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Ueberschreitung des Jalu bis zur Erreichung von Haitscheng bergingen anderthalb Monate. während welcher die Total­marschleistung der Japaner kaum 190 Kilometer betrug. General Sun war der erste chinesische Befehlshaber, der dem Gegner energischen Widerstand bot und der sich nach ver­lorener Schlacht in voller Ordnung zurückziehen konnte, un­verfolgt von den erschöpften Japanern. Die von Port Arthur marschierende zweite japanische Armee kam mit ihrem Vor­trab erst am 10. Januar in Berührung mit der vom Jalu angerückten ersten Armee. Beide Armeen zusammen waren durch den aufreibenden Dienst und von Krankheiten auf einen Gesamtstand von kaum 32 000 Mann reduziert, während General Sun 60 000 Mann zur Verfügung hatte, um Inkau und Niutschwang zu verteidigen. Die Japaner hielten sich daher zunächst vollständig in der Defensive, und erst die Er­oberung von Weihaiwei durch die Flotte erweckte eine solche Begeisterung in ihren Reihen, daß sie trotz des Mißverhält­nisses der Kräfte eine ganze Reihe energischer Attacken auf Inkau und Niutschwang unternahmen. Nahezu die ganze chinesische Artillerie fiel troß ihres ausgezeichneten Materials infolge der ganz unglaublichen Inferiorität ihrer Be= dienungsmannschaften in die Hände der Javaner. Der er­bitterte Widerstand der chinesischen Infanterie vermochte die Armee schließlich nicht davor zu schüßen, daß sie ganz aus ihrem Gefüge ging, und als eine Bande von Marodeurs vor dem japanischen Geschütz- und Gewehrfeuer die Flucht ergriff. Der ganze Verlauf des Feldzuges zeigte, daß trotz aller Erleichterung der Aufgaben der Japaner durch die schlechte Organisation der Chinesen und die strategische Un­fähigkeit der gegnerischen Führer der Krieg auf dem korea­nischen und mandschurischen Schauplatze zu den schwersten militärischen Unternehmungen gehört. Im Verlaufe eines halben Jahres hatte die japanische Armee 18 000 Marode und nur 900 Tote und 1500 Verwundete. Die Durchschnitts­marschleistung eines Tages überschritt nirgends zehn Kilo­

meter.

Im jebigen Kriege ist der Gegner ein anderer, und es haben sich auch die strategischen Ziele zum Teile verschoben. Eine wirklich erfolgreiche japanische Aktion in der Man­dschurri müßte über Mukden bis Charbin hinausgreifen. Ueberdies muß stark ins Gewicht fallen, daß die klimatischen Verhältnisse des jeßigen Anfangsstadiums des Krieges für die Japaner noch ungünstiger sind, als vor zehn Jahren. Man wird sich deshalb nicht zu wundern brauchen, wenn die Operationen sich sehr in die Länge ziehen.

Die Politik.

Englische Blätter, die sich gern mit Beziehungen thres Korrespondenten zu den deutschen amtlichen Stellen brüsten, wissen jetzt zu berichten, der Rücktritt des Grafen Bülow sei endgültig entschieden, würde aber erst im Herbst nach der Beratung der Kanalvorlage erfolgen. Der Nachfolger des Kanzlers sei bereits erwählt. Wir stellen demgegenüber auf Grund einer besonderen Information unseres Berliner Berliner CB- Mitarbeiters fest, daß diese ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende erfunden ist.

Die nächste Berufs- und Gewerbezählung wird nicht, mie ursprünglich geplant war, im Jahre 1905, sondern erst im Jahre 1907 erfolgen. Die inzwischen eingeleiteten Vor­arbeiten für die Zählung werden natürlich fortgesetzt.

Der vielfach angestrebte Zusammenschluß der bürger­lichen Parteien wider die Sozialdemokratie scheint in Lübeck zur Tatsache zu werden. Dort haben die Nationalliberalen, die freisinnige Vereinigung und der Bund der Landwirte eine solche Vereinigung geschlossen, der Anschluß der frei­jinnigen Volkspartei wird erwartet.

England.

Das Kabinet Balfour hat im englischen Unterhause einen vorläufigen Sieg in der Zollfrage davongetragen: Nach langer und lebhafter Debatte wurde ein gegen die Schutzzoll­politik des Ministeriums gerichteter Antrag mit 55 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Herrn Chamberlains Weizen blüht, wie man sieht. Und Herr Chamberlain wird seinen Weizen ohne alle Frage in die Scheuer bringen.

