Ausgabe 
27.2.1904 Zweites Blatt
 
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und warf sie auf meine Feinde.

auf die Straße. Da drängte sich in der Dunkelheit eine Messer wurden auf mich gezückt. Da ergriff ich die Lampe Nun?" flüsterte mein Begleiter. Dunkelheit füllte sofort das Gemach. Ich hatte mir genau " Es ist alles gut," antwortete ich und ahmte die Stimme die Tür gemerkt, zu welcher der Präsident hereingekommen war. Dahin tastete ich mich und rief:

des Hausirers nach.

,, Schläft er?"

Fest."

Gut. Romme mit uns. Du hast deine Probe bestanden. So sterben alle Feinde der guten Sache."

Wir gelangten in eine Straße, die den Namen der Lohn der Guten" trug. Vor einer Türe blieben wir stehen. Mein Begleiter kragte an die Türe, eine Spalte öffnete sich, und eine Stimme fragte nach unserem Begehr.

" Des Drachens Blut," sagte mein Führer. Einlaß zu den zehntausend Hoffnungen."

Nach vielen Umständlichkeiten kamen wir in ein langes, niedriges Gemach. Vierundzwanzig flüsternde Männer saßen an den Wänden entlang.

In der Mitte des Zimmers stand ein Tisch. Darauf brannte eine Lampe mit einem grünen Schirm. Meine Augen gingen rastlos hin und her.

Plötzlich kam Bewegung in die Gesellschaft. Ein Mann mit einer weißen Maske trat ein. Stumm verbeugten sich alle. Der weiße Mann erwiderte ernst den Gruß. Dann nahm er seinen Präsidenten- Platz ein.

,, Sind wir alle hier?"

" Ja, Bruder Präsident."

,, Sonst noch wer?"

,, Noch einer?"

,, Was will er?"

,, Er hat etwas zu erzählen.

st er ein Fremder?"

" Ja, ein Fremder, Bruder Präsident."

Der Präsident sah mich scharf an." So wollen wir seine Geschichte hören, bevor wir zu wichtigen Geschäften über­gehen."

Ich trat einige Schritte vor, sah der weißen Maske ins Gesicht.

Lange lebe der Bund der zehntausend Hoffnungen, sagte ich.

" Ein frommer Wunsch, mein Sohn. Die Götter fördern unser Unternehmen. Die Tage der Usurpatoren sind ge­zählt. Starb diese Kreatur, die weder Engländer noch Chinese war? Wie starb er?"

,, Wie alle, verzweifelnd kämpfend, Exzellenz." Exzellenz!" wiederholte er. Du brauchst ein seltsames Wort. Du gehörst nicht zu uns!

Guere würdige Haltung, Bruder Präsident, gab mir dieses Wort ein."

Schweigen trat ein. Das war wohl die verhängnisvollste Situation, in der ich mich je im Leben befunden hatte. ,, Wer brachte diesen Mann hierher?"

ch," sagte mein Führer.

,, Was weißt du von ihm?"

Er hat uns oft und treu gedient. Ihm ward die Ehre zu teil, den Bund der zehntausend Hoffnungen" von dem gefährlichsten Feind zu befreien."

,, Kannst du für ihn bürgen?"

" Ja, Bruder Präsident. Als Hausierer verkleidet, ging er in das Wirtshaus, wo der Engländer in chinesischer Tracht wohnte."

Wie heißt du?" wandte sich die weiße Maske an mich. " Ist es nicht gegen die Regel des Bundes, die Privat­namen zu besprechen?"

Wenn die Notwendigkeit es erfordert, so sind die Regeln

ungültig."

Ich war starr vor Schrecken. Da fiel mir ein, daß der Hausirer mir seinen Namen genannt hatte.

Ich bin Kong- li, der Sohn von Hi, des ehrenwertesten Sargtischlers von China."

Der Präsident sah meinen Führer an.

Dieser nickte.

,, Wo wohnst du?"

Wiederum erschrak ich. Aber schnell antwortete ich: In der Straße des Zweiflauigen Drachens"."

