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berflickt man ihm damit unweigerlich den Verstand. Fürchtet ein Kind sich im Dunkeln, so gebe man ihm Heringsaugen zu essen u. s. f. Wir alle stehen, wenn wir aufrichtig sein wollen, im Banne des Aberglaubens unserer Kindertage, und auch über uns hat er seine Macht noch nicht völlig verloren. Er liegt uns genau so, wie noch ein gut Teil anderer germanischer Mythologie im Blute und wird sich in alle Ewigkeit vererben. Trösten wir uns; kein Geringerer als Goethe sagt:" Der Aberglaube ist ein Erbteil energischer, großtätiger, fortschreitender Naturen; der Unglaube Eigentum schwacher, kleingesinnter, auf sich selbst beschränkter Menschen."
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Ursachen enthauptet. Die meisten Leute strafen die Wärterinnen für die Vergehen der Kinder; daher bemühen sich erstere, den Kindern gute Manieren beizubringen, und zwingen sie, die üblichen drei Verneigungen zu machen, so oft sie ihre Mutter sehen. Die vornehmen Perserinnen fümmern sich selbst kaum um ihre Kinder. Das Besitztum wird in Persien gleichmäßig unter die Söhne verteilt; jedes Mädchen bekommt nur einen halben Anteil als ihre Mitgift, von der sie nach ihrer Heirat Kleidung und Lurus bestreitet. Daraus ergibt sich der Unterschied in der Kleidung der Haremsfrauen.
Nr. 38.
Mittwoch, den 17. Februar
1904.
Oberhessische Familienzeitung.
Cägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
and and Bering ber Stopener Berlagsbruderei, vorm. Wilh. Keller'ſche Sudbruderet( gegs. 1788); reset: In 21e
Der Goldmarder.
Original Noman von M. Behold.
Aus einem persischen Harem. Muriel Baddington, eine Engländerin, die sich in Teheran in Abdullah Hussein Khan, einen Vetter des Schah von Persien, verliebte und die durch ihre Heirat mit ihm eine der ,, führenden Damen" in seinem Serail wurde, erzählt im " American" sehr interessant vom Leben in einem persischen Harem. Mein Gatte, schreibt sie, baute mir ein hübsches, englisch aussehendes Haus. Das Klima ist prächtig, und ich ritt häufig aus; aber der persische Schleier, der Augen und Gesicht vollständig bedeckt, raubt einem viel Vergnügen. Das Benehmen der Perser gegen Frauen ist dabei sehr frei; obgleich ein Soldat und vier schwarze Diener uns bewachten, machten wir beim Spazierengehen sehr unangenehme Erfahrungen, so daß wir lieber fuhren oder ritten. Der Schleier gewährt den Perserinnen den Eindruck höchster Lieblichkeit. In Wirklichkeit enttäuschen aber ihre Gesichter, die Figuren sind eckig und ungraziös. Das Ideal der Schönheit in Persien ist, dunkle Augen blaue oder graue Augen sieht man selten und schwarze Augenbrauen zu haben, die auf der Stirn zusammenstoßen. Wenn das Haar natürlich hell ist, muß es im Bade dunkel gefärbt werden. Ein„ Bad" in Persien dauert vom frühen Morgen bis zum späten Abend; das Haar allein wird siebenmal mit Wasser und Seife gewaschen. Persien ist das Land des Anmalens, Puderns, Färbens und der prächtigen Kleider. Ein beliebter Besatz ist eine mehrere Zoll breite Einfassung aus echten Perlen, und die Kissen, auf denen wir lagen, waren mit kostbaren Perlen geschmückt. Für Korsetts sind die Perserinnen indessen nicht. Als ich einer starken Frau einmal ein Korsett anzog und die Schnur zuziehen wollte, wurde sie blau im Gesicht und bat mich, sie von der„ Folter" zu erlösen.
