Ausgabe 
20.2.1904 Zweites Blatt
 
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Der Klang der Hausglocke unterbrach in diesem Augen­blick das Gespräch, sie fuhren alle zusammen und sahen einander so erschreckt an, als ob sie schon jetzt sich einer Schuld bewußt seien.

Ach was," sagte der Kustos, indem er die Schüssel vom Tisch nahm, es wird der Doktor Spangenberg sein, Marie. Ich habe ihn geſtern gebeten, dich einmal zu besuchen; man rühmt ihn überall als einen geschickten Arzt, vielleicht findet er ein Mittel, dich zu kurieren."

Mir kann kein Arzt mehr helfen," klagte seine Frau, wir sollten das Geld sparen-"

Nein, Mutter, die Hoffnueng wollen wir noch nicht ver­lieren, fiel Gabriele ihr in's Wort, keine Opfer sind zu groß, wenn wir dir die Gesundheit wieder verschaffen können." ,, Doktor Spangenberg ist ein Neffe des Direktors," wandte der Kustos sich zu seinem Bruder, du kannst inzwischen dich in den Museumssälen umschauen, ich komme dir nach, sobald der Arzt sich wieder entfernt hat."

Peter Schönbach nickte zustimmend, die beiden Brüder stiegen die Treppen hinauf, oben angelangt öffnete der Kustos die Türe des ersten Saales, in den der Kupferstecher eintrat, dann ließ er den Doktor ein.

Drittes Kapitel.

Das ernste, sichere Auftreten des jungen Arztes machte so­fort einen beruhigenden und Vertrauen erweckenden Eindruck auf die kranke Frau.

So voll aufrichtiger Teilnahme hatte noch kein Arzt mit ihr gesprochen, ſo gründlich war noch keiner auf ihr Leiden

eingegangen.

Ihre Augen belebten sich wieder bei seinen Fragen, voll froher Erwartung hing ihr Blick an seinen Lippen, und auch in dem schönen Antlitz Gabrielens spiegelte sich freudige Hoffnung.

Adolph Spangenberg beſtärkte durch seine Aeußerungen diese Hoffnung, er versprach zwar nicht mit voller Bestimmt heit die Heilung, aber er sagte, die stets fortschreitende Wis­ſenſchaft habe auch für diese Krankheit neue Heilmittel ent­deckt, von deren Anwendung er ein günstiges Resultat er­warte.

Dann traf er seine Anordnungen, mit deren Ausführung er Gabriele beauftragte, und nachdem er auch mit dem Kustos noch eine kurze Zeit über dessen Amtsgeschäfte geplaudert hatte, nahm er von der Kranken und dem jungen Mädchen in herzlicher Weise Abschied. Sein Blick blieb dabei so lange auf Gabriele ruhen, daß sie verwirrt die Wimpern ſenkte.

,, Und nun sagen Sie mir die volle Wahrheit, Herr Doktor," bat der Kustos, während sie aus dem Souterrain hinauf­stiegen, glauben Sie wirklich, meine arme Frau heilen zu können?" Jeder Arzt, den ich bisher fragte, hat mir eine ver­neinende Antwort gegeben-

Auch ich kann Ihre Frage nicht mit Gewißheit bejahen," unterbrach Adolph ihn, aber ich hoffe, und das muß Ihnen einstweilen genügen. Vor allen Dingen wäre eine andere Wohnung wünschenswert, es ist zu feucht, zu kalt da unten, und nach dem Winter müßte Ihre Frau in ein Bad." ,, Lieber Himmel-"

Machen Sie sich nur jetzt noch keine Sorgen, kommt Zeit, tommt Rat! In den Badeorten gibt es ja Freistellen, die an­zunehmen keine Unehre macht, und ich bin mit vielen Kol­legen befreundet, die mir gerne einen Gefallen erzeigen. Könnte Ihnen in diesem Gebäude eine andere Wohnung ein­geräumt werden?"

