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WITZ HUMOR

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Nicht viel gehört dazu, Der Welt zu imponieren: Nur Feßen mancher hat,

Doch weiß er zu drapieren.

Realistisch. Schauspieler: Ich habe einmal in Newyork in einem Stücke den Pantoffelhelden so lebenswahr gespielt, daß ich am nächsten Tag von der Damenwelt über zwei Dutzend Heiratsanträge erhielt."

Kennzeichen.

Also auf dem Betriebsamt sind Sie; kennen Sie einen gewissen Meier?" ,, Wir haben mindestens zwanzig Meier, wie sieht er aus?"" Ja, so genau kann ich ihn nicht beschreiben; er hat mir neulich zwanzig Mark abgeborgt ,, Den kenn' ich!"

.."

Gerecht. Richter( zum Angeklagten, einem Vagabunden, welcher eingesteht, das anwesende Fräulein nachts auf offener Straße gefüßt zu haben): Haben Sie noch etwas zu Ihrer Ver­Angeklagter( das Fräulein, eine teidigung anzuführen?" alte, sehr häßliche Jungfer betrachtend):" Nee Herr Richter, dies­mal nich, so wat is strafbar!"

*

Feine Rache.

Ein älteres, nicht gerade durch Schönheit ausgezeichnetes, aber trotzdem immer noch sehr tanzlustiges Fräulein hat bei einer Abendgesellschaft in lauter und nicht eben höflicher Weise ihr Mißfallen darüber geäußert, daß der Beginn des vorgeschlagenen Tanzvergnügens durch einen Musikvortrag des namhaften Pia­nisten X. um ein Viertelstündchen verzögert werden soll. Nach­dem der Pianist seinen Vortrag beendet, wendet er sich zu der Dame mit den Worten: So, mein Fräulein, nun kann die Sizung ihren Anfang nehmen!"

*

Genügt! A.: Ich habe neulich das Arbeitszimmer des Rentier Meier besichtigt. Ich muß sagen, es ist sehr einfach."- B.: So?" A.: Ja. Eine eiserne Kassa und auf dem Schreibtische eine Schere

-

-

- das ist alles."

*

Galant. Dame: Sagen Sie, Herr Oberleutnant, sind Sie auch Gegner der Schleppe?" Leutnant: Aber nädigste, wie kann ich denn, es jibt doch nun einmal keine Blumen ohne Staubjefäße!"

Immer derselbe. Junger Bergfex( in einen Abgrund gestürzt):" Jeßt warte ich hier unten, bis eine junge Dame nach­purzelt das ist dann sicher eine passende Frau für mich."

*

Ein felklamer Dogel.

Eine junge Frau, die, wie viele ihres Geschlechts, küchen­unerfahren ist, hat zum erstenmale Gäste bei sich. Für die nicht unbeträchtliche Anzahl derselben ist nur eine Gans bestimmt. Da die junge Frau des Tranchierens unkundig ist, übernimmt eine ältere Freundin dasselbe. Bald ist die Gans völlig aufgeschnitten, und nur das Gerippe bleibt übrig. Verlegen wendet sich die Freun= din an die Wirtin: Was sollen wir tun, die Gans ist zu Ende?" Diese nicht die Gans, sondern die Wirtin- blickt erschreckt auf das Gerippe und ruft erstaunt: Ja, ist denn das Ding hohl?"

*

Nur das nicht. Herr( eine junge Dame zärtlich umfassend, auf einer Bank fizzend): ,, Aurelie, noch heut muß es zwischen uns ins Reine kommen, wir wollen uns auseinandersetzen."- Um Gottes­willen, nein!"

Schnippisch. Badtisch:" Tante, du suchst ja immer nach Schönheitsmitteln in der Zeitung, hier steht eins." Tante: Wo denn? Gib her?"- Badfisch:" Da lies: Altes Eisen bor Rost zu schützen.'

