Ausgabe 
24.3.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 71.

bonnement& prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

tibetlagen: Oberbeffifthe Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Donnerstag, den 24. März 1904.

Gießener

13. Jahrgang

Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Bfg. sonft 16 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Boftzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluk Nr. 362.

Neueste Nachrichten

( Sichener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

Tuchen. Gießen, den 22. März 1904. Betr.: Neuauflage des Gesangbuches mit Noten.

Die Gr. Kreisschulkommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Mit Bezug auf das im Kreisblatt Nr. 2 von 1902 abgedruckte Ausschreiben der oberen Schulbehörde vom 13. Dezember 1901 teilen wir Ihnen nachstehend einen hneiteren Grlaß der genannten Behörde zur Kenntnis mahme und weiterer Veranlassung mit. Dr. Breidert.

Darmstadt, am 12. März 1904.

zu Nr. M. d. J. I. 7744. Betr.: Wie oben.

Das Großh. Ministerium des Innern ( Abteilung für Schulangelegenheiten)

an die Großh. Direktionen der Gymnaften, Real­gymnasien, Overrealschulen, Realschulen und hullehrerseminarien, die Kuratorien der höheren Mädchen- und Bürgerschulen, sowie die Großh. Kreisschulkommissionen.

Unter Bezugnahme auf unser lith. Ausschreiben vom 13. Dezember 1901( zu Nr. M. d. J. I. 35720) benach­richtigen wir Sie, daß nach Mitteilung Großherzogl. berfonsistoriums das Gesangbuch mit Noten vergriffen und eine Neuauflage in Vorbereitung ist. Das Gesang­banch wird in der neuen Auflage besseres Papier und überhaupt bessere Ausstattung aufweisen und in einfachen

nband voraussichtlich 1 Mk.( Ladenpreis) kosten. Aus technischen Gründen wird sich sein Erscheinen bis etwa einen Monat nach Beginn des neuen Schuljahres ver­zügern.

Da es nun aber nicht wünschenswert wäre, wenn ein ganzer Jahrgang von Schülern sich inzwischen mit an deren als Notengesangbüchern versehen würde, empfehlen wir Ihnen, die in Betracht kommenden Schüler durch Vermittelung betr. der Klassenlehrer zu veranlassen, sich ihr Gesang buch erst nach Erscheinen des neuen Notengesang­budes anzuschaffen.

Großh. Oberkonsistorium wird dafür Sorge tragen, vom Erscheinen der neuen Auflage öffentlich Kennt­nis gegeben wird.

doc

Eisenhuth.

de Beauelair.

Die Welf, bie Hohenzoller! Immer wieder gehen Nachrichten durch die Presse, die tton Annäherungsversuchen zwischen Kaiser Wil­helm und dem Herzog von Cumberland fabeln. Jetzt kommt nbieder ein braunschweigisches Blatt mit allerhand Erzäh­Ingen, die den Eindruck machen, als gingen diese Annähe­rmingsversuche von Berlin aus und würden vom Cum bierländer zurückgewiesen. Das Blatt erzählt u. a.: Der Herzog von Cumberland ei im vorigen Jahre, als Kaiser Wilhelm nach Kopenhagen reiste, diesem ausgewichen. Er reiste ab unter der Begründung, daß sein Sohn Prinz Ernst August in Gmunden von den Masern befallen sei. Daß diese sehr gutartige Krankheit nur ein Vorwand für die Abreise gewesen sei, gehe aus einer Mitteilung von Kopen­hagen hervor, wonach der Herzog bei der Anmeldung des Maiers für den 2. April ausgerufen haben sollte: Dann rozise ich am 1. April." Den Vorstellungen seines Schwieger­baters, des Königs von Dänemark, sei es gelungen, ihn von defer Demonstration abzubringen und ihn zu bestimmen, erheblich früher dem Kaiser aus dem Wege zu gehen. Weiter erzählt das Blatt: Es sei jezt ganz zuverlässig bekannt geworden, daß Kaiser Wilhelm, der mit seiner Reise nd Kopenhagen eine Annäherung an das Haus Cumber­Tond angestrebt habe, sich über das geflissentliche Ausweichen des Herzogs so verletzt gefühlt habe, daß er es einem hoch­gestellten Militär gegenüber als einen Affront für sich bezeichnete. Zu einem hohen Regierungsbeamten habe er de leußerung getan, daß er dem Herzog nun nicht mehr nachlaufen könne". Das Blatt verbürgt sich dafür, daß diese ngabe unbedingt zuverlässig sei. Gleichzeitig versichert es, daß die Gerüchte über eine Verbindung der Familie Cumber­lond mit dem kaiserlichen Hause keineswegs völlig aus der Luft gegriffen seien. Die Herzogin sei sogar bemüht ge­esen, dafür ihren Gemahl zu gewinnen; sie habe jedoch Einen Erfolg erzielt, weil eine von Hannover erschienene Ab­ordnung den Herzog gegen den Plan einzunehmen wußte. Wir stellen demgemäß auf Grund von Erkundigungen ujeres Berliner CB.- Mitarbeiter an zuverlässiger Stelle fest, daß Kaiser Wilhelm niemals daran gedacht hat, seiner­fieits eine Annäherung an das Haus Cumberland zu ver­

