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nie dagewesenen Lebensmittelteuerung entgegen. Schon jetzt find viele Lebensmittel bedeutend im Preise gestiegen. Was an Zufuhren unterwegs war, liegt auf den verschiedenen Stationen und ist dort dem Verderben preisgegeben. Für den Fleischbedarf ist einstweilen gesorgt. Sämtliche Lebens­mittel sind jedoch seit den Mittagsstunden um 25 Prozent in die Höhe gegangen, und die Lebensmittelhändler haben be­schlossen, im Falle des Andauerns des Streiks eine weitere Erhöhung der Preise vorzunehmen.

Dänemark.

Mit der Wiedereinführung der Prügelstrafe ist es nichts geworden: Der dänische Reichstag, der über das Gesetz verhandelte, ist von der Regierung geschlossen worden. Da­mit ist der Gesetzentwurf, dessen Genehmigung angesichts des starken Widerspruchs gegen ihn höchst unwahrscheinlich war, fürs erste abgetan, und es ist nicht anzunehmen, daß die Regierung ihn später nochmals wieder einbringen wird. Der Justizminster, der Vater des Entwurfs, wird vielmehr wahrscheinlich binnen kurzem seinen Abschied nehmen.

frankreich.

essante parlamentariche Vorgeschichte. Die Regierung hatte ursprünglich an Baukosten 3 650 000 Mart, für innere Ein­richtung 850 000 Mart, Marstallgebäude 400 000 Mart, Gartenanlage 250 000 Mart, insgesamt 5 150 000 Mark, davon 100 000 Mark als erste Rate, gefordert. Die Budget­kommission hatte für den gesamten Bau einen festen, nicht überschreitbaren Betrag von 3 000 000 Mart bewilligt. Da die Regierung diese Summe für unzureichend erklärte, wurde der Titel an die Budgetkommission zurückgewiesen, die nach den Aufklärungen von seiten der Regierung jetzt vorschlug, als festen, nicht überschreitbaren Betrag 5 350 000 Mark an die Krone, also mehr als die Regierung ursprünglich gefordert hatte, zu bewilligen, davon 1 Million Mt. ais 1.Rate für 1904. Gegen die Bewilligung stimmten nur die Polen und ein Teil der freisinnigen Volksparteiler. Die dritte Lesung des Etats brachte einige ziemlich allgemein gehaltene Reden der Vertreter verschiedener Parteien und der Minister v. Ham­merstein und v. Rheinbaben. Der Etat des Finanz­ministeriums wurde schließlich in dritter Lesung genehmigt.

Die Gerüchte von einer Begegnung zwischen Kaiser Wil­helm und dem jetzt in Begleitung Delcassés nach Rom ab­gefahrenen Präsidenten Loubet erhalten sich hartnäckig. Jetzt heißt es gar, daß ein Zusammentreffen eider Staatsober­häupter zwischen Neapel und Genua auf hoher See vor­bereitet werde. Allerdings solle der Anschein erweckt werden, daß die Begegnung durch Zufall herbeigeführt sei. Der Ver­lauf würde folgender sein: Die Hohenzollern" werde die ,, Marseillaise" der Schiffe Loubets sichten, und nach aus­getauschtem Flaggengruß werde sich die Gelegenheit zu Be­such und Gegenbesuch zwischen den beiden Staatsoberhäuptern, die zur Zeit gleicherweise Gäste des Königs von Italien sind, bon selbst ergeben. Das schmeckt stark nach Phantasie. Wäh­rend der Anwesenheit Loubets in Rom wird der französische Gesandte beim Vatikan, Nisard, Rom verlassen, weil sein Verbleiben in der ewigen Stadt ihn in eine für ihn wie für den Vatikan peinliche Lage bringen müßte. Uebrigens haben alle von der französischen Regierung abhängigen Religions­institute in Rom Anweisung erhalten, während des Besuches Loubets die französische Trikolore zu hissen.

Deutfcher Reichstag.

( 74. Sigung.)

CB. Berlin, 23. April.

Nab und Fern.

§ Wegen einer gestohlenen Hose ins Zuchthaus. Wegen Diebstahls einer Ertrahose wurde der Musketier Rechenberg bom 128. Infanterie- Regiment vom Kriegsgericht in Danzig unter Ausstoßung aus dem Heere zu einem Jahre Zuchthaus, 2 Jahren Ehrverlust und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt. Der Angeklagte, welcher die Tat hartnäckig leugnete, ist wegen Diebstahls bereits vor­bestraft. In derselben Tagung des Kriegsgerichts wurde gegen den Grenadier Huißmann vom 5. Grenadier- Regiment wegen Sittlichkeitsvergebens auf sechs Monate Gefängnis erkannt. Er hatte ein Mädchen unter 14 Jahren in die Raserne verschleppt und sich dort an ihm vergangen.