Was die Erziehung persischer Frauen betrifft, so ist es wahr, daß selbst manche Prinzessinnen weder lesen noch schreiben können und das Leben sehr langweilig finden. Sie lauschten stundenlang meinen Erzählungen von dem freien, glücklichen Leben englischer Frauen, und viele von ihnen sehnen sich nach Freiheit und Bildung. Ihre Tänze, Gespräche und Sitten sind sehr wenig erfreulich; ihnen mangelt sehr die schulmäßige Disziplin. Als ich ihnen von der Achtung erzählte, die englischen Frauen von ihren Männern gezollt wird, seufzten sie. Denn diese armen Frauen werden sehr grausam behandelt; wenn ihr Mann zornig ist, so wickelt er ihr Haar so fest um die Arme, daß die Frauen vor Schmerz schreien; für Kleinigkeiten werden sie geschlagen und gedemütigt. Nur reiche und einflußreiche Frauen können sich scheiden lassen und sich dann wieder verheiraten.
Das Haremsleben ist sehr monoton. Berufsmäßige Tänzer werden zur Erheiterung angestellt, aber ihre Tänze und die der Frauen sind nicht einwandfrei. Ein Musikant durfte vor uns spielen; denn er war gänzlich erblindet. Die Haremsfrauen dürfen außer ihrem Gatten nur ihren Großvater und Onkel sehen, weil eine Heirat mit diesen unmöglich ist. Der Schah hat aber das Vorrecht, daß jede Frau in seinem Reich sich vor ihm entschleiern muß und ihm jede gehört, an der er Gefallen findet; er hat 160 Frauen, die ich alle kenne, da ich ständig seinen Harem besuchte. Persische Frauen ordnen ihr Haar in Hunderten von kleinen Flechten an; bei jeder größeren Gelegenheit werden diese aufgeflochten und stehen in einem schrecklichen dicken Gewirr um den Kopf herum. Ich erfreute die Schwester des Schahs und mehrere Fürstinnen, indem ich ihren schwarzen Dienerinnen lehrte, das Haar auf englische Weise zu frisieren. Fast alle Dienerinnen sind arabische Sklavinnen. Die Wärterin meines Sohnes war zum Beispiel eine Araberin, die wir für 320 Mark kauften. Sklaven werden oft wegen geringfügiger
WITZ
C2D
HUMOR
Eine Entschuldigung.„ Aber bestes Fräulein X., wie konnten Sie nur glauben, daß ich in Gesellschaft ausgesprochen hätte, Sie wären dumm! Gerade das Gegenteil, ich war stets der einzigste, der das nicht sagte."
Freundliches Bedenken. Wirt:„ Sie, lassen Sie sich was sagen, sie werden mir von Tag zu Tag mehr schuldig; von morgen an schreibe ich Ihnen nichts mehr auf!"- Gast:„ So? Mir ist das einerlei; aber werden Sie sich denn meine Zeche auch merken können?"
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Mephistos Rache.
Der Charakterspieler und die jugendliche Liebhaberin einer Provinzialbühne hatten sich heftig gezankt. Drei Tage später traten sie sich als Mephisto und Gretchen im" Faust" gegenüber. Eben hatte Magarete den Schrank geöffnet, da fand sie mit einem weit über die Absicht des Dichters hinausgehenden Jubelschrei das verborgene Kästchen. Dasselbe besaß nämlich einen ungewöhnlichen Umfang, weshalb sie darin irgend eine zarte Aufmerksamkeit eines neuen Verehrers vermutete. Höchst natürlich klang daher der Ausruf;„ Es ist wunderbar! Was mag wohl drinnen sein? Ich denke wohl, ich mach' es auf." Auch der folgende Vers: Was ist das? Gott im Himmel! Schau", gab einer großen, aber nicht mehr so freudigen Ueberraschung Ausdruck, denn es lächelte ihr oben auf dem Schmucke nur das Bildnis des Mephisto höhnisch entgegen. Verstimmt schob sie es beiseite. Schon während der letzten Verse aber war aus dem geöffneten Kästchen ein unheimlides Schnurren und Brummen gedrungen, und kaum hatte Gretchen dasselbe vor den Spiegel gestellt und sich zu schmücken angefangen, so ertönte plötzlich die Melodie des:„ D, du lieber Augustin, Augustin, Augustin!" Maßloses Entsetzen ließ die Arme zuerst erstarren. Dann schlug Mephistos Opfer rasch den Deckel des Kastens zu und suchte mit zitternder Stimme den Monolog wieder aufzunehmen, aber umsonst. Unerquicklich quikte die Dose ihren lieben Augustin" dazwischen, und als sie nach einer Pause sogar noch anfing, ,, Mädle, ruck, ruck an meine grüne Seite", da gab's kein Halten mehr. Ein brausendes Gelächter erhob sich vor und hinter der Bühne, der oberste Rang begann die Melodie mitzujohlen, und über das ohnmächtige Gretchen sank langsam der Vorhang hernieder.