Unmöglich, Herr Doktor! Alle Räume sind überfüllt Na, dann wäre es unnük, mit meinem Onkel darüber zu reden. Wenn wir Ihre Frau im Hospital unterbringen Um Gottes willen, reden Sie ihr nicht davon, sie hat früher ſchon geäußert, wenn sie in's Hospital gebracht würde,

könnten

dann müsse sie sterben."

,, Welcher Unverstand!"

Nennen Sie es Aberglauben, Herr Doktor, es wäre wirk­lich ihr Tod, wenn sie gezwungen würde-"

Nun, zwingen dürfen wir sie nicht, sehen wir also einst­

meilen davon ab!"

,, Sie hat hier die beste Pflege, meine Tochter Gabriele trägt sie auf den Händen, Sie glauben nicht, welchen Schatz ich an diesem Kinde befize."

Aber das Mädchen selbst wird selten eine frohe Stunde haben," warf Adolph gedankenvoll ein.

Leider!" seufzte der Kustos. Die Pflege der kranken Mutter, das Hauswesen und die Sorge um die jüngeren Ge­schwister, das alles ruht auf ihren jungen Schultern. Sie trägt die schwere Last freudig, und ich denke mir immer, unser Herrgott wird sie später dafür belohnen, wie sie es verdient.

Er hatte bei den letzten Worten die Tür geöffnet, Adolph nahm mit einigen herzlichen und ermutigenden Worten Ab­schied und ging hinaus.

Das trübe, freudlose Geschick des jungen Mädchens be­schäftigte lange seine Gedanken, er empfand bewundernde Hochachtung vor dieser selbstlosen Opferfreudigkeit.

Sein Weg führte ihn in das vornehmste Viertel der Stadt, wo er in eine von Gärten rings umgebene Villa trat. Sie lag an der breiten Alleestraße, die zum Sommerſchloſſe des Fürsten führte.

Ein Lakai führte ihn die mit Teppichen belegte Marmor­treppe hinauf; schon hier im Treppenhause zeugte die ge­diegene Pracht von dem Reichtum und dem Kunstsinn des Fräuleins Sabine v. Derendorf, deren Eigentum die Villa war.

Das gnädige Fräulein haben Sißung im Atelier," sagte der Lakai leise, als sie die oberste Treppenstufe erreicht hatten, ,, die Frau Baronin v. Gagern befindet sich im Boudoir."

Mein Besuch gilt der Frau Baronin, erwiderte Adolph, und in der nächsten Minute trat er in das elegante, mit allem Komfort ausgestattete Boudoir, in das durch die schweren seidenen Vorhänge das Tageslicht nur gedämpft eindrang.

Die Baronin, eine etwas korpulente Dame und troß ihrer vierzig Jahre noch immer hübsch, lag nachlässig in einem Sessel, vor ihr, auf einem vergoldeten Tischchen, standen mehrere Flaçons, in der fleischigen, mit Brillanten und anderen Edelsteinen geschmückten Hand hielt sie ein weißes Spitentaschentuch, dem ein scharfer, aber nicht unangenehmer Duft entströmte.

Sie finden mich heute wieder sehr leidend, Herr Doktor," sagte sie mit matter Stimme, während sie das Tuch auf die Stirne drückte und die andere Hand dem Arzte reichte, diese Migräne wird mich noch wahnsinnig machen!"

Haben Sie wieder Aerger gehabt, gnädige Frau?" fragte er in bedauerndem Tone.

Daran fehlt mir's nie," antwortete sie und ein herber Zug umzuckte ihre Mundwinkel. Sie kennen ja den Eigensinn meiner Nichte, Herr Doktor, sie will niemals auf meinen Nat hören. Da ist diese unglückliche Idee, sich malen zu lassen! Dem Maler wird hier im Hause ein Atelier eingerichtet, jeden Tag muß Sabine ihm sitzen, die jungen Herren gehen aus und ein, wie in einem Taubenschlage, und wozu dies alles? Ich finde keinen Sinn, feinen Zweck darin."

Jenun, es macht Zerstreuung," sagte Adolph, der in­zwischen ihren Puls geprüft hatte, ich glaube, wenn Sie an den Sizungen im Atelier teilnähmen-

Um feinen Preis!" fiel sie ihm in die Rede. Ich kann den scharfen Farbengeruch nicht ertragen, wenn ich nur daran denke, habe ich schon Kopfweh. Ich habe es versucht, aber die Folgen waren zu unangenehm- kennen Sie den Maler?"

