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noch immer an den Folgen des Attentates.

hatte ihm Jussuf anempfohlen, und der Anwalt lächelte ver­gnügt vor sich hin, als er sah, wie sein Klient die Rolle des Schwerleidenden mit großem Geschick spielte. Er selbst stellte demselben einige Fragen, und zwar war er bedacht, sich da­bei so zu stellen, wie wenn er streng auf Wahrheit sähe und unter keiner Bedingung zugäbe, daß man davon abweiche. Nachdem endlich Ali- Beg Red und Antwort gestanden und erschöpft in seinen Stuhl zurückgesunken war, wurden Elisbas Zeugen vorgerufen.

Diesen Kniff wärtigen Zeugen Aussage für unzulässig zu erklären. selbe stellt seine Besprechung so dar, als hätte sie einzig und allein den Zweck gehabt, zwischen den Dienern der Gerechtig­keit und dem Attentäter Frieden zu stiften. Ich vermute, daß sich aber die Verhandlung noch auf etwas anderes bezog und zwar in erster Linie auf die Flucht des Angeklagten und ferner auf das Entweichen der Gattin desselben, die noch obendrein das Haus von den obersten bis zu den untersten Räumen ausleerte. Es ist unzweifelhaft, daß in beiden Fällen noch andere Leute hilfreiche Hand geliehen haben." Meines Schußbefohlenen Gattin war, als sie das Haus verließ, vollkommen Herrin ihrer Person und ihres Eigen­tums," entgegnete Elisbas Vertreter. Und was die Ent­weichung des Angeklagten betrifft, so hatte in jenem Moment niemand einen Haftbefehl gegen ihn vorzuweisen."

Da aber sprang nun Jassuf- Effendi empor und erhob energisch Einrede.

" Jener Mann steht zum Gegner in abhängigem Ver­hältnisse!" rief er ,,, und dieser und jener dort drüben auch," und er bezeichnete der Reihe nach mehrere von den Leuten; ,, und außerdem muß ich betonen, daß diese Burschen es ge­wagt haben, gegen die Behörde eine herausfordernde Stel­lung einzunehmen."

Auf dieses Schlagwort hin trat der Führer der Eskorte mit mehreren seiner Untergebenen vor.

Sprich, was hast du auszusagen?" wandte sich der An­walt an diesen. Es ist ganz richtig, daß nicht nur die an wesenden Zeugen, sondern noch ein ganzer Haufen Bauern uns anzugreifen und die Waffen gegen uns zu gebrauchen drohten, wenn wir bei der Ausführung unserer Pflicht be­harrten."

,, Und sind sie dann nicht friedlich ihrer Wege gegangen, ohne euch weiter zu stören?" schrie Djambek in heftiger Er­regung von seinem Platz aus.

Alles blickte nach der Richtung, wo der junge Mann em­porgeſchnellt war und mit glühenden Augen die Anzeiger maß.

,, Wer wagt es, die Verhandlung auf so freche Art zu unterbrechen?" ergriff der Vorsitzende das Wort. Wer bist du, daß du dich unterstehst, in der Angelegenheit mitzu­reden?"

Ich bin Djambek Taguiridze, der Freund und Nachbar des Angeklagten, und ich halte es für meine Pflicht, den Ab­wesenden in Schuß zu nehmen."

Artschil, der neben dem Vorsitzenden saß, flüsterte diesem etwas zu, worauf derselbe in ruhigerem Ton erwiderte: ,, Warst du beim Auftritt gegenwärtig?"

Im Moment, als die Tat geschah, nicht; wohl kam ich aber zurecht, um die Leute zu beruhigen und sie zur Heimkehr zu bewegen, denn Elisba beschwor mich, nicht zuzugeben, daß den Leuten des Gesezes Widerstand geleistet werde.

Ein beifälliges Gemurmel ging durch die Zuhörermenge, und viele von den Anwesenden winkten Djambek ermun­ternd zu.

Warum hast du dich nicht als Zeuge gemeldet?" fragte nun der Richter.

Weil deren so viele sind, daß ich es für überflüssig hielt. Jetzt, da man ihnen aber das Recht, auszusagen, streitig macht, bin ich bereit, Bericht abzustatten."

Auch er hat uns anfangs gedroht," versetzte der Führer der Wache.

Er hat euch auch gedroht?" nahm Jussuf- Effendi diese Bemerkung eifrig auf. Das dürfte dann wohl seine Be­fähigung, als Zeuge zu dienen, aufheben."

Ich habe euch insofern gedroht, als ihr mich hindern wolltet, das Haus zu betreten. Als ihr mich endlich hinein­ließet, und als ich meinen Landsleuten Elisbas Bitte mit­teilte, da war niemand froher als ihr, daß die Sache so fried­

lich endete."

