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und glühendem Sonnenbrand unter der Last des Tages ge­stöhnt: Sch kann nicht weiter, ein Ende, nur zu Ende." her erbarmungslos stampft die Kolonne weiter und kein Laut dringt über die erblaßten Lippen, als ein Lachen des Troßes über die Qual der Welt und ihre Torheit. Wenn man noch glauben kann, daß man es nicht mehr lange aushält, ist es noch weit zur Verzweiflung.

Welche Fülle der Gedanken, welche Abgründe und Höhen in wenigen Minuten! Säße den Menschen das Verderben noch sichtbarer im Nacken, sie würden das Leben noch besser er­fennen lernen. Da stellen sie Vergleiche an, kein Wort ist ihnen zu hoch, kein Begriff zu tief, wer möchte nicht mit dem Adler den reinen Hauch des Aethers trinken oder glaubte nicht einmal mit seinem Flügelschlag über Zeit und Raum zu kreiſen? Und wenn der todwunde ehrliche Recke ihm Auge in Auge gegenübersteht, versagt der Mut und wird klein, und Grausen zieht in die feige Seele, die aus dem Hinterhalt den Tod bereitete. Laß die freien Herzen fliegen Mensch und Knecht!

Ich glaube beinahe, mein Denken geht in die Frre," mur­ Ein Adler, der nach meinem melte Fritz Wüstenhagen. Herzen faßt, ist es eine Vision?" Dann dachte er an das Ende. ,, Links von mir liegt die Flinte, die Hähne sind gespannt, ich muß sie nachher mit der Spitze des Stiefels abdrücken. Es wird gehen, ich werde sie trotz meiner Blindheit finden. Nur gleich zum Schluß, ehe noch der flügelnde Verstand die Lebens­möglichkeit herausgefunden hat."

Als Friz Wüstenhagen die Möglichkeit einer Rettung auf­gegeben hatte, bäumte sich das Leben des Adlers zu den letzten Todeszuckungen auf. Noch einmal wiederholte sich das furcht­bare Ringen des Menschen mit dem sterbenden König der Lüfte, dessen Fänge dem Maler die Brust zerrissen.

Aber der Mann blieb Sieger. Der Kopf des Vogels sank endlich zur Seite, der Körper wurde schwer. Da packte Frig Wüstenhagen den Hals des Tieres mit der einen Hand und rip mit der anderen die Fänge des Adlers aus seinem Jagd­rock. Und weit schleuderte er seinen Gegner von sich. Dann sank er lautlos zu Boden, während das hervorströmende Blut die Wunden rein wusch und sie gerinnend schloß.

Fünf Minuten," sagte der Maler nachher ,,, kaum länger hat dieser Kampf gedauert. Wer die Ewigkeit und die Qualen der Hölle ermessen will, braucht nur so etwas durchzumessen. Manche Leute sollen behaupten, die Jagd sei mitunter ein Ver­gnügen. Man muß das nicht immer glauben, meine Herren."

EINST UND JETZT

Wie Friedrich der Große eine Welte verlor. Friedrich der Große fragte einst nach der Mittagstafel den bekannten Freiherrn v. Pölnih, ob er am Abend auch zur Redoute gehen würde. Und als Pölnik bejahte, meinte der König: Das ist gut, so bin ich doch gewiß, eine Maske mit Sicherheit zu erkennen." ,, Das ist doch noch sehr fraglich!" erwiderte Pölnik, worauf Friedrich erklärte: er würde dem Freiherrn tausend Friedrichsd'or zahlen, sofern er ihn in seiner Maske nicht erkennen würde. Zu Hause an gekommen, ließ Pölniß einen reichen Juwelier zu sich kommen und versprach ihm tausend Taler Belohnung, wenn er ihm eine bestimmte Anzahl Juwelen leihen wolle, mit denen er sich schmücken und sich am Abend vor dem König unkenntlich machen wolle; denn Friedrich würde beim Anblick so vieler echter Juwelen gewiß nicht an seinen so tief verschuldeten Kammerherrn denken.

