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Das preußische Staatsministerium hat eine neue Aus­führungsanweisung zur Gewerbeordnung erlassen, die an die Stelle der zu den einzelnen Titeln oder Abänderungsge­setzen der Gewerbeordnung erlassenen Ausführungsanwei­sungen tritt und zugleich eine Zusammenfassung der wich­tigeren zur Erläuterung der Bestimmungen der Gemerbe. ordnung ergangenen Einzelerlasse darstellt.

Eine dankens- und nachahmenswerte Verfügung an die Landräte über die Errichtung von Schnlapotheken hat die Regierung zu Oppeln erlassen. Die Landräte werden veran­laßt, die Schulvorstände u. s. w. darauf aufmerksam zu machen, daß vom sanitären Standpunkte die Einrichtung von Schulapotheken, in denen Mittel für die erste Behand lung bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen von Schul­findern vorrätig sind, als sehr zweckmäßig anzusehen ist. Vor der Anlage einer Schulapotheke ist dem Landrat An­zeige zu machen unter Angabe der Arzneimittel und sonstiger Stoffe und Gegenstände, die vorrätig gehalten werden sollen. Die Verwaltung der Schulapotheken erfolgt durch die Lehrer

+ Der Verband reisender Kauflente Deutschlands" hält dieser Tage in Chemnitz seine 14. ordentliche General­versammlung ab. Aus dem Jahresbericht ist mitzuteilen: Der Vermögensbestand des Verbandes ist bis Ende 1903 bon 2 236 384,83 Marf auf 2 478 934,31 Mark gestiegen. Das Vermögen des Wittwen- und Waisenfonds ist von 1 351 341,50 Marf auf 1 506 542,32 Marf gestiegen. Die Zahl der fortlaufende Unterstützung beziehenden Wittwen betrug 460, ferner erhielten 24 Waisen die gleichen Unter­ſtützungen. Ende 1903 betrug das Vermögen des Alters­versorgungsfonds 488 572,88 Mark. Das Vermögen des allgemeinen Unterstützungsfonds wuchs von 354 859,35 Mart auf 369 674,58 Mart. Der Kriegsreservefonds wies 27 709,30 Mark, der Reservefonds 21 657,69 Mark Ver­mögen auf. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit 9919.

Ein Antrag Stettin, den Kriegsrefervefonds aufzulösen und sein Vermögen den anderen Unterstützungsfonds des Verbandes zu überweisen, wurde schließlich zurückgezogen. Ein weiterer Antrag der Sektion Stettin, daß die Kranken­unterstützung auch dann gewährt werden soll, wenn die Krankheit auf einen Unfall zurückzuführen ist, fand An­nahme. Dagegen wurde der dritte Antrag Stettin, den Waisen die fortlaufende Unterstützung statt wie seither, bis zum 15., bis zum vollendeten 18. Lebensjahre zu gewähren, nach längerer Aussprache für das nächste Jahr zurückgestellt. Die übrigen Anträge betrafen den internen Verwaltungs­betrieb.

Oefterreich- Ungarn.

Zu schweren Streif- Ausschreitungen ist es unter der Landbevölkerung der Umgegend von Triest gekommen. Die Landleute in Cerignolla bei Foggia verlangten Einführung des Achtstundentags und eine Lohnerhöhung. Als die Arbeit­geber nicht nachgaben, veranstalteten die Bandleute Demon­strationen. Hierbei wurde eine Militärabteilung mit Stein­würfen und Revolverschüssen angegriffen. Nachdem ein Polizeikommissar und mehrere Soldaten verwundet wurden, gab die Truppe Feuer, wobei zwei Demonstranten tot blieben und mehrere verwundet wurden. Dies steigerte die Wut der Streifenden, welche die Stadt durchzogen und mehrere Ge­schäfte plünderten. Die Stadt wurde durch Kavallerie be­setzt. Während der Nacht wurden 17 Verhaftungen vorge­nommen. Erst nach drei Tagen, am Mittwoch, war die Ruhe einigermaßen wiederhergestellt; die Streikenden nahmen die Arbeit wieder auf.

England.