" Herrn v. Weisweiler? Allerdings, wir haben schon auf der Schulbank nebeneinander gesessen."

Nun, dann werden Sie mir zugeben müssen, daß er keine angenehmen Umgangsformen hat. Er macht sich über alles luſtig, und ſein burschikoſes Wesen kann einer gebildeten Dame wahrlich nicht gefallen. Und dennoch scheint Sabine Gefallen an ihm zu finden, begreifen Sie das, Herr Doktor?" ,, Weshalb nicht, gnädige Frau? Der Geschmack ist eben verschieden."

Diesen Geschmack kann ich nur als eine Verirrung bezeich nen," fuhr die Baronin in klagendem Tone fort. So lie. benswürdig und aufmerksam der Herr Hofrat v. Weisweiler ist, so unangenehm ist mir ſein Sohn. Und das will meine Nichte nicht zugeben. Ich weiß nicht, ob sie eine besondere Ehre darin sucht, diesen Maler zu protegieren, aber das weiß ich, daß er sich außerordentlich viel auf ihre Gunst einbildet und infolge dessen sich Freiheiten erlaubt, die mich längst bewogen haben würden, ihm die Tür zu zeigen."

Adolph schüttelte mißbilligend das Haupt, sein Blick ruhte forschend auf dem Antlig der Baronin, das sich leicht gerötet ( Fortsetzung folgt.);

hatte.

Zwischen starrenden Gletscherwänden, Zwischen Felsen und Talgeländen, Nirgend klaffen so tiefe Spalten, Wie zwischen Versprechengeben und halten.

Siebenmal verlobt. Humoreske nach dem Amerikanischen von Emma Kohli. ( Fortsetzung.) ( Nachdruck verboten.)

Auf dem Nachhausewege sah ich am Eingange des Parkes wie auf mich wartend eine helle Gestalt am Gittertore lehnen. Ich beschleunigte meine Schritte. Sollte Gertrud?" Das Herz schlug mir plötzlich lauter.- Nein, es war nicht Gertrud, sondern die nach ihr folgende Schwester, die schöne Hilda. Sie kam mir zögernden Schrittes entgegen und sagte in offenbarer Verlegenheit: Lieber Herr von Heyden, ich habe Ihnen eine Eröffnung zu machen."- Ich ſtuzte. Eine Eröffnung?" Papa teilte uns mit," fuhr sie fort, daß Sie daß unsere liebe Gertrud"-Ganz recht, mein ver­ehrtes Fräulein," half ich ihr ein, Ihr Herr Vater war so gütig, mir zu gestatten" Ja, deswegen eben wollte ich"

"

,, meiner aufrichtigen Verehrung für Fräulein Gertrud" O, bitte, halten Sie ein, lieber Herr von Heyden! Wenn Sie darauf bestehen, werden Sie sie beide unglücklich machen!"

