Ausgabe 
27.2.1904 Zweites Blatt
 
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[ Konfuls Tod.] Der Vertreter der Affenwelt, dessen hohe Intelligenz seit Wochen im Zirkus Schumann zu Berlin allgemeine Bewunderung erregte, ist seinen Leiden erlegen. Der arme Affe, der tuberkulös war, konnte das rauhe Winter­wetter nicht vertragen und hüstelte wie ein wirklicher Mensch" schon seit Monaten. Dazu kam noch, daß er leidenschaftlich Zigaretten rauchte, und von dieser Unart um so weniger Tassen konnte, als das Rauchen zu jenen Tricks gehörte, die einen Teil der allabendlichen Vorstellung des Chimpansen bildeten. Selbstverständlich bedeutet der Tod Konsuls für seinen Impresario einen großen Verlust, der übrigens nicht der Besizer des Affen war. Der eigentliche Eigentümer Konsuls war die Tänzerin Loie Fuller, die den Affen für 400 Mark per Vorstellung weiter vermietet hatte.

[ Gine wunderliche Erfindung] hat ein Londoner dem dortigen japanischen Gesandten angeboten. Es ist ein unter­sceisches Magnetboot", das mit seiner magnetischen Kraft imstande ist, die russischen Kriegsschiffe an sich zu ziehen und dieselben ohne Widerrede ganz einfach in den nächsten japa­nischen Kriegshafen zu lotsen. Es ist nur schade, daß der edle Freiherr von Münchhausen schon tot ist; der hätte da­mit die Kanonenkugel, auf der er spazieren ritt, noch über­trumpfen können.

** Die erste Frühlingsbotin, die Blüte des Haselstrauches, hat in diesem Jahr recht lange auf sich warten lassen. Ihre mittlere Zeit ist der 2. Februar, aber sehr oft ist sie schon im Januar, sogar in der ersten Januarwoche angemeldet. Zurzeit stäubt die Hasel zwar noch nicht in geschützten Stand­orten des Waldes, aber die Samenkapseln der Kätzchen sind eben zum Aufplaten entwickelt, sie lockern die Blüte zur Entfaltung. Ist die Sonne günstig, so sind sie in ein paar Tagen stäubend". Aber die Sonne ist freilich nicht gün­stig in diesem tristen Winter, der im Januar nur fünf Sonnentage brachte der letzte Dezember hatte sechs, im Februar seither zwei. Sie hat das Blühen der Hasel berzögert. Trotz alledem webt ein Frühlingshauch im Walde für das Kennerauge schon seine zarten Geheimnisse: die Moose sind längst frisch belaubt, auf den Waldwiesen regt sich der Keim vorsichtig unter der grauen erstorbenen Winter­decke; die Drossel schlägt zwar noch nicht, aber sie lockt sehr laut und dringlich. In Mitte Februar kommt auch der Winterling, der feine Eranthis hiemalis, zum Vorschein. Vor allem aber sind die Wolkenbildungen am Abend ganz andere als im Winter, die Februar- Stürme beginnen und die Natur versucht das Wohngebiet der Vegetation auszu­fegen, dürres Holz zu machen und Platz zu bereiten für die kommenden Keime in Wald und Flur.

[ Die Ausstellung eines Kohlenbergwerts in vollem triebe] dürfte in St. Louis große Anziehungskraft ausüben. Das Publikum wird sich mittels einer elektrischen Gruben­bahn in das Erdinnere begeben und dort die Arbeit der Kohlengräber verfolgen können. In Verbindung mit dem Kohlenbergwerk sollen die modernsten Maschinen, die in dieser Industrie Verwendung finden, ausgestellt werden. Die Wände des Bergwerks sind mit Kohlen ausgemauert. Direkt neben dem Eingang in den unterirdischen Anlagen befindet sich eine Restauration, in welcher Kohlengräber mit Laternen über ihren Kappen als Aufwärter fungieren werden.

Das Neuefte aus den Witzblättern. Von der Sekundärbahn. Reisender( zum Loko­motivführer): Sagen Sie, mein Bester, wie kommen denn Sie zu dieser Rettungsmedaille; kann denn auf einer solchen Schneckenbahn auch ein Unglück passieren?" Führer:

Dös wollt i moan'n! Bal i halt an Zug bei der Ueber­fahrt net grad no zum stehn bring, nacha fahrt uns halt der Herr Baron mit'm Autl über'n Hauf'n!"