Einer der Führer des britischen Liberalismus, der grcise Harcourt, hat in einer bemerkenswerten Unterhausrede Abschied vom politischen Leben genommen. In der Debatte über die Finanzbill beklagte Harcourt im Laufe einer längeren Rede, die er als die letzte bezeichnete, welche er an das Haus richte, das Anwachsen der Ausgaben, und beschwor das Land, Halt" zu rufen. Was zu diesem Anwachsen der Ausgaben führe, das er verdamme, sei der Geist der In­basion, der Annerion und der Einfälle in jeden Weltteil und der Geist der Vergeltung und Großsprecherei somie die Appelle an die internationale Eifersucht. Das seien Künste, die Unwissende täuschen könnten, aber ein kostspieliger Lurus. Die Früchte dieser Politik seien ruinöse Ausgaben, vermehrte Schulden und eine unerträgliche Besteuerung. Selten ist den Briten von einem der ihren so gründlich die Wahrheit über ihre Ländergier und ihre Raubpolitik gesagt worden, wie hier von Harcourt. Aber zweifelsohne predigte der greise Par­lamentarier tauben Ohren, und seine Stimme wird bleiben die eines Predigers in der Wüste...

Frankreich.

Berlin die ganze Angelegenheit bekannt gewesen. Uebrigens sollen an der Spionageangelegenheit außer Deutschland auch England und Italien beteiligt sein. Indessen schrumpft die Affäre immer mehr zu einem ganz gewöhnlichen Betrugs­versuch zusammen. Herr Fragola hatte offenbar geglaubt, die französische Regierung werde ihm für seine Ent­hüllungen" ein reichliches Douceur geben. Daraus wird nun aber nichts werden.

Alien.

Die Londoner Regierung gibt jetzt zu, was sie bisher noch immer nicht wahr haben wollte: daß England im Krieg mit Tibet liegt. Der Parlamentsuntersekretär für Indien, Earl of Hardwicke, erklärte im Londoner Oberhause: Wir sind im Kriege mit Tibet; und bis wir uns mit den Waffen in der Hand unsere Stellung errungen haben, können wir uns hinsichtlich der Form der Lösung dieser Frage nicht binden." Die Form der Lösung der Tibet­frage", die England anstrebt, ist selbstverständlich ein britisches Protektorat über das Land des Dalai Lama. Darüber lassen auch die militärischen Vorbereitungen, die in Indien getroffen werden, keiner Zweifel. Das vierte Stadschputen­regiment in Simla ist bereits nach Tibet abinarschiert, ebenso zive: Abteilungen der 40. Pathaus indischer Truppen. Weitere Streitkräfte stehen marschbereit an der Grenze. Mehrere Batterien und Bionierabteilungen mit Ponton­Booten sind ebenfalls in Tibet eingerückt. Sie marschieren zunächst auf Silliguri, von dort aus soll der Marsch etappen­weise nach Gyangtse und Lhassa fortgesetzt werden. Ueber die Lage der Expedition Younghusband in Gyangtse wird neuerdings aus Simla berichtet, daß die Truppen des Dalai Lama der Expedition den Rückzug abschnitten, Tschangra, südlich von Gyangtse, besetzten und die Südpässe sperrten. Das von Simla abgegangene indische Entsazkorps muß sich erst nach Gyangtse durchschlagen. Die tägliche Be­schießung des englischen Lagers in Gyangtse durch die Tibe­taner dauert fort.

A Noch mehr als die neue Spionageaffäre hält die päpst. liche Protestuote gegen Loubets Nomreise die Gemüter der Franzosen in Erregung. Die gesamte Pariser Presse mit alleiniger Ausnahme des Gaulois und des Echo de Paris ergeht sich in scharfen Angrissen auf den Parst, den die meisten Blätter furzweg niit seinen bürgerlichen Namen Sarto nennen. Die radikalen Sozialisten baben bereits eine Interpellation in der Kammer über die Note angekündigt, und die Regierung zeigt sich bereit, sie zu beantworten. Von den Regierungsparteien soll der Antrag gestellt werden, das Kabinett solle den französischen Gesandten beim Vatikan schnurstracks abberufen. Das wird denn wohl auch geschehen.

Hof und Gefellschaft.

Der Kaiser begab sich gestern vormittag vom Bahnhof Wildpark nach dem Artillerie- Schießplak Kummers­dorf. Nach der Rückkehr von dort stattete der Kaiser in Begleitung seiner Gemahlin der Großen Berliner Kunst­ausstellung einen Besuch ab, der etwa eine Stunde währte. Der Kaiser und die Kaiserin werden mit den kaiserlichen Kindern am 11. Juli cr. auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel eintreffen, um dort einen mehrwöchigen Sommer­aufenthalt zu nehmen.