A Das deutsche Selbstfahrer- Kommando auf der Wiener Spiritusausstellung wurde vom Erzherzog Franz Ferdinand eingehend besichtigt. Das Kommando steht unter Befehl des Hauptmanns Meyer und des Leutnants Wegner. Der Ab­teilung sind ein Vizeseldwebel, ein Unteroffizier und fünf Mann zugeteilt. Der Erzherzog ging von Wagen zu Wagen und sprach die einzelnen Soldaten der, Selbstfahrer- Truppe an. Sehr aufmerksam betrachtete er die elektrische Station, welche auf einem Anhängewagen untergebracht ist und dazu dient, einem elektrischen Scheinwerfer Strom zu liefern. Er ließ sich die Details erklären, auf welche Weise die mechanische Kraft des Vierzylinder- Benzinmotors in elektrische umge­wandelt und dann vermittels eines Kabels zu den Schein. werfern geleitet wird. Sann man die Maschine nicht in Gang sehen?" Gewiß, faiserliche Hoheit. Ankurbeln!" lautete das Kommando. Sofort sprangen zwei der Soldaten zur Kurbel, und eine Sekunde später ertönte der rhythmische Taftschlag zweier Vierzylinder. Im Handumdrehen hatten die Soldaten auf dem Wagen Platz genommen, und kaum eine Minute nach der Frage des Erzherzogs rollten ein sechs­fiziger Personen- Militärwagen und ein Lastwagen auf die Fahrbahn hinaus.

§ Das Martyrium eines Kindes bildete den Hintergrund einer Anklage wegen Mißhandlung, die der verehelichten Bertha Schmidt in Berlin 6 Monate Gefängnis eintrug. Sie hatte ihren vierjährigen Stiefsohn Willy Hasse in der un menschlichsten Weise gemartert. Man hat das völlig ver­schüchterte Kind, das eine unbezähmbare Furcht vor der Angeklagten hatte, oftmals zerkragt, zerbeult und mit un zähligen Wunden und mit Schorf bedeckt vorgefunden. Sein

Friedhofschändung. Eine furchtbare Entdeckung setzte die Einwohner des Dorfes Himmelfron bei Bayreuth in Auf­regung. Auf dem dortigen Friedhof fand man zwei Kinder­gräber geöffnet. Die eine Leiche war aus dem Sarg heraus­gerissen and fortgeworfen, von dem anderen Sarg war nur der Deckel abgerissen, die Leiche selbst unversehrt. Man glaubt es mit der Tat eines Irrsinnigen zu tun zu haben. Vom Täter hat man keine Spur.

Die lebende Fackel. zu Müllheim in Baden beging das Dienstmädchen eines Restaurateurs, Helene Schwab, auf gräßliche Art Selbstmord. Sie begoß sich über und über mit Spiritus und Petroleum und zündete dann die dermaßen durchtränkten Kleider auf ihrem Leibe an. Am nächsten Morgen fand man von der Unglücklichen nur noch eine form. lose Masse vor.

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ver so schilderten einige Zeuginnen sei so schwarz gewesen, als wenn er von einem Wagen überfahren worden wäre, seine Ohrläppchen seien eingerissen und blutig ge­wesen, die Finger blutunterlaufen, der Junge habe ge­fiebert usw.

§ Ein zum Tode Verurteilter, der sich der Begnadigung widersetzt. Der von dem Kölner Schwurgericht im Jahre 1895 wegen Ermordung des Bürstenbinders Peter Giesel­brecht zum Tode verurteilte Wilhelm Müller aus Eil, der durch den Landesherrn zu lebenslänglichem Zuchthaus be­gnadigt ist, verbüßt diese Strafe in der Strafanstalt zu Kassel. Seit seiner Verurteilung richtet er beständig Wie­deraufnahmegesuche an die Gerichte, die er mit angeblich falschen Aussagen von Zeugen in der Hauptverhandlung begründet, die aber regelmäßig abgelehnt werden. In seinen Wiederaufnahmegesuchen bringt der Verurteilte stets zum Ausdruck, daß er, sofern seinem Gesuche nicht stattgegeben wird, die Vollstreckung des Todesurteils beantrage, denn er habe seine Begnadigung bei dem Landesherrn nicht bean­tragt. Wenn diese trotzdem von der Staatsanwaltschaft in Anregung gebracht wurde, so sei dies gegen seinen Willen ge­schehen. Auf diesen Antrag läßt sich jedoch das Gericht nie­mals ein, sondern entscheidet lediglich über die Wiederauf­nahmegesuche.