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Hof und Gefellschaft.

Der Kaiser wird am Dienstag, 24. d. Mts., zum Jagdbesuch beim Fürsten zu Dohna- Schlobitten eintreffen. Von dort begibt er sich nach Danzig zum Stapellauf des neuen Linienschiffs M".

Zu den diesjährigen Kaisermanövern ist vom Kaiser. König Alfons von Spanien eingeladen worden und hat die Einladung angenommen.

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Großfürst Kyrill von Rußland soll die Ein­willigung des Baren zur Heirat mit der geschiedenen Groß­herzogin von Hessen nunmehr erhalten haben. Die Groß­herzogin verzichtet auf jede Apanage seitens des Großherzogs.

Hus den Parlamenten.

Meine Zirkel überzeugter Spiritisten, der sich am Baren­hofe zusammengefunden hat, bealeitet den Zaren überall hin; auch auf der jüngsten Inspektionsreise, die den nach Ost­asien abgehenden Truppen galt, fanden täglich spiritistische Situngen statt. Und was ihm in diesen Sizungen suggeriert wird, ist wohl geeignet, den von Natur scheuen und ängstlichen Monarchen noch schwermütiger zu machen.

Vor einigen Wochen war's, da tauchte am Zarenhofe eine mysteriöse Persönlichkeit auf, eine Dame aus der Pariser Gesellschaft, die als Verwandte eines russischen Generals Zu­tritt bei Hofe fand. Sie war bald der Mittelpunkt der spiri­tistischen Kreise des Hofes und das gegebene Medium für die Séancen. Eines schönen Tages eröffnete sie im Trance", dem Reußenbeherrscher, ein Attentat auf ihn sei, so sagten ihr die Geister, im Werke. Aber sie konnte den erschrockenen Herrscher trösten: Das Attentat sollte, so versicherte sie, glück­lich vereitelt werden.

Der sächsische Landtag ist gestern mit einer feier­lichen Thronrede geschlossen worden. In der Thronrede wird u. a. bemerkt, daß die Regierung sich vorbehielte, neue Vor­schläge bez. der Aenderung des Wahlrechts zu machen.

Dunkle Gewalten.

Der Zufall wollte es, daß sich wenige Tage später ein Vorfall ereignete, in dem der Zar die Bestätigung der Prophezeiung erblicken mußte. Am 28. April alten Stils ( also am 11. Mai westlicher Zeitrechnung) fand vor den Toren der Hauptstadt, auf dem Marsfelde, die große Früh­jahrsparade der Petersburger Garnison vor dem Zaren statt. Der Bar hält bei dieser Parade regelmäßig mit seiner Suite vor den auf dem Paradefeld errichteten Logen, die nur der Hofwelt und der haute volée der Residenz zugänglich sind: die Plätze werden vom Hausministerium nur an ihm genau bekannte Personen vergeben.

Nun befand sich in einer dieser Logen in unmittelbarer Nähe des Zaren die Tochter des bedeutendsten Irrenarztes Rußlands, des Professors Mereschkowski, eine Studentin. Sie war, ohne daß irgendwer es wußte, Mitglied der Nihi­listenpartei und ausersehen worden, ein Bombenatten­tat auf den 3aren zu verüben. Ihr aufgeregtes Wesen fiel auf, und kurz vor dem Eintreffen des Zaren entschloß sich die Geheimpolizei, sie vom Fleck weg zu verhaften. Man fand bei ihr eine sehr gut konstruierte, äußerst gefährliche Sprengbombe. Sie leugnete keinen Augenblick, den Mord­anschlag auf den 3aren geplant zu haben. Nikolaus II., dem der Vorgang erst nach der Parade mitgeteilt wurde, erschrak heftig, und ein Nervenchoc war die Folge dieser Erregung.

Petersburg, 18. Mai. Morgen, am 6. Mai alten Stils, tritt der Selbstherrscher aller Reußen in sein 37. Lebensjahr. Es ist ein trauriger Geburtstag, den Zar Nikolaus diesmal feiert: Die Hiobs­posten aus dem fernen Osten haben die empfindliche Konsti­tution des kränklichen Monarchen hart mitgenommen, und dazu sind in den letzten Tagen noch andere niederdrückende Eindrücke auf das Gemüt des ohnehin zu Schwermut und Schwarzseherei neigenden Herrschers getreten, die seine Ge­sundheit ernstlich erschüttert haben. Deffentlich darf's ja niemand sagen, im geheimen aber raunt man sich nicht nur in den wissenden Hoffreisen, sondern auch in den breiten Schichten der Residenz die Kunde zu: Des 3aren Leben ist in Gefahr.

