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erst bedenken," meinte Ottokar aufstehend. Mit einem fühlen Händedruck nahm er Abschied, die Anwesenheit des Offiziers schien ihm die Laune verdorben zu haben.

Er hatte seine Wohnung bald erreicht; vor einem kleinen hübschen Hause, vor dem ein Gärtchen lag, blieb er stehen; hier wohnte er mit seinem Vater, dem Hofrat Kurt v. Weis­

weiler.

Er holte den Hausschlüssel aus der Tasche und öffnete leise die Tür, ein schwacher Lichtschimmer im Hausflur verriet ihm, daß seine Heimkehr erwartet wurde, was selten geschah.

Er hatte die Tür noch nicht wieder geschlossen, als eine andere Tür geöffnet wurde, in deren hellen Rahmen ein Kleiner, hagerer Herr erschien, der eine goldgestickte Uniform und an der Seite einen zierlichen Paradedegen trug.

Eine blütenweiße Binde, deren gestickte Zipfel auf die Brust hinabfielen, bekleidete den Hals, das kahle Haupt be­deckte eine zierlich frisierte Perrücke, deren tiefschwarze Farbe das bartlose, faltenreiche Gesicht noch älter erscheinen ließ. In der schmalen, mageren Hand trug der Hofrat eine goldene Tabaksdoſe, auf dem Tisch stand eine Weinflasche nebst einigen Gläsern.

Ich bin soeben nach Hause gekommen, Ottokar," sagte der alte Herr, als sein Sohn in das hochelegant ausgestattete Wohnzimmer eingetreten war, unter allen Umständen würde ich auf deine Heimkehr gewartet haben, denn ich habe wichtige Dinge mit dir zu besprechen."

Er legte seinen Degen auf den Tisch und vertauschte die Uniform mit einem seidenen Schlafrock, den er aus dem Nebenzimmer holte, dann füllte er zwei Gläser mit Rotwein. Ottokar hatte es sich unterdessen in einem Sessel bequem gemacht und eine Zigarre angezündet; erwartungsvoll ruhte sein Blick auf dem Vater.

Wichtige Dinge?" fragte er, und es lag ein ironischer Klang in dem Tone, den er anschlug." Du hattest eine Unterredung mit dem Fürsten, dabei soll auch die Rede von mir gewesen sein"

Woher weißt du das?" unterbrach ihn der Hofrat, wäh rend er ihn durch einen Wink zum Trinken aufforderte. Ich traf vorhin den Adjutanten ,, Baron v. Bodenlauben?"

Ob er Baron ist, weiß ich nicht, aber daß er ein seichter Schwäger ist, will ich gerne unterschreiben."

,, Hm, ich möchte dir doch raten, mit der Hofpartei etwas glimpflicher zu verfahren," sagte der alte Herr ernst, mit dem Zeigefinger auf den Deckel seiner Dose klopfend, wir dürfen es mit den Leuten nicht verderben.- Es ist so," fuhr er fort, als sein Sohn eine unwillige Bewegung machte, und ich will dir auch sagen, warum. Wenn du glaubst, wir seien reiche Leute, so bedaure ich, diesen Glauben dir rauben zu müssen. Mein Einkommen ist niemals bedeutend geweſen, mir wurde keine Gelegenheit zu guten Geschäften geboten, wie so manchem meiner Kollegen, und daß Durchlaucht eher geizig als freigebig ist, wirst du auch wissen. Gleichwohl mußte die Stellung gewahrt, auch der Glaube an unser Ver­mögen erhalten werden, und von den Schulden, die ich in­folgedessen machen mußte, darf der Fürst nichts erfahren, wenn ich mich nicht der Gefahr aussehen will, in Ungnade zu fallen. Und wenn dieser Fall einträte, was dann? Kannst du mit deiner Kunſt uns beide ernähren? Nicht einmal dich ſelbſt. Du hast Talent, aber nur für das Porträtfach, und dieses ist nur dann lohnend, wenn man Aufträge hat. Als Hofmaler würdest du gesucht sein, anders aber gestaltet sich die Sache, wenn dein Vater in Ungnade gefallen ist. Die Salons unserer vornehmen und reichen Familien würden dir verſchloſſen ſein, mit einem in Ungnade Gefallenen zu ver­kehren, ist in einer kleinen Residenz immer gefährlich. Du müßteſt dieſe Stadt verlassen, und ob du in der Fremde ein berühmter Maler wirst, ist schwer zu beantworten, ich möchte es bezweifeln. So liegen die Dinge."

