Ausgabe 
20.2.1904 Zweites Blatt
 
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Ein geheimnisvoller Dynamitfund wurde gestern auf dem Liverpooler Zollamt gemacht. Als Beamte das Gepäd eines mit dem Dampfer Majestic" aus Newyork einge­troffenen Mannes durchsuchten, der sich Jwan Sinbeanovic aus Desterreich nannte, fanden sie in seinem mit einem doppelten Boden versehenen Koffer 18 Pfund Dynamit. Der Mann wurde festgenommen, und bei einer Leibesvisi­tation fand man bei ihm noch 3360 Ründhütchen.

Wehrere Hinrichtungen wurden gestern vouzogen. In Landsberg a. W. wurden zwei Mörder, der Oberschweizer Schärer und der Unterschweizer Klir, die im vorigen Jahre die Wirtschafterin des Gutsbesizers Quiliz in Lorenzdorf getötet hatten, durch den Scharfrichter Engelhardt aus Magde­burg enthauptet. In Tilsit büßte der Fleischermeister Hubert den dreifachen Raubmord in Lompönen mit dem Tode. Er legte vor der Hinrichtung ein Geständnis ab.

Die Tollwutepidemie in Lublinik greift immer weiter um sich. Bisher sind gegen 30 tolle oder tollwutverdächtige Hunde getötet worden. Die Bewohnerschaft wagt sich nur noch mit Stöcken oder Knüppeln bewaffnet auf die Landstraße oder in den Wald hinaus. Die Beförderung der unglücklichen Ge­bissenen nach Berlin hatte leider dadurch eine unter Umständen verhängnisvolle Verzögerung erfahren, daß die Beschaffung des Reisegeldes aus öffentlichen Mitteln mit Schwierigkeiten verbunden war.

Von seinem elfjährigen Schüler hinterrücks durch Messer­stiche verwundet wurde der an einer Berliner Gemeindeschule tätige Lehrer Alerander Zeisiger. Als nach dem Unterricht der Lehrer seinen Paletot anziehen wollte, stürzte sich der Knabe auf ihn und versetzte ihm drei Stiche in den Rücken. Tas Motiv der Tat ist getränkter Ehrgeiz. Der Knabe hatte sich von dem Lehrer dauernd zurückgesetzt geglaubt.

Bunte Chronik. Zur Gründung des allgemeinen deut­schen Arbeitgeberverbandes findet in Berlin am kommenden Montag eine Sigung ſtatt.

Bei Lüdinghausen wurden acht Fahrgäste und zwei Fahrbeamte eines Personenzuges infolge von Entgleisung mehrerer Wagen leicht verlegt.

In Ellwangen wurde der Mörder Emil Fink aus Pforzheim, der sogenannte württembergische Sencißl, hinge­richtet.

Hus dem Gerichtssaal.

§ Crimmitschauer Nachklänge eigener Art famen in einem Beleidigungsprozeß zur Sprache, den eine Anzahl dortiger Fabrikanten gegen den Vorsitzenden der Meeraner Filiale des deutschen Textilarbeiterverbandes, Franke, angestrengt hatten. Aus zwei Versammlungsreden, die von diesem ge­halten worden waren, wurden die folgenden beiden Stellen als straffällig erklärt: Die Crimmitschauer Fabrikanten find die Drohnen, die Arbeiter aber die Bienen, von deren

Fleiße sich erstere mästen. Wenn Christus wiederkäme, müßte er sagen: Hinaus aus dem Tempel, ihr falschen Pharisäer und Otterngezücht!" Pfui über diese Patrioten! Fort zum Teufel mit den Crimmitschauer Fabrikanten!" Und weiter: Die Crimmitschauer Fabrikanten haben den Arbeitswilligen 3 Mark geboten. Judas Ischarioth hat seinen Herrn um 30 Silberlinge verraten. Die Fabrikanten aber muten den Arbeitern zu ihre Kollegen um 3 Mark zu verraten, woraus zu ersehen ist, wie tief diese Herren herabgekommen sind, die sich die Säulen des Christentums nennen." Franke wurde zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt.

