Ausgabe 
18.6.1904 Zweites Blatt
 
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daß die Huldigung, die man ihr darbrachte, leider nicht ihrem Range und ihrer Schönheit entsprechend sei, daß sie aber aus ergebenem Herzen käme und daß dieser Tag, der die Königin der Feen in seine Heimat gebracht, ein für ganz Adjarien unvergeßlicher bleiben würde.

Thamar lächelte zu diesen überschwenglichen Worten: Ver­gessen Sie, daß wir beide nicht in diesem Lande erzogen wor­den sind?" sagte sie mit leisem Vorwurfe in der Stimme. Ich vergesse es nicht; die Sitte will es aber so und eigentlich bleiben meine Gedanken doch immer dieselben, selbst wenn ich sie in Worte kleiden wollte, wie sie im Abendlande gebräuchlich sind. Ich fühle mich Ihnen aufrichtig zu Dank berpflichtet, daß Sie gekommen sind, und da finde ich, daß die alltägliche Phrase: Es hat mich sehr gefreut diesen Ge. fühlen doch allzu wenig Ausdruck verleiht." Insbesondere da diese Freudenversicherung in so häufigen Fällen das Gegenteil bedeutet."

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Sehr wahr; bleiben wir also bei unserer morgenlän­dischen Art, die"

Die auch nicht immer aus aufrichtigem Herzen kommt," sagte sie neckend, aber jedenfalls besser zur Umgebung paßt." Soll ich Ihnen einen heiligen Schwur leisten, daß sie heute der Ausdruck vollster Wahrheit ist?"

Nein, ich glaube es Ihnen," wehrte sie lachend ab, was mich betrifft, so komme ich ja mit freundschaftlichen Gefühlen, es ist also kein Grund vorhanden, daß Sie meinen Besuch weit weg wünschen. Aber auch von meinem Oheim kann ich Sie versichern, daß er Ihnen zugetan ist und mit den besten Absichten diese Fahrt unternommen hat."

Möge sie die Früchte tragen, die wir uns von seinem Besuche erhoffen; niemand wäre froher darüber als ich."

Die übrigen jungen Leute schlossen sich nun den beiden an, und da Hassan- Beg, der Besatzungskommandant, Thamar etwas besonders Wichtiges mitzuteilen zu haben schien, so überließ ihm Djambek seinen Platz, um mit Daria und deren europäischen Freundinnen ein Gespräch anzuknüpfen.

Alle waren darüber einig, daß ihnen diese ganze Fahrt den Eindruck einer Reise ins Märchenland machte, und wenn Djambek den Gefühlen der Eitelkeit zugänglich gewesen wäre, so hätte er heute Grund gehabt, aus den bewundernden Worten und einzelnen feurigen Blicken Schlüsse zu seinen Gunsten zu ziehen.

Des Paschas Faktotum, Totia, der mit bei der Gruppe stand, suchte in einer Anwandlung von Eifersucht den Effekt des heutigen Festes abzuschwächen, indem er erzählte, wie besonders prachtvoll einst der Empfang des russischen Kaisers im Raukasus gewesen, aber seine Beschreibung vermochte nicht die Zuhörer zu begeistern, und man erklärte einstimmig, daß es recht schön, aber nicht so gelungen wie heute gewesen sein

mochte.

Sezt knallte ein Schuß durch die Luft, und wenige Sekunden später blitten allenthalben längs des Ufers Funken auf, um alsbald in feurigem Regen auf die Wasserfläche zu fallen und dortselbst, in tausenden von leuchtenden Punkten auf und nieder tanzend, weiterzuschwimmen. Dieser ersten glitzern­den Abteilung folgten bald ein zweiter Nachschub und ein dritter und so fort, bis der ganze Fluß, so weit das Auge reichte, von tanzenden und hüpfenden Lichtpunkten bedeckt war. Die vereinigte Leuchtkraft dieser schwimmenden Plättchen warf einen roten Schein über die beiden Ufer, so daß die Baumriesen, die dort ihre Zweige ins Wasser tauchten, in eigentümlicher Färbung hervortraten und plößlich allent­halben bis an die Gipfel zu glühen schienen. Dann glitt der dunkle Körper eines Bootes durch die brennende Wasser­fläche, um unversehens in feurigen Garben aufzusprühen und schließlich mit lautem Knall in die Luft zu fliegen.