Was ist das?" rief ich entsetzt. Wen werde ich unglück lich machen?" Schwester Gertrud und Better Martin," brachte sie mühsam heraus, indem zwei große Tränen ihre Augen verdunkelten. Sie lieben sich schon so lange, aber Papa wußte es bis jetzt nicht. Und nun gerade vor einer Stunde hat Martin Gertrud davon benachrichtigt, daß er am nächsten Tage herkommen würde, um Papa um ihre Hand zu bitten. D, was soll daraus werden?" Sie sah mit einem so angstvollen Blicke zu mir auf, daß ich meinen anfäng­lichen Aerger über diese neue Enttäuschung schwinden fühlte. Beantworten Sie mir eine Frage, mein liebes Fräulein," sagte ich. Hat Ihre Schwester Sie zu dieser Eröffnung be­auftragt?" Sie neigte bejahend den Kopf. Es ist gut," sagte ich gefaßt. Ich bin kein solches Ungeheuer, zwei liebende Herzen durch mein Dazwischendrängen brechen zu wollen. Sagen Sie Fräulein Gertrud, daß ich nicht nur auf jedes Anrecht in Bezug auf ihre Hand verzichte, sondern auch ganz zu ihren Befehlen stehe, wenn ich etwa in irgend einer Weise den Aussichten meines glücklichen Rivalen förderlich sein kann."", wie edelmütig Sie sind!" rief sie in freudiger Erregtheit, während ihre wundervollen Augen mich wie zwei Sterne anstrahlten. Aber es wird schwer halten, Papa dahin zu bringen, daß er sie frei gibt," fügte sie gleich wieder niedergeschlagen hinzu. Er liebt Sie so sehr., Herr von Heyden, Sie sind ja so gut!- Könnten Sie nicht- möchten Sie nicht versuchen, eine andere von den Schwestern zu lieben?" Die reizende Bittstellerin schien plötzlich über ihre eigenen Worte zu erschrecken; sie hielt meinen- warm und eindringlich auf sie gerichteten Blicken nicht stand, sondern senkte tief erglühend die langen, seidenen Wimpern. Wie ein Blitz durchzuckte es mich:" Sie ist es!- Die schöne Hilda ist es, der meines Onkels Rodrigos geheimnisvolle Andeu­tungen galten! Wie hatte ich nur so blind sein können? - Und war sie nicht ein herrliches Geschöpf? Und war es nicht ein beneidenswertes Los, sie sein eigen nennen zu können?" Ich beschloß sofort, mir dieses beneidenswerte Los zu sichern. Mein teures Fräulein Hilda," hub ich an, indem ich mit einer Kühnheit, über die ich selbst erstaunte, ihre beiden, fest ineinander geschlungenen Hände erfaßte und an die Lippen führte. Darf ich hoffen, daß Sie, die Sie ein so beredter Anwalt für Ihre Schwester sind, auch für mich den einzigen Balsam finden werden, der mein wundes Herz völlig heilen kann?"- Ich habe wohl schon einmal angedeutet, daß dergleichen Dialoge nicht für die Oeffentlichkeit sind, und will daher nur noch hinzufügen, daß Hilda und ich zusammen nach Hause gingen und daß ich meiner lieblichen Begleiterin, ehe wir ins Wohnzimmer eintraten, zuflüsterte: Sobald Papa nach Hause kommt, werde ich mir eine Audienz bei ihm aus bitten." Mein gütiger Schwiegervater machte keine Schwierigkeiten in Betreff des Tausches. Wenn er mich nur für eines seiner lieben Mädchen sicher hätte,- für welches wäre ihm verhältnismäßig gleichgültig," so be= liebte es ihm, sich darüber auszudrücken. Im übrigen hätte