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§ Der Segen der Besserungsanstalten. Wegen wieder­holter Sittlichkeitsvergehen und tätlicher Beleidigung hatte sich der 13jährige Schüler Kurt Jaschke aus Charlottenburg vor der Berliner Straffammer zu verantworten. Der jugend­liche Angeklagte wurde beschuldigt, in mehreren Fällen an Mädchen von 6-8 Jahren unzüchtige Handlungen genommen zu haben. Trotzdem durch die Beweisaufnahme die volle Schuld des Angeklagten erwiesen wurde, kam das Gericht zu einem Freispruche. Die Urteilsbegründurg ist vom pädagogischen Standpunkte aus äußerst bemerkenswert. Der Vorsitzende führte nämlich aus, obgleich es erwiesen sei, daß der Taugenichts die zur Straftat erforderliche Erkennt­nis gehabt habe und auch Strafe verdient hätte, so sei doch von einer Bestrafung Abstand genommen worden. Im Ge­fängnisse erfahre solch jugendlicher Verbrecher keine Besse­rung, eher trete das Gegenteil ein; nur straffe Zucht könne veredelnd wirken. Deshalb habe das Gericht beschlossen, den Sittlichkeitsattentäter einer Zwangserziehungsanstalt zu überweisen.

§ Ein Oberleutnant der Schußtruppe wegen Urkunden­fälschung verurteilt. Vor dem Berliner Kriegsgericht hatte sich der Oberleutnant unserer Schutztruppe in Ostafrikal b. Müller wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Ein von ihm vor seiner Abreise nach Afrika für eine Schuld von 9000 Mart bei einem Bankhaus in Bremen hinterlegter Bürgschaftsschein trug zwei gefälschte Unterschriften. Der Bürgschaftsschein ist von einem Onkel des Verurteilten, Generalleutnant v. Müller, eingelöst worden. Der Ange­flagte beteuerte seine Unschuld und will von einem Agenten, der ihm die zwei Firmen habe beschaffen wollen, schmählich betrogen worden sein. Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

§ Ein Schulknabe wegen Mordversuchs vor Gericht. Der noch nicht ganz 14 Jahre alte Schüler Otto Franke aus Ronneburg hatte sich wegen versuchten Mordes in zwei Fällen vor der Straffammer in Altenburg zu verantworten. Der Angeklagte wurde beschuldigt, zwei Mordversuche auf die 87jährige Lehrerswitwe Theil in Ronneburg unternommen zu haben, um sich in den Besitz von Geld zu setzen. Das Ge­richt verurteilte den jugendlichen Verbrecher zu insgesamt jechs Jahren Gefängnis.

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RN Interessante Naturerscheinungen bei Gewittern wur den letzter Tage im Württembergischen gemacht. So entlud sich über Eßlingen und dem Neckartal ein heftiges Ge­witter mit zahlreichen magnetisch- elektrischen Lichteffekten. Nachts bemerkte man im Westen flächenblißartiges Wetter­leuchten; zehn Minuten später leuchtete es in der Stadt Eßlingen allerorten auf wie beim Abbrennen eines großen Feuerwerkes. Von höheren Gebäuden stiegen bläulich leuch tende Feuerkugeln raketenartig in die Höhe, oft drei bis vier gleichzeitig an verschiedenen Orten; einige schienen einen Funkenregen hervorzurufen. Das ganze Schauspiel, das mit Elmsfeuer Aehnlichkeit zeigte, dauerte ungefähr eine halbe Stunde.

RN. Der Kaiser und das Volkslied. Wie aus Berlin ge­meldet wird, findet Ende dieser Woche die erste Sigung der von Kaiser Wilhelm II. ernannten Kommission statt, die eine Sammlung der besten deutschen Volkslieder herausgeben soll. Der Kaiser wird seine rege Anteilnahme an der ge­deihlichen Pflege des deutschen Volksgesanges bei dieser Ge­legenheit durch sein persönliches Erscheinen bekunden. Wie man hört, wird von den Mitgliedern der Kommission, zu der außer reichsdeutschen auch österreichische Komponisten und Sachverständige gehören, ihrer Aufgabe schon jetzt das värmste Intereffe entoeaenaebracht.