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In der Vension. Institutsvorsteherin: Fraulein Ella, Sie sind unverbesserlich! Dieses Ererzitium ist voll von Fehlern! Und diese Schrift! Diese äußere Form der ganzen Ar­beit! I muß sagen..."-- Fräulein lla: Wissen Sie,

Fräulein, jekt brauche ich mir überhaupt bon Ihnen nichts mehr gefallen zu lassen, denn wissen Sie, ich habe mich gestern verlobt!"

Gefährliche Höhe. Ein Tenorist erhebt bei seinem Auftreten feine Stimme allmählich bis zu einer solchen phänomenalen Höhe, daß atemloses Schweigen und gespannteste Aufmerksamkeit im Zu­schauerraume herrscht. Plötzlich ruft von der Galerie herab die urwüchsige Stimme eines Schusterjungens: Männeken, fallen Se man nich von de Tonleiter."

Wie's gemacht wird.

In einem großstädtischen Speisehaus, dessen Mittagsgäste haupt­sächlich junge Kaufleute sind, die nicht allzu viel zu verzehren haben, wird der menschliche Appetit in folgender genialer Weise, den Wünschen des Wirts entsprechend geleitet.

Am Schalter, der nach der Küche führt, ertönten aus dem Munde von vier Kellnern rasch hintereinander die Rufe: Reisspeise!"

Reisspeise!"

Reisspeise!"

Reisspeise!"

,, Reisspeise ist ja heute stark begehrt," bemerkte ein Stamm­gast. Ist sie denn heute besser als gewöhnlich?"

,, Nein," erwiderte der angeredete Kellner. aber wir sollen sie poussieren."

,, Was heißt das?"

" Ja, sehen Sie, heute ist im ganzen mehr Apfeltorte als Reis­war die Erklärung, und wir werden speise verlangt worden," wahrscheinlich eine Menge davon übrig behalten; deshalb hat der Thef Order gegeben, sie zu poussieren. Wenn irgend etwas nicht ordentlich bestellt wird, so bestellen wir es zum Schein, und das muntert die Leute auf."

Einmal Reisspeise!" hörte man jeẞt rufen.

" Sehen Sie, sie bekommen Appetit darauf. Das war eine echte Bestellung, weil es hieß einmal". Auf diese Art weiß der Koch unten, ob er das Bestellte heraufschicken soll oder nicht.

,, Der Einfall ich gut."

"

" Ja," fuhr der Kellner fort, es ist meine Idee, ich bekomme vom Chef wöchentlich fünf Mark extra dafür. Wir können die Leute essen lassen, was wir wollen; wir poussieren es einfach. Was der eine will, das wollen alle; einfach Modefache."

In diesem Augenblick wurde der Kellner unterbrochen: ein Gast bestellte Reisspeise.

,, Bedaure sehr," sagte der Kellner, nachdem er am Schalter gewesen war, aber die Reisspeise ist eben alle geworden. Viel­leicht etwas anderes gefällig?"

,, Nein, dann nehme ich weiter nichts."

Hier erschallten die Rufe:

Sahnenkäse!"

,, Sahnenkäse!"

Sahnenkäse!"

Sahnenkäse!"

,, Wissen Sie, bringen Sie mir eine Portion Sahnenkäse," sagte der Herr, der eigentlich nichts weiter hatte essen wollen.

Auch eine Unsterblichkeit. A.: Nun, was hältst du von meinem Epos?"- B.: Du wirst damit die Unsterblichkeit erringen." A.( abwehrend):" Bitte, soviel Lob verdiene ich doch wohl nicht." - B.: Nein, ich meine, wenn das gedruckt wird, hast du dich un­sterblich- blamiert!"

==

Pfiffig.( Hans ist ungezogen. Der Vater bedeutet ihm): ,, Hans, weißt du auch, was da in der Ecke steht?" Ja, Papachen, dein Stock.". ,, Und weißt du ungezogener Schlingel auch, was ich damit gleich machen werde?" ,, Ach Gott, spazieren geh'n."

