Ausgabe 
28.4.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 99.

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Donnerstag, den 28. April 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober­Hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Kommandowechfel in Südwestafrika.

Allerhand Gerüchte über Deutschsüdwestafrika sind in Berliner Kolonialkreisen im Umlauf: Nach einer auch in Parlamentsfreifen folportierten Lesart will Oberst Leutwein die Leitung der militärischen Operationen abgeben und nur die Gouvernements= geschäfte führen; sein Nachfolger im Kommando der südwest­afrikanischen Truppen soll Generalleutnant von Trotha sein, der bei seiner Ausreise neue und sehr be­trächtliche Truppenverstärkungen mitnehmen soll.

Die amtlichen Stellen bewahren gegenüber diesen Mel­dungen Reserve; soviel kann indes, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter uns schreibt, mit Sicherheit angenommen

werden, daß in der Tat ein Gesuch Leutweins um Enthebung von dem Kommando der Truppen vorliegt. Be­gründet ist dies Gesuch mit dem Beinleiden Leutweins, das nach dem Gefecht bei Onganjira sich wieder besonders stark bemerklich gemacht hat. Dagegen ist noch nichts darüber be­fannt, ob der Kaiser dem Gesuche Leutweins entsprechen wird. Tut er's, so darf die Entsendung v. Trothas nach Afrika als sicher angenommen werden. Auch die Entsen­dung von Verstärkungen ist dann sicher; General­leutnant v. Trotha hatte schon vor der Ausreise der ersten Transporte eine erheblich größere Truppenmacht gefordert und die ihm alsdann angetragene Oberleitung des Feld­zuges nur deshalb abgelehnt, weil die pon ihm für erforder­lich gehaltene Truppenzahl ihm nicht bewilligt wurde. Was sonst an Meldungen über die Lage in Südwestafrika borliegt, ist keineswegs erfreulich. Nach einer Privat­depesche hat die jetzt in Otjihaënena stehende Kolonne Glasenapp von ihren ursprünglichen 22 Offizieren und 476 Mann noch gerade 12 Offiziere und 306 Mann, die halbwegs diensttauglich sind. Das heißt, die Truppe hat einen Verlust von 63 v. H. ihrer Offiziere und 35 v. H. der Mannschaften erlitten. Allerdings sind bei diesem Ver­lust die Kranken mitgerechnet, ihre Kopfzahl beläuft sich aus 2 Offiziere und 106 Mann. Nicht mitgerechnet sind dabei die Verwundeten, die inzwischen wiederhergestellt werden fonnten: 4 Offiziere und 18 Mann. Die Krankheit, die die Truppen am schwersten heimsuchte, ist der Typhus. Man darf hoffen, daß diese Krankheit angesichts der bevorstehen­den klimatischen Veränderungen jetzt den Höhepunkt über­chritten hat. Major v. Glasenapp hat übrigens nach Otji­jaenena Verstärkungen erbeten, die ihm sicherlich umgehend jewilligt werden dürften.

In Erwartung der Weltausstellung.

( Von unserem Spezialberichterstatter.)

St. Louis, 15. April. Vierzehn Tage nur noch trennen uns vom Beginn der Weltausstellung, und noch bietet die weite Fläche, auf der die staunenden Besucher sich drängen sollen, einen recht chaos­mäßigen Eindruck dar. Soll auch St. Louis die alte Rege! bon neuem bestätigen, daß eine Ausstellung eigentlich niemals beginnt, wenn sie eröffnet wird, sondern erst viele Wochen päter? Doch wir sind ja in Amerika, dem Lande der unbe­grenzten Möglichkeiten. Wenn auch zu zweifeln ist, daß alles bis zum 1. Mai vollendet werden wird, so ist doch zu hoffen, daß bei der Ausdauer und fieberhaften Eile, mit der jest gearbeitet wird, der größere Teil der Ausstellung er­öffnungsreif" sein wird.