6. Auf den Spuren Stanleys. Eine größere Forschungs­reise durch Afrika wird binnen kurzem, wie aus Brüssel ge­meldet wird, vom Baron Moriz v. Rothschild unternommen werden. Die in Aussicht genommene Route durchquert Abessynien, führt an den Rudolfssee und von da nach Uganda in die Mondberge, deren Lage von Stanley auf seiner zur Be­freiung Emin Paschas unternommenen Durchquerung Afri­fas zum erstenmal festgestellt wurde. Von den Mondbergen aus wird Baron Rothschild die Expedition durch die Ur­wälder des belgischen Kongostaates nach Egypten führen, um den Nil hinab die Heimreise nach Europa anzutreten. Der König der Belgier hat dem Baron Rothschild die Erlaubnis erteilt, am Songo das Okapi zu jagen. Dieses ist ein merk würdiges Mittelding von Giraffe und Zebra, dessen lange Ohren mit seidigen langen Haaren besetzt sind. Das Fell ist rötlich, von hellbraunen Streifen durchzogen. Man kenni zwei Gattungen dieses Tieres. Die eine trägt Hörner, die andere nicht. Das erste Exemplar von der ersteren Gattung. das in London zu sehen war, wurde im Jahre 1901 von dem schwedischen Leutnant Eriksson, in belgischen Diensten gefangen und von diesem Sir Harry Johnston als Geschenk übersendet. Da dieses Tier außerordentlich selten vorkommt, so ist die Jagd darauf von der Regierung des Kongostaates strenge untersagt. Auch Baron Rothschild hat vom König der Belgier die Erlaubnis zur Jagd auf das Okapi nur unter der Bedingung erhalten, daß er nicht mehr als drei dieser Tiere erlegen dürfe.

Frühjahrs- Pferdemarkt zu Gießen.

Am Mittwoch, den 16. März 1904, vormittags, findet Eier- Zwieback auf den städtischen Marktanlagen nächst der Rodheimerſtraße Pferde­außer in meinem Geschäftslokale, markt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist aus: Seltersweg 61, zu gleichem Preis reichend Sorge getragen; wegen derselben wolle man sich an Herrn in nachstehenden Verkaufsstellen Hoflohnkutscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Markt­erhältlich ist: angelegenheiten erteilt Herr Weinhändler Auguft Schwan dahier.

In Gießen:

W. Haas, Bleichstraße.

A. Lenhardt, Frankfurterstraße.

J. Marker, Ecke Stephan- und Goethestraße.

H. Kräßer, Brandplay 15. J. M. Schulhof, Marktstraße. Restaurant Windhof.

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Tertors Terrasse. Philosophenwald. Liebigshöhe.

In Dutenhofen: Karl Sorger. Heuchelheim: Ph. Neidel II. Alleiniger Fabrikant: Karl Link, Gießen, Seltersweg 61.

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Der verbunden, für welche 1585 Mr. zur Verfügung stehen. Prämiierungsplan ist von Herrn Dekonomierat Schlenke- Hard hof bei Gießen oder von Herrn Weinhändler Schwen- Gießen zu beziehen. Die Breisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12 Uhr. Von 11 Uhr ab Konzert auf dem Marktplay. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Markiplak und

zurück.

Am 17. März, nachmittags 2 Uhr, findet in der Turn­halle der Stadtknabenschule eine

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statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Ge­rätschaften, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenständen. Der General­bertrieb der Lose á 1 Mark ist dem Herrn Richard Buchacker dahier übertragen.

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Hochachtungsvoll

Edgar Borrmann, Gießen. Eisenhandlung, Haus- und Küchengeräte.

nach einigen vergeblichen Versuchen,

pang

geräuschvolles

Räuspern seiner Stimme die gewohnte unbefangenheit und

Derbheit zu geben.

Das Kind, dessen Leben du gerettet

haft, ist unseren Herzen sehr teuer. Surch dich hemch

Du wirst das Daiei

midod me

Nr. 41.

Samstag, den 20. Februar

1904.