Das war von neuem das Zeichen zu Gesang und Tanz. Beim milden Schein der farbigen Lampen glitten die Paare über den Wiesenteppich, anfangs in ruhigen Drehungen, dann aber immer mehr und mehr in Hize geratend, bis endlich die Menge in wildem Gejohle durcheinander wirbelte. Plötzlich sprang eine im Halbdunkel riesig scheinende Gestalt über die Köpfe der übrigen mitten in das Gewühl, packle eines der tanzenden Mädchen um den Leib und bahnte sich mit ge­waltiger Kraft einen Weg durch die Menge, um wie ein Blizz in der Dunkelheit zu verschwinden. Zornesrufe und Gelächter tönten durcheinander, und ein eigentümlicher, langgezogener Schrei fam aus mehreren Kehlen. Die geheimnisvolle Ge­stalt war knapp an der Gruppe vorbeigehuscht, in welcher sich Thamar und deren Freundinnen befanden, und als jetzt ein

Haufen Männer mit gezüdten Dolchen und wilden Rufen an ihr vorbeistürmte, griff sie erschrocken nach Djambeks Arm. Eine Entführung," sagte er leise, diesmal ist es ernst!" fügte er hinzu. Das gehört nicht zum Festprogramm." ,, Eine Entführung?"

" Ja, der Bursche hat sich sein Liebchen aus der Schar geholt, um gegen den Willen ihrer Angehörigen Hochzeit zu halten. Jezt heißt es flink und behend sein, wenn er nicht für die kühne Tat sein Leben lassen will."

,, Sie glauben, daß..." Zorniges Geschrei und Ver­wünschungen tönten von der Flußseite herauf, und Thamar Sollte man nicht den flüsterte ängstlich: Hören Sie? Bedrängten zu Hilfe kommen?"

Er padte heftig ihre Hand, damit sie nicht von den Vor­beistürmenden ins Gewühl mitgerissen werde. D, ich kenne den Entführer; er ist einer der gewandtesten und stärksten Bursche aus dem Hochlande. Uebrigens ist er sicherlich nicht allein, seine Freunde werden die Verfolger schon abzulenken wissen, das ist ganz und gar ihre Sache, und wehe dem dritten, der sich unberufen in eine solche Angelegenheit mengen wollte, er würde dadurch die Nache der ganzen Sippe über sich be­schwören. Wüßte ich indes, daß er wirklich in Bedrängnis wäre, ich käme ihm doch zu Hilfe, schon un der Liebe zum Siege zu verhelfen, denn ich finde, daß niemand das Recht hat, der Herzenswahl anderer Menschen Zwang aufzuerlegen. Es ist alles still ein Zeichen, daß man von den Ent­schwundenen noch keine Spur aufgefunden hat."

Alles hatte sich zum Flusse hinabgedrängt, da man ver­mutete, daß die Flüchtlinge in einem Kahn zu entkommen gesucht, und man vernahm nun deutlich das Plätschern der Ruder, welche die Verfolger eifrig handhabten, um das Pär­chen zu erreichen. Auch Cherif- Pascha und seine Gesellschaft hatten sich von der Neugierde hinreißen lassen und waren den anderen gefolgt. Djambek und Thamar standen allein unter der großen Linde. Das verworrene Gemurmel vieler Stimmen drang zu ihnen herauf, hier und da von einem lauteren Zuruf eines der Verfolger unterbrochen, der den Insassen der Nachbarorte einzelne Anweisungen gab; der rote Qualm ihrer Jackeln kräuselte sich langsam empor und ballte sich hoch oben zu einer leuchtenden Wolke.

Plötzlich knallte drüben von einem der Verge ein Schuß durch die Luft, und ein jauchzender Ruf hallte herüber.

Thamar drückte besorgt Djambeks Hand, und ihre Stimme bebte, als sie flüsterte:

,, Man hat ihn getötet!"