Die Aeußerung vom Nachlaufen" hat der Kaiser nicht getan. Von einer Heirat zwischen den Häusern Hohen­zollern und Cumberland ist nie in ernsthaften Hoffreisen die Rede gewesen; sie verbietet sich schon durch Gründe, die in der Entwickelung der allein in Frage kommenden Tochter des Herzogs liegen.

Man sollte es kaum für möglich halten, daß ein deutsches Blatt im Ernst annehmen kann, der deutsche Kaiser könnte sich dazu hergeben, irgend jemand, geschweige denn einem gegen das Hohenzollernhaus so schroff aufgetretenen Fürsten nachzulaufen". Dazu weiß der deutsche Kaiser seine Stel­lung denn doch zu richtig einzuschäßen!

Der Hufftand in Kamerun.

In der englischen Presse taucht eine Meldung auf, die bon einer schweren deutschen Schlappe in Kamerun zu be­richten weiß. Londoner Blätter berichten:

,, Nach den letzten aus Kamerun eingetroffenen Nach­richten soll eine deutsche Garnison von 40 Mann unter einem weißen Offizier vernichtet worden sein. Eine gegen Batschima entsandte Abteilung, wo ein Häuptling sich ge­weigert hatte, eine Geldstrafe zu zahlen und eine freche Botschaft geschickt hatte, wurde von den Rebellen umringt und niedergemacht. Bewaffnet mit den eroberten Gewehren marschierten tausend Eingeborene gegen die Stadt Nsana­fang. Die weißen Händler steckten nach Abschießung ihrer letzten Patronen die Fabrik in Brand und gelangten auf Kanus nach Alt- Kalabar und damit auf englisches Gebiet." Die Meldung ist sicherlich eine Erfindung, denn seit Ende Februar sitzt der gegen die Croßneger ausgezogene Leutnant Nitschmann mit seiner Kolonne in Nsanakang, wobei er ohne jede Belästigung vordringen konnte. In­zwischen sind noch Verstärkungen abgegangen, und der Gou­berneur v. Puttkamer kann jetzt melden, daß der Komman­deur der gesamten, zwei Kompanien starken deutschen Streit­macht am Croßfluß, Oberst Müller, die Lage beherrscht.

Sichere Tatsache an der obenerwähnten englischen Meldung ist nur das eine, daß der Aufstand sich auf englisches Gebiet hinübergezogen hat. Das wird in dem oben er­wähnten Telegramm des Gouverneurs von Puttkamer jetzt auch amtlich mitgeteilt. Der Gouverneur fügt hinzu, die Neger hätten die englische Zollstation Obo fum am 10. März angegriffen.

Jezt hat sich also England der Großleute zu erwehren, das wird den Engländern um so schwerer werden, als über­all im britischen Kolonialgebiet die Schwarzen Aufruhr­neigu gn offenbaren. Es hat sich, wie aus Kapstadt berichtet wird, dr Eingeborenen in ganz Südafrika eine große Unruhe bemächtigt. Ja die Aufsässigkeit der scheinbar unterwor fenen Farbigen zeigt sich deutlich in Aufständen sowohl im portugiesischen Gebiete wie im Kongosta a te. Alle diese Aufstände sind keine bloß örtlichen Erscheinungen, sondern sie beruhen auf einer weitverbreiteten Strömung, die auch alle Nachbargebiete durchzittert. Im Basutolande, im ehemaligen Transvaal und durch ganz Rhodesia ist eine ausgesprochene Feindschaft der Kaffern gegen die Weißen bemerkbar.

