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Dann ist ja Aussicht, Köberlein, daß Sie nun auch bald vernünftig werden." meinte Stöberer mit dem Kopfe schüt teľnd.
,, Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Ver-stand," fügte Papa Fiebiger hinzu.
Hoff's selbst," gab Köberlein zur Antwort.
Ein wenig Narrheit ist besser als zu viel Weisheit," beschönigte Erich.
Köberlein nickte Beifall.
,, Das sagt Anna, meine Frau, auch. Sie befindet sich, den Umständen nach, wohl. Und von der schlimmsten Narrheit hat sie mich schon kuriert, das ist nämlich die Weiberfeind schaft. Und der Wahrheit die Ehre: sie nicht allein, Herr Stü'rmann, sondern dazu hat auch die gnädige Frau Stü'rmann beigetragen, und jetzt vertrage ich mich sogar ganz gut mit der schlimmsten von allen, mit meiner gnädigen Frau Stiefmutter. Diese war übrigens auch wieder die klügste von uns allen, denn sie hat mich nach Naugard geschickt." Nach einigen Unterbrechungen und scherzhaftem Hin- und Herreden erzählte er weiter.
sch lasse in Naugard Körbe flechten, und auch bemalen, für die bessere Verwertung der Blumen, und ich bin schon öfters drüben gewesen. Da bekomme ich ja auch jedesmal meinen besonderen Leibgefangenen, den Kutscher, zu sehen, der ehemals mit der Frau Morik in der Welt umherfuhrwerkte. Und dieser selbige hat mich bei solchen Gelegenheiten öfters schon zur Frömmigkeit ermahnt und endlich hat er mir sogar gebeichtet, wie es in jener Schreckensnacht da drüben in der Siederei sich zugetragen hat, daß Moriß und nicht Sie, Herr Stü'rmann, dem wilden Robert in die Finger gerieten. Sie waren doch der einzige, der zu der Seitentür, die zu Ihrem Zimmer führte, einen Schlüssel hatte, und der wilde Robert, nachdem sie schon stundenlang vergebens auf Ihre Heimkehr gelauert hatten, stand dicht hinter der Tür im Gange, um Sie dort abzufassen. Als nun aufgeschlossen wurde, konnt' es doch eigentlich kein anderer sein als Sie, Herr Stü'rmann, der da endlich eintrat. Und so hatten die Kerle das auch kalkuliert. Die Zeit drängte nämlich, da sonst der Wächter nach Hause gekommen wäre.
Der wilde Robert griff nur eben zu, und knar war dem. jenigen, der ihm in die Finger fiel, das Genick entzwei. Sie schleiften ihr Opfer den Gang hinauf, warfen ihn auf Ihr Bett und steckten die Laterne an und... da war's Moriz." Gegen seine Gewohnheit ließ Erich sich auf diese Auseinandersetzung ein.
,, Das ist das unbegreifliche Wunder, lieber Köberlein," sagte er. Ich schloß ganz ruhig auf. Plötzlich war mir's, als schliche jemand hinter mir, ich springe zur Seite, in demselben Momente fliegt aber auch schon die Tür hinter mir zu, und das Verderben hatte den Heranschleichenden ereilt, ehe ich mich noch besinnen konnte, was ich denn eigentlich gehört hatte."
Das erklärt sich folgendermaßen denn auch die Zofe hat, aus Haß gegen den Kutscher, ihre Aussage zu Protokoll gegeben," so fuhr Köberlein fort.„ An jenem Abend nämlich war Moritz bei seiner Mutter gewesen und hatte aus ihren wirren Reden sich soviel zusammengereimt, daß er ungefähr mußte, was diese Bösewichter übles hatten anstiften wollen. Er lief entsetzt hinweg, weil er fürchtete, man würde ihn für den Urheber der Sache halten."
Ja wohl!" rief Stöberer dazwischen ,,, das wäre auch geschehen."
Diese Befürchtung also führte ihn an die Tür der Siederei," erklärte Papa Fiebiger zu Erich gewendet.„ Er sah oder hörte dich kommen und hat dich vermutlich warnen ivollen, oder er hat dich herausklopfen wollen. Genug, der Bufall führte ihn gerade in dem Momente..."
Das ist kein Zufall!" rief Stöberer, nicht ohne zornige Erregung, ich habe Moriz gründlich kennen lernen. Er ipekulierte ja geradezu auf Herrn Staudius' Tod. Er mag eine Anwandlung von Schwäche gehabt haben, hatte sich das aber nachher ganz gewiß besser überlegt und sich gedacht: daß es geschehe; du hast ja nichts damit zu tun, bu gewinnst durch diesen Tod ein Vermögen. Er lauerte ohne Zweifel neben der Tür und wollte lauschen, wie die Sachen sich begeben würden, um dann, aber erst wenn es su spät sein würde, vielleicht Lärm zu schlagen. Ich kannte ihn besser, Herr Justizrat."