Moderne Dienstboten.„ Jette", fragt die Hausfrau ihr Dienstmädchen ,,, hast Du morgen Deinen Sonntag?"- ,,, haben Sie das schon vergessen", lacht Jette, der vorige war mein Sonntag und morgen ist Ihr Sonntag, gnädige Frau!"
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Tuftiges von unseren Kleinen. Lehrer: ,, Wie heißt die Mehrzahl von„ das Kind?" Schüler ( ohne sich zu besinnen):„ Zwillinge!"
Ein kleiner Schlauberger. Herr Schulze ist entrüstet über das Essen, das die neue Köchin auf den Tisch setzt und sagt:„ Das kommt davon, wenn Frauen nichts verstehen. Wozu habe ich geheiratet?"" Papa" läßt sich sein kaum siebenjähriger Sprößling vom unteren Ende des Tisches vernehmen, ich werde nimmer heiraten, ich esse mit meinen Kindern im Restaurant."
Naturgeschichtliches. Vater:" Seid Ihr in der Schule schon über die Insekten unterrrichtet? Weist Du was ein Käfer ist?"- Karlchen: In der Schule nicht, aber was ein Käfer ist, weiß ich; Onkel Leutenant sagte zum Inspektor: die Lina sei ein sehr netter Käfer.
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1. Fortsetzung.
Die beiden Freunde schauten überrascht in das ernſte, treuherzige Antlig, das ein langer schwarzer Vollbart umrahmte, dann reichten sie dem hohen schlanken Manne, der mit ihnen etwa gleichalterig war, die Hand.
,, Mitternacht ist nahe, beſter Doktor," sagte Martin in scherzendem Tone ,,, ein solider Bürger soll um diese Stunde schon in der Klappe liegen
,, Habe auch schon drin gelegen," unterbrach ihn der Doktor ,,, wurde aber vor einer halben Stunde herausgetrommelt. Wie seid ihr zu beneiden, wenn ihr daheim hinter dem waren Ofen sitzt, während ich vom frühen Morgen bis in die späte Nacht durch Wind und Wetter wandern muß und allüberall nur Elend sehe!"
Dafür wirst du dir auch demnächst einen feuerfesten Geldschrank anschaffen können!" ſpottete der Maler etwas boshaft.
Jawohl, wenn die Patienten so freigebig mit ihrem Gelde wären, wie mit ihren Dankesworten!" antwortete der Andere in demselben Tone. Und es sind auch viele unter ihnen, von denen ich die sauer verdienten Groschen um feinen Preis annehmen möchte. Ich stand soeben am Lager eines sterbenden Kindes, das nicht mehr zu retten ist. Die Mutter ist eine arme Wäscherin, der Vater liegt seit drei Monaten auf dem Krankenbette, sechs gesunde Kinder, alle noch zu jung und zu schwach zur Arbeit, wollen ernährt sein, überall in der ärmlichen Wohnung, wohin ich nur blicken mag, Not, Elend und Sorge, glaubst du, mir könne der Lohn Freude machen, den ich aus ſolchen Händen empfange?" ,, Darin gebe ich dir recht!" sagte Martin bewegt. " Nicht alle Aerzte denken so!" warf Ottokar ein. Ich habe welche gekannt, die zu keinem Patienten gingen, wenn ſie nicht vollſtändig sicher waren, ihr Honorar von ihm zu erhalten. Uebrigens gratuliere ich dir zum Leibarzt Seiner Durchlaucht!"
Was soll das nun heißen?" fragte Adolph unwillig. ,, Von dieser Ernennung ist mir noch nichts bekannt."
Es wurde heute Abend an unserem Stammtisch behauptet, dein Onkel würde dafür Sorge tragen." ,, Und wer behauptete das?"