Bar Nikolaus lebt seit einiger Zeit in beständiger Todes­furcht. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß Nikolaus II. überzeugter Spiritist ist. Nicht nur wenn er in Zarskoje Sselo oder hier im Winterpalast weilt, auch auf seinen Reisen nimmt er fast täglich an einer..Séance" teil. Der

Von diesem Schrecken hat sich der Zar noch immer nicht erholt, und seine Aerzte verhehlen im vertrauten Kreise nicht, daß nicht nur die seelische Gesundheit, sondern auch das Leben des Zaren schwer gefährdet sei. Die Niedergeschlagenheit des Baren nimmt von Tag zu Tag eher zu als ab, und es gibt am Zarenhofe Leute, die der Ueberzeugung sind, den Krieg mit Japan, den Nikolaus II. begonnen, werde ein anderer Zar beenden. Ist dem wirklich so, dann dankt Nikolaus II. sein frühes Ende demselben Volke, dessen Krieger jetzt in der Mandschurei den Söhnen Rußlands Tod und Verderben zu bringen sich mühen: Der Schwertstreich des japanischen Fanatikers, den der Zar als Thronfolger Nikolai Alerandro­witsch vor Jahren in Yokohama erhielt, ist die letzte Ursache seiner Schwermut und auch seiner geringen förperlichen Widerstandsfähigkeit...

Heer und flotte.

Eine Verjüngung unserer Admiralität soll, wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, beabsichtigt sein. Für die nächste Zeit sind in den Flaggoffiziersstellen eine Reihe von Personalveränderungen und Verabschiedungen zu erwarten, welch letztere aus dem Grunde auch eintreten müssen, als sich sowohl in den Vize- als auch Konteradmiralstellen über den Etat hinausgehende Flaggoffiziere befinden. Die am 27. Ja­nuar d. J. beförderten Vizeadmirale Frize, Chef des 2. Ge­schwaders, und v. Prittwizz und Gaffron, Chef des Kreuzer­geschwaders, sowie die am gleichen Tage beförderten Konter­admirale Zeye, Inspekteur des Torpedowesens, Wüllers, Vorstand der Nautischen Abteilung des Reichsmarineamts, v. Holzendorff, zweiter Admiral beim Kreuzergeschwader, und Scheder, Inspekteur der 2. Marineinspektion in Wil­helmshaven, sind heute noch sämtlich außeretatsmäßig. Zu­nächst wird gemeldet, daß aus dem aktiven Frontdienst unserer Flotte zu scheiden beabsichtigen: der langjährige Vorstand der Waffenabteilung des Reichsmarineamts Vizeadmiral Sack, der zur Verfügung des Kaisers stehende Vizeadmiral Geißler und die beiden charakterisierten Konteradmirale Hofmeier, Kommandant von Helgoland, und Siegel, Marine­attachee in Paris. Bereits vier charakterisierte Konteradmi­rale( Westphal, Blachte, Meyer und Stein) haben im Laufe der ersten Monate d. Js. ihren Abschied erhalten.

Vermischtes.

A[ 0+ 0= 0.] Die gestrige Nummer des Altkircher Freisblattes" enthält nachstehende Anzeige: Hirsingen sucht tüchtigen Mann zum Aufziehen der Turmuhr. Lohn: junächst keiner, später bei guten Leistungen verdoppelt." Das erinnert an eine bekannte Anekdote vom alten Wrangel: Eine Militärkapelle brachte am Neujahrstage dem Feldmar­schall ein Ständchen. Der alte Herr dankte dem Kapell­meister, lupfte seinen Geldbeutel und fragte: Was habe ich ben Leuten denn voriges Jahr gegeben?"" Exzellenz haben bisher nichts gegeben," meinte der Kapellmeister verlegen. ,, Nun, dann wollen wir diesen Satz auch ferner beibehalten!" sagte befriedigt der Feldmarschall.

Nab und Fern.

