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Nacht im Weidenhof auftauchen, worüber er euf alle Fälle vergewissert sein wollte. Ueber­haupt war ihm, das wußte er, sein Anschlag noch keineswegs vollkommen gelungen. Stephan Harlow war kein verächtlicher Feind, und eine Post, Briefe nach England zu schicken, fand er in allen Ländern vor. Ohne Zweifel würde er, sobald er konnte, an Kitty schreiben und gleichfalls an seine Chefs. Mit den letzteren glaubte er übrigens leicht fertig werden zu können. Er brauchte sich nur an die Herren Preston u. Co. zu wenden und sie auffordern, Briefschaften für oder an Stephan Harlow an seine Adresse zu senden; oder aber er reiste nach Millport und trug dort seine eigene Geschichte vor. Indes ein Brief an Kitty selbst war ein ander Ding; und über die Mittel und Wege, ihn abzufangen, grü­belte er, als er heimgekehrt war, die ganze dunkle Nacht lang.

Kitty Blackdorn schlief weniger unruhig auf ihrem Lager. Sie hatte felsen festes Ver­trauen zu Stephan, der, wenn er länger als gewöhnlich ausblieb, wohl auch seine ge­wichtigen Gründe besaß. Zugestoßen konnte ihm aber kaum etwas sein, sonst hätte sie es erfahren. Darum schlief sie den ruhigen Schlaf der Gerechten.

Erst als er auch am folgenden Morgen nicht erschien, packte sie Angst, und unbe­fümmert, was die Leute davon denken sollten, ließ sie, als die Sonne höher und höher stieg, ohne ihn zurückzubringen, ihre nötigste Arbeit im Stich und eilte ins Dorf zum Schmied, bei dem die Briefe zur Austeilung gelangten.

Ist etwas für den Weidenhof da?" fragte sie die Schmiedsfrau, die in ihrer Schmiede einen Kramhandel betrieb und zugleich Post­meisterin im Dorfe war.

Jawohl, Fräulein Blackdorn. Gewiß etwas von Wichtigkeit, da Sie selbst danach fommen? Und was macht der Herr Harlow? Wann ist die Hochzeit? Ja zwei waren da- einen Brief für Herrn Harlow und einer für Sie."

" Ich habe Briefe für Sie ich wollte| Stephan noch nicht da. Statt seiner fuhr

Ihnen einen Gang sparen. Ich erwarte selbst einen wichtigen Brief. Sie kamen mir gestern etwas abgespannt vor und ich möchte Ihnen," fuhr er scherzend fort, das Leben leicht machen, wo ich nur fann."

" Ich werde sie mitnehmen, bitte." ,, Gerne, gerne nur war eben Herr Marrell hier nach seinen Briefen. Mein Gott, was der Mann für eine große Korre­spondenz hat! Vier Briefe hat er heute auf einmal erhalten! Und der eine aus London hat neun Pence gekostet! Gewiß eine wich­tige Sache, die er erhalten! Hätte sonst Herr Marrell nicht ohne Murren so viel Porto erlegt! Ja und da er doch nach dem Weidenhof wollte, nahm er gleich Ihren und Herrn Harlows Brief mit. Es ist doch ein recht schöner Herr aus dem Sohn des alten Ely geworden: Es ist kaum zu glauben, daß ich hier vor der Schmiede in dem Moor drüben mit ihm gespielt. Und nun ist er Ihr Bräutigam geworden! Eigentlich, wenn man's richtig bedenkt, für eine Weidenhof­tochter keine rechte Partie; allein so ists in der Welt: Geld macht alles gerade, und Geld soll er ja auch die schwere Menge besitzen

"

Sie biß sich mit offenbarer Verdrießlich keit auf die Lippen, wie sie ihm die beiden Briefe abnahm.

Sie öffnete das an sie gerichtete Schrei­ben und blickte hinein. Henoch Marrell be­obachtete sie scharf, wie sie es wieder zu­sammenknitterte und in ihre Tasche steckte.

,, Hoffentlich gute Nachrichten?" fragte er. ,, Weder gute, noch schlechte," meinte Kitty. " Es ist weiter nichts!" Sie wollte fürderhin ihr Herz nicht mehr auf dem Rockärmel tragen. Aber lassen Sie sich nicht stören von mir. Gehen Sie ruhig zum Weidenhof weiter. Ich habe noch ein paar Besorgungen in dem Dorf. Nochmals besten Dank für Ihre Freundlichkeit, Herr Marrell."

