Maßnahmen zu diesem Zwecke vorge= schlagen werden. Der Wiesenvorstand hat hierbei sein Augenmerk namentlich auf die Reinigung der Wiesen von Geftrüpp, Gesträuch, Moos, schädlichen Pflanzen 2c., auf die Verebnung der Maulwurfs­hügel, sowie auf die Unterhaltung der Be- und­Entwässerungsgräben zu richten;

c) welche Verbesserungsvorschläge in Bezug auf Hierbei größere Wiesendistrikte zu machen sind.

kommen namentlich solche Vorschläge in Be­tracht, zu deren Ausführung die Bildung von Wassergenossenschaften nach den Bestimmungen des Bachgesezes angezeigt ist.

Zu b) fügen wir erläuternd an, daß in der Regel insofern fein besonderer Anstand vorliegt, der Wiesen­vorstand in seinem Protokoll eine Frist, welche vier Wochen nicht übersteigen soll, festzusetzen hat, binnen deren die vorgefundenen Mängel bei Meidung von Strafen und Zwangsmaßregeln von den Pflichtigen zu beseitigen sind. Die Aufforderung zur Beseitigung der vorgefundenen Mängel ist nach Beendigung des Wiesenganges ungesäumt durch den Bürgermeister orts­üblich bekannt zu machen.

Das Protokoll über den Wiesengang ist von allen Beteiligten zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesenborstandes an der Teilnahme verhindert, so ist dies am Schlusse des Protokolls zu bemerken. Sollte der Wiesenvorstand nicht mehr vollzählig sein, so wollen Sie uns nach Anhörung des Gemeinde­rats als bald besondere Vorlage machen.

In den nachstehend verzeichneten Gemeinden wird ein Beamter der Großh. Kultur- Inspektion Gießen, ge= mäß Art. 4, Absatz 2 der Wiesenpolizeiordnung_an dem Wiesengang teilnehmen. Der Tag und die Zeit des Beginnes des Wiesenganges sind bei jeder Gemeinde besonders bemerkt. Die Zusammenkunft findet jeweils auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters statt. 1. Beltershain 8. März 9 Uhr vormittags ,, nachmittags vormittags nachmittags

2. Stangenrod

3. Rödgen

4. Annerod

5. Garbenteich

6. Bersrod

7. Harbach

8. Nodheim

9. Steinheim

Der Krieg in Oftalien. Während die Japaner jetzt selbst einräumen müssen, daß ihr Versuch, die Hafeneinfahrt von Port Arthur durch Ver­senken von Branderschiffen zu sperren, mißlungen ist, haben sie in Korea einen großen Erfolg zu verzeichnen: Es ist zu einem formellen Bündnis zwischen Japan und Korea ge­kommen, und die Koreaner treten nunmehr im Kampfe gegen Rußland an die Seite der Japaner. Aus Söul wird darüber gemeldet:

Die koreanische Regierung hat sich entschlossen, Truppen zu entsenden, die mit den Japanern gemeinsam vorgehen sollen. Wiju ist für den Handel geöffnet worden.

Japan- Korea und der Zweibund.

Die große Bedeutung dieses Schrittes der koreanischen Regierung liegt darin, daß nunmehr die Japaner ihre ge­samte verfügbare Truppenmacht gegen die Russen verwen­den können, während sie bisher gezwungen waren, genügend Mannschaften zur Beseßung der koreanischen Plätze und zur Deckung ihrer Rückzugslinie zurückzulassen. Auf die aktive Mitwirkung des koreanischen Heeres in offener Feldschlacht werden die Japaner wohl höflichst dankend verzichten. Denn mit den koreanischen Soldaten ist wenig Staat zu machen. Aber die Japaner selbst haben jetzt ja genügend Truppen in Korea, um den Russen mit Aussicht auf Erfolg die Spize bieten zu können. Das koreanisch- japanische Bündnis beun­ruhigt denn die russische Diplomatie auch in hohem Maße, wie aus der folgenden Londoner Meldung klar hervorgeht:

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nachmittags Sie wollen ferner veranlassen, daß gleichzeitig mit dem Wiesengang die durch Statut vorge­schriebene Lokalschau des Vorstandes der in Ihrer Gemeinde bestehenden Wassergenossenschaften Die Genossenschaftsvorstände borgenommen wird. haben hierbei insbesondere ihr Augenmerk darauf zu richten, ob sich die genossenschaftlichen Anlagen in gutem Zustande befinden und ob etwa Unterhaltungs­oder Verbesserungsvorschläge zu machen sind. In Ihrem Begleitbericht zum Wiesengangsprotokoll ist anzugeben, ob die Lokalschau der Wassergenossen­

schaften, wie angeordnet, stattgefunden hat.