Familientragödien. Blutige Familiendramen scheinen zu einer täglichen ständigen Rubrik zu werden. In Berlin verletzte der Lederarbeiter Arnold Heise seine Ehefrau Marta lebensgefährlich durch Revolverschüsse und entleibte sich dann selbst. Heise war arbeitsscheu und hatte wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe zu verbüßen gehabt, weshalb sich seine Frau von ihm lossagte. Eine zweite Familientragödie spielte sich in M.- Gladbach ab. Dort verletzte der Tage­löhner Kersten seine Tochter schwer mit einem Brotmesser und durchschnitt sich dann selbst die Kehle.

Jugendlicher Mörder. Ein furchtbares Verbrechen ber­übte ein dreizehnjähriger Knabe zu Palazzetto bei Venedig. Als ihn seine Mutter ausschickte, um seine sechsjährige Stief­chwester zu suchen, die seit mehreren Stunden vermißt wurde, gehorchte er widerwillig unter der Drohung: Ich gehe, aber öte sie." Und zum Entseßen der Mutter kehrte er nach einiger Zeit mit dem Zeichnam der Kleinen zurück und warf ihn der Mutter vor die Füße mit dem Ausruf: Da hast du deine Tochter." Er hatte das Kind mit einer Hacke erschlagen.

Heute ergriff vor Eintritt in die Tagesordnung der preu­Bische Kriegsminister v. Einem das Wort, um gewisse Vor­würfe abzuwehren, die von konservativer Seite gegen die Heeresverwaltung gerichtet worden sind, weil diese die Pferde für Südwestafrika in Ostpreußen zum großen Teil durch Händler habe ankaufen lassen, nicht direkt von den Züchtern. Herr v. Einem mußte die Tatsache zugeben, konnte aber nach­weisen, daß die Verwaltung der Armee deshalb durchaus keinen Tadel verdiene. Den Händlern ist nach seiner Dar­legung keinerlei Mitteilung über bevorstehende Ankäufe ge­macht worden, sie haben einfach in diesem Falle in Pferden spefuliert, wie sie es sonst in Getreide oder anderen Waren tun. Die Remonte- Ankaufskommissionen haben sie nicht über­gehen können, weil sie keine Sicherheit hatten, daß es ihnen gelingen werde, den Bedarf anderweit rechtzeitig zu decken. In Zukunft würden jedenfalls die Händler nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Zum Schluß nannte es der Kriegs­minister eine Fronie des Schicksals, daß die Heeresverwaltung auf die Anklagebank gezogen worden sei, da gerade sie oft die Anregung zum Pferdeankauf in Ostpreußen gegeben habe. Nach dieser Ministerrede trat das Haus in die Tagesordnung ein und arbeitete dann in demselben schnellen Tempo wie gestern, indem es zunächst die Etats für Neuguinea und die Verwaltung der Karolinen, Palau und Mariannen debattelos annahm und später den für Kiautschau in gleicher Art er­ledigte. Etwas mehr Zeit nahm der Etat für Samoa in Anspruch, nachdem der Abg. Eickhoff Beschwerden vorge­bracht hatte, die die Ansiedler gegen den Gouverneur Solf führen. Kolonialdirektor Stübel antwortete, die genaue Prüfung habe ergeben, daß an dem bestehenden Zerwürfnis der Gouverneur nicht schuld sei, der übrigens auch die große Mehrzahl der Pflanzer auf seiner Seite habe. Gegen ihn sei nur eine Minderheit, die sich nicht darin finden könne, daß er ihnen gegenüber dieselbe Festigkeit zeige, die er mit bestem Erfolge den Eingeborenen gegenüber bewiesen habe. Daß Herr Solf kein Bureaukrat sei, davon habe sich wohl der Reichstag vor zwei Jahren selbst überzeugt, als der Gouver-, neur hier persönlich seinen Etat vertrat. Der sozialdemokra­tische Abg. Stadthagen wollte den damaligen Eindruck nicht gelten lassen, nach ihm herrschen in Samoa Kapitalismus und Bureaukratismus, sogar eine farbige Bureaukratie sei heran­gezogen worden. Die Polizei sei aus Farbigen zusammen­gesetzt und walte mit einer Willfür ihres Amtes, wie- die Polizei in Berlin. Der freifonservative Abg. Dr. Arendt machte sich die Klagen über die farbige Polizei wenigstens teilweise zu eigen und meinte, daß das Ansehen der Deutschen überhaupt nicht genügend gestützt werde. Es sei doch gerade­zu unglaublich, daß dem Pflanzerverein verboten worden sei, das Deutsche ausschließlich zu seiner Geschäftssprache zu machen. Kolonialdirektor Dr. Stübel erwiderte, daß man ohne farbige Polizei nicht auskomme, und suchte das Ver­halten des Gouverneurs gegenüber dem Pflanzerverein da­mit zu rechtfertigen, daß durch die beanstandete Bestimmung alle Pflanzer, die des Deutschen nicht mächtig seien, von dem Verein ausgeschlossen würden. Abg. Dr. Arendt vermochte hierin einen plausiblen Grund nicht zu erblicken, sondern blieb bei seiner vorher geäußerten Meinung: Es sei uner­hört, daß ein deutscher Gouverneur einem deutschen Verein der Gebrauch der deutschen Sprache untersage, und es sei eber unerhört, daß diese Maßregel im deutschen Reichstage bon der Regierung noch verteidigt werde. Im weiteren Ver­laufe der Sitzung wandte sich das Haus kleineren Vorlagen zu, überwies das Gesez zur Bekämpfung der Reblaus einer Kommission von 21 Mitgliedern und nahm die drei inter­nationalen Abkommen über das Privatrecht gleich im Plenum in zweiter Lesung an. Nachdem dann noch die erste Beratung des Gesetzes, betreffend die Krankenfürsorge für Seeleute, stattgefunden hatte, vertagte sich das Haus auf Montag.

Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

Kunft und Wissenschaft.

BL Kantstiftung. Zu einer Ehrung des großen Königs. berger Philosophen vereinten sich an seinem Geburtstage, dem 22. d. Mts., zu Halle die Mitglieder der neubegrüm­deten deutschen Kantgesellschaft. Dem Kurator der Uni­versität Halle wurden bei dieser Gelegenheit 15 000 Mark als Grundstock einer Kantstiftung überwiesen. Diese dient in erster Linie zur Unterhaltung der Kantstudien, in zweiter allgemeinen philosophischen Zwecken. Die Sammlung wird zur Erhöhung des Stiftungskapitals fortgesetzt.

Grünberg- Licher Bahn.

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Seitdem die Butzbach- Licher Bahn gebaut und in Be­trieb genommen ist, hat sich das Bestreben: die beiden Pro­vinzstädtchen Lich und Grünberg ebenfalls mit einer Bahn zu verbinden und damit eigentlich der Lum dabahn an ihrem anderen Ende( in Grünberg) einen weiteren An­schluß zu geben, noch weit mehr als früher in den Vorder­grund gestellt. Unsere Leser wissen bereits, daß in dieser Sache Schritte getan worden sind und die Vorarbeiten für das Projekt resp. die Unterhandlungen mit dem Großh. Ministerium und der Erbauerin der Linie Butzbach Lich, der Firma Lenz& Co. in Berlin vom Gemeinderatsmitglied Louis Moll von Grünberg unter anerkennenswerter Mit­hilfe des Herrn Defan Wagner in Grünberg in recht be= friedigender Weise geführt worden sind. Es sei nebenbei be­merkt, daß sich anfangs um das Zustandekommen der neu projektierten Bahn der Landtagsabgeordnete Jo u t- Butzbach bemüht hatte, aber die aufgedeckten Mikstände bei der Finan­zierung der Bußbach- Licher Bahn, welche in den letzten Landtagsverhandlungen zur Sprache kamen, hat die Vertreter der betreffenden zwischen Lich und Grünberg gelegenen Ge­meinden veranlaßt, sich von Jou z zurückzuziehen und die Leitung des engeren Eisenbahn- Komités dem obengenannten Moll zu übertragen. Wie schon gesagt, es sind die Vor­arbeiten, soweit wie es möglich war, erledigt und zwecks Kenntnisnahme über den Verlauf derselben war für gestern nachmittag 4 Uhr nach dem Gasthaus Zum Löwen" in Lich eine Versammlung des Gesamt Eisenbahnfomites einbe­rufen. Es waren von allen beteiligten Gemeinden die be­stimmten Bevollmächtigten, Bürgermeister und Gemeinderäte mit wenig Ausnahmen alle vertreten( von Grünberg neben den Herren Moli und Dekan Wagner die Herren Bür­germeister Zimmer, Beigeordneter Keil, die Gemeinde­räte Frank, Möller und Ranft). Als Vertreter des Großh. Kreisamts war Herr Kreisamtmann Dr. Kranz­bühler erschienen, gewiß ein Beweis, daß man sich auch bei unseren höheren Provinzialbehörden für das Projekt sehr interessiert und wie der Verlauf der Versammlung zeigte, auch ihm sehr sympathisch gegenübersteht.