,, Nein, im Gegenteil," rief Djambek, freudig den Druck ihrer Hand erwidernd, er ist außer Gefahr und in Sicher­heit! Er war schlau genug, den beschwerlichen und gefähr­licheren Weg über die Berge zu wählen, statt sich einer Hez­jagd auf dem Flusse auszusetzen. Jezt hat er einen großen Vorsprung, und ihn, der jeden Pfad genau kennt, wird nie­mand mehr einholen."

Und wie zum Trop gegen die anderen zog Djambek seine Pistole, feuerte einen Schuß in die Luft und ließ einen Freu­denruf aus voller Kehle erschallen.

Jetzt erst bemerkte Thamar, daß er noch immer ihre Hand feſt umschlossen hielt. Sie machte sich errötend frei und lenkte ihre Schritte dem Abhang hinab, um sich den anderen anzuschließen.

Das sind mir saubere Geschichten!" sagte Cherif- Pascha, den Hügel herauffeuchend und gegen Djambek den Finger er­hebend, Raub, Entführung." Er brach plötzlich in ein be­häbiges Lachen aus. Na, ich muß wohl ein Auge zudrücken und glauben, das Ganze sei von unserem Gastgeber uns z18 Ehren veranstaltet worden, um uns auch einmal ein solches Schauspiel vor Augen zu führen. Aber, bei Gott, wäre der freche Bursche erwischt worden, ich hätte ihm doch tüchtig den Tert gelesen und einen Monat Arrest diftiert!"

Das wohl kaum," versezte Djambek lächelnd. ,, Das wohl kaum," versetzte Djambek lächelnd. Kaum? Ich sage dir, ich hätte mit Bestimmtheit ein Erempel statuiert."

Wenn man ihn lebend zurückgebracht hätte." Das wäre nicht übel, wenn man jemand um so einer Dummheit willen töten wollte!"

"

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Also, wenn es jemand wagte beispielsweise deine Nichte ( Fortsetzung folgt.)

Gut ist's, daß der Himmel immex Dir verschiebt die Wunschgewähr, Denn beglückt, du wärst es nimmer Und du hofftest es nicht mehr.

Kriminaljuftig gegen Tiere.

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Historische Plauderei von Dr. Ben no Mylius. ( Schluß.). ( Nachdruck verboten.)) Außer mit Zivilprozessen wurde gegen Tiere, namentlich gegen schädliche, auch mit kirchlichen Strafmitteln einge­schritten. Die Heuschreckenschwärme, welche Italien heim. suchten, sahen sich mit dem großen Kirchenbann belegt. Als im Jahre 1479 die Diözese des Bischofs von Lausanne, von welcher der Kanton Bern einen Teil ausmachte, von Würmern und Engerlingen heimgesucht wurde und an Garten- und Feldfrüchten empfindlichen Schaden erlitt, wurden die Uebel. täter auf Befehl des Bischofs von Lausanne dreimal von der Kanzel herab zitiert: bei Kraft und Gehorsamlichkeit der heiligen Kirche, den sechsten Tag darauf, nachmittags, so es zur Glocke eins schlägt, gen Wiflisburg zu erscheinen, selbst oder durch Fürsprache". Hierauf kniete die Gemeinde nieder und betete drei Paternoster und ebensoviele Ave Maria zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit, welche Hilfe gegen die ab­scheulichen Engerlinge gewähren sollte. Da die Würmer den Termin versäumten, so wurde ihnen ein Verteidiger bewilligt, und zwar in der Person eines furz vorher verstorbenen Ad­vokaten namens Perrodet, welcher den Ruf eines Rabulisten hinterlassen hatte. Die Engerlinge verloren den Prozeß und wurden feierlich im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes und Gottes des heiligen Geistes erkommuniziert und verurteilt, aus der Diözese Lausanne zu weichen. Das Urteil war, nach damaligem Brauch, lateinisch abgefaßt, und so ist auch erklärlich, warum die Engerlinge der Ausweisung keine Folge leisteten; denn man kann doch unmöglich von ihnen verlangen, daß ihnen die Sprache Ciceros geläufig sein sollte. Uebrigens hat Frankreich zu Troyes ein ähnliches Beispiel gehabt. Dort wurden im Jahre 1516 die Raupen vermahnt, sich binnen sechs Tagen wegzubegeben, widrigen­falls sie erkommuniziert werden sollten."