Boshaft. Dichterling( von seinem Onkel erzählend, den er mit Erfolg angepumpt): Er ist doch eine zu liebe Seeie, ich werde ihm ein Bändchen Gedichte widmen!" Freund: Ja! Ja! Undank ist der Welt Lohn!"

Trinkerstandpunkt. Seppel: Vata! Was is dös: a Wasserheilanstalt?"- Vater: Frag net so dumm! Dös is a Anstalt, wo oaner vom Wassertrinken g'heilt wird!" Stoßseufzer. Sie: Ach, Eduard, warum mußteſt du unter die Autler gehen; sogar deine Küsse schmecken nach Benzin!"

Kasernenhofblüte. Unteroffizier: Einjähriger Müller, ſizen Sie doch nicht so stolz auf dem Pferde; meinen Sie, Sie könnten besser reiten, weil Sie wohl früher auf' ner Roßhaarmatraße geschlafen haben?"

Bestätigung. Ist es wahr, daß du schon einmal beinahe ertrunken wärsi?" Swusterzunge:" Jawohl, det is historisch!"

Unter Studenten. Der Herr suggerierte dir also, daß du ein Millionär seiest. Spund? Ist ihm das Erperi­ment gelungen?" Im allgemeinen ja- angepumpt hab' ich ihn aber doch!" ( Megg. Bl.)

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wieder eine

Prämiierung von Dienstboten des Spar­tassenbezirks

Der Landwirt.

pd. Die Entwickelung der deutschen Schweinezucht bildete den Hauptverhandlungsgegenstand der Versammlung der Vereinigung deutscher Schweinezüchter, die in Berlin stattfand. Prof. Dr. v. Nathusius- sena wies an der Hand der Ergebnisse der letzten Viehzählung nach, daß die Schweinezucht sich be= trächtlich gehoben hat. Redner wies hin auf die absolute Steigerung der Schweinebestände, die von 1873 bis 1900 von 7 Millionen auf 17 Millionen Stück gestiegen sind. Noch auffallender sei aber die Steigerung im Verhältnis zur Grundfläche. 1873 kamen auf den Quadratkilometer 13,2 Schweine, 1900 aber 31,1 Schweine. Je 100 Einwohner hätten 1873 17,4 und 1900 29,8 Schweine zu verzehren gebabt.

pa. Eine neue Zuckerpflanze, die 20ma! mehr Zuder t- hält, als das gleiche Gewicht an Zuderruben oder 3ader­rohr, ist im landwirtschaftlichen Institut von Paraguas chemisch untersucht worden. Der Zucker kann für alle Zwede der Küche gebraucht werden. Die Pflanze ist ein strauch­artiges Gewächs, das kaum einen Fuß Höhe erreicht und den Botanikern unter dem Namen Eupatorium rebandium be­fannt ist. Sie gehört zu derselben Gruppe wie unser dent­scher Wasserdosten oder Wasserhanf.

Kunft und Wiffenfchaft.

erhalten

BL. Die große Kunstausstellung in Dresden kündigt fich jetzt schon durch die Vorarbeiten im städtischen Ausstellung:- palast und Park an. Im Palast wird Wallot, der Erbauer des Ganzen, die lange Wandelhalle des westlichen Seiten­flügels, die er schon zur zweiten Internationalen, Dresden 1901, mit skulptierten Vierfantsäulen geschmückt hatte, durch einen monumental gegliederten Raum abschließen. Im Aus­stellungspark sollen ein Biedermeiergarten nach dem Ent­wurf des Direktors des königlichen Kunstgewerbemuseums Professors Graff und ein moderner Garten nach dem Ent­wurf von Wilhelm Kreis das Kunstausstellungswesen er­weitern und bereichern. Beide Gartenanlagen Wasserfünste, beide sind auch bestimmt zur Ausstellung von Plastik. Die große Ausstellung soll in erster Linie neuzeit­liche deutsche Bilder, Graphik und Skulpturen enthalten, dann aber auch noch eine geschichtliche sächsische Abteilung und eine internationale, in der sich die ganze europäische Malkunst des vergangenen Jahrhunderts spiegelt. Einen hervorragenden Platz findet in diesem Rahmen eine große Sonderausstellung von Delbildern von Adolf Menzel. Das Sunstgewerbe wird diesmal in Dresden wesentlich schwächer als die letzten Male vertreten sein, dagegen dürfte die große graphische Abteilung so bedeutsam werden wie vor drei Jahren.

