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ans Wert und hatte schon einen recht schönen Erfolg zu verzeichnen, als plöblich sicher war er ihr heimlich gefolgt, der Assessor, wie seiner Zeit Bieten aus dem Busch, aus der fleinen Tannenschonung hervorbrach.
Mit der ihm eigenen Unverfrorenheit setzte er sich neben Grete auf den bemoosten Felsblock, schob die bedenklich geTeerte Pralinédüte beiseite, lächelte beim Anblick derselben wieder sein motantes Lächeln und begann dann harmlos ihre Stizze zu kritisieren.
Sie antwortete ihm, wie stets, sehr fühl und förmlich. ,, Aber, gnädiges Fräulein," sagte er da, und sah sie so recht bittend an, weshalb sind Sie denn immer so unfreundlich zu mir. Ich kann doch eigentlich nichts dafür, daß unsere Bekanntschaft damals auf eine etivas- hm ungewöhnliche Weise vermittelt wurde."
" Na, und ich kann doch nichts dafür, daß ich kurzsichtig bin," grollte Grete.„ Ein edel denkender Mann hätte die Situation damals entschieden nicht ausgenutzt. Man pflegt doch nicht eine igbeliebige Dame so sans façon..." Sie brach verwirrt ab.
,, Aber mein gnädiges Fräulein, da kennen Sie mich denn doch noch schlecht!" verteidigte sich der Assessor sehr energisch. Jede irbeliebige Dame hätte ich wahrhaftig nicht so behandelt. Ja, ich schwöre es Ihnen sogar zu, wenn mir zum Beispiel die dicke, alte Kommerzienrätin von Nr. 7 so liebevoll begegnet wäre, ich hätte meinen äußeren Menschen ängstlich in Sicherheit gebracht und schleunigst einen geordneten Rückzug angetreten. Bei Ihnen dagegen, mein gnädiges Fräulein, da war das natürlich etwas anderes!" Grete mußte wider Willen lachen.
,, Ah! Sie lachen!" triumphierte der Assessor.„ Also, bitte, bitte, schließen wir Frieden miteinander. Ja?"
,, Gut ich will nicht unversöhnlich sein. Ich verzeihe Ihnen also Ihre Keckheit; aber Sie müssen mir auch fest versprechen, daß so etwas nie wieder vorkommen soll!"
J. Fülteld gez.
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Oweh! Das hätte sie nicht sagen sollen! Natürlich da spielte schon wieder das ominöfe, motante Lächeln um seine Lippen, und er erteilte ihr die verblüffende Antwort: ,, Nein, mein gnädiges Fräulein, das kann ich Ihnen nicht versprechen. Ist es doch mein heißester Wunsch, daß so etwas noch recht oft vorkommen möge! Grete!" seine tiefe Stimme flang plötzlich sehr innig, fühlst Du denn nicht, daß ich Dich schr sehr lieb habe?... Und daß ich der glücklichste aller Sterblichen wäre, wenn Du reizendes, troziges, kleines Mädchen Dich entschließen könntest, eine ebenso reizende " Frau Assessor" zu werden?"
In diesem Augenblick erschienen plöblich einige Touristen. Die aufs höchste verwirrte Grete benutzte die Gelegenheit und eilte, Malgerät und Liebeserklärung, alles schnöde im Stich lassend, wie ein gescheuchtes Reh flüchtig von dannen. Eine halbe Stunde später ließ ihr Vater sie in sein Zimmer rufen. Nun, Maus," fragte er mit einer bei ihm sonst ungewöhnlichen Rührung, wie ist's? Willst Du Deinen alten Vater verlassen?"
Statt der Antwort sank Grete ihm an die Brust und stammelte nur:„ Ach, ich bin ja so glücklich so glücklich!" Na, Mädel, dann richtest Du Deine Zärtlichkeiten aber an eine falsche Adresse," neckte sie der alte Herr.„ Sich mal, da steht jemand, ber Dir sicher dankbarer sein wird. Also, Kinder, geniert Euch meinetwegen nicht, sondern gebt Euch ,, den ersten Kuß."