Ottokar hatte die Lippen aufeinander gepreßt, ein herber Bug umzudte seine Mundwinkel. Er hatte bisher immer an den Reichtum seines Vaters geglaubt, er war in dieſem Glauben erzogen worden, und nun sah er sich plötzlich vor einem Abgrunde, vor dem ihm schauderte. Bugleich aber bäumte auch der Stolz in seinem Inneren sich auf.

Weshalb hast du das alles mir nicht früher schon ge­fagt?" fragte er. Ich kann dir den Vorwurf nicht ersparen, daß du dazu verpflichtet gewesen wäreſt."

Und weshalb hätte ich es tun sollen?" sagte der Hofrat, der mit der Dose in der Hand auf dem weichen Teppich auf und nieder wanderte.

Ich würde fleißiger gelernt und ernster in die

geschaut haben."

Zukunft

Ah bah, das sind Redensarten! Ernst und Fleiß haben niemals in dir gesteckt, die Not wird sie auch nicht in dich hineinbringen. Du gehört zu den Naturen, denen unser Herrgott den Tisch decken muß, wenn sie satt werden sollen, und dafür habe ich nun gesorgt."

" Galt diesem Zweck deine Unterredung mit dem Fürsten?" fragte Ottokar, die erloschene Zigarre wieder anzündend.

Der Hofrat blieb stehen und nahm eine Prise, dann schleuderte er mit Daumen und Zeigefinger die verstreuten Tabakkörnchen von den Schleifen seiner Halsbinde.

Jawohl," antwortete er, nur diesem Zweck, und es bereitet mir große Genugtuung, dir sagen zu dürfen, daß Durchlaucht sehr gnädig waren. Er brachte die Rede auf das Bild des Fräuleins Sabine v. Derendorf, das du augen­blicklich malſt. Durchlaucht haben die Dame heute mit ihrem Besuch zu beehren geruht und sich sehr lobend über das allerdings noch unfertige Bild geäußert. Vertraulich wurde mir alsdann mitgeteilt, daß Herr Joachim Spangenberg das Original in sein Haus heimzuführen gedenke

Das hat der Fürst selbst dir gesagt?" rief Ottokar, aus seinem Sinnen auffahrend.

Ich genieße das Vertrauen Seiner Durchlaucht und er­warte von deiner Ehre, daß du dieses Vertrauen nicht miß­brauchen wirst. Der Fürst billigt den Wunsch Spangen­bergs, und Fräulein v. Derendorf wird nicht so töricht sein, sich diesem Wunsch zu widerseßen und die Gunst Seiner Durchlaucht zu verscherzen. Sie würde sich dadurch bei Hofe unmöglich machen-"

Was kann ihr daran liegen? Sie ist reich-"

Was ihr daran liegen kann? Ihr, der jungen, lebens­lustigen Dame? Das einsame Leben auf ihrem Gute würde ihr bald zur Hölle werden, man entsagt in ihrem Alter nicht gerne den Freuden der Welt."

Wenn ein geliebter Gatte jenes einsame Leben mit ihr teilt, so wird es nicht zur Hölle, sondern zum Paradieſe, erwiderte Ottokar, mit zitternder Hand nach dem Weinglase greifend. Eine Gefangene wäre sie ja dann auch nicht, sie könnte mit ihrem Gemahl die Welt durchreiſen und in einer großen Residenz sich niederlassen, wo sie mit offenen Armen aufgenommen würde."

Der Blick des Hofrats ruhte lauernd auf dem Sohne, rastlos drehte der alte Herr die Dose in seinen Händen.

Du hegst doch nicht die Absicht, selbst dieser Gemahl wer­den zu wollen?" fragte er sarkaſtiſch.

,, Und wenn es der Fall wäre?"