Mit Genugtuung ist es zu begrüßen, daß Deutschland seinen alten Ruf der Pünktlichkeit auch diesmal wieder glän= zend bewährt hat. Sein Pavillon, der neben den mannig­fachen Erzeugnissen der leistungsfähigsten Industrien auch den Segen der sozialen Fürsorge in einer ausgedehnten Dar­stellung aller Branchen der Arbeiterversicherung birgt, bietet jetzt schon einen geordneten Anblick dar und bedarf nur noch der letzten schmückenden Hand. Auch England, Frankreich und Belgien wetteifern miteinander, zum Beginn der Aus­stellung sich würdig zu repräsentieren. Rußland wird nur recht bescheiden vertreten sein, während seine Gegner, die leinen, behenden Japs", wie man sie hier nennt, unermüd­lich an der Arbeit sind und eine umfangreiche Auslese ihrer Landes- und Industrieerzeugnisse bereit gestellt haben. Die Ausstellung wird also, so verheißt das Programm, am 1. Mai d. J. eröffnet und soll am 1. Dezember geschlossen werden. Als Anlaß für die Veranstaltung gilt die Jahr­hundertfeier des Ankaufes des Louisianagebiets durch die Bereinigten Staaten von den Franzosen. Damals

( 1804) bestand Louisiana aus 14 Staaten, deren bedeutendster Missouri war mit der wich­figsten Stadt St. Louis am Mississippi, deren Ein­bohnerzahl faum tausend Personen betrug. Heute hat St. Louis mehr als 700 000 Einwohner und ist die viertgrößte Stadt der Vereinigten Staaten. Gibt es ein besseres Beispiel für die Entwickelung und das Wachstum amerikanischer Städte? Dieses heute mächtige St. Louis will mit seiner Wel tausstellung alle bisherigen übertreffen. An Umfang gewiß. Während die Weltausstellung von Chicago im Jahre 1893 einen Flächenraum von 260 Hektar einnahm, ist die

Fläche, auf der die Weltausstellung von St. Louis er­richtet wird, zirka 500 Heftar, also nahezu doppelt so groß als jene von Chicago und fast viermal so groß als die Pariser im Jahre 1900. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich auf 50 000 000 Dollars. Ob aber auch das Resultat ein entsprechendes sein wird, wird sich erst zeigen. Es ist wohl erlaubt, daran zu zweifeln, da die Beteiligung vieles zu wün­sches übrig läßt.

Die Gründe hierfür sind sehr naheliegend. In erster Reihe steht die zu rasche Aufeinanderfolge dieser Weltaus­stellungen. Die Eifersucht der amerikanischen Staaten unter­einander wirkt ebenfalls hemmend auf die Entwickelung der Ausstellung; weder Philadelphia, noch Buffalo, noch Chicago wollen von St. Louis übertroffen werden. Zu alledem kom­men Ereignisse, welche das Interesse für die Ausstellung Ledeutend vermindern: die lebhafte Agitation in Nord­amerika für die im Herbste stattfindende Präfidentenwah! und nicht an letzter Stelle der Krieg zwischen Japan und Rußland mitseinen unabsehbaren Folgen. Lauter ungünstige Auspizien für eine Weltausstellung.

In der Umgebung der Ausstellung ist man auch sehr fleißig an der Arbeit. Große Eisenbahnstationen wurden nur zur Bequemlichkeit des zur Ausstellung reisenden Publi­fums angelegt und eine Anzahl von Hotels gehen ihrer Voll­endung entgegen, unter ihnen das angeblich größte Hotel der Welt. Angeblich, da man sehr vorsichtig sein muß bei der Prüfung amerikanischer Reklame. So konnte man vor einigen Monaten in französischen Zeitungen die Beschreibung eines tausend Meter hohen Turmes lesen, der in St. Louis errichtet wird. Man wird dieses Wunderwerk aber vergebens auf dem Ausstellungsplaße suchen. Allerdings war der Platz schen bestimmt, auch Aktien ausgegeben und Aktionäre vor­handen, nur eines fehlte der Konstrukteur. Kein Wunder, menn man weiß, auf wie schwachen Beinen der nur drei­hundert Meter hohe Eiffelturm steht.

Der Krieg in Oftalien.

Die Russen schöpfen von neuem Hoffnung, mit ihrer in Port Arthur eingeschlossenen Flotte wieder aktiv vorgehen zu können. Sie gründen diese Hoffnung auf den günstigen Ausfall von Versuchen mit Unterseebooten.

Inzwischen beschränkt sich die russische maritime Tätigkeit allerdings nur auf die

Kreuzfahrten des Wladiwostok- Geschwaders,

dem nach seinem ersten Debut in Gensan, wo es den Küsten­dampfer, Goyo Maru" vernichtete und unter der japanischen Bevölkerung heillosen Schrecken verbreitete, jetzt ein neuer Schlag gelungen sein soll. Aus Paris wird darüber folgen­des berichtet:

Das Wladiwostok- Geschwader hat einen japanischen Transportdampfer mit 4000 Mann in den Grund ge­

bohrt.