Und so plapperte sie weiter, lauter frauses Zeug, das Kitty wenig interessierte. Nur das eine dünkte ihr neu, daß Henoch Marrell in eigener Person so zeitig zur Post ging und sich gar als Briefträger für den Weidenhof aufspielte. Indes nach allem war dies nur freundnachbarlich zu nennen. Sie wünschte, sie wäre lieber daheim geblieben und hätte sich nicht dem Klatsch der Leute ausge­setzt; und das tat sie erst recht, als sie dicht vor dem Dorf Herrn Marrell auf sich zu­kommen sab.

Er begegnete ihren Augen nicht, wie sie ihm ihre Hand hinhielt, und selbst ihm, dem harten Manne tat es weh, daß er dem zarten Kinde den bitteren Schmerz hatte zufügen

gegen Mittag der neue Hausknecht vom Halbmond im rumpeligen Gefährt auf den Hof, der, als Kitty auf die Haustreppe her­ausgeeilt fam, zu ihr sagte: Guten Tag, Fräulein Blackdorn, ist Ihr Vater zu sprechen?"

Tom ward herbeigerufen und der Haus­fnecht zog vor ihm tief, wie vor einem feinen Herrn, seine Müze; die Zeit, in der er den reichen Gutsbesizer gespielt, lag den Leuten noch immer im Gedächtnis.

,, Haben Sie einen Herrn namens Harlow zum Besuch?" fragte der Hausknecht. Kittys Pulse flogen schneller.

Ja," meinte der Vater, was ist es mit ihm?"

Er logierte vorgestern Nacht in unserm Hause und als er am nächsten Tag wegging, vergaß er dies hier bei uns. Der Halbmond­wirt schickt es Ihnen her, weil er denkt, es könnte am Ende etwas von Wert sein. Da ist es!"

,, Stephan im Halbmond, Unsinn," ver­sezte der Landmann. Aber doch sieh ein­mal, Kitty, das ist wirklich sein Notizbuch.

Hus Deutsch- Südweftafrika: Anficht von Otjimbingué.( Photographische Aufnahme.)

müssen. Er wußte, daß, wenn sie sich trenn­ten, die Weidenhoftochter folgendes las:

Geehrtes Fräulein Blackdorn oder wie Sie sonst heißen. Wenn Sie glauben, Sie halten Ihren Stephan Harlow jetzt fest, so irren Sie sich. Stephan Harlow ist mein Bräutigam in Millport. Und darum warne ich Sie nur, sich nicht mit ihm zu tief einzu­lassen. Ich habe meine Ansprüche an ihn, die ich auch um Sie nicht aufzugeben gewillt bin. Wer klug ist, hört anderer Rat!"

Daß diese Epistel nicht von Frauenhand geschrieben war, hätte ein kundiges Auge auf den ersten Blick gesehen. Indes Kitty war arglos genug, diesen Brief für das zu halten, für was er sich ausgab. Trotzdem schätzte sie ihn nach seinem Wert. Als Schwester von Richard Blackdorn wußte sie auch, wie es in der Welt zuging; und war es ihr gleich ein | bitterer Gedanke, daß Stephan bordem mit anderen Frauen und gar mit einer so schlech ten Person, wie diese schien, getändelt haben könnte, so sollte das, was gewesen, doch nimmer störend zwischen sie treten. Sie war mit sich einig, was sie zu tun hatte. Ste wollte Stephan mit offenem Herzen entgegen­gehen, ihm vertrauensvoll die falsche, hinter­listige Buſchrift zeigen. Das war das beste! Als Kitty wieder nach Hause fam, war

Erzielung günstiger Zensuren wirft, anstatt, daß man auch noch das persönliche Moment zur Hilfe nimmt und das jugendliche Gemüt dazu aufreizt, nicht bloß gute Zensuren zu erzielen, sondern auch noch seinen Nebenbuhler zu über­flügeln. Vielleicht wird der bedauerliche Berliner Fall in Fachkreisen auch von dieser Seite aus einmal betrachtet