Unsere Dienstboten. Baron( zu seinem nicht mehr ganz jugendlichen Diener, den er auf einer groben Fahrlässigkeit be= troffen hat): Ich glaube, Johann, du wirst alt!"- Johann: ,, Glaub's selbst, Herr Baron, mein Vater selig wurd' auch so an die achtzig!"

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Pfiffig. Was? Eurem Amtmann, der euch immer nur plackt und grob behandelt, wollt ihr die Ehre antun, ihn zum Ab­geordneten zu wählen?"- Bauer: Da werd'n mer'n halt auf einige Beit los!"

Str. 144

Dienstag, den 28. Junt.

1904.

Oberhessische Familienzeitung

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

( 11. Fortseßung.)

Die Adjaren.

Originalroman von Arthur Gundaccaro. Suttner.

ere

... Ich täte es gewiß, wenn sich ein solcher Schritt mit meiner Stellung vertrüge. Bedenke, daß ich dir den Wink als Verwandter gegeben habe als Richter müßte ich mich einer ähnlichen Andeutung enthalten, und als solcher kann Ich daher auch nicht mit unserem Rechtsfreunde Rücksprache nehmen. Dieser kennt übrigens die Verhältnisse ganz genau - sie sind ja leider niemand mehr ein Geheimnis; es genügt also, wenn du einfach zu ihm bemerkst, für Totia Nitscheladze stünde eine Summe von so und so viel zur Verfügung."

,, Gut, auch diesen Schritt will ich noch tun. Elisba soll sehen, daß alles geschehen ist, was von meiner Seite möglich

war.

Der Rechtsanwalt verstand sogleich den Wink und meinte, daß Totia mit einer verhältnismäßig bescheidenen Summe zu gewinnen sei. Er versprach, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und Djambek sogleich vom Ergebnis seines Schrittes Nachricht zu geben.

Mehrere Tage später erhielt Djambek, der wieder heim­gekehrt war, das versprochene Schreiben; es lautete:

Die bewußte Persönlichkeit hat sich bereit erklärt, ihren Einfluß zugunsten unseres Klienten geltend zu machen. In wenigen Tagen hoffe ich, günstige Nachrichten geben zu können."

Der Kaimakam hatte sich so weit von seiner Verwunderung erholt, daß er endlich eine Fahrt nach Batum unternehmen konnte, um den Prozeß gegen Elisba zu betreiben und so seinen Rachedurst zu stillen. Auch ihm war es bekannt, daß man sich zur Erledigung solcher Angelegenheiten am besten an des Paschas Faktotum wandte, und sein erster Besuch galt mithin Totia.

Dieser ließ den anderen ruhig sein Ansuchen vorbringen, ohne im mindeſten in Verlegenheit zu geraten, dann, nach­dem Ali- Beg geendet hatte, sagte er in bedauerndem Ton: Ich fürchte, daß die Sache nicht nach deinen Wünschen enden wird, denn Cherif- Pascha hat genaue Erkundigungen eingezogen und mehrere Einzelheiten erfahren, welche die Sache in einem anderen Licht erscheinen lassen. Ueberhaupt, im Vertrauen gesagt, es sind gewichtige Klagen gegen dich eingelaufen, die dir sehr zum Schaden gereichen können." Diese Antwort versetzte den Kaimakam in große Auf­regung.

Du glaubst wirklich, daß Cherif- Pascha mir ungnädig gesinnt ist?" fragte er erschrocken.