,, Nein, Bruder Präsident," rief mein Führer. Er wohnt mit Weib und Kind in der Straße zum Großen Tempel". Diese Perücke und dieser Bart ist nur ein Teil der Verklei­dung, die er annahm."

Der Spion ist in unserer Mitte," schrie es um mich her. Alle sprangen von ihren Sißen auf, und ein Dutzend blanker

Feuer, Feuer!"

Nun ward das Gedränge und die Aufregung groß. Von einem Menchenknäuel getragen, gelangte ich auf einen Hof. Da hörte ich die Stimme des Präsidenten:

,, Zaßt niemand hinaus!"

Ich sah den Mann mit der weißen Maze neben dem Pförtner an einem Tore stehen. Schnell versetzte ich diesem einen Schlag unter das Kinn. Er taumelte, stürzte zu Boden, und ich brach durch die Tür und gewann das Freie.

Man verfolgte mich. Ich lief in das Telegraphen- Bureau und setzte nachstehende Depesche nach Pefing auf:

" Der Bund der zehntausend Hoffnungen" tagt in der Straße zu dem Lohn der Guten". Sein Präsident ist der Gouverneur Chung- Ki."

AUS DEM REICHE

DES

WISSENS

Bur Geschichte des Wohlgeruchs. Schon zu den ältesten Zeiten war der Gebrauch wohlriechender Dinge bereits beliebt und an der Tagesordnung. Salbten doch bereits die Hohenpriester des jüdischen Volks sich mit den duf­tenden Delen Indiens und aus Afrika, und Weihrauch- Düfte wallten hoch von den Altären diente doch in Hindostan seit grauen Jahren des Sandelbaums Holz zum Räuchern, wie auf den Sunda- Inseln der Gebrauch des Benzoe, eines weißen, wohl= riechenden Harzes, für denselben Zweck üblich war und ist. Be­sonders aber taten die alten Perser und Babylonier sich hervor in Verwendung und Verschwendung diverser wohlriechender Düfte, indem sie unter anderem besondere Hof- Beamte, die in gutem Geruch standen, das heißt für den Wohlgeruch zu sorgen hatten, einsetzten, und sogar die Blumen noch an Duft zu überbieten suchten durch parfümierte Kränze, die bei Festlichkeiten die edlen Häupter schmückten. Welche Ehre, welche Gnade, wenn ein könig­licher Herr den mit köstlichen Essenzen übergossenen Blumenkranz, welcher beim Gelage seinen eigenen hohen Kopf gekrönt, an irgend einen Glücklichen verschenkte! In sinniger Form erhielt der gleiche Brauch sich bei den Griechen, die aus zarter Frauenhand, als ein Zeichen besonderer Huld, duftende Kränze von Blumen empfingen, welches zuvor das Haar der holden Huldin geziert. Und wie die alten Perser, liebten auch die Aegypter, namentlich jedoch die Römer, herrliches Riech- und Räucherwerk, kostbaren Balsam, Salben u. s. w., und zwar war der Aufwand im Alter­tum dabei so groß, daß er sogar bis auf die Toten sich erstreckte, bei deren Einbalsamierung und Leichenbegängnissen großer Lurus mit Wohlgeruch getrieben wurde. Speziell hervorragend aber war die schwelgerische Kaiserzeit Alt- Roms im Kultivieren der Kunst künstlichen Duftes! Mann und Weib wetteiferten in der Vorliebe dafür alles mußte duften: Menschen, Räume und Getränke. Bei der Tafel und bei Festen war guter Geruch" eine Haupt­bedingung, für deren Erfüllung eine Fülle von Blumen, Rauch­gefäßen, Brunnen, versehen mit parfümierten Gewässern, Weine, gewürzt mit kostbaren Essenzen, Sorge tragen mußten. Diese Uebertreibung zeitigte auch schroffe Gegner und scharfe Kritiker, welche die Sucht, zu duften, mit des Spottes beißender Lauge überschütteten, und Kaiser Vespasian, der im ersten Jahrhundert nach Christus regierte, soll einst einen seiner Offiziere entlassen haben, weil er ihm zu wohlriechend war. Desto eingenommener für den Duft des Parfüms zeigte sich das schönere Geschlecht! Der Leibarzt der römischen Kaiserin Plautina, Kriton, schrieb z. B. eine Abhandlung über die Toilette", in der er nicht weniger als fünfundsiebzig wohlriechende Essenzen beschrieb, und manches große Vermögen damaliger Zeit verduftete".