Soweit die beachtenswerte Zuschrist. Interessante Auf­schlüsse über den Seelenzustand des Knaben vor der un­seligen Tat gab seine eigene spätere Aussage. Er hatte, als an ein und demselben Vormittag die zweite Maßregelung erfolgte, bevor er sich heruntersetzte, einem Mitschüler zuge­flüstert: Was wird denn nun meine arme Mutter dazu sagen?" Dann so erzählt der Junge ist vor dem Zeichnen die große Pause gekommen, ich hatte gerade das Messer aufgeklappt, um meinen Bleistift zu spizen, als der Lehrer rief: Alle herunter!" Ich ging aus der Bank und sah, daß der Lehrer, der nach Hause gehen wollte, an mir vor­überkommen mußte. Da bin ich heruntergesprungen." ,, Und hast ihn mit dem Messer gestochen?"" Das weiß ich nicht. Dann ist mir meine Mutter eingefallen und meine Geschwister, und da habe ich zu schreien angefangen. Der Lehrer hat sich nach mir umgedreht und gesagt: Junge, du bist wohl verrückt geworden?" Ich habe ihn darauf gefragt: Darf ich mich wieder Zweiter seßen?" Man sieht die fire Idee, die sich nur um den einen Punkt, die vermeintliche Schande des Heruntergesetztwerdens dreht.

Der Krieg in Oftalien.

Die Russen, die in diesen Tagen ihr Hauptaugenmerk darauf richten, den Hafen von Port Arthur gegen er­neute Angriffe von seiten der Japaner möglichst zu sichern,

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Du mußt es kennen. Ja, und da liegt auch ein Brief darin, an ihn adressiert. Merk­würdige Sache! Was blieb er im Halbmond, anstatt nach Hause zu kommen?"

Das kann ich nicht wissen, Herr. Er bestellte ein Zimmer und ging zu Fuß am nächsten Morgen weg. Mehr weiß ich nicht. Wollen Sie die Sachen also behalten?"

" Ja, lassen Sie sie nur hier. Ich werde sie ihm geben, wenn er wiederkommt. Und mun lassen Sie sich ein Glas Bier geben und nehmen Sie das für Ihre Mühe." Black­dorns Tasche enthielt gerade einen Schilling, und dieser ging direkt in die Hand des Haus­knechts, dessen persönliches Pech es war, daß nicht zwei Schillinge in der Tasche gelegen.

Kitty," meinte er, als der junge Mensch in die Küche gegangen war, sich sein Bier zu holen, das ist eine merkwürdige Geschichte. Stephan in einem Gasthof, wie der Halb­mond, drei Schritte von uns entfernt abge­stiegen! Weißt du, was das bedeutet?" ,, Nein, Vater, aber"

Aber hin, aber her! Ich will wissen, was los ist. Habt Ihr Euch beide gezankt?"

,, Gezanft, Vater, ich? Und mit Stephan?" Hallo! Was ist das?" rief er aus, als er das Notizbuch aufschlug und ein offener Brief aus demselben auf die Erde flatterte.

geringes Maß reduziert wird. Damit reajnen denn auaj die Japaner stark, deren sehr günstig gelegene Kohlen­werke die japanische Flotte mit völlig ausreichenden Kohlen­mengen versehen können, die allerdings der englischen Kohle an Wert nicht gleich sind, aber doch vollständig genügen, um die Manövrierfähigkeit der japanischen Flotte in jeder Weise zu sichern. In russischen Marinekreisen hegt man die größte Besorgnis, daß das Hilfsgeschwader, bestehend aus dem Panzerschiffe Osliaba" und den Kreuzern ,, Dmitri Donskoi" und" Aurora", begleitet von zehn Torpedobooten und einem Kohlentransporte, dem Dampfer Saratom", das sich jetzt noch im Indischen Ozean befindet, abgefangen wird. Die Gefahr für diese Schiffe beginnt nämlich schon auf dem Breitengrade von Formosa, den Pescadoren und den Liu- kiu- Inseln, in deren Buchten wohl zahlreiche japa­nische Torpedokreuzer ihre Beute erwarten werden.

Neue russische Verstärkungen zur See,

die sich vom heimischen Ostseehafen Kronstadt aus nach Ost­asien begeben sollen, werden selbstverständlich auch mit großen Schwierigkeiten betreffs der Kohlenversorgung zu kämpfen haben, da sie ihre Kohlenvorräte in neutralen Häfen nur soweit ergänzen dürfen, daß sie imstande sind, den nächsten russischen Hafen zu erreichen. Deshalb sind die Japaner stets in der Lage, ihre Bewegungen zu kontrollieren und ihnen einen Hinterhalt zu legen. Die Aufsicht, die die Engländer am Suezkanal üben, ist äußerst streng. Das österreichische Kohlenschiff" Java", das für einen Kohlen­transport nach Port Arthur gemietet war, ist auf Anweisung des Auswärtigen Amtes in Kairo für ein Schiff der krieg­führenden Mächte erklärt worden und sollte sofort den Hafen Port Said verlassen. Das Schiff löschte daher die Kohlen. Ebenso hat die äavbtische Regierung das Ersuchen Rußlands

13. Jahrgang.

nspaltige Petitzeile für ganz Ob nd Marburg 10 Pfg. fonft 15 3 Betitgeile 30 reíp. 40 3g. igsliste No. 3269.