Die neue deutsch- französische Spionageaffäre wird in den amtlichen französischen Streisen mit großer Kühle be­urteilt. Man mißt ihr nicht die geringste Bedeutung bei und erklärt, die angeblich wichtigen Geheimnisse, die an Deutsch­land verraten sein sollten, kenne man seit Jahren nicht nur in Berlin, sondern in jeder europäischen und auch in vielen außereuropäischen Hauptstädten. Der vom Matin" als be­teiligt an der Sache genannte Felix Friedrich Scholtz, der in Thüringen lebt, stellt dies jetzt selbst öffentlich ganz ent­schieden in Abrede. Er hat allerdings mehrfach, wie der Matin" behauptet, in Berlin im Thüringer Hof" gewohnt und dort durch Vermittelung des ihm bekannten Hotelwirts eine größere Anzahl auch ausländischer Herren kennen ge­Ternt. Mit feinem von diesen steht. Scholtz indessen in irgend einer Berbindung. Er erklärt, daß sein Name nur durch Mißbrauch in diese Angelegenheit gemischt worden sein kann. Offenbar fällt dieser Mißbrauch einem der erwähnten aus­ländischen Gäste des Hotels zur Last. Scholtz ist übrigens fürzlich dadurch überrascht worden, daß in den letzten Wochen mehrfach Kriminalbeamte bei seiner früheren Adresse in Berlin nach ihm mit der Bemerkung recherchiert haben, daß es sich um eine sehr ernste Sache" handele. Offenbar ist also schon vor mehreren Wochen der politischen Polizei in

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Die Mutter des regierenden Großherzogs von Sachsen- Weimar, Grbgroßherzogin Witwe Pauline, ist auf der Reise von Rom nach Venedig in der Nähe der Station Ceta im Eisenbahnwagen infolge eines Schlaganfalles verschieden. Sie litt seit längerer Zeit an Herzschwäche.

Deer und flotte.

Eine neue Linienschiffsklasse wird im Herbst ihren ersten Vertreter finden, der auf der Kieler Germaniawerft vom Stapel laufen wird. Die neue Schiffsklasse zeigt große Uebereinstimmung mit dem Typ der Braunschweig"-Klasse. Deplazement, Maschinenleistung. Panzerung, schwere und mittlere Artillerie sind gleich. Es tritt aber eine sehr be­achtenswerte Verbesserung der leichten Artillerie, der Anti­torpedoarmierung ein. Die Braunschweig"-Klasse führt zwölf 8,8 Zentimeter- Geschütze und zwölf 3,7 Zentimeter­Maschinenkononen. Die neuen Schiffe erhalten dagegen sechzehn 8,8 Zentimeter- Geschüße. Außerdem erscheint ein neues Geschütz, das unsere modernen Schlachtschiffe bisher nicht kannten. Das Reichsmarineamt hat die Einstellung von zehn 5 Zentimeter- Maschinenkanonen, die unsere Hoch­jcetorpedobooke führen, angeordnet. Dafür sinkt die Zahl der 3,7 Zentimeter- Kanonen von 12 auf 4. Die leichtere Artillerie wird ganz erheblich verstärkt. Sämtliche sechs Torpedolancierrohre liegen bei den neuen Schiffen unter Wasser. Der Neubau N" ist zum Flaggschiff bestimmt und erhält Wohnräume für einen Geschwaderstab. Die Besatzung wird 736 Köpfe zählen, 35 Offiziere und Beamte, 35 Deck­offiziere, 15 Fähnriche und 650 Mann.

Nah und Fern.

bekannt war. Man nimmt nun an, daß in dem Grund. stücke zu Acquasanta Opfer der Mafia, des berüchtigten fizilia. nischen Verbrechergeheimbundes, begraben wurden. An Kleiderresten, die man bei den Zeichen fand, will man eine ganze Familie wieder erkannt haben, die im Jahre 1885 Spurlos verschwand, und von der schon damals angenommen lourde, daß sie von der Mafia beseitigt worden sei.

A Aufgehobene Schülerverbindungen. In Lübeck wurden die seit Jahren geduldeten farbentragenden Schülerverkin­dungen von der Oberschulbehörde aufgehoben. Während sonst überall in Deutschland derartige Nachäffungen studen­tischer Korporationen, die Trinksitten und Komment in die Schule verpflanzen wollen, verboten sind und, wo sie auf­tauchen, schonungslos unterdrückt werden, erfreuten sich ver­schiedene Verbindungen in Lübeck einer wahrhaft akademischen Freiheit. Bei der Bürgerschaft herrschte seit langem schon darüber großer Unwillen.