*

Warum sollte mans nicht wissen? Einer, der viel Zeit hatte, ein schweizerischer Gottesgelehrter hielt es für eine wichtige Sache zu erforschen, wieviel Worte und Buchstaben die heilige Schrift habe. Da hat er herausgezählt, daß die Bibel 773 662 Wörter und 3 566 480 Buchstaben enthalte. Das Wörtchen und" ist am häufigsten vertreten und findet sich 46 227 Mal vor, während das Wort flugs" nur einmal vorkommt. Um dies herauszu­bekommen, hat der Mann drei Jahre täglich fast neun Stunden gearbeitet. Wer tut's ihm nach?

Nr. 46.

Samstag, den 27. Februar

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Cägliche Unterhaltungs- Beilage

beg

Gießener Neueste Nachrichten.

Bond und Verlag bes Steponer Derlag# braderet, vorm. Dih. Reller'sche Bucherudersi( gegr. 1788); sesenter: Ibin lela

(( 9. Fortsetzung.)

Der Goldmarder.

Original Roman von M. Behold.

Der Hofrat erhob sich, ein ungläubiger Zug lag noch immer um seine Lippen. Ich kann nur wiederholen, daß die baldige Verlobung unserer Kinder in Ihrem eigenen Interesse liegt," sagte er, indem er seinem Freunde die Hand zum Abschied bot, sie wird nach meiner innersten Ueber­zeugung die Entscheidung des Fräuleins v. Derendorf be­schleunigen und die Erfüllung Ihres Wunsches Ihnen sichern."

" Ich werde das nicht vergessen," erwiderte Spangenberg, den Hofrat bis zur Treppe begleitend, aber auch abgesehen hiervon wird es mich aufrichtig freuen, wenn ich schon morgen unser Geheimnis veröffentlichen darf. Erlauben Sie mir übrigens noch die eine Frage: sind Sie Ihres Sohnes sicher?"

Jawohl."

,, Nun, dann brauchen wir uns keine Sorgen weiter zu machen. Auf Wiedersehen heute abend!"

Mit ernster, nachdenklicher Miene kehrte Joachim Span­genberg in sein Rabinet zurück; er schien seines Sieges doch nicht so ganz gewiß zu sein.

Er blieb vor seinem Schreibtisch stehen und legte die Hand auf die Stirne, ein tiefer, schwerer Atemzug entrang sich seinen Lippen.

Am Ziele bin ich noch nicht," murmelte er, aber er­reichen muß ich es, gleichviel, was es auch kosten mag!"

Er trat vor den Spiegel und drehte die Spigen seines Schnurrbartes empor wie ein junger Stußer, und ein selbst­gefälliges Lächeln zuckte dabei um seine Lippen.

Fünftes Kapitel.

Irma und Gustav Spangenberg erwarteten den Vater schon; er begrüßte sie mit einem leichten Kopfnicken und ließ sich an der mit Silbergeschirr reich belandenen Tafel nieder.

Gesprochen wurde bei Tisch nie, so lange der Diener ser­vierte, erst dann, wenn das Dessert aufgetragen war und der Lakai sich entfernt hatte, durften die Kinder eine Frage an den Vater richten, oder der Direktor ergriff selbst das Wort, um in der Regel seinem Unmut über dies oder jenes Luft zu machen.

Und heute hatte der Diener kaum die Tür geschlossen, als der Sturm losbrach.

" Peter Schönbach ist also nicht ausgewiesen worden?" fragte er, seinem Sohne einen zornfunkelnden Blick zu werfend.