Den ersten Kuß! Ein blißartiger Austausch von Blicken erfolgte. Die reizende Braut war heftig errötet, und der Assessor lächelte so eigentümlich verschmitt, daß der neuge= backene Schwiegervater erstaunt von einem zum andern sah. ,, Nanu, Kinder, was habt Ihr denn?"
„ Ja, lieber Vater, Diskretion ist Ehrensache!" sagte übermütig der Bräutigam. Vielleicht, das heißt, wenn Grete nichts dagegen hat, erfährst Du es noch einmal, aber frühestens an unserem Polterabend!"
Ein kluger Piccolo. Gast: Haben Sie' n Kreisblatt hier?"- Piccolo: Nee, wir haben nur viereckige."
luchowski, der diesen Gedanken, aver aus der breueren Grundlage einer mitteleuropäischen Zollallianz, wieder aufnahm. Und nur wenig später hat dann auch der zweite deutsche Reichskanzler, Graf Caprivi, und bald darauf der italienische Staatsmann Luzzatti sich mit der Frage beschäftigt. Indes erst jetzt, wo sich sozusagen über Nacht Amerika, Greater- Britain und Ostasien zu gefährlichen Konkurrenten Europas auf dem Weltmarkt und auch auf dem europäischen Markt ausgewachsen haben, ist der Moment für die Inangriffnahme eines solchen Planes gekommen. Und er ist erfreulicherweise nicht verpaßt worden. In einer Verammlung namhafter Vertreter der Wissenschaft, des Handels, der Parlamente, der Landwirtschaft und der Industrie ist; we schon gemeldet, dieser Tage in Berlin ein mitteleuropiischer Wirtschaftsverein gegründet worden, desen Ziel ist, auf dem Boden des politiſch und wirtschaftspoitisch Möglichen den Zusammenschluß Mitteleuropas zu einm wirtschaftlichen Bollwerf gegen die Auslandskonkurrenz herleizuführen.
Erfreulicherweise zeigte sich schon in der Gründungsversammlung des Vereins ein weises Maßhalten, das den dauemden Erfolg der Bestrebungen des Vereins verbürgt. Vor allem denkt der Verein, dem Vertreter der verschiedensten politischen und wirtschaftspolitischen Richtungen angehören, zunächst nur an den Zusammenschluß derjenigen beiden Staaten Europas, die in ihrer wirtschaftlichen Struktur einander ziemlich gleichgeartet sind: Deutschlands und Oesterreich- Ungarns. Für später erhofft man den Anschluß Staliens und einiger kleinerer Staaten, z. B. Kumäniens. Wie damit territorial die Vereinsaufgaben begrenzt werden, so werden sie auch nach ihrem sachlichen Umfang hin meise beschränkt. Von der Idee einer mitteleuropäischen Zollunion, die schon wegen der politischen Zustände auf dem europäischen Kontinent eine Utopie ist und für absehbare Zeit bleiben muß, will der Verein nichts wissen. Er erstrebt vielmehr vor allem die Herbeiführung einer besseren Arbeitsteilung in den beteiligten Ländern, eine Erweiterung des inneren und äußeren Marktes, Herabsetzung der Produktionskosten, eine Reform des Meistbegünstigungsrechts und, als Hauptstück, die Begründung 3ollpolitischer Allianzen, die die Selbständigfeit der alliierten Staaten nicht antasten. Diese Allianzen sollen vielmehr nur in Kraft treten bei handelspolitischen Verhandlungen mit dem Auslande. Der Nußen hiervon liegt auf der Hand: Es ist doch ein ganz anderer Machtfaktor, wenn z. B. bei einer solchen Allianz zwischen Deutschland und Defterreich- Ungarn nicht iede der beiden Mächte mit einem
De ph
Amerika erscheinende schwedische Blätter erheben angesichts der russischen Gewaltpolitik gegen Finland dringend den Ruf nach einem solchen Zusammenschluß aller germanischen Länder. Sie weisen darauf hin, daß das für den Bestand der skandinavischen Staaten geradezu eine Lebensfrage sei. Das stimmt ebenso, wie die Auffassung jener schwedischamerikaniſchen Blätter, ein solches Bündnis bedeute durchaus keinen Verzicht auf die Selbständigkeit der eigene Sprachen aufweisenden germanischen Nordstaaten. Aber wann hätte das Selbstverständliche und Natürliche jemals ohne weiteres Eingang gefunden in die Köpfe germanischer Politiker?