Der Leser lächelt gewiß über ein solches Vorgehen gegen Tiere; indes finden die geistlichen Strafmittel gegen Un­geziefer ihre Erklärung, wenn man sich vergegenwärtigt, wem das schädliche Getier nach der Annahme jenes Zeitalters sein Entstehen verdankt, nämlich dem Satan selbst. Diesem stand nicht nur die Macht zu Gebote, Menschen in Tiere, zu verwandeln, sondern es war auch herrschender Glaube, daß mit seiner Hilfe allerlei Ungeziefer hervorgebracht werden könne. Und wenn den angeklagten teufelsbündlerischen Tieren ein Verteidiger beigegeben ward, so wiederholte sich darin nur, was dem Schöpfer derselben, Satan, selbst schon zu gestanden war, der in dem sogenannten Teufels- Prozeß", der beliebtesten Form prozessualischer Lehrbücher jener Zeit, durch einen eigenen Rechtsanwalt( advocatus diaboli) als Partei auftritt.

Beispiele von Tierverurteilungen finden sich in Deutsch­land wohl in allen Ortschroniken; man muß dabei nicht immer an einen förmlichen Prozeß denken. Das Verfahren des Einzelrichters war früher häufig ein summarisches. Auch die Sage kennt Tierverurteilungen. In Westerstede( Olden­burg) erzählt man von dem alten hartherzigen Rat Witken us der dänischen Zeit, daß er einen stößigen Stier, der ein Kind getötet hatte, zum Hungertode verurteilt habe. Das Tier wurde in Ketten gelegt und erhielt keine Nahrung mehr. Selbst sein Brüllen rührte den Richter nicht, und der Stier mußte Hungers sterben.

Und wie die Bestimmungen des deutschen Rechts bezüg­lich der Tiere nach und nach, wie wir oben sahen, humo ristische Färbung annahmen, so bemächtigte sich, zugleich unter dem Einflusse der Tierfabel, der deutsche Volksscherz des dankbaren Stoffes. Die Tierverurteilung durch weise und erleuchtete Richter spielt in den Schildbürgerstreichen und Ortsneckereien eine große Rolle. Als die Maulwürfe einst großen Schaden anrichteten, ließen die Conzer einige der Uebeltäter einfangen, welche, auf Beschluß des hochwohl­weisen Rats, zum abschreckenden Beispiel lebendig begraben wurden. Ein andermal war eine Ziege in einen Weinberg eingebrochen und hatte eine ziemliche Portion Trauben ver­

zehrt. Die Richter sannen hin und her, wie sie das nasch­hafte Tier exemplarisch strafen und dem Eigentümer gleich­zeitig zu seinem verlorenen Traubensafte helfen könnten. Endlich fand ein geistreicher Kopf das Richtige, und auf seinen Antrag hin wurde die Ziege gefeltert. Wunderbar dabei war nur, daß der gekelterte Most Rotwein wurde, obschon die Ziege weiße Trauben gefressen hatte.

Doch die Conzer sind nicht die einzigen, die unparteiisch das Recht wiesen und des Richteramtes mit Weisheit warteten. Die ehrsamen Schildbürger selbst waren ihnen darin mit bestem Beispiel vorangegangen. Bekanntlich hielten sie ein­mal einen Krebs, der sich in ihr Dorf verirrt hatte, für einen Schneider, weil er zwei Scheren bei sich hatte. Sie legten ihn deshalb auf ein Stück Tuch und schnitten mit der Schere immer hinter ihm her, als er über das Tuch hinkroch, weil ste meinten, er wolle ihnen das Muster vorzeichnen. Sie schnitten aber so lange, daß zuletzt von dem Tuche nur noch Feßen übrig blieben. Als einer nun im Zorn den Krebs angreifen wollte, packte ihn dieser mit der Schere so fest, daß er vor Schmerz anfing, um Hilfe zu rufen und zu schreien: Er ist ein Mörder!" Da wurde sogleich hochnotpeinliches Halsgericht über den Uebeltäter gehalten, und das Urteil erging dahin, daß der mutmaßliche Schneider als ein leute­betrügendes und schädliches Tier mit dem Wasser gerichtet werden solle. Sofort schritt man zur Ausführung des Ur­teils, und als der arme Sünder ins Wasser fam, zappelte und hinter sich kroch, da fingen etliche unter den Bauern an u weinen, und einer sprach: Nun sollt einer wohl fromni sein; schaut doch, wie tut der Tod so weh."