Da der Mann nichts zu entgegnen wußte, forderte der Vorsitzende Djambek auf, den Hergang zu erzählen, und dieser beeilte sich, alles zu berichten, was er wußte. Er be­tonte schließlich auch, daß die Pächter nur insoweit in einem abhängigen Verhältnisse zu Elisba standen, als dieser das Recht hatte, den Pacht nach Ablauf der Frist an jemand anderen zu übertragen; während der Dauer des Vertrages benötigte der Bächter ebensowenig den Grundherrn, wie um­gekehrt dieser jenen. Da nun die Pachtungen vor dem Er­eignisse erneuert worden waren, so meinte Djambet, daß Sussuf- Effendis Einwendung gegen die Zeugen nicht stich haltig sei.

Vor allem muß ich mich dagegen verwahren, daß sich ein Unberufener in die Einzelheiten der Verhandlung mengt!" rief Jussuf auffahrend. Dazu ist des Gegners Vertreter da. Ferner möchte ich auf einen Umstand zurück­kommen, der vielleicht das Gericht bestimmen wird. des aeaen­

verbindlichem Grinsen, allein mich dünkt, daß ein Unschul­,, Das ist recht flug erdacht," bemerkte Jussuf- Effendi unter diger keinen Grund hat, seine Person in Sicherheit zu bringen, Durch diese Tat allein hat er schon seine Schuld bewiesen. Uebrigens wollen wir uns nicht auf Abwege begeben. Daß er einen Angriff auf das Leben eines Mannes ausgeführt, der direkt den hiesigen Höchstgebietenden und infolge dessen auch unsern gnädigsten Herrn, den Padischah, vertritt, das liegt wohl auf der Hand und braucht nicht erst nachgewiesen zu werden. Die Aussagen jener Zeugen nun, die für den An­geklagten eintreten, sind meiner Ansicht nach wertlos, weil ein Pächter ebenso gut als abhängig, wie irgend ein Diener angesehen werden muß, und was die Einwendung Djambek Taguiridzes betrifft, so wiederhole ich: derselbe sollte eher zur persönlichen Verantwortung gezogen werden, denn es ist hundert gegen eins zu wetten, daß er bei der Flucht des Ver­brechers beteiligt war."

Djambek vermochte seinen Zorn nicht länger zu bemeistern. Wie, dieser feile Wicht, der sich bereit erklärt, gegen hohen Lohn die Sache des Freundes in die Hand zu nehmen, der­selbe verteidigte nun eifrig den Gegner, der ihm ohne Zweifel die verlangte Summe zugesichert hatte.

Und da frage ich nun," schrie er hinaus, ob es statt­haft ist, einen Menschen als Anwalt sprechen zu lassen, der uns angeboten hat, die Angelegenheit desselben, den er jetzt angreift, durchzuführen, der mich versichert hat, daß es ihm durch Bestechung der Richter gelingen wird, den Freispruch des Angeklagten zu erlangen."

Dieser Ausbruch verfehlte nicht seinen Eindruck bei den Richtern. Artschil sprang entrüstet empor und sprach unter erbitterten Gesten mit dem Vorsitzenden, während die übri­gen Mitglieder des Gerichts unter einander flüsterten. Der einzige, der seine volle Ruhe bewahrte, war Jussuf- Effendi; er zuckte mit der Achsel und lächelte spöttisch, da er aber die unzufriedenheit jener bemerkte, die über seine Sache zu ur­teilen hatten, so wandte er sich kühn gegen Djambek und ſagte mit lauter Stimme:

Derlei Anschuldigungen sind leicht vorgebracht, müssen aber bewiesen werden."

Der Beweis ist mein heiliges Wort," versetzte Diam­bek ebenso laut.

,, Das soll ein Beweis sein?"

Du willst also leugnen, daß du zwanzigtausend Viaſter begehrtest, um die Richter zu erkaufen?"

" Ich leugne es."

Und du hast nicht sogar die Summe vor mir in die ein­zelnen Beträge zerlegt, um mir die Versicherung zu geben, daß jedes Mitglied vom Vorsißenden an so und so viel bean­

spruche?"

Nein."

Da stand plötzlich Artschil auf:

Zeuge zu melden: Djambek kam augenblicklich nach seiner Ich entsage für heute meinem Richteramt, um mich als Unterredung mit Jussuf- Effendi zornerfüllt zu mir und er­klärte, dessen Vertretungsantrag nicht anzunehmen, da er ihm das Gericht als bestechlich bezeichnet und in der Tat die eben erwähnte Summe verlangt habe."