Man wird gut tun, auch dieser Wiederholung und Aus­schmückung der bereits gemeldeten bezüglichen Gerüchte ge­genüber sich kühl und abwartend zu verhalten.

Die Lage am Jalu.

Die Behörden in Niutschwang erklärten, es seien feine neuen Kämpfe am Jalu vorgekommen außer der Zerstörung einiger japanischer Dschunken durch russische Freiwillige. Reine große japanische Truppenabteilung sei am Jalu ange­kommen oder habe ihn an irgend einem Punkte überschritten. Die Russen halten alle früher besetzten Punkte westlich vom Jalu. General Kuropatkin war der Plan eines Rückzuges auf Föng- hwang- tschöng und Liaujang zugeschrieben worden. Diese Annahme ist aber unbegründet.

Keine Vermittelung.

Das Reutersche Bureau erfährt, daß die von Petersburg ausgehenden Gerüchte, nach denen England Vorschläge in­betreff einer Vermittelung zwischen Rußland und Japan vor­gebracht hätte, vollständig unbegründet seien; man fenne in gutunterrichteten Londoner Kreisen selbst die Quelle dieser Gerüchte nicht.

Die Politik.

Die drei Millionen Mark zur Förderung der Wohlfahrt der Eisenbahnbeamten, die die preußische Re gierung auf Geheiß des Kaisers vom Abgeordnetenhause fordern soll, sind, wie jetzt bekannt wird, zur staatlichen För derung der von dem Verbande der Bezirksvereine der Staatseisenbahnbediensteten" geplanten Krankenzu schuß tasse bestimmt.

Das Krakauer polnische Blatt Nowa Reforma" meldel aus Rom, daß eine Beschwerde des Kardinals Kopp gegen den polnischen Geistlichen Mikulski, der den polnischen Reichstagsabgeordneten Korsanty trotz des Verbotes des Kardinals getraut hatte, zurückgewiesen und die Ehe bom Papst für gültig erklärt worden sei. Damit ist die unerfreuliche Angelegenheit hoffentlich ein für allemal aud der Welt geschafft.

A Die Krisis im Leipziger Aerztestreik ist da, und der Ausgang der Sache zuungunsten der Ortskrankenkasse ist so gut wie sicher. Die Leipziger Kreishauptmannschaft hat das Gesuch der Ortskrankenfasse um eine Fristverlängerung für die Beschaffung der behördlicherseits geforderten Aerzte abge­lehnt und weitere Maßnahmen gegen die Kasse angekündigt. Das bedeutet rund heraus den Sieg der Leipziger streifen­den Aerzte.

*

Das von Architekten und Photographen so lange ge­forderte Gesetz über das Urheberrecht an Werken der Baukunst und der Photographie soll jezt endlich Tatsache werden. Die Reichsregierung hat einen dahingehenden Gesezentwurf den Bundesregierungen mitgeteilt. Der Entwurf bezweckt zu­nächst die urheberrechtliche Gleichstellung der Werke der ange­wandten Kunst und der Baukunst mit den übrigen Werten der bildenden Kunst. Die ideellen und persönlichen Inter­essen des Schöpfers eines Werkes sollen mehr als bisher gegen Mißbrauch geschützt werden. Auch für die photo­graphischen Erzeugnisse soll der Schutz nach verschiedenen Richtungen hin verstärkt werden. Es wird gefordert die Verlängerung der Schutzdauer, das Verbot der Nachbildung, auch wenn sie auf anderen als mechanischem Wege erfolgt. Ferner enthält das Gesetz die Forderung des Schutzes des Abgebildeten gegen Verbreitung und öffentliche Schau­stellung des Bildnisses. Auf dem Gebiete des Kunst= verlags wird eine einheitliche, allen Ansprüchen gerecht werdende Regelung in der Vorlage zurzeit als kaum möglich bezeichnet.

Frankreich.

Der Marseiller Streik der Kauffahrteischiffsoffiziere droht immer größere Ausdehnung anzunehmen und selbst über Frankreichs Grenzen hinüberzugreifen. Die Mar­seiller ,, Gesellschaft der Schiffskapitäne für lange Fahrt" er­hielt Zustimmungsdepeschen des Hafensyndikats von Dün­kirchen und der Nautischen Gesellschaft in Barcelona, in denen diese ihren Anschluß an den Ausstand in Aussicht stellen. Der deutsche Handel wird durch diesen Streif erfreulicherweise fast gar nicht betroffen. In War­seille liegt der Hafen völlig verödet da. Von Marseille sind bisher nur zwei Handelsschiffe der Compagnie Tunisienne" abgegangen. Die Offiziere dieser Schiffe hatten sich eben­falls dem Ausstande anschließen wollen; doch erklärte ihnen die Gesellschaft, daß sie dann entlassen seien und durch andere ersezt würden. Darauf blieben die Offiziere an Bord. Sie dürften indes in Tunis den Dienst. verweigern. Es kann als ziemlich sicher gelten, daß die Streifenden ihren Willen burchsetzen.