Die Kieler Woche wird diesmal durch die Zusammen. funft Kaiser Wilhelms mit König Eduard von England ein besonders festliches Gepräge erhalten. König Eduard wird an Bord seiner Jacht Viktoria und Albert", die von zwei englischen Kreuzern begleitet wird, eintreffen. Die ganze deutsche Flotte, soweit sie im Dienste ist, wird sich zur Kieler Woche im Kriegshafen vereinigen. Dazu kommen etwa 100 große und kleine Segeljachten, unter denen sich viele fremd. ländische befinden dürften. Zu den üblichen See- und Hafen­regatten treten wieder die Wettfahrten der internationalen Sonderklasse und in diesem Jahre zum erstenmal die Motor­boot- Regatten, die von jetzt ab wohl eine ständige Einrich­tung werden. Zu den Wettfahrten gingen im vorigen Jahre über 500 Meldungen ein; diesmal wird die Zahl 600 sicher überschritten werden. Besonders interessant ist die Tatsache, daß die Hamburg- Amerika- Linie ihren großen Postdampfer Graf Waldersee" als Hotel- Schiff nach Kiel sendet, um den eintreffenden Fremden Wohnung und Verpflegung an Bord zu bieten. Das elegante schwimmende Hotel wird in der Nähe der Jacht Hohenzollern" einen Ankerplaz erhalten.

[ Eine regelrechte Eierschlacht] entspann sich dieser Tage auf dem Heiligengeiſtwall in Oldenburg zwischen zwei Bauersfrauen aus Bürgerfelde, die ihren Eiervorrat zum Verkauf nach dem Markte bringen wollten. Um einer gering­fügigen Sache willen gerieten sie in Wortwechsel, der schließ­lich derartig heftig wurde, daß beide zu den Eiern griffen und sich damit gegenseitig bombardierten. Zahlreiche Zu­schauer verfolgten mit Interesse diesen ungewohnten Kampf. Erst als beide Körbe geleert waren, fand die Schlacht ein Ende; die Kämpferinnen boten einen recht erbaulichen An­blick.

[ Das Mausoleum des Almosenempfängers.] In einem öffentlichen Krankenhause in Newyork starb kürzlich ein Al­moſenempfänger namens Robert Johnston, der in einem Mausoleum beerdigt wurde, das 800 000 kronen kostete. Johnston war früher ein reicher Geschäftsmann, der an der Spitze eines der größten Warenhäuser in Newyork stand. Er besaß ein prächtiges Landhaus mit wertvollen Kunst­schätzen. Seine Geschäfte gingen dann aber schlecht, und als eines Atends sein Haus mit allen Bildwerken und Bildern bis auf den Grund niederbrannte, verlor der unglückliche Besitzer den Verstand. Das Mausoleum war schon im Jahre 1873 aus massiven Granitblöcken erbaut worden und bildet meilenweit in der Runde einen Markstein.

Das große Los der königlichen preußischen Klassen­Lotterie wurde in der gestrigen Vormittags- Ziehung gezogen. Dieser Hauptgewinn von 500 000 Mark fiel auf die Num. mer 6835. Wer die glücklichen Gewinner sind, ist z. Zt. noch nicht bekannt.

Ein gefährlicher Bettler wurde in Elberfeld verhaftet. Als der Polizeibeamte wegen Vettelns Hand an ihn legen wollte, ergriff er die Flucht, und als sich ihm dann ein junger Mann in den Weg stellte, zog der Vagabund einen Revolver und schoß seinen Gegner ohne weiteres über den Haufen. Der Unglückliche war sofort tot. Ein Polizist, der den Ver­brecher aufhalten wollte, wurde von ihm durch drei Revolver­schüsse schwer verletzt. Dann gelang es aber, den Unhold zu ver aften.

Ein Dorf durch Feuer vernichtet. Wie aus Lemberg berichtet wird, wurde fast das ganze galizische Dorf Delatyn durch einen großen Brand zerstört. Ueber 200 Häuser liegen in Schutt und Asche. Fünfhundert Personen sind obdachlos.

Kindermoden.