,, Es kann nicht leicht anders möglich sein, da du hier niemand hast, der für dich Partei nimmt. Einiges suchte ich wohl zu mildern aber du wirst begreifen

Ali- Beg hatte bereits ein Beutelchen aus der Tasche ge­zogen, das mit Goldstücken gefüllt war, und nun drückte er dasselbe dem anderen ohne Umstände in die Hand:

,, Einen Dienst für den anderen," sagte er hastig ,,, es liegt an dir, einem ehrlichen Mann zu seinem Recht zu verhelfen, und wie ich deine Gerechtigkeitsliebe kenne, wirst du meine Sache in die Hand nehmen. In einer Woche komme ich wieder, und du kannst meiner Dankbarkeit sicher sein, wenn du mir gute Nachricht zu geben hast."

( Nachdruck verboten.) Totia überlegte keinen Augenblick. Ali- Begs Geschenk betrug wenigstens das Doppelte dessen, was der Anwalt Elisbas auf dem Tisch liegen gelassen, und eine Wieder­holung stand in Aussicht daher war sein Entschluß rasch gefaßt.

Was an mir liegt, soll geschehen," sagte er bestimmt, berlaß dich darauf, ich will deine Sache zu der meinen machen."

Kaum war der Kaimakam gegangen, so setzte sich Totia an seinen Tisch und schrieb dem Rechtsanwalt:

"

Ich habe nach Deinem Fortgang eine Geldrolle ge­funden, die Du ohne Zweifel in der Berstreuung bei mir ver­gessen hast. Hier Dein Eigentum, das ich Dir zurückstelle. Er legte das Schreiben um die Rolle, versiegelte das Ganze und gab einem Diener Auftrag, das Päckchen Elisbas Vertreter zu überbringen.

Die nächste Nachricht, welche Djambek erhielt, lautete mit­hin nicht günstig:

,, Es scheint, daß es dem Gegner gelungen ist, uns einen Streich zu spielen: der Betrag, den ich zur Betreibung unserer Sache hinterlegt habe, ist mir plöglich unter einem nichtigen Vorwand zurückgeschickt worden. Soll ich noch einen Versuch machen und überbieten? Die Verhandlung beginnt nächste Woche."

Djambek beantwortete auf der Stelle die Frage:

" Ich habe diese Art, Recht zu suchen, satt. Möge der Prozeß seinen Verlauf nehmen; sämtliche Zeugen hier haben sich bereit erklärt, der vollen Wahrheit gemäß auszusagen und vollzählig zu erscheinen. Deiner Beredsamkeit wird es viel­leicht gelingen, den Richtern ein ungerechtes Urteil unmöglich zu machen."

Der Tag der Verhandlung kam heran, und Diambek be­gab sich wieder nach der Stadt, um dem Prozesse beizuwoh­nen. In seinem Gefolge befanden sich die Zeugen, welche ihrem Versprechen gemäß pünktlich zusammengekommen waren, um Elisbas Sache zu vertreten.

Der Gerichtssaal war bereits zu dreiviertel gefüllt, als Djambek denselben betrat. Er bemerkte unter den Anwesen­den mehrere Bekannte, unter anderen auch Murza- Chan, der auf einer der vordersten Bänke Platz genommen hatte.

,, Du bist erstaunt, mich hier zu sehen," flüsterte er dem jungen Mann grinsend zu. In der Regel weiß ich mir auch einen besseren Zeitvertreib, aber heute haben wir einen Aus­nahmsfall: es interessiert mich, zu erfahren, ob es unsereinem gelingen kann, gegen so einen kleinen Distriktsfönig sein Recht zu erlangen. Oder hat sich Elisba vielleicht die Sache etwas kosten lassen? Dann gehe ich lieber gleich."

,, Da kannst du ruhig bleiben; von unserer Seite ist kein Piaster geopfert worden, obwohl wir nahe daran waren, es den übrigen gleich zu tun."

Das Tribunal erschien nun im Hintergrunde, und die Anklageschrift wurde verlesen.

Der Kaimakam, dem Jussuf- Effendi als Beirat zur Seite stand, beantwortete einzelne Fragen der Richter in mattem, gebrochenem Ton, damit es das Aussehen habe, als leide er.