Der göttliche" Mikado.

Die friegerische Stimmung in Tokio, die sich in patrio­tischen Ausfällen gegen die Russen Luft macht, hat die Haupt­ädtische Polizei zu der Maßregel gezwungen, den dortigen russischen St. Nikoladom durch ein großes Aufgebot von Schußleuten überwachen zu lassen, damit der Pöbel ihn nicht demoliere. Gewissen Kreisen ist der Dom überhaupt ein Aergernis. Als s. 3. die Bauerlaubnis erteilt wurde, gah es große Stürme. Unter anderem wurde geltend gemacht, daß man von: dr Kuppel der Kirche aus in den Garten des Mikado sehen löne. Das sei eine fortwährende Majestäts­beleidigung! Tatsache ist, daß auch heute noch in den Straßen, durch welche der japanische Kaiser fährt, kein Mensch sich in einer Etage oder an einem Orte aufhalten darf, der höher gelegen ist, als der Stg des Kaisers im Wagen. In allen öffentlichen Gebäuden müssen die Beamten ins Parterre hinunterkommen. Es soll auch äußerlich der Anschein er­weckt werden, daß niemand über" dem Sohn der Sonne steht.

Behauptet doch die japanische Mythologie, daß die regierende Mikado familie göttlichen Ursprungs sei und daß das ganze Volk von der Mikadofamilie abſtamme. Das ist ein Märchen aus grauer Vorzeit. Aber dieses Märchen wird in Japan feineswegs so angesehen wie etwa die Grimmschen Hausmärchen in Deutschland; vielmehr ist es recht eigentlich die Religion der Japaner und die Quelle ihrer Ethik, zu­gleich ihre Stärke und ihre Schwäche; etwas spezifisch Japa­nisches und doch zugleich echt Menschliches. Die Bibel führt den Stammbaum der gesamten Menschheit auf ein einziges Elternpaar zurück. Wenn also auch die Japaner von einer einzigen Familie entsprossen zu sein glauben, und wenn sie dieser, der Mikadofamilie, göttliche Herkunft zuschreiben, so dürfen wir uns über die Tatsachen selbst ebensowenig wun­dern, wie über ihre Einwirkung auf das nationale Empfinden und politische Denken. Hat das Volk eine einheitliche Ab­

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stammung, steht diese wenigstens in seinem Bewußtsein ganz und gar im Vordergrunde, dann ist es fast selbstverständlich, daß der Patriotismus eine hervorstechende Eigenschaft seines Charakters bildet, die durch die insulare Abgeschlossenheit nur noch verstärkt wurde.

Herrschte ferner der Glaube, die gesamte Bevölkerung stamme von der Mikadofamilie ab und dieser be wird bis heute sogar amtlich festgehalten, so ist das Verhältnis zwischen Untertanen und Herrscher nicht nur fest begründet, sondern auch ur- und naturwüchsig. Der Mikado steht als der Patriarch der großen Volksfamilie da. Wie im ein­zelnen Hause der Familienvater und Hausherr die Macht hat, so im Staate der Landesvater und Landesherr, der denn auch bis zum Beginn der Meiji- Periode als der einzige Grundherr des Landes galt. Da nun aber dem Herrscher­hause außerdem die göttliche Abstammung zugesprochen wird, so ist es für die Masse des Volkes mit einem Glanz um­geben, vor dem die regierenden Häuser aller anderen Völker erbleichen. Das japanische Herrscherhaus ist tatsächlich, wenn auch nur infolge sehr häufiger Adoption, das älteste der Welt. Die Japaner leiten daraus einen Vorrang ihrer Monarchie unter den Staaten gleichen Charakters ab. In dem Glanz, der davon auf das ganze Volk ausstrahlt, liegt eine starke Gewähr dafür, daß die seit Jahrtausenden bestehende Herrscherfamilie auch in Zukunft den Thron behaupten wird.