Jetzt brach ein wahrer Tumult im Saal los. Zuhörer laut, man möge Jussuf aus dem Saale weisen. In diesem und Beteiligte schrieen durcheinander, und Rufe wurden kritischen Moment, der Djambek mit frohen Hoffnungen er­Bei seinem Erscheinen legte sich der Lärm, und Jussuf- Effendi füllte, trat unerwartet Cherif- Pascha, von Totia gefolgt, ein. stürzte auf den Gouverneur los, um ihm in erregten Worten den Hergang zu erzählen. ( Fortsetzung folgt.))

Glück ist die Sonne, die der Strahlen Fülle Versengend heiß herab zur Erde schickt; Zufriedenheit der Stern, der mild und stille, Ein Freundesange, auf uns niederblickt.

Ein frommer Betrug.

Novelle von I. Cassirer.

( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) Nur Gott allein weiß, was der junge Mann litt, als ihm die Bedeutung dieses Ausspruches des Arztes klar wurde. Die Freude seines Lebens sollte ihm entrissen werden, und nur die Last seines Daseins blieb ihm zurück.

Die Tage flossen dahin und seinen scharfen Augen ent­ging es nicht, daß die Schwäche seiner geliebten Frau immer mehr zunahm. Den größeren Teil des Tages mußte sie im Bett zubringen und ihre Freundin, die alte Frau aus der unteren Etage, hatte es übernommen, sie zu pflegen.

,, Erwarten Sie vielleicht einen Brief?" fragte ihn die gute Frau eines Abends, als sie ihm auf der Treppe begegnete. Jedesmal, wenn es flingelt, sieht sie mich fragend an und es scheint ihr etwas das Herz zu bedrücken. Warum kommt denn der Brief nicht?" Das habe ich sie gar oft manchmal fragen hören, und wenn sie glaubt, ich sähe es nicht, wendet sie sich gegen die Wand und weint. Sie können mir's glau­ben, wenn dieser Brief endlich mal kommen möchte, würde es auch mit Ihrer Frau besser gehen."

Diese Worte zeitigten im Geiste des jungen Mannes einen Plan, wie er seine Frau täuschen könnte. Der Gedanke, daß das Lustspiel angenommen und demnächst zur Aufführung gebracht werden würde, sollte ihre Brust mit neuen Hoffnun­gen schwellen. Die Wahrheit würde sie ja doch nie erfahren, denn auch er konnte bereits jetzt erkennen, daß ihr Leben nicht mehr nach Monaten, sondern nur noch nach Wochen zählte, und die wenigen Tage, die sie ihm noch erhalten blieb, zu verschönen war alles, was er noch für sie tun konnte. Sich zu einem Lächeln zwingend, trat er zu der Kranken ins Zimmer.

Gute Neuigkeiten, lieber Schatz," rief er ihr mit triumphierender Stimme zu, indem er seine Wange an die ihre drückte, so daß sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Gruhl­Grundner hat mein Stück angenommen."

Die gebrechliche Gestalt, die in seinen Armen ruhte, schien plötzlich von neuen Kräften belebt zu werden. Sie richtete sich im Bette auf und ihren Gatten näher an sich heranziehend, bedeckte sie ihn mit Küssen.

Ihre Freude war so überschwenglich, daß ihr Gatte da­von fast erschreckt wurde. Die frohe Nachricht schien ihr neuen Lebensmut eingeflößt zu haben, und zum ersten Male seit langer Zeit äußerte sie den Wunsch, aufzustehen und sich auf's Sofa zu legen, um sich hier alles nähere über das Stück er­zählen zu lassen.

Um ihre Neugier zu befriedigen, erfand er eine lange Ge­schichte, wie Herr Gruhl- Grundner ihn habe zu sich bitten lassen, wie er mit größtem Entzücken von seinem Stücke, von dem er einen großen Erfolg erhoffte, gesprochen und wie er sich bereit erklärt habe, dasselbe sofort einzustudieren und auf­führen zu lassen.

Einen ganzen Monat lang setzte er diese Täuschung fort. Die Versuchung bei seinen Erzählungen, die Freudentränen in die Augen seiner geliebten Frau treten und ihr ganzes Wesen sich erheitern zu sehen, war zu groß, als daß er ihr widerstehen konnte. Inzwischen war das Stück ihm zurück­gesandt worden, das Spiel aber, das er begonnen hatte, mußte er weiter fortsetzen.