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( Von unserer ständigen Korrespondentin.) Will man von der Kinder mode sprechen, sollte man eigentlich nur von dem Anzuge der Londoner Kinder erzählen, Wer diese blondgelockten Geschöpfchen einmal gesehen hat, bergißt ihren Anblick nicht mehr. Sie tragen meistens weiße Kleidchen aus dünnen, feinen Gespinnsten, mit Spigen und Säumen garniert, ausgeschnitten oder mit Schulterfragen. Die kleinen Prinzeßchen haben nichts Buntes an sich; zu weißen Kleidern werden ihnen weiße Schärpen umgelegt, weiße Schleifchen in die Haare gebunden, weiße Strümpfchen und Schühchen angezogen, weiße Unterkleider schimmern unter den durchbrochenen Oberkleidern hindurch, und ein champagnerfarbenes Tuchmäntelchen wird ihnen umgehängt. Ein großer Hut mit weißen Federn sitzt auf ihrem Köpfchen. Man sieht kleine Mädchen in Weiß, in Blau, in Rosa ge­kleidet, selten, ganz ausnahmsweise ein Kind in weißem Kleide mit blauer Schärpe. Das finden die Engländerinnen zu geputzt, wie sie den Kindern verhältnismäßig selten Schärpen umwinden. Und man sollte nun erst die ganz kleinen Kinder in ihren Wagen sehen! Das ist höchster Lurus! Die Kinderwagen haben weiße, mit Spigen umran­dete Sonnendächer, sind meistens aus hellem Leder her­gestellt, weiße Seidenfelle dienen als Decken, und ein Kinder­mädchen, das wahrlich zum Verlieben aussieht, schiebt das leichte Gestell. Die ,, nurse" trägt ein kurzes, weißes Pique. fleid und einen fleinen schwarzen Kapothut, welcher dem Gesichtchen mit dem blonden Haar sehr gut steht. Neben dem Kindermädchen schreitet ein Knabe einher mit einem Matrosenanzug und langen Beinkleidern angetan, der trotz leiner fünf Jahre die Haltung und Bewegung eines kleinen Herrn hat, erfreulicherweise aber doch nichts anderes, als ein glückliches, heiteres Kind ist.

In England legen die Mütter sich Opfer auf, um ihre Kinder lururiös zu kleiden. Bei uns herrschen Gottseidant andere Prinzipien. Auch bei uns denkt jede Mutter darauf, ihr Kind niedlich, sauber und geschmackvoll auszustatten, aber der Anzug soll einfach und schlicht sein. Für Tragekinder find wieder die langen Kleider beliebt. Sie waren eine Zeit lang durch die kurzen verdrängt worden, aber nur für eine kurze Frist. Die Häubchen, welche größere und klen.ere Mädchen tragen, werden anstatt mit Bandschleifen mit kleinen Tuffs aus Vergißmeinnicht oder Rosenknöspchen an den Sei­ten geschmückt. Für Kinder nimmt man stets zum Auspuh der Hüte kleine Blüten. Große weiße Florentiner werden mit Schleifen aus weißem Seidenstoff und mit Büschel Gänseblümchen garniert. Ein ziemlich großer gelblicher Strohhut kann mit mattrosa und mattblau Seidenstoff­schleifen verziert werden und mit kleinen Sträußen Vergiß­meinnicht, die aus grünen Blättern herausschauen. Wie im Winter die Taffethüte bevorzugt wurden, liebt man im Sommer Battisthüte mit hohem breiten Kopf und Volants. Zehnjährige Mädchen tragen Capelinen aus Stroh mit Tausendschönchen geschmückt und mit breiten Bindebändern versehen.

Die Kinder werden in diesem Jahre sehr kurz ange­zogen. Das Kleid besteht aus einer langen Taille und einem kurzen Volant. Das Volant ist mit einer weichen Schärpe abgebunden. Die Schultern deckt ein großer Kragen. Mit dem Hänger ist es leider ganz vorbei. Ein in Falten ge­legtes Kachemirkleidchen wird mit einem Volant aus eng­lischer Stickerei besetzt und mit einer Schärpe aus weißer Libertyseide umspannt. Die kleinen Aermel sind oben in Falten gelegt, bilden dann einen Buff und haben eine Man­schette aus englischer Stickerei. Roter Voile, blaue Serge, pastellblaues Tuch wird viel für die Toiletten der kleinen Damen verarbeitet. Auch die Knaben tragen jetzt Anzüge aus roter Serge. Die Bluse wird von einem faltigen Gürtel gehalten. Der Kragen und die Aermelaufschläge bestehen aus weißem Nansock und sind mit Stickerei umrandet. Die Kleinen tragen noch immer Wadenstrümpfe, helle, gestreifte und karrierte. Der Halbschuh scheint sich jetzt vollständig für die Mädchen einbürgern zu wollen.

Wenn man sich beim Ankleiden und Beschaffen der Klei­ber auch gar nicht um die Mode kümmert, sollte man doch nie bergessen, daß mit Hilfe des Anzuges der Farbensinn und Ge­schmack der Kinder entwickelt wird. Es gibt so manches Mäd­then, das eine zum Kleide in der Farbe nicht passende Schleife verstimmt. Man sollte das nicht für Unart halten, sondern das Farbengefühl einer fein empfindenden Kinderseele. Emma Reichen.

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