Die Weisheit der Schildbürger wurde jedoch von der der Fockbecker womöglich noch überboten. Ein Fockbecker hatte in Rendsburg gesalzene Heringe gekauft. Nach Hause ge­kommen, lud er seine Nachbarn zu Gast, und alle fanden das Gericht sehr schmackhaft. Allgemein wurde der Wunsch laut, selbst solche Fische zu besitzen. Der Weiseste unter ihnen rückte endlich mit dem Vorschlag heraus, einen ganzen Korb voll Heringe aus der Stadt zu holen und den Dorf­teich damit zu besezen, wo sie sich dann vermehren würden. Das war den Fockbeckern einleuchtend, und sie gingen nach Rendsburg, kauften einen Korb voll Heringe und verfuhren mit denselben nach dem Nate ihres Weisen. Im nächsten Herbst wurde ein großes Netz angeschafft, um den Teich zu fischen; aber einer, der auch nicht auf den Kopf gefallen war, meinte, das einfachste sei doch, das Wasser abzulassen. und alle nickten ihm Beifall zu, und die Schüßen wurden ge­zogen und das Wasser lief ab. Allein wie sehr wunderten sich die Fockbecker, als kein Hering zu sehen war; nur ein dicker Aal wälzte sich im Schlamme. Alle waren darüber einig, daß nur der Aal die Heringe gefressen haben könne, und so wurde er in Haft genommen und über ihn Gericht gehalten. Des schmerzhaftesten Todes sollte er sterben. Einer, der sich einmal verbrannt hatte, schlug vor, ihn dem Scheiterhaufen zu übergeben. Ein anderer jedoch, der eines Tages ins Wasser gefallen war und beinahe ertrunken wäre, sprach seine Meinung dahin aus, daß der Aal im Dorfbache ertränkt werden sollte. Dieser Meinung stimmte denn auch die Mehrzahl bei. Der Bauervogt trug den Delinquenten in einem Korbe an den Bach und die Exekution wurde voll­streckt. Als nun der dem Wasser übergebene Aal sich lustig in demselben nach rechts und links wand, sagte der Weise, der den Wassertod in Vorschlag gebracht hatte: Seht, wie er sich quält!" Da gingen die Fockbecker, ganz glücklich über die ausgeführte Rache, nach Hause.

Diese Tierverurteilungen sind eben nichts anderes als Schildbürgerstreiche. Unwillkürlich aber wird man an sie erinnert, wenn man erfährt, was sich im September 1871 in einem ungarischen Dorfe ereignete. Dort hatte eine Frau eine brennende Talgferze in der Stube stehen lassen, eine Kaze benutzte die Gelegenheit und stahl die Kerze, mit der sie auf den Boden flüchtete, um sie dort zu verzehren. Das auf dem Boden aufgehäufte Stroh wurde durch das Licht in Brand gesteckt, doch das Feuer noch rechtzeitig bemerkt und erstickt. Aber nicht ungestraft sollte Sinz seinem Diebsgelüfte gefolgt sein: der ergriffene vierfüßige Brandstifter wurde sofort vor ein Lynchgericht gestellt und zur Strafe für seine Bosheit- ertränkt. Gewiß ein merkwürdiges Beispiel einer Tierverurteilung aus neuester Zeit und zugleich ein Seitenstück zu dem Eingangs mitgeteilten Halle, in welchem englische Geschworene das Schuldig über einen Kampfhahn sprachen. Ein weiterer Beleg noch füngeren Datums ist mir nicht bekannt.

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