Der Herr Schwager behauptete, er habe keine Be rechtigung dazu, erwiderte Gustav, mit dem silbernen Nuß­fnacker Haselnüsse öffnend, deren Kerne er auf den Teller seiner Schwester legte. Er fürchtet, man könne ihm den Vorwurf machen, er mißbrauche seine Amtsgewalt im In­teresse seiner Familie

" Eines solchen Vagabunden wegen?" brauste der Direktor auf. Wer wird sich um den Kerl weiter fümmern?"

( Nachdruck verboten.)

,, Schönbach drohte, er werde sich persönlich an den Fürsten wenden und außerdem allerlei veröffentlichen, was unsere Familie im höchsten Grade kompromittieren würde."

Ich hätte meinem Schwiegersohne solche Schwäche nicht zugetraut, wäre ich Polizeirat, der Kerl würde sofort über die Grenze gebracht worden sein. Und damit er das Wiederkom men vergäße, hätte ich ihm fünfundzwanzig aufzählen lassen. Was will er hier? Seinem armen Bruder zur Last fallen? Der Kustos hat selbst nichts, er bettelte heute Morgen noch um eine bessere Wohnung für seine kranke Frau, die ich ihm jedoch nicht geben kann."

,, Peter Schönbach berief sich darauf, daß er ein be­rühmter Kupferstecher sei," sagte Gustav ironisch, er will einige Bilder in der hiesigen Gemäldegallerie kopieren. Ist er um die Erlaubnis noch nicht eingekommen?"

In den zornfunkelnden Augen des Direktors blitzte es tückisch auf. Nein, er würde sie auch nicht erhalten," er­widerte er. Da könnte jeder Gauner unter solchem Vor­wande kommen, um unser Museum zu bestehlen und mit dem Raube zu entwischen. Wenn der Kustos es wagt, hinter meinem Rücken ſeinen vagabundierenden Bruder einzulassen, dann setzt er seine ganze Existenz auf's Spiel, ich würde ihn für alles verantwortlich machen."

" Der Kupferstecher wird von uns überwacht," suchte Gustav den erregten Vater zu beruhigen, sein Paß ist leider in bester Ordnung, aber sobald er gefaßt werden kann, soll er über die Grenze gebracht werden."

Irma wollte sich erheben, die Härte ihres Vaters berührte sie unangenehm.

,, Bleib' ſizen," sagte er befehlend, ich habe mit euch noch zu reden. In Bezug auf den Vagabunden werde ich mit Hermann persönlich sprechen, er muß schärfer auftreten und solche Elemente unserer Residenz fernhalten, wenn er nicht die Gunst des Fürsten verscherzen will. Du wirst nicht lange mehr in seinem Kabinett arbeiten, Gustav, die Zeit ist da, dich für die diplomatische Laufbahn vorzubereiten, darüber werde ich mit dem Hofrat v. Weisweiler beraten. Du sollst Reisen machen, Welt und Menschen kennen lernen, ich hoffe in zwischen Durchlaucht bestimmen zu können, daß er dich zum. Sekretär bei einer unserer Gesandtschaften ernennt." ,, Sehr angenehm!" rief Gustav erfreut.

,, Und auch für deine Zukunft habe ich Sorge getragen, Irma," fuhr der alte Herr, einen väterlich wohlwollenden Ton anschlagend, fort. Der Maler v. Weisweiler hat durch seinen Vater um deine Hand geworben, es ist eine durchaus annehmbare Partie, ich habe deshalb auch ohne Bedenken meine Zusage gegeben. Ottokar v. Weisweiler wird höchst wahrscheinlich zum Hofmaler ernannt werden, dann ist seine Zukunft gesichert.

Das Antlitz Irma's war todesbleich geworden, das krampfhafte Zucken ihrer sonst aufeinander gepreßten Lippen befundete den Sturm in ihrem Innern.

Der Direktor schien das nicht zu sehen oder nicht beachter zu wollen. Ich habe euch noch eine weitere Eröffnung zu machen," nahm er nach einer kurzen Pause wieder das Wort

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