Sie fällen ein hartes Urteil, lieber Stöberer," fagte Erich betrübt
,, Besser hart als heuchlerisch," erwiderte der Malefiziarius errötend ,,, übrigens kommt's auf eins heraus." „ Da es, der Aussage der Zofe zufolge, nur die Furcht gewesen ist, daß Herr Stöberer gegen ihn als Ankläger auftreten könnte, welche Moritz gegen das Komplott stimmte, so ist das allerdings richtig," fügte der Justizrat hinzu.„ Ein Gottesgericht hätte er daraufhin nicht wagen dürfen."
,, Daß es kein Zufall gewesen wäre, behauptet der Kutscher auch. Er nennt es eine Fügung," erklärte Köberlein.
Es fügt sich alles unsern guten und bösen Trieben gemäß," schloß Papa Fiebiger. Und nun, lieber Köberlein, zu etwas anderem."
Erich nickte Beifall und wandte sich an den Gärtner. ,, Wer von uns darf bei Ihrem Kleinen Erstling Pate stehen? Keiner will dem andern den Vortritt lassen."
Köberlein fraute sich hinterm Ohr und sah verlegen von einem zum andern.
„ Es ist eine kleine Sie," ruminierte er ,,, und da hat meine Frau ihren eigenen Willen. Sie möchte sich die Freiheit nehmen, de gnädige Frau Staudius zu bitten, es uns nicht verübeln zu wollen, wenn wir das kleine Mädchen Fränzy taufen, ganz ebenso wie diese Rose," er deutete auf einen wohlgepflegten Rosenstrauch in seiner Nähe das ist nämlich eine Rose ganz eigener Zucht, und die werde ich auf die Provinzial- Gartenbauausstellung schicken und ebenfalls Franziska nennen."
Erich nahm den Hut ab und schloß mit ergebener Miene: ,, Gott lasse sie blühen und gedeihen, Ihre Rose, Ihr kleines Mädchen und die edle Frau, nach der sie beide getauft worden."
Waldidylle.
Der Mond bestrahlt den dunklen See, Es schimmern die Wasserrosen,
Du lehnst an mir, du schlankes Reh, Jm traulichen Küssen und Kosen.
Es glänzen die Wellen, so zaub'risch erhellt, Und raunen manch Märchen sich zu: Ich weiß, daß auf der ganzen Welt Mich keine liebt wie du.
Leis schauernd rauschen Busch und Baum, Wie still und schön die Nacht!
Es liegt ein duftig holder Traum Ob dieser Waldespracht;
Wie deine Hand die meine hält, Da find' ich süße Ruh';
Ich weiß, daß auf der ganzen Welt Mich keine liebt wie du.
Es singt die Nachtigall ein Lied Von Liebesseligkeit,
Ein Gotteshauch die Luft durchzieht, Es wird das Herz so weit. Was mir den schweren Tag vergällt, Verschwindet hier im Nu:
Ich weiß, daß auf der ganzen Welt Mich keine liebt wie du.
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Gute Gedanken.
Wer in der Welt keinen Platz findet, der flüchte in fein Becs.
Den Unglücklichen verurteilen die Menschen, dami: fe cund haben, ihm ferne zu bleiben.
Tausend Augen hat die Nacht, Eins nur gibt dem Tage Licht; Doch erlischt der Welten Bracht, Wenn der Sonne Glanz gebricht. Tausend Augen hat der Geist, Gins nur hat das Herz dabei; Doch ein ganzes Leben reißt Mit der Liebe Tod entzwei.
Schweigen und Nichtsprechen sind zweierlei: Schweigen t Deb heit, Nichtsprechen Gutmütigkeit.
Hell Gesicht bei bösen Dingen, Und bei frohen still und ernst Und gar viel wirst du vollbringen, Wenn du dies beizeiten lernst.
Hüttenjagd.