Der Abend kam, die Redoute begann, und schon lange hatte der König seinen Kammerherrn vergeblich gesucht, als er plötzlich einen äußerst prachtvoll gekleideten Armenier erblickte. Turban, Gürtel und Kleid strotten von echten Juwelen die Maske er­regte großes Aufsehen. Alles umringte sie, jeder suchte zu erforschen, wer dahinter verborgen sein möchte. Man redete sie an; die Maske blieb nicht stumm, aber niemand konnte sie erkennen. Besonders neugierig war der König, zu wissen, wer wohl in seinem Lande Be­sitzer eines solchen Schazes an Edelsteinen und Perlen sei. Er schickte Vertraute auf Kundschaft aus, aber alle kamen mit der Nach­richt zurück: es sei ein Holländer, der große Besitzungen in den Kolonien habe und nach Berlin gekommen sei, um dem Könige mehrere wichtige Projekte vorzulegen und, falls diese angenommen würden, sei er gesonnen, seine Besitzungen zu verkaufen und sich in

Preußen niederzulassen. Das war eine gar liebliche Musik für Friedrichs Ohren, und gar zu gern hätte er gewußt, worin jene Pro­jette beständen, deshalb schickte er die Vertrauten wieder ab, den Holländer auszukundſchaften; doch dieser antwortete auf alle ihre Fragen: den Gegenstand seiner Projekte könne und werde er nur dem Könige selbst offenbaren. Durch dieses geheimnisvolle Wesen immes neugieriger gemacht, redete der König die Maske selbst an uns bot seine ganze Ueberredungskunst auf, ihr den Mund zu öffnen, aber bergebens. Sobald das Gespräch auf die angeblichen Pro jekte sich hinlenkte, versicherte der Holländer beharrlich: deshalb werde und könne er nur dem Könige selbst sich entdecken. Seiner Ungeduld nicht länger Meister, nahm endlich Friedrich die Maske ab und sagte: Nun, zum Henker, ich bin ja der König!"" Und ich bin Pölniz!" erwiderte schnell der Holländer, indem er ebenfalls die Maske abzog und sich ehrfurchtsvoll verneigte. Der König stuzte, lächelte und drehte sich kurz um. Am Morgen schickte er Pölnih 1000 Friedrichsd'or, aber er hätte gern das Doppelte gezahlt, hätte er den Verdruß nicht gehabt, von seinem Kammerherrn so überlistet worden zu sein.

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Bunte Blätter.

Eine angenehme Einrichtung ist in manchen englischen Kranken­häusern getroffen, indem nämlich neben den Betten der mit an­steckenden Krankheiten behafteten Insassen Fernſprechapparate an­gebracht sind, vermittelst deren die Kranken sich gemütlich mit Ver­wandten oder Freunden unterhalten können, ohne daß diese nötig hätten, sich in die gefährliche Nähe des Kranken zu begeben.

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Guter Bescheid. Die Gräfin von Würben, die Geliebte des württembergischen Herzogs Eberhard, die in Ludwigsburg mit un­umschränkter Willkür Hof hielt, hieß dem Prälaten Joh. Osiander sie in das Kirchengebet einschließen. Der Geistliche erklärte: Das geschieht schon, wenn man bittet: Herr, erlöse uns von allem

Uebel.""

Bemooste Häupter. Unter den Fischen sollen die Hechte das ehr­würdige Alter von 200 Jahren erreichen können; aber es scheint ein gleiches Alter den Karpfen beschieden zu sein. In England wer­den wenigstens Karpfen von ungeheurer Größe angetroffen, wie das auch in den Teichen um Fontainebleau der Fall ist. Nicht nur die Größe aber läßt auf das Alter schließen, sondern auch die weißen Schuppen, die langsamen Bewegungen und das sogenannte Moos auf den Fischhäuptern. Columella erzählt, man habe in den Fisch­behältern Cäsars bei Pausilippum Fische gefunden, die nachweislich ein Alter von sechzig und siebzig Jahren besessen hätten. Noch merk­würdiger ist es, daß man 1447 bei Heilbronn einen Fisch gefangen habe, an dessen Floßfedern ein Ring rit der Aufschrift befestigt gewesen sei: Ich bin der erste Fisch, den der Kaiser Friedrich II. den Der Fisch hatte also ein Alter 5. Oktober 1209 in den Teich setzte." von 216 Jahren erreicht.