1: Gießen, Seltersweg 88 janschluß Nr. 362.

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und Umgebung.

n Oberhessen.

Torpedodootszerstorer, der am ort Said eintraf, dort in Dod al die Vergünstigung der schnellen aiser Wilhelms- Kanal wird die n. Unsere Regierung hat sich der ßen können, daß wir als neutrale Weg jegt nicht gestatten dürfen. gilt als deutsche Binnenwasser­n kriegführender Staaten ebenso­, wie Landtruppen durch einen dürfen. Die russische Verstärkung, eldungen aus den drei Panzer­nder III." und" Suwaroff", sowie n Transportdampfer ,, Kamschatka" dmirals Wesselago besteht, mußte zeitraubenden Umweg durch das

er die Mandschureifrage.

ung der chinesischen Diplomatie, dert haben, kann nicht besser ge­durch einen Brief, den der schlaue nach Unterzeichnung des Pefinger ben hat. Wenn wir die Mand­berlassen, so kalkulierte der chine­garnichts, weil dann die Japaner werden, und wenn sich dann die O Rußland, an der Grenze zwischen ei berühren werden, und jeder der it versuchen wird, die Grenze auf er hinauszuschieben, dann werden hen; scheint es dann im Falle Japan den fürzeren ziehen, dann t allen Kräften, Japan vernichten. uns dann die Russen sicherlich die ind Korea für sich behalten. Sieht e Rußland im Kriege mit Japan wir einfach die russischen Truppen caustreiben, indem wir vorgeben, verden auf diese Weise ohne große rüderhalten. Jetzt die Mandschurei It sehr schwer. England legt großes trei, aber daran brauchen wir uns land mit Gewalt nichts ausrichten eutral, Frankreich sieht aus weiter schweigt still." Lihungtschang hat die heutige Situation ziemlich klar

ser Reichstag.

Stunde

CB Berlin, 13. Februar. ang über freie Aerztewahl, Kassen­die sich endlos weiterspinnt, würde Sigung durch Wahlprüfungen terhaltsam war das Zwischenspiel Braun( Soz.), Wahlkreis Frank­die Kommission für ungiltig zu er­erial nachträglich beinebracht worden roeber( 3tr.) Zurückweisung der Wahlprüfungskommission. Darüber geredet, worauf der An­nommen wurde. Sodann kam das schon zu Tode gehetzte Kapitel Reichsgesundheitsamt" wieder an die Reihe. Die Debatte ist weder interessanter noch belangreicher als gestern. Höchstens wäre die Aus­einandersetzung zwischen dem Sozialisten Stadthagen und dem Freisinnigen Mugdan zu erwähnen. Ersterer behaup­tet, die Zahl der Toten und Verwundeten in der Industrie sei im letzten Jahre mit 120 000 größer, als die der Ge­samtzahl der Toten und Verwundeten im deutsch- franzö­sischen Kriege auf deutscher Seite. Abg. Mugdan weist die maßlosen Uebertreibungen des Vorredners zurück. Die Sozialdemokraten überschütteten die bürgerlichen Parteien mit den heftigsten Vorwürfen und seien doch selbst die größten Feinde aller Sozialpolitik. Das war der Clou" der heutigen vierstündigen Sitzung!

Die Politik.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist der Zehnstunden­Arbeitstag im Anzuge; vorläufig allerdings bloß für er­wachsene Arbeiterinnen. Der Bunderat hat bereits den Einzelstaaten anheimgegeben über diese Frage Erhe­bungen anzustellen. Als Grundzüge sind hierbei angenom­men worden die Herabsetzung der zulässigen täglichen Arbeits­zeit von 11 auf 10 Stunden und am Vorabend der Sonn­und Festtage auf 9 Stunden. Bei Bewilligung von Ueber­arbeit soll die tägliche Arbeitszeit an Wochentagen 12 Stun­den und am Vorabend von Sonn- und Feiertagen bei Ar­beitsschluß spätestens Uhr 9 Stunden nicht überschreiten. Die Beschäftigung von Wöchnerinnen soll vor Ablauf von sechs Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht und während der folgenden zwei Wochen nur dann gestattet wer­