Eine Windhose richtete in Lübeck während eines schweren Gewitters, das über Stadt und Umgegend niederging, großen Schaden an. Das Phänomen dauerte nur ganz kurze Zeit, ihm fielen aber viele große Bäume und mehrere Fabrik­schornsteine zum Opfer.

Der Raubmord am Spandauer Schiffahrtskanal stellt sich als eine vorher wohlüberlegte Tat der beiden Kumrane Piller und Jopp dar, von denen auch der letztere in Spandau ergriffen wurde. Die beiden sind Schulkameraden des er. mordeten Kutschers Schemel gewesen und wußten, daß er er. hebliche Geldbeträge einzufassieren hatte. Sie lauerten ihm daher auf und baten ihn, sie auf seinem Wagen mitzunehmen, was er zu seinem Verderben auch tat.

Verhaftete Mädchenhändler. In Newyork wurde unter dem dringenden Verdacht, Mädchenhandel zu treiben, cine Frau Weinzierl aus Bayern verhaftet. Sie und ihr Mann, der Agent Josef Weinzierl, sollen seit langem unter dem Vorgeben, sie als Tiroler Sängerinnen und Münchener Kell. nerinnen unterzubringen, Mädchen zu unsittlichen Zwecken nach dem Ausland verschleppt haben. Bei der Weinzierl be­fanden sich sechs junge Mädchen.

Leichenschändung. Auf dem Friedhofe des Dorfes Wesela bei Olmüz fand man das Grab des früheren Land­tagsabgeordneten und Präsidenten der fallierten Vorschuß­fasse in Walachisch- Meseritsch, Dr. Aloys Mykisko, geöffnet und die Leiche daneben liegend vor. Mykisko hatte sich infolge des Bankerotts der Kasse erschossen. Nach dem Begräbnis hatte sich unter dem Landvolk, das durch den Bankerott der Vorschußkasse geschädigt war, das Gerücht verbreitet, Mykisko ei gar nicht tot, sondern mit dem veruntreuten Geld der Vorschußkasse nach Amerika geflüchtet, und statt seiner Leiche wäre eine Wachspuppe begraben. Um sich nun zu überzeugen, ob dieses Gerücht wahr sei, hat ein Maurer des Dorfes Wesela die Leiche ausgegraben und dann liegen lassen.

Opfer der Mafia. Eine grausige Entdeckung machte man am Meeresufer bei dem Palermitaner Vororte Acqua­santa. Man stieß bei Erdarbeiten zur Anlegung eines neuen Docks auf eine Art Friedhof. In Kalk eingebettet fand man 14 Leichen. Von dem grausigen Fund wurde natürlich so­gleich die Polizei in Kenntnis gesetzt. Aerztliche Feststellungen ergaben, daß die Leichen vor etwa 10 bis 15 Jahren be­graben wurden. An mehreren Sfeletten war zu erschen, daß der Tod durch Flintenschüsse herbeigeführt worden sei. Der Grund und Boden, auf dem die Leichen gefunden wur­den, gehörte bis vor sechs Jahren dem inzwischen verstorbenen Zitronenhändler Gaudioso, der als ein Haupt der Mafia

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[ Sein eigener Borgesetzter.] Ein Kuriosum wird aus Ostpreußen bekannt. Dort cristiert ein Kirchdorf, in dent der Ortsgeistliche erster Lehrer der dortigen Kirchschule und Ortsschulinspektor, mithin sein eigener Borgesetzter ist. Es ist das Dorf Nidden auf der Kurischen Nehrung. Sarrer Jopp ist Ortsschulinspektor und zugleich erster Lehrer, sür welches Amit er von der Kgl. Regierung 864 Mart jährlich bezieht.