Skizze von Mar Thielert.. ( Nachdruck verboten.) Weit hinten am blauen Himmel erschien ein Punkt. Aber während das scharfe Auge des Jägers in der Hütte vergeblich die Art des Raubvogels, der sich mit großer Geschwindigkeit heranbewegte, festzustellen versuchte, hatte das des Uhus, das mit so unglaublicher Genauigkeit wie eine Kamera auf nahe und ferne Gegenstände eingeſtellt wird, längst den gefährlichen Feind erkannt. Und augenblicklich warf er sich von der mit Schaffell beschlagenen Krücke, auf welche ihn die Liſt des Weidmannes setzt, um durch sein fast allen Raubvögeln verhaßtes Aeußere sie heranzulocken und vor seine Büchse zu bringen und reckte die Dolchfänge, welche in der Freiheit mit so fürchterlichem Griff auf den lautlosen nächtlichen Streifzügen dem harmlosen Hasen durch den Rücken dringen oder die geschwäßige Elſter im Neſt oder eine kleinere Eule fassen, dem heranbrausenden Gegner entgegen. Nur wenige unter den Königen und Fürsten der Lüfte ehrt der Uhu auf diese Weise, die großen Adlerarten oder die elegantesten Flieger, die Milane, welche mit einem Flügelschlage über Berge und Täler dahinzugleiten scheinen.
Der Jäger in der Hütte starrte mit angehaltenem Atem auf das Schauspiel. Regungslos lag die Flinte im Anschlag, eine einzige kleine Bewegung konnte im letzten Augenblick dem unglaublich schnellen Raubvogelauge verdächtig er scheinen. Und so rasch, wie ein Gedanke fliegt, schwenkt der Räuber herum und ist verschwunden, ehe der Finger den Drücker berührt hat.
Mit angelegten Flügeln kam das Tier herunter, wie befinnungslos vor Wut. Und fast schien es, als würden sich nun die beiden riesigen Vögel packen und es würde ein furchtbarer Kampf der zwei Gewaltigen anheben, von dem niemand weiß, wie er enden wird und in dem der Jäger nicht zu schießen wagt, weil er ebenso leicht den treuen Gefährten verlezen könnte.
Aber im letzten Augenblick mußte der Fremde die Anwesen heit seines todbringenden Feindes in der Hütte bemerkt haben, jäh versuchte er sich wieder zu erheben.
Es war zu spät. Sei es, daß die Gewalt des Sturzes zu groß gewesen war oder, daß die Fänge des Uhus ihn doch schon etwas gefaßt hatten und ihn am schnellen Auffliegen verhin derten, er kam nur wenige Meter weit. Schon donnerte ein Schuß über die Berghalde hin, man hörte die Schrote gegen die harten Federn schlagen und als der Vogel wie müde sich in der Luft auf die Seite legte und dem Schützen die volle untere Fläche bot, krachte ein zweiter.
Da kam er ganz herunter. Aber anstatt auf den Boden zu sinken, erhob er sich fast augenblicklich wieder und stand, indem er im Todeskampfe die Fänge in das weiche Moos schlug. Und wie der Jäger mit staunenden Augen herüber sah, erkannte er in ihm den König der Lüfte, den Stein- oder Goldadler.
Von dem heimatlichen Felsenhorst vertrieben, war er auf seinen Frrfahrten nach einem neuen Reich in das ebene Land verschlagen worden. Jugendliches Feuer und überströmender Kampfesmut und Unerfahrenheit hatten ihn in das Verderben geführt, den Listen der treulosen Laurer war er noch nicht gewachsen.
Eilig lud der Jäger die Doppelflinte wieder und näherte sich vorsichtig seiner Beute, jeden Augenblick bereit, noch einmal zu feuern. Aber wollte er das Federkleid nicht ohne Not und nicht allzu sehr zerschießen oder bewegte ihn die Art dieses föniglichen Sterbens, genug, er stand auf einmal wie in Andacht still.
Nuhig saß der Vogel auf dem Boden. Mit der Todeswunde in der Brust sah er den Jäger furchtlos an, wie prü fend. Schon lauschte er einem fernen Ruf von weiten Flügen, Felsen und blauen Seen, darin dunkle Wälder schauen. Dann ließen die Fänge langsam die Erde los, und ohne jeden Laut sant er zur Seite.
Der Jäger starrte mit waldfernen Augen und wie im Traum auf das Bild. Wer so sterben könnte," murmelte er, so still und groß! Wie ist der Mensch dagegen armselig mit seinem Geschwäß und Stöhnen! Mit seinem schwächlichen Hoffen und Glauben! Aber dieser König sinkt dahin und in seinem Blick spiegelt sich nur die heilige Erhabenheit der Natur. Wie müßig ist doch das menschliche Trachten."
So stand der Maler. Allmählich aber kam in seine Her zen doch etwas wie Stolz über den Gefällten auf und er trat an ihn heran, der noch in seinem Tode mit den scharf bewehrten Fängen und dem gekrümmten Schnabel Vorsicht zu gegebieten schien.