J. V.: Dr. Kranzbühler.

In hiesigen politischen Kreisen wird eine mehrtägige Reise des französischen Botschafters am Londoner Hose, Cambon, nach Paris eifrig besprochen. Sie soll damit zusammenhängen, daß Rußland in Paris den Versuch unter­nommen habe, die Unterstüßung, welche Japan seitens Koreas empfängt, als casus foederis darzustellen, welcher Rußland berechtige, das Eingreifen Frankreichs zu fordern.

Ob dieser Versuch gelingen wird, ist bei dem großen Risiko, das die französische Regierung durch ein Heraustreten aus ihrer Neutralität laufen würde, allerdings immer noch zweifelhaft. Doch können die Ereignisse im fernen Osten schließlich sich so aeſtalten, daß Frankreich, auch abgesehen von der Koreafrage, zur Einmischung veranlaßt wird. Zu dieser Besorgnis gibt

die japanfreundliche Haltung Chinas nur zu begründeten Anlaß. Die Bevölkerung ist unzu­frieden über die bisherige Wahrung der Neutralität. In einzelnen Provinzen regt sich bereits die offene Rebellion, die mit Japan liebäugelt. Da ein großer Teil der chinesischen Machthaber und Generale sich auch für einen Anschluß an Japan aussprechen, so hat die chinesische Regierung einen schweren Stand und wird kaum auf die Dauer ihre Neutra­lität bewahren können. Aus Pefing wird über diese Ange. legenheit berichtet:

Die Generale Ma und Tschi wollen angeblich beim Kaiser Widerspruch gegen die Neutralität Chinas erheben. Der japanische Gesandte in Peking drängt China zu einem entscheidenden Schritte. Offenbar von ihm beeinflußt, haben Yuanschifai und andere Staatsmänner der Regie­rung eine Denkschrift überreicht, worin sie auf der Not. wendigkeit eines Schuk- und Truzbündnisses Chinas mit Japan bestehen. Japan verspreche, wenn es Koarea er. halte, die Mandschurei nicht anzurühren und keine Schritte gegen das chinesische Kaiserhaus zu unternehmen.

Sollte es dem großen Einfluß Yuanschikais und seiner Hintermänner gelingen, diesen Plan durchzusetzen, dann wäre der Weltkrieg unvermeidlich, denn in China laufen die euro. päischen Interessenfäden in dichtem Knäuel zusammen.

Ueber neue Operationen liegt nichts Bemerkenswerted bor. Dagegen äußern sich jetzt auch amtliche japanische Dar. stellungen über

die letzten Vorgänge vor Port Arthur. Danach waren es fünf japanische Kauffahrteischiffe, die dazu bestimmt waren, den Hafeneingang zu sperren. Sie hatten eine Größe von 1000 bis 2000 Tonnen und waren zur Täuschung des Feindes mit einem kriegsschiffähnlichen Anstrich versehen. Wie Admiral Kammimura berichtet, wur. den sie von ihren Besatzungen selbst versenkt. Doch mußten sich die japanischen Flottenführer später davon überzeugen, daß das Versenken der Brander von keinem namhaften Er­folg gewesen, mit anderen Worten die Hafeneinfahrt unver­sperrt sei. Sämtliche Besazungsmannschaften, ebenso wie die Torpedoboots flottille seien unversehrt geblieben. Zum Schluß macht Admiral Kammimura noch die Mitteilung, daß bas japanische Kreuzergeschwader einen russischen Tor. pedobootsjäger vernichtet habe.

Die Politik.

Eine interessante Uebersicht bietet eine soeben erschienene Statistik aus der Reichsvoftverwaltung, der wir einzelne

Daten entnehmen. Die Zahl der Beamten der Reichs- Post­und Telegraphenverwaltung ist zu Anfang des Jahres 1904 auf nicht weniger als 217 716 Personen angewachsen. Gegen das Vorjahr bedeutet dies eine Vermehrung um 7810 Röpfe. Die Beamtenstellen sind im letzten Jahre um etwa 2400, die der Unterbeamten um 2700 vermehrt worden. Bei den selbständigen und nicht mit Postanstalten vereinigten Tele­graphenämtern und Stadtfernsprechämtern werden 20 397 Personen beschäftigt, und zwar im Telegraphendienst 9987, im Fernsprechdienst 10 410. Der Fernsprecher nimmt also schon jetzt mehr Kräfte für sich allein in Anspruch, als der Telegraph.