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Gut pariert. Emile Zola und Jules Claretie, die beiden be­kannten französischen Schriftsteller, waren einmal Freunde, sie bil­deten eine, Clique" und lobten sich gegenseitig in den ihnen zur Verfügung stehenden Journalen. Jules Claretie vom Temps" erhielt sogar eines Tages einen Brief, in welchem ihm Zola schreibt: Tun Sie für mein Buch, was Sie können, Sie wissen ja, eine Hand wäscht die andere!" Claretie zog sich aber bald Zolas Gegnerschaft zu, und eines Tages erschien in einem Journal ein gegen Claretie gerichteter Artikel von Zolas Hand. Claretie war wütend, aber er heuchelte Ruhe und veröffentlichte in seinem Jour­nal obigen Brief und darunter dessen Angriff. Er selber schrieb nichts dazu, als: Es scheint demnach, daß ich Herrn Zolas Hände nicht genügend gewaschen habe. Jules Claretie."

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Nichts Neues unter der Sonne. Ein maurischer Gesandter kam gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts nach Madrid und berichtet von den spanischen Zuständen in anziehender Weise. Be­sonders fielen ihm die postalischen Einrichtungen und die Zeitungen als etwas Seltsames auf. Sobald Neuigkeiten aus fernen Län­dern anlangen," sagt der Maure, der ein aufmerksamer Beobachter gewesen sein muß, so werden dieselben in ein Haus zu einem Manne gebracht, der eine Schreibmühle( soll bedeuten: Druckpresse) besitzt und dieselben auf Bogen Papier druckt; diese werden dann unter dem Volke verkauft, und man nennt das el- gasetah( die gazette oder Zeitung). Man liest manche Neuigkeiten auf diesen Blättern; die meisten sind indes sehr übertrieben oder enthalten offenbare Lügen und sind nur deswegen fabriziert, um die Neugierde der Leute zu befriedigen." Schon damals!

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Nr. 182

Dienstag, den 14 Junt.

Oberbessische

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

Familienzeitung.

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

( Schluß.),

Die Rache ist mein.

Originalroman von Ottomar Beta

Ja, er zog sie an sein Herz und ließ sie nimmer wieder von dort entweichen, wie man einen Engel einfängt, der seinen Himmel mit sich bringt und nicht nötig hat, sich nach einem andern zurückzusehnen.

So kam es, daß diese beiden ganz allein ihre erste Aus­fahrt machten. Die Leute blieben auf den Straßen stehen, um sie zu grüßen, und sie galten als Verlobte, che noch eine eigentliche Erklärung zwischen ihnen stattgefunden hatte und ehe irgend etwas dergleichen im Blättchen stand. Sie fuhren als Brautpaar durch die schöne Frühlingswelt und hielten auf einem der höchsten Berge unterhalb der Stadt, von wo aus man einen Fernblick hat bis ans Haff.

Was ist denn da drüben für ein neuer voter Bau ent­standen!" fragte Erich, durch das Glas ſehend, welches er immer noch mühsam mit der Rechten erhob.

Das ist der neue Staudiussche Speicher, mein Herr," erwiderte Franziska, indem sie lachend zu ihm emporblickte. Derselbe stand auf der Stelle der alten Siederei und war so voll von Frucht wie je.

" Du weißt doch, daß Rieb für alles sorgt, Erich!" " Ja, und dein Vater, Fränzy, und Stöberer; ja wohl, sie sorgen für alles. Und dort drüben?"

Er wies mit der leichter beweglichen Linken über den Fluß hin.

Das ist das neue Staudiussche Stift, Erich, mitten inne zwischen den Arbeiterhäusern und rings umher nichts als Garten. Denk nur, Papachen hat die ganze Versiche­rungssumme dran gewendet, um diesen Garten anzulegen. Du weißt doch, den Betrag für das verbrannte Korn."

Ja, ja, das ist auch der beste Zweck, den es finden konnte. Ein Garten hält von schlechten Gedanken ab."

Und, Erich, denk dir nur, Köberlein wohnt dort mit unserer Anna; die beiden sind aber' mal ein glückliches Paar! Anna hat ihn nicht heiraten wollen, wenn er in der Schenke bliebe, und da haben wir ihn als Stiftsgärtner eingesetzt. Es ist wunderbar, wie ihm alles gedeiht und wie schnell er alles dazu gehörige gelernt hat."