" Dann würde ich dir mit aller Entschiedenheit davon ab­raten. Oder hast du das Jawort schon in der Tasche? ,, Nein, aber-"

Dann wirst du es auch nie erhalten.

Hat Fräulein v. Derendorf dir das gesagt?"

Sie nicht, aber Frau v. Gagern, die deine Wünsche schon zu kennen scheint. Entsage also dieser törichten Hoffnung und Sabine von höre lieber, was ich dir vorschlagen möchte. Derendorf wird unbedingt die Gattin Spangenbergs, er soll am Tage seiner Verlobung geadelt werden, damit fällt die letzte Schranke, die dieser Verbindung noch entgegen­stehen könnte. Joachim Spangenberg beſizt nun aus erſter Che noch eine Tochter, die du kennst, Irma Spangenberg ist ja die Königin aller Bälle und Feste. Deiner Verlobung mit dieser Dame würde Spangenberg gerne ſeine Zuſtim­mung geben, und Durchlaucht, der sich lebhaft für diese Ver­bindung interessiert, hat mir versprochen, dich am Hochzeits­tag zu seinem Hofmaler zu ernennen."

Ottokar schleuderte die abermals erloschene Zigarre in die Ecke und lachte; es war ein heiseres, höhnisches Rachen, das dem Zorn Luft machte, der in seinem Inneren tobte.

Der Hofrat wanderte ruhig auf und ab, nur die Furche zwischen seinen Brauen bekundete den Aerger, den ihm dieses Lachen bereitete.

Daß Fräulein Irma v. Spangenberg dir eine reiche Hochzeitsgabe mitbringen wird, unterliegt wohl keinem weifel," nahm der alte Herr wieder das Wort, ihr Vater ist ein sehr reicher Herr, und die Ausfertigung des Ehever. trages darfst du mir, dem alten Praktiker, getrost überlassen, ich werde deinen Vorteil schon zu wahren wissen. Als fürst­licher Hofmaler könntest du möglicherweise hier eine Maler­schule gründen, und die Aufträge müßten dir ins Haus hin­( Fortsetzung folgt.). einregnen."

Aberglaube in der Kinderstube.