Die längst angekündigte Gründung des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie ist jetzt erfolgt. Aus den Sta­tuten des Verbandes, der seinen Siz in Berlin hat und das ganze Reichsgebiet umfaßt, heben wir folgendes hervor: Der Verband will die Sozialdemokratie als politische Macht be­kämpfen und hierzu alle Gegner der Umsturzpartei zu ver einigen suchen; er kennt keinen Unterschied der Parteistellung. Der Reichsverband verfolgt lediglich politische und nationale Zwecke, er will der Vaterlandslosigkeit und republikanischen Gesinnung der Sozialdemokratie entgegentreten und wird sich bemühen, auf die Wahlen im nationalen Sinne einzu­wirken. Er will die arbeitende Bevölkerung durch Wort und Schrift darüber aufklären, daß die Sozialdemokratie nur jelbstsüchtige Zwecke verfolgt, um ihre politischen Führer zur Herrschaft zu bringen, und daß sie die angebliche Interessen­Dertretung der Arbeiter in dem Streben nach politischer Macht mißbrauchte. Sobald als möglich sollen provinzielle Landes­verbände geschaffen werden. Der Jahresbeitrag ist auf min­destens 1 Mark, für korporative Mitglieder auf mindestens 10 Mark bemessen. Der Verband soll erst dann wirklich ins Leben treten, wenn sein Bestehen durch eine entsprechende Mitgliederzahl und ihre finanzielle Unterstützung auf Jahre hinaus gesichert ist.

Ueber den Inhalt des deutsch- italienischen Handels­vertrages, wie er zwischen den Unterhändlern beider Staaten einstweilen vereinbart ist, wissen italienische Blätter zu be­richten, daß Deutschland Italien zwar einige 3 u geständ nisse auf die Zollsäge bei Früchten und Gemüse machen merde, dagegen keine 3ollfreiheit für Getreide und feine Erleichterungen für Wein gewähren wolle. Die Mel­bung klingt keineswegs glaubwürdig. Uebrigens rechnet man in italienischen Regierungsfreisen mit dem Abschluß der Handelsvertragsverhandlungen bis zum 15. März.

Aus Hannover kommt die Meldung, daß die Re gierung beabsichtige, in der Residenz an der Leine eine Polizei- Akademie zu schaffen. In dieser Akademie sollen Be amte aus dem ganzen Reiche für den Dienst als Polizei. kommissare und Polizeioffiziere vorbereitet werden.

England.

Der neue Generalinspekteur der britischen Armee, Her­zog von Connaught, hat jetzt seine Ansichten über die britische Heeresreform näher dargelegt. Er meint, für den Aus­landsdienst genüge eine Freiwilligenarmee. Was die heimische Armee angehe, so schwebe ihm eine auf dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht be­ruhende Defenſivarmee ohne sehr lange Dienstzeit vor, die hinreichend und vollständig geschult sein müsse. Aus dieser fönnten dann Freiwillige für den auswärtigen Dienst auf­gerufen werden, die am Ende ihrer Dienstzeit eine Pension zu erwarten hätten. Es wird wohl noch eine Zeitlang dauern, ehe sich die Engländer zu der ihnen ganz und gar nicht will­tommenen allgemeinen Wehrpflicht bequemen.

* Auch wenn die britische Regierung nicht am Tage des Kriegsbeginns in Ostasien einen groben Schriftwechsel mit Rußland wegen Tibets veröffentlicht hätte, war es doch für jeden Kenner britischer Politik klar, daß das Inselreich die russische Verwickelung mit Japan benußen würde, um in Tibet Rußland den Weg zu verlegen. Wie jetzt aus London berichtet wird, ist England entschlossen, falls Tibet nicht eine antirussische und zugleich englandfreundliche Haltung an­nehme, gegen Tibet militärisch vorzugehen. Den Russen wird das ja höchst ungelegen kommen. Ob aber nicht zuletzt England die Zeche zahlen muß, ist die Frage. Oesterreich- Ungarn.

P Trop aller Heimlichkeit ist es doch ans Tageslicht ge tommen: Desterreich- Ungarn macht mobil mit Rücksicht auf ein etwa nötiges bewaffnetes Eingreifen auf dem Balkan. Außer der Mobilisierung des gesamten stehenden Heeres wird sogar diejenige des Landsturms 1. Aufgebots vorbereitet. Zugleich steht eine Neubesetzung der Kommandostellen bevor: 20 bis 25 Generale sollen verabschiedet werden. Es erhielten bereits einige Generale, die die vierzigjährige Dienstzeit überschritten hatten, die Aufforderung, ihr Gesuch um Pen­sionierung einzubringen. Wie in diplomatischen Kreisen ver­lautet, hat Desterreich bei den Großmächten angefragt, wie sie sich zu einer etwaigen, durch den Berliner Vertrag der Wiener Regierung zugestandenen Befezung des Sandschaks Nowibasar verhalten würden. Hoffentlich gestalten sich die Verhältnisse so, daß ein Eingreifen Osterreichs auf dem Bal­fan überflüssig wird.