Er hatte immer eine Neigung zum Idyll."

,, Sein früherer Oberst sagt, er würde ein besserer Soldat geworden sein als mancher wohlbelobte Avantageur, nur, man müßte bei ihm den Wallensteinchen Grundſatz gelten lassen: Ein Wort ist frei."

Nicht bloß bei ihm," meinte Erich, sofern der Gehorsam troy alledem blind bleibt."

Und nun wollen wir nach Staudiushof, Erich; wollen wir?"

" Ich sehne mich schon lange dorthin, nach der Sonnen­uhr," sagte Erich seufzend.

" Der Schatten ist dort etwas gelichtet worden, seitdem es dir gehört," hub Franziska wieder an; man hat ein ganzes Stück vom Park für den Vulkan gebraucht, und man hört dort so viel Gehämmer, daß alle Gespenster auf und davon

( Nachdruck verboten.))

" Ich denke, man könnte Staudiushof umbauen für die Arbeiter", sagte er endlich. Wir müßten uns mit dem alten Stadthaus begnügen, wenn dein Vater uns die Ober­etage abläßt." Dabei richtete er einen zärtlichen Blick auf Franziska.

" Er wird sich wohl erweichen lassen," scherzte diese. Die Wohnung steht ja seit einem halben Jahre leer und ist ganz neu tapeziert. Du weißt, man hat die Morißschen Möbel unter den Hammer gebracht. Auf Staudiushof hat niemand mitgeboten, das wollten sie uns lassen, aber um diese pracht­vollen Möbel hat es fast eine Schlägerei gegeben."

Der unglückliche Morit! Was mag ihn nur in den Tod getrieben haben? Denn, ich denke mir, er hat sterben wollen." Wenn Erich grübelte, dann kam er leider immer wieder auf diesen Punkt zurück.

,, Es ist herausgekommen, daß er an der Börse kolossale Engagements hatte. Er spekulierte gegen den Vulkan à la baisse."

Franziska faßte ihn bei der Hand und sah ihm, während sie das sagte, sorgenvoll ins Gesicht. Erichs Miene umflorte sich. Er wurde bleicher und bleicher.

" Das war auch ganz richtig," sagte er wie mit sich selbst redend, denn wir brauchten noch viel Terrain am Ufer und das hätte der Gesellschaft große Summen gekostet... aber Dann stockte er um so weniger hatte er Veranlassung und murmelte: Er lag auf meinem Bett." Erich!" rief Franziska, ihn umarmend, denke doch daran nicht mehr... es ist ja eine Einbildung."

,, Er schlich hinter mir... er wollte mich warnen." ,, Ganz gewiß wollte er das! Weißt du, wir wollen auf ein Jahr fort von hier.... nach dem Süden, nach Italien!" ,, Aber erst müssen wir uns heiraten, Fränzy." Sumus umbra. Wir sind Schatten! So konnte man auch von Erich sagen. Sein Kopf... sein armer Kopf hatte gelitten.

Es bedurfte der Sonne des Südens, um alle Schatten aus Erichs Sinn zu verscheuchen, und es bedarf jener andern, noch mächtigeren Sonne, die ihn aus Franziskas Augen an­strahlt, um sie dauernd fern zu halten.

*

*

Es kam aber die Zeit, wo er mit ruhiger Ueberlegung an die Ereignisse jener Nacht zurück zu denken vermochte, wenn er auch Franziska gegenüber, um sie nicht zu ängstigen, derselben nie mehr erwähnte.

In solch ruhiger Stimmung ging er eines Abends mit Stöberer und Papa Fiebiger über die Brücke, um den Garten zu besuchen, der die Staudiusschen Arbeiterhäuser in reizender Weise umgab, und hier fand er Anton Köberlein im Stroh­hut mit der Hacke in der Hand, und der unverbesserliche Kauz schulterte dieselbe mit raschem Griff, und präsentierte sie wie ein Gewehr in unbewußter Selbſtironie seines ehe­

geflogen find. Es wurde ihnen dort unheimlich. Ich finde, maligen Soldatentini, bitte gehorsamst zu melden, bin

die Industrie hat doch ihr Gutes."

Erich sah umher und grübelte über etwas nach.

,, Herr Stü'rmann,

heute nacht Papa geworden," sagte er im Ordonnanzton.

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