Skizze von Dr. H. Peters. Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen, Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, drum Doch seine Macht nicht über uns. Es sind Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten. ( Lessing.) Kaum zu irgend einer Zeit sind die Verfehlungen gegen die Gesundheit des Menschen von solcher Tragweite, wie in den frühesten Kindheitstagen, da unser Körper noch für alle Eindrücke so überaus empfänglich und widerstands­unfähig ist. Gleichwohl wird gerade in der Kindheit am meisten gegen Köper und Seele gesündigt durch den schier unausrottbaren Aberglauben der Eltern hinsichtlich dessen, was dem Kinde frommt oder schadet. Wenn Ploß recht hat: Die Völker, die sich solcher Mittel noch immer mit Ver­trauen bedienen, stehen in therapeutischer Hinsicht auf der felben Kulturstufe wie die Urvölker mit ihrer primitivsten Heilkunde," so hätten wir alle Ursache, uns zu schämen; denn gerade in der deutschen Kinderstube blüht der Aberglaube wie sonst nirgends; er ist gewissermaßen Tradition, eine Tradition, die in uralten heidnischen Vorstellungen_wur­zelt. Schon bei der Geburt ist das Kind gleichsam seines Glückes Schmied. Denn für sein fünftiges Los ist nichts on größerer Bedeutung als die Glückshaube" oder Waſſer haube", mit der es geboren wird. Vor allem ist solch ein Glückspilz gegen das Ertrinken gefeit. Dickens schildert in seinem David Copperfield" eine höchst ergötzliche Lotterie der Glückshaube, mit der der Held geboren war." Soviel ich mich erinnern kann, gewann die Haube eine alte Dame mit einem Handkörbchen, die das feſtgeſetzte Geld in lauter Dreierstücken sehr zögernd hervorholte. Eine Tatsache, der man sich noch lange in jener Gegend erinnern wird, ist, daß sie nicht ertrank, sonder hochbetagt und selig in ihrem Bette verblich. Bis zu ihrem letzten Atemzuge war sie besonders darauf stolz, daß sie nie in ihrem ganzen Leben auf dem Wasser gewesen, außer wenn sie über eine Brücke ging, und ſie konnte sich gar nicht genug über die Seeleute entrüſten, die sich auf dem Meer herumtreiben." Aber noch bis zum heutigen Tage werden in den Times" Glückshauben zu hohem Preise von Seeleuten öffentlich gesucht und ange­boten! In Hessen kommt der Besitzer einer Glückshaube von Militärdienst frei, und überall hat er Glück bei den Damen. Auch Kinder mit zwei Haarwirbeln auf dem Kopse sind Glückskinder; sie finden später viel oder- er trinken.( Thüringen.) Die Aermſten aber, die mit langen Haaren oder einer bläulichen Ader auf der Stirn geboren werden, werden sehr bald wieder aus dem irdischen Jammer­tale abberufen. Der Märker setzt den Knaben vor dem erſten Bade aufs Pferd, das Mädchen muß buttern. Bräuche, die für die künftige Tüchtigkeit des Erdenbürgers von größter Bedeutung sind. Sehr zu achten hat man darauf, daß das Kind nicht von Uebelwollneden beschrieen" oder gar mit dem bösen Blick" bedacht wird. Zwar kennt man allerhand prophylaktische Mittel dagegen; es empfiehlt sich z. B. eine Schere oder ein Messer, auch ein blauwollenes Bändchen ins Bett zu legen oder dem Kinde einen roten Jaden um das rechte Handgelenk zu binden. Iſt das Kind beschrieen, so verrät ſauerer oder salziger Stirnſchweiß dies. Ganz sicher aber erfährt man das Unheil, wenn eine alte Frau früh morgens, ohne jemand zu grüßen, drei Kohlen in einen Brunnen wirft. Sinken dieſe unter, so ist das Kind zweifel­los beschrieen. Als Heilmittel hilft während des Be­schreiens ein dreimaliges Klopfen unter dem Tisch( unbe­rufen und-beschrieen") oder Ausspeien. Noch besser ist es, wenn man das Kind mit dem Wasser der Kohlenprobe be­sprengt und dabei spricht:

Bistu eine Maid,

Fall's auf Deine Haid( Haupt), Bistu ein Knecht,

Geschieht Dir recht.-

Ein neugeborenes Kind darf nicht gemessen und ge­wogen werden sonst bleibt es mager und wächst nicht mehr. Es sei denn, daß man es barhaupt im Mairegen spielen läßt. Sehr wichtig ist das erste Bad. Wird das Kind am Mitt­woch gebadet, so muß es sterben. Gießt man das Badewasser bei Sonnenschein vor die Tür, bekommt das Kind Sommer­sprossen. Freilich hilft dagegen Osterwasser", von einer reinen Jungfrau am Ostersonntag vor Sonnenaufgang und

ohne ein Wort zu sprechen aus dem Fluß geschöpft.- Vor der Geburt des Kindes für die Wiege sorgen, heißt es dem sicheren Tode überliefern. Dieses Fatum ereilt es auch, wenn jemand die leere Wiege schaukelt. Auf Rügen raubt man dem Kinde damit aber nur den Schlaf. Wird im ersten Lebensjahre das Stroh der Wiege aufgeschüttet oder das Kinderbett aufgedeckt, so verschüttet oder deckt man damit das Grab auf. Wenn das Kind nicht schlafen kann, so war jemond im Zimmer, ohne Piazz genommen zu haben; er hat damit dem Würmchen auch die Ruhe genommen". Im Vogtlande gilt als probates Mittel gegen solche Schlaf­losigkeit der Zimmerkehricht, kreuzweise in die Mitte des Bimmers zusammengefegt und unter das Kopfkissen ge­schüttet.- Gar mancherlei vermag das Wachstum des Kindes zu hemmen. Man darf das Kind nicht sich durch die Beine kriechen lassen oder über das Kind hinwegschreiten. Das Gegenmittel ist zurückkriechen und zurückschreiten. Auch darf man ein Kind niemals aus dem Fenster reichen, ohne es sich zurückreichen zu lassen. Nach brandenburgischem Glauben lernt es sonst überdies stehlen. In Bayern und in der Lausitz wächst das Kind nicht mehr, wenn es mit der Rute gezüchtigt wird. Ein ganzes Buch ließe sich über die aber­gläubischen Gebräuche bei den Krankheiten der Kinder schreiben. Ganz wie die Naturvölker glauben, ist man der Ansicht, daß die meisten Kinderkrankheiten ein Werk böser Dämonen sind, gegen welches das Besprechen am wirkſamſten iſt. Und zwar sind die besten Aerzte hierzu Schäfer, Schmiede, Scharfrichter und Sonntagskinder. Soll die Zauberformel helfen, so muß die Beschwörung unbeschrieben bleiben und bei abnehmendem Mond ausgesprochen werden. Diese Zauber­formeln sind uralt, und ihr germanisch, heidniſcher Urſprung verrät sich oft schon beim ersten Worte. Ein derartiger Bauberspruch, in dem Kaze und Hund eine Rolle spielen, lautet z. B.:

Der Dida und der Doda Und der schwarze Koda Und der schwarze Hund,

Machen's Wehweh wieder gesund.

Um die Abzehrung zu bannen, steckt man die Kinder in Oldenburg durch einen Bündel rohen Garns und gibt ihnen Erbsilber" ein. Dieses merkwürdige Medikament erhält man durch Abschaben von altem, in der Familie vererbten Silbergerät. Reicht man dieſe und die meiſten anderen Arzneien aber dem Kinde auf einer Messerspize, so bekommt das Aermste Magenschmerzen. Gegen englische Krankheit ( Rhachitis) ist es angebracht, das Kind dreimal um die Kirche zu tragen und dabei jedesmal ins Schlüſſelloch zu hauchen. Auch das Durchheben durch einen Baumspalt ist gegen die Krankheit wirksam. Als Arznei verabfolgt der Ostpreuße gepulverten Hahnenmagen in Rotwein. Hat das Kind Schwämmchen, so bindet man ihm in Bayern einen lebenden jungen Frosch über den geöffneten Mund; das Tier ſaugt allen Krankhei stoff auf. Gegen Flechten, Warzen helfen die schwarzen Nacktschnecken, auf die erkrankte Stelle geſetzt. Gegen das schwere Zahnen soll das Kind ein Halsband aus Korallen, Bernstein, Päoniensamen und dergl. tragen oder in einem Beutelchen eingenäht eine Elefantenlaus, die sich jedoch bei näherem Betrachten als eine harmlose Nuß ent­puppt. In Thüringn bewährt sich eine mit den Zähnen ab­gebissene( 1) Maulwurfspfote, in Schwaben ein auf dem­selben unappetitlichen Wege erhaltener Mauskopf noch beſſer. Die Maus spielt in der Zahnheilkunde der Kinderstube über­haupt eine bedeutsame Rolle. In ganz Deutſchland pflegt das Kind den ausgebrochenen Milchzahn über den Kopf hinweg hinter den Ofen zu werfen, wobei es ſpricht:

Mäuslein, da hast du' nen knöchernen Zahn, Gib mir einen stahleisernen dann.

An die Behandlung der Kinderkrankheiten seien ein paar Regeln aus der Pädagogik unserer Kinderstube angeschlossen. Wird ein Kind gefigelt, so lernt es stottern; schlägt man es auf den Mund, so wird es schwer sprechen lernen. Auch der frühzeitige Genuß von Fischfleisch macht Kinder stumm. Früh und gut sprechen lernt das Kind, wenn man ihm vom eigenen Badewasser zu trinken gibt oder ihm nach der Beichte nüchtern in den Mund haucht. Wird dem Kinde gleich nach der Geburt ein Stück beschriebenen Papiers in die Hand gesteckt, so hat es begründete Aussicht, einmal ein Gelehrter zu werden. In der bayerischen Pfalz hilft gegen jenes, be­fanntlich selbst von den Göttern vergebens bekämpftes, nur zu verbreitetes Leiden gekochtes Staarherz. Flickt man aber einmal dem Kinde das Gewand auf dem Körper, so ver­

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