Nach alledem gewinnt es immer mehr den Anschein, als sei der Aufstand in Deutsch- Südwestafrifa nur ein Vorspiel zu einem allgemeinen Regeraufstand in ganz Südafrika gewesen. Um so notwendiger wird eine möglichst schleunige und möglichst nachdrückliche Nieder­werfung der Aufstände in unseren Kolonien sein. Denn sobald wir den Aufstand noch nicht bewältigt haben, wenn es in den nichtdeutschen Kolonien losgeht, würde er uns noch erh blich schwerere Opfer an Menschenleben und Geld kosten

Der Krieg in Oftalien.

Die hartnäckig wiederholten Meldungen englischer Kor­refpondenten von einem neuen Angriff der japanischen Flotte auf Port Arthur haben diesmal- ob durch Zufall, sei da­hingestellt ins Schwarze getroffen. Port Arthur ist in der Nacht zum 22. März tatsächlich von japanischen Kriegs­schiffen bombardiert worden.

Das amtliche Telegramm des Statthalters Alexejew an den Zaren zeigt deutlich, daß es bei dem neuen

Flottenangriff auf Port Arthur

den Japanern durchaus nicht darum zu tun war, den Plaz niederzufämpfen. Dazu war das Bombardement lange nicht intensiv genug. Es scheint ihnen vielmehr, gerade wie bei der Icsten Beschießung durch Admiral Togo, wohl nur daran gelegen zu haben, die Besatzung zu beunruhigen. Nach­stehend Alexejews Bericht:

Der Kommandant der Flotte meldet vom 22. d. Mts. aus Port Arthur: Um Mitternacht näherten sich zwei feindliche Torpedoboote der äußeren Reede, wurden aber durch die Scheinwerfer der Batterien entdeckt und mit Feuer von den Batterien und drei Kanonenbooten em­pfangen. Die Savaner zogen sich infolgedessen wieder

zurück. Um 4 Uhr früh wurde ein zweiter von oret seind­lichen Torpedobooten unternommener Angriff ebenfalls zurückgewiesen. Bei Tagesanbruch näherten sich von allen Seiten konimend drei feindliche Detachements, nämlich sechs Panzer, sechs Panzerkreuzer, sechs Kreuzer zweiter und dritter Klasse und acht Torpedoboote. Um 7 Uhr früh egann unser Kreuzergeschwader die Innenreede zu ver­lassen, als erster der Kreuzer Askold" mit meiner Flagge. Die feindlichen Panzer näherten sich Liautischan und feuer­ten etwa hundert Schuß auf Port Arthur und etwa die gleiche Zahl auf die Umgegend ab. Unsere Schüsse fielen trop der Entfernung sehr gut ein. Gegen zehn Uhr früh traf eine Granate einen japanischen Kreuzer, der sich ent­fernte. Nachdem das Bombardement gegen 11 Uhr vor­mittags aufgehört hatte, entfernten sich die feindlichen Schiffe, ohne unser Geschwader anzugreifen. Nach einem weiteren Bericht des Generals Stössel bestand das feind­liche Geschwader, das vor Port Arthur erschien, aus sechs Panzern und zwölf Kreuzern. Gegen 9 Uhr früh teilte sich das Geschwader. Die Panzer und Torpedoboote nahmen Stellung zwischen Liautischan und der Golobina­bucht, während die Kreuzer in zwei Gruppen nach dent Süden und Südosten von Port Arthur gingen. Um 9 Uhr 20 Min. eröffnete der Retwisan" das Feuer über Liautischan hinweg gegen die feindlichen Kreuzer, welche antworteten und auf die Stadt zielten. Inzwischen ging das russische Geschwader auf die Außenreede und formierte sich in Zinie. Gegen 11 Uhr schwächte sich das Feuer ab. Das japanische Geschwader vereinigte sich und dampfte langsam nach Südosten ab. Um Mittag war es ver­schwunden. Fünf russische Soldaten wurden während der Beschießung getötet, neun verwundet, einer leicht verletzt. Man versteht nicht recht, was die Japaner von dieser nuß­losen Munitionsverschwendung erhoffen. Es wäre doch eher in ihrem Interesse, die Wachsamkeit des Feindes einzuschlä­fern, statt sie immer aufs neue zu wecken. Eine Londoner Meldung, daß es ihnen bei diesem neuen Angriff gelungen sei, die Hafeneinfahrt von Port Arthur zu sperren, trägt den Stempel der Erfindung an der Stirn.

Japans Schwierigkeiten in Korea.