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[ Der 1000. Student in Jena] ist dort jetzt ein ebenso bekannter wie geehrter junger Mann. Die Jenenser Bürger­schaft gibt ihrer Freude darüber, daß die altehrwürdige alma mater in diesem Sommersemester ein rundes Tausend akademischer Bürger zählt, in allerlei für den Inhaber der Zahl 1000 in den Universitätsziffern sehr annehmbaren Ehrengaben Ausdruck. Der Universitätsbuchdrucker Dr. Neuenhahn stiftete eine goldene Uhr mit goldener Kette, die dem 1000. Studenten, stud. jur. Boesemann aus Hild­burghausen, bei der Immatrikulation von dem Prorektor überreicht wurde. Kämmerer- Karl, der in ganz Deutschland bekannte Studentenwirt, der für seine Verdienste um die durstige Jugend vor längeren Jahren von den Musensöhnen cierlich zum Dr. med. ernannt wurde, stiftete dem ersten Pepräsentanten der vierstelligen Zahl für ein Semester freien Mittagstisch, der Sonntags gratis durch eine Flasche Wein erbessert wird. Endlich beabsichtigt die Stadt Jena zu bren des Ereignisses ein Marktfest zu veranstalten. Die Gesamtzahl der Immatrikulierten beträgt zur Zeit 1024, and. Der Hörer( darunter 26 Damen) 1092; es ist damit bode 3ahl seit 100 Jahren erreicht.

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Wilderers Ende. Die unerlaubte Sageleidenschaft be­reitete dem Ackerbürger Schmidt aus Bobersberg bei Krossen a. D. ein trauriges Ende. Er wurde auf dem Gemeinde­pachtrevier Berloge von einem herrschaftlichen Förster, auf dessen Anruf er nicht stillstand, niedergeschossen und gab sofort seinen Geist auf.

Bunte Chronik. In Eßlingen wurde das von dem Stuff. garter Bildhauer Kiemlen geschaffene Lenaudenkmal, das erste auf deutschem Boden, enthüllt.

-In Zwickau wurde eine alleinstehende Grau namens Wußler in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Wegen Soldatenmishandlung hatte sich der Leutnant Wilhelm v. Germer von der 3. Kompagnie des in Bromberg garnisonierenden 34. Füfilierregiments vor dem Oberkriegs­gericht des 2. Armeekorps in der Berufungsinstanz zu ver­antworten. Der Angeklagte war, wie seinerzeit gemeldet, vom dortigen Kriegsgericht zu zwei Monaten Festungshaft verurteilt worden. Bei der Verhandlung vor dem Ober­friegsgericht wurde ebenso, wie seinerzeit vor dem Kriegs­gericht, die Deffentlichkeit ausgeschlossen. Das Oberkriegs­gericht verwarf die Berufung und bestätigte das auf zwei Monate Festungshaft lautende Urteil des Kriegsgerichts.

Die Raubmörder vor dem Gericht.

Frankfurt a. M., 19. Mai 1904.

Das Interessanteste an der geftrigen Vormittagssigung war die Vernehmung des Untersuchungsrichters Dr. Cäsar. Er befundete, daß ihm das fließend vorgebrachte Geständnis des Stafforst von Anfang an als der Wahrheit entsprechend erschienen sei. Bei der ersten Konfrontation der beiden Mörder zuckte Groß, als Dr. Cäsar mit Stafforst plöglich eintrat, mit feiner Wimper. Alle gegenteiligen Behauptungen, die damals in der Bresse auftauchten, beruhten auf unwahr­heit. Stafforst sagte: Bruno gestel,' s, wir sind's gewesen! Groß blieb falt und leugnete zunächst alles. Später änderte er seine Aussage siebenmal ab. Die Gutachten der Sach­verständigen lauten sehr belastend für ihn. Stufforst wurde während der Verhandlung einen Augenblick von Nasenbluten befallen und mußte hinausgeschafft werden. Einmal gerieten die Verbrecher heftig aneinander. Guck mir ins Gesicht! Wer hat den Mann erschlagen? Jeßt rede die Wahrheit!" rtef Groß. Gehorsam drehte sich Stafforst um und antwortete: Ich habe die Wahrheit gesagt." Groß redete noch weiter heftig auf Stafforst ein, aber der Präsident machte dem Zwiegesprä ein Ende. Schon in der Voruntersuchung hatte Groß, sich seines Einflusses auf Stafforst bewußt, öfters gebeten, den Stafforst doch einmal sprechen zu dürfen. Nachmittags fanden die Pladoyers statt. Erster Staatsan­walt v. Reeden und Staatsanwalt Dr. Slume beantragten, die beiden des Raubmordes schuldig zu sprechen. Die Ver teidiger Dr. Stulz und Dr. Heß wußten angesichts der Be­weisaufnahme nicht viel zu sagen.

Die Gesworenen sprachen dem Antrage der Staatsanwaltschaft gemäß beide Ange klagten des Raubmordes schuldig, worauf das Gericht beide zum Tode verurteilte. Groß hatte auch in seinem leßten Wort", bevor sich die Ge­shworenen zurückzogen, geleugnet und gesagt: Ich kann nur

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