Alien.
Gestern Friedensschalmeien, heute Kriegsdrommetengeschmetter: Britische Blätter tischen der Welt wieder einmal Kriegsprophezeiungen auf. Daily Mail" läßt sich aus Shanghai melden, zwischen China und Japan sei ein vollständiges Abkommen zustande gekommen. Für den Fall eines Krieges sollen 50,000 Mann gutbewaffneter chinesischer Truppen dienstbereit sein. Und die Morning Post" weiß sogar aus Tschifu zu melden, 12 000 Japaner seien in Masampho gelandet, was einer Kriegserklärung an Rußland gleichfäme. Beide Nachrichten sind offenbar erfunden. Eher dürfte zutreffen, was über die Lage in Korea mitgeteilt wird. Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Söul meldet, in Korea drohten starke Unruhen; die Japaner seien an vielen Plätzen angegriffen worden. Man befürchtet in Washington, daß Japan ſelbſt die Unruhen an der japanischen Eisenbahn anzettele, um einen Grund zu haben, die Bahnlinie mit starker Truppenmacht zu besetzen. Jedenfalls ist die ganze Situation, wenn auch nicht gerade unmittelbar bedrohlich, so doch nichts weniger als rosig.
Aus den Parlamenten.
Einen Antrag auf Abänderung des preußischen Landtagswahlgesetzes beabsichtigt die freikonservative Partei im Abgeordnetenhause einzubringen. Der Antrag fordert die Regierung auf, unter mäßiger Vermehrung der Zahl der Abgeordneten eine Teilung übermäßig großer Wahlkreise herbeizuführen, die Drittelung nach Urwahlbezirken in größeren Gemeinden wieder zu beseitigen und in ebensolchen Gemeinden die Möglichkeit zu schaffen, nach Bedarf an Stelle des jetzigen Wahlverfahrens für die Urwahlen ein den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung nachgebildetes Verfahren treten zu lassen.
13. Jahrgang.
Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362.
ichten
( Gießener Zeitung)
r für Gießen und Umgebung. Derer Behörden von Oberhessen.
Auf eine Anregung von freikonservativer Seite werden Rechte, das Zentrum und die Nationalliberalen des ißischen Abgeordnetenhauses eine dringliche Aufforderung die Staatsregierung richten, unverzüglich ein Schultationsgesetz in Verbindung mit Vorschlägen zur gleichung wenigstens der größten Härten und Ungleichen in der Belastung der verschiedenen Schulverbände mit ullasten und in der Höhe der Dienſteinkommen der Lehrer zulegen.
Kolonne Zülow aufser Gefahr! Den preußischen Leutnant macht uns keiner nach: Auch in gegenwärtigen Aufstand in Südafrika zeigt er, daß er r kann, als die Witzblätter ihm nachsagen. Aus Swakopnd kommt die erfreuliche Nachricht, daß Oberleutnant zül om, der bei Station Waldau von Hereros umzingelt rde, sich aus der Umklammerung befreit hat › nach dem bedrohten Okahandja vorgedrun= n ist. Das Kolonialamt veröffentlicht folgende Mit
ung:
Ein Telegramm des Kommandanten S. M. S. ,, Habicht" us Swakopmund besagt, daß dort ein Bote aus Ofaandja eingetroffen ist, der Okahandja am 20. d. Mts. erlassen hat. Er bringt die Meldung, daß die Erpeition des Oberleutnants v. 3ülow in Okaandja angekommen und daß der Ort vorläufig meinnehmbar befestigt sei. Von Okasise ab sei die Bahn ‚ änzlich zerstört. Es finde fortwährend ein starker Zuzug on Hereros nach Okahandja statt, die Lage sei aber voräufig befriedigend.