Die Japaner stoßen in Korea trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer großen Vorsicht auf nicht zu unterschäßende Schwierigkeiten. Sie haben mit scharfem Blick erkannt, daß das koreanische Militär für sie niemals eine rechte Hilfe, son­dern unter Umständen bei den noch nicht gänzlich unterdrückten russophilen Strömungen unter den koreanischen Großen eine ernstliche Gefahr bedeuten könne. Sie wollen es daher bis auf 5000 Mann, die als Polizeitruppe dienen soll, entwaffnen. Wie nötig das ist, beweist folgender Vorfall:

300 aufständische Koreaner aus Hamheung wurden von Japanern, die von Gensan aus anrückten, angegriffen. Zwei Koreaner wurden getötet, 20 verwundet und 36 ge­fangen genommen. Die Gefangenen geben an, sie seien von den Russen aufgestachelt worden.

Die Japaner lassen sich aber durch derartige unangenehme Zwischenfälle nicht darin stören, ihre strategische Position in Korea eifrig auszubauen. Vor allem betreiben sie in Eile den

Bahnbau Söul- Widschn.

3000 militärische Bahnarbeiter sind bei den Erdbauten beschäftigt. Hundert Meilen Schienen mit allem nötigen liegen in Japan zur Verschiffung bereit. Das Material ist teilweise dem außer Gebrauch gekommenen Material der ja­panischen Eisenbahnen entnommen. Obwohl es alt ist, ist es doch brauchbar für eine provisorische leichte Bahn bis Pingyang.

Auch die Nussen sind emsig tätig, ihre Bahnverbindungen zu verbessern. Wie der Zeitung Ruß aus Werchne- Udinsk telegraphiert wird, vollzieht sich der Uebergang der Truppen über den Baikal- See in bester Ordnung. Das für Ostasien nötige rollende material ist nun vollständig über den Baikal geschafft, die letzte Lokomotive ist auf das jenseitige Ufer befördert worden. Der Verkehrsminister Fürst Chilkow, der bisher alles persönlich geleitet hat, wird von dort in den nächsten Tagen abreisen.

A

Die Politik.

Die neue Flottenvorlage, die eine Vermehrung der deutschen Kriegsmarine um ein Doppelgeschwader nebst den dazu gehörigen Kreuzern fordert, wird, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter uns schreibt, nach authentischen Informa­tionen erst für das Etatsjahr 1906 dem Reichstage unter­breitet werden. Diese Verschiebung erfolgt aus drei Grün­den: Erstens kommt in der Session 1904/05 das neue Milia tärquinquennat, das die gesegliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit und neue Organisationsforderungen bringen wird. Dann muß das neue Marinegesez auf eine sichere finanzielle Basis gestellt werden, diese aber wird sich erst nach der Erneuerung der Handelsverträge übersehen lassen, und die Handelsverträge werden erst 1904/05 kommen. Drittens aber besteht das Bedürfnis, erst die Erfahrungen des russisch- japanischen Seefrieges abzuwarten und ihre Ergeb­nisse für den Ausbau unserer Flotte zu verwerten. Auch das

ift Shnen? Sie werden ja so blaß wie eine Leiche

dringende Augen, stolzes, felbstbewußtes Auftreten was

"

Schwindelanfällen, Mir fcheint. Sie fennen dieſen Herrn?" es geht bald wieder vorüber." indem er die Hand auf die Stirne legte, ich leide oft an Nichts, nichts!" sagte Martin mit vibrierender Stimme,

men

or

wahren,

fit teuer

bie

Schmach von einem ramen fern halten, der mir teuer ist. bette pieses Geheimnis

der wirkliche Dieb nun

Sie haben ja keinen Vorteil

nochmals, daß dem Schaaven, wenn Sie erzählen, daß

fahren soll.

bolle Gerechtigkeit wider­, ich aber verspreche Ihnen

merier ohne

Ein verhängnisvoller

sovellette

Irrtum.

( Nachdruck berboten.)

Mann. Er Benjamin Westlake war ein sehr erzentrischer nach dem Englischen von Wilhelm Thal. rehte aber einsam für sich. Er war

Der alte

Landstraße ansprach.

der ungefähr in demselben Alter mit

ihm stand, auf ber

2202

Sie haben ieben feine

ich bin nämlich sein Sohn. den alten Benjamin zu besuchen. Das hat aber Ahnung davon, daß der alte Mann je verheiratet gewefen Fremde, und ich fann mir denken, daß Sie in Begriff sind, Ich habe gehört, Sie sind Allan Eastbrook," sagte der Muſtralien hat er fich ner 3wedt,