Medaillen und ihre Kehrfeite.

Wir erhalten folgende Zuschrift: Ein Schuinvarenhändler im Norden Berlins, der durch seine fühne Reffame einen starten Zulauf namentlich der unteren Volksschichten Larte, wußte auf das Publikum durch die dekorative Verwending einer Medaille mit der Inschrift Allgemeine Ausstellung für Patente und industrielle Neuheiten" und der Verleihungs. widmung für hervorragende Leistungen" zu wirken. Der Verein Berliner Schuhwarenhändler brachte nun in Cr fahrung, daß diese sogenannte Ausstellung eine wilde war. die von einem Privatunternehmer, der zugleich auch als Schiedsrichter fungierte, ins Leben gerufen und durchgeführt worden war. Wahrscheinlich werden alle sogenannten Aus­steller ähnliche Medaillen erhalten haben. Wenn diese auch nicht wohlfeil als Kaufobjekte zu haben sind, so sind sie doch hinsichtlich der Leistungsansprüche außerordentlich wohljeil. Die juristische Qualifikation des unlauteren Wettbewerbs muß als unbedingt vorliegend erachtet werden, aus dem ein­fachen Grunde schon, weil keine Jury aus Sachverständigen vorhanden war.

Der genannte Verein der Schuhwarenhändler erhob da­her auf Grund des Paragraphen über den unlauteren Wett­bewerb Klage, erzielte aber in erster Instanz kein obsiegende Urteil, weil hier die Frage, ob die Ausstellung eine wilde war, oder nicht, überhaupt nicht untersucht wurde. Eine andere Stellung aber nahm das Landgericht I in Berlin als Berufungsinstanz ein. Es entschied, daß der Beklagte die Abbildungen der Medaillen aus den Schaufenstern und von den Briefköpfen zu entfernen habe, und bedrohte ihn für jeden Fall der Zuwiderhandlung mit einer fiskalischen Strafe von 30 Mark.

Mit dieser Entscheidung ist meines Erachtens der Ge­schäftswelt eine große Wohltat erwiesen worden, denn der­artige wilde Ausstellungen und derartige wilde Medaillen gedeihen namentlich in Großstädten in besonders üppiger Weise. Man wäre aber jedenfalls doch nicht gegen diesen unlauteren Wettbewerb vorgegangen, wenn nicht die Korporation des Verbandes der Schuhwarenhändler durch ihren rechtskundigen Eynditus die Sache aufgegriffen hätte. Die Kehrseite der Medaille ist also besonders lehrreis, in­dem sie den Berufsständen, welcher Art sie auch sein mögen, aufs neue die Notwendigkeit eines korporativen Zusamn.en= schlusses ans Herz legt. Die Eristenz eines solchen Verbandes übt eine luftreinigende Wirkung nach zwei Seiten aus, indem er die geschäftlichen Manipulationen der Außenstehenden überwacht, sodann indem der Verband aber auch die mora­lische Handhabung der Geschäftsprinzipien innerhalb seines Bereiches herbeiführt. Leider wird in Geschäftskreisen nod immer zu sehr der Wert eines berufsgenossenschaftlichen Zi­sammenschlusses unterschätzt. Die reelle Geschäftswelt ist in­folgedessen den unlauteren Manipulationen skrupelloser Sonkurrenten preisgegeben, wie sich dies in dem vorerwähn ten Berliner Fall mit Deutlichkeit zeigt. Möchten sie sich Ein Handwerker. ihn zur Lehre dienen lassen!

Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann

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auf die Straße.

Da drängte sich in der Dunkelheit eine

Gestalt dicht an mich heran.

" Es ist alles gut," antwortete ich und ahmte die Stimme Run?" flüsterte mein Begleiter. des Hausirers nach.

Messer wurden auf mich

gezückt.

Da ergriff ich die Lampe

Dunkelheit füllte sofort das Gemach. und warf sie auf meine Feinde.

Ich hatte mir genau

die Tür gemerkt, zu welcher der Präsident hereingeto

Nr. 46.

Samstag, den 27. Februar

1904.