Einige Schrote waren in die Brust gedrungen und der eine Maler beide in der Nähe der Gelenke, um die Spannweite Flügel war sichtbar zerschossen. Mit festem Griff faßte der durch Ausstrecken der Arme festzustellen. Der Adler war schwer und er mußte seine ganze Kraft aufbieten. Und da auf einmal was war das?! Dem Manne wollte fast vor Entseßen das Blut in den Adern gerinnen, die Fänge des totgeglaubten Vogels streckten sich vor und griffen nach seiner Brust, die Augen öffneten ſich und ſchienen mit ihrem Feuer die seinen zu versengen und gleichzeitig versuchte der Adler mit dem krummen, scharfen Schnabel nach ihnen zu hacken.
Wie besinnungslos hielt der Maler im ersten Augenblick das Tier durch Ausspreizen der Arme von sich ab. Er war ein beherzter kräftiger Mann und seine Wiege hatte in einem Forsthause an der masurischen Grenze gestanden, so daß ihn diese furchtbare plötzliche Gefahr nicht wie etwas ganz Ungewohntes anfiel. Aber es war ihm doch, als setzte der Herzschlag für eine Weile aus. Hätte der Adler seine Flügel besser gebrauchen können, so würde er den Maler durch ihre Gewalt bald ermüdet haben, so war es ihm noch möglich, Fänge und Schnabel des Vogels von sich fern zu halten.
Das Tier war matt und zerschossen und doch drohten seine sprühenden Augen in unmittelbarer Nähe von denen des unglücklichen Jägers, immer wieder frazten die spizen Fänge über seine nackte Brust und rissen die Haut herunter.
legung und ließ ihn die Möglichkeit seiner Rettung überUnd allmählich kam dem Maler die klare und scharfe Ueberblicken. Dann spannten sich die eisernen Arme von neuem und die Versuche seines Feindes schienen schwächer zu werden. Dann aber loderten Wildheit und jähe Lebenskraft wieder heftiger auf, noch eine kurze Zeit, dann mußte sich dieser kühn gekrümmte Schnabel blitzschnell in seine Augen senken und das goldene Licht des Tages würde auf immer vor ihnen verschwunden sein, in dem von den wütenden Schnabelhieben zer fezten Antlitz würde man vergeblich nach den ehrlichen, wohl gestalteten Zügen des Malers Fritz Wüstenhagen suchen. Selbst die Liebe.
Und aus der Brust des Mannes rang sich ein so furcht. barer Schrei, ein so grausiger Laut des Entsetzens, daß die Tiere des Waldes aufhorchten. So qualvoll kommt ihnen der Tod nicht. Und er kommt ihnen doch oft.
Wenn er an den Uhu heranging, so weit dessen Fessel reichte, Wieder schoß dem Maler ein Gedanke durch den Kopf. und ihm seinen Feind entgegenhielt? Der wackere Gesell würde ihn schon fassen.
Aber bei jeder Vorwärtsbewegung schien sich die Kraft des Adlers wieder zu beleben, als hauchte ihm die größere Nähe des tödlich Gehaßten neue Wut ein. Er würde nicht weit kommen. Da blieb er wieder stehen.
Oder wenn er sich mit aller Gewalt nach vorn auf den Boden warf? Sein Körpergewicht müßte den Vogel erdrücken.
Aber im letzten Augenblick würden sich seine Fänge unlösbar fest in seine Brust graben und ehe sie herausgeschnittent wären, müßte längst eine Blutvergiftung eingetreten sein.
und Friz Wüstenhagen begann seinem Feinde in die funkelnden Augen zu sehen. Er hatte jetzt dabei sogar einen philosophischen Gedanken.„ Merkwürdig," fand er ,,, wie sich mit der Lage die Ansichten ändern. Wir wollen doch urteilen! Vorhin erblickte ich in diesen Lichtaugen Trauer und Größe und jetzt Tücke, Bosheit und Rachsucht. Und sie haben sich doch kaum verwandelt. Was ist die Wahrheit?"
Die Kraft seiner Arme begann zu schwinden. Schon rührte einmal die Spitze des Schnabels beim Vorwärtsstoßen an seiner Nase, mehr und mehr schien der Adler sich zwischen seinen Händen zu bewegen und zu schwanken. Und deutlich spürte er das krampfhafte Auf- und Zufassen der Fänge. Dann rann ein Schauer über ihn hin.
Wer hat schon auf langen endlosen Märschen in Staub