Um sie zu beruhigen, hatte er ihr erzählt, daß die Pre­miere in sechs Wochen stattfinden sollte. Auch das Datum dafür hatte er bereits festgesetzt und jeden Abend wußte er etwas neues zu berichten, über den Verlauf der bereits statt­findenden Proben, über veränderte Rollenbesetzungen und über den Eifer, mit dem sich die Darsteller ihrer neuen Auf­gabe hingaben.

Nur eins störte ihr Glück. Sie selbst würde nicht im­stande sein, der ersten Aufführung des Stückes beizuwohnen. Aber er würde aehen und in seinem Knopfloche die rote Rose

tragen, welche hineinzustecken sie sich so lange gefreut habe; sie würde in ihrem Bett wach liegen und von dem Applause träumen, der den erfolgreichen Autor nach jedem Aftschlusse hervorrufen würde.

Ich werde dann glücklicher sterben," sagte sie, indem sie mit ihren abgezehrten Fingern die Hände ihres Gatten strei­chelte ,,, denn für mich, lieber Schatz, wird es ein großer Trost sein, zu wissen, daß ich dich als berühmten und anerkannten Schriftsteller zurücklasse."

Endlich war der Abend herangekommen, den er für die erste Aufführung auserwählt hatte. Den ganzen Tag über hatte sich seine Frau in freudevoller Erregung befunden, und ohne daß er es wußte, hatte sie ihre Pflegerin beauftragt, eine Rose für sein Knopfloch zu besorgen.

Mit einem Kusse verabschiedete sich ihr Gatte. Sein Herz wollte ihm brechen und er hatte Mühe, sich aufrecht zu halten. Nicht, wie sie sich einbildete, in ein glänzend erleuchtetes Theater ging er, sondern in einer Stimmung, die ihn der Verzweiflung nahe brachte, wanderte er unruhig durch die Straßen, bis es Zeit war, wieder nach Haus zu gehen.

Es war gerade halb elf, als er wieder ins Zimmer trat. Mit freudigem Lächeln öffnete er die Tür. Die Lampe brannte und im Ofen flackerte ein gemütliches Feuer, in der Nähe des Ofens stand der Tisch, der zum Abendbrod gedeckt war und auf dem auch eine Flasche Wein und Obst zum Nachtisch nicht fehlte.

überzogen hatte, saß aufrecht im Bett und erwartete ihn in Seine Frau, die zur Feier des Tages eine neue Matinee freudiger Erregung.

Es ist alles prächtig verlaufen!" rief er ihr zu, indem er an das Bett stürzte und sie stürmisch küßte. Das Publi­kum konnte gar nicht genug applaudieren, und ich kann gar nicht sagen, wie oft ich vor dem Vorhange erscheinen mußte." Er fühlte, wie ihr Herz heftiger ſchlug.

,, Großer Gott, ich danke dir," hörte er sie noch sagen ,,, wie glücklich ich bin. Ich habe auf Erden nichts mehr zu wünschen."

Und dann, ehe er noch eine Bewegung machen oder ein Wort sprechen konnte, fiel sie mit einem leisen Seufzer tot in die Kissen zurück.

Ein Lächeln umschwebte ihr Gesicht. Sie war glücklich gestorben, in dem Glauben, daß das Genie ihres Mannes nunmehr von der Welt anerkannt sei, und als ihr Mann zum letzten Male ſeinen Mund auf ihre falten Lippen drückte, verklärte noch diese selige Freude ihr blaſſes Gesicht."

Mit bewegter Stimme hatte Hübner seine Geschichte be­endet.

Seinen Wirt, den diese Erzählung auch mächtig erregt hatte, scharf ansehend, bemerkte Hübner noch: Du magst diesen Mann so viel verurteilen wie du willst, Troppau. Ich aber weiß, was er durchgemacht und gelitten hat, und wenn er gefehlt hat, so hat er es nur getan, um die Schmerzen der­jenigen zu mildern, die er auf Erden so sehr geliebt hat. Denn, Troppau, ich war jener Mann, und ich muß dir gestehen. daß ich meine Falschheit nie bereut habe."

Wir Alten.

Von unsern Freuden blüht ein letzter Strauß; Wie viele sind ihm schon vorangegangen, Die du von mir, die ich von dir empfangen! Verödung endet jedes Festgebraus.

Ein jedes Dach bedeckt ein Sterbehaus, Des Alters Hauch bedroht der Jugend Wangen, Verlust, Geliebte, jegliches Erlangen

Und selbst die schönsten Sterne löschen aus.

Ich hab' die Nacht kein Auge zugetan, Denn auch der uns're sinkt am Himmelsbogen; Doch morgens hat die Freude überwogen: Willst du, wir leben rückwärts uns're Bahn, Ich weiß noch jedes Glück, das uns geboren, Und wenn wir glauben, ist kein Tag verloren.