ich gerade mit dieser Wahl das große Los gezogen, denn Hilda sei unbestritten die Krone von allen." Leider konnten wir das frohe Ereignis nicht gleich am heutigen Abend mit den verheißenen Flaschen Sekt feiern, da meine teure Verlobte vermutlich infolge der vorher­gegangenen Aufregung- Kopfweh bekommen und sich gleich nach unserer Unterredung zur Ruhe hegeben hatte. Troydem verlief mir die Abendmahlzeit- wie ich bekennen muß recht vergnüglich, denn meine beiden Nachbarinnen, Gertrud und Gretel, taten ihr möglichstes, um keine trübe Stimmung in mir aufkommen zu lassen. Der Ausdruck grenzenloser Dankbarkeit, mit dem Gertrud mir bei unserem Wiedersehen ihre Hand entgegenstreckte, belohnte mich hinlänglich für meine edelmütige Entsagung. Meine Nachbarin zur Linken, das niedliche Gretchen, war gleichfalls in heiterster Stimmung. Sie entwickelte einen so allerliebsten Humor und ging auf all meine Neckereien mit einer so drolligen Schlagfertigkeit ein, daß ich ganz entzückt von meiner jüngsten kleinen Schwägerin war. Auch bei der Bootfahrt, die wir noch nach dem Abendbrot bei Vollmondschein auf dem an den Park grenzenden See unternahmen, war das holde Kind von einer sprudelnden Lebhaftigkeit, und sie ließ sich nicht dadurch stören, daß ihr die älteren Schwestern von Zeit zu Zeit ein sanftes, vorwurfs­volles: Aber Gretchen!" zuriefen. Jezt wollte sie durchaus eine der weißen Wasserlilien, die auf der Oberfläche des ruhigen Wassers schwammen, haschen. Ghe jemand sie daran hindern konnte, war sie im Kahn aufgesprungen, hatte eine Ruderſtange ergriffen und dieselbe nach der Blume ausge streckt, sich dabei unvorsichtig weit über den Rand des Kahnes beugend. Die nächſtſizenden Schwestern bogen sich erschrocken vor, um sie feſtzuhalten. Da! ein plößliches Schwanken des Bootes!- ein Plantschen und Gurgeln!- ein allge­meiner Schrei des Entsetzens!- Die waghalsige Kleine war über Bord gestürzt und unter der Oberfläche des Wassers verschwunden. Im nächsten Augenblicke hatte ich meinen Rock abgeworfen und war ihr nachgesprungen. Wir befanden uns in der Nähe des Landungsplatzes, wo das Waſſer nicht allzu tief war. Mit leichter Mühe gelang es mir, die eben Wiederauftauchende zu erfassen und glücklich ans Land zu bringen, wo wir von den Eltern, die in großer Bestürzung vom Ufer aus den Auftritt mit angesehen hatten, in Empfang genommen wurden. Die arme Kleine schien zwar sehr er­schrocken, aber sonst nicht weiter durch den Unfall beschädigt zu ſein; doch bezeigte sie keine Lust, ihre Arme von meinem Halse, den sie noch immer feſt umklammert hielt, zu lösen, und so mußte man mir wohl oder übel geſtatten, die süße Laſt auf meinen Armen bis ins Haus zu tragen. Hier wurde sie von den Ihrigen sorgsam zu Bett gebracht, und alles schien gut zu gehen. Wir fingen schon an, über unser Seeabenteuer zu scherzen, als das Hausmädchen erschien und Frau von Gadow herausrief. Nach kurzer Zeit erhielt ihr Gatte eine gleiche Aufforderung, und wir erfahren, daß unsere liebe Patientin sich nicht in einem befriedigenden Zu­stande befände. Sie hätte Fieber, hieß es, und ſpräche wirr und unzusammenhängend von ihrem Unfall und ihrer Rettung. Bald darauf kam Herr von Gadow wieder zu uns mit einem besorgten Ausdrud in seinem breiten Geſicht. Lieber Arthur, wir glauben, daß sie nach dir verlangt. " Nach mir?"-" Ja, mein Junge, möchtest du wohl mit heraufkommen? Meine Frau würde dir sehr dankbar ſein. In zwei Minuten war ich an dem Lager des armen Kindes, an dem Frau von Gadow und eine Wärterin standen. Die Wangen der kleinen Patientin glühten, und ihre Augen wan­derten ruhelos von einem Gesicht zum andern, bis sie auf dem meinigen haften blieben. Eine plötzliche Veränderung kam über sie. Sie wurde ruhiger, streckte ihre Hand nach mir aus und schloß die Augen, während sie meine Finger fest gefangen hielt. Wer soll bei dir bleiben, mein Liebling?" fragte Herr von Gadow. Still, ihre Lippen bewegen sich! ſie kennt uns; sie versucht zu sprechen! Arthur, frage du sie, wer bei ihr bleiben soll."- Ich wiederholte die Frage. " Du!" war die verwirrende Antwort- und mit einem zu­friedenen Lächeln in dem lieblichen Gesichtchen sank die Patientin in einen erfrischenden Schlaf. Sobald es mir möglich war, meine Hand zu befreien, ohne befürchten zu müssen, sie dadurch wieder aufzuwecken, überließ ich ihrer Mutter meinen Platz und kehrte ins Wohnzimmer zurück, das indessen von der ganzen übrigen Gesellschaft verlassen worden war.

Ich blieb nicht lange allein; mein aufmerksamer Wirt ge­sellte sich bald zu mir.- Mein lieber Junge," begann er

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