Ein Hundertjähriger bei der Mainzer Kaiserfeier. Der Kriegerverein in Biebrich beabsichtigt, den 100jährigen früheren Unteroffizier und jezigen Landwirt Becht in Del­kenheim zu der Kaiserfeier gelegentlich der Einweihung der neuen Eisenbahn- Rheinbrücke bei Mainz am 1. Mai einzu­laden und von seiner Wohnung abzuholen. Der alte Veteran hat nämlich wiederholt den Wunsch geäußert, dem Kaiser persönlich seinen Dant abzustatten für die reichen Geschenke, welche ihm seitens des Monarchen zu seinem hundertsten Ge­burtstage zu teil geworden sind. Man will daher den alten Freiheitskrieger dem Kaiser beim Verlassen des Festschiffes in Biebrich vorstellen.

( 59. Sitzung.) RK Berlin, 23. April. Die zweite Etatslesung wurde heute beendet und die dritte begonnen. Die zweite Etatslefung schloß mit der Bewilligung bon 5 350 000 art an die Krone zum Bau des Posener Residenzschlosses. Dieser Beschluß hat eine inter­

Verhaftung einer Fälscherbande. In Paris wurde eine Fälscherbande verhaftet, die falsche französische Renten­titel in den Verkehr brachte. An der Spitze der Bande steht der Baron Chabrefy und fast alle Mitglieder gehören den besseren Ständen an, darunter auch ein Bankier aus Havre. Die Fälscher setzten ihre Rententitel in Paris, London und Brüssel im Werte von mehreren Millionen ab.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Gin ärztlicher Sensationsprozeß gelangte gestern in Wiesbaden zur Verhandlung. Es handelt sich dabei um nicht weniger als 98 Privatflagen, welche von dortigen Aerzten, bezw. dem Wiesbadener ärztlichen Verein, gegen den Dezer­nenten der Medizinal- Abteilung bei der kgl. Regierung, den Geheimen Regierungs- und Medizinalrat Dr. August Pfeiffer­Wiesbaden, angestrengt worden sind. Regierungsrat Pfeiffer hatte in einem Bericht an seine vorgesetzte Behörde aus­geführt, daß der Verein schon längst in den Augen aller an­ständig denkenden Aerzte Wiesbadens jedes Ansehen ver­loren habe und daß er aus dem Verein notgedrungen aus­geschieden sei, weil diesem Mitglieder angehörten, mit denen er als Regierungsbeamter unmöglich verkehren könne. Mit Rücksicht ferner darauf, daß bei einer Abstimmung über die Einladungen zum Stiftungsfest des ärztlichen Vereins die Einladung des Geh. Regierungsrats Pfeiffer mit 44 gegen 2 Stimmen abgelehnt worden war, beschuldigte Herr Geh. Rat Pfeiffer in dem Bericht den Vereinsvorstand der Takt­losigkeit" und bemerkte im Anschluß daran: Die 44 Herren, die für seine Nichteinladung gestimmt hätten, seien wohl die jedermann bekannten Zubälter" eines bestimmten Wies­badener Arztes( Dr. Fischenich) gewesen, mit dem er( Pfeiffer) zur Zeit in Klage liege."

Ueber den Verlauf und das Ergebnis der gestrigen Ver­sammlung ist folgendes erwähnenswert:

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Herr Louis Moll, als Vorsitzender des Eisenbahn­tomité, berichtete über die zwischen der Firma Lenz& Co. und ihm geführten Verhandlungen, die sich in der Haupt­sache um die Finanzierung des Unternehmens, um die Ge­ländestellung und Uebernahme von Obligationen seitens der interessierten Gemeinden drehten. Eine weitere Frage der Firma Lenz& Co.: ob das Großh. Staatsministerium die Bahn genehmige und ob der übliche Staatszuschuß zu er­warten sei, konnte Herr Moll in sicherster Form bejahen, da der Finanzminister Exz. Gnauth den Bau dieser Linie für berechtigt hält und später eine Verschmelzung der ganzen Strecke von Buzzbach bis Grünberg empfiehlt. Die gesamten Baukosten nach den vorliegenden Plänen betragen 1402000 Mark, davon hat der Finanzminister 30 Prozent, d. i. 420 750 Mart oder pro Kilometer 22500 Wart in Aus­sicht gestellt.( Die Butzbach- Licher Bahn hat vom Staat

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