„ Ein Fremder, der Bruder des Kustos Schönbach, der darüber seine boshaften Glossen machte und auf eure Familie weidlich schimpfte."
Der Neid hat immer eine böse Zunge," sagte Adolph Spangenberg ruhig, ich kenne keinen Bruder des Kustos. Er mag ja in mancher Beziehung Recht haben, auch wir Beide, mein Vater und ich, billigen nicht alles, was Onkel Joachim tut."
" Zum Beispiel die Verheiratung deiner Base Anna mit dem Polizeirat Appel!" warf Martin ein.„ Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß die junge Frau sich an der Seite dieses Mannes sehr unglücklich fühlt!"
" Das wird auch schlimmer gemacht, als es in Wirklich feit ist," erwiderte Adolph, aber ich gebe zu, daß Onkel Joachim seine Tochter gezwungen hat, diesen Mann zu
( Nachdruck verboten.)
heiraten, und daß es wohl den Anschein haben kann, als ob er dadurch an Macht gewinnen wollte."
Sie traten in ein Bierhaus, in dem nur noch wenige Gäste sich befanden, die mit Ausnahme eines jungen Husarenoffiziers mit Kartenspielen beschäftigt waven. Der Offizier blickte von seinem Abendessen auf und empfing die Eintretenden mit frohem Gruß, er legte Gabel und Messer hin, um den Freunden die Hand zu drücken. Sie kommen wohl aus einem ästhetischen Klübchen, meine Herren?" lachte er. Dünne Butterbrödchen und eine Tasse Tee! Ja, ja, wir kennen das, es wäre ganz schauderhaft, wenn nicht die freundliche Wirtin dieses Hauses mit solchen Schlachtopfern Erbarmen hätte. Vortrefflicher Gänsebraten, meine Herren, kann ihn empfehlen!"
" Sehr freundlich, aber wir müssen für heute danken," erwiederte Martin, während der Kellner die vollen Biergläser vor die Herren hinstellte, wenigstens ich für meine Person, ich habe genügend zu Nacht gespeist."
Und das wir in feine. ästhetische Gesellschaft gehen, müßten Sie längst wissen, Herr Adjutant," fügte Adolph heiter hinzu, unser Maler vielleicht"
" Danke!" unterbrach ihn Ottokar, der sein Glas bereits auf einen Zug ausgetrunken hatte. Ich bin kein Süßholzraspler, der allen Damen den Kopf verdrehen möchte. In welchem Boudoir sind Sie denn heute Abend gewesen, Herr v. Bodenlauben?"
Der Adjutant klemme sein Monokle in's Auge und fah den Fragenden an, wie wenn er in den Zügen desselben lesen wolle, ob er diese Frage als freundschaftliche Teilnahme oder als verlegenden Hohn auffassen müsse.
,, Seine Durchlaucht hatten Herrenabend," antwortete cr fühl, bedaure, daß Sie noch nicht dazu geladen werden, vielleicht hätten Sie etwas Leben in die Bude gebracht. Ihr Herr Vater war anwesend, hatte eine ziemlich lange Unterredung mit Durchlaucht, es handelte sich, soviel ich vernehmen konnte, um Sie."
Dem Maler stieg das Blut heiß in die Wangen, seine schmale aristokratische Hand drehte mit nervöser Unruhe an den Spizen des Knebelbartes. Ich bedarf keines Vormundes," sagte er barsch,„ werde meinen Weg schon allein finden."
„ Wie war der Fürst gelaunt?" forschte Adolph Spangenberg.
Schlecht, wie immer," antwortete der Adjutant, indem er den leeren Teller zurückschob und die Serviette hinwarf, hatte eine Kleinigkeit im Whist verloren und wurde infolge dessen etwas kurz angebunden. Ich saß wie auf glühenden Kohlen," fuhr er fort, während er den braunen Schnurrbart durch beide Hände gleiten ließ, war im Spiel sein Partner, hatte natürlich auch verloren und mußte mir nun noch Bemerkungen gefallen lassen, die nicht mehr schön waren. Sch hab's bald satt, denke ernstlich daran, mich auf meine Güter zurückzuziehen und meine vielbeneidete Stelle mit Vergnügen einem anderen zu überlassen."
,, Wenn es darauf ankommt, werden Sie sich doch noch