Danach dürfte es so gut wie sicher sein, daß Oberleutnant Zülow die Ortschaft hält, bis ihm Entsatz wird. Weniger reulich sind andere Meldungen aus dem Schutzgebiet: Zuhst verlautet, es beginne auch in dem nördlich des Hererobietes belegenen Terrain der Otavi- Minen- Geſellſchaft sartig zu gären; namentlich in Grootfontein mache sich eine cke Unruhe unter den Eingeborenen, den Ovambo- Hereros, nerfbar. Eigentümerin jenes Gebietes ist die South West rican Company. Ferner meldet der Kommandant S. S. ,, Habicht" unter dem 22. aus Swakopmund, daß die ge unverändert sei; infolge starker Regenfälle würde der ihnbetrieb häufig unterbrochen.
Wie ahnungslos man unmittelbar vor dem Aufstand tten im Zentrum des Aufruhrgebietes gewesen ist, davon igt folgender Privatbrief einer in Okahandja wohnenden ime, der am 14. Dezember aus Okahandja abgegangen ist: Ich bin nicht mehr zum Schreiben gekommen, ich batte furchtbar viel zu tun. Das ganze Haus voller Gäste. Heute ist Gerichtstag und ist der Assessor aus Windhuk hier... Dann war gestern der junge Leutwein, ein Herr M. und 3. hier. Abends waren acht Gäste zu Tisch. Da bin ich trotzdem mit den Herren nach Ofahango gefahren, und wir sind abends -die ganze Gesellschaft mit dem Ochsenwagen wieder hin. eingefahren. Es war eine furchtbar fidele Fahrt. Stühle curden' reingesetzt, Bier zur Genüge mitgenommen; e Darzu nett; mal eine kleine Abwechselung, da denkt man noch wochenlang daran. Sonnabend ist hier ein großes Eisenbahnunglück gewesen. Durch die Wassermassen ist der Bahndamm unterspült und ist der Zug entgleist; zwei Heizer ſind tot, vier Menschen verletzt, darob herrscht natürlich große Aufregung. Hoffentlich komme ich noch heil nach Swakop mund... Nachher fahren wir alle nach Ofahango. Vorher wollen wir noch Tennis spielen. Für heute darum Schluß. Ich will jetzt Toilette machen."
Das wurde geschrieben, als die Hereros schon auf Okahandja im Anmarsch waren. Die obige Nachricht vom Eintreffen der Kolonne Zülow in Okahandja läßt hoffen, daß die Teilnehmer an der hier geschilderten Vergnügungsfahrt, die zweifelsohne sich in die Station geflüchtet hatten, endgültig gerettet sind.
In Spandau ist ein Transport Maultiere für die südwestafrikanische Expedition eingetroffen, die in den Militärwerkstätten mit dem erforderlichen Lederzeug versehen und dann nach Wilhelmshaven weiterbefördert werden. Leider scheint die deutsche Regierung, was die Beschaffung von Pferden für die Erpedition angeht, einen Mißgriff getan zu haben: Nach dem Urteil genauer Kenner Südafrikas ist das argentinische Pferd für Südafrika nicht geeignet, das einzige Pferd, was dort mit Erfolg verwandt werden kann, ist der mongolische Pony, mit dem unsere Truppen in China beritten sind. Wenn wir aber etwas ausrichten sollen, so heißt die Losung für uns: Pferde- Pferde Pferde natürlich solche, die brauchbar sind.
Nach dem Streik.
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O Crimmitschau, 23. Januar. Der Streif ist beendet, die Arbeit wieder aufgenommen. Wer daraus aber auf eine endgiltige Beilegung des Interessenstreites zwischen Arbeitgebern und Arbeitern schließen wollte, würde die Sachlage gänzlich falsch beurteilen. Es handelt sich nur um einen notaedrungenen Waffenstillstand, der das