Spanien.

Der Mordanschlag auf den spanischen Ministerpräsiden ten Maura stellt sich als eine Art Bandenattentat heraus. Kurz nachdem der Zug unter Schmährufen des Publikums die Station Alicante verlassen hatte, wurde auf freiem Felde von einem ganzen Trupp von Personen ein regelrechtes Schnellfeuer auf den Waggon eröffnet, in dem der Miniſter­präsident mit anderen Diplomaten saß. Mauras Waggon trug die Spuren von zehn Kugeln, auch einige andere Waggons wurden getroffen. Von den Insassen des Zuges wurde indes niemand verletzt. Die zur Bedeckung im Zuge befindliche Gendarmerie erwiderte die Schüsse. Zwei Per. sonen wurden verhaftet.

Türkei.

Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland wird, wie von vornherein nicht anders zu erwarten ſtano, eine friedliche Lösung finden. Die Pforte iſt bereit, die von Griechenland geforderte Genugtuung zu gewähren, sobald der Tatbestand genau festgestellt ist. Nach der von den griechischen Konsularbeamten gegebenen Darstellung trug sich der Vorfall erheblich anders zu, als es nach der ersten türkischen Schilderung den Anschein hatte. Die griechische Gesandtschaft in Berlin machte unserem Berliner CB- Mit­arbeiter darüber folgende Mitteilungen: Die türkischen Be­hörden in Smyrna hatten die Läden mehrerer griechischer Untertanen schließen lassen, die sich weigerten, die Patent­ſteuer zu zahlen, zu deren Eintreibung die Türkei keinerlei Recht besaß. Der griechische Generalkonsul sandte daraus jeinen Sekretär in Begleitung des Dragomans und von vier Kawassen, um einen dieser Läden wieder eröffnen zu lassen. Dies vollzog sich ohne den geringsten Widerstand der tür­fischen Behörden. Allein wenige Minuten später überfiel die türkische Polizei, unterstützt von 50 türkischen Soldaten, das Rokal, und mit den Läufen ihrer Karabiner schlugen sich auf die Beamten des Generalfonsulats los. Der Sekretär wurde verwundet und von den Soldaten und bewaff­neten Trägern zu Boden geworfen, die den Versuch machten, ihn zu er drosseln. Zu seiner Verteidigung mußte er zur Feuerwaffe greifen. Mehrere Schüsse wurden gewechselt. Ein Agent der Polizei wurde durch eine Kugel an der Hand gestreift. Der Sekretär, dem man Handschellen an­legte, und zwei seiner Kawassen wurden in das Gefängnis abgeführt. Der Generalkonsul protestierte sofort beim Vali und forderte oie Freilassung seiner Beamten. Der Vali hatte eingewilligt, den Sekretär freizulassen, die Kawassen gab er erst frei, als der französische Generalkonsul sich ein­mischte.

Scheiterhaufen und dem Rohrstod.

fträuben, fo beweisen fie es ihnen mit dem Schwert, dem

Solche Naturen stehen

men, zum Künſtler. aber im geradeſten Gegensatz zum Gelehrten und auch, wenn Diese fagen zu den Erscheinungen

Sie wollen,

der Hauptfache

zu

ohne daß Deutschland nicht möglich, diese edelst Ende

Es ist ja in

mag. Auch Tempel der Wissenselbst zu ernähren ver­

lich einige Jahre lante Laufbahn zu beginnen, mit dem Gelde.

r unentbehr­

Zähigkeit ist stets. Was der erste windstof bricht nur dürre Aeste. das Beste."

Wie der Wald so deutlich spricht:

Sind gewißt

Sie weigerte sich hartnäckig.

Es hatte sich eine alte Lubra

( Schwarze Frau) bei uns eingefunden.

Ich holte

Was soll ich euch weiter fagen, Kameraden? noch eine Frau von Geelong herüber und glaubte damit